Autorenname: Ron

„T“ wie Transideologie

Carl Trueman zeigt in seinem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst, dass die LGBTQ+-Bewegung unter anderem im Blick auf das „T“ tief gespalten ist. Die Einheit unter dem Dach des Regenbogens ist nicht inhaltlicher, sondern politischer Natur. Unter dem Verweis auf den „Opferstatus“ soll die Sittlichkeit in der Gesellschaft nämlich neu geordnet werden. Trueman schreibt (deutsche Ausgabe erscheint im Herbst):

Im Rückblick war der Zusammenschluss von L und G der Schlüsselmoment, der den Anschluss weiterer Minderheiten der LGBTQ+-Bewegung ermöglichte und dafür sorgte, dass das Bündnis nicht stabil und kohärent werden würde. Als die lesbischen Frauen beschlossen, mit schwulen Männern öffentlich gemeinsame Sache zu machen, entschieden sie damit, den Widerstand gegen die Heteronormativität über das biologische Geschlecht zu stellen. Die Einbeziehung der Trans-Gemeinschaft erweiterte dann einfach den damals aufgestellten Grundsatz, dass die Ausgrenzung durch die heterosexuelle Vorherrschaft das einzig Entscheidende bei öffentlichen Kampagnen war. Doch der Preis, den der klassische Feminismus zahlte, war hoch. Der Status von Transgender-Personen ist heute Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen unter denjenigen, die sich für die Rechte der Frauen eingesetzt haben. Das 2008 geprägte abwertende Akronym TERF, das für »trans-ausschließenden radikalem Feminismus« steht, bezeugt, dass einige Feministinnen sich dagegen wehren, dass Männer chirurgisch in Frauen verwandelt werden können. In diesem Zusammenhang sind vor allem Janice G. Raymond und Germaine Greer zu nennen.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine tiefe Spaltung innerhalb der LGBTQ+-Bewegung. Peter Heck schreibt in dem Artikel: „Es ist soweit: ‚LGB drop the T‘ ist ein Trending auf Twitter, da Schwulenaktivisten sich gegen Transgender-Aktivisten wenden“:

Es war immer unhaltbar. Die einzige Frage war, wie lange sich die politische LGBT-Bewegung im Ruhm ihrer unbestreitbar erfolgreichen Auslöschung traditioneller gesellschaftlicher Normen und sexueller Sitten sonnen würde, bevor sie sich die Zeit nehmen würde, dies zu bemerken. Aber mit dem Hashtag #LGBdroptheT, der in den letzten ein oder zwei Wochen mehrfach auf Twitter auftauchte, scheint es offensichtlich, dass zumindest in bestimmten Kreisen die Revolutionäre das tun, was Revolutionäre immer tun: sich gegeneinander wenden.

Und noch etwas zum „T“, also dem Transgender-Konzept: Die Zeitschrift Emma hat ein Interview mit der Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard über die Transideologie und ihre naiven Erfüllungsgehilfen gehalten, das es wirklich in sich hat.

Hier ein Auszug:

Emma: Frau Prof. Nüsslein-Volhard, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, behauptet: Der Ansicht zu sein, dass es zwei Geschlechter gebe, sei unwissenschaftlich. Es gebe viele Geschlechter.

Christiane Nüsslein-Volhard: Das ist unwissenschaftlich! Da hat Herr Lehmann vielleicht den Grundkurs in Biologie verpasst.

Emma: Dann holen wir den hier doch mal nach.

Christiane Nüsslein-Volhard: Ach herrje. Also gut: Bei allen Säugetieren gibt es zwei Geschlechter, und der Mensch ist ein Säugetier. Da gibt es das eine Geschlecht, das die Eier produziert, zwei X-Chromosomen hat. Das nennt man weiblich. Und es gibt das andere, das die Spermien produziert, ein X- und ein Y-Chromosom hat. Das nennt man männlich. Und wenn sich ein Ei mit einem Spermium vereinigt, entsteht ein neues Wesen.

Emma: Als die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht an der Humboldt-Universität in der „Nacht der Wissenschaften“ einen Vortrag zur Zweigeschlechtlichkeit halten wollte, gab es Proteste. Die Uni sagte den Vortrag ab.

Christiane Nüsslein-Volhard: Wollen die jetzt etwa auch den Biologie-Unterricht abschaffen? Wollen wir gar nicht mehr wissen, wer wir sind und wie das Geschlecht bestimmt wird? Soll das jetzt niemand mehr lernen, weil das pfui ist? Ich erinnere mich allerdings, dass es schon Ende der 1980er Jahre Hetzkampagnen gegen den Forscher gab, der das geschlechtsbestimmende Gen auf dem Y-Chromosom entdeckt hatte. Man unterstellte ihm offenbar, er würde nur deshalb, weil er das Gen entdeckt hatte, das die Testosteronproduktion anregt, irgendwas Furchtbares mit der Menschheit anstellen. Das war völlig verrückt, ich war entsetzt! Aber da sieht man, dass die Leute keine Ahnung von Biologie haben. Der Mangel an Bildung auf diesem Gebiet ist ganz schlimm.

Mehr hier: www.emma.de.

Der Siegeszug des modernen Selbst in der christlichen Jugendarbeit?

Carl Trueman hat in seinem Buch The Rise and Triumph of the Modern Self die Psychologisierung und Sexualisierung des Selbst in der Moderne nachgezeichnet. Es geht dem Historiker darum, zu erklären, wie sich das Verständnis von Identität in der Neuzeit verschoben hat. Der postmoderne Mensch konzentriert sich auf sein Inneres und dieses Innere wird (vor allem durch den Einfluss von Sigmund Freud) als von Anbeginn sexuell aufgeladen verstanden. Identität wird zudem als etwas Flüssiges begriffen, ist also nicht vorgegeben und stabil, sondern in permanenter Bewegung, etwas, was ständig neu erschaffen werden muss (Trueman spricht vom „expressiven Individualismus“). Daher fällt die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ heute sehr anders aus, also noch vor einigen Jahrzehnten.

Wer meint, dass diese Entwicklungen die Jugendlichen (und Erwachsenen) in den christlichen Gemeinden nicht beeinflussen, ist ziemlich naiv. Walt Mueller zeigt, worauf daher in der Gemeindearbeit mit jungen Leuten geachtet werden sollte:

„Es geht um die Sicht auf das Individuum, das Selbst. Während Sex heute oft als schlichte Freizeitaktivität hingestellt wird, soll Sexualität der Kern dessen sein, was es bedeutet, als authentischer Mensch zu leben. Das ist ein tiefgreifender Anspruch, der wohl beispiellos in der Geschichte ist.

In einem Werbespot, der im Fernsehen und Radio läuft, kann man zu Beginn eine Vielzahl von glücklichen, lebhaften jungen Stimmen hören, die durcheinander sprechen. Dann stellt der Erzähler die Frage: „Was möchtest du denn sein?“ Einige Teenager sagen etwas über die verwirrende Suche nach ihrer Identität, dann hören wir die Einladung: „Wer auch immer du sein willst, auf Instagram kannst du es werden!“

Zwei Gedanken schossen mir dabei durch den Kopf. Der erste: Da hat die Marketing-Abteilung von Instagram wirklich das aufgespürt, was unsere Kinder mit äußerster Dringlichkeit beschäftigt – die Beantwortung der alles entscheidenden Frage: „Wer bin ich?“ Und man kann sich dafür natürlich kaum einen gefährlicheren Ratgeber vorstellen als Instagram. Was mich zu meinem zweiten Gedanken bringt, der kurz und bündig lautet: „Puh!“

Da wir alle in der gleichen „kulturellen Suppe“ schwimmen, kann uns leicht die Bedeutsamkeit dieses 30-Sekunden-Werbespots entgehen. Aber wenn wir uns etwas Zeit nehmen, um über dieses kulturelle Artefakt nachzudenken, wird deutlich, dass es sowohl direktiv als auch spiegelnd ist. Diese Werbung funktioniert direktiv, weil sie unseren beeinflussbaren jungen Leuten eine Richtungsweisung vorlegt, welchem Weg sie bei dem Projekt ihrer Identitätsfindung folgen sollen. Sie ist aber auch spiegelnd, denn sie eröffnet uns einen aufschlussreichen Blick auf unsere bestehenden Grundüberzeugungen, wer wir als Menschen sind.

Carl Trueman holt mit seinem Buch Der Siegeszug des modernen Selbst (erscheint im Herbst bei Verbum Medien; Originaltitel: The Rise and Triumph of the Modern Self) den Leser aus dieser „kulturellen Suppe“ heraus und hilft uns, das Ausmaß der aktuellen Veränderungen zu verstehen. Sein erläuternder Gang durch die Ideengeschichte, die uns zum „expressiven Individualismus“ geführt hat, ist brillant. Unsere Kinder kennen höchstwahrscheinlich dieses Wort überhaupt nicht, geschweige denn, dass sie es erklären könnten. Doch unbewusst haben sie sich ihn mit nahezu jeder Faser ihres Lebens angeeignet, am deutlichsten sichtbar in ihren progressiven Ansichten über Sexualität und Geschlecht.

Ich möchte hier in diesem Artikel einigen Fragen nachgehen: „War unsere christliche Jugendarbeit mit daran beteiligt, dass sich der expressive Individualismus im Leib Christi wie Krebs ausbreiten konnte? Und wenn ja: Wie konnte der Siegeszug des modernen Selbst auch bei uns stattfinden und inwiefern hat er auf subtile Weise unsere Lehrinhalte wie auch die Gestalt und Praxis unserer Jugendarbeit verändert?“

„Unbewusst haben sich unsere Kinder den expressiven Individualismus mit nahezu jeder Faser ihres Lebens angeeignet.“
Bei der Lektüre von Der Siegeszug des modernen Selbst komme ich nicht umhin, mir Gedanken über die Ziele unserer Arbeit zu machen. Es geht doch darum, in den Kindern die Identität heranzubilden, mit der sie geschaffen wurden – statt ihnen die Übernahme einer entstellten Identität zu ermöglichen, die sie sich aus ihrer Gefühlswelt heraus selbst erschaffen. Unsere Jugendarbeit sollte einen Lebensstil der treuen Jesus-Nachfolge einschließlich Selbstverleugnung (vgl. Mk 8,34–37) fördern, indem wir die biblische Wahrheit durch eine wohlüberlegte Jugendarbeitspraxis vermitteln.

Mehr: www.evangelium21.net.

Sex vor der Ehe

Ein junges, verlobtes Pärchen kämpft mit der Frage, ob Sex vor der Ehe in Ordnung ist und wendet sich deshalb an einen evangelischen Pfarrer, der auf evangelisch.de seine Antwort öffentlich macht. Der Geistliche schreibt dort unter anderem:

Wenn jemandem wichtig ist, dass die Ehe allein der Ort für Sex ist, wird dieser jemand immer Argumente dafür finden. Das gilt insbesondere, wenn dieser jemand ein frommer Mensch ist und die Bibel als Argumentationshilfe nutzt. Das Problem dabei ist, dass dabei eigene Moralvorstellungen unhinterfragt auf antike Texte übertragen werden. Redlicher ist es, die Texte genau anzuschauen und zu erkennen, was sie aus sich selbst heraus sind. 

Und weiter schreibt er:

Die Bibel dafür heranzuziehen, Paaren zu verbieten, vor der Ehe Sex zu haben, empfinde ich als unredlich gegenüber der Bibel selbst. Besonders ärgerlich werde ich, wenn diese Menschen sagen, sie würden die Bibel ernst nehmen, weil sie ja eindeutig sei. Wer das behauptet, meint in der Regel die eigene Auslegung und nicht die Bibel. Wie ich bereits schrieb: Die Moral steckt nicht im Hohenlied, sondern in den Köpfen der Interpretierenden. 

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man diese seelsorgerische Antwort mit Humor nehmen. Zu offensichtlich macht der Pfarrer genau das, was er den (aus seiner Sicht) unaufrichtigen Bibellesern unterstellt: „Das Problem dabei ist, dass dabei eigene Moralvorstellungen unhinterfragt auf antike Texte übertragen werden.“ Mit einer Geste der Überlegenheit und Reife projiziert er seine Vorstellungen zur Sexualität (die – so dürfen wir vermuten – von der Sexuellen Revolution imprägniert sind) auf die biblischen Texte zurück; gegen ihren Sinngehalt und gegen ihre lange Auslegungsgeschichte.

Dass für das Judentum der Sex in die Ehe gehört, kann man in so gut wie jedem Standardwerk nachlesen. „Das erste biblische Gebot über die Fortpflanzung des Menschengeschlechts soll nur in der Ehe erfüllt werden (TRE, Bd. 9, 1982, S. 314). Das Judentum kennt ein klares Ideal, nämlich den ehelichen Sex. Dennis Prager schreibt in „Das Geschenk des Judentums an unsere Kultur“

Alle anderen Formen sexuellen Verhaltens, obwohl sie nicht alle gleich verwerflich sind, weichen von diesem Ideal ab. Je mehr sie abweichen, desto ausgeprägter ist die Abneigung des Judentums gegen dieses Verhalten.

Das Alte Testament selbst verortet die Sexualität eindeutig in der Ehe. Zum Erweis vorehelicher Keuschheit bewahrten die jüdischen Familien etwa das Hochzeitsgewand als „Beweisstück“ auf (vgl. 5Mose 22,13ff). Oder: „Wenn jemand eine Jungfrau beredet, die noch nicht verlobt ist, und schläft bei ihr, so soll er den Brautpreis für sie geben und sie zur Frau nehmen“ (2Mose 22,15).

Und das Neue Testament? Jesus hat die alttestamentliche Eheordnung bestätigt und in gewisser Hinsicht sogar strenger ausgelegt als das Judentum (vgl. Mt 5,27ff). Und Paulus können wir nicht gegen Jesus ausspielen. Für den Apostel gehörte Sex in den Ehebund. So schreibt er etwa in 1Thess 4,3–8 (ELB): 

Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligung, dass ihr euch von der Unzucht fernhaltet, dass jeder von euch sich sein eigenes Gefäß in Heiligung und Ehrbarkeit zu gewinnen weiß, nicht in Leidenschaft der Begierde wie die Nationen, die Gott nicht kennen; dass er sich keine Übergriffe erlaubt noch seinen Bruder in der Sache übervorteilt, weil der Herr Rächer ist über dies alles, wie wir euch auch vorher schon gesagt und eindringlich bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht zur Unreinheit berufen, sondern in Heiligung. Deshalb nun, wer dies verwirft, verwirft nicht einen Menschen, sondern Gott, der auch seinen Heiligen Geist in euch gibt.

Ich zitiere mal Douglas Moo dazu (A Theology of Paul and His Letters, Zondervan, 2021, S. 631–632): 

Wenn wir über die Ehe diskutieren, müssen natürlich auch ein paar Worte zum Thema Sex gesagt werden. Zur Zeit des Paulus, so wie auch zu unserer Zeit, war Sex ein Lebensbereich, in dem die biblischen Maßstäbe besonders hart mit den zeitgenössischen Sitten kollidierten. Es überrascht uns daher nicht, dass er seinen nichtjüdischen Bekehrten einige Warnungen mit auf den Weg gibt. Wie ich bereits erwähnt habe, ist Sexualität der Bereich der Sündhaftigkeit, den Paulus am häufigsten in seinen Lasterkatalogen erwähnt. 1Thess 4 ist besonders pointiert. Paulus wiederholt hier, was er jenen hauptsächlich nichtjüdischen Bekehrten in der kurzen Zeit, die er mit ihnen verbracht hat, darüber gelehrt hat – wie sie leben sollen, „um Gott zu gefallen“ (V. 1). Das erste, was er erwähnt und mit ihrer Heiligung in Verbindung bringt (V. 3), ist die Notwendigkeit, „sexuelle Unmoral zu meiden“ (porneia, das griechische Wort für unangemessenes sexuelles Verhalten). Wie ich oben dargelegt habe, konkretisiert Paulus dies, indem er die Gläubigen auffordert, ihre Geschlechtsorgane „in heiliger und ehrbarer Weise“ zu gebrauchen (V. 4). Paulus folgt dem jüdischen Präzedenzfall, indem er unangemessenes sexuelles Verhalten als ein besonders deutliches Anzeichen dafür sieht, wie sich die Menschen von der Anbetung Gottes abgewandt haben (vgl. Röm 1,24–27).

Obwohl dieser Abschnitt an Nichtjuden geschrieben wurde, zeigt er auch, dass sich Paulus in seiner ethischen Lehre dem Alten Testament verpflichtet fühlt. Der Abschnitt ist durchdrungen von Aufrufen zur Heiligkeit (1Thess 4,3.4.7), die an den bekannten alttestamentlichen Aufruf zur Heiligkeit anknüpfen (z.B. Lev 11,44; siehe oben). Paulus’ Verweis auf die Gabe des Heiligen Geistes in V. 8 erinnert an die Verheißung in Hesekiel 36,25–27, dass Gott sein Volk durch eine neue Ausgießung seines Geistes von „Unreinheit“ und Götzendienst „reinigen“ würde (vgl. 1Thess 1,9). Die vielleicht klarste theologische Grundlage für Paulus’ Aufruf zur sexuellen Reinheit findet sich in 1Korinther 6,12–20. Als Antwort auf eine korinthische Ansicht, die den Körper offenbar als unwichtig für das geistliche Leben ansah, bekräftigt Paulus hier die Bedeutung des Körpers und unterstreicht daher die Notwendigkeit, den Körper im sexuellen Bereich angemessen zu gebrauchen. Man darf sich nicht mit Prostituierten zusammentun, denn das würde die intime und exklusive Verbindung der Gläubigen mit Christus verletzen (V. 15–17). Unsere Leiber sind in der Tat „Tempel des Heiligen Geistes“ (V. 19). Gläubige müssen, so schließt Paulus, „Gott mit [ihren] Leibern ehren“ (V. 20) – und das bedeutet natürlich, sie im sexuellen Bereich so zu gebrauchen, dass sie Gott wohlgefällig sind.

Auch Christen sündigen. Was haben die antiken Gläubigen in den Gemeinden getan, wenn ein unverheiratetes Paar doch Sex vor der Ehe hatte? Armin Baum wird mit seiner Vermutung richtig liegen

Wie Paulus oder die paulinischen Gemeinden mit festen Paaren verfahren
sind, die unverheiratet Geschlechtsverkehr hatten, wird im Neuen Testament
nirgends ausdrücklich gesagt. Am wahrscheinlichsten ist, dass man
eine ähnliche Differenzierung vornahm wie im 5. Mosebuch (Dtn 22,13–29). Man kann daher vermuten, „dass eine christliche Gemeinde, wenn ein
solches Verhalten bekannt geworden wäre, es missbilligt und … auf die
Legalisierung des Verhältnisses gedrungen hätte“.

VD: WH

Gott fürchten? – Zwei brandaktuelle Bücher zum Thema

Matt Studer hat zwei aktuelle Bücher zum Thema Gottesfurcht gelesen, nämlich Überrascht von Furcht von Natha und Gottesfurcht von Michael Reeves. Matt schreibt:

Unsere Zeit ist durch eine unterschwellige und oftmals schwer benennbare Stimmung der Angst gekennzeichnet. Es gibt zwar schon auch reale Anzeichen für unsere Angst: den Klimawandel, politische oder wirtschaftliche Umwälzungen und neu auf dem Markt, Pandemien. Vielleicht ist Angst das falsche Wort für das, was ich meine. Im Englischen gibt es das Wort anxiety, das man mit Besorgnis, Beklemmung oder Beunruhigung übersetzen könnte. Ein unruhiges Grundgefühl, eine unbestimmte Angst, die sich nicht so recht zuordnen lässt (nicht wie bei „ich habe Angst vor der morgigen Prüfung“). Viele Menschen leiden irgendwie unter einer existenziellen Angst vor dem Leben in einem so unsicheren Universum. Kein Wunder also, dass wir unsere Angst gerne weg therapieren wollen. Der Soziologe Frank Furedi meint dazu:

[Früher] sah man Furcht als ein Mittel dazu, moralische Werte zu kultivieren … Heute, wo wir das Gefühl der Angst verabscheuen und meiden, tendieren wir dazu [dieses Gefühl] medizinisch als Krankheit zu behandeln. (How Fear Works: Culture of Fear in the 21st Century, Seite 35, meine freie Übersetzung)

Angst gab es jedenfalls immer schon. Selbst Jesus hat ja gesagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33.

In diesem Lichte besehen ist es interessant, dass gerade zwei aktuelle Bücher über das biblische Phänomen der Gottesfurcht auf meinem Schreibtisch gelandet sind. Das Buch von Natha Überrascht von Furcht (mittlerweile ein Bestseller) und Michael Reeves‘ Fear and Trembling: The Surprising Good News of the Fear of the Lord. Kann denn Furcht etwas Positives sein? Die Bibel spricht auf jeden Fall recht ausgelassen von Gottesfurcht (nur, dass uns dieses Thema nicht unbedingt so passt). „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit“ (Sprüche 9,10). Mehr noch, ihr Lohn ist „Reichtum, Ehre und Leben“ (Sprüche 22,4). Die erste Gemeinde der Christen, die uns oft als Vorbild dient, erlebte nicht nur Zeichen und Wunder. Sie „lebte in der Furcht des Herrn“ (Apg 9,31). Gottesfurcht wird am Ende gar als die „Summe von allem“ bezeichnet: „Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen“ (Prediger 12,13). Also vielleicht doch ein Thema, mit dem man sich näher beschäftigen sollte.

Hier mehr: www.mindmatt.com.

Warten auf die Strafe Gottes

Unter Rumänen und Polen glaubt die Mehrheit noch an die Hölle. Im aufgeklärten Westen sorgt dieses Umfrageergebnis für Heiterkeit.  Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs wirkt allerdings der Abschied vom Glauben an ein letztes Gericht merkwürdig. Simon Strauß schreibt:

Man muss die osteuropäische Volksgläubigkeit gar nicht sentimental überhöhen, um festzustellen, dass die Umfrage einmal mehr den eisernen Wertevorhang vor Augen führt, der Ost- und West-Europa voneinander trennt. Dass einer Gegend, in der den christlichen Kirchen die Mitglieder davonlaufen, die Vorstellungskraft für einen Ort der ewigen Sündenstrafe fehlt – in Deutschland etwa glauben nur gut 15 Prozent der Befragten an die Hölle –, scheint selbstverständlich. Nur bekommt die herablassende Ironie gegenüber der metaphysischen Ein­falt unserer europäischen Nachbarn einen bitteren Beigeschmack, wenn man etwa die ukrainische Dramatikerin Anastasiia Kosodii liest, die gerade im „Tagesspiegel“ mit Blick auf die verkohlten Leichen ge­folterter ukrainischer Soldaten ohne jedes Augenzwinkern bekannte: „Mein Atheismus endete am 24. Februar, also glaube ich an Gott – oder vielmehr an die Strafe Gottes für diejenigen, die sie verdienen.“

Noch einmal Strauß: „Auf einmal leuchtet die These von Hannah Arendt wieder ein, nach der die schlimmsten Gewaltverbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht geschehen wären, ‚wenn die Leute noch an die Hölle geglaubt hätten‘.“

Hier mehr: www.faz.net.

VD: WR

Udo Vetter: Selbstbestimmungsgesetz präsentiert großes Missbrauchspotenzial

Strafverteidiger Udo Vetter meint zum geplanten deutschen Selbstbestimmungsgesetz: „Der Staat eröffnet mit diesem Gesetz auch Exhibitionisten die Möglichkeit, sich ganz legal Zutritt zu Schutzräumen für Frauen zu verschaffen.“ In einem Interview mit der NZZ erklärt er, weshalb er über die geplante Rechtsprechung entsetzt ist. 

Unter anderem sagt er:

Ja, genau das glaube ich: zum Spass, aus politischem Protest oder um einen Vorteil zu gewinnen. Wir leben in einer Zeit der Polarisierung, und dieses Gesetz wäre offensichtlich dazu geeignet, zu polarisieren. Teenager könnten ihr Geschlecht als Ausdruck einer Rebellion ändern. Auch Leistungsvorzüge sind ein denkbarer Grund. Es gab in der Schweiz einen Fall, in dem ein Mann kurz vor dem Renteneintritt die Rente als Frau beantragte, weil Frauen die Rente dort ein Jahr früher zur Verfügung gestellt wird. 

Erfahrungen aus den USA und England zeigen Ähnliches. In England wird es Strafgefangenen ermöglicht, im Rahmen einer Selbstidentifizierung als Frau in den Frauenvollzug zu gehen, was tatsächlich zahlreich beantragt wird. In den USA wurden Insassinnen von selbsterklärten Transfrauen, die biologische Männer waren, geschwängert.

Mehr: www.nzz.ch.

Calvin: Vom Singen der Psalmen

Johannes Calvin schreibt in den Artikeln zur Ordnung der Kirche (1537) über das Singen der Psalmen: 

Im zweiten Punkt geht es um die Psalmen: es ist unser Wunsch, daß sie in der Kirche gesungen werden. Hier nehmen wir uns die alte Kirche zum Vorbild, und wir haben sogar das Zeugnis des heiligen Paulus, der es für eine gute Sache erklärt, in der Versammlung mit Herz und Mund zu singen. Wir können den Nutzen und die Auferbauung, die uns daraus erwachsen, erst ermessen, wenn wir es versucht haben. Die Gebete der Gläubigen sind bei unserer Art zu beten ja derart kalt, daß uns dies tief beschämen muß. Die Psalmen können uns dazu ermutigen, unsere Herzen zu Gott zu erheben. Sie können in uns das Verlangen entfachen, seinen herrlichen Namen anzurufen und durch unser Lob zu erheben. 

Ich würde mich freuen, wenn Songschreiber immer wieder mal die Psalmen zur Grundlage ihrer Lieder nehmen.

Rev. Dr. Foley Beach: Lambeth-Konferenz keine Quelle der Heilung

Die GAFCON-Bewegung ist eine weltweite Familie von Anglikanern, die zusammenstehen, um das Evangelium im Herzen der Anglikanischen Gemeinschaft zu bewahren und dort, wo es ins Abseits gedrängt wurde, wieder die Bibel zur Grundlage der Verkündigung zu machen. CAFCON setzt sich für Ausbotschaftung des unveränderlichen Evangeliums durch bibeltreue Predigt und Lehre ein.

Nicht ganz überraschend sind viele, die mit dem derzeitigen Kurs der Anglikanischen Kirche nicht einverstanden sind, mit CAFCON verbunden. Dr. Foley Beach, Erzbischof der Anglikanische Kirche in Nordamerika, ist seit 2019 Vorsitzender der GAFCON und hat sich nun in einem Schreiben zur 15. Lambeth-Konferenz geäußert. Seine Eindrücke unterscheiden sich deutlich vom positiven Echo, dass die Konferenz überwiegend in den theologisch progressiven Kreisen hinterlassen hat.

Einige Zitate aus dem Schreiben von Rev. Dr. Foley Beach:

Vor der Lambeth-Konferenz schrieben Erzbischof Henry Ndukuba (Nigeria), Erzbischof Stephen Kaziimba (Uganda) und Erzbischof Laurent Mbanda (Ruanda) an den Erzbischof von Canterbury, dass sie nicht an der Konferenz teilnehmen würden, „weil die Anglikanische Gemeinschaft es versäumt hat, die Probleme, die ihr Fernbleiben von der Lambeth-Konferenz 2008 erforderlich machten, mit Reue und Buße anzugehen“. Der pensionierte Erzbischof Mouneer Anis nannte das Problem wortgewandt: „Die Anglikanische Gemeinschaft kann sich nicht mit der Gebrochenheit der Welt befassen, wenn sie selbst gebrochen ist.“

Leider war die Lambeth-Konferenz keine Quelle der Heilung und Einheit, sondern verschärfte die Probleme. Die Lambeth-Konferenz war voller Verwirrung, und was das für den weltweiten Anglikanismus bedeutet, ist gerade erst zu spüren. Die Canterbury-Gemeinschaft ist zerbrochen, und zwar nicht nur metaphorisch, sondern buchstäblich, denn die Anwesenden konnten nicht mit gutem Gewissen an der Heiligen Kommunion teilnehmen.

Die Primasse von Brasilien, Kenia, Myanmar, Nigeria, Nordamerika, Ruanda und Uganda sowie viele Bischöfe aus der gesamten Anglikanischen Gemeinschaft in der GAFCON-Bewegung haben nicht an der Lambeth-Konferenz teilgenommen, weil dies gegen ihr Gewissen verstoßen würde. Wir respektieren jedoch die Entscheidung unserer Primasbrüder, deren Gewissen sie dazu veranlasst hat, nach Lambeth zu gehen und für das Evangelium und die Heilige Schrift zu streiten. Die Macht ihrer Anwesenheit hat die Macht unserer Abwesenheit verstärkt.

Erzbischof Justin Badi (Südsudan) und Erzbischof James Wong (Indischer Ozean) von GAFCON und der Global South Fellowship of Anglicans setzten sich in bewundernswerter Weise für die rechtgläubige Sache der biblischen Theologie und Moral ein, und das inmitten einer Situation, in der das Gleichgewicht der institutionellen Macht schwer gegen sie gestellt war.

Während ihre kolonialen Strukturen implodieren, ignoriert das anglikanische Establishment in England weiterhin die berechtigten Anliegen derjenigen, die an der Lehre der Bibel und der historischen Lehre der Kirche festhalten. Durch die Global Anglican Future Conference (Gafcon) und die Global South Fellowship of Anglicans, die von der Kraft des Heiligen Geistes geleitet werden, füllen neue mutige Führungspersönlichkeiten diese Lücke mit authentischer Gemeinschaft und Kommunion und versuchen, das Defizit des Evangeliums und das kirchliche Defizit (Windsor-Bericht) auszugleichen.

Wir leben in einem einzigartigen Moment, in dem der globale Anglikanismus durch die Gnade Gottes wirklich durch biblische Buße und Erneuerung reformiert werden kann. Dies wird der Schwerpunkt der Gafcon IV-Konferenz im April nächsten Jahres sein, wenn wir in Kigali, Ruanda, zusammenkommen. Die Welt braucht die Verwandlung, die daraus entsteht, dass wir den unzweideutigen, rettenden Glauben an Jesus Christus hören und darauf reagieren.

Zögern wir nicht, die Frohe Botschaft von Jesus Christus mit den Menschen um uns herum zu teilen und sie zu lehren, was er in der Bibel so deutlich gelehrt hat: dass sie von Gott geliebt sind und wie sie seine Jünger sein können. Bitte schließen Sie sich mir im Gebet und in der Arbeit für eine treue globale anglikanische Zukunft an.

„Dem aber, der weit mehr zu tun vermag als alles, was wir bitten oder denken, nach der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus, durch alle Geschlechter hindurch, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (Eph 3,20–21).

Hier die Quelle: www.gafcon.org.

VD: KH

Fazit der Weltkonferenz der Anglikaner

Die 15. Lambeth-Konferenz der anglikanischen Kirchengemeinschaft ist vor einigen Tagen mit einem Festgottesdienst beendet worden (vgl. hier). Der DLF schildert den spannungsvollen Verlauf und den gelösten Abschluss:

Falls ein Leser des Blogs selbst dabei war, wäre ich dankbar für weitere Eindrücke und Zusammenfassungen.

– – –

Nachtrag: Sie auch das die Bewertung der Konferenz durch Rev. Dr. Foley Beach, der derzeit die Global Anglican Future Conference (CAFCON) leitet.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner