CT: Bücher des Jahres
Christianity Today hat 12 Bücher ausgezeichnet, darunter einige solide reformierte Publikationen. Wer mehr wissen möchte, sollte hier vorbeischauen: www.christianitytoday.com.
Christianity Today hat 12 Bücher ausgezeichnet, darunter einige solide reformierte Publikationen. Wer mehr wissen möchte, sollte hier vorbeischauen: www.christianitytoday.com.
Ohne den amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson hätte Friedrich Nietzsche wahrscheinlich kein Wort geschrieben. Das enthüllt eine neue Studie. WELT Online schreibt unter Bezugnahme auf American Nietzsche: A History of an Icon and His Ideas von Jennifer Ratner-Rosenhagen:
Friedrich Nietzsche und Amerika, wie geht das zusammen? Auf den ersten Blick überhaupt nicht. Es scheint keinen Philosophen zu geben, der weniger in die Neue Welt passen würde als der große Einsame aus Deutschland. Nietzsche hat bekanntlich die Massen verachtet und auf die Demokratie gespuckt. Friedrich Nietzsche wurde 1844 in Röcken bei Lützen geboren. 1858 trat er in die berühmte Landesschule Pforta bei Naumburg ein (Foto), 1864 begann er das Studium der Klassischen Philologie und Theologie in Bonn.
Auf die berühmte Formel aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, dass alle Menschen gleich geschaffen und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet worden seien, hätte er vermutlich nur mit verächtlichem Schnauben reagiert. „Die Schwachen und Missratnen sollen zugrunde gehen: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen“, heißt es im „Antichrist“.
Das Christentum hat Nietzsche verabscheut, weil es auf purem Ressentiment, das heißt: auf einer Moral von Sklaven beruhe. In Amerika aber gibt es 1001 Gotteshäuser, in denen wahlweise Gott, Jesus, Allah oder Buddha gehuldigt wird. Und liest sich die Warnung vor dem „letzten Menschen“, die Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“ aussprach – die Warnung vor dem demokratischen Herdentier, das sich mit einem „Lüstchen für den Tag und für die Nacht“ abspeisen lässt – nicht exakt wie eine prophetische Vorwegnahme der amerikanischen Massenkultur?
So könnte man glauben. In Wahrheit aber hat gerade Amerika die Ideen jenes deutschen Zertrümmerers, der die letzten Wahrheiten mit dem Hammer attackierte, begierig aufgesogen. Und umgekehrt war Nietzsche gerade von einem amerikanischen Philosophen angetan: dem Transzendentalisten Ralph Waldo Emerson (1803-1882).
Hier mehr: www.welt.de.
Die amerikanische Romanautorin und Essayistin Marilynne Robinson, die 2005 für ihren Roman Gilead den Pulitzer Preis erhielt, hat in der New York Times ein Essay über den Einfluss der Bibel auf große westliche Literatur thematisiert.
A number of the great works of Western literature address themselves very directly to questions that arise within Christianity. They answer to the same impulse to put flesh on Scripture and doctrine, to test them by means of dramatic imagination, that is visible in the old paintings of the Annunciation or the road to Damascus.
Hier: www.nytimes.com.
Rezension zum Buch:
Weil sich die ersten Christen dem Kaiserkult verweigerten, waren sie mitunter schweren Verfolgungen ausgesetzt. Einige Kirchenväter haben das Problem der Verfolgungen literarisch verarbeitet. Die Schrift Aufforderung zum Martyrium (lat. Exhortatio ad martyrium) des alexandrinischen Kirchenvaters Origenes (185–253 o. 254) gehört zu den theologischen Traktaten, in denen Christen auf Prüfungen vorbereitet und zur Standhaftigkeit im Glauben bis hin zum Martyrium aufgefordert werden.
Die Schrift wurde von Maria-Barbara von Stritzky aus dem Griechischem neu übersetzt und erschien 2010 bei Herder und De Gruyter in der zweisprachigen Werkausgabe als Band 22. Wie alle Schriften in dieser hochwertigen Reihe enthält auch die Exhortatio eine ausführliche Einleitung und ist mit hilfreichen Erläuterungen zum Text versehen. Der Buchsatz ist sehr übersichtlich gestaltet. Im Anhang findet sich neben der Bibliographie ein Bibel- und Origenesstellenregister sowie ein Namens- und Sachverzeichnis.
Die Exhortatio bezeugt durchgehend, dass Origenes beim Schreiben von einer bevorstehenden Verfolgung ausging. Wahrscheinlicher Abfassungsort ist Caesarea Maritima in Palästina, wo sich Origenes nach seiner Exkommunikation aus der Gemeinde in Alexandria um 230 ständig aufhielt. Ob die von ihm befürchtete Verfolgung tatsächlich eintrat, ist unklar.
Maria-Barbara von Stritzky skizziert in ihrer Einleitung fünf Elemente der Martyriumstheologie des Origenes. Das Martyrium ist a) in erster Linie ein Geschenk der Gnade Gottes sowie „eine Berufung, der der Christ gehorchen muss“ (13). Origenes unterscheidet b) zwischen zwei Arten des Martyriums. Beim Martyrium in der Öffentlichkeit steht der Zeugnischarakter im Fokus, das Martyrium im Verborgenen ist dagegen nur Gott bekannt. Der Autor thematisiert c) zudem den Kampf gegen dämonische Mächte. „Origenes weiß um die Versuchungen, von denen die Märtyrer heimgesucht werden, denn der Dämon wendet alle ihm zur Vertilgung stehenden Waffen an, um den Christen zum Abfall vom Glauben zu bewegen. Dazu gehören Täuschung und List ebenso wie der Zweifel hinsichtlich der Notwendigkeit, den Forderungen der staatlichen Behörden zu widerstehen. Diese versuchen teils durch Drohung mit Folter und Schwert die Christen gefügig zu machen, sie teils auch durch Überredung, Verlockung und scheinbar überzeugende Gründe zu bewegen, zur ererbten Religion zurückzukehren“ (18). Das Martyrium ist d) ein Ausdruck der Liebe zu Gott und Nachfolge Christi. „Im Einklang mit der Frühen Kirche betrachtet Origenes das Martyrium als Vollendung des christlichen Lebens. Es ist die dankende und liebende Antwort des Christen auf die Liebe Gottes zu ihm, die in seiner besonderen Berufung besteht und ihn ganz erfüllt“ (20). Das Martyrium wird e) ferner als zweite Taufe zur Vergebung der Sünden interpretiert. Da Christen auch nach der Taufe sündigen können und die Wiedertaufe abgelehnt wird, breitete sich seit dem 3. Jh. die merkwürdige Vorstellung von sündenvergebenden Kraft des Martyriums aus. So spricht Origenes von der Taufe des Martyriums, die den Christen gegeben worden sei (vgl. Exhortatio, 30). Er schreibt der „Bluttaufe“ sühnende Wirkung zu, die denen, die darum bitten, „Vergebung der Sünden“ vermittelt (Exhortatio, 30). Schließlich beschreibt Origenes f) den Lohn, der auf diejenigen wartet, die ihr Leben für Christus hingegeben haben. Märtyrer erlangen das wahre und ewige Heil allerdings nicht aufgrund eigener Leistung, denn Heilsmittler bleibt Jesus Christus. Der „Lohn ist kein irdischer Besitz, sondern die Teilhabe an der eschatologischen Herrschaft Christi, die aus dem Trinken des Leidenskelches resultiert“ (23–24).
Origenes betont in Übereinstimmung mit der platonischen Philosophie die Kostbarkeit der Seele. Die Seele ist zu Schau Gottes geschaffen. Da der Körper die „Seele an der beseligenden Erkenntnis Gottes hindert“, kann er dem Glaubenstod durchaus etwas Gutes abgewinnen. Es gilt, durch das Martyrium die Fessel des Körpers abzulegen, „um in der Gemeinschaft mit Jesus Christus die Ruhe der Seligkeit zu genießen“ (24).
Origenes ermahnt die Gläubigen, unanstößig und friedliebend zu sein (Exhortatio, 42). Nachfolger Jesu ertragen ungerechte Verfolgungen duldsam. „Als Söhne des langmütigen Gottes und Brüder des langmütigen Christus wollen wir Langmut zeigen bei allem, was uns widerfährt“, schreibt der Kirchenvater (Exhortatio, 43). Sie wehren sich mit geistlichen Waffen der Gerechtigkeit und ertragen, was immer auf sie zukommt. Es wäre ein Perversion – bemerkt Jan-Heiner Tück in seiner Buchbesprechung (NZZ vom 22.01.11) – wollte man, wie beispielsweise Jan Assmann, die christliche Märtyrertheologie „mit einem militanten Gotteskriegertum gleichsetzen, das anderen im Namen der Wahrheit Gewalt antut“. Die christliche Antwort auf die Gewalt der Peiniger ist Gewaltlosigkeit. „Der Zeuge Christi, der sich in diesem Kampf bewährt, erduldet Gewalt, aber er übt sie nicht.“
Ron Kubsch
Zur Zeit wird von Amazon eines der wichtigsten Bücher der abendländischen Zeitgeschichte gratis in einer digitalen Kindle Version angeboten.
Auch PC-Anwender oder iPad-Nutzer können das Buch erwerben, wenn sie die entsprechende Kindle-Anwendung installieren.
Zuschlagen!
Mein persönliches Buch des Jahres 2011 heißt:
Billings ist ein kenntnisreicher und eigenständiger Denker. Dieses Buch erörtert das Thema der Christusgemeinschaft nicht nur auf akademisch-theologischen Niveau, sondern aktualisiert es auf persönliche und faszinierende Weise für das kirchliche Leben.
Zum Buch schreibt der Verlag:
Accomplished theologian J. Todd Billings recovers the biblical theme of union with Christ for today’s church, making a fresh contribution to the theological discussion with important applications for theology and ministry. Drawing on Scripture and the thought of figures such as Augustine, Calvin, Bavinck, and Barth, Billings shows how a theology of union with Christ can change the way believers approach worship, justice, mission, and the Christian life. He illuminates how union with Christ can change the theological conversation about thorny topics such as total depravity and the mystery of God. Billings also provides a critique and alternative to the widely accepted paradigm of incarnational ministry and explores a gospel-centered approach to social justice. Throughout, he offers a unique and lively exploration of what is so amazing about being united to the living Christ.
Ich möchte mich bei allen Lesern des Theoblog auch in diesem Jahr herzlich für das Interesse an den Beträgen und Disputen bedanken! Herzliche bedanke ich mich auch bei den Kommentatoren!
Etliche Leute haben 2011 wieder Bücher oder DVD’s über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier) oder über den Buchladen geordert. Danke!
Ich möchte mich durch eine kleine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Jeder Blog-Leser hat die Chance, in der Weihnachtszeit ein Päckchen mit dem Buch Vom Gottesstaat (De civitate Die) zu erhalten. Über das wohl bekannteste Werk des Kirchenvaters Augustinus schreibt der Verlag:
Nach seinen berühmten „Bekenntnissen“, in denen Augustinus seine Bekehrung zum Christentum erzählte, entstand in den Jahren 413-426 die zweite philosophisch-theologische Abhandlung „Vom Gottesstaat“. Sie umfaßt 22 Bücher und ist als Verteidigungsschrift angelegt, weil man dem Christentum den Untergang des römischen Reiches anlastete. Die Zurückweisung dieses Vorwurfs und Rechtfertigung sind Gegenstand der ersten 10 Bücher. In den folgenden aber entwickelt der große abendländische Kirchenlehrer seine Theorie vom Gottesstaat, der als moralische Instanz dem von Selbstliebe und Eigennutz geprägten Weltstaat überlegen ist. Basis dieses weltgeschichtlichen Erklärungsmodells, das das Geschichtsbild und alle Geschichtstheorien bis in die Neuzeit wesentlich mitgeprägt hat, ist die Offenbarung.
Um Empfänger des Buches mit über 1000 Seiten werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:
Vielen Dank fürs Mitmachen!
Greg Beale hat ein neues Buch publiziert:
Der Verlag schreibt:
In this comprehensive exposition, a leading New Testament scholar explores the unfolding theological unity of the entire Bible from the vantage point of the New Testament. G. K. Beale, coeditor of the award-winning Commentary on the New Testament Use of the Old Testament, examines how the New Testament storyline relates to and develops the Old Testament storyline. Beale argues that every major concept of the New Testament is a development of a concept from the Old and is to be understood as a facet of the inauguration of the latter-day new creation and kingdom.
Offering extensive interaction between the two testaments, this volume helps readers see the unifying conceptual threads of the Old Testament and how those threads are woven together in Christ. This major work will be valued by students of the New Testament and pastors alike.
Obwohl der Name es nahelegt, handelt es sich also nicht um eine klassische Theologie des Neuen Testaments. Was genau hinter dem Buch steckt, erklärt Beale in diesem Video selbst:
Hier ein Auszug aus dem Buch (The Eschatological Storyline of the Old Testament: The Old Testament Focus on the Latter Day): 9780801026973.pdf.
Frank Schirrmacher ist ganz begeistert vom neuen Buch des Anthropologen David Graeber. Debt zeige uns, wo wir heute stünden. Schirrmacher schreibt:
Was geschieht, ist größer als das, was wir davon lesen. Und auch wenn ein Teil der ökonomischen Kommentatoren versucht, die gegenwärtige Krise von der Finanzkrise des letzten Jahrzehnts abzukoppeln, so wird eine spätere Geschichtsschreibung den Zusammenhang ohne weiteres erkennen. Graebers Text ist eine Offenbarung, weil er es schafft, dass man endlich nicht mehr gezwungen ist, im System der scheinbar ökonomischen Rationalität auf das System selber zu reagieren. Diese Tautologie hat in den letzten Monaten im Zentrum eines funktionsunfähigen Systems dazu geführt, dass praktisch alle Experten einander widersprechen und jeder dem anderen vorwirft, die Krise nicht zu verstehen. Diese enorme Entmündigung hat nichts mehr mit Rationalität, sondern mehr mit Intuition, nichts mehr mit Wissenschaft, sondern mit Theologie zu tun.
David Graebers Geschichte, übrigens die erste ihrer Art aus der Hand eines Anthropologen, zeigt den historischen Ort, an dem wir stehen. Schon die Erzählung zeigt, dass es nicht gut ist, die Erörterung der Schuldenkrise einem Kreis streitsüchtiger Ökonomen zu überlassen. Praktisch alle Aufstände, Umstürze und sozialen Revolutionen der europäischen Geschichte, schreibt Graeber, entstanden aus einer Situation der Überschuldung. Die scheint eine der größten Kräfte in der Entfesselung von Unruhe und Revolte zu sein und eine der über Generationen zyklisch wiederkehrenden Lebensbedrohungen – sowohl für den Einzelnen wie für die etablierte Macht.
Man wird den Anarchismus Graebers nicht teilen müssen, um von dem Buch zu profitieren. Wer sich für die Schuldenkrise interessiert, wird das Werk kaum ignorieren können. Allerdings lässt es sich nicht über Nacht lesen; es zählt 544 Seiten.
Hier zum Einstieg ein Interview mit Graeber über Debt.
Teil 1:
Teil 2:
Das neue Jahrbuch zur Christenverfolgung:
ist soeben erschienen.
Idea schreibt:
Droht die arabische Welt zu einer christenfreien Zone zu werden? Aufgrund von Diskriminierungen durch radikale Muslime verlassen immer mehr Angehörige christlicher Minderheiten den Nahen und Mittleren Osten. Darüber wird im Jahrbuch zur Christenverfolgung »Märtyrer 2011« informiert, das jetzt zum elften Mal als Dokumentation der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erschienen ist. Die »Entchristlichung« der arabischen Welt sei »die derzeit quantitativ schwerwiegendste Verletzung der Religionsfreiheit weltweit« und habe in den letzten Jahren einen „dramatischen Höhepunkt“ erreicht, schreibt der Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn). »Während die meisten arabischen Landstriche bereits frei von Juden sind, zeichnet sich für die viel zahlreicheren Christen der Region eine ähnliche Entwicklung ab.« Die Umstürze in mehreren arabischen Ländern führten nicht automatisch dazu, dass religiöse Minderheiten besser behandelt würden. So unternehme die Übergangsregierung in Ägypten oft noch weniger, um islamistische Gewalt gegen Kirchen einzudämmen, als der zuvor herrschende Staatspräsident Husni Mubarak. »De facto werden heute in Ägypten mehr Kirchen angezündet, mehr Christen getötet, mehr christliche Mädchen entführt und mit Muslimen zwangsverheiratet als in früheren Jahren«, so Schirrmacher. Es sei ein Irrtum islamischer Länder zu meinen, dass zu große Religionsfreiheit Unruhe und Gewalt hervorbringe. Der Zwang zu einer einheitlichen Religion schaffe nicht Frieden und Ruhe im Land, sondern sorge für ständige Spannungen der Mehrheitsbevölkerung mit ethnischen, sozialen oder religiösen Minderheiten.
Das Buch kann für 9,90 Euro bestellt werden. Das Gebetsheft zum Weltweiten Gebetstag für Verfolgte Christen am 13. November 2011 gibt es hier: IDOP-2011-04.pdf.
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