Die Einrichtung der Ehe

Aus aktuellem Anlass zitiere ich Otto Piper (Die Geschlechter, 1954, S. 186–189):

Die Ehe ist eine auf Geschlechtlichkeit beruhende gegenseitige Bindung von Mann und Frau für Lebenszeit. Woher kommt diese dauernde Bindung? Offenbar nicht aus dem geschlechtlichen Verlangen, denn das ist schweifend. Der Ursprung der Ehe ist vielmehr in der Problematik der Geschlechtlichkeit zu suchen. Der vorläufige Charakter der Geschlechtlichkeit, der es nicht zu einer letzten Erfüllung des Lebenssinnes kommen läßt, hat offenbar zur Schaffung der Ehe als einer gesellschaftlichen Einrichtung geführt. Es ist romantische Träumerei, die Einrichtung der Ehe irgendwie auf die geschlechtliche oder persönliche Liebe zurückführen zu wollen, so als hätten die Menschen die Ehe zur sozialen Einrichtung erhoben, weil sie den Wunsch gehabt hätten, einander das ganze Leben lang ihre Liebe zu zeigen. Die förmliche Bundesschließung birgt vielmehr immer auch ein Element des Mißtrauens: man will den anderen Teil binden, damit er auch gegen seinen Willen bei einem bleibe. Gerade von der Erosliebe her wird die Ehe bedroht und unter Umständen aufgelöst. F. W. Schlegel hat mit sicherem Blicke entdeckt, daß diese Liebe, gerade wenn sie echt sein will, treulos sein muß. Denn in ihr liebt man ja nicht die Person des anderen, sondern nur seine leibliche Gegenwart. Da nun jeder Mensch infolge seiner Eigenart begrenzt ist und nur einzelne Seiten der Menschennatur darstellt, wird solche Liebe immer von einem Menschen zum anderen schweben, weil die Gegenwart des ersten Partners auf die Dauer langweilig wird oder einen nicht mehr befriedigt.

In der lutherischen Ethik wird die Ehe im allgemeinen direkt auf die Schöpfung zurückgeführt und daher als eine Schöpfungsordnung angesehen. Als Beweisstellen werden gewöhnlich 1. Mose 2,24 und Mtth. 19,4-5 angegeben. Aber die Art, wie Jesus die alttestamentliche Stelle benutzt, macht die hier vorliegende Zweideutigkeit im Begriff der Ordnung deutlich. Die gegenseitige Zuordnung der Geschlechter, wie Jesus sie versteht, ist nicht eine Sollensordnung, geschweige eine Zwangsordnung. Jesus weist nach, daß die Entsprechung der Geschlechter eine Grundtatsache der Schöpfung ist und daß Ehrfurcht vor dem göttlichen Wirken die Menschen veranlassen sollte, diese Zusammengehörigkeit nicht zu zerstören.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Das ist ein beeindruckender Textabschnitt!
    Diese Art zu philosophieren erinnert an Hans Blüher (Die Achse der Natur)

    Den zweiten Textabschnitt verstehe ich allerdings nicht, will sagen, ich verstehe nicht, was die vorliegende Zweideutigkeit im Begriff der Ordnung meint.

    Kann jemand aufklären?

  2. Theophil Isegrim meint:

    Von 1954 ist der Text? Und er paßt so hervorragend, obwohl Otto Piper sicherlich eine andere Problematik im Auge hatte.

    Ja, die Geschlechtlichkeit in den beiden angeführten Bibelstellen. Mein Bruder ist schwul und ich bekam immer seine schwulen Post auf facebook mit. Ich habe immer fein eingestellt, daß ich das nicht sehen will und einmal habe ich darauf mit einem Gegenlink geantwortet. Ist schon ein paar Jahre her. Es gab eine Diskussion (eine Person wollte danach nichts mehr mit mir zu tun haben). Da gab es dann das Übliche, die Homsexualität sei von Gott geschaffen, Gott habe nichts dagegen und wenn man sich liebt usw. Ich führte dann diese beiden Bibelstellen an. Ein Mann trifft die Frau seinen Lebens. Die Unterschiedlichkeit der beiden Geschlechter zieht an und stößt ab. Macht neugierig und ist befremdlich. Wenn es gut läuft, ergänzen sie sich und vervollkommnen dabei. Jedenfalls ist die neue Bindung zwischen Mann und Frau so stark, daß die alte Bindung zu den Eltern aufgebrochen wird. Die Verbindung zum Ehepartner wird stärker als die Bindung zu den Eltern. Diese hochkomplexe Wechselbeziehung der Geschlechtlichkeit ist eine andere Dimension. Bei den Homosexuellen ist sie ausgeblendet. Sie kann einfach nicht stattfinden, weil sie nicht vorhanden ist, denn da gibt es keine Geschlechlichkeit. Daß diese Verbindungen fortpflanzungsfähig sind kommt noch oben drauf.

    Darauf wußte dann auch mein Bruder nichts mehr zu entgegnen.

    Dieses Motto der Homolobby, Gleiches soll gleich behandelt werden vollkommener Unsinn. Die sind so etwas von unterschiedlich. Das ist eigentlich auch jedem klar. Das mußte man nie jemanden erklären, weil es offensichtlich ist. Wozu soll auch über Selbstverständlichkeiten diskutiert werden? Aber nun leben wir in einer Zeit, wo man die Rechte von der Linken nicht mehr unterscheiden kann. Das kann nur im Chaos enden. Bis dir Rufe nach einer neuen ordnenden starken Hand kommt. Und dann gute Nacht!

  3. @Schandor: Piper will sagen, dass die Ehe kein sittliches Gebot ist, sondern als göttliche Gabe genossen werden will. Er findet in der Bibel kein ausdrückliches Gebot der Ehe, vielmehr ein Verbot des Ehebruchs. Die Ehe ist für ihn folglich eine Einrichtung, die zwar unter Gottes Schutz steht, aber nicht als Schöpfungsordnung bezeichnet werden sollte. Nicht alle würden ihm darin folgen. Aber das ist, meine ich, hier nicht der entscheidende Punkt.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Schandor meint:

    @Ron

    Herzlichen Dank für die Erklärung! Ich habe die Ehe, wenn sie denn geschlossen wird zwischen Mann und Frau, auch immer als in der Schöpfungsordnung begründet gesehen, da Gott den Menschen ja als Mann und Frau geschaffen hat und ihre Vermehrung ausdrücklich geboten hatte.

    Liebe Grüße, Schandor

  5. @Schandor: Sehe ich auch so, ob es nun als Schöpfungsordnung (Brunner) oder Mandat (Bonhoeffer) bezeichnet wird, finde ich nicht so ausschlaggebend. M.E. will Piper zum Ausdruck bringen, dass die Bezogenheit aufeinander dem Menschen so tief eingegeben ist, dass es gar keine Anweisung braucht, um den Bund füreinander zu finden. Die Ehe braucht sozusagen kein Hinweisschild, sondern nur den Schutz.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Ehe – danke für Eure Beiträge:
    Ehe ist kein Gebot, aber das „vermehret einander“ ist ein biblisches Gebot. Wenn es also um Produktion von Nachkommen geht, gilt in allen Studien eine verbindliche Beziehung von Mann und Frau als die zu bevorzugende Voraussetzung, das sich Familie nennt. Diese Milchmädchenrechnung sollte eigentlich allen klar sein. Aus Verbindungen von Schwulen und Lesben können auf natürlichem Wege keine Nachkommen entstehen. Mit dieser absurden Ideologie stirbt die menschliche Rasse aus – ist dies das Ziel derjenigen, die sie vorantreiben? Über weitere Ziele dieser gefährlichen Idiotie lese man zur UN-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking!

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