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Orientierungshilfe zum Islam

orientierungshilfe.jpgDie westfälische Kirche hat eine Orientierungshilfe zum Islam für evangelische Christen herausgegeben. Die Broschüre mit 51 Seiten solle dazu beitragen, den Dialog in religiösen Fragen zu versachlichen und das Zusammenleben zu verbessern, teilte die Kirche am 28. Februar in Bielefeld mit. Die Materialsammlung gibt Anregungen für multireligiöse Gebetsfeiern sowie Eheschließungen von christlichen und muslimischen Partnern. Auch Hilfestellungen für den Umgang mit Muslimen in evangelischen Kindergärten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werden gegeben. Gottesdienste oder Gebetsfeiern, in denen Christen und Muslime gemeinsam beten, lehnt der Herausgeber ab. Ein Muslim könne nur als Muslim und ein Christ nur als Christ beten, heißt es.

Nach Auffassung von Pfarrer Eberhard Troeger, Vorstandsmitglied des Instituts für Islamfragen, lehne sich die Orientierungshilfe an die EKD-Schrift Klarheit und gute Nachbarschaft vom November 2006 an. Eine Wertung des Islam aus biblischer Sicht werde in dem Dokument vermieden.

Die Pressemeldung der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie ein Downloadangebot für die Orientierungshilfe ist hier zu finden: www.ekvw.de.

EKD-Orientierungshilfe zur Familie vorgestellt

Der Vorsitzende des Rates der EKD, Nikolaus Schneider, hat heute die EKD-Orientierungshilfe zum Thema Familie vorgestellt. Er hat es sich nicht nehmen lassen, den neuen Kurs der Evangelischen Kirche mit Martin Luther zu begründen:

Das „geschichtliche Gewordensein und der Wandel familiärer Leitbilder“ setze die Orientierungshilfe der EKD voraus, so Schneider. Dabei könne sie sich auch auf Martin Luther beziehen, denn bei aller Hochschätzung als „göttlich Werk und Gebot“ erklärte Luther die Ehe zum „weltlich Ding“, das von den Partnern gestaltbar sei und gestaltet werden müsse.“ Schneider: „Aus einem evangelischen Eheverständnis kann heute eine neue Freiheit auch im Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen erwachsen – im Umgang mit Geschiedenen genauso wie mit Einelternfamilie oder auch mit gleichgeschlechtlichen Paaren.“

Was soll man dazu noch sagen? Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden?

Die Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland kann hier im PDF-Format heruntergeladen werden: familie_als_verlaessliche_gemeinschaft.pdf.

Die EKD-Orientierungshilfe: Ein linkes Parteiprogramm?

Die Orientierungshilfe der EKD erinnere an ein linkes Parteiprogramm, schreiben Schirrmacher und sein Kollege Titus Vogt in ihrer „soziologischen und theologischen Kritik des Familienpapiers“. Schon die Zusammensetzung der zuständigen Kommission ließe eine bürgerliche Stimme vermissen. Entsprechend fielen auch die Forderungen des Papiers aus. Sie seien „praktisch identisch“ mit dem Parteiprogramm von Bündnis 90/Die Grünen, stimmten zum Teil aber auch mit dem der Linken überein. In Fragen der Familienpolitik sei auch eine Nähe zur SPD gegeben, „auch wenn man dort in Bezug auf die völlige Entthronung der Ehe viel zurückhaltender formuliert“, schreiben die Autoren.

Eine Zusammenfassung des Gutachtens ist im Magazin des Evangelischen Arbeitskreises der Union „Evangelische Verantwortung“ erschienen und kann hier heruntergeladen werden: 10_2_2014-15_18_07-ev_1+2_14_web.pdf. Das vollständige Gutachten gibt es hier: EKD_Familie_2013__Gutachten_TS_TV_.pdf.

Prof. Slenczka: Stellungnahme zur EKD-Orientierungshilfe

Professor Dr. Reinhard Slenczka hat eine theologische Stellungnahme zur EKD-Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ verfasst. In einer Zusammenstellung der gröbsten Fehler heißt es:

Zum Schluss eine Zusammenstellung der gröbsten theologischen Grundfehler: Hier geht es nicht um eine Vielfalt von Theologenmeinungen, sondern um Grundlagen christlichen Glaubens und christlicher Lehre, die allgemeinverbindlich sind und dem „magnus consensus“ der katholischen (also nicht nur römischen) Kirche entsprechen:

  1. Der Dreieinige Gott ist nicht eine zeitbedingte Vorstellung von Göttlichem. Er spricht in seinem Wort der Heiligen Schrift, er rettet, aber er richtet und straft auch. Von Gott und seinem Reden und Handeln ist in dem Text an keiner Stelle die Rede.
  2. Heilige Schrift (S. 13) als Offenbarung des Dreieinigen Gottes enthält das wirkende Zeugnis des Wortes Gottes, durch das er handelt in Gericht und Gnade, in Verstehen und Verstockung (z.B. Jes 6, 10; Mat 13, 14 f; Mark 4, 11; Apg 28, 26). Das ist nicht eine „Vielfalt biblischer Bilder“ in „historischer Bedingtheit“. Vor allem aber ist es nicht die Aufgabe des Rates der EKD, die Schrift autoritativ auszulegen. Der Rat bzw. die Kirche stehen nicht über der Schrift, sondern deren Entscheidungen stehen unter der Schrift und sind an ihr zu messen.
  3. Rechtfertigung (S.. 61, 65, 71) ist nicht ein Verzicht auf Werke und Leistung unter Aufhebung der Gebote und Verbote Gottes (Antinomismus), sondern die Rettung des Sünders, der seine Sünde, die am Maßstab der Gebote erkannt wird, bekennt, aus dem Gericht Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, der für uns Sünder am Kreuz gestorben und für unsere Rettung von den Toten auferstanden ist. Von Umkehr und Vergebung ist an keiner Stelle die Rede.
  4. Schöpfungsordnung (58, 59, 67 u. a.) ist ein wichtiger Sachverhalt, der darauf hinweist, dass der Dreieinige Gott diese Welt, den ganzen weiten Kosmos geschaffen und vom Größten bis zum Kleinsten geordnet hat. Diese Ordnung Gottes durchzieht die belebte und unbelebte Natur ebenso wie das Leben und Zusammenleben der Menschen. Wer das leugnet, aufhebt oder verändert, trägt die Verantwortung für die Straffolgen aus dem Gericht Gottes für Zeit und Ewigkeit (Ez 3, 16-21; 33, 7-9; Mat 7, 15-23).

Hier die gesamte Stellungnahme: aufklaerungzureheekd2013.pdf.

Warum hält sich die EKD nicht an die Barmer Erklärung?

Sebastian Moll stellt bezüglich der EKD-Orientierungshilfe zur Familie eine treffliche Frage: „Warum hält sich die EKD nicht einfach an die Barmer Erklärung von 1934?“ Dort lesen wir (der Text geht bekanntlich fast vollständig auf Karl Barth zurück, siehe hier):

„Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“

Kritik des Familienpapiers der EKD

978 3 86269 079 4Das bisher umfangreichste Gutachten der Orientierungshilfe zur Familie der EKD ist erschienen als:

  • Thomas Schirrmacher u. Titus Vogt: „Ein neues normatives Familienmodell“ als „normative Orientierung“ – Eine soziologische und theologische Kritik des Familienpapiers der EKD, Bonn: VKW, 2013, 160 S.

 

Im Vorwort heißt es:

Das vorliegende Gutachten erging am 9.9.2013 als Entwurf an den Rat der EKD für seine Sitzung zum Thema, sowie an den Vorstand der EKD-Synode und einige Kirchenleitungen und Fachleute zur kritischen Rückmeldung. Da das Gutachten auch auf parteipolitische Positionierungen eingeht, sollte seine Veröffentlichung bewusst auf die Zeit nach der Bundestagswahl verlegt werden. Aufgrund von Ankündigungen von Korrekturen wurden sodann eine Fachtagung und die EKD-Synode abgewartet. Inzwischen hat die EKD die Vorträge der Fachtagung und die meisten der Stellungnahmen und Zeitungsberichte in einem Sammelband veröffentlicht. Da erhebliche Teile der Argumentation dieses Gutachtens dort jedoch nicht erscheinen und nachdem sich die EKD-Synode am 13.11.2013 die Forderungen der Orientierungshilfe zu eigen gemacht hat und nachdem der Ratsvorsitzende der EKD in einem Weihnachtsinterview mit den Ruhr Nachrichten auch nach der breiten Diskussion noch einmal alle Forderungen der Orientierungshilfe bekräftigt hat, entschlossen wir uns, das Gutachten nach Durchsicht von Fachleuten trotz der zeitlichen Distanz zu aktualisieren und zu veröffentlichen.

Hier das Inhaltsverzeichnis: EKDFamilie2013.pdf.

Das Buch kann hier bestellt werden: www.genialebuecher.de.

Ehe und Familie als Gaben Gottes entdecken

Hans-Jörg Voigt, Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), hat auf dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema „Familie“ ein Hirtenwort veröffentlicht. Voigt schrieb das Hirtenwort, „um bei all diesen Verunsicherungen besonders junge Menschen zu ermutigen, sich auf eine Eheschließung und auf die Gründung einer Familie mit Kindern einzulassen“.

Das Schreiben: „Ehe und Familie als Gaben Gottes entdecken“ kann hier abgerufen werden: Hirtenwort_Ehe-Familie.pdf.

Die EKD und der Zeitgeist

Am 19. Juni hat die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Orientierungshilfe zum Thema Familie der Öffentlichkeit vorgestellt. Matthias Pankau konnte das Papier im Vorfeld lesen und hat es für das Nachrichtenmagazin ideaSpektrum hilfreich kommentiert. In seinem Fazit schreibt er (Nr. 25 vom 19.06.2013, S. 16–18, hier S. 18):

Dieses Papier nimmt für sich, wie gesagt, in Anspruch, eine „Orientierungshilfe“ zu sein. Aber es hilft selbst dort kaum weiter, wo einige der abschließenden Empfehlungen richtig und nützlich sind. In der Frage, was denn nun aber Familie sei, vermitteln die Autoren den Eindruck, dass alles möglich wäre. Freiheit wird dabei mit Beliebigkeit verwechselt, so dass sich die evangelische Kirche einmal mehr der Welt und ihren Wegen anbiedert. Glaubt sie ernsthaft, damit wieder attraktiver zu werden für die vielen Menschen, die ihr den Rücken gekehrt haben? Das wird nicht geschehen! Denn wer braucht schon einen Ratgeber, der einem nur nach dem Mund redet, anstatt Irrwege liebevoll, aber deutlich zu benennen?

Die EKD führt doch die Gute Botschaft in ihrem Namen! Fällt ihren Funktionären wirklich nichts Biblischesmehr ein? Anscheinend nicht, denn hier entstand in drei Jahren Arbeit ein Papier, das sich wie ein weiterer Schritt der EKD in Richtung Beliebigkeit liest. Die Kirche sollte zur Ehe zwischen Mann und Frau Mut machen; sie sollte verunsicherte Menschen zu überzeugen versuchen, wie segensreiches es ist, Kinder zu haben; sie sollte wegweisend sein. Stattdessen verkündet sie modische gesellschaftliche Klischees – und  manövriert sich in die Bedeutungslosigkeit. Wie sagte noch der lutherische Theologe Sören Kierkegaard (1813-1855)? „Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein.“

Die ideaOnline berichtet ausserdem über die Pressekonferenz in Berlin und die Stellungnahme von Manuel Diener, dem Vorsitzenden der Evangelischen Allianz. Das Orientierungspapier, so Diener, bietet keine evangelische Orientierung:

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), kritisiert in einer Stellungnahme, dass der Orientierungshilfe die „biblische Fundamentierung“ fehle. Deshalb werde sie dem Anspruch nicht gerecht, „evangelische Orientierung“ zu bieten. Vielmehr werde eine „Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen“ deutlich. Das EKD-Papier enthalte eine auffällige Abwertung sogenannter „bürgerlicher Ehe- und Familienverständnisse“ und eine Absage an jedes „normative Verständnis der Ehe als göttliche Stiftung“ oder „natürliche Schöpfungsordnung“. Ehe habe danach keinen Leitbildcharakter mehr. Der Erklärung zufolge seien alle anderen ebenfalls „verbindlich, verantwortlich und verlässlich“ geführten Partnerschaften in gleicher Weise anzuerkennen und – wo gewünscht – auch zu segnen. Diener: „Offensichtlich soll jeder Schein einer Diskriminierung der vielfältigen familiären Lebensformen vermieden werden.“ Hier folge der Rat der EKD der Argumentationslinie des Bundesverfassungsgerichts, „ohne kritisch zu hinterfragen, ob es hier wirklich um ‚Gleiches‘ geht, welches dann auch gleich behandelt werden soll“.

Nach Ansicht Dieners weist die Orientierungshilfe im Blick auf die biblisch-theologischen Grundlagen „gravierende Mängel“ auf „trotz der vollmundigen Behauptung, dass hier eine normative Orientierung am Evangelium geleistet werde“. So werde aus der schöpfungsgemäßen Polarität von Mann und Frau die allgemeine „Angewiesenheit auf ein Gegenüber“. Biblische Stellen, die von „zärtlichen Beziehungen zwischen Männern“ sprächen – ohne Textbeleg –, dienten „zur Relativierung der biblischen Aussagen über praktizierte Homosexualität als Sünde“. Der Präses fragt: „Wieviel hermeneutischer und theologischer Einseitigkeit bedarf es eigentlich, um wegzudeuten, dass in der gesamten biblischen Überlieferung die Polarität der Beziehung von Mann und Frau als schöpfungsgemäß und konstitutiv betrachtet wird?“

Rede frei! Mit Recht über das Evangelium sprechen

2019 RedeFreiWie können und dürfen Christen in ihrem Beruf, in der Schule und in der Öffentlichkeit über ihren Glauben reden? Fragen wie diese beantwortet eine 60-seitige Orientierungshilfe unter dem Titel „Rede frei! Mit Recht über das Evangelium sprechen“. Herausgeber sind die Deutsche Evangelische Allianz, die Juristenvereinigung „Christ und Jurist“ sowie die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International (Allianz zur Verteidigung der Freiheit). Vertreter dieser drei christlichen Verbände haben die 60-seitige Broschüre auf der Bundestagung von „Christ und Jurist“ am 24. Mai in Wiesbaden erstmals vorgestellt.

Hier die Broschüre: 2019_RedeFrei.WEB.pdf.

Feministischer Zeitgeist in der EKD

In einem Leserbrief schreibt W.N. zum EKD-Familienpapier (FAZ vom 07.08.2013, Nr. 181, S. 30):

„Die EKD droht im Strudel des Relativismus zu versinken. Sie ist führungslos. Mit Nikolaus Schneider steht ein Zeitgeist-Theologe an der Spitze, der den Überblick verloren hat … Ich habe jetzt nach 58 Jahren die evangelische Kirche verlassen. Eine solche Kirche ist nicht mehr meine Kirche. Und wenn sie diesen Weg fortsetzt, wird sie nicht mehr lange Kirche sein.“

Der Systematiker Horst Georg Pöhlmann hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet. IdeaOnline meldet:

„Pöhlmann zufolge ist die Ehe – entgegen der Darstellung in der Orientierungshilfe des Rates der EKD – eine „göttliche Stiftung“. Das werde mehrfach in der Bibel bezeugt. Pöhlmann gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Jesus sagt ausdrücklich von der Ehe, Gott hat die beiden Ehepartner zusammengefügt“ (Matthäus 19,6).“

Protestantische Desorientierung

Der Ratsvorsitzende der EKD hat sich nochmals festgelegt: Es wird keine Änderung am Orientierungspapier der EKD geben. Die Kritik aus den eigenen Reihen wird ignoriert. Es scheint so, als seien die Nebelkerzen in der Evangelischen Kirche in die Serienproduktion gegangen. Zu lesen ist in dem FAZ-Interview:

Ich halte das „Neudenken“ von Familie nicht für einen Bruch. Denn das Neue besteht darin, dass Familie nicht mehr allein auf die traditionelle Ehe beschränkt wird. Aber das ist kein Abschied von der Hochschätzung der Ehe.

Immer wieder argumentieren übrigens die Verteidiger des EKD-Papieres mit einem Schluss vom Sein auf das Sollen: Weil die gesellschaftliche Wirklichkeit so oder so aussieht, sollen wir so oder so handeln. Das ist keine protestantische, sondern dilettantische Ethik.

Der DLF hat in einem Beitrag den verschiedenen Parteien im Streit um die EKD-Orientierungshilfe Raum gegeben. Scharfe (und völlig berechtigte!) Kritik übt der emeritierte Bonner Ethiker Prof. Ulrich Eibach.

Das Evangelium für Litauen

lahayneEs ist mir eine Freude, das Blog meines ehemaligen Kollegen Holger Lahayne vorzustellen. Holger lebt mit seiner Familie in Litauen und arbeitet dort für die Studentenmission IFES (in Litauen LKSB) sowie als Dozent am Ev. Bibelinstitut. Ausserdem übersetzen Holger und seine Frau Rima christliche Literatur in die litauische Sprache, derzeit arbeiten sie an einer Neuübersetzung des Heidelberger Katechismus.

Holger ist Kurator der Evangelisch-reformierten Kirche Litauens. Die Kirche hat kürzlich einen „Kanon zu Ehe und Scheidung“ herausgegeben, der im Auftrag der Synode ins Deutsche übersetzt wurde (der Text kann hier eingesehen werden). Der Beschluss der Ev.-reformierten Kirche Litauens ist bibelbezogen und hebt sich damit deutlich von der Orientierungshilfe der Ev. Kirche in Deutschland ab. In einem ideaSpektrum Leserbrief schrieb Holger Lahayne kürzlich:

Eine Kluft zwischen den Protes­tanten Europas entsteht Kardinal Meisner warnt vor einem „tiefen Riss in der Ökumene“, verursacht durch die jüngste „Orientierungshilfe“ der EKD zum Thema Ehe und Familie. Eine immer größere Kluft tut sich auch innerhalb der Protes­tanten Europas auf. Aufgrund ganz unterschiedlicher Ansichten zu Ehe und Sexualität haben beispielsweise die Lutheraner der baltischen Länder schon seit Jahren keine Gemeinschaft mehr mit der Kirche Schwedens. Nun nahm bei der Synode im Juni die Evangelisch-refomierte Kirche Litauens einen Kanon zu Ehe und Scheidung an und kehrte damit zu biblischen und reformatorischen Grundsätzen zurück. Die Ehe wird dort als „ein heiliger Bund zwischen einem Mann und einer Frau“ bezeichnet, und es ist Gottes Wille, dass dieser Bund ein Leben lang hält. Unzucht wird biblisch definiert, und bei den Scheidungsgründen und der Wiederheirat wird die traditionelle reformierte Lehre bekräftigt. Diese Sicht wurde von Deutschland her schon als biblizistisch gebrandmarkt. Sie würde eine evangelikal-fundamentalistische Weltanschauung widerspiegeln. Die Kirche Litauens wird ihre Position auch in der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, zu der einige EKD-Kirchen gehören, verteidigen. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass manche Kirchen des Westens und die Zentral- und Osteuropas unterschiedliche Wege gehen.

Wer sich für das wunderschöne Litauen und die Kirchen dort interessiert, wird auf der Seite www.lahayne.lt viele interessante Informationen finden. Holger kommentiert auch Themen, die weit über Litauen hinausreichen, wie z.B. den neuen evangelikalen Moralismus: Sünde Smartphone?.

Holger und Rima brauchen für Ihre Arbeit weitere Unterstützung. Wer ihnen helfen möchte, findet hier weitere Informationen: lahayne.lt.

Offener Brief von Wilfried Härle

Der evangelische Dogmatiker Prof. Dr. Wilfried Härle hat einen Offenen Brief an den Ratsvorsitzenden der EKD zur Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ verfasst.

Ich zitiere aus dem mir vorliegenden Schreiben:

Die evangelische Kirche ist von ihrem Ursprung her bestimmt von der Grundüberzeugung, dass ihr die Offenbarung Gottes, die sie in dieser Welt zu bezeugen hat, auf keinem anderen Weg überliefert ist als durch die Bibel. Deshalb gewinnt die Kirche ihre Orientierung aus der Heiligen Schrift, die aus sich selbst auszulegen ist. Dieser Grundüberzeugung setzt der EKD-Text (S. 13) die These entgegen: „Angesichts der Vielfalt biblischer Bilder und der historischen Bedingtheit des familialen Zusammenlebens bleibt entscheidend, wie Kirche und Theologie die Bibel auslegen und damit Orientierung geben“. Damit wird die Orientierungsfunktion der Bibel für Kirche und Theologie ersetzt durch die Orientierungsaufgabe, die Kirche und Theologie durch die Art ihrer Auslegung der Bibel wahrnehmen sollten. Und woran orientiert sich diese Auslegung, wenn nicht am Wortlaut der Bibel und damit an dem durch ihn bezeugten Inhalt der Schrift? In der vorliegenden Orientierungshilfe ist es offensichtlich die „historische Bedingtheit des familialen Zusammenlebens“, wie die Verfasser dieses Textes sie sehen. Eine Folge dessen ist, dass die schöpfungstheologische Aussage über das Zusammenleben von Mann und Frau (Gen 2,24), die im Neuen Testament, insbesondere von Jesus, so oft zitiert wird, wie kein anderer Text, faktisch auf die mehrfach zitierte Formel reduziert wird: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Und der EKD-Text versteigt sich sogar zu der Behauptung, ein normatives Verständnis der Ehe als göttliche Stiftung entspreche nicht dem biblischen Zeugnis. Und das nennt er selbst „Theologische Orientierung“.

Der zweite Bruch mit einer evangelischen Grundüberzeugung findet dort statt, wo der EKD-Text sein erweitertes Familienverständnis gegen alle normativen Aussagen über (geschlechtsbedingte) Lebensformen in Stellung bringt: „Wo Menschen auf Dauer und im Zusammenhang der Generationen Verantwortung füreinander übernehmen, sollten sie Unterstützung in Kirche, Gesellschaft und Staat erfahren. Dabei darf die Form, in der Familie und Partnerschaft gelebt werden, nicht ausschlaggebend sein. Alle familiären Beziehungen, in denen sich Menschen in Freiheit und verlässlich aneinander binden, füreinander Verantwortung übernehmen und fürsorglich und respektvoll miteinander umgehen, müssen auf die Unterstützung der evangelischen Kirche bauen können.“ (S. 141) Wenn man diese Aussagen ernst nimmt, heißt das, dass die evangelische Kirche in Zukunft Bigamie, Polygamie, sexuelle Dauerbeziehungen in Kommunen, inzestuöse Lebensverhältnisse etc. tatkräftig unterstützen muss, wenn diese Lebensformen in Freiheit, Verlässlichkeit, Verantwortung, Fürsorge und Respekt eingegangen und geführt werden.

Sollte dies tatsächlich die Meinung (des Rates) der EKD sein, dann folgt daraus u. a., dass auch für Pfarrerinnen und Pfarrer künftig die Form, in der sie Familie und Partnerschaft leben, nicht ausschlaggebend sein darf. Sollte man dem Rat der EKD empfehlen, diese beiden fatalen Brüche mit den normativen Grundlagen der evangelischen Kirche nachträglich aus dem Text herauszunehmen und den Rest zu erhalten? Bei diesem Versuch würde sich voraussichtlich zeigen, dass genau dies in methodischer Hinsicht die beiden tragenden Pfeiler des ganzen Textes sind, ohne die er in sich zusammenbräche. Aber ich fände: immer noch besser, der Text bräche zusammen, als dass die evangelische Kirche theologisch den Boden unter den Füßen verliert.

VD: EP

Ehe und Familie in der Bibel und in unserer Zeit und Kultur

Jonas hat sich mit der EKD-Desorientierungshilfe zur Familie auseinandergesetzt. Er verfängt sich aber nicht in der Kritik, sondern entwickelt hilfreiche Empfehlungen für Christen und Gemeinden, die sich  dem Zeitgeist nicht widerstandslos unterwerfen wollen. Jonas:

Es wurde lediglich versucht, dagegen zu argumentieren, ohne Alternativen zu bieten. Dies fand ich schade, denn es beendete den Dialog noch bevor er begonnen hatte und untergrub in gewisser Weise auch die Kraft der jeweiligen Kritik. Zweitens vermisste ich Stimmen aus den Gemeinden den Freikirchen. Zwar hatte die Evangelische Allianz Deutschlands relativ bald reagiert, aber diese zählt ja bekanntlich nicht als Gemeindebund. Aus diesem zweifachen Mangel heraus entstand nach einem knappen halben Jahr des Wartens der Entschluss, etwas daran zu ändern. Und nach einem weiteren halben Jahr und einer sehr spannenden Auseinandersetzung mit dem Thema „Ehe und Familie“, für die ich außerordentlich dankbar bin, möchte ich eine erste Antwort auf das Familienpapier vorlegen. Sie stellt keineswegs den Anspruch, vollständig zu sein. Es mag auch sein, dass sie Fehler enthält und weiterer Überarbeitung bedarf. Wer welche findet, darf sich gerne jederzeit bei mir melden. Ich bin dankbar für Korrektur und Rückmeldung.

Die Schrift: „Ehe und Familie in der Bibel und in unserer Zeit und Kultur Eine Auseinandersetzung mit der EKD-Orientierungshilfe: Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ kann hier heruntergeladen werden: Familienpapier_JE.pdf.

Das Armutszeugnis der evangelischen Kirche

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bemüht sich um Schadensbegrenzung. Er verteidigt die umstrittene Orientierungshilfe zur Familie. Gleichzeitig erzählt er, die traditionelle lebenslange Ehe bleibe das Leitbild der Evangelischen Kirche. Das ist Bullshit (siehe dazu hier)!

Matthias Kamann zeigt, weshalb die Orientierungsschrift ein einziges Armutszeugnis ist:

Gewiss, ihr [der Ehe] soll laut EKD-Text der Segen bei der Trauung zuteilwerden, als „wirkmächtiger Zuspruch von Zukunft“. Aber Segenshandlungen fasst das Papier dann auch generell bei „Partnerschaften“ ins Auge – „selbst in ihrem Scheitern“. Durchaus, die EKD „würdigt“ die Rechtsform der Ehe als „besondere Stütze und Hilfe“. Aber zum einen ist „würdigen“ ein seltsam schwaches Verb, mit dem eher ein nachträgliches Wertschätzen als ein vorgebendes Normieren gemeint ist. Und zum andern folgt aus der Würdigung mitnichten eine orientierende Funktion dieser Lebensform. Vielmehr wird die Orientierungskraft einer Leitlinie nicht der Ehe, sondern allgemein dem freundlichen Familienleben in verschiedensten Formen zugesprochen: „Leitlinie einer evangelisch ausgerichteten Förderung von Familien, Ehen und Lebenspartnerschaften muss die konsequente Stärkung von fürsorglichen Beziehungen sein.“ Weiter: „Dabei darf die Form, in der Familie und Partnerschaft gelebt werden, nicht ausschlaggebend sein.“ Dadurch verschwindet jede Möglichkeit, der Form „Ehe“ normativen Rang zuzuschreiben. Das führt zu Folgeschäden.

Kuschel-Evangelium

Gute Nachricht für alle, die bislang vor einer kirchlichen Trauung zurückschreckten. Der Satz „Bis dass der Tod euch scheidet“ ist nicht mehr wirklich ernstgemeint. Die Selbstsäkularisierung der Protestanten strebt einem neuen Höhepunkt zu.

Jan Fleischhauer schreibt:

Auch die EKD denkt die Ehe jetzt von ihrem Ende her, also der Trennung. Deshalb empfiehlt sie auch allen, die sich binden wollen, genau zu bedenken, wie es danach weitergeht und sich beizeiten über den Stand des Scheidungsrechts zu informieren. Das gilt erst recht, wenn einer der beiden Ehepartner in der Karriere aussetzt, um Kinder groß zu ziehen. Oder wie es in der „Orientierungshilfe“ heißt: „Die neue Rechtslage sollte jungen Menschen klar sein, wenn sie sich für diese Lebensform mit traditioneller Arbeitsteilung entscheiden.“

Es wäre zu kurz gegriffen, den familienpolitischen Leitfaden als Kapitulation vor dem Wertewandel zu verstehen. Wir haben hier vielmehr das Dokument eines spektakulären Versuchs der Verweltlichung von Innen, wie ihn so noch keine der großen Religionen unternommen hat.

Die Evangelische Kirche will nicht mehr urteilen, sondern nur noch verstehen. „Fühl Dich wohl“, heißt die frohe Botschaft ihrer Vertreter. Alle sind ihr gleichermaßen lieb: Das treusorgende Paar ebenso wie der Ehebrecher oder die Geschiedene, die vier Kinder von fünf Männern hat. Selbst der Talib kann in dieser Stuhlkreis-Theologie noch auf Anteilnahme hoffen. Mit ein paar guten Worten beziehungsweise ein wenig mehr „Phantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen“, wird schließlich alles besser, wie es die unvergessene Margot Käßmann in heiliger Teestubeneinfalt schon vor Jahren verkündete.

Hier die Kolumne: www.spiegel.de.

Eröffnung des EKD-Studienzentrums für Genderfragen

Die EKD macht es den in ihr verbliebenen bekenntnisorientierten Mitgliedern wirklich schwer. Nach dem Desaster mit der Orientierungshilfe und der „Eine Tür ist genug“-Kampagne wurde gestern ein Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie in Hannover eröffnet. Da sage jemand, die EKD setze keine Prioritäten!

Einschlägige Agenturen wie idea oder Medienmagazin pro haben hinlänglich darüber berichtet. Wer sich die Mühe macht, die „Tischreden“ zur Eröffnung zu lesen, wird schnell erkennen, in welche Richtung es geht. Der Ertrag steht fest. Mit Skeptikern will die Kirche nachsichtig umgehen. Bei der wissenschaftlichen Arbeit und deren Vermittlung müssen – so Nikolaus Schneider – die Ängste und Vorurteile gutwilliger Verächter berücksichtigt werden. Prof. Dr. Claudia Janssen, Studienleiterin des Zentrums, läßt uns in ihrem Statement wissen:

Ich wünsche mir für das Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie, dass es ein Ort des Dialogs wird. Der Begriff Gender öffnet sich für den ganzen Reichtum an Forschungsdiskursen, an die wir anknüpfen können: Feministische Theologien, Rassismus-Diskurse, insbesondere den christlich-jüdischen Dialog, queer-Theologien, ökumenische, unterreligiöse und postkoloniale Diskurse… Ich persönlich nähere mich den Fragen des Geschlechterverhältnisses aus feministischer Perspektive an und will aus den Dialogen lernen: nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen allen Geschlechtern, zwischen Menschen, die hetero-, bisexuell, lesbisch, schwul, transgender, intersexuell, queer sind.

Gender ist ein offener Begriff, der mit Leben gefüllt werden muss. Eine geschlechterbewusste Theologie, die wir im Studienzentrum weiterentwickeln wollen, steht für eine Kultur der Wertschätzung in unserer Kirche: eine Kultur, die Unterschiede hoch achtet und gleichzeitig auch darauf schaut, was uns verbindet. Der Erfolg der Arbeit der letzten Jahre zeigt, dass die Idee des Studienzentrums von vielen unterschiedlichen Menschen, Haupt- und Ehrenamtlichen getragen wird, die in der Entwicklung einer geschlechterbewussten Theologie eine innovative Kraft für unser Kirche sehen.

Die Bibel ist in diesem Prozess der Veränderung eine Kraftquelle – spirituell und politisch. Eine geschlechterbewusste Hermeneutik für die Auslegung der Bibel zu entwickeln, bedeutet festgefügte Geschlechterklischees zu überwinden und die Aktualität ihrer befreienden Aussagen neu zu entdecken. Geschlechterbewusste Bibelauslegung ist immer kontextuell. Sie speist sich aus vielfältigen Dialogen: zwischen allen Geschlechtern, den Generationen, Dialogen zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Gesellschaft, Politik und Theologie und Dialogen zwischen den Religionen; sie lebt vom Austausch weltweit.

Dialog und Nachsicht gibt es allerdings nur für Leute, die sich für die neue Genderkultur als anschlussfähig erweisen. Das wird jeder merken, der an einer Gebotsethik festhält. Wolfgang Thielmann erklärt beispielsweise in der Ausgabe 13/2014 von Christ & Welt, die Kirche habe auf dem gegenderten Kurs zu bleiben, solange es in ihr noch „Stinos“ (gemeint sind heterosexuelle Spießer) gibt, die zwischen Mann, Frau oder __ unterscheiden:

Und natürlich protestieren die Evangelikalen. Die konnten schon immer gut mit der CDU. Sie sind die protestantischen Stinos. „Ich bin zutiefst geschockt und sehe alle christlichen Werte verraten!“, zitiert der Nachrichtendienst idea einen ihrer Vertreter mit Namen Alexander Schick. Das Video spüle alle ethische Autorität der Protestanten durch den Abfluss. Ein anderer Evangelikaler, er heißt Ron Kubsch und ist Dozent für Apologetik, empfiehlt in idea: „Man kann ja austreten.“ Eben nicht, Herr Kubsch, eben nicht, solange Sie die einzige Tür in der Kirche blockieren!

Na dann. Gute Nacht!

Let’s talk about Sex

In den letzten Wochen haben sich sonderbare Konstellationen ergeben. Im SPIEGEL, in der WELT oder in der FAZ wird die EKD-Orientierungshilfe zur Familie schonungslos verrissen (vgl. z.B. hier). Im Dunstkreis des Evangelikalismus finden sich hingegen Stimmen, die sich mit dem Abschied vom christlichen Familienbild solidarisieren (z.B.  bei Peter Aschoff von der Lausanner Bewegung oder bei Rolf Krüger von dem Internetportal Jesus.de).

Da macht sich ganz natürlich Unsicherheit breit, besonders unter jungen Leuten. Dankbar empfehle ich Zweifelnden den Aufsatz „Let’s talk about Sex: Eine Revolution, die sich an der Bibel orientiert“ von Konstantin Mascher (Salzkorn 3/2013, 120–125), der sowohl einen Rückblick als auch einen herausfordernden Ausblick zu Familie und Geschlechtlichkeit anbietet.

Das Reden über Sex hat inflationäre Ausmaße angenommen – auch in der Kirche. Zugleich aber herrscht eine erstaunliche Sprachlosigkeit unter uns, wenn es um die Gabe der Sexualität als Aufgabe geht. Prüderie unter Christen hat viele Formen: Sie kann den Menschen durch restriktives Moralisieren beschämen, sie kann ihn aber auch durch schamloses Verwischen der Grenzen demoralisieren. Darüber hinaus hat es vielen Ehepaaren schlichtweg die Sprache verschlagen, weil die Realität des Scheiterns in der eigenen Sexualität dominiert. Enttäuschungen, Frustrationen und Verletzungen sind kaum zu vermeiden; die Sprachlosigkeit darüber sollte aber nicht hingenommen werden. Die Heilung der Herzen und der Ehen beginnt, wenn Menschen dazu befähigt werden, das Erlebte oder Nichterlebte in ihrer Sexualität zu benennen und die damit einhergehende Scham auf angemessene und behutsame Weise in Worte zu kleiden. Es braucht daher in der Kirche insgesamt, aber auch in den Gemeinden vor Ort, ein neues, an der kraftvollen, lebenshaltigen Verheißung der Bibel ausgerichtetes Reden über Sex!

Die Revolution der Liebe, die das zeitlos aktuelle Modell propagiert, dauert an. Diese in der Zweiheit von Mann und Frau liegende kreatürlich-kreative Kraft der Geschlechtlichkeit soll wider den Zeitgeist behauptet und in seiner ganzen Schönheit, Fülle und Freude lebendig werden!

Hier: www.ojc.de.

Ohne mich

Die Redakteurin Liane Bednarz beschreibt für Christ & Welt, warum sie aus der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgetreten ist und was sie an der Katholischen Kirche anzieht. Authentisch und irgendwie verständlich! Ein tieferer Blick hinter die Kulissen der Katholische Kirche dürfte freilich zeigen, dass dort die Nöte vergleichbar groß sind. Das Zeugnis verdeutlicht insgesamt, dass wahrheitssuchende Menschen sich vom „sozialen Evangelium“ betrogen fühlen und der Bedarf für einen geistlichen und intellektuellen Aufbruch immens ist. Kyrie eleison.

Man verstehe mich bitte nicht falsch: Natürlich ist auch ein religiöser empathieloser Rigorismus abzulehnen, der nur noch auf das Jenseits starrt und sich allein um das eigene Seelenheil sorgt. Aber die Umdeutung zentraler biblischer Begriffe wie »Friede« und »Gerechtigkeit« in diesseitige Politik schreckte mich zutiefst ab. Und meistens, wenn ich diese Irritation gegenüber Vertretern der evangelischen Kirche zum Ausdruck brachte, stieß ich auf Verständnislosigkeit.

Eigentlich wurde fast alles, was in der Bibel steht, relativiert. Im Jahre 2013 mit der »Orientierungshilfe« sogar das grundsätzlich auf die Ewigkeit angelegte Versprechen der Ewigkeit der Ehe. Wenn man selbst miterlebt hatte, wie allein der Vers »Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen« (Markus 10,2), die Ehe von zwei Menschen ungeachtet aller Turbulenzen an dem einstigen Versprechen hat festhalten lassen, war man verwundert. Gleichzeitig, auch das soll nicht verschwiegen werden, hat mich der enorm strenge, oftmals antiintellektuelle Kurs einiger Freikirchen abgeschreckt. Und so bin ich jahrelang zwischen evangelischen Landeskirchen einerseits und Freikirchen andererseits mäandert.

Im Mai 2011 schließlich kam es für mich zu einer Wende. Ausgelöst durch das Buch »Das katholische Abenteuer« des Journalisten Matthias Matussek begann ich, mich mit dem Katholizismus zu beschäftigen, und entdeckte in diesem eine aus meiner Sicht stringentere und sowohl intellektuelle als auch im Herzen verankerte Form der Suche nach der ewigen Wahrheit, die letztlich zu meinem Austritt führte.

Ich erlebe vor allem in den Predigten katholischer Priester insgesamt eine größere Ernsthaftigkeit der Erhabenheit Gottes und der Frage nach dem Jenseits gegenüber. Auch wenn ich damit vielen Menschen in der evangelischen Kirche ihren tiefen Glauben selbstverständlich nicht absprechen möchte. Konvertiert bin ich noch nicht, da ich immer noch offene Fragen habe. Aber ich glaube, ich befinde mich auf dem Weg dorthin.

Mehr: www.christundwelt.de.

VD: AG

Familienauflösung

An was werden wir in einigen Jahren denken, wenn wir auf den Namen Nikolaus Schneider stoßen? Mir wird wahrscheinlich einfallen, dass unter seiner Ägide die EKD ethische Entscheidungen getroffen hat, die in eklatanter Weise von den Aussagen der Heiligen Schrift und der kirchlichen Bekenntnisschriften abheben. Also an das „wahrhaft epochale“ Pfarrerdienstgesetz der EKD aus dem Jahr 2010 und an den groben Umschwung, der durch ein Familienpapier angestoßen wird, das morgen der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll (vgl. auch hier).

In der Orientierungshilfe fordert die EKD die Bundesrepublik Deutschland auf, eine neue Familienpolitik einzuleiten, da das „bisherige wohlfahrtsstaatliche Arrangement mit seiner traditionellen Familienverfassung“ eine geschlechterhierarchische Arbeitsteilung voraussetzt. Ebenso sieht sich die Kirche in der Pflicht, nun „Familie neu zu denken“. Die Vielfalt der Lebensformen, in denen heute Partnerschaft gelebt werde, sei in „theologischer Hinsicht“ als gleichwertig anzuerkennen.

Um es klar zu sagen: Die Kirche knüpft damit nicht nur an gesellschaftliche Prozesse an, um modern zu erscheinen, sie selbst fordert und fördert die Auflösung des christlichen Familienbegriffs.

Reinhard Bingener hat in der FAZ darauf aufmerksam gemacht, dass an dem Papier ein erstaunlicher Umgang mit der Bibel erkennbar wird. Bibelstellen, die dem Anliegen der verantwortlichen Autoren widersprechen, werden „im Licht der befreienden Botschaft des Evangeliums“ schlicht neu interpretiert (FAZ vom 18.06.2013, Nr. 138, S. 8). Ich füge hinzu: Die Autoren haben keine Skrupel, dabei die biblischen Texte gegen ihren Wortsinn zur Stützung eigener Interessen zu vergewaltigen. Sie machen sich noch nicht einmal die Mühe, ihre Neuinterpretationen exegetisch zu rechtfertigen.

Matthias Kamann stellt für DIE WELT heraus, dass in dem Familienpapier gar nicht mehr überzeugend versucht werde, auf die Verbindlichkeit der Ehe zu setzen:

Doch wird auf den 160 Seiten, in denen sich die ganze Vielfalt und auch Unsicherheit des neueren protestantischen Ehe- und Familienverständnisses niederschlägt, gar nicht erst versucht, die lebenslange Treue von Ehepaaren und Eltern mit normativer Kraft auszustatten. Unentschieden heißt es: „Die Kirchen unterstützen Familien in ihrem Wunsch nach gelingender Gemeinschaft, sie begleiten sie aber auch im Scheitern und bei Neuaufbrüchen.“ Wer erwarten würde, dass der Glaube – als Anerkennung von Ansprüchen jenseits des irdischen Wandels – auch verbindlichere Maximen setzen könnte, der liest hier von einer „Freiheit mit Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen, die angesichts der Herausforderungen der eigenen Zeit immer wieder neu bedacht und oft erst errungen werden muss.“

Ich hoffe, dass evangelische Christen angesichts solcher desaströsen Entwicklungen nicht einfach still und leise aus der Kirche austreten, sondern im Namen von Bibel, Bekenntnis und dem Herrn der Kirche vernehmbaren Widerstand leisten. Dort, wo Kirchenleiter in offensichtlicher und willentlicher Weise das Wort Gottes durch eigene Rede dämpfen und verdrehen, sind sie zur Umkehr zu rufen. Wer das Gebot, das von Gott kommt, nicht anerkennt, wird auch von Gott nicht erkannt (vgl. 1Kor 14,38, siehe a. Offb 2-3).

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