Zitate

Die Feminisierung der Theologie

Während einige Evangelikale über die Benachteiligung von Frauen im Raum der Kirche sinnieren (vgl. z.B. hier), spricht der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf (München) offen über die Konsequenzen einer einseitig verweiblichten Theologie.

Folgendes Zitat habe ich beim Deutschlandradio aufgeschnappt:

Sie sind zumeist weiblich und eher »Muttityp als wirklich intellektuell«. So hat der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf evangelische Theologiestundenten kritisiert. Auf einer Tagung in Dresden erklärte der Professor für Systematische Theologie, das evangelische Pfarramt werde zunehmend zu einem Frauenberuf. Besonders häufig entschieden sich Studentinnen aus nichtakademischen Haushalten für diesen Beruf. Sie verbänden zumeist eher schlichte Gedanken mit der Vorstellung von einem »Kuschelgott«. Das sei auf Dauer eine bedrohliche Entwicklung für die evangelische Theologie, sagte Graf.

Wörter, wenn nötig

Der presbyterianische Pastor J. Ligon Duncan twitterte aus Cape Down:

Wer sagt: »Predigt das Evangelium täglich, wenn nötig, verwendet Wörter«, ist wie jemand, der sagt: »Nahrung für Hungrige, und wenn nötig, gebt ihnen etwas zu essen«.

Vom »höheren« Menschen

Friedrich Nietzsche (Also sprach Zarathustra, IV,5):

»Der Mensch ist böse« – so sprachen mir zum Troste alle Weisesten. Ach, wenn es heute nur noch wahr ist! Denn das Böse ist des Menschen beste Kraft. »Der Mensch muß besser und böser werden« – so lehre ich. Das Böseste ist nötig zu des Übermenschen Bestem. Das mochte gut sein für jenen Prediger der kleinen Leute, daß er litt und trug an des Menschen Sünde. Ich aber erfreue mich der großen Sünde als meines großen Trostes.

Psalm 36,2–5:

Die Sünde raunt dem Frevler zu im Innern seines Herzens: Es gibt kein Erschrecken vor Gott. So steht es ihm vor Augen. Er gefällt sich darin, schuldig zu werden, zu hassen. Die Worte seines Mundes sind Lug und Trug, er will keine Einsicht, will nicht mehr Gutes tun. Unheil sinnt er auf seinem Lager, er tritt auf unguten Weg, das Böse verwirft er nicht.

Das mysteriöse Lutherzitat

Johannes hat in seinem Kommentar auf ein Phänomen hingewiesen, dass vielen Francis Schaeffer-Lesern vertraut sein dürfte: Schaeffer und manch andere Mitarbeiter von L’abri haben es häufig nicht geschafft, von ihnen verarbeitete Quellen genau zu kennzeichnen. Schaeffer war an diesem Punkt, bedingt auch durch Überlastung, nachlässig.

Johannes erwähnt ein Zitat, dass Francis Schaeffer Luther zugeschrieben hat. Es lautet (Francis Schaeffer, Gott ist keine Illusion, Wuppertal: Brockhaus, 3. Aufl., 1974, S. 14):

Wenn ich mit lauter Stimme und klarer Auslegung alle Teile der Wahrheit Gottes verkündige, außer gerade dem einen kleinen Punkt, den die Welt und der Teufel eben in diesem Augenblick angreifen, dann bezeuge ich Christus überhaupt nicht, wie mutig ich auch Christus bekennen mag. Wo die Schlacht tobt, da wird die Treue des Kämpfers auf die Probe gestellt; und auf allen anderen Schlachtfeldern treu zu sein, ist für den Christen in diesem Augenblick nichts anderes als Flucht und Schande, wenn er in diesem Punkt nachgibt.

Bei Schaeffer heißt es im Original (Francis Schaeffer,The God Who Is There, Band 1: The Complete Works of Francis Schaeffer: A Christian Worldview, Crossway Book, Wheaton, Illinois, 10. Aufl. 1991, S. 11):

If I profess with the loudest voice and clearest exposition every portion of the truth of God except precisely that little point which the world and the devil are at that moment attacking, I am not confessing Christ, however boldly I may be professing Christ. Where the battle rages, there the loyalty of the soldier is proved, and to be steady on all the battlefield besides, is mere flight and disgrace if he flinches at that point.

Die Lektoren bei Brockhaus haben sich seinerzeit alle Mühe gegeben, Ungenauigkeiten von Schaeffer aufzuarbeiten. Aber an dieser Stelle ist es ihnen nicht gelungen, die Quelle herauszufinden. Auch im Buch Die große Anpassung (Asslar: Schulte und Gerth, 1988, S. 68–69) fehlt die Quelle.

Woher kommt also dieses Zitat? Ist es überhaupt von Luther?

Wer in der englischsprachigen Literatur forscht, wird schnell auf Schaeffer verwiesen (wie z.B. hier). Terry Mortenson und Thane H. Ury schreiben in ihrem Buch Coming to Grips with Genesis: Biblical Authority and the Age of the Earth (Master Books, 2008):

This famous statement is quite often quoted, but hardly ever with proper documentation. It can be found in secondary sources like Elizabeth Rundle Charles, Chronicles of the Schönberg-Cotta Familiy (London: T. Nelson and Sons, 1864), p. 276. Many writers mistakenly attribute the quote to D. Martin Luthers Werke: Kritische Gesamtausgabe, ed. J.K.F. Knaake, et al. (Weimer: H. Bohlau, 1883), Briefwechsel, vol. 3, p. 81f., which express only similar sentiments. Cf. Luther’s 1523 comment, in the original German in Briefe, Sendschreiben und Bedenken (Berlin: G. Reimer, 1826), p.345.

Das Buch Briefe, Sendschreiben und Bedenken habe ich zwar im Internet gefunden. Aber das Zitat oder dem Zitat ähnliche Gedanken finde ich weder auf S. 345 oder anderswo.

In der Weimarer Ausgabe, Briefe 3, steht in Luthers Brief Nr. 619:

Auch hilft nicht, daß jemand wollt sagen: »Ich will in allen Stücken sonst gern Christum und sein Wort bekennen, ohn daß ich müge schweigen eines oder zwei, die meine Tyrannen nicht leiden mögen, als die zwo Gestalt des Sacraments oder desgleichen.« Denn wer in einem Stück oder Wort Christum verleugnet, der hat ebendenselbigen Christum in dem einigen Stück verleugnet, der in allen Stücken verleugnet würde, sintemal es nur ein Christus ist, in allen seinen Worten sämptlich und sonderlich.

Zweifellos sind hier Ähnlichkeiten zu dem Zitat oben erkennbar, aber es sind eben nur Ähnlichkeiten.

Schließlich habe ich noch eine kleine Abhandlung von Bob Cadwell zum Thema gefunden (Concordia Journal, Fall 2009, Vol. 35, Nr. 4, S. 356–359). Auch Caldway konnte die originale Quelle nach längerer Recherche nicht finden. Er schreibt:

The existence of the saying (on lips of a character other than Luther) in Elizabeth Charles‘ book—and its re-quoting without attribution a few years later— strongly suggests that this may have been the source of the saying. It is easy to sec how this could have been attributed to Luther It came from a book about Luther and his times. It is certainly consistent with other things Luther said. Further it sounds like Luther at his bombastic best. This does not necessarily close the debate. If someone can find the quote in a reputable source, we would all be better served for it. Until that time, however, I think we would do well to treat the quote as spurious and not attribute it to Luther.

Es würde mich freuen, wenn jemand sich auf die Suche macht und an dieser Stelle weiterkommt.

Voegelin: Welt steckt im Prozess des Verdorrens

Eric Voeglin schreibt in Die politischen Religionen (S. 6). Es gibt:

heute keinen bedeutenden Denker der westlichen Welt, der nicht wüsste – und es auch ausgesprochen hätte -, daß sich diese Welt in einer schweren Krise befindet, in einem Prozess des Verdorrens, der seine Ursache in einer Säkularisierung des Geistes, in der Trennung eines dadurch nur weltlichen Geistes von seinen Wurzeln in der Religiosität hat, und der nicht wüßte, daß die Gesundung nur durch religiöse Erneuerung, sei es im Rahmen der geschichtlichen Kirche, sei es außerhalb dieses Rahmens herbeigeführt werden kann.

Schweigt Gott?

Ronald Nash:

Die einzige Sache, in der sich liberale, neoliberale und postkonservative Denker einig sind, ist [die Behauptung], dass Gott nicht gesprochen hat und tatsächlich nicht sprechen kann.

Der moderne Mensch und das Heil

Heinz Zahrnt (1915–2003):

Hieß es für ihn [den Menschen] früher: »Extra ecclesiam nula salus« – außerhalb der Kirche ist kein Heil, so heißt es für ihn heute: »Extra mundum nulla salus« – außerhalb der Welt gibt es kein Heil.

Sproul: Kennzeichen des Gebets nach Calvin

R. C. Sproul sagte über das Gebet bei Calvin:

Wenn ich zusammenfasse, was Calvin über das Gebet sagt, würde ich formulieren: Die Hauptregel des Gebets ist, sich zu erinnern, wer Gott ist und wer wir sind. Wenn wir uns an diese zwei Dinge erinnern, werden unsere Gebete immer durch Anbetung und Bekenntnis gekennzeichnet sein.

VD: JT

Kinder bringen nur noch emotionale Rendite

318XJZHBC3L._SL160_.jpgMeinhard Miegel schreibt in seinem Buch Die deformierte Gesellschaft: Wie die Deutschen ihre Wirklichkeit verdrängen (Berlin-München 2002, S. 21–22):

Nüchtern betrachtet, ist die niedrige Geburtenrate jedoch darauf zurückzuführen, dass Kinder in Wohlstands- und erwerbsarbeitsorientierten, kollektiv rundum abgesicherten und hochgradig individualistischen Gesellschaften oft weniger attraktiv sind als andere Lebensoptionen … Die Investition in Kinder rentiert sich allenfalls noch emotional. Der wirtschaftliche Aufwand, den sie erfordern, wird gegenüber den Eltern nur selten zum Ausgleich gebracht. Ihre Wirtschaftskraft ist fast vollständig vergemeinschaftet … Mitunter mag die Entscheidung zwischen den Optionen konfliktträchtig und schwierig sein. Die Lebenswirklichkeit zeigt jedoch, dass sie nicht mehr mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zugunsten von Kindern fällt. Hierüber sollte es keine Illusionen geben: Die Kinderarmut individualistischer Wohlstandsgesellschaften ist nicht die Folge unbeabsichtigter Fehlentwicklungen, die sich durch zusätzliche Kindergartenplätze oder höhere steuerliche Freibeträge beheben ließen. Vielmehr ist sie Ausdruck des Wesenskerns dieser Gesellschaft.

VD: Den Hinweis auf nachfolgendes Zitat verdanke ich Jürgen Liminski vom Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie.

Heidegger als Versuchung

Odo Marquard beschreibt in seinem Aufsatz »Sprachmonismus und Sprachpluralismus« amüsiert, wie während seiner Studienzeit in Freiburg Martin Heidegger zur Versuchung wurde (Quelle: Skepsis in der Moderne, S.74–75). Später kamen freilich andere Versuchungen, wie z.B. die Frankfurter Schule, hinzu.

Für meine Generation – die unmittelbare Generation der Studierenden nach Ende des Zweiten Weltkriegs – war zweifellos Heidegger die Versuchung. Den Namen Heidegger habe ich zuerst 1947 in Münster gehört. Zum Winter 1949 sind drei Studenten der Philosophie – Hermann Lübbe, Karlfried Gründer und ich – dann aus Münster nach Freiburg gekommen, gleichzeitig mit Ernst Tugendhat, der aus Amerika kam und in seinen Philosophischen Aufsätzen darüber berichtet. Wir kamen auch und gerade Heideggers wegen nach Freiburg. Heidegger durfte damals noch nicht wieder lesen: Vielleicht hat gerade das zusätzlich stimuliert. Heidegger war – trotz seiner Abwesenheit – überall präsent; nur ein Beispiel: Es gab damals Professorenbilder im Ansichtskartenstil in Freiburg zu kaufen. Jede Professorenansichtskarte kostete 80 Pfennige, nur Heidegger kostete – bei gleicher Aufmachung – 1,20 D-Mark. In der Philosophie war Freiburg ein durch Heidegger missioniertes Gebiet: Alle glaubten – irgendwie – an Heidegger. Aber es gab zugleich mehrere Sekten – die Fink-Sekte, die Müller-Sekte, die Szilasi-Sekte, auch die Welte-Sekte -, die darum stritten, den »wahren« Heidegger zu repräsentieren, was sie – nicht eigentlich bei den Lehrern, aber bei den Schülern – gegeneinander unerbitt- lich machte: Anstandshalber durfte niemand die jeweils anderen Sekten auch nur besuchen. Nur wir »Münsteraner« und Ernst Tugendhat galten diesen Sekten als philosophisch unzuverlässig – sozusagen als potentielle Heidegger-Heiden – und durften als Strafe für unsere Unzuverlässigkeit schimpflicherweise alle Sekten besuchen. Die Komik dieser Situation – man traf nicht auf einen Heidegger, sondern auf vier Heideggers und auf vier Heidegger- Jargons – wurde uns sehr bald bewußt. Sie führte zur weiteren Relativierung des Heidegger-Anspruchs: So sind wir – zumindest ein wenig – Heideggers Jargon entronnen.

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