N.T. Wright: Rechtfertigung

Anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Theologische Fakultät der Universität Fribourg (Schweiz) hat N.T. Wright am vergangenen Wochenende zur Rechtfertigungslehre gesprochen (nebenbei: Judith Butler erhält die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Fribourg). Nichts Neues. Wright hat im Wesentlichen bestätigt, was er in den letzten Jahren zur Rechtfertigungslehre veröffentlicht hat. Da die Reformatoren in falschen, scholastischen Kategorien dachten, brauchen wir für eine angemessene Interpretation der Rechtfertigung eine neue Rahmenstruktur. Wright meint, den passenden Rahmen durch den Rückgriff auf das rabbinische Judentum liefern zu können. Nun wissen wir: „Richtig verstanden, ist Rechtfertigung die Lehre, die besagt, dass wir zusammengehören. Die Lehre, die auf unserer Zusammengehörigkeit insistiert, wurde benutzt, um uns auseinanderzudividieren“ (S. 8–9).

I hope it is clear from all this that the categories often employed to discuss ‘justification’ are slanted and inadequate. They are slanted, because they introduce the notion that ‘justification’ is all about humans somehow obtaining ‘righteousness’, whether by their own moral efforts (as in popular Pelagianism), or by the moral ‘merits’ of Jesus being ‘reckoned’ to them (as in much protestant, particularly Reformed, thinking), or by the quality of moral goodness being infused into them (as in much Catholic thinking). All these see ‘justification’ as the ‘making right’ or ‘putting right’ of humans, within a framework where humans have as it were been set a test, a moral challenge to fulfil. This belongs with what I take to be a mediaeval idea, though fully formulated in the seventeenth century Reformed circles, of a basic ‘covenant of works’ to which humans must somehow conform (or to which Jesus will conform on their behalf) by somehow acquiring ‘righteousness’. This in turn goes with that same basic framework, that the whole narrative is focused on whether humans go to heaven or to hell. My proposal is that for Paul at least things are very different. The aim of the whole narrative is to restore humans to their vocation of ‘glory’, that is, the dignity and rule over creation, for which they were created in the divine image, so that through them God’s glory and knowledge will fill the whole creation. To that end, justification declares that they are covenant members, forgiven and in the right with God.

The categories normally used, as a result, are inadequate. They deal only with the rescue of humans from the deadly condemnation which comes upon sin. That is of course vital, but for Paul it belongs within the larger picture of the divine covenantal plan for creation as a whole. This is what I mean when I say that though Paul seems to have meant by ‘justification’ something rather different from what Luther and the other reformers supposed, what he meant in fact is even more explosive. The reformers were trying to give biblical answers to the mediaeval questions. Paul’s doctrine challenges the questions themselves, and encourages us to reformulate the whole picture. As Barth pointed out, the Reformers never really sorted out their eschatology. When we replace their implicit heaven- and-hell framework with the biblical notion of heaven and earth coming together in new creation, significant changes happen in soteriology, including justification.

Hier der ganze Vortrag in englischer Sprache: Fribourg_Justification_November_2014.pdf.

Genderwahn an deutschen Universitäten

Michael Ginsburg kommentiert für DIE WELT den Gender-Irrsinn, der von öffentlich finanzierten Experten an den Universitäten verzapft wird. Es ist zum Auswandern!

Fehlt etwa das Binnen-I, wie bei StudentInnen oder BürgerInnen, kann die Note bis zu zehn Prozentpunkte schlechter ausfallen. Dabei sind diese Unis genau genommen nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand der Genderforschung. Denn Bezeichnungen, wie StudentInnen und BürgerInnen diskriminieren wiederum die Trans-, und Intersexuellen. So argumentiert zumindest Profx Lann Hornscheidt, die/der früher einmal Antje Hornscheidt hieß. Besser wäre es da, wenn sie Studierx oder Bürgx schreiben würden, empfiehlt er/sie.

Auch um Fragen, wie geforscht werden sollte und wer überhaupt forschen darf, wird ein erbitterter Kampf geführt. Männer würden im Namen von „wahrem Wissen“ und „Erkenntnisfortschritt“ eigentlich einen Kampf um mehr Kontrolle und Macht führen, schreibt etwa Genderprofessorin Elisabeth List.

Solche Argumente basieren wohl auf der sogenannten feministischen Standpunkttheorie, einer in der Genderforschung hoch anerkannten Wissenschaftsmethodik. Die Theorie besagt, dass weiße, heterosexuelle Männer grundsätzlich keine objektive Forschung betreiben würden, weil sie durch ihre privilegierte Position voreingenommen sind und daran arbeiten würden ihre Hegemonie gegen alle Deklassierten aufrechtzuerhalten.

Frauen, Trans-, Homo-, Bi-, Intersexuelle, die im besten Fall nicht weiß sind und eine Behinderung haben, würden eine wesentlich objektivere Sicht auf die Welt haben und seien deshalb als Forscher viel besser geeignet.

Mehr: www.welt.de.

Erweckung

Don Carson und Tim Keller sprechen in diesem Video über das Thema „(reformierte) Erweckung“ und lassen dabei eigene „Erweckungserfahrungen“ einfließen. Interessant!

Wie kommt man in den Himmel?

Kardinal Schönborn beantwortet die Frage, wie ein Mensch in den Himmel kommt. Der Kardinal ist ja ein kluger Mann, aber er antwortet buchstäblich „evangeliumsfrei“. Ach, vertrauten wir doch Jesus Christus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?“ (Joh 12,25–26).

VD: US

Hin zur Schrift?

Bernhard Rothen schreibt in Die Klarheit der Schrift (Bd. 2, 1990, S. 96) zu Karl Barths Hinterlassenschaft:

Eine der m. E. schwerwiegendsten Fragen, die man an das Werk Barths richten muß, ist die, ob das rein äußerlich gesehen noch evangelisch ist: eine menschliche Lehre, die von den Mitarbeitern des spezifisch theologischen Dienstes am Wort so viel Zeit für ihr besonderes Denken fordert? Es hätte der Betonung der Begrenztheit des Lebens entsprochen, auch die eigene Lehre auf einem begrenzten Raum und möglichst leicht zugänglich zu entfalten. So breit und fordernd wie er sie nun vorträgt, hat Barth seine Lehre in den praktischen Konsequenzen mystifiziert, gegen Angriffe immunisiert und gleichzeitig längerfristig auch verflachenden Deutungen preisgegeben.

Im Vergleich dazu Luther: Er weist überdeutlich von seinen Büchern weg zum Studium der Schrift allein, und er verlangt zur Kritik seiner Lehre nicht ein Verständnis seiner Gedankengänge, sondern eine bessere biblische Textkenntnis, als er sie hat. Am besten, sagt er, würde man seine Bücher alle vergraben wegen des schlechten Beispiels, das ihre Vielzahl gibt. „Denn ich wohl sehe, was für Nutzen es in der Kirche geschafft hat, wenn man hat außer und neben der heiligen Schrift angefangen viele Bücher und große Bibliotheken zu sammeln“, sagt er mit polemischer Ironie in der Vorrede zu seinen deutschen Schriften. „Summa, wer im Text der Bibel wohl gefaßt ist, der ist ein Doktor.“ Damit ist bei Luther überdeutlich herausgestellt, daß der Gegenstand, auf den sich in der alltäglichen theologischen Arbeit das entscheidende Bemühen richten muß, der für alle gleichermaßen gegebene, die Gemeinschaft der Kirche stiftende und erhaltende Bibeltext ist.

Sucht nach dem Smartphone

Menschen nutzen ihr Smartphone im Schnitt drei Stunden am Tag, und die meisten fühlen sich schlecht dabei. Ein Bonner Forscherteam hat sich gefragt, wo die Abhängigkeit anfängt – und Lösungen gesucht. DIE WELT schreibt:

Sie lieben ihr Handy? Sie können sich den Alltag ohne Handy nur noch schwer vorstellen? Aber irgendwie nervt es Sie auch? Mails, WhatsApp und Facebook stehlen Ihnen Zeit? Drei Stunden pro Tag verbringen Sie wahrscheinlich mit ihrem Mobiltelefon. Das ist das bisherige Ergebnis einer groß angelegten Studie des Informatikers Alexander Markowetz von der Universität Bonn. Zusammen mit dem Psychologen Christian Montag hat er den Handygebrauch Tausender Menschen untersucht. Die beiden wollten erforschen, wie viel Zeit die Menschen tatsächlich mit Handy oder Smartphone verbringen. Und sie wollten herausfinden, wie viel normal ist. Wann die Handynutzung problematisch wird und wo die Abhängigkeit anfängt.

„Ich habe selbst ein völlig unverantwortliches Handyverhalten, und vielen Kollegen geht es ähnlich. Und das wollten wir im großen Stil untersuchen“, sagt der 38 Jahre alte Markowetz. Er entwickelt ein kleines Programm, eine App, die er Menthal nennt. Wer Menthal auf sein Handy lädt, lässt zu, dass alles gezählt wird: Wie viel Zeit er im Internet surft. Wie oft er eine SMS schreibt. Wie lange er bei Facebook verbringt. Die wichtigsten Daten werden dann anonymisiert an einen Server übermittelt, wo die Wissenschaftler sie auswerten.

Hier: www.welt.de.

Os Guinness: Von Gott berufen

Hanniel hat das Buch:

besprochen:

In diesem Andachtsbuch geht es um ein Thema, das jeden Menschen „unbedingt angeht“. Warum bin ich da? Was ist meine Aufgabe? „An irgendeinem Punkt in unserem Leben wird ein jeder von uns mit der Frage konfrontiert: Wie finde ich den zentralen Sinn meines Lebens und wie kann ich ihn erfüllen?“ (9) „Dieses Buch ist für alle diejenigen unter uns geschrieben, die sich danach sehnen, den Sinn und das Ziel ihres Lebens zu finden und zu erfüllen.“ (12) Es gab selten ein Buch, das mich in letzter Zeit so bewegt hat wie dieses. Ich las es in zwei Anläufen. Anfangs dachte ich: Klar, wenn Os Guinness, Sprössling aus dem berühmten Bier-Imperium von Guinness, promoviert an der Oxford University, ein solches Buch aus dem bequemen finanziellen und zeitlichem Polster heraus schreiben konnte, wen wundert’s? Ich lag falsch. Hier liegt ein Bericht vor, der nicht nur Substanz hat, sondern von der tiefgreifenden Erfahrung des Autors und vieler Zeugen der Vergangenheit lebt. „‘Können Sie sich vorstellen, am Grunde eines tiefen Brunnens zu leben, mit einem Mühlstein um den Hals? So empfand ich mein Aufwachsen.‘ Niemals werde ich das Pathos vergessen, mit dem mir dies von dem Erben einer der reichsten Familien der Welt gesagt wurde. Die meisten Menschen können sich nur schwer die Sogen eines ‚armen reichen Kindes‘ vorstellen. Sie wären nur zu erfreut, nur ein einziges Mal von einem solchen Reichtum verführt zu werden. Aber nicht nur Menschen, die reich an Geld sind, spüren diese Last; auch Menschen die reich an Talenten sind.“ (149) Ob Guinness dabei auch an sich selbst dachte? Beide Lasten, die des Geldes und der Begabung, so scheint es mir, hat der Autor kennengelernt. Er selber lebt bis heute in seiner Berufung „(als Apologet) der Welt das Evangelium zu erklären, und (als Analytiker) die Welt der Kirche verständlich zu machen“ (95).

Mehr: hanniel.ch.

Vom Umgang mit der Bibel

Bernhard Rothen schreibt in Die Klarheit der Schrift (Bd. 1, 1990, S. 44):

Das Verstehen beginnt doch damit, daß man sich Zeit nimmt für das, was man verstehen will. Zeit aber hat der Mensch nicht beliebig viel. Also muß er aus- und abgrenzen. Das Verstehen der Schrift beginnt also gerade damit, daß man sie von anderen Texten abgrenzt und sie aus der Menge der übrigen Bücher heraushebt, im Vertrauen darauf, daß der besonders hingebungsvolle Umgang mit ihr sich lohnt, daß sie die inhaltlichen und die formalen Qualitäten besitzt, um ihre Schüler richtig und heilsam zu leiten, auch wenn sie nicht die Menge der Sekundärliteratur zu bewältigen vermögen. Haben wir dieses Vertrauen zur Schrift noch – oder stehen wir nicht mehr auf dem Boden der Reformation, sondern auf dem einer neuen „historisch-kritischen“ Scholastik?

Das gute Recht der Eltern

Der Kommentar „Das gute Recht der Eltern„ von Heike Schmoll, der in der gestrigen Ausgabe der FAZ erschienen ist (11.11.2014, Nr. 262, S. 1), kann seit heute auch online eingesehen werden. Darin heißt es:

Wer das sogenannte Gender-Mainstreaming kritisiert, gilt in Kreisen einesfortschrittlichen Zeitgeistes als homophob und reaktionär. Das ist das Kampfvokabular, mit dem sich Skeptiker staatlich verordneter Gender-Theorien in der Kita oder im Schulunterricht konfrontiert sehen. Doch handelt es sich meist um Eltern, die auf die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ (Olaf Scholz) und ihr Grundrecht auf Erziehung nicht verzichten wollen. Es geht ihnen nicht darum, die Gleichstellung der Geschlechter und unterschiedlichen Lebensformen in Frage zu stellen, erst recht nicht darum, einzelne Formen von Sexualität zu stigmatisieren. Sie fühlen sich nur verantwortlich für die Sexualerziehung ihrer Kinder und wollen solche Fragen mit der nötigen Sensibilität in der jeweils passenden Entwicklungsphase angesprochen wissen.

Die Ziele des sogenannten Gender-Mainstreaming sind den Eltern noch viel zu wenig bekannt. Nur die Lehrpläne aus Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen bringen in einer selten aggressiven Form zutage, was sonst in einer „hidden agenda“ begrifflicher Nebelkerzen und Anglizismen verdeckt bleibt. Das Gender-Mainstreaming als EU-Richtlinie, die weit mehr umfasst als die Gleichstellung von Männern und Frauen, ist von allen Mitgliedstaaten für verbindlich erklärt und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schon 1999 vom Bundeskabinett als Leitprinzip der eigenen Politik anerkannt worden. „Gender“ meint die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen und stammt aus der Sexualforschung. Zunächst sollte es das Phänomen der Transsexualität sprachlich erfassen und wurde dann von der Homosexuellenbewegung aufgegriffen.

Hier mehr: www.faz.net.

Was ist der Gräuel der Verwüstung?

Wir lesen in  Mt 24,15-16 folgende Worte Jesu:

„Und dieses Evangelium vom Reich wird auf dem ganzen Erdkreis verkündigt werden als ein Zeichen für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem der Prophet Daniel gesprochen hat, an heiliger Stätte stehen seht — wer es liest, merke auf! —, dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen. Wer auf dem Dach ist, steige nicht hinab, um seine Habe aus dem Haus zu holen; und wer auf dem Feld ist, kehre nicht zurück, um seinen Mantel zu holen. Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Betet, dass eure Flucht nicht im Winter geschehe oder an einem Sabbat. Denn es wird dann eine Bedrängnis geben, wie es noch keine gegeben hat vom Anfang der Welt bis jetzt und wie auch keine mehr sein wird. Und würden jene Tage nicht verkürzt, es würde kein Mensch gerettet werden; um der Erwählten willen aber werden jene Tage verkürzt werden.“

Kein einfacher Text. Was ist hier mit Greuel der Verwüstung gemeint? Der Exeget Dan Doriani, Dozent am Covenant Seminary (USA), hat die Stelle untersucht. Seine Antwort gibt es auf der Internetseite von Evangelium21: www.evangelium21.net.

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