Allgemein

Sämtliche allgemeinen Beiträge.

Verwinkelte (kostspielige) Postmoderne

Wfm_stata_center.jpgDas Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist eine der führenden Universitäten in den USA (Cambridge). Im Jahr 2004 wurde auf dem Gelände der Uni nach langen, kostspieligen Baumaßnahmen das von Frank Gehry entworfene »Stata Center« fertiggestellt. Der Komplex, der charakteristische Merkmale postmoderner Architektur aufweist, gibt seit dem Anlass für Kontroversen. Angestellte bezeichnen das »Stata Center« als benutzerunfreundlich und extrem beengt. Wie Accociated Press am 6. November berichtete, zeigen sich nun – bedingt durch die ungewöhnlich schrägen und somit witterungsanfälligen Wände – erhebliche bauliche Mängel am Gebäude. Einige Mankos seien sogar sicherheitsgefährdend.

Hermann Bavinck über das Christentum und den Zeitgeist

bavinckkl.jpgDerzeit arbeite ich an einem Manuskript von Hermann Bavinck (1854–1921), das hoffentlich 2008 (erneut) veröffentlicht werden kann. Der niederländische Theologieprofessor erweist sich bei näherer Betrachtung als ein äußerst vielseitiger Mensch, dessen Leben sich im Spannungsfeld von orthodoxem Christentum und moderner Kultur bewegte.

Hier ein wunderschönes Zitat von Bavinck:

Wenn wir das Christentum als für uns nicht passend verwerfen, erweist es sich in demselben Augenblick für uns als unentbehrlich. Wenn die Welt ruft: »Fort mit Christus«, zeigt er gerade in seinem Tode, dass er allein der Welt das Leben gibt. Zu den Inbegriffen, die der moderne Mensch sich über Welt und Leben bildet, passt das Christentum nicht, es steht ihnen diametral gegenüber. Aber desto besser passt es zu Welt und Leben, wie sie in Wirklichkeit sind. Wer sich los macht von den Idolen des Tages, von der öffentlichen Meinung, von den herrschenden Vorurteilen in Wissenschaft und Schule; wer die Dinge mit freiem Blick anschaut, nüchtern und mit offenem Sinn, wer Welt und Menschen, Natur und Geschichte nimmt, wie sie in sich wirklich sind, dem wird sich stets stärker die Überzeugung aufdrängen, dass das Christentum die einzige Religion ist, deren Welt- und Lebensanschauung auf Welt und Leben passt.

C.E.M. Joad über Religion, Wandel und Glaubwürdigkeit

Eine Religion, die sich in einem ständigen Prozess der Revision befindet, um mit dem sich permanent ändernden Weltbild der Wissenschaft übereinzustimmen, mag einerseits leichter zu glauben sein. Aber es fällt schwer zu glauben, dass sie glaubwürdig wäre.

C.E.M. Joad in The Recovery of Belief, London: Faber and Faber, 1955, S. 22. Der britische Philosoph Cyril Edwin Mitchinson Joad (1891–1953) konvertierte kurz vor seinem Tod vom Agnostizismus zum christlichen Glauben.

Ben Stein stellt sich einigen Fragen zum Intelligent Design

Ben Stein, ein amerikanischer Journalist und Entertainer, der im Frühjahr 2008 beim Filmprojekt Expelled – No Intelligence Allowed durch das Programm führen und zahlreiche Wissenschaftler zur Evolutionstheorie befragen wird, hat sich in Bill O’Reilly’s Fernsehshow (Fox News) einigen kritischen Fragen zum Intelligent Design-Konzept (ID) gestellt.

Seiner Meinung nach werden ID-Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten bereits diskriminiert. Stein, der selbst kein überzeugter ID-Anhänger ist, plädiert für mehr Offenheit bei dem Versuch, Fragen nach dem Ursprung des Lebens zu klären. Es zeuge nicht für die Reife eine Gesellschaft, wenn man einigen Leuten den Mund verbiete.

Ein Mitschnitt des (amerikanischen) Interviews kann hier abgerufen werden: youtube.com.

Woody Allen interviewt Billy Graham

Schon mehrmals habe ich aufgeschnappt, dass Woody Allen vor langer Zeit den Evangelisten Billy Graham auf originelle Weise interviewt haben soll. Dank Youtube konnte ich nun das Interview tatsächlich sehen und habe dabei viel gelacht.
Zu dem Interview geht es hier: Interview Teil 1. Den zweiten Teil sollte man sich auch anschauen: Interview Teil 2.

Steht uns eine neue Inquisition bevor?

feuerWährend die Klischeevorstellungen über die Inquisition und den Index verbotener Bücher durch die Öffnung der Vatikanarchive im Jahr 1998 allmählich korrigiert werden, erscheinen am Horizont neue zensierende Geister. Drei Beispiele:

(1) Kürzlich wurde in den U.S.A damit begonnen, die Gefängnisbibliotheken von christlicher Literatur zu befreien, um einer möglichen Fanatisierung der Insassen zuvor zu kommen. Die Liste der weiterhin erlaubten christlichen Literatur umfasst lediglich 150 Bücher. Auch einige Bücher von C. S. Lewis sind in Zukunft nicht erwünscht. (Mark Earley von der Organisation Prison Fellowship hat darüber berichtet und die New York Times informierte in einem Artikel über scharfe Proteste.)

(2) Ebenfalls in den U.S.A. wurde dem renommierten Astronom Guillermo Gonzalez im April 2007 eine Professur verweigert, weil er sich zum »Intelligent Design« bekennt. Wozu haben wir eigentlich all die Antidiskriminierungsgesetze?

(3) Anfang Oktober wird der Europarat darüber tagen, ob der Kreationismus einschließlich »Intelligent Design« eine Gefahr für die Wissenschaft und die Menschenrechte darstellt. Der französische Europapolitiker Guy Lengagne, der das umstrittene (105 Punkte umfassende) Dokument 11375 über die »Gefahren des Kreationismus« wesentlich initiierte, würde gern all jene vom Wissenschaftsbetrieb auszuschließen, die intellektuelle Zweifel an der Evolutionstheorie hegen. Die Argumentationsfigur sieht ungefähr so aus: Da es absolut keinen Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Evolutionstheorie gibt, können Kreationisten und ID’ler nur fundamentalistisch verführte Ignoranten sein. Also:

Wenn wir nicht wachsam sind, sind Werte, die den Kern des Europarates bilden, in Gefahr, von kreationistischen Fundamentalisten bedroht zu werden.

Der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert dürfte an diesem Argument seine Freude haben. Es ist ein klassischer Fall für die »Immunisierung« eines (in diesem Fall ›evolutionistischen‹) Dogmas.

Andreas Dippel hat für das Medienmagazin pro die wichtigsten Hintergrundinformationen über die Debatte im Europarat kompakt zusammengestellt.

Die Europäische Evangelische Allianz ermutigt dazu, auf die Abgeordneten zuzugehen und gegen drohende Denkverbote zu protestieren. Es sei skandalös, dass der suggestive Entwurf des Europarates behaupte, die Demokratie und die Menschenrechte seien durch den Kreationismus gefährdet, heißt es in ihrer Stellungnahme. Eine ähnliche Auffassung vertritt Paul C. Murdoch vom Arbeitskreis der für Religionsfreiheit der Deutschen Evangelischen Allianz in einem Brief an den Leiter der Deutschen Delegation in der Versammlung des Europarats.

Mein Kollege, Freund und Philosoph Thomas K. Johnson hat einen offenen (und zugleich sehr persönlichen) Brief an Senator Guy Lengagne geschrieben. Matthew Cserhati hat für die Hungarian Protestant Creation Research Group in einem Schreiben berechtigten Unmut formuliert. Thomas Torrance, vom Departmen of Economics der School of Management & Languages in Edinburgh hat ebenfalls einen bedenkenswerten Kommentar verfasst. (Alle drei Dokumente biete ich mit freundlicher Genehmigung der Verfasser an.) Die Zensurgeister scheinen sehr nervös zu sein. Hoffen wir, dass sie bald wieder verschwinden.

Interview mit Collin Hansen

Collin.jpgMatthew Hall sprach mit Collin Hansen über das Comeback der reformierten Theologie in den U.S.A. Hansen, der für Christianity Today das Feature über Mark Driscoll verfasste und 2008 ein Buch über die jungen (wilden) Reformierten bei Crossway publizieren wird, deutet den Trend verheißungsvoll. Das Interview mit Hansen über die Renaissance der kalvinistischen Theologie in Nordamerika kann als mp3 heruntergeladen werden: Interview.

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Foto von Collin Hansen mit freundlicher Genehmigung.

War das Familienbild im Dritten Reich vorbildlich?

familie.jpgGegenwärtigen wird heftig darüber diskutiert, ob die Familienwerte während der Zeit des Nationalsozialismus für uns eine Vorbildwirkung haben könnten. Scheinbar waren damals die Familien in Takt, die Rollenverständnisse klar verteilt, die Geburtenraten stimmten. Der Theologe und Soziologe Thomas Schirrmacher sieht das anders. Im Rahmen seiner Arbeit an der Promotion über Hitlers Kriegsreligion verfestigte sich die Einsicht, dass der Nationalsozialismus den verbreiteten Zusammenbruch der Familie mit zu verantworten hat. Er begründet seine Aufassung mit folgenden acht Punkten:

1. alle nichtarischen Familien wurden bis hin zur physischen Ausrottung bekämpft;

2. angeblich rassische Mischehen wurden zur Auflösung gezwungen und es wurde tief in das Menschenrecht auf freie Partnerwahl eingegriffen;

3. man hat alle arischen Familien nicht mehr an irgendwelchen Familienwerten gemessen, sondern allein an ihrer Bedeutung für Volk, Rasse und Krieg;

4. die Rolle der Mütter auf eine biologische reduziert wurden und man für die gefühlsmäßig-seelische Seite der Elternschaft und das Selbständigwerden als Erziehungsziel nur Hohn und Spott übrig hatte;

5. die Kinder den Eltern möglichst früh entfremdet wurden und innerhalb nationalsozialistischer Organisationen neuen ›Vorbildern‹ und Autoritäten unterstellte;

6. durch den Rassekrieg überhaupt erst die ›vaterlose Gesellschaft‹ (Mitscherlich) hervorbracht wurde und nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Kriegsgegnern Millionen Familien zerstörte und das bewusst in Kauf nahm;

7. die Bedeutung der Ehe hintan gestellt wurde, indem der Gedanke eines ›Kindes für den Führer‹ auch ohne feste Beziehung zu dem biologischen Vater (z. B. einem SS-Offizier) propagiert wurde, was die Grundlage des Lebensborngedankens war, und schließlich

8. Hitler selbst verbal sehr frauenfeindlich war.

Die volltändige Stellungnahme kann hier heruntergeladen werden: bq042.pdf.

Das RSI-Syndrom

maus.jpgWer viele Stunden seines Arbeitstages vor dem Bildschirm sitzt und dabei überwiegend die Maus für die Steuerung der Anwendungsdialoge nutzt, kennt das Problem: häufige Schmerzen im Arm und in der Schulter, ausgelöst durch das so genannte RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury-Syndrom). Immer mehr Menschen klagen über solche Beschwerden, seit sich die Kombination Tastatur und Maus als Eingabegeräte etabliert hat. Ich kämpfe nach 20 Jahren Mausbedienung auch mit diesen unangenehmen Beschwerden.

Das Bundesverwaltungsamt (INFO 1691) hat ein Informationsblatt zu diesem Phänomen herausgeben und empfiehlt, anstelle einer Computermaus einen Eingabestift zu verwenden. Ich habe mir vor zwei Jahren tatsächlich ein Grafiktablett von Wacom angeschafft und lebe seitdem etwas schmerzfreier, wenn auch die Umstellung gewöhnungsbedürftig ist und Wacom horrente Preise für das Zubehör verlangt (manchmal müssen Stifte und Cover erneuert werden).

In Europa wird derzeit begonnen, seriös über das RSI-Sydrom zu forschen. Einen guten Artikel von H. Sorgatz über »Repetitive strain injuries« können Sie hier herunterladen.

Von Peter Strahm aus der Schweiz, der selbst auch mit dem Problem kämpft, bekam ich den Hinweis auf Übungen, die die Heilung des RSI-Syndroms begünstigen können. Es handelt sich um Dehnungsübungen für die Therapie eines Tennisarms. Ich habe die Empfehlungen angetestet und tatsächlich eine Verbesserung beobachtet.

Um möglichst gar nicht erst einen Mausarm zu bekommen, sollte man die Sehnen regelmäßig entlasten und den Arm bewegen. Inzwischen gibt es mit Workrave eine kleines Tool, dass ab und an zu Mikropausen und einigen Übungen einlädt. Das Tool gibt es bisher nur für Linux und Windows. Für die MAC-Welt hat Onne Gorter die Software AntiRSI geschrieben, die jedoch bisher keine Übungsanleitungen anbietet.

Ingmar Bergman ist tot

bergmann.jpgAm 30. Juli verstarb Ingmar Bergman im Alter von 89 Jahren. Wie seine Schwester mitteilte, ist der große schwedische Filmregisseur in seinem Haus auf der Ostseeinsel Farö für immer eingeschlafen.

Bergman hat mit seinen Filmen »die Verzweiflung unserer Generation am deutlichsten dargestellt« schrieb der christliche Apologet Francis Schaeffer 1968. Mit Filmen wie Wilde Erdbeeren, Wie in einem Spiegel, Das Schweigen oder Szenen einer Ehe verstand es Bergman, die seelischen Abgründe und die Einsamkeit der modernen Menschen so eindrucksvoll darzustellen, dass man selbst heute noch beim Zuschauen physischen Schmerz empfinden kann. Wie kein anderer zeigte der Schwede, dass Menschen einander nicht selbstlos lieben können und zum Alleinsein verdammt scheinen.

Die ›Billigproduktion‹ Das Siebente Siegel (1957) mit Max von Sydow als Ritter Antonius Block in der Hauptrolle ist einer meiner Lieblingsfilme. Bergmann sagte über den Film: »Das Siegel ist einer der wenigen Filme, die meinem Herzen wirkliche nahestehen« (Bilder, S. 208). Weiter schrieb Bergman zum Film (Bilder, S. 208–209):

Damals lebte ich mit den welken Resten einer kindlichen Frömigkeit, einer völlig naiven Vorstellung von einer, wie man sie nennen könnte, außerirdischen Erlösung.

Zur gleichen Zeit manifestierte sich meine heutige Überzeugung: Der Mensch trägt seine eigene Heiligkeit, und sie ist irdisch, sie verfügt über keine außerirdischen Erklärungen. In meinem Film lebt also ein leidlich unneurotischer Rest einer aufrichtigen und kindlichen Frömmigkeit. Sie vereinigt sich friedlich mit einer schroffen, rationalen Auffassung der Wirklichkeit.

Das Siegel ist einer der absolut letzten Ausdrücke manifester Glaubensvorstellungen, Glaubensvorstellungen, die ich von meinem Vater geerbt und seit der Kindheit mit mir herumgetragen hatte.

Als ich das Siegel machte, waren Gebet und Fürbitte zentrale Realitäten meines Lebens. Das Verrichten eines Gebets war eine völlig natürliche Handlung.

Holger Lahayne hat in einem Artikel Bergmans Weg in den Unglauben nachgezeichnet.

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Die Zitate entstammen: Ingmar Bergman, Bilder, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1991. Abbildung des Buchcovers mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch (der Titel ist nicht mehr lieferbar).

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