Aus der Predigt „Advent des Retters“ von Eduard Thurneysen (Der Erlöser, 1961, S. 10–11):
Hört! So hat der Schweizer Dichter Dürrenmatt den Weg der Menschheit in einem Traumbild gesehen: Der Träumende befindet sich auf einer unendlichen Treppe. Und über die Treppe hinab wälzen sich Menschen in ungeheurer Zahl. Auch der Träumende zieht mit. Und er bemerkt einen fernen Schein, der die Hinabziehenden immer greller beleuchtet. Immer deutlicher zeichnet sich unten ein Feuersee ab. Ein Schreien und Seufzen dringt herauf. Da will der Träumende dem Abgrund entfliehen, er steigt empor, immer höher und höher. Er ist ein Idealist, ein Weltverbesserer. Aber er steigt ins Leere, bis er es nicht mehr aushält. Dann öffnet sich ihm selber der Abgrund. Er bedeckt seine Augen mit beiden Händen und stürzt in die Tiefe. Und wie er versinkt, verhallt sein Schrei: „Gnade, wo ist Gnade!“ So schaut der Dichter den Weg der Menschheit, den Weg ohne Gnade!