Die Philosophin Judith Butler, bekannt für ihre Theorie der Geschlechter-Performativität (Geschlecht ist nicht biologisch vorgegeben, sondern wird durch soziale Praktiken ständig als „gender doing“ hervorgebracht) und dafür, dass sie sich neuerdings mit „they“ ansprechen lässt, hat kürzlich der BERLINER ZEITUNG ein Interview gegeben. Auf die Frage: „Was bedeutet es praktisch für jemanden, der als männlich wahrgenommen wird – oder männliche biologische Merkmale hat –, sich im Feminismus zu engagieren?“, hat sie wie folgt geantwortet:
Wenn wir fragen, wie Männer oder Menschen mit „maskulinen Eigenschaften“ sich im Feminismus engagieren können, tun wir so, als seien Männer nicht von Anfang an Teil feministischer Bewegungen gewesen.
Es ist letztlich unerheblich, welches Geschlecht jemand für sich beansprucht oder welches jemandem im Laufe der Zeit zugeschrieben wurde. Wer sich der Unterdrückung von Frauen widersetzt – einschließlich enger Definitionen dessen, was eine Frau ist oder sein darf –, gehört zum Feminismus und ist in diesem Kampf willkommen. Diejenigen, die zutiefst an patriarchale Ordnungen gebunden sind und an das Versprechen von Privileg und Vorrangstellung, dessen Verwirklichung sie für sich erwarten, erleben gegenwärtig eine Form der Enttäuschung: Sowohl das Patriarchat als auch die Heteronormativität – und in vielen Fällen auch weiße Vorherrschaftsordnungen – sind durch soziale Bewegungen, die Gleichheit und Freiheit in substantiellerer und universellerer Weise zu verwirklichen suchen, tiefgreifend herausgefordert worden.
Die Reaktion, die wir derzeit beobachten, ist daher ein Zeichen unseres Erfolgs – eines Erfolgs, den sie sehr wohl wahrgenommen haben und den sie nun zu zerstören suchen.
Was sie hier macht, ist ein interessantes rhetorisches Manöver. Sie kündigt all jenen den Kampf an, die ihre äußerst umstrittene Definition von Frausein (Frau ist, wer sich als Frau fühlt) nicht teilen. Was sie nämlich eigentlich sagt, ist: Wer sich der Unterdrückung von Frauen (so, wie ich sie verstehe) nicht widersetzt, steht auf der falschen Seite der Geschichte. Wer also etwa etwas dagegen hat, dass Transpersonen in Frauengefängnissen sitzen oder im Frauensport mitmischen, ist reaktionär und von denen, die für Freiheit und Gleichheit sind, unter Druck zu setzen. Notfalls auch durch neue Gesetze.
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