Autorenname: Ron

Wir brauchen Bibel und Verstand

Martin Reakes-Williams führt in Leipzig eine internationale Gemeinde und gehört zum Leitungskreis von Evangelium21. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mich mit ihm über seine Berufung in den geistlichen Dienst und die bevorstehende E21-Konferenz in Hamburg auszutauschen.

Nachfolgend das Interview:

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Wir brauchen Bibel und Verstand

Ein Interview mit dem anglikanischen Pfarrer Martin Reakes-Williams

Theoblog: Es gibt nicht viele anglikanische Geistliche in Deutschland. Kannst du erzählen, warum du in Leipzig gelandet bist? 

Als erstes Studium hatte ich Germanistik und Russistik studiert, einschließlich ein Jahr Studium in Heidelberg. Es war während dieser Zeit, dass das Gefühl, in den Pastorendienst berufen zu sein, sich entwickelt und gefestigt hat. Darauf folgten das Auswahlverfahren der „Church of England“, ein Jahr Praktikum in einer Gemeinde, drei Jahre Theologiestudium an einem kirchlichen Seminar und drei Jahre Vikariat in einer Gemeinde am Rand von London.

Im Hinterkopf schwebte immer der Gedanke, dass der Herr vielleicht einen Grund hatte, aus dem er mich zum Lernen und Studieren der deutschen Sprache und Kultur geführt hatte. Dieses Gefühl reifte langsam zu einer Überzeugung, so dass ich nach dem Vikariat eine Stelle in Deutschland suchte. Damals dachte ich: Vielleicht einige Jahre in einer englischsprachigen Gemeinde bleiben und dann schauen, ob der Herr eine Tür zu einem deutschsprachigen Dienst öffnet. Die erste Tür hat er geöffnet, die zweite noch nicht. Eine Missionsgesellschaft der „Church of England“ bekam eine großzügige Spende, um eine englischsprachige Gemeinde hinter dem ehemaligen „eisernen Vorhang“ zu gründen. Nach einem Gespräch mit dem Bischof hat die Missionsgesellschaft mich ausgesandt um zu schauen, ob der Herr etwas in Leipzig vorhatte. „And the rest is history“, wie wir auf Englisch sagen.

Theoblog: Welcher Diözese ist deine Gemeinde unterstellt?

Sie heißt „die Diözese in Europa“ (nicht von Europa, wohl bemerkt; die „Church of England“ versteht sich als Gast auf dem europäischen Festland). Es gibt noch einen kleinen Flecken des Festlandes, der uns gehört: Gibraltar. Die dortige Kathedrale ist offizieller Sitz des Bischofs. Er heißt daher „Bischof von Gibraltar in Europa“, wohnt aber in der Nähe vom Flughafen London Gatwick.

Theoblog: Darf ich noch weiter zurückfragen? Warum hast du dich überhaupt für den Theologenberuf entschieden?

Ich bin während der Universitätszeit als Christ stark gewachsen. Ich war damals reich beschenkt: Ich hatte eine gute Gemeinde, einen Studentenkreis, wo jeden Samstag etwa zweihundert Studenten für eine Bibelauslegung von eingeladenen Predigern zusammenkamen, Jugendfreizeiten, wo ich die praktische Seite des geistlichen Dienstes erlernte, und vor allem viele gute christliche Freunde, die mich „geschliffen“ haben (vgl. Spr 27,17).

In dieser Zeit fing ich an, die Frage zu beantworten, die jeder Christ sich stellen sollte: Wie werden meine Gaben am Besten für das Reich Gottes eingesetzt?

Am Anfang des Berufungsprozesses war ich ziemlich überzeugt, dass ich eine Katastrophe als Pastor wäre. Ich glaubte, dass ich in einem „weltlichen Beruf“ besser aufgehoben wäre. Damals war das mein Wunsch! Freunde und Mentoren hatten jedoch eine andere Meinung. Langsam keimte und wuchs der Same, bis ich zum Ende des Studiums nichts anderes mehr machen wollte. Das Auslandsjahr in Heidelberg war ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses, nicht nur weil ich Zeit zum Reflektieren hatte, sondern auch, weil mein Glaube ohne die obengenannten Stützen geprüft und geläutert wurde.

Theoblog: Hast du dir im Studium besondere Schwerpunkte gesetzt?

Bei uns in England erleben wir jetzt zunehmend, was hier in den Landeskirchen längst der Fall war und nun auch in einigen freikirchlichen Ausbildungsstätten eintritt: das Verlangen nach staatlicher Anerkennung und Wertschätzung. Leider hat diese Entwicklung dazu geführt, dass viele Sachen zum Studium gehören, die ein Pastor in seinem späteren Dienst nicht gebrauchen kann. Hinzu kam, dass das College, das ich besuchte, zwar von Evangelikalen gegründet worden war, aber theologisch später andere Wege ging.

Deswegen war vieles, was ich lernen musste, für den Dienst in der Gemeinde nutzlos. Es gab glücklicherweise einige Wahlmöglichkeiten. So habe ich Fächer ausgesucht, die mit der Bibel zu tun hatten. Kirchengeschichte war auch hilfreich. Aber da gibt es bekanntlich nichts „Neues unter der Sonne“. Die meisten Abweichungen von der biblischen Lehre gab es schon Mal irgendwann.

Bei uns war nur Griechisch Pflichtfach, aber da ich dies schon in der Schule gelernt hatte, durfte ich stattdessen Hebräisch lernen. Ich wünschte mir, dass ich mehr Zeit dafür investiert hätte, aber es war mir auch wichtig, Teilhaber des praktischen Lebens zu bleiben. Das Leben im Elfenbeinturm war nichts für mich. Wichtiger war mir die Mitarbeit in der Studentenmission (in Deutschland „SMD“).

Theoblog: Was schätzt du an der Gemeindearbeit in Deutschland? Was fordert dich besonders heraus?

Meine direkte Erfahrung von Gemeindearbeit in Deutschland ist natürlich etwas begrenzt, da unsere Gemeinde englischsprachig und international ist und deswegen nicht typisch. Es ist gleichzeitig eine Bereicherung und eine Herausforderung, in einer Gemeinde zu dienen, wo Menschen aus allen Ländern und Konfessionen zusammenkommen. Keiner fühlt sich voll zu Hause, jeder muss die Bereitschaft mitbringen, aus der eigenen Bequemlichkeit herauszutreten und auf Menschen, die anders sind, zuzugehen. So werden wir durch die Umstände gezwungen, das zu tun, was eigentlich zum Christsein gehört.

Theoblog: Was macht einen guten Pastor aus?

Er hat ein starkes Vertrauen zu Gott, also betet er viel. Er glaubt, dass Gott durch die Mittel wirkt, die er uns zugesagt hat, also verbringt er viel Zeit mit dem Wort Gottes. Das reicht aber nicht aus, denn dieses Wort Gottes muss im Leben der Menschen ankommen. Folglich bemüht er sich die Welt zu verstehen und dadurch das Wort so zu lehren, dass es bei den Menschen von heute gut „landet“.

Ein Pastor konzentriert sich auf das „Kerngeschäft“. Er lässt sich nicht von Nebensachen ablenken, die kurzfristig Erfolg versprechen (und dabei vielleicht auch sein „Ego“ streicheln), langfristig jedoch keine reife Christen hervorbringt.

Er hat zudem eine gute Selbstwahrnehmung und ist fähig, sich in andere hineinzuversetzen. Vor allem ist er nicht jemand, der Wasser predigt und selbst Wein trinkt. Er ist transparent und integer, damit alle sehen, dass er selbst lebt, was er anderen predigt (vgl. 1Tim 4,15).

Theoblog: Bestimmt kennst du die Rede vom „Blinden Fleck“. Wir in Deutschland nehmen möglicherweise bestimmte Dinge nicht mehr wahr, verdrängen vielleicht auch unangenehme Themen. 

Eine direkte Frage verdient eine direkte Antwort. Nur kurz im Voraus: Ich sehe viel Gutes hier und viele Schwachpunkte in meinem eigenen Land und in meiner Tradition.

Ich bewundere die Pietisten, die unter dem enormen Druck der modernen Theologie christus- und bibeltreu geblieben sind. Die Gefahr in solchen Situationen ist allerdings, dass wir die Vordertür zur falschen Lehre dichtmachen, aber nicht merken, was inzwischen durch die Hintertür einschleicht. Zum Beispiel glauben viele noch an die Autorität der Heiligen Schrift, wenige aber an derer Vollmacht und Kraft. So bleibt „das Schwert des Geistes“ allzu oft unbenutzt in seiner Schwertscheide.

Ein gewisser Hang zu einem menschenzentrierten Verständnis vom Evangelium scheint inzwischen auch manche Freikirchen erreicht zu haben. Jeder Arzt weiß es: Eine falsche Diagnose führt zu einer falschen Behandlung. Ähnlich ist es mit unserem Verständnis von Sünde und Kreuz. Die Sünde wird allzu oft als fehlerhaftes Verhalten verstanden oder als Versagen, mein volles Potential auszureizen. Tatsächlich ist Sünde aber Rebellion gegen Gott. Folglich verschreibt man die falsche Medizin: Therapie anstelle von Vergebung; Streicheleinheiten statt Sühnetod. Unser Herr Jesus wird oft mehr als ein „Kuschel-Jesus“ betrachtet, der nur da ist, um das zu tun, was unseren Selbstwert erhöht. Die Gnade ist selbstverständlich und billig geworden.

Zu viele Predigten sind fromme Gedanken, die an einem Vers aufgehangen werden. Es geht zu oft nicht darum, den ursprünglichen Sinn des biblischen Textes zu erfassen, um ihn dann für die Gemeinde zu aktivieren. Oft fehlt zudem eine fundierte biblische Theologie, die dafür sorgt, dass wir „das Wort der Wahrheit recht teilen“ (2Tim 2,15). Die langfristige Frucht davon sind Christen, die nicht biblisch denken und deren Weltanschauung nicht von der Schrift her geformt ist. So werden sie leicht „umhergetrieben von jedem Wind der Lehre“.

Noch etwas: Deutsche Tugenden wie Gründlichkeit und das „Durchplanen“ (beides schätze ich sehr!) haben eine Kehrseite: Überhöhte Angst vor angemessenem Pragmatismus sowie einen Hang zur Sicherheit anstelle von Risikofreude.

Theoblog: Du gehörst zu den Initiatoren von Evangelium21. Warum arbeitest du in diesem Netzwerk mit?

Evangelium21 steht für viele Inhalte, die mir wichtig sind. Vieles habe ich gerade genannt. Ich bin bei Evangelium21 auf Brüder aus sehr unterschiedlichen Hintergründen gestoßen, die dieselben Sorgen und dieselbe Vision teilen. Gott hat uns von Anfang an eine tiefe Einheit und Verbundenheit geschenkt. Ich bin überzeugt, er hat Wichtiges mit und für uns vor. Gott baut sein Reich nach dem Prinzip des Hefeteigs oder des Senfkorns. Seine Kraft ist in den Schwächen mächtig!

Theoblog: Was erwartest du von der Konferenz mit D. A. Carson und John Piper im Mai 2012?

Um es überspitzt auszudrücken: Viele glauben, dass man entweder ein Evangelikaler ist, der das Gehirn ausschaltet oder ein Liberaler, der die Bibel „ausschaltet“. Ich möchte Gehirn und Bibel „einschalten“. Mein Gehirn sagt mir, dass, wenn Gott gesprochen hat, dann wird er dies in einer klaren Art und Weise getan haben. Deshalb ist es empfehlenswert, mein Denken dem Wort Gottes unterzuordnen. In unserer Welt zu diesem Standpunkt zu gelangen, ist für viele ein schwieriger und steiniger Weg. D. A. Carson und John Piper sind hervorragende Beispiele für Menschen, die diesen Weg gegangen sind und uns helfen, der Bibel und unserem von Gott geschenkten Verstand treu zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Hier das Interview als PDF-Datei: Interview_MR-W.pdf.

Postdemokratisches Meinungsklima

Zitat aus Stefan Fuchs: „Betreuungsgeld – fabrizierte Meinung vs. Sachargumente“:

Die Betreuungsgeldiskussion bestätigt eine alte Einsicht Joseph A. Schumpeters: Für das politische Geschäft entscheidend ist der von Führungscliquen „fabrizierte“ Wille, der über die Medien vermittelt das veröffentlichte Meinungsklima dominiert. Gerade prototypisch zeigen dies Politbaromter-Umfragen zum Betreuungsgeld: Aktuell sprechen sich nur noch 34 Prozent der Befragten für diese Leistung aus, während es im November 2011 noch 43 Prozent waren. Die „Debatte der letzten Wochen“ habe die Zustimmung „weiter reduziert“ schließen daraus die Demoskopen. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, wäre es den Gegnern des Betreuungsgeldes gelungen, das familienpolitische Meinungsklima um 180 % zu drehen …

Mehr: i-daf_im_blickpunkt_2_-2012.pdf.

Junge Menschen fühlen sich diskriminiert

Laut WELT ONLINE (mit Berufung auf Daten von Forsa) sind es überwiegend Schüler, Studenten und junge Menschen im Alter von 18–29 , die in Deutschland das Gefühl haben, diskriminiert zu werden.

Ich habe ein anderes Gefühl: Selten sind Menschen in den Genuss so vieler Rechte gekommen, wie sie jungen Menschen heute in Deutschland zugesprochen werden. Wir werden uns noch wundern.

Accordance: NA27 tagged

Für Anwender der Bibelsoftware Accordance der kurze Hinweis, dass es inzwischen einen „Tagged NA27 Greek New Testament with Apparatus“ gibt. Anwender, die den Nestle-Aland bei der Deutschen Bibelgesellschaft erworben haben (oder einen anderen griechischen „tagged“ Text), können über ein Upgrade in den Genuss dieses „verschlagworteten“ Textes kommen. Im April bietet Accordance 25 Prozent Rabatt auf Einkäufe an. Da ich sowohl den Text von der Bibelgesellschaft als auch den NT-T besaß, habe ich das Upgrade für ca. 12 Euro erhalten.

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Starb Jesus für alle?: Kommentar zum Papstbrief

Papst Benedikt XVI. hat mit Zeichnung vom 14. April 2012 einen Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz geschrieben. In diesem Brief geht er auf die angemessene Übersetzung des sogenannten „Kelchwortes“ im Hochgebet der Katholischen Messe ein. Es geht um die Frage, ob beim Abendmahl davon gesprochen werden soll, dass Jesus „für alle“ oder „für viele“ gestorben ist. Papst Benedikt XVI. möchte zurück zur Formulierung „für viele“, da sie in den neutestamentlichen Einsetzungsworten zu finden ist und begründet dies unter anderem mit einer Abkehr vom bisher vorausgesetzten „Semitismus“ bei der Übersetzung der griechischen Evangelienworte. Dabei weist er darauf hin, dass die Konzepte der Übersetzer oder Ausleger den Bibeltext nicht verdecken dürfen, also zwischen dem Bibeltext und seiner Interpretation zu unterscheiden ist. Ihm, der liturgische Gebete in vielen Sprachen sprechen muss, ist „im Lauf der Jahre immer mehr auch persönlich deutlich geworden, dass das Prinzip der nicht wörtlichen, sondern strukturellen Entsprechung als Übersetzungsleitlinie seine Grenzen hat“. Er schreibt:

Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen. Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.

Diese Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung gehört in gewisser Hinsicht zu den Prinzipien, die unmittelbar nach dem Konzil die Übersetzung der liturgischen Bücher in die modernen Sprachen leitete. Man war sich bewusst, wie weit die Bibel und die liturgischen Texte von der Sprach- und Denkwelt der heutigen Menschen entfernt sind, so dass sie auch übersetzt weithin den Teilnehmern des Gottesdienstes unverständlich bleiben mussten. Es war ein neues Unternehmen, dass die heiligen Texte in Übersetzungen offen vor den Teilnehmern am Gottesdienst dastanden und dabei doch in einer großen Entfernung von ihrer Welt bleiben würden, ja, jetzt erst recht in ihrer Entfernung sichtbar würden. So fühlte man sich nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, in die Übersetzung schon Interpretation einzuschmelzen und damit den Weg zu den Menschen abzukürzen, deren Herz und Verstand ja von diesen Worten erreicht werden sollten.

Thomas Söding, Neutestamentler in Bochum, hat für den DLF die Debatte kurz kommentiert. Ich teile seine Position nicht, gebe aber hier gern die Stellungnahme wieder:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/04/27/dlf_20120427_0936_4583b569.mp3[/podcast]

Eine christuszentrierte Biblische Theologie

3969.jpegDas neue Buch von Graeme Goldsworthy (Moore Theological College in Sydney) hat das Zeug, wieder ein Klassiker zu werden. Hier das Inhaltsverzeichnis von:

  • Graeme Goldsworthy: Christ-Centered Biblical Theology: Hermeneutical Foundations and Principles, IVP Academic, 2012, 240 S.

Preface
Abbreviations

1. Biblical theology: lame duck or eagles‘ wings?
Confessions of a biblical theology addict
The big questions about the big picture
The Robinson-Hebert schema
The role of Genesis 1–11
The question of reductionism
Why is biblical theology so neglected?

2. Evangelical definitions and presuppositions
Tentative steps towards a definition of biblical theology
Evangelical theological presuppositions in biblical theology
Evangelical hermeneutical presuppositions in biblical theology

3. Salvation and history
The idea of salvation history
The biblical history as salvation history
Salvation history within Scripture: Old Testament
Salvation history within Scripture: New Testament
Conclusions

4. Evangelical practice
The lack of consensus among evangelicals
The shaping of a biblical theologian: my debt to Donald Robinson
Some leading evangelical biblical theologians
Conclusions

5. Multiplex biblical theology
The problem of unity and diversity in method
Proponents of the multiplex approach
Conclusions

6. Letting the Old Testament speak I: biblical history
What kind of epoch?
The main foci in Old Testament history
Conclusions

7. Letting the Old Testament speak II: prophetic eschatology
The pattern of prophetic eschatology
The canonical shape
The main foci in prophetic eschatology
Conclusions

8. Letting the New Testament speak
Is the New Testament normative in the interpretation of the Old Testament?
Does the New Testament exhibit a structure of revelation?
The Abraham-David/Solomon axis and the fulfilment of prophecy
A comparison of approaches

9. Typology
Robinson’s typology
Approaches to typology
Some issues in the debate
Macro-typology

10. The Robinson legacy
Robinson’s typology and method in biblical theology
Israel and the church
Eschatology
Baptism
Assessment

11. How to do biblical theology
Is there a future for biblical theology?
Possibilities for biblical theology
Epilogue

Indexes

Kevin J. Vanhoozer schreibt zum Buch:

„For many years I have admired the good things coming out of Moore Theological College. It’s high time that the biblical theology being done down under be put front and center in North America. In an age of increasing specialization and fragmentation where even biblical things come apart, Goldsworthy’s approach to the unity of Scripture is an important countercultural blast.“

Urbane Mission: 10 Dinge

Jerome Gay, Pastor einer Gemeinde in Gilbert Ave (USA), hat die letzten Jahre in die „Gemeindegründungsarbeit“ investiert. Einen Einblick in die Arbeit seiner Gemeinde gibt er in diesem kurzen Video:

Freundlicherweise gab Jerome mir die Erlaubnis, zehn von ihm formulierte Tipps für Gemeindegründer im Kontext der Stadt hier zu veröffentlichen. Ich danke Lars R. für die Übersetzung.

 

Urbane Mission: 10 Dinge, die ein Gemeindegründer beachten sollte

Jerome Gay


Hier sind einige Dinge, die ich auf meiner Reise als Gemeindegründer gelernt habe:

1. Du bist ein begrenzter Leiter (Exodus 18,18)
Viele Leute werden in dir den allbegabten Superleiter sehen wollen und du wirst versucht sein dies zu glauben. Es ist wichtig, zu wissen, wer man ist – und wer nicht. Die einzige Sache, die schlimmer ist, als Leute, die dich als allbegabt sehen wollen, ist der Pastor, der denkt, er sei es. Dies würde dir schnell die Freude an deinem Hirtenamt nehmen. Kenne deine Grenzen und arbeite an deinen Stärken.

2. Verarbeite deine Verletzungen (1Petrus 5,7)
Pastoren sind nicht von schmerzlichen Erfahrungen ausgenommen und viele haben unverarbeitete Vaterkomplexe. Oft ist die Kanzel dann der Ort, an dem diese Komplexe ausgelebt werden, sei es aufgrund eines abwesenden Vaters oder einer überaggressiven Mutter. Was auch immer der Fall ist, es ist überaus wichtig, dass du deinen Bedarf an Gottes Gnade und Seelsorge anerkennst. Hole dir Hilfe und erkenne deine Zerbrechlichkeit und Abhängigkeit von dem König. Wenn du dies nicht tust, wirst du versuchen, die Kirche zur Heilung deiner Wunden zu benutzen, wobei deine alten Wunden in deiner Gemeindegründungsarbeit nur zum Vorschein kommen werden. Sich seelsorgerlich beraten zu lassen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von demütiger Stärke.

3. Du gründest Gemeinde nicht allein, sondern mit deiner Familie (Epheser 6)
Es ist wichtig, dass die Gemeindegründung nicht zu deinem Augapfel wird. Die Gründung könnte fehlschlagen und Gott wird so etwas sehr wahrscheinlich dazu nutzen, um dich näher zu Ihm zu ziehen. Ich weiß, du denkst, du wirst die Ausnahme sein und nicht versagen. Das ist auch in Ordnung so. Ich wünsche dir eine gelingende Gemeindegründung, jedoch ist dies in der Realität nicht immer der Fall. Gemeindegründung ist garstig, brutal und ermüdend, aber es beinhaltet auch den größten Lohn. Wenn die Gemeinde jedoch alles ist, wirst du deine Familie vernachlässigen und das verdient sie nicht. Enttäusche deine Familie nicht und sprich mit deiner Frau über wichtige Entscheidungen bezüglich der Gemeindegründung. Deine Familie arbeitet mit dir.

4. Dir werden innere und äußere Voreingenommenheiten begegnen 
(Galater 2,11–21)
Viele Menschen deiner eigenen Hautfarbe werden deine theologischen Standpunkte nicht nachvollziehen können. Aufgrund des Mangels an evangeliums-zentrierter, biblisch-orthodoxer Theologie unter afroamerikanischen Pastoren wird man dich als eine Ausnahmeerscheinung betrachten. Diese Gegebenheit hängt natürlich von dem Ort, an dem du dich befindest. Bleib dem Wort treu und baue deine Identität nicht auf das eben Genannte, sonst siehst du dich womöglich als Erretter deines Kontextes und nicht als jemand, der in den Kontext berufen ist.

5. Ermutige Männer (1Timotheus 6,11–16)
In deinem Kontext brauchst du keine Begründung, um dich für Männer einzusetzen. Dies ist sprichwörtlich die vaterloseste Generation, die es jemals gegeben hat. Es ist wichtig, dass du mit Männern sprichst, sie ermutigst und ihnen eine Plattform gibst, auf der sie ihre Gaben für den König einsetzen können. Stärke die Männer in deinem Kreis und trainiere sie dazu, andere Männer in die Gemeinde zu bringen. Männer werden Familien in die Gemeinde bringen. Ich liebe meine Schwestern, aber es ist entscheidend, dass wir sie nicht auspowern, indem wir sie alles in der Gemeinde machen lassen. Hole dir Männer in die Gemeinde und versuche, so viele zu bekommen, wie du kannst.

6. Suche dir einen geistlichen Vater (1Timotheus 1,2 u. Philipper 2, 22)
Manche denken, dies sei einfach charismatisch, aber letztendlich ist es biblisch. Suche die Nähe von starken Männern, die Weisheit in dein Leben sprechen können. Dies sind Männer, denen du dich selbst unterordnen würdest. Gib ihnen Einblick in Bereiche deines Selbst, die nur deine Frau und deine Kinder kennen. Höre ihren Rat in Bezug auf Familie, Finanzen, Gemeinde, Sex und Verletzungen. Das wird sich sehr positiv auf dein Leben und auf das Leben deiner Gemeinde auswirken.

7. Nimm dir Zeit für deine Frau (Epheser 5)
Es ist einfach, deine Frau gegen die Gemeinde einzutauschen. Mache es ihr leicht, dir gegenüber ehrlich über ihre Gefühle zu sprechen. Nimm dir vor, mit ihr auszugehen, sie zu lieben, ihr zu zuhören und sei romantisch. Erachte sie nicht für selbstverständlich, sie ist wertvoll und verdient dein Bestes. Gib nicht deiner Gemeinde alles, so dass für deine Frau nur noch ein kleiner Rest an Kraft übrigbleibt. Wenn du über die Zukunft der Gemeinde nachdenkst, beachte immer, wie du deiner Frau zeigen und sagen kannst, dass du sie liebst.

8. Fördere die Einheit in deiner Kerngruppe (Philipper 1, 27–28)
Sei dir deiner Überzeugungen für den Dienst bewusst und kommuniziere sie gegenüber deinen Mitarbeitern in der Gemeindegründung. Ihr solltet an drei großen Fronten Einheit suchen: Theologie, Beziehungen und Arbeitsphilosophie. Definiere theologisch geschlossene sowie offene Fragen, prüfe dein Verhältnis mit den anderen Leitern in deiner Gruppe und frage sie explizit, ob sie deiner Philosophie des Dienstes zustimmen. Dies wird Einheit und Gesundheit in der Leitung hervorbringen und zur Langlebigkeit der Gemeindegründung beitragen.

9. Leute werden gehen (Johannes 6, 58–66)
In Johannes 6 haben viele Menschen Jesus verlassen, nachdem er harte Wahrheiten ausgesprochen hat und viele werden auch dich aus diesem Grund verlassen. Deswegen musst du nicht ins Wanken geraten, jedoch solltest du dir anhören, was diejenigen, die gehen, sagen. Du solltest diese Leute nicht ohne ein Abschlussgespräch ziehen lassen, nur weil du verletzt bist. Einige von ihnen haben möglicherweise begründete Kritik. Die Tatsache, dass Menschen die Gemeinde auch wieder verlassen werden, ist ein notwendiger Dorn im Fleisch (2Kor. 12,7–10) und wird dich „auf den Knien“ halten. Tue nicht so, also ob dich der Verlust von Gemeindemitgliedern kalt lassen würde, aber lass dich von der Sache auch nicht übermannen. Manche werden das Gespräch mit dir suchen, andere werden nur eine Mail schreiben. Bei anderen wirst du erst über Facebook erfahren, dass sie eine neue Gemeinde gefunden haben. Obwohl es nicht dein Anliegen ist, dass Leute die Gemeinde verlassen, sollte ein Ausstieg doch geregelt sein. Führe ein Gespräch mit den Leuten, die dabei sind, die Gemeinde zu verlassen, vielleicht gibt es Defizite in der Leiterschaft, auf die du dadurch aufmerksam gemacht wirst. Es muss noch gesagt werden, dass die meisten Menschen nicht völlig aufrichtig über ihre Beweggründe sind, wenn sie die Gemeinde verlassen. Lass dir das Ganze eine Erinnerung daran sein, dass Christus seine Gemeinde baut.

10. Sammele Ressourcen, die für eine lange Zeit ausreichen (Philipper 4, 15–20)
Sichere deinen Lohn und deine Krankenversicherung und einen weiteren Mitarbeiter als allererstes. Wenn du während der Gemeindegründung noch irgendwo eine halbe Stelle hast, um Geld zu verdienen, hast du damit natürlich noch Luft. Jedoch solltest du bereits vor der Gemeindegründung so viel Geld wie möglich angesammelt haben, weil du neben all den Herausforderungen einer Gemeindegründung nicht auch noch eine finanzielle Last tragen willst.

In alledem, liebe Jesus und sein Evangelium. Deine Identität liebt nicht im Erfolg oder dem Versagen bei der Gemeindegründungsarbeit, sondern in Ihm. Auch wenn diese Wahrheit einfach klingt, wirst du dazu neigen, sie zu vergessen. Denk daran, du bist einzigartig und du bist einzigartig, weil Er dich erwählt hat (Joh.15, 16). Die Wahrheit ist, dass du nicht das Zeug dazu hast, um eine Gemeinde zu gründen. Wenn deine Freude also in der Gemeindegründung als solcher und nicht in Christus liegt, wird dies sehr schnell deutlich werden. In diesem Fall wirst du ausbrennen und aufhören oder deine Mitmenschen schlecht behandeln und dich in das Zentrum der Gemeindegründung stellen.

Christus liebt dich und du bist sein Sohn. Er ist nicht für dich gestorben, damit du ein toller Gemeindegründer wirst, sonder er ist für dich gestorben, damit du als sein Sohn lebst – und das ist mehr als genug. Ich bete für dich und wünsche dir viel geistlichen Erfolg.

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Jerome Gay.

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Hier der Artikel als PDF-Datei: 10Tipps.

Themelios 37.1

Screen_Shot_2012-04-02_at_104716_PM-120x159.pngEine neue Ausgabe des internationalen Journals Themelios ist erschienen. Wie üblich enthält die Zeitschrift zahlreiche Buchbesprechungen. Folgende Aufsätze sind enthalten:

  • „The Profit of Employing the Biblical Languages: Scriptural and Historical Reflections“ (Jason DeRouchie)
  • „The Earth Is Crammed with Heaven: Four Guideposts to Reading and Teaching the Song of Songs“ (Douglas Sean O’Donnell)
  • „John Owen on Union with Christ and Justification“ (J. V. Fesko)

Hier geht’s zur Seite mit dem Inhaltsverzeichnis, auf der wie üblich auch eine PDF-Datei mit der Gesamtausgabe heruntergeladen werden kann: thegospelcoalition.org.

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