Augustinus

Gesetz und Gnade

Aurelius Augustinus, Geist und Buchstabe, 13,22:

Es ist also so: Gott spricht im Gesetz der Werke: Tu, was ich befehle; im Gesetz des Glaubens sprechen wir: Gib, was du befiehlst. Das Gesetz befiehlt, um zu fordern, was nur der Glaube vollbringen kann; wenn also einer den Befehl hört, aber noch nicht die Kraft zur Erfüllung hat, wisse er, worum er zu bitten hat; vermag er aber das Gesetz zu erfüllen und im Gehorsam zu leben, so soll er auch wissen, wer ihm die Kraft dazu gibt. „Wir haben ja nicht den Geist dieser Welt empfangen“ (I Kor 2,12), sagt dieser unbeirrbare Verteidiger der Gnade, „sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir erkennen, was von Gott an Gnade uns gegeben ist“.

Warum unser Herz unruhig ist

In seiner Interpretation des „Unruhig ist unser Herz“ greift Walter Andreas Euler auf die Psalmenauslegung und das Buch De Trinitate des Kirchenvaters Augustinus zurück und fasst die Phänomenologie der Unruhe so zusammen (M. Fiedrowicz (Hg.), Unruhig ist unser Herz: Interpretationen zu Augustins Confessiones, 2004, S. 12).:

In seiner Auslegung der Psalmen stellt der Kirchenvater fest, dass unzählige Wünsche in den Herzen der Menschen wohnen. Der eine will Geld, der zweite Besitztümer, der dritte ein großes Haus, der vierte eine Frau, der fünfte eine herausgehobene berufliche Stellung, der sechste gesellschaftliches Ansehen usw. Augustinus stellt sich diesen Fragen nicht abstrakt, sondern wir wissen aus den Confessiones, dass er (zusammen mit seinen Eltern) solche Wünsche lange Zeit, vielleicht mehr als andere, teilte und sie sein Lebensmotor waren. Die Gier des Menschen, so weiß Augustin aus eigener Erfahrung, ist unersättlich. Sie wächst sogar, je mehr der Mensch bekommt und je mehr Wünsche sich erfüllen. Darin zeigt sich, dass die Sehnsucht des Menschen prinzipiell durch nichts Endliches, durch nichts Sterbliches befriedigt werden kann, weil sich die Wünsche immer als größer als die Möglichkeiten ihrer Erfüllung erweisen und weil etwas Endliches, Vergängliches der unendlichen Sehnsucht des Menschen augenscheinlich nicht entsprechen kann. Jeder Mensch will glücklich sein und die Sehnsucht nach Glück motiviert all seine Taten, die bösen eingeschlossen. Mancher allerdings, so stellt Augustin im zehnten Buch der „Bekenntnisse“ fest, begnüge sich aus Bequemlichkeit faktisch mit dem „kleinen“ Glück der irdischen Befriedigungen und verfehle so das große, das eigentliche Glück des seligen, des ewigen Lebens bei Gott. Gleichwohl gilt, dass alle Menschen zumindest prinzipiell glückselig sein wollen, und, so heißt es in De Trinitate, „sie wollen zweifelsohne nicht, dass ihr Glück aufgebraucht wird oder zugrunde geht. Nun können sie aber nur, wenn sie leben, glücklich sein. Also wollen sie nicht, dass ihr Leben zugrunde geht. Unsterblich also wollen alle sein, die wahrhaft glücklich sind oder es zu sein begehren. Nicht aber lebt glücklich, wem nicht zur Verfügung steht, was er will. In keiner Weise wird also das Leben wahrhaft glücklich sein können, wenn es nicht immerwährend ist.“

Augustinus

Am Freitag wird 20:15 Uhr nochmals der Film „Augustinus“ ausgestrahlt. Auf dem Sender 3sat laufen beide Teile hintereinander:

Hippo Regius im Jahr 430 nach Christus: Seit Monaten wird die Stadt von den Vandalen belagert. Der Papst hat ein Schiff geschickt, mit dem der siebzigjährige Augustinus Hippo verlassen könnte. Ungeachtet des Drängens seiner Nichte Lucilla beschließt er jedoch, an der Seite seiner Mitbürger auszuharren.- Der zweiteilige, aufwendig produzierte Fernsehfilm erzählt die Lebensgeschichte des vor 1.700 Jahren in Thagaste geboren Philosophen

Mehr: www.3sat.de.

Die Bekenntnisse von Augustinus gratis

bekenntnisse.jpgZur Zeit wird von Amazon eines der wichtigsten Bücher der abendländischen Zeitgeschichte gratis in einer digitalen Kindle Version angeboten.

Auch PC-Anwender oder iPad-Nutzer können das Buch erwerben, wenn sie die entsprechende Kindle-Anwendung installieren.

Zuschlagen!

 

Weihnachtsaktion 2011: De civitate Dei

Ich möchte mich bei allen Lesern des Theoblog auch in diesem Jahr herzlich für das Interesse an den Beträgen und Disputen bedanken! Herzliche bedanke ich mich auch bei den Kommentatoren!

Etliche Leute haben 2011 wieder Bücher oder DVD’s über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier) oder über den Buchladen geordert. Danke!

Ich möchte mich durch eine kleine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Jeder Blog-Leser hat die Chance, in der Weihnachtszeit ein Päckchen mit dem Buch Vom Gottesstaat (De civitate Die) zu erhalten. Über das wohl bekannteste Werk des Kirchenvaters Augustinus schreibt der Verlag:

Nach seinen berühmten „Bekenntnissen“, in denen Augustinus seine Bekehrung zum Christentum erzählte, entstand in den Jahren 413-426 die zweite philosophisch-theologische Abhandlung „Vom Gottesstaat“. Sie umfaßt 22 Bücher und ist als Verteidigungsschrift angelegt, weil man dem Christentum den Untergang des römischen Reiches anlastete. Die Zurückweisung dieses Vorwurfs und Rechtfertigung sind Gegenstand der ersten 10 Bücher. In den folgenden aber entwickelt der große abendländische Kirchenlehrer seine Theorie vom Gottesstaat, der als moralische Instanz dem von Selbstliebe und Eigennutz geprägten Weltstaat überlegen ist. Basis dieses weltgeschichtlichen Erklärungsmodells, das das Geschichtsbild und alle Geschichtstheorien bis in die Neuzeit wesentlich mitgeprägt hat, ist die Offenbarung.

Um Empfänger des Buches mit über 1000 Seiten werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:

  1. Sie müssen TheoBlog regelmäßig lesen (Vertrauenssache).
  2. Sie müssen mir über das Kontaktformular Ihre eMailadresse mitteilen (und dabei das Stichwort: »Weihnachtspäckchen« in der Mitteilung erwähnen).
  3. Am 18. Dezember werde ich von meinen Kindern unter allen übersandten Adressen einen Empfänger über ein Losverfahren auswählen lassen und die gewählte Person kontaktieren (Vertrauenssache). Nach Übersendung der Postanschrift schicke ich das Päckchen an den Gewinner.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Augustinus: Vom Ermutigen und ›Dämpfen‹

Aurelius Augustinus (De utilitate credendi, 24):

Es gibt … kaum jemanden, der seine Fähigkeiten richtig beurteilt. Wer sie unterschätzt, muss ermutigt, wer sie überschätzt, muss gedämpft werden, damit der erste nicht an der Hoffnungslosigkeit zerbricht, der zweite nicht tief stürzt durch seine Vermessenheit.

Die Umkehr des Augustinus

Possidius, ein Schüler des Kirchenvaters Augustin, schreibt in der Biografie über seinen Lehrer  (Vita Augustini, Paderborn: Schöningh, 2005, S. 31):

Und bald gab er alle Begierden nach irdischen Dingen, die er im Innersten seines Herzens noch hegte, auf. Er wollte nun weder Frau noch Kinder des Fleisches (vgl. Rom 9,8), keine Reichtümer und auch keine Ehren dieser Welt. Statt dessen hatte er beschlossen, mit seinen Freunden Gott zu dienen. Er wollte in und aus jener kleinen Herde sein, zu der Christus mit den Worten spricht: Fürchte dich nicht, du kleine Herde. Es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft, was ihr besitzt, und gebt Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten und einen Schatz im Himmel, der nicht vergeht (Lk 12,32f). Und auch jenes Wort, das wiederum der Herr gesagt hatte, wollte der heilige Mann verwirklichen: Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach (Mt 19,21). Er wollte auf dem Fundament des Glaubens ein Gebäude errichten, nicht aus Holz, Stroh oder Spreu, sondern aus Gold, Silber und Edelsteinen (vgl. 1 Kor 3,12). Das dreißigste Lebensjahr hatte Augustin überschritten, nur seine sehr an ihm hängende Mutter lebte noch. Sie freute sich über seinen Entschluss, Gott zu dienen, mehr, als wenn er ihr Enkel des Fleisches geschenkt hätte. Sein Vater war schon früher gestorben. Augustin verzichtete nun auch auf seine Schüler, die er als Rhetoriklehrer unterrichtet hatte, und legte ihnen nahe, sich einen anderen Lehrer zu suchen. Denn er selbst war fest entschlossen, Gott zu dienen.

Augustinus: Der Christ und seine Kritiker

Aurelius Augustinus (Confessiones 10.5):

Möchte Brudersinn an mir lieben, was Du [Gott] als liebenswert ihm zeigst, und an mir beklagen, was Du als beklagenswert ihm zeigst. Doch das brüderliche Herz soll es tun, nicht eins, das draußen ist, keins von den Kindern der Fremde, deren Mund unnütz redet und deren rechte Hand eine Rechte der Bosheit ist. Das brüderliche Herz aber freut sich über mich, wenn es mich loben kann, und trauert um mich, wenn es tadeln muss. Denn mag es mich nun loben oder tadeln, es hat mich lieb.

Ich glaube nur, was ich sehe

Aurelius Augustinus (De utilitate credendi, Freibug: Herder, 1992, S. 159):

Vieles ließe sich anführen, um zu zeigen: Rein gar nichts in der menschlichen Gemeinschaft bleibt unversehrt, wenn man sich entschließt, nichts zu glauben, was man nicht als sichere Gewissheit vor Augen hat.

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