Wörter, wenn nötig

Der presbyterianische Pastor J. Ligon Duncan twitterte aus Cape Down:

Wer sagt: »Predigt das Evangelium täglich, wenn nötig, verwendet Wörter«, ist wie jemand, der sagt: »Nahrung für Hungrige, und wenn nötig, gebt ihnen etwas zu essen«.

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11 Kommentare
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Martin

hmm … ob Ligon Duncan hier Franz von Assisi wohl recht verstanden hat?

Alexander

Es gibt wahrscheinlich Dutzende Vergleiche, welche die Unsinnigkeit des Assisi-Zitates offenlegen. Mein Favorit war bislang: „Gib mir mal Deine Telefonnummer; wenn nötig, verwende Zahlen.“

azuriana

Die Frage ist doch imho, ob Wörter die richtige Nahrung für DEN Hunger und für jedermann sind (und zwar immer und ausschliesslich)?!?

Roderich

Stimmt. Ein Lieblingszitat von Evangelikalen, um Untaetigkeit im Bereich Evangelisation zu rechtfertigen.

(Nur in einem Sinn stimmt das Assisi-Zitat mit der Bibel ueberein: unser Leben sollte mit den Worten uebereinstimmen, aber das heisst nicht, dass man, wenn man mit seinem Lebensstil vor Gott nicht 100% zufrieden ist, sich zuruecklehnen sollte und nicht mehr evangelisieren sollte, sondern man sollte beides aendern: sein Leben neu auf Gott ausrichten, UND anfangen, zu evangelisieren).

Direkt daneben auf der „Top-Hitliste der Evangelikalen unbliblischen Lieblingszitate zur Rechtfertigung von Ungehorsam“ steht uebrigens das von Augustinus:
„Liebe, dann tu, was Du willst“.

Kennt jemand noch weitere davon? Eine Sammlung waere doch nett 🙂

Eine andere nette Sammlung waere: „Evangelikale Lieblings-falsch-aus-dem-Kontext-zitierte-Schriftstellen“. Erster Kanditat fuer einen Spitzenplatz: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“, mit der Interpretation: „also soll man niemanden mehr anhand des Wortes Gottes zurechtweisen“.

🙂

Raymond

Und dann gibt es reihenweise, nennen wir das mal, amtlich bestellte evangelische Verkündiger, welche es sich überhaupt mit der Predigt recht schwer machen. Dann wird schon mal ein Teil oder auch ganz viel in der Predigt nicht gesagt. Also nur eine Halbpredigt. Aber das ist dann wohl auch Falschpredigt.
Das findet man dort, wo die Bibel nicht mehr als Wort Gottes angesehen wird. Dort ist man auch recht nahe an einer Theologie ohne Gott. Und dann kann man auch das eine oder andere weglassen, da ohnehin alles relativ ist.
Wer sein Leben immer wieder neu auf Gott ausrichtet, eigentlich typisch reformiert, hat aber auch Gotteserkenntnis und Geisterfahrung, bleibt nicht beim Taufbekenntnis stehen und wandelt auf dem Weg, auf den er gesetzt wurde, in den Geboten des Herren. Aber die Schar ist nicht mehr sehr groß.

Johannes Strehle

Wie Franz von Assisi das gemeint hat, weiß ich nicht. Jeder dürfte das Wort entsprechend seinem Beobachtungshorizont verstehen. An Wort-reichen Christen scheint mir kein Mangel zu herrschen. Liebe-volle Christen scheinen mir dagegen eine Rarität zu sein, also Christen, deren Beziehungen erkennbar von Liebe geprägt sind. Deswegen finde ich das Zitat goldrichtig. Wodurch soll nach den Worten Jesu die Welt erkennen und glauben, dass Gott aus Liebe seinen Sohn gesandt hat? Daran, dass die Christen (nicht perfekt, aber glaubwürdig) eins sind. Und woran werden nach den Worten Jesu alle erkennen, dass wir seine Schüler sind? An der Liebe, die wir (nicht perfekt, aber erkennbar) untereinander praktizieren. (Siehe Francis Schaeffer: Kennzeichen des Christen) Ohne diese Kennzeichen ist es besser, wenn wir den Mund halten. Sonst schaden wir dem Ansehen Gottes (wie die Politiker das zur Zeit gerne nennen) und immunisieren die Menschen gegen das Evangelium. Es ist doch nicht so, dass wir Christen die einzigen sind, die den Hungrigen und Durstigen Essen… Weiterlesen »

Johannes Strehle

@ Ron: Ich denke, wir sind uns einig:
Es kommt – wie immer – auf die Balance an.
Deshalb nur als Ergänzung zu Wort und Tat:
Die (wachsende) Frucht des Geistes:
Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit,
Güte, Treue, Sanftmut, Selbstdisziplin.
– beziehungsrelevante Persönlichkeits-Merkmale(!).

Authentisch sind wir als Christen dann,
wenn wir uns nicht einbilden, dass wir schon am Ziel sind
oder sein könnten oder müssten,
sondern wenn wir auf dem Weg zum Ziel sind
und uns und anderen in dieser Hinsicht nichts vormachen.
Das bedeutet auch, dass wir uns immer wieder korrigieren (lassen) müssen.

Markus

Einziges Problem mit dem Original-Zitat: Es kommt nicht von Assisi, er hat es nie gesagt (siehe http://www.christianitytoday.com/ct/2009/mayweb-only/120-42.0.html)