Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen nicht „wegzuerziehen“

Aus einem FAZ-Leserbrief zum Thema „Diskriminierung von Jungen“ (06.06.2026, Nr. 128, S. 7):

Kaum ein gesellschaftlicher Bereich wurde seit den späten Sechzigerjahren derart von politischen Glaubenssätzen durchdrungen wie das Bildungswesen. Die Vorstellung, geschlechtsspezifische Unterschiede seien weitgehend soziale Konstruktionen, gehört längst zum unhinterfragbaren Dogma vieler Bildungsfunktionäre. Die Folgen sind sichtbar: Jungen scheitern häufiger in der Schule, verlieren früher die Motivation und geraten häufiger in problematische Entwicklungen. Bemerkenswert ist dabei die Gleichgültigkeit, mit der dies oft hingenommen wird – nicht selten mit dem Hinweis, Männer würden später im Berufsleben ohnehin wieder profitieren. Man stelle sich vor, über schulische Benachteiligungen von Mädchen würde in vergleichbarer Weise gesprochen.

Der modische Begriff der „toxischen Männlichkeit“ spiegelt diese Geisteshaltung inzwischen auch sprachlich wider. Er steht sinnbildlich für ein kulturelles Klima, in dem männliche Eigenschaften zunehmend unter Generalverdacht geraten. Wer Jungen über Jahre vermittelt, sie seien zugleich privilegiert, problematisch und letztlich selbst schuld an ihrem Scheitern, darf sich über Frustration, Entfremdung und politische Radikalisierung eines Teils junger Männer nicht wundern.

Der Versuch, erkennbare Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen durch eine zunehmend feminisierte Pädagogik gleichsam „wegzuerziehen“, ist zum Scheitern verurteilt. Wirklichkeit lässt sich auf Dauer nicht ideologischen Wunschbildern unterordnen. Vielleicht sollte man deshalb endlich aufhören, die Dinge zu beschönigen, und das Kind beim Namen nennen: Vieles spricht dafür, dass wir es inzwischen mit einer ideologisch motivierten Diskriminierung von Jungen zu tun haben.

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