Bücher

Gott 9.0

Wer neugierig in der Literatur der emergenten Christenheit stöbert, wird früher oder später darauf stoßen, dass Clare W. Graves und Ken Wilber zu den einflussreichen Impulsgebern der Emerging Church-Bewegung gehören (siehe a. hier). Jüngst haben Tilmann Haberer sowie Marion und Tiki Küstenmacher (beide sind Herausgeber des Beratungsdienstes »simplify your life«) in ihrem Buch Gott 9.0 versucht, die Entwicklungstheorien dieser Autoren mit der christlichen Tradition zu verbinden.

Viele Menschen sind begeistert von Gott 9.0. Auf www.evangelisch.de ist zu lesen: »Seit langem hat mich kein Buch mehr so fasziniert wie dieses … Am liebsten würde ich dieses Buch zur Pflichtlektüre machen für alle, die sich in irgend einer Weise mit Glauben beschäftigen. Prädikat: Unbedingt lesen!« Jesus.de empfiehlt das Buch mit der Note 1.5: »Dieses Buch empfehle ich allen, die sich um ihre Zukunft sorgen und die an einem guten Verhältnis zum lieben Gott interessiert sind.«

Mehr noch: Wer den Autoren von Gott 9.0 folgt, ist »religiös aufgeklärt dank Stufen [und] spirituell erfahren dank Zuständen. So könnte man ein Ziel unseres Buches beschreiben. Wer die Bewusstseinsstufen kennt, hat damit Kriterien an der Hand, um sich mit den inhaltlichen Aussagen seiner spirituellen Lehrer, Theologen oder Gurus kritisch auseinanderzusetzen und hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Es geht darum, beide Stränge, die historische Bewusstseinsevolution und die kontemplative Tradition gleichzeitig zusammenzuhalten und unterscheiden zu können« (S. 238). Das Modell vermittelt nicht weniger als den Gottesstandpunkt: »Der Mensch wird Gottes Augenblick … indem er das sich stufenweise entwickelnde gesellschaftliche Bewusstsein wahrnimmt und anfängt, die Welt mit den Augen Gottes zu sehen. Gott wohnt in unserem Menschsein – in allen seinen evolutionären Entfaltungen« (S. 294). »Marion, Tiki und Tilmann zeigen und in diesem Buch«, schreibt Richard Rohr im Vorwort, »wie wir wachsen: in Richtung Mitgefühl, Inklusivität, Weisheit, Geduld, Nondualität. Wir werden immer weniger Antworten brauchen und immer weniger Kontrolle. So entfaltet sich die Seele stufenweise auf ihrem Weg. So werden wir erwachsener« (S. 11).

Wirklich? Falko Hornschuch hat Gott 9.0 studiert und freundlicherweise TheoBlog.de erlaubt, seine Eindrücke zu publizieren. Vielen Dank!

Wer lesen möchte, wie sehr sich das emergente Denken in den evolutionären Panentheismus verstrickt hat und wie zurückgeblieben sein Erkenntnisstand ist, falls er noch an einen personalen Gott glaubt, sollte sich diese hilfreiche Buchbesprechung zu Gemüte führen.

Hier: Gott9.0_Buch.pdf.

Ein Evangelium in der ganzen Schrift

Dane Ortlund hat in seinem Blog Bücher für eine christuszentrierte Bibellektüre empfohlen. Die Liste ist so gut, dass ich sie hier komplett wiedergebe (in deutscher Sprache ist m.W. nur das Buch von Vaughan Roberts (siehe dazu hier) und die Kinderbibel von Sally Lloyd-Jones erhältlich. Wer mehr weiß, kann mittels Kommentarfunktion gern ergänzen.):

T. Desmond Alexander

G. K. Beale

D. A. Carson

Bryan Chapell

Roy Ciampa

Edmund Clowney

Stephen Dempster

William Dumbrell

Graeme Goldsworthy

Sidney Greidanus

Dennis E. Johnson

Sally Lloyd-Jones

Vaughan Roberts

O. Palmer Robertson

Colin Smith

  • The Plan, TGC Booklets. Crossway, 2011. 30 S.

Michael Williams

Christopher J. H. Wright


Lexikon für Theologie und Kirche

201108151638.jpgDas Nachschlagewerk Lexikon für Theologie und Kirche ist ein wichtiges Referenzwerk in Fragen der katholischen Theologie.

Das »Lexikon für Theologie und Kirche« – als »LThK« zum Markenzeichen für theologische und auch historische Kompetenz geworden – gehört in seiner 3. Auflage (1993–2001) zu den großen, international anerkannten Standardwerken, die sowohl für die theologische Wissenschaft als auch für die kirchliche Praxis unentbehrlich sind. Das »LThK« ist ein deutschsprachiges katholisches Lexikon mit weltkirchlicher und ökumenischer Offenheit. Schwerpunkte der Darstellung sind die katholische Theologie und die katholisch-kirchlichen Verhältnisse im deutschsprachigen Raum. Einbezogen sind der europäischnordamerikanische Raum, die Kirche in der sogenannten Dritten Welt sowie die evangelische und orthodoxe Theologie. Das elfbändige Lexikon bietet 25.000 Stichworteinträge auf über 16.000 Textspalten, die von mehr als 4.500 Autoren verfasst wurden. Jeder Artikel schließt mit einer Übersicht über die wichtigste Literatur, zudem werden Quellen- und Werkausgaben genannt. Das ausführliche Gesamtregister in Band 11 erlaubt den raschen Zugriff auf die im Lexikon enthaltenen Wissensschätze.

Das Lexikon mit 8292 Seiten wird derzeit von einigen Händlern für 79,90 anstelle von 248, Euro abgegeben. Siehe hier (z.B.: bei dem Händler book-service).



Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens

John Stott: Das Kreuz, BuchErfreulicherweise hat die SMD anlässlich ihres 60. Geburtstages im Jahr 2009 John Stotts wichtigstes Buch in deutscher Sprache bei der Francke-Buchhandlung publiziert. Das von Christian Rendel hervorragend übersetzte Werk:

  • John Stott: Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens, Francke-Buchhandlung, 2009, 528 S., 14,95 Euro

kann ich allen TheoBlog-Lesern (also nicht nur den theologisch versierten) von Herzen empfehlen. Eine Kostprobe:

Die Vision

… von Gottes heiliger Liebe wird uns davor bewahren, ihn in karikierter Form zu sehen. Wir dürfen uns ihn weder als einen nachsichtigen Gott vorstellen, der seine Heiligkeit kompromittiert, um uns zu verschonen und zu verwöhnen, noch als einen harten, rachsüchtigen Gott der seine Liebe unterdrückt, um uns zu zermalmen und zu vernichten. Wie aber kann Gott seine Heiligkeit ausdrücken, ohne uns zu verzehren, und seine Liebe, ohne unsere Sünden zu dulden? Wie kann Gott seiner heiligen Liebe Genüge tun? Wie kann er gleichzeitig uns retten und sich Genugtuung geben? Wir antworten an dieser Stelle nur, dass er, um sich Genugtuung zu geben, sich selbst für uns opferte – ja an unsere Stelle trat.

 

G. Beale: Der Tempel aller Zeiten

Gregory Beale gehört zu den renommiertesten Exegeten der Gegenwart. Nachdem er für viele Jahre als Professor für Neues Testament am Wheaton College (USA) unterrichtet hat, lehrt er seit 2011 Biblische Theologie am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (USA). Sein Kommentar zum Buch der Offenbarung ist ein bedeutender Beitrag zur Exegese der Apokalypse. So freue ich mich, dass nun ein Werk von Beale in deutscher Sprache erschienen ist. Das Buch:

  • Gregory Beale: Der Tempel aller Zeiten: Die Wohnung Gottes und der Auftrag der Gemeinde – eine biblisch-heilsgeschichtliche Studie, Bethanien Verlag, 2011, 492 S., 21,90 Euro

untersucht das Thema »Tempel« entlang der gesamten Heiligen Schrift. Der Tempel steht in der Bibel für Gottes Ziel mit seinem Volk: In Ihrer Mitte zu thronen und zu wohnen, um als Schöpfer und Erlöser angebetet zu werden und seine Herrlichkeit in die ganze Schöpfung hinausstrahlen zu lassen.

Beale treibt jedoch nicht nur Exegese zum »Tempelthema« auf hohem Niveau, er schafft es immer wieder, Brücken hin zu unserem Leben zu bauen. Auf diese Weise wird deutlich, wie groß die Berufung der Gemeinde ist. »Unsere Aufgabe als Gemeinde, als Bundesvolk Gottes, besteht darin, als Gottes Tempel so von seiner herrlichen Gegenwart erfüllt zu sein, dass wir uns ausbreiten und die ganze Erde mit seiner Gegenwart ausfüllen …« (S. 449). Nur als wahrhafte Anbeter Gottes können wir diesen wunderbaren Auftrage umsetzen.

Donald Carson schreibt in seinem Vorwort:

Gregory Beale verfolgt im vorliegenden Band das Thema der Wohnung Gottes und des Tempels durch die ganze biblische Heilsgeschichte und beleuchtet dazu viele Texte aus dem AT und NT. Doch er zeigt auch, dass die Bedeutung und die Symbolik des Tempels eng mit den antiken Kulturen verbunden sind, und so gründet sich seine theologische Arbeit nicht nur auf die Auslegung der Schrift, sondern berücksichtigt auch sehr gründlich die Geschichte. Außerdem stellt er einige bahnbrechende Thesen über die Bedeutung des Tempels im AT und NT auf, die den aufmerksamen Leser befähigen, sich ganz neue Zusammenhänge in der Bibel zu erschließen.

Ich danke dem Verlag und den vielen Leuten, die an diesem umfangreichen Projekt mitgearbeitet haben, für ihren Einsatz. Wir haben ein neues Buch aus dem Bereich der biblischen Theologie, das hoffentlich die Aufmerksamkeit vieler bindet.

Hier eine Leseprobe: Beale_Tempel_LeseprobeKap8.pdf.



Gehirn 2.0

Das Magazin SeitenweiseWirtschaft (NZZ) stellt drei Bücher vor, die sich mit der Frage beschäftigen: Wie verändert das Internet unser Denken?

Bitte diesen Link wählen: dl.nzz.solutionpark.tv.

Gottesbeweise

29546.jpgFolgt man dem Alltagsgeschwätz, verbreiteten Lehrbüchern der Philosophie oder der Demagogie des »Neuen Atheismus«, sind seit Immanuel Kant die theoretischen Gottesbeweise erledigt. Kant hatte Gottesbeweise als ehrsüchtige Absichten eingestuft und in den Bereich der über die Grenzen aller Erfahrung hinausgehenden spekulativen Vernunft verwiesen (I. Kant, Kant-W., Bd. 4, S. 693). Niemand, so der akademische Standpunkt mit und nach Kant, würde sich mehr »rühmen können: er wisse, dass ein Gott« sei ( I. Kant, Kant-W, Bd. 4, S. 693.). »Wer die Theologie, sowohl diejenige des christlichen Glaubens als auch diejenige der Philosophie, aus gewachsener Herkunft erfahren hat, zieht es heute vor, im Bereich des Denkens von Gott zu schweigen«, hat uns Martin Heidegger gesagt (zitiert nach Wilhelm Weischedel, Der Gott der Philosophen, Bd. 2, S. 280). Selbst der durchaus »offene« Logiker Franz von Kutschera kommt nach ausführlicher Analyse der bekannten Gottesbeweise zu dem Resümee: »Es gibt zumindest gegenwärtig keinen brauchbaren rationalen Gottesbeweis« (Franz von Kutschera, Vernunft und Glaube, Berlin; New York: de Gruyter, 1991, S. 41).

Hinter den Kulissen steigt allerdings das Interesse an der Gottesfrage (vgl. auch hier). Zwei Beispiele: Erst kürzlich veranstaltete die Universität Tübingen eine Tagung zum Thema »Gottesbeweise als Herausforderung für die moderne Vernunft« mit sehr honorigen Referenten wie Peter van Inwagen, Armin Kreiner, Richard Swinburne oder Robert Spaemann (hier das Programm). Außerdem ist kürzlich eine umfängliche Darstellung der Gottesbeweise von Joachim Bromand und Guido Kreis beim Suhrkamp Verlag herausgegeben worden. Das Buch:

  • Joachim Bromand und Guido Kreis (Hg.): Gottesbeweise von Anselm bis Gödel, Berlin: Suhrkamp Verlag 2011, 20 Euro

versammelt die großen Gottesbeweise des Mittelalters und der Neuzeit ebenso wie die klassischen Einwände von Hume und Kant. Einleitende Essays führen in die Problematik ein und bieten gut verständliche Rekonstruktionen der jeweiligen Argumentationen. Auch die sprachanalytische Debatte wird ausführlich dokumentiert. Dem Mathematiker Kurt Gödel, dessen ontologischer Gottesbeweis bis heute nicht überzeugend widerlegt worden ist (vgl. dazu auch hier), wurde ein ausführliches Kapitel gewidmet (S. 381487). Sogar der Kalām-Beweis von William L. Craig wird eingehend behandelt (S. 564–598). Im Vorwort schreiben die Bonner Autoren:

Hatte Adorno in der Negativen Dialektik noch generalisierend vermutet, daß »übrigens wohl eine jede [Philosophie] um den ontologischen Gottesbeweis [kreist]«, so scheint sich demgegenüber im nachmetaphysischen Zeitalter jeder ernsthafte Versuch eines Gottesbeweises von selbst zu verbieten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die philosophische Debatte über Gott ist seit einigen Jahren wiedereröffnet und aktueller denn je. Einer der Hauptbeiträge der Philosophie zu dieser Debatte liegt im Projekt der Gottesbeweise. In der sprachanalytischen Metaphysik und Logik werden sie seit Jahrzehnten ausführlich diskutiert. Es ist an der Zeit, die entscheidenden Fragen erneut zu stellen: Was sind eigentlich Gottesbeweise, und wozu sollen sie gut sein?

Obwohl die Verfasser sehr viel wert auf Verständlichkeit legen, ist das Buch keine Profanlektüre, teilweise werden Grundkenntnisse der formalen Logik vorausgesetzt. Aber für Philosophen, Theologen und interessierte Laien ist Gottesbeweise von nun an ein unentbehrliches Nachschlagewerk.

Hier eine Leseprobe mit dem Inhaltsverzeichnis.

Doppelt schnell lesen

Mit etwas Übung fliegen die Augen über die Zeilen – und das Verständnis leidet dabei nicht. Das funktioniert, doch die Methoden müssen geübt werden. DIE WELT schreibt:

Schnell-Lese-Techniken können helfen, um den Bücherberg besser in den Griff zu bekommen. Doch wer Erfolg haben will, muss üben. »Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass alles, was man schneller macht, deswegen auch schlechter wird«, sagt der Lesetrainer und Autor Wolfgang Schmitz. »Schnelleres Lesen kann auch heißen: intensiveres Lesen.«

Mehr: www.welt.de.

Der Aufstieg des Westens

201106291006.jpgDer britische Historiker Niall Ferguson stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der Westen die anderen großen Zivilisationen überholen und zeitweise dominieren konnte.

In der Einleitung weist er darauf hin, dass die künftigen Kolonial- und Großmächte Europas um das Jahr 1500 nur 10 Prozent der Landmasse und 16 Prozent der Weltbevölkerung umfassten, aber im Jahre 1913 schon 60 Prozent der Fläche und der Weltbevölkerung beherrschten und 79 Prozent der Weltwirtschaft.

Wie konnte es dazu kommen? Fergusons Antwort verweist auf sechs Faktoren, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist: Wettbewerb, sowohl zwischen den Fürstentümern, Königreichen und Staaten als auch unter den Unternehmen; Wissenschaft, womit im Wesentlichen die Naturwissenschaften und deren Anwendungen in Technik und Militärwesen gemeint sind; sichere Eigentumsund Verfügungsrechte, die zu Rechtsstaat und repräsentativen Demokratien geführt haben; medizinischer Fortschritt und die daraus resultierende Verlängerung der Lebenserwartung; die Erhöhung des materiellen Lebensstandards sowie die Arbeitsethik, die Ferguson ähnlich wie Weber mit dem Protestantismus verbindet.

Mehr hier: www.faz.net.

Die Feldbusch des Protestantismus

Margot Käßmanns weichgespülter Kuschelglaube manifestiert sich in dem Buch Sehnsucht nach Leben. Denken ist überflüssig – man muss ihr einfach glauben. Jemand hat das Buch für DIE WELT gelesen und bissig rezensiert:

Denn die moralisch Gefallene brauchte nur eine blitzartige Turbo-Auszeit von wenigen Monaten, um als Märtyrerin ihrer selbst vom Olymp der Halbgötter hinabzusteigen und dem geistig dürstenden Volk ihre Glaubensbotschaft zu überbringen: Die Gezeichnete als Gesegnete.

»Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand« – das Zitat von Arno Pötzsch, mit dem sie sich vor Jahresfrist in ihr amerikanisches Sühne-Sabbatical verabschiedete, ist derweil zum Leitmotiv ihrer beachtlichen Bücherproduktion geworden.

Der Satz ist so wunderbar handlich und passt zu jeder Lebenssituation. Irgendwo zwischen Hegel und Nina Ruge (»Alles wird gut«) angesiedelt, hilft er dem Gestrauchelten, wieder aufzustehen. Wären die »Pleite-Griechen« nicht Anhänger der orthodoxen Kirche, müsste man ihnen Käßmann ans Herz legen.

»Sehnsucht nach Leben« heißt ihr jüngstes Werk, das sogleich die Bestsellerlisten eroberte. Nach Veröffentlichungen wie »Was ich Dir mitgeben möchte« und »Meine Füße auf weitem Raum« geht es in der schmalen Fibel wieder einmal um das große Ganze: »Sich sehnen, das ist etwas sehr Emotionales, da geht es um ganz Eigenes, es schwingen Lebensfragen, Hoffnungen mit.«

Hier: www.welt.de.

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