Evangelikale

Die Kristall Kathedrale bekommt Risse

Robert Schullers Crystal Cathedral wurde auf dem Fundament eines Selbstwertgefühl-Evangeliums aufgebaut.  Im Oktober 2010 ist nun der Prototype der Mega-Kirche in den Konkurs gegangen. Dieser Bankrott hat Signalwirkung für einen Evangelikalismus, der sich einseitig auf die emotionalen Bedürfnisse der Menschen fokussiert. Christianity Today (CT) schreibt ausgewogen aber bestimmt:

Christianity Today both the Crystal Cathedral and the theology that undergird it seem woefully inadequate buildings in which to house the gospel. In an age deeply sensitive to energy conservation, a glass house of worship is a sinful extravagance. In a culture increasingly addicted to the self, the gospel of self-esteem is clearly part of the problem. In short, the Schuller enterprise is filing for bankruptcy on more than one front.

Some are tempted to hit the man while he is down, but this is unwise. Robert Schuller is not the problem—contemporary evangelicalism is. Schuller was only leading the parade of those who believe they are responsible for making the gospel relevant. The lesson is not that Schuller got it wrong or that his theology is out-of-date; it is not that we just need to find a better, more current point of cultural contact. The lesson is that our attempts to find and exploit a point of cultural contact inevitably end in bankruptcy.

Hier: www.christianitytoday.com.

Martyn Lloyd-Jones als Prediger

Ich habe einen exzellenten Vortrag von Alistair Begg über Martyn Lloyd-Jones entdeckt (allerdings nur in Englisch). Der Vortrag enthält viele Inspirationen für Prediger und Pastoren. Besonders Christen, die sich auf den vollzeitlichen Dienst vorbereiten, finden in der Vorlesung über das Leben des großen Predigers hilfreiche Anregungen. Die Zeit hat uns gezeigt, dass Lloyd-Jones Sorgen im Blick auf den Evangelikalismus berechtigt waren. Herr, erwecke deiner Kirche Prediger des Evangeliums!

Hier:


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Der Toleranzreichtum der »Neuen Evangelikalen«

Marcia Pally lehrt als Professorin für Multilingual Multicultural Studies an der New York University. Ihr jüngstes Buch, Die neuen Evangelikalen: Freiheitsgewinne durch fromme Politik, ist bei der Berlin University Press erschienen (vgl. die kurze Rezension hier). Der NZZ hat sie erklärt, wie sie die »Neuen Evangelikalen« in Nordamerika wahrnimmt:

Als ich Robert, den PR-Chef einer grossen evangelikalen Kirche in den Südstaaten, in seinem Büro aufsuchte, war dort weit und breit kein Kruzifix zu sehen. Stattdessen war das Konterfei von Captain Kirk, dem wackeren «Star Trek»-Helden, als Bildschirmschoner aufgeschaltet, und an den Wänden prangten – pace Jesus – die gerahmten Covers einiger auserlesener Science-Fiction-Magazine und ein Poster von Barack Obama. Auf der DVD «Introduction to our Community» stellt eine andere, im Mittleren Westen situierte evangelikale Grosskirche einen Transsexuellen als eines ihrer ersten Mitglieder vor; und Randall Balmer, Redaktor der Zeitschrift «Christianity Today», schreibt: «Der evangelikale Glaube, der mich als Kind nährte und als Erwachsenen trägt, ist von rechtsradikalen Eiferern gekidnappt worden.»

Hier: www.nzz.ch.

Unterstützt Apple Evangelikale?

Die iPhone-App »Manhattan Declaration« sorgt momentan für hitzige Diskussionen im Internet. »Unterstützt Apple indirekt die Propaganda fundamentalistischer Christen?« fragt ein Journal für Computerspiele:

Durchs Apple’sche Raster gefallen sind bislang beispielsweise Anwendungen wie das, für europäische Verhältnisse, eher harmlose iBoobs und sogar ein Wörterbuch, in dem naturgemäß auch das ein oder andere unsaubere Wort vorkam (Ninjawords).

Kein Problem scheint Apple erstaunlicherweise aber mit der Propaganda fundamentalistischer Christen zu haben. So wurde die offensichtlich Homosexuellen-feindliche App Manhattan Declaration von DNS Media anstandslos durchgewunken und erhielt die niedrigste Alterseinstufung 4+. Das christliche Calvary Satellite Network sucht auf diesem Wege Unterzeichner für die sogenannte Manhatten-Erklärung.

Was soll man dazu sagen?

Vielleicht lassen sich einige Gemüter mit dem Hinweis beruhigen, dass Apple auch Software aus der Gay Kultur durchwinkt und vor nicht allzu langer Zeit 100.000 Dollar für eine Kampagne gegen das Verbot der Homo-Ehe gespendet hat.

Archbishop Kwashi: Zeugnis geben in der Kraft des Heiligen Geistes

Archbishop Benjamin Kwashi aus Nigeria hat mit seiner Familie schon Verfolgung erlebt. Sein Haus wurde vollständig niedergebrannt. In seinem Vortrag auf dem Lausanner Kongress spricht er über Evangelisation in der Kraft des Heiligen Geistes und äussert sich, meines Erachtens völlig zu Recht, deutlich zur Kraftlosigkeit im Evangelikalismus des Westens. Wenn wir über Fußball sprechen, sind wir europäischen Christen überzeugte und entschiedene Menschen, reden wir über das Evangelium, sind wir zurückhaltend und meiden das klare Bekenntnis.

Was ist nur los mit uns? Wir sollten uns schämen! Hören wir auf unsere afrikanischen Brüder, wenn sie über das Kreuz und ein Leben in der Kraft der Auferstehung sprechen. Lernen wir von ihnen!

Reformierte Strömungen im Evangelikalismus

Drei Freunde, Justin Taylor, Collin Hansen und Owen Strachan, unterhalten sich über reformierte Strömungen innerhalb des heutigen Evangelikalismus. Justin Taylor arbeitet für Crossway und ist einer der Hauptverantwortlichen für die ESV Study Bible. Collin Hansen arbeitet als Journalist für Christianity Today und die Cospel Coalition (und ist Autor des Buches Young Restless Reformed). Owen Strachan unterrichtet Theologie und Kirchengeschichte am Boyce College in Louisville (USA).

Die Diskussion spiegelt zwar überwiegend die Lage in Nordamerika, ist aber auch für das deutschsprachige Europa interessant. Ich bin Gott sehr dankbar, dass reformiert geprägte Theologie unter jungen Christen eine Renaissance erlebt.

Evangelikale Bewegung: Quo vadis?

Guy Davis hat einen Blogeintrag über die Identitätskrise der Evangelikalen publiziert, der auf einen Artikel von Mike Grimshaw zurückgeht. Das Bild, das Guy dazu veröffentlicht hat, bringt die gegenwärtige Situation ganz gut auf den Punkt:

Das Bücherfeuer von Düsseldorf

Ich habe Jesus Christus im Rahmen einer Arbeit des »Jugendbundes für Entschiedenes Christentum« (EC) kennengelernt. Gern denke ich an diese Tage zurück, in denen wir uns als Jugendliche mehrmals in der Woche getroffen haben, um gemeinsam Bibel zu lesen, zu diskutieren oder Sport zu treiben. Es war eine (zumindest für mich und viele andere) gesegnete Zeit.

Ein Thema löste damals in meinem Düsseldorfer EC gelegentlich eine gewisse Verlegenheit aus. Ich spreche von der Bücherverbrennung im Herbst 1965. Ungefähr 25 EC’ler trafen sich am Rheinufer, um während einer behördlich angemeldeten Veranstaltung so genannte Schmutz- und Schundliteratur zu verbrennen. Unter Klampfenbegleitung sangen die jungen Leute christliche Lieder und verbrannten Bücher wie Lolita, Die Blechtrommel oder Der Fall.

Das Ereignis löste nicht nur beim EC Jugendverband Krisensitzungen aus, sondern fand auch sonst reges Interesse bei der Presse. Sogar eine elitäre Wochenzeitschrift nahm sich der Sache an und publizierte einen umfangreichen Artikel mit dem Titel »Ein Licht ins dunkle deutsche Land«. Ferdinand Ranft schrieb damals für DIE ZEIT:

Der Plan, in der Öffentlichkeit Bücher zu verbrennen, wurde von dem Düsseldorfer Jugendbund schon am 22. August in der sonntäglichen Gruppenstunde gefaßt. Den Anstoß dazu gab ein Rundgespräch über die Wochenlosung, die sich in der Apostelgeschichte, Kapitel 19, findet. Es heißt dort in Vers 18 und 19 über die dritte Missionsreise des Paulus nach Ephesus: »Es kamen auch viele derer, die gläubig waren geworden, und bekannten und verkündigten, was sie getrieben hatten. Viele aber, die da vorwitzige Kunst getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich …«

In ihrem Eifer, eine spektakuläre Tat für die »Sauberkeit und Reinheit ihrer Umwelt« zu vollbringen, übersahen die jungen Leute ebenso wie die Gruppenleiterin … völlig, daß sie zunächst einmal der Wochenlosung eine theologisch unhaltbare Interpretation untergeschoben hatten. Die Epheser hatten keineswegs Werke der antiken Literatur verbrannt, sondern heidnische Zauberbücher, Werke der »Schwarzen Magie«. Doch einmal auf dem falschen Wege, war die Aktivität der Jungen und Mädchen nicht mehr aufzuhalten.

Mal davon abgesehen, dass der lukanische Bericht von der Bücherverbrennung in Ephesus überinterpretiert wurde (Kontext sind Schuldbekenntnis und die öffentliche Abwendung von der Zauberei (!) unter Inkaufnahme enorme finanzieller Verluste – 1 Drachme entsprach damals etwa einem Tageslohn. Außerdem ist es ein Bericht, keine Empfehlung zur Nachahmung.), hatten die wirklich ganz lieben Leute vom EC vollkommen ausgeblendet, dass die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten nur gute 30 Jahre zurücklagen.

Wenn ich nun lese, dass irgendwelche fromme Christen in Florida zu einer öffentlichen Verbrennung des Korans aufgerufen haben, kann ich nur entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wie können Leute so unüberlegt handeln? Von den Nazis mögen diese Leute in Florida noch nicht viel gehört haben. Sie wissen aber, dass wir heute in einem globalen Dorf leben. Sie setzten ja genau darauf, dass die Welt inzwischen flach ist und allerorten über diese Veranstaltung berichtet wird. In den USA mag so eine Aktion medialen Protest auf sich ziehen und das Image der Evangelikalen noch mehr in den Dreck ziehen, in manchen Ländern dieser Welt kann so ein Unfug das Leben von völlig unbeteiligten Menschen gefährden!

Da bin ich froh, dass die Evangelische Allianz als Netzwerk für die Evangelikalen sich deutlich distanziert hat und fordert, diese Buchverbrennung abzusagen.

Der Staat ist kein Tugendwächter

Eva Quistorp hat in einem Kommentar für TheEuropean ein merkwürdiges Konzept der Religionsfreiheit beworben und dabei, wie es sich für eine deftige Grünen-Politikerin gehört, die Evangelikalen in die Nähe militanter Muslime gerückt.

Das Grundgesetz ist eine Komplexität von Freiheiten und Pflichten, individuellen Rechten, aber auch von sozialen Rechten, und es versucht, diese in einen Gesamtzusammenhang zu setzen. Beispielsweise sind die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Versammlungsfreiheit, die Meinungs-, Wissenschafts- und die Kunstfreiheit wichtigere grundgesetzlich garantierte Rechte. In diesem Zusammenhang ist die Religionsfreiheit nicht als Freiheit für fundamentalistische Evangelikale, holocaustleugnende Katholiken oder djihadistische Muslime, sondern nur im Zusammenhang mit der Geschlechtergleichberechtigung, der Meinungs-, Wissenschafts- und Kunstfreiheit denkbar.

Es spricht für TheEuropean, dass bereits zwei Tage später eine Replik von Alexander Kissler publiziert wurde. Er warnt in seinem Beitrag vor einer Instrumentalisierung der Religionsfreiheit durch den Staat:

Weil der freiheitliche Staat den Glauben nicht politisieren darf, sondern ihn in seiner ganzen Eigentümlichkeit respektiert, muss es dem Staat egal sein, was der Gläubige oder Ungläubige denkt. Es mag Katholiken geben, die die Schoah relativieren, antisemitische Protestanten, intolerante Muslime, verblendete Atheisten, fundamentalistische Juden und nationalistische Hindus – ebenso wie korrupte Journalisten, kriminelle Wissenschaftler und verbrecherische Künstler. Wo immer sie gegen Recht und Gesetz verstoßen, müssen sie bestraft werden. Nie und nimmer aber darf der Staat die freie Ausübung des Glaubens, des Berufs, der Wissenschaft und der Kunst prinzipiell an politische Bedingungen koppeln. Es wäre das Ende der Republik, der Abschied von der Freiheit.

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