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Feuilleton & Kunst

Vorträge der ›The Gospel Coalition-Konferenz 2009‹ online

Audio und Video-Mitschnitte der gerade zu Ende gegangenen The Gospel Coalition-Konferenz sind im Internet abrufbar. Hier einige (wahrscheinlich) sehr hörenswerte Vorträge:

Ich habe bisher nur den Vortrag von Fernando Ajith hören können. Er spricht über die Gefahren einer ›Über-Kontextualisierung‹ des Evangeliums und steigt mit der Feststellung ein, dass das Evangelium die Schamkultur seiner Heimat Sri Lanka radikal hinterfragt. Zugleich betont er den kultursensitiven Dienstcharakter, der uns als Christen auszeichnen sollte. Was Fernando Ajith über den Zusammenhang von Gemeindewachstum und Leiden (um des Evangeliums willen) sagt, macht mich sehr nachdenklich. Ist der wachsende Druck, den Christen in vielen Ländern zu spüren bekommen, Gottes Antwort auf unsere Gebete für Erweckung?

Ego online ergo sum I

Nicht nur die Konjunktur betreffend werden wir Nachrichten-Konsumenten heute mit einem großen Kuddelmuddel konfrontiert. (Aussicht auf Besserung und die totale Krise können einem Surfer gelegentlich zeitgleich auf einem Informations-Portal begegnen und lösen dann irgendwie Ratlosigkeit aus.) Kuddelmuddel lässt sich auch bei den berufenen ›Netzkritikern‹ finden. Peter Neitzsch geht für SPIEGEL-Online der Frage nach, ob Facebook dumm macht und zieht dafür eine neue Studien der Ohio State University heran.

»Es gibt eine signifikante Beziehung zwischen der Verwendung von Facebook und schwachen Noten«, sagt Aryn Karpinski, Autorin der Studie. Vor allem Undergraduates, also jüngere Studenten, zählten zu den Mitgliedern bei Facebook. Doch auch bei Studenten in höheren Semestern macht sich der Effekt bemerkbar: Die Netzwerker unter ihnen haben ebenfalls die schlechteren Noten, fanden Karpinski und ihr Kollege Adam Duberstein von der Ohio Dominican University heraus.

Andrew Keen, der Antichrist des Web 2.0 und Autor von Die Stunde der Stümper, sieht dagegen bessere Zeiten auf uns zukommen und spricht im SPIEGEL-Online-Interview über Talent-Marketing im Web 3.0 und die Vorzüge des Microbloggings.

Seit dem Erscheinen meines Buches hat die Blogosphäre an Bedeutung verloren, während neue Dienste wie Twitter die alte Hierarchie der Experten stützen. Dieses Phänomen könnte man Web 3.0 nennen. Jedenfalls bin ich zuversichtlicher gestimmt als vor zwei Jahren.

Wie auch immer: Wir sollten nicht zulassen, dass die sozialen Netzwerke der digitalen Welt unser Leben lenken oder ›face to face‹-Begegnungen ersetzen.

Sind Evangelikale eine Bedrohung für die offene Gesellschaft?

51esVN3NrLL._SL160_.jpgDie ARD Journalisten Oda Lambrecht und Christian Baars haben ein viel beachtetes Buch über die Evangelikalen geschrieben (vgl. hier). In ihrem Werk Mission Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland stellen sie die These auf, dass ein Netzwerk evangelikaler Glaubensgemeinschaften Minderheiten diskriminiert, gegen Andersgläubige hetzt und nach politischer Macht greift. Das Buch vermitteltet über viele Seiten hinweg den Eindruck, die nutzlosen Evangelikalen seien eine fundamentalistische Bedrohung für eine sonst weitestgehend offene Gesellschaft.

Thomas Schirrmacher hat das Buch kritisch gelesen und in einem Kommentar herausgearbeitet, dass sich die Agitation der Autoren stellenweise gegen alle Christen mit festen Glaubensüberzeugungen wendet, dabei allerdings die Evangelikalen in ein besonders schlechtes Licht gerückt werden:

Das Buch redet durchgängig so abfällig über die Evangelikalen, dass man sich fragt: Soll ihnen das Wahlrecht entzogen werden? Soll ihnen der Zugang zu den Medien verboten werden? Sollen sie auswandern? Für mich wirkt das ganze Buch über weite Strecken so, als wenn man eine unliebsame Gruppe, deren gesellschaftliches Engagement man ablehnt, undemokratisch vom Markt werfen will. Haben die 1,4 Millionen Evangelikale denn kein Recht, wie alle anderen auch friedlich in der Demokratie ihre Stimme zu erheben? Evangelikale sollen keinerlei staatliche Zuwendungen aus Steuergeldern mehr erhalten (MG 198) – was nebenbei sowieso selten der Fall ist. (Sollen die Evangelikalen denn dann auch keine Steuern mehr zahlen?) Die Behörden sollen endlich gegen Heimunterricht schärfer vorgehen (MG 198–199), also noch schärfer, als es die staatlichen Gerichte zulassen? Und dass, wo Deutschland dass schärfste Schulpflichtgesetz eines freien Landes weltweit hat? Dass in Deutschland mindestens die Hälfte der Homeschooler nichtreligiöse Motive haben, dass es eine linksgerichtete Unschoolingbewegung gibt, dass mehrere Erziehungswissenschaftler an deutschen Universitäten Homeschooling unter staatlicher Kontrolle prinzipiell für gleichwertig und in bestimmten Fällen – etwa für Hochbegabte – sogar für empfehlenswert halten, wird verschwiegen, ebenso, dass die Masse der Evangelikalen die Homeschooler ablehnen und es darüber eine heftige innerevangelikale Diskussion gibt. Die Autoren diskutieren ernsthaft, ob sich das Verbot religiöser Werbung in Rundfunk und Fernsehen nicht auch auf Sendungen bezieht, die man als Missionierung Andersgläubiger verstehen könnte (MG 181). Da sie gleich noch die steigende Zahl »bibeltreuer Internetseiten« erwähnen (als wenn nicht die Zahl der Internetseiten aller Gruppen, die sich im Web tummeln, stiege), dürften sie das wohl auch einschränken wollen. Da die Autoren gleich anschließend gegen die Ausstrahlung eines freikirchlichen Gottesdienstes im ZDF wettern (MG 182–185), dürfte ihr Anliegen klar sein. Jedenfalls fehlt jedes Bekenntnis, dass Evangelikale dasselbe Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit haben, wie alle anderen auch. Denn es sollte selbst dann eingeschritten werden, wenn die zuständige Medienaufsicht (MG 181) keine rechtliche Handhabe sieht!

Die Rezension kann hier herunter geladen werden: kommentar_schirrmacher.pdf.

Knowing

Knowing.jpgAm Freitag gab mir mein Freund Cristiano aus Brasilien den Tip, mit meinem Sohn ins Kino zu gehen und den Film Knowing anzuschauen. Obwohl die Filmkritiken verhalten ausgefallen sind, lud ich gestern tatsächlich meinen Sohn und einen seiner Freunde ins Kino ein und habe mir den Film angeschaut.

Regisseur Alex Proyas, bekannt durch seinen Kinoerfolg I, Robot, thematisiert in düsterer Atmosphäre die Frage nach dem Sinn des Lebens zwischen Determinismus und Zufall. (Wer diesen Film genießen will, sollte an Mystery-Thrillern zumindest ein wenig Gefallen finden.)

Zur Handlung: Im Jahre 1959 zeichnen Schüler bei der Einweihung einer Grundschule ihre Zukunftsvisionen auf ein Blatt Papier. Die Bilder werden in eine Zeitkapsel gesteckt und während des 50jährigen Schuljubiläums im Jahre 2009 wieder ans Tageslicht geholt und unter den Schülern verteilt. Caleb, der Sohn des Astrophysikprofessors John Koestler (Nicolas Cage), erhält merkwürdigerweise keine bunte Zeichnung, sondern ein Blatt voller Zahlenreihen. John Koestler, der spätestens seit dem Tod seiner Frau Zyniker ist, trinkt und sich vom christlichen Glauben seiner Eltern verabschiedet hat, kann die Zahlenreihen entschlüsseln. Die scheinbar willkürlichen Reihen entpuppen sich als präzise Angaben über Zeit, Ort und Opferzahl von Katastrophen. Drei der bezeichneten Katastrophen stehen noch aus. Zusammen mit Diane Wayland (Rose Byrne), der Tochter des Mädchens, das 1959 die Zahlenreihen schrieb, versucht der Astrophysiker die noch ausstehenden Katastrophen zu verhindern. Der Film entwickelt sich von nun an in ein beklemmendes Endzeitdrama mit deutlich biblischer Symbolik (besonders an das dritte Kapitel des 2. Petrusbriefes musste ich immer wieder denken).

Proyas vernüpft im letzten Drittel des Films die Ausweglosigkeit der Apokalypse mit einem »Glaubenswechsel« bei John. Es scheint, als ob die innigen Gebete seiner kleinen Schwester in Erfüllung gehen. Der Professor trennt sich vom Naturalismus und kehrt in das »Haus den Vaters« zurück. Obwohl die Schlussszenen auf mich etwas verkitscht wirkten, ist der Film von Anfang bis zum Ende spannend und sehenswert. Er lädt außerdem zum Gespräch über Determinismus, Eschatologie und Glaube ein, genau so wie Cristiano mir das vermittelt hat. Dass Knowing in unserem Kino mit »FSK 12 Jahre« ausgeschrieben war, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Der Zuschauer braucht starke Nerven, die ein zwölf Jahre altes Kind (hoffentlich) noch nicht hat.

Das soziale Netzwerk der ›Gospel Coalition‹

default_promo.jpgKürzlich habe ich auf einen kurzen Clip über die ›Gospel Coalition‹ verwiesen. Obwohl in Deutschland bisher kein vergleichbares Netzwerk existiert, können Gleichgesinnte nun auch in Europa über eine kleine Plattform im Internet miteinander kommunizieren.

Was die ›Gospel Coalition‹ möchte, wird in einem kleinen Text zum Selbstverständnis erklärt:

We are a fellowship of evangelical churches deeply committed to renewing our faith in the gospel of Christ and to reforming our ministry practices to conform fully to the Scriptures. We have become deeply concerned about some movements within traditional evangelicalism that seem to be diminishing the church’s life and leading us away from our historic beliefs and practices … These movements have led to the easy abandonment of both biblical truth and the transformed living mandated by our historic faith. We not only hear of these influences, we see their effects. We have committed ourselves to invigorating churches with new hope and compelling joy based on the promises received by grace alone through faith alone in Christ alone …

Die Technologie hinter dem Netzwerk basiert auf der Plattform THE CITY von der Mars Hill Church. Zu den Mitglieder gehören Leute wie Mark Dever, Ligon Duncan oder Don Carson. Leider wird bisher nur auf Englisch kommuniziert. Aber vielleicht ändert sich das ja, wenn genug Leute aus dem deutschsprachigen Raum angemeldet sind?!

Ich habe mich bei THE CITY eingeloggt und bin gespannt, was sich da so ergibt. Wer ähnliche Anliegen wie die ›Gospel Coalition‹ verfolgt und das Angebot kennenlernen möchte, kann hier ein Konto eröffnen: tgcn.onthecity.org.

VD: AW

Ausstellung: Die Reformierten in Europa und Deutschland

plakat_180.jpgDas Deutsche Historische Museum (Berlin) und die Johannes a Lasco-Bibliothek (Emden) haben für die Zeit vom 1. April bis zum 19. Juli 2009 die Ausstellung »Calvinismus: Die Reformierten in Deutschland und Europa« organisiert. Zur Ausstellung heißt es:

Das Wirken des vor 500 Jahren geborenen Genfer Reformators Johannes Calvin ist als Teil der Kulturgeschichte Europas nur zusammen mit den religiösen und politischen Fragen zu begreifen. Die Erneuerung von Kirche und Staat war seit dem 15. Jahrhundert eine dringliche Aufgabe. Eine frühe Reformbewegung ging von Jan Hus aus. Er wurde als Ketzer auf dem Konstanzer Konzil 1415 verurteilt. Rund ein Jahrhundert später griffen humanistisch-evangelische Kreise in Europa die Glaubenslehre Martin Luthers auf und führten sie fort. Radikalere Kirchenkritiker wie Ulrich Zwingli und Calvin forderten die Neuorganisation der Kirche und die Reformation des Lebens. Allen Reformbewegungen gemeinsam war die starke Rückbesinnung auf die Heilige Schrift.

Die Auseinandersetzung um den rechten Glauben prägte die folgenden Jahrhunderte. In Deutschland konnte sich das reformierte Bekenntnis neben der Lehre Martin Luthers nur in einzelnen Regionen dauerhaft etablieren. In weiten Teilen Nord- und Westeuropas aber wurde es zur bedeutendsten evangelischen Glaubensrichtung, mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen an einzelnen Orten: Von Schottland bis Ungarn folgten Menschen der neuen Lehre und nahmen dafür Vertreibung und Flucht in Kauf. Sie entwickelten ein intensives Gemeindeleben und ein dichtes, regionen- und länderübergreifendes geistiges, caritatives und politisches Netzwerk.

Wie nur wenige Personen entfaltete der Genfer Reformator eine tiefe, bis heute andauernde Wirkung auf Wissenschaft, Politik, Kunst und Mentalitäten. Reformierte Ideale wie Arbeitsethos und Zeitmanagement scheinen heute im Alltag ebenso wiedererkennbar wie in gesellschaftlichen Normen und staatlichen Ordnungen. Calvinistische Bürger prägten die Ausformung eines modernen Wirtschaftssystems, calvinistische Politiker waren bestimmend in der Entwicklung einer modernen, republikanischen Staatlichkeit.

Mehr Informationen auf der Internetseite: www.dhm.de.

God, Marriage & Family

519Q8HTKFJL._SL160_.jpgSelten waren Kirchen, Gemeinden und einzelne Christen in Familienfragen so verunsichert, wie das derzeit der Fall ist.

Mark Discoll empfiehlt in einem kurzen Videomitschnitt das Buch God, Marriage & Family von Andreas J. Köstenberger. Köstenberger ist wirklich ein ausgezeichneter Exeget. Bibelausleger sowie Leute im pastoralen Dienst sollten seine Ergebnisse zur Kenntnis nehmen.

Der Verlag schreibt zum Buch:

We live in a time of crisis regarding marriage and the family, and only by a return to the biblical foundation can these institutions be rebuilt. To provide an integrated, biblical treatment of the full range of marriage and family issues, the authors of God, Marriage, and Family examine what Scripture says about God’s purposes for humans in their marriage and family interactions. Their examination covers the special issues stemming from marriage, childrearing, singleness, homosexuality, and divorce and remarriage. With study questions and points for further discussion, this book is a comprehensive yet concise resource for anyone seeking a Scriptural response to our culture’s complex challenges to God’s intentions for marriage and family.

Hier der Clip von Marc Driscoll: vimeo.com. Das Buch heißt:

  • Andreas J. Köstenberger: God, Marriage, and Family: Rebuilding the Biblical Foundation, Crossway Books 2004, 448 S.

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VD: JT

Neue deutsch-englische Bibel

51uCRfkOvDL._SL160_.jpgDer Verlag Crossway hat eine Bibel herausgegeben, die die deutsche Lutherübersetzung von 1984 und die English Standard Version im Zwei-Spalten-Satz miteinander vereint. Die Bibelausgabe enthält damit zwei sehr hochwertige Bibelübersetzungen (zur den Übersetzungsprinzipien der ESV siehe hier). Auch die Anmerkungen sind zweisprachig.

  • German-English Parallel Bible-PR-ESV/Luther, Crossway Books, Auflage: Bilingual, 2009, 2432 S.

Für Leute, die Englisch lernen, kann diese Bibelausgabe hilfreich sein (auch wenn sie mit ca. € 65,00 recht teuer ist).

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