Magisches Denken

Jan Wiele fragt sich, weshalb viele Menschen für die KI schwärmen, obwohl die Schwächen so offensichtlich sind. Hier ein Auszug (FAZ, 23.02.26, Nr. 43, S. 11):

Warum reden rationale Menschen so schwärmerisch über Künstliche Intelligenz wie die Anhänger einer Religion? Woher das Vertrauen?
Was „Künstliche Intelligenz“ angeht, erleben wir seit einiger Zeit einen Extremfall von kognitiver Dissonanz: Auf der einen Seite wird ständig erzählt, wie diese sogenannte Intelligenz immer besser werde und immer komplexere Aufgaben lösen könne. Auf der anderen Seite zeigen sich weiter jeden Tag die haarsträubenden Fehler, die KI erzeugt. Längst ist die Welt durchsetzt von Falschinformationen, die zum Teil leicht erkennbar sind, in vielen Fällen aber nicht, weil das Erkennen Expertenwissen erfordert.

Jüngst etwa musste Google KI-Zusammenfassungen über Leberfunktionstests entfernen. Die falschen Informationen in den Zusammenfassungen wurden von Experten als gesundheitsgefährdend und daher alarmierend eingestuft. Eine von 22 internationalen Nachrichtenportalen gemeinsam durchgeführte Überprüfung aus dem Herbst 2025 ergab, dass KI-Assistenten Nachrichteninhalte in 45 Prozent der Fälle falsch darstellen.

Die Fehler der KI, so auffällig oder so alarmierend sie sind und so oft sie dokumentiert werden, scheinen allerdings weder bei den bezahlten Propagatoren noch den freiwilligen Werbeträgern zu einer Einsicht zu führen. Egal, wie eklatant KI versagt, die Reaktion darauf scheint stets schon ausgemacht: Das seien eben „Kinderkrankheiten“, die bald überwunden sein werden.

Erstaunlich ist, dass dieses Mantra auch aus den Mündern von Menschen kommt, die es eigentlich besser wissen müssten und wider alle Evidenz daran festhalten.

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1 Kommentar
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Stephan
12 Minuten zuvor

Ich benutze KI eigentlich ganz gerne, wobei ich jedoch den Eindruck habe, dass die Ergebnisse in den letzten Monaten schlechter / fehlerbehafteter worden sind. Ich lasse mir von der KI Textvorschläge unterbreiten, deren Inhalt ich dann prüfe, ggf. korrigiere und weiter bearbeite. Der Vorteil: man hat damit schon eine zumeist brauchbare Gliederung, erste Sachinformationen, und ggf. werden diese in weiteren Dialogschritten „richtiger“. Betrachtet man die KI als Werkzeug, dann kann sie Arbeitszeit sparen, oder auch die Arbeitsqualität steigern. Aber sie ersetzt nicht die intellektuelle Arbeit und den Faktencheck. Auch muss man damit rechnen, dass Informationen unvollständig oder einseitig sind. Ein Hauptproblem ist vielmehr, dass manche KI aus dem Internet „lernen“, und so kommt es zu selbstverstärkenden Fehlern, die grob wie folgt entstehen: jemand läßt sich KI-Texte erstellen, korrigiert die ersten Fehler nicht und publiziert den Text. Dieser wird wiederum von der / einer anderen KI gelesen und verarbeitet, und damit ist der Fehler in das „KI-Wissen“ aufgenommen. Die „Kinderkrankheit“ der… Weiterlesen »

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