2018

3 Fragen für Alistair Begg

Alistair Begg hat drei Fragen zu seinem Dienst beantwortet. Die erste Frage lautet: „Was ist Ihre Methode der Predigtvorbereitung?“.

Die Antwort:

Wann immer ich gebeten werde, meine eigene Vorbereitungsmethode zusammenzufassen, erwähne ich die folgenden Punkte, die ich von einem alten Pfarrer gelernt habe, als ich noch Theologiestudent war. Fünf Schritte oder Hinweise, die ich gerne im Hinterkopf behalte: Denke dich leer, lese dich voll, schreibe dich klar, bete dich heiß und sei du selbst, aber predige dich nicht selbst.

Diese Hinweise helfen mir, mich von Anfang bis Ende zu konzentrieren. Abgesehen von der wesentlichen Ermächtigung des Heiligen Geistes, ist dieser eine Aspekt der Predigtvorbereitung am engsten mit der Redegewandtheit und der Wirkung bei der Präsentation verbunden ist: Die Freiheit auf der Kanzel hängt von einer sorgfältigen Organisation des Textstudiums ab. Ein guter Lehrer macht den Weg frei, erklärt den Weg und geht dann auf dem Weg.

Die anderen Antworten gibts hier: equip.sbts.edu.

Offenbarung: Klar oder unklar?

Mit „Weiterglauben“ hat Thorsten Dietz von der Hochschule Tabor ein Buch zu zentralen Fragen des christlichen Glaubens veröffentlicht. Er will mit dem Projekt den Horizont seiner Leser aus evangelikaler Engstirnigkeit herausführen.

Gelungen ist ihm das nicht. Ich habe bereits auf eine Rezension zum Buch von Thomas Jeising aufmerksam gemacht, die Schwächen von „Weiterglauben“ aufdeckt (siehe hier). Thomas Lauterbach hat in der empfehlenswerten Zeitschrift PERSPEKTIVE ebenfalls eine Besprechung veröffentlicht (erschienen in der Ausgabe 05/2018, www.cv-perspektive.de) und geht dort besonders auf das Offenbarungsverständnis des Autors ein.

Er schreibt:

Auch wenn wir einen angemessenen Umgang mit Zweifeln in unseren Gemeinden anstreben sollen – „Seid barmherzig mit denen, die ins Zweifeln gekommen sind!“ (Jud 22) – wird Zweifel in Gottes Wort nie als Wert in sich gesehen oder als Tugend beschrieben. Vielmehr soll Zweifel überwunden werden und zu neuem Vertrauen zu Gott führen. Und zwar zu einem Gott, wie er sich selbst offenbart, nicht, wie wir ihn gerne hätten. Weil sich Gott offenbart, können wir ihn kennen und mit diesem unvergleichlichen Gott leben. Wir sind nicht im Unklaren über sein Erbarmen, seine unermessliche Gnade und die Vergebung, die er hoffnungslosen Rebellen und Sündern in Jesus zukommen lässt (1Tim 1,12-13). Weil wir all dies wissen, können wir dankbar in das Lob von Paulus einstimmen: „Ihm, der mit seiner ´unerschöpflichen` Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen“ (Eph 3,20-21).

Hier die vollständige Rezension (mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion): Perspektive 05 _ Lautberbach Rez Dietz.pdf.

Diversität zählt mehr als Wahrheit

Axel Meyer, Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz, beklagt in einem Beitrag für die NZZ die postmoderne Bildungskultur an den amerikanischen Universitäten. Besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften habe man die Suche nach Wahrheit mehr oder weniger aufgegeben. Was zählt, ist die „Diversität“.

Laut Poststrukturalismus – verkürzt auch Postmodernismus genannt – gibt es nicht eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten, die sich in einem Machtspiel durchsetzen oder nicht. In einigen besonders politisierten Fachbereichen, die sich mit Gender, Afrika oder anderen identitätspolitischen Themen befassen, gelten die Wahrheit und die wissenschaftliche Methode als von dem Patriarchat oktroyierte Konzepte. Der weisse Mann – da wird unverhohlen rassistisch argumentiert, als ob alle weissen Männer identisch dächten und tickten – ist der Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Das neue Mantra in den Geisteswissenschaften heisst Diversität. Dabei wird ausgeblendet, wie rassistisch Diversitätsdenken per se sein kann, denn seit wann ist es denn wieder in Ordnung, Menschen nach Hautfarbe einzuteilen? Als ob alle Afrikaner gleich wären oder alle Hispanics gleich dächten. Man sagt, dass man mehr Diversity wolle, allerdings nur in Hautfarbe, aber nicht in Meinungen oder Fähigkeiten oder Talenten.

Obwohl Meyer in der Bewertung von Obama meines Erachtens irrt, kann ich den Artikel sehr empfehlen: www.nzz.ch.

Soziale Gerechtigkeit

Diejenigen, die mit der reformierten Szene in den USA vertraut sind, haben wahrscheinlich die Diskussion um die Erklärung zur „Sozialen Gerechtigkeit“ verfolgt. Leute wie John MacArthur oder James White haben ein Statement zur „Sozialen Frage“ veröffentlicht. Andere haben sich von dem Statement distanziert, da es über das Ziel hinausschieße. Die Tatsache, dass der Begriff „Soziale Gerechtigkeit“ kulturmarxistisch aufgeladen sei, bedeute nicht – so ihre Auffassung –, dass es keine sozialen Probleme gebe. Andere, wie etwa Kevin DeYoung, nehmen eine vermittelnde Position ein.

Zu jenen, die sich von der Erklärung distanziert haben, gehört Al Mohler. In einer „Q&A“-Sitzung hat er ausführlich zur Diskussion Stellung genommen. Im Geiste der Augustinischen Theologie äußert er sich zu McArthurs oder Tim Kellers Sichtweisen. Ich stimme übrigens Mohler in wesentlichen Punkten zu.

Hier der Mitschnitt (ich empfehle besonders die Ausführungen ab Minute 24:00):

DCTB-Tagung Norddeutschland: Glaube in stürmischen Zeiten

Die Bibelkritik hat die Verkündigung des Evangeliums enorm geschwächt. Viele Prediger glauben nicht mehr an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Gedanken und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe und billigen Trost ab. Sogar in christlichen Kreisen wird der Zweifel inzwischen zelebriert. Nur verhältnismäßig wenige Verkündiger glauben noch daran, dass Gottes Wort vertrauenswürdig ist und die Verkündigung des Evangeliums zu den vorrangigen Aufgaben der Gemeinden gehört.

Muss das so sein? In mehreren Vorträgen auf der DCTB-Tagung in Norddeutschland werde ich für die damit verbundenen Probleme sensibilisieren und dazu ermutigen, trotz Gegenwinds in Kirche und Gesellschaft an der Guten Nachricht festzuhalten. Das Evangelium von Jesus Christus trägt, auch in stürmischen Zeiten.

Die Tagung wir in der Zeit vom 26. Oktober bis 28. Oktober im Geistliches Rüstzentrum in Krelingen veranstaltet. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten sind hier zu finden: 2018_ndt_flyer_digital-1.pdf.

D.F. Wallace und T.S. Eliot

Vor 10 Jahren nahm sich David Foster Wallace, der wohl bekannteste Diagnostiker der postmodernen Kultur, das Leben. Warren Cole Smith hat für CT einen rührenden Rückblick verfasst und dabei Gemeinsamkeiten zwischen Wallece und T.S. Eliot ausgemacht:

Tatsächlich, bei aller postmodernen Glaubwürdigkeit auf der Straße, beim Drogenkonsum und bei der selbst offenbarten sexuellen Promiskuität von Wallace (zumindest bis er sich Anfang der 40er Jahre niederließ und heiratete), wurde Wallace letztlich zu einem Old-School-Moralisten, zu einem Künstler, der für die Postmoderne das war, was T.S. Eliot für die Moderne war: ein Schriftsteller, der vom Brunnen des Zeitgeistes trank, um es als Warnung an andere wieder auszuspucken.

Eliot und Wallace waren sich noch in anderer Hinsicht ähnlich. Sie waren beide Söhne des Mittleren Westens, deren Eltern anspruchsvoll waren und hohe Erwartungen stellten. Beide erlebten früh im Leben literarischen Erfolg und beide spürten die Last dieses frühen Erfolgs. Beide sahen sich mit Krisen der Berufung und Depressionen konfrontiert. Beide wurden zu Stimmen ihrer Generation.

Wallace las und lehrte Eliot. Besonders bewegt war er von The Waste Land, einer Elegie der westlichen Kultur, die als eines von Eliots Meisterwerken gilt. Genau wie Wallace’s Werk ist das Gedicht bekannt dafür, anspielend, abstrus und voller ungewöhnlicher Fußnoten zu sein.

Mehr hier: www.christianitytoday.com.

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Kritik an „Ehe für alle“ wird Fall für den Presserat

Der österreichische Journalist Martin Leidenfrost hatte sich erlaubt, in einem bissigen Kommentar den politischen Einfluss der Schwulen und Lesben zu hinterfragen. So schrieb er:

Der Nationalrat ist hier mit einem Herzstück der herrschenden Ideologie konfrontiert. Wo Gläubige früher durch die Straßen zogen, um den Leib Christi zu verehren, beten sie jetzt in Latex gepresste Männerärsche an. Die Gay-Pride-Parade ist die Fronleichnamsprozession des frühen 21. Jahrhunderts. Der propagandistische Aufwand ist gewaltig: Filmindustrie und Medien massieren uns mit homosexuellen Rührdramen, die Privilegierung einer im Westen wohlsituierten Minderheit wird als „Ehe für alle“ verkauft, Andersdenkende werden an Schandpfähle gebunden. Aus einer lustigen Travestie ist eine todernste Staatsdoktrin geworden.

Was passiert? Leidenfrost wird mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Tabu gebrochen zu haben und der Fall landet nun vor dem Presserat in Österreich.

Kurz: Diejenigen, die sich auf die Fahnen schrieben, im Namen von Toleranz, Aufklärung und Fortschritt möglichst alle Tabus zu brechen, wollen die Kritik an ihnen lieb gewordenen Überzeugungen und Rechten verbieten. Immunisierung.

Eckstein-Konferenz mit Conrad Mbewe in Hamburg

ConradMbewe
Conrad Mbewe

Das diesjährige Thema der Eckstein-Konferenz in der Arche in Hamburg lautet „Leben aus Gottes Wort“. Es geht dabei um die Frage, welche Rolle die Bibel in unserem Leben spielt. Soll sie es nur religiös verzieren, uns schöne Worte aus den „Losungen“ zusprechen und ein paar gute Tipps für den Alltag geben? Oder durchdringt ihre zusammenhängende Botschaft auch die Tiefen unserer gesamten Existenz?

Ohne die Heilige Schrift können wir weder unser Heil noch Gottes Willen erkennen, und ohne sie gibt es auch kein geistliches Leben. Weil sie sich selber auslegt, ist sie klar und deutlich und nicht missverständlich. Alle ihre Worte sind Gottes Worte, weshalb Ungehorsam gegen ein Wort der Bibel zugleich Ungehorsam gegen Gott selber ist. In ihr haben wir alles, was dem Leben und dem Glauben dient. Sich mit ihr zu sättigen und täglich aus ihr zu leben, bedeutet Kraft, Substanz und geistliche Gesundheit. Und das wünschen wir allen Konferenzteilnehmern.

Redner auf der Konferenz sind Conrad Mbewe, und die Arche-Pastoren Christian Wegert und Wolfgang Wegert.

Die Konferenz findet vom 28.-30. September in der Arche-Gemeinde statt. Hier gehts zur Konferenzseite mit einer Möglichkeit zur Anmeldung: ecksteinkonferenz.de.

Glööcklers Glaube

Es ist schon erstaunlich, was die evangelikale Verlagswelt heutzutage so puscht. Ein „Wir sind Gott“-Hobbytheologe darf inzwischen in einer adeo-Publikation für seine skurrilen Thesen werben. Auf einer Pressekonferenz hat er kürzlich das Buch Kirche, öffne dich vorgestellt (das MEDIENMAGAZIN PRO berichtet darüber).

Der adeo-Verlag gehört zur Stiftung Christlicher Medien (früher Hänssler). SCM schreibt über das Selbstverständnis der Verlagsgruppe: „Sie versteht sich dabei als „ein Haus mit vielen Zimmern“, das offen ist für alle publizistisch tätigen Organisationen, die auf der Basis der Deutschen Evangelischen Allianz arbeiten … Der Vorstand und die Mitarbeiter dieser größten evangelischen Verlagsgruppe sehen es als ihren Auftrag, die christliche Botschaft aktiv zu verbreiten.“

Ist die Allianz inzwischen so breit aufgestellt, dass auch die Botschaften eines Glööckler hineinpassen? Oder nimmt die Verlagsgruppe ihren Auftrag nicht mehr so ernst?

Harald Glööckler verkündet ja – wenn man genau hinhört – einen anderen Glauben.

Anything goes. Ein weiterer Tiefpunkt in der Welt der Evangelikalen.

Kultur des Todes (6): Organspende – eine nationale Aufgabe?

Jens Spahn hat in einem Gastbeitrag für die FAZ die von ihm gewünschte Widerspruchslösung bei der Organspende verteidigt. Er spricht dort von „der Pflicht zu aktivem Freiheitsgebrauch“. Ein Bürger könne ja „nein“ sagen. Deshalb sei es keine Pflicht. Solange man nicht aktiv „nein“ sagt, soll allerdings dem Staat das Recht eingeräumt werden, bei festgestelltem Hirntod die Organe zu verwerten. Die Organspende müsse nämlich zu einer nationalen Aufgabe werden.

Meiner Meinung nach tastet der Vorstoß von Spahn die Würde des Menschen, die auch für Sterbende gilt, stark an. Was Spahn „Pflicht zum Freiheitsgebrauch“ nennt, können wir auch als „Zwang zur Freiheit“ bezeichnen. Es offenbart sich die Kehrseite der Todesverdrängung. Da wir Menschen mit allen Mitteln am Leben festhalten wollen, schrecken wir selbst vor der massenhaften Verzweckung (oder Ausschlachtung) Sterbender nicht zurück.

Die Medizinhistorikerin Anna Bergmann kritisiert das Hirntotkriterium. Diese zweckorientiere Todesvereinbarung setze die Medizin auf eine schiefe Bahn, sagte sie kürzlich im DLF.

Es wird  auch die Diskussionen auf internationaler Ebene, aber auch in Deutschland geführt, dass hier das Tötungstabu berührt wird, dass hier das Leichenschändungstabu berührt wird, also wenn es zum Beispiel um die Gewebeentnahme geht, die ja erst nach dem Herzstillstand erfolgt. Da werden dann auch noch Augen, Hornhaut, bis hin zu Haut entnommen werden kann, Gehörknöchelchen, Meniskus und so weiter und so fort. Es wird ein ganz wesentlicher Grundsatz der medizinischen Ethik verletzt, die davon ausgeht, dass der zu behandelnde Arzt ausschließlich zum Wohl des Patienten, mit dem er zu tun hat, zu handeln hat. Diese drei Aspekte, die werden durch die Hirntoddefinition völlig verschluckt, in dem dann auch auf den Organspendeausweisen nur eine Formulierung steht wie ‚für den Fall, dass nach meinem Tod eine Spende von Organen, Geweben für Transplantationen in Frage kommt und so weiter und so fort.

Also hier wird eine Todesvorstellung suggeriert, die so auf jeden Fall falsch ist. Wenn Sie mich nach der Tötung fragen: Auf internationaler Ebene wie zum Beispiel von einem sehr renommierten Professor für Bioethik, Robert Truog, der spricht von ‚Justified Killing‘, ganz klar, und sagt, dass Hirntote nicht tot sind, das ist medizinisch mittlerweile sehr vielfältig bewiesen. Aber trotzdem geht er davon aus, dass hier dann eine Tötung gerechtfertigt wäre, um das Leben anderer Menschen zu retten.

Hier der sehr hörenswerte Beitrag:

 

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