Die Visualisierung der digitalen Welt

Ende der 70er Jahre verknüpften einige Gelehrte des nachmodernen Denkens die „Entterrorisierung“ der Welt mit öffentlichen Zugängen zu Speichern und Datenbanken (vgl. z.B. F. Lyotard, Das postmoderne Wissen, S. 191–193). Die gleiche Verteilung der Spieleinsätze, also der Informationen, ermögliche den Eintritt in eine gerechtere Welt.

Rückblickend erkennen wir ernüchtert, dass zwar fast alle Daten öffentlich sind, aber die Leute sich für Texte kaum noch interessieren. Mal abgesehen davon, dass das Internet heute ein beliebter Tummelplatz für Verbrecher und Terroristen geworden ist, erobern datenhungrige bewegte Bilder das digitale Netz.

DIE WELT hat von Envisional erhobene Zahlen zum Datentausch im Internet veröffentlicht:

  1. 35,8 Prozent Pornografie
  2. 35,2 Prozent Filme
  3. 12,7 Prozent TV-Sendungen
  4. 4,2 Prozent Software
  5. 3,9 Prozent PC-Spiele
  6. 2,9 Prozent Musik

Hier:  www.welt.de.

Vom Verschwinden des Menschen

Der katholische Theologe J. B. Metz beharrt darauf, dass die Ablösung von Gott zugleich die Entmächtigung und Auflösung des Menschen bedeutet. Besonders warnt er (wohl in Anlehnung an Heidegger) vor der rein technischen Rationalität, die für ihn bereits Phänomen des Niedergangs ist. „Alles wird technisch reproduzierbar, am Ende auch der produzierende Mensch selbst“ („Vom Verschwinden des Menschen“, in: Kaufmann u. Metz: Zukunftsfähigkeit, 1987, S. 130).

„Dieses Verschwinden des Menschen wird“ – wie Gerald Kruhöffer zu Metz schreibt – „um so erfolgreicher geschehen, je mehr es sich nicht als Bedrohung und Unterdrückung vollzieht, sondern als Vergnügen und Zerstreuung – vor allem durch die Massenmedien“ (Der Mensch – das Ebenbild Gottes, 1999, S. 79).

Ohne Gottesgedächtnis gibt es, wenn es zum Schwure kommt, für Metz keine Rettung („Vom Verschwinden des Menschen“, S. 138).

Amerika verliert seinen Glanz

Die Vereinigten Staaten von Amerika – früher vielfach leuchtendes Vorbild für Christen in Deutschland – haben ihren Glanz verloren. Der Fernsehjournalist Markus Spieker, der in Los Angeles promoviert hat und zu den Bewunderern des amerikanischen Lebens gehörte, beklagt den Niedergang der politischen Kultur, der Moral und Frömmigkeit.

Idea schreibt:

Die Vereinigten Staaten von Amerika – früher vielfach leuchtendes Vorbild für Christen in Deutschland – haben ihren Glanz verloren. Der Fernsehjournalist Markus Spieker (Berlin), der in Los Angeles promoviert hat und zu den Bewunderern des amerikanischen Lebens gehörte, beklagt den Niedergang der politischen Kultur, der Moral und Frömmigkeit. In einer Titelgeschichte des evangelischen Wochenmagazins ideaSpektrum (Wetzlar) zeigt sich der 42-Jährige auch enttäuscht vom Präsidentschaftswahlkampf: „Irgendwie beschämend, dass die Noch-Weltmacht Nummer Eins keine besseren Rivalen anzubieten hat als Barack Obama und Mitt Romney. Auf der einen Seite der glücklose Amtsinhaber, der die Gleichgeschlechtlichen-Ehe einführen will und außerdem christliche Universitäten dazu zwingt, an ihre Studenten Verhütungsmittel zu verteilen. Auf der anderen Seite der steinreiche Mormone, der so viel Empathie versprüht wie der Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann.“ Wirtschaftlich und finanziell seien die USA kein Vorbild mehr. Die Arbeitslosigkeit liege bei zehn Prozent, die Staatsverschuldung bei 16 Billionen Dollar (12,2 Billionen Euro), und die Kluft zwischen Armen und Reichen wachse.

Mehr: www.idea.de.

„Girls“

Im deutschen Bezahl-TV läuft heute eine Serie an, die uns mit den Abgründen der postmodernen Unmündigkeit konfrontiert. Gezeigt werden junge Menschen, die von Moralvorgaben befreit ihren eigenen Weg (er)finden. „Anstand ist etwas für Verlierer: absolut unsexy. Und Moralapostel sind genau das: Verlierer.“

Sex ist in „Girls“ etwas vergleichsweise Widerwärtiges. „Girls“ porträtiert eine Generation von Männer und Frauen, die mit Pornografie aufgewachsen SIND, keine romantischen Vorstellungen mehr von Sexualität haben. Lena Dunham fängt die entblößten Körper, insbesondere ihren eigenen, ohne Liebreiz ein. Die Mechanik des Koitalen wird wie im Biologieunterricht gezeigt, Tabus gibt es keine mehr.

Außer einem vielleicht, „Liebe“, wie das Jemima, die hübsche Britin, sagt. Sehnsüchte, Fantasien und Begierden erscheinen abwechselnd so kaputt, so verklemmt, so autistisch, dass deutlich wird, dass hier nicht zwei junge Menschen in höchster Intimität zueinanderfinden, sondern sich jeder auf eine Art selbst befriedigt. Der Partner fungiert als Masturbationsassistent. Am Ende besorgen es sich die Mädchen mithilfe ihrer Geliebten selbst. Und wachen auf und haben Angst, schwanger oder aidskrank zu sein.

Ulf Poschardt stellt die Serie vor: www.welt.de.

Unter dem Kreuz des Südens

Die Kleinstadt Dayton wurde einst durch den Schauprozess gegen einen Lehrer berühmt, der die Darwinsche Evolutionstheorie vertrat. Seit vielen Jahren finden die Republikaner bei Präsidentschaftswahlen in dieser Region besonders treue Wähler. Doch die Zeiten ändern sich. Sebastian Moll beschreibt in der FR die „Demokratisierung“ der US-Evangelikalen:

Für evangelikale Südstaatler aus Livesays Generation ist die Parteizugehörigkeit klar. Seit Anfang der Achtzigerjahre stehen sie solide hinter den Republikanern, seit Ronald Reagan es geschafft hat, seine Partei als die Behütern traditioneller Werte darzustellen und den politischen Gegner als Erbe der Hippie-Generation. Reagans Propaganda machte die Wahl zwischen Demokraten und Republikanern zu einer Wahl zwischen moralischem Verfall und der Bewahrung der traditionellen, frommen Lebensweise der Region. Dass er damit die schwarzen Wähler im Süden, die sich seit der Bürgerrechtsbewegung und John F. Kennedy bei den Liberalen besser aufgehoben fühlten, endgültig vergraulte, nahm er in Kauf. Er konnte es sich leisten, rechnerisch gesehen. Es gab schlichtweg nicht genügend von ihnen, seit sie nach dem Krieg zu Millionen in den Norden abgewandert waren.

Seit 2008 ist dieses Bild jedoch ins Wanken geraten. Viele evangelikale Christen haben sich wegen George W. Bush enttäuscht von den Republikanern abgewandt. Der Krieg im Irak war ihnen zuwider, und innenpolitisch erlebten vor allem jüngere Christen aus dem Süden Bush als Versager. Im Vergleich zum demokratischen Kandidaten John Kerry 2004 verzeichnete Barack Obama vier Jahre später unter jüngeren weißen Evangelikalen einen enormen Zulauf.

Der politische Wandel fällt nicht zufällig mit einem theologischen Umbruch innerhalb der evangelikalen Bewegung zusammen. Die amerikanischen Evangelikalen sehen traditionell die moderne Welt als sinkendes Schiff, als hoffnungslos der Sünde und dem moralischen Verfall anheimgegeben. Ihre einzige Rettung ist der Altar, die Erlösung ihrer Seele im Jenseits. Für das Diesseits und für ihre Mitmenschen hatten sie auf diesem Weg nur wenig Geduld – eine Philosophie, die sich mit dem rigorosen Individualismus der republikanischen Partei deckte.

In den vergangenen Jahren erlebt jedoch unter Evangelikalen das Diesseits ein Comeback. „Für jüngere Evangelikale ist das Annehmen von Jesus nur der Anfang“, schrieb zum Beispiel die New York Times. „Was folgt, ist ein langer Prozess des spirituellen Wachstums, zu der auch gehört, das heruntergekommene Schiff unserer Gesellschaft zu reparieren, indem man sich etwa um Armut, die Umwelt, Rassismus und Gesundheitsvorsorge bemüht.“ Klassische demokratische Themen also.

Hier: www.fr-online.de.

„Das Kind kriegst du nicht!“

Etwa eine Million Kinder in Deutschland haben keinen Umgang mit ihren Vätern oder Müttern, weil der andere Elternteil dies nicht zulässt. Der herzzerreißende Film „Das Kind kriegst du nicht!“ erzählt vom Schicksal der Eltern, die nach der Trennung vom Partner die gemeinsamen Kinder gar nicht oder nur sehr selten sehen dürfen.

In der ARD-Programmbeschreibung heißt es:

In neun von zehn Fällen sind es die Mütter, die von den Gerichten – gemäß alter Rollenklischees – das Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen bekommen, und damit die Macht haben zu entscheiden. Oft sind es gekränkte Gefühle und Rachegelüste, die – bewusst oder unbewusst – auf dem Rücken der gemeinsamen Kinder ausgetragen werden. Mit oft tragischen Folgen. Wissenschaftliche Studien zeigen: Kinder, die im Machtkampf der Eltern instrumentalisiert werden, erleiden schwere seelische Schäden, die sie häufig bis ins Erwachsenenalter verfolgen.

Einfühlsam erzählen Grimme-Preisträgerin Uta König und Gesa Berg die dramatischen und bewegenden Geschichten mehrerer Väter und einer Mutter, die nach Trennung und Scheidung von ihren Kindern ferngehalten werden. Im Film wird deutlich, wie groß die Angst der Betroffenen ist, die geliebten Kinder ganz zu verlieren und wie verzweifelt ihre Bemühungen sind, ihnen auch nach der Scheidung Vater oder Mutter sein zu dürfen. Anhand der persönlichen Schicksale zeigt sich auch, welche psychologischen Mechanismen im Machtkampf der Eltern wirken und warum viele Richter vor der zerstörerischen Kraft des „mächtigeren“ Elternteils kapitulieren.

Ich habe den Film gesehen und kann ihn Betroffenen, Pastoren und Seelsorgern sehr empfehlen.

Für einige Tage ist der Beitrag in der Mediathek noch abrufbar: www.ardmediathek.de.

Buchmesse 2012: Fehlt nur noch eine Hüpfburg

Die Buchmesse wird langsam, aber sicher zur Spielzeugmesse: In Frankfurt sah man ein Fanal dessen, was passiert, wenn eine markthörige Branche ihren Kern verleugnet und sich infantilisiert.

Jan Wiele zieht Bilanz über eine konsumorientierte Veranstaltung, bei der ein grenzdebiler Erotikbestseller als Hoffnungsträger aufscheint. Große Erzählungen gibt es nicht mehr, also werden kleine Feuchtgebiete erforscht.

Henning Mankell stellt das neue Wallander-Ballerspiel für die Playstation vor, Arnold Schwarzenegger hält vor Hunderttausenden als Comicfiguren verkleideten Teenagern eine Rede mit dem Titel „Selfmade – dein Weg zum Terminautor“, und unter der S-Bahn-Brücke am Rand des Messegeländes präsentiert der Suhrkamp Verlag mit den zwei letzten verbliebenen Mitarbeitern ein paar versprengten Literatur-Nerds Peter Handkes Jukebox-App: So könnte in nicht allzu ferner Zukunft die sogenannte Frankfurter Buchmesse aussehen.

Mehr: www.faz.net.

Wenn Kinder die Eltern drangsalieren

Immer häufiger kommen mir Fälle zu Ohren, in denen Kinder ihre Eltern piesacken, unterdrücken oder sogar schlagen. Hier ein aktueller Fall: Ulli Kulke berichtet von einer Mutter, die couragiert ihren 14jährigen Sohn bei der Polizei angezeigt hat, weil der ihren Schmuck stahl, um mit einem Freund ins Bordell gehen zu können:

Alles spricht für das Subsidiaritätsprinzip. Staatliche Intervention als Ultima ratio, ansonsten: Finger weg. Anders verhält es sich, wenn ein ratloser Mensch sich von sich aus an die zuständigen öffentlichen Instanzen wendet, weil er selbst am Ende seines Lateins ist bei der Erziehung. Hut ab also vor der allein erziehenden Mutter aus Karlsruhe, die ihren erst 14jährigen Sohn bei der Polizei angezeigt hat, weil der ihr allen Schmuck gestohlen und ihn für ein Zehntel des Wertes verramscht hat, um mit seinem Kumpel ins Bordell zu gehen. Gemeinsam saßen sie auf dem Revier, und laut Polizeibericht war die Mutter hellauf entsetzt darüber, wie teilnahmslos, ja fast lächelnd, ihr Sohn die Prozedur hatte über sich ergehen lassen. Respekt für das Vorgehen, auch wenn es viele befremdlich finden und nie auf so eine Idee kommen würden. Wir wissen wenig über den Fall, deshalb sind auch nur allgemeine Mutmaßungen und Gedankenspiele möglich, aber auch das ist erlaubt.

So sehr ich auch die Kritik am Autoritätsmissbrauch von Eltern verstehe, hier scheint etwas „aus dem Ruder zu laufen“. Wir brauchen einen ausgewogenen Umgang mit Autorität, also starke Eltern und starke Kinder. Aber eben Kinder, die neben ihren Rechten ihre Pflichten kennen. Also: „Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern lasst sie aufwachsen in der Erziehung und Zurechtweisung des Herrn“ (Eph 6,4; vgl. Eph 6,1–4). Und: „Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung durch deinen Vater, und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter, denn sie sind ein schöner Kranz für dein Haupt und eine Schmuckkette für deinen Hals“ (Spr 1,8–9).

Mehr: donnerunddoria.welt.de.

Welchen Auftrag hat die Kirche?

The University Reformed Church hat ein wunderschönes „Vorstellungsvideo“ produziert. Mehr noch als die ästhetischen Aufnahmen gefällt mir, was Kevin DeYoung über die Auftrag der Kirche sagt: Es geht darum, gute Saat, also das Wort Gottes, auszustreuen. Jesus spricht (Mk 4,26ff): „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn einer Samen aufs Land wirft; er schläft und steht auf, Nacht und Tag. Und der Same sprosst und wächst empor, er weiss nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.“

Glauben wir das noch?

Hier das Video:

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner