„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“

Theophil Isegrim verdanke ich den Hinweis, dass unter anderem die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Nicola Beer von der FDP, für den Matić-Bericht gestimmt hat, sich also für die Frühsexualisierung der Kinder, gegen die Gewissensfreiheit der Ärzte und für ein Recht auf Abtreibung stark macht. Übrigens stimmten 51 der 96 deutschen EU-Abgeordneten für den Bericht, 39 dagegen und 2 enthielten sich. Das ist insofern interessant, als wohl besonders sozialdemokratische und grüne Politiker die Europapolitik nutzen, um Druck auf die nationale Rechtssprechung auszuüben (siehe zur Abstimmung hier).

Tatsächlich war Frau Beer kürzlich Rednerin auf dem Kongress christlicher Führungskräfte und sprach darüber, warum es besonders für Politiker wichtig sei, einen klaren Wertekompass zu haben. Ich zitiere aus dem Medienmagazin Pro

Man müsse Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen und verantwortlich fällen. Dazu brauche es Orientierung und einen klaren Wertekompass, sagte Beer.

Ihr selbst helfe dabei der christliche Glaube. „Mein Glaube hilft mir, das Beste zu geben“, sagte sie. In stressigen Momenten halte sie inne und besinne sich auf Gott. Der Glaube gebe ihr außerdem die nötige Freiheit, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Beer erklärte zudem, die ethische Basis des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen in Europa basiere auf christlich-jüdischer Tradition, insbesondere auf den Zehn Geboten. „Das sind unsere kulturellen Wurzeln.“ Es sei wichtig, dass sich alle Menschen der pluralen, europäischen Gesellschaft für ein gelingendes Zusammenleben an die Werte, die auf den Zehn Geboten basierten, hielten. „Ich verstehe, wenn Menschen an altbekannten Traditionen und Sprachen festhalten“, sagte Beer im Hinblick auf Migranten. Außerhalb der eigenen vier Wände funktioniere das Zusammenleben jedoch nur, wenn man sich an gemeinsame Werte halte.

In diesem Zusammenhang verteidigte Beer auch den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes. Es gebe oft Diskussionen darüber, ob er noch zeitgemäß sei. „Der Gottesbezug ist Ausdruck der irdischen Fehlbarkeit“, sagte sie. Er zeige, dass „eine werteorientierte Gesellschaft aus mehr besteht, als aus Buchstaben in Gesetzen“. Beer verwies auf den Bibelvers aus Matthäus 7, 20, in dem es heißt: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“

Anhand solcher Beispiele lässt sich besser verstehen, dass in den Augen vieler Staatsbürger die Politik unglaubwürdig geworden ist. Eine Frau, die sich zur Ethik der Zehn Gebote bekennt, setzt sich zugleich für die Legalisierung von Tötungen ungeborener Kinder ein und will jenen Ärzten, die sich nicht an Schwangerschaftsabbrüchen beteiligen möchten, die Gewissensfreiheit stehlen. 

Da möchte ich Matthäus 7,20 im Zusammenhang zitieren: 

Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!

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7 Kommentare
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Schlotti

Hallo Ron,

dieses Beispiel zeigt sehr gut, warum es überhaupt keinen Informationswert mehr hat, ja sogar manipulierend ist, wenn wieder einmal in pro (und anderswo) steht, dieser Schauspieler glaube an Gott, jener Wissenschaftler könne Glauben und Wissenschaft vereinbaren usw.

Früher, zumindest habe ich das Gefühl, fragte man noch nach, woran genau man glaubt, was denn den Glauben ausmacht und wie er sich konkret auswirkt. Heute, typisch pluralistisch und postmodern, genügt es, wenn jemand sagt er glaube an Gott. Ob dieser Gott der in der Schrift offenbarte ist, spielt keine Rolle. Ob der Glaube mit den Forderungen, ja Forderungen (!) Gottes übereinstimmt, geschenkt.

Deshalb nervt es mich nur noch, wenn ich wieder lese, wer denn alles an Gott glaubt, wie wichtig diesem und jenem der Glaube ist. Das ist häufig nur bla, bla, bla. Und christliche Medien machen mit.

Liebe Grüße
Schlotti

Last edited 2 Monate zuvor by Schlotti
FrankS

Gibt es auch Beispiele, die ermutigen? Also Politiker, die vielleicht nicht in die höchsten Spitzenpositionen gelangt sind, aber ihren Glauben, auch nach biblischen Maßstäben, nachvollziehbar in ihrem Beruf leben?

Tim-Christian

„Was redest du von meinen Geboten und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich?“ (Ps 50,16.17)

Matze

Da stelle ich mir aber dann schon die Frage ob zwischen Schrift/ Glaubensgrundlage der EAD / idea / Einladungskriterien der KCF alles noch zusammenpasst. Es bleibt leider der Eindruck dass ein berühmter Name wichtiger ist wie geistliche Substanz

Udo

Matthäus 7,20 passt hier aber auch nicht im Zusammenhang. Es geht hier um falsche Propheten, Irrlehrer. Da denke ich eher z. B. an bestimmte Pfingstprediger, wie Benny Hinn, mit ihrem Wohlstandsevangelium und ihren Pseudowundern in Abwesenheit des Heiligen Geistes.
In diesem Beispiel würden dann wohl eher die vielen Aufforderungen von Paulus zu einem Gott gefälligen Leben passen, wie in Epheser 4, 17 ff. Hier gibt es aber auch viel Bedarf für jeden Christen in unserem Land, vor der eigenen Tür zu kehren, bei aller berechtigten Kritik an solcher Unstimmigkeit eines Politikers zwischen Reden und Handeln (und der Unfähigkeit, das treffende Bibelzitat zu finden).

SofaKartoffel

Ich glaube, Sie haben den Unterschied zwischen Gesetz und Moral nicht verstanden.
Frau Beer ist eindeutig gegen „Tötungen ungeborener Kinder“. Um diesem moralischen Anspruch gerecht zu werden und eine Gesellschaft zu formen, die eher danach lebt, sieht sie allerdings restriktive Abtreibungsgesetze nicht als zielführend.

Ein gesetzliches Verbot scheint eben nicht dazu beizutragen, Frauen zu ermutigen, ihre ungeborenen Kinder zu gebären. Länder mit restriktiven Abtreibungsgesetzen haben hohe Abtreibungsquoten. Der Grund wird ein ähnlicher sein, wie zu Zeiten der amerikanischen Prohibition.

So wie ich diesen Artikel lese, unterliegen Sie genau dem amerikanischen Missverständniss, Frau Beer stelle sich auf die Gegenseite von „pro life“.
Sie ist genauso so pro life wie Sie, sieht lediglich einen anderen Weg dorthin. Ich übrigens auch.