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Evangelikal, weiblich, befreit – Beth Barrs Buch über „Biblische Weiblichkeit“

51kJBZidb4S SY264 BO1 204 203 200 QL40 ML2Beth Allison Barrs einflussreiches Buch The Making of Biblical Womanhood versucht, die historischen Wurzeln der „biblischen Weiblichkeit“ aufzuzeigen. Es ist alles in allem eine polemisch-kritische Abrechnung mit dem Komplementarianismus (bedeutet vereinfacht so viel wie: die beiden Geschlechter ergänzen einander in ihrer Unterschiedlichkeit). Nach Barrs sind die Bibeltexte in einer patriarchalischen Kultur entstanden und kommunizieren daher auch die Unterschiedlichkeit zwischen Mann und Frau sowie eine Ordnung, in der der Mann das Oberhaupt der Familie ist und die Kirchengemeinden von Männern geleitet werden. Allerdings transportiere die Bibel diese Vorstellungen nur, weil sie von Menschen geschrieben sei. Die kulturbedingten Annahmen seien nicht das, was Gott kommunizieren wolle. Gott möchte etwas anderes sagen, nämlich, dass wir Menschen uns zum Guten hin entwickeln sollen.

Dass dieses Buch sowohl in Nordamerika wie auch in Europa großen Zuspruch erfährt, kann kaum überraschen. Die Dekonstruktion konservativer Werte (die übrigens nicht per se biblisch sein müssen) ist in einer emanzipativen Kultur in der Regel sehr willkommen. Der semi-emergente Scot McKnight schreibt etwa: „Barrs sorgfältig ausgewählten historischen Beispiele, vor allem die aus dem Mittelalter, fügen sich zu einer brillanten, donnernden Erzählung zusammen, die das komplementäre Narrativ entlarvt. Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen.“

Ein sehr gutes Beispiel für die völlig unkritischen Aufnahme der Thesen von Beth Allison Barrs ist ein Beitrag, den der Deutschlandfunk kürzlich veröffentlicht hat. Barrs wird dort euphorisch als eine Wissenschaftlerin und Historikerin gefeiert, die erfolgreich gegen die Unterdrückung der Frauen in den evangelikalen Kirchengemeinden kämpft. Nicht eine kritische Frage wird gestellt. Es kommt niemand zu Wort, der die Dinge anders beurteilt. Keiner macht sich die Mühe, herauszufinden, ob ihr hermeneutischer Ansatz redlich ist. Beth Allison Barrs setzt sich für emanzipierte Glaubensvorstellungen ein und deshalb muss das Buch einfach gut sein. Punkt.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin der Meinung, dass Vertreter der komplementären Sichtweise immer in der Gefahr stehen, Gepflogenheiten der Gegenwartskultur oder eigene sündhafte Begierden mit einem biblischen Mandat zu verwechseln. Ich selbst sehe manche Spielarten dieser Sichtweise skeptisch. Von daher ist es wichtig, dass sich jede Generation neu vergewissert, was die Heilige Schrift zu diesen Themen sagt. Gleichzeitig ist es jedoch möglich, dass Vertreter egalitärer Sichtweisen die Anliegen ihrer Gegenwartskultur in die Bibel hineinlesen. Und es ist nicht nur möglich. Es lässt sich zeigen, dass dies oft passiert.

Hier also erstens der Beitrag des DLF über das Buch The Making of Biblical Womanhood:


Für Leute, die herausfinden möchten, ob Beth Allison Barrs das Buch als Wissenschaftlerin oder als Aktivistin geschrieben hat, empfehle ich zweitens eine ausführliche Rezension von Kevin DeYoung (Themelios, Vol. 46 (2), 8/2021, S. 402–412). Sein Fazit:

Barrs historisches Argument „funktioniert“, weil es ausgeschlossen ist, dass es nicht funktioniert. Welche Beweise man auch immer vorbringen mag – aus der Bibel, von Theologen aus allen Epochen oder aus der menschlichen Natur selbst –, die für die männliche Leiterschaft in der Kirche und im Haushalt sprechen, oder für die hohe Berufung der Mutterschaft oder für den allgemeinen Grundsatz, dass Männer führen, beschützen und versorgen sollten, all das kann als Patriarchat abgetan werden. Im Gegensatz dazu kann jedes Zeugnis, das zeigt, dass Frauen andere lehren oder Führungsaufgaben wahrnehmen – ganz gleich, um welche Art von Führung oder Lehre es sich handelt, ganz gleich, in welchem historischen Kontext oder wie zuverlässig die historischen Quellen sind, und ganz gleich, wie sehr die Frauen selbst darauf bedacht waren, die Grenzen der Autorität nicht zu überschreiten – all das zählt als Widerstand gegen das Patriarchat. Angesichts dieser Hermeneutik und angesichts der gesamten menschlichen Geschichte, mit der man arbeiten kann, können Barrs These und ähnliche Thesen nicht scheitern. Sie ist nicht falsifizierbar. Jedes bisschen Patriarchat bedeutet, dass sie recht hat, und jedes bisschen Nicht-Patriarchat bedeutet, dass sie auch recht hat.

Das alte Evangelium neu entdecken

Das alte Evangelium neu entdecken CoverDas Booklet Das alte Evangelium neu entdecken enthält das Einführungsessay von Dr. J.I. Packer, das der Neuherausgabe des Originalwerks von John Owen, The Death of Death in the Death of Christ, vorangestellt war. Das Essay ist einer der meistgelesenen Texte Packers und hat – obwohl die Erstveröffentlichung schon über 60 Jahre zurückliegt – seine Aktualität nicht verloren. Es enthält eine pointierte Darstellung und Verteidigung des „alten“ Evangeliums und lässt sich unabhängig vom Werk Owens lesen. Packer beleuchtet sehr klar die Folgen für den Glauben und die Predigt, wenn das „alte“ durch ein anderes, „neues“ Evangelium ersetzt wird.

Das Booklet kann hier als PDF-Datei heruntergeladen oder als Druckversion bestellt werden: www.evangelium21.net.

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Transformative Ethik – eine selbstgestrickte Anleitung zum „gelingenden Leben“

Christoph Raedel und Bernd Wannenwetsch haben eine sachliche und notwendige Kritik der Transformativen Ethik von Thorsten Dietz und Tobias Faix verfasst. Ich kann nur hoffen, dass dieses auf drei Bände angelegte Werk es nicht in die evangelikalen Ausbildungsstätten schafft. Es gab ja schon allerlei Versuche, den Entwurf hochzuloben. Steffen Kern, neuer Präses des Gnadauer Verbandes, schrieb etwa:

Diese Ethik ist in vielfacher Hinsicht ein besonderes Buch: Die Autoren machen ihre Glaubens- und Denkgeschichte selbst zum Thema, reflektieren ihre theologische Existenz und wissenschaftliche Perspektive innerhalb der großen Geschichte Gottes mit seiner Welt, um in der weiten Landschaft der Multioptionalität Wege zum Leben zu eröffnen.

Ist Selbstreflexion das, was man von einer Ethik erwartet? Trifft hier nicht genau die Kritik am postmodernen Ethos, die Nils Heisterhagen formuliert hat: Das postmoderne Subjekt schaut immer mehr auf sich, die Kategorie des Allgemeinen ist aufgegeben? Landen wir so bei einer expressionistischen Ethik?

Der FeG-Pastor Sebastian Rink, selbst Unterstützer der Initiative Coming-in, hat sogar geschrieben:

Thorsten Dietz und Tobias Faix ist nicht weniger gelungen als eine Ethik für die Gemeinde! Mit ihrem Anspruch, die Ethik bei den biblischen Narrativen beginnen zu lassen, zielen sie – sicher aus Überzeugung – besonders auf Gemeinden und Christ:innen, die sich in irgendeiner Weise als „evangelikal“ verstehen und von der Bibel her denken. Ihrer „Transformativen Ethik“ gelingt es vorzüglich, die Brücke zwischen engagierter Bibelfrömmigkeit und reflektierter theologischer Ethik zu schlagen. Damit leisten sie (hoffentlich) nicht nur Beiträge für die Ethik, sondern ihre „Einführung in eine Ethik zum Selberdenken“ ist zugleich ein Grundkurs in Fragen des Bibelverständnisses und eines reflektierten Bibelgebrauchs.

Faix und Dietz vermitteln nachvollziehbar zwischen ihrer großen Wertschätzung und einer bleibenden ethischen Bedeutung der biblischen Erzählung(en) und der Tatsache, dass die Welt sich in den letzten 2000 Jahren immer rasanter weitergedreht hat. Immer wieder machen sie mit ihrer Metapher von „Karte und Gebiet“ aufmerksam auf den Kontext, in dem Bibel und Gegenwart sich bewegen.

Aha. Irgendwie logisch. Wenn sich der Glaube weiterentwickelt, dann entwickelt sich auch die Ethik weiter. Die Heilige Schrift ist nicht mehr Norm der Ethik, sondern nur noch das Sprungbrett für eine „höhere Ethik“.

Das Fazit von Christoph Raedel und Bernd Wannenwetsch in ihrer Rezension zur Transformativen Ethik lautet:

Angesichts der in der Summe doch befremdlichen Vergessenheit im Hinblick auf elementare Grundfesten der christlichen Ethik (Schrift, Tradition, Sünden‑/Gnadenlehre, Gemeinde) vermag es dann auch kaum zu verwundern, wenn der Begriff, der den Titel des Buches bildet: „Transformation“ hier in einer Verengung gebraucht wird, der der Tradition theologischer Ethik in keiner Weise gerecht wird. Was die Vf. unter „Transformation“ verstehen, ist im Kern nichts anderes als das Konglomerat von verschiedenen Transformationsprozessen von Individuum und Gesellschaft, wie diese von verschiedenen empirischen Disziplinen beschrieben werden. In der Rhetorik des „Ernstnehmen-müssens“ solcher Prozesse wird undeutlich, dass die christliche Ethik von einer sehr spezifischen Vorstellung von Transformation geleitet ist: der „Hineingestaltung in das Bild Christi“, oder traditionell gesprochen: der Heiligung. Eine Ethik ist dann als christliche greifbar, wenn sie den geistgewirkten Vorgang der Transformation des alten Adam in die neue Schöpfung in seiner Tiefenschärfe konturiert, gerade auch im erhellenden Kontrast zu den vielfältigen säkularen Transformationsprozessen, in die auch Christenmenschen eingespannt sind – „Schematisierungen“ (Röm 12,2), die es aus dem Geist des Evangeliums her zu erkennen, zu beurteilen und denen es gegebenenfalls zu widerstehen gilt. So bietet sich hier ein Buch, von dem zu fragen bleibt, inwiefern es tatsächlich als Lehrbuch christlicher Ethik verstanden werden will und fungieren kann. Wie die drei aneinander gereihten Titel des Werkes „Transformative Ethik – Wege zum Leben – Einführung in eine Ethik zum Selberdenken“ andeuten, in denen „christlich“ gar nicht vorkommt, haben wir es hier eher mit einem weiteren von zahlreichen Büchern auf dem gegenwärtigen Markt zu tun, in dem eine selbstgestrickte Anleitung zum „gelingenden Leben“ geboten wird, zu dem hier auch die ethische Reflexion als dazugehörig verstanden wird. Hierfür bedienen sich die Vf. gewiss auch einer langen Reihe ausgewählter Gedanken und Motive aus der christlichen Tradition. Dies mag das Buch für ein christliche Leserschaft interessant machen, es sollte aber nicht mit einem Lehrbuch christlicher Ethik verwechselt werden.

Hier die vollständige Rezension: rezensionen.afet.de.

Postmodernismus: Eine Kritik von links

41t1Y mMVBL SX351 BO1 204 203 200Der zur SPD gehörende Politikwissenschaftler Nils Heisterhagen macht den postmodernen Pluralismus für die Krise der Moderne verantwortlich. Ich zitiere mal aus dem Fazit seines Buches Kritik der Postmoderne (Springer, 2017, S. 241ff.):

Der Sprengstoff, der das Zusammenleben bedroht, ist der Relativismus . Es ist die Auffassung der Absage an Begründbarkeit, es ist die Aufgabe von Allgemeinheit.

Der Relativismus regiert. Der Relativismus beherrscht den Zeitgeist. Der Blick für das Ganze geht so auch verloren. Das Subjekt schaut immer mehr auf sich. Das Wachsen des individualistischen Moments sorgt für eine Erosion der Moderne. Die Suche nach der Wahrheit und dem Gemeinsamen geht verloren. Der Neoliberalismus als hegemoniales Denken ist in so einem postmodernen Rahmennahezu logisch. Der Neoliberalismus passt zum postmodernen Zeitgeist. Es ist eine Hochzeit des Subjektivismus, die beide zusammengeführt hat. Die Postmoderne ist das Gerüst, wodurch der Neoliberalismus überhaupt erfolgreich stehen kann. Ohne die Postmoderne wäre der Neoliberalismus niemals so hegemonial. Der zusammengeführte postmoderne Liberalismus reklamiert für sich die Individuen befreit zu haben, aber er hat so gleichsam das Ganze geopfert. Der Blick für das Ganze ist verstellt. Das Allgemeine als Kategorie ist erodiert. Und die Postmoderne ist schuld. Die Schuld der Postmoderne liegt also darin, dem Relativismus alle Türen geöffnet zu haben, und sie liegt darin, dem Neoliberalismus zur Hegemonie verholfen zu haben.

Der postmoderne Zeitgeist ist aber ein Resultat eines Irrtums, eines Fehlers der Philosophiegeschichte. Und auch der Neoliberalismus ist eine Verirrung, auch er ist ein Fehler .

Ein neuer Konsens ist so gefordert. Findet er sich nicht, könnte auch zunehmend die Toleranz erodieren, die die postmodernen relativistischen Gesellschaften des Westens momentan noch einigermaßen befriedet. Ein Toleranzethos hält die relativistischen Gesellschaften noch zusammen. Als Toleranzdemokratien funktionieren die liberalen Demokratien noch. Aber sobald die Toleranz mehr und mehr schwindet, und der Antagonismus, der immer eine Möglichkeit des Relativismus ist, voll durchbricht, werden die liberalen Demokratien auch wieder zu Demokratien werden, wo Gewalt, Hass und Hetze als legitime Mittel des politischen Streits angesehen werden.

Wir müssen aufhören der Illusion zu erliegen, dass das „Ende der Geschichte“ (vgl. Fukuyama 1992) bereits erreicht sei. Denn das Ende ist nicht erreicht. Die Postmoderne darf nicht das Ende sein. Es muss weiter gehen. Der Relativismus ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Der Relativismus ist sogar das Ende der Philosophie. Dabei darf es nicht bleiben. Das war es einfach noch nicht. Das „goldene Zeitalter“ ist noch nicht erreicht.

Es braucht nun eine neue Philosophie.

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Wie verändert Gott seine Gemeinde?

Prof. Volker Gäckle, Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell, hat das neue Buch Raus aus der Sackgasse! Wie die pietistische und evangelikale Bewegung neu an Glaubwürdigkeit gewinnt von Michael Diener besprochen.

Hier ein Auszug:

Das Plädoyer Michael Dieners würde mich deutlich mehr überzeugen, wenn sich der von ihm gelobte EKD-Protestantismus mit seiner vorbildlichen Pluralitätsfähigkeit vor Zulauf nicht mehr retten könnte und die Massen bei seinen offenen, einladenden, toleranten und in keiner Weise milieuverengten Gemeinden die Kirchentüren einrennen würden. Mir würde es auch schon reichen, wenn es wenigstens die eigenen Mitglieder tun würden. Aber dieser Protestantismus verliert gerade jedes Jahr etwa 2% seiner Mitglieder. Selbst an den Heiligabendgottesdiensten hat sich die Zahl der Besucher in 14 Jahren von 51% im Jahre 2005 um 30% auf 21% im Jahr 2019 (und das war vor der Pandemie!) reduziert. Warum soll der Pietismus der Hermeneutik, Theologie und Ethik eines Protestantismus folgen, der sich in Europa gerade im freien Fall befindet?

Die grundlegende Frage, die Michael Diener in seinem Buch stellt, ist die Frage nach der Veränderung der Gemeinde im Wandel der Zeiten. Diese Veränderungen hat es in der Geschichte des Volkes Gottes im alten und neuen Bund immer gegeben und sie stehen auch Kirche und Pietismus bevor. Davon bin auch ich überzeugt. Aber diese Veränderungen vollziehen sich nie einfach durch die Anpassung an eine dominierende Leitkultur, sondern weil Gott neu handelt, in neuer Weise wirkt durch neu geöffnete Augen für das Wort Gottes (Martin Luther und die Reformation), durch das Wirken seines Geistes in Zeiten der Erweckung, durch das Wachstum oder das Zusammenwachsen seines Volkes (Evangelische Allianz, Weltchristenheit). Es ist immer Gottes Wort und Geist, die seine Gemeinde verändern und die Gemeinde wird dieses verändernde Wirken Gottes auch in seinem Wort wiedererkennen. Genau das ist das Problem an unserer leidigen Diskussion um die Bewertung homosexueller Handlungen: Zu viele Menschen können nicht erkennen, dass der geforderte Wandel durch Gottes Wort und Geist bestätigt wird.

Hier die vollständige Rezension: Rezension_zu_Diener-Michael_Raus-aus-der-Sackgasse_Fragen-aus-der-Sackgasse_Volker-Gaeckle_2021-10-20.pdf.

VD: JT

Die Grammatik ist unschuldig

Olav Hackstein lehrt Historische und Indo germanische Sprachwissenschaft an der Ludwig- Maximilians-Universität München und verteidigt die historisch gewachsene Grammatik mit guten Argumenten gegen eine verordnete gendergerechte Sprache (FAZ, 18.10.2021, Nr. 242, S. 6):

Grammatik kann gerade deswegen weder rückständig sein noch diskriminierende Ziele verfolgen, da ihr einziger Da seinszweck darin besteht, eine erfolgreiche und ökonomische Kommunikation zu gewähren. Es gilt, zwischen dem er erbten, über den Spracherwerb erlernten sprachlichen System einerseits und der Sprachverwendung andererseits zu un terscheiden.

Das System, die Grammatik, besitzt a priori keine Intention zu diskriminieren. Die Sprachverwendung hingegen kann durchaus diskriminieren, zum Beispiel durch sprachliche Ausgrenzung oder diskriminierende Herabsetzung bis zu demagogischer und Hasssprache.

Wenn die Grammatik nun nachweislich rein kommunikationsunterstützend und somit unschuldig ist, ergibt sich folgende Frage. Haben staatliche Institutionen wie Ministerien, Behörden, Universitäten oder Stadtverwaltungen die Aufgabe oder das Recht, Grammatik zu verändern? Die Antwort lautet nein.

Mehr: zeitung.faz.net.

Die erlösenden Wendungen Gottes

Beale Redemptive ReversalsIn dem Buch Redemptive Reversals and the Ironic Overturning of Human Wisdom weißt Gregory Beale auf ironische Wendungen in der biblischen Geschichtserzählung hin. Daniel Vullriede hat das Buch gelesen und vorgestellt. Seine Fazit fällt alles in allem positiv aus:

Beale liefert ein kompaktes, tiefgehendes Buch über ein oft übersehenes, zentrales Thema innerhalb der biblischen Gesamtgeschichte. Zugegeben, der Titel Redemptive Reversals and the Ironic Overturning of Human Wisdom (Die erlösenden Wendungen Gottes und die ironischen Umstürze menschlicher Weisheit und Pläne) klingt etwas sperrig. Dennoch beleuchtet der Theologe das Thema auf eine interessante, teils spannende und sogar praktische Weise. Er arbeitet dabei eng an einzelnen Bibeltexten, geht aber auch konzeptionellen und anderen intertextuellen Verbindungen nach. Das Buch ist mit vielen Beispielen und Metaphern angereichert, um die biblisch-theologischen Wahrheiten noch griffiger zu machen. Außerdem endet jedes Kapitel mit Transfer- und Anwendungsfragen für die Leser oder mit konkreten Vorschlägen für ihren Alltag.

Beale ist ein erfahrener Autor und kann auf eine Fülle von Forschungsergebnissen zurückgreifen, was allerdings ein Schwachpunkt seines Buches ist. An mehreren Stellen wirken die Abschnitte nicht aus einem Guss, gerade weil der Theologe immer wieder auf Material aus seinen zahlreichen Publikationen zurückgreift. Die Kerngedanken und Argumente aus früheren Predigten, Fachartikeln, Sachbüchern und Bibelkommentaren sind durchaus gut, allerdings hätte man sie noch besser redigieren können, um die Leser auf einem gleichmäßigen Niveau in das Thema hineinzunehmen. Beales Auseinandersetzung mit anderen Theologen und Meinungen ist ausgewogen, allerdings verweist er in den Fußnoten zu einem großen Teil auf Sekundärliteratur aus den 70er und 80er Jahren, was manche seiner Argumente etwas angestaubt erscheinen lässt.

Insgesamt löst die Buchreihe mit Beales Titel ihr Versprechen ein. Der Neutestamentler bietet gesunde Lehre, um echte Jüngerschaft zu fördern. Er führt seine Leser kompetent und pastoral an die Bibeltexte heran und bietet ihnen manche neue Perspektive auf Gottes Wort.

Mehr: www.evangelium21.net.

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Bullingers Briefwechsel

Vom Zürcher Reformator Heinrich Bullinger (1504-1575) sind rund 12.000 Briefe überliefert, die er selbst geschrieben oder erhalten hat. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde rund ein Viertel der Briefe vom Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte der Universität Zürich ediert. Mit dem Projekt «Bullinger digital» soll nun der gesamte Briefwechsel gescannt, digital erfasst, durchsuchbar und übers Internet zugänglich gemacht werden.

Das Projekt «Bullinger digital»: wird am 3. November 2021 zwischen 17.30 bis 19.30 Uhr vorgestellt. Zu den Mitwirkenden gehören Prof. Dr. Peter Opitz (Institut für Schweizerische Reformationsgeschichte, UZH) und Prof. Dr. Martin Volk (Institut für Computerlinguistik, UZH).

Hier weitere Informationen und eine Möglichkeit zur Anmeldung: bookwhen.com.

Seminartage: Was vermag der Mensch?

In den letzten Jahren sind allerlei Publikationen erschienen, die das freie Vermögen des Menschen gegenüber der kirchlichen und insbesondere reformatorischen Lehre aufwerten (vgl. Ali Bonner, The Myth of Pelagianism, 2018; Kenneth M. Wilson, Augustine’s Conversion from Traditional Free Choice to »Non-free Free Will«, 2018; G. Goletiani, Der gnostische Einfluss in der Reformation, 2021, vgl. a. David Hunt, Eine Frage der Liebe, 2011 u. gemäßigter John Lennox, Vorherbestimmt?, 2019).

Kenneth Wilson hat sich sogar zu der Aussage hinreißen lassen, der Gott, an den Augustinus, Luther oder Calvin geglaubt haben, sei ein heidnischer Gott, der die Menschen hypnotisiere und manipuliere (siehe Kenneth M. Wilson, War Augustin der erste Calvinist?, 2020, S. 150; vgl. dazu „Hat Augustinus die abendländische ‚Ursünde‘ erfunden?“).

Der Einfluss dieser Schriften ist so groß, dass inzwischen von den Kanzeln mancher Gemeinden verkündet wird, Luther und Calvin seien durch die Lektüre von Augustinus unter den Einfluss des Manichäismus geraten und verkündeten nicht das Evangelium, welches uns in der Bibel offenbart ist, sondern den gnostischen Determinismus des Persischen Religionsgründers Mani (lat. Manes oder Manichaeus, 216–276/277 n.Chr.).

Das Institut für Reformatorische Theologie wird vom 29. Oktober bis zum 1. November 2021 im Evangelischen Allianzhaus in Bad Blankenburg Seminartage rund um dieses Thema veranstalten. Das Institut teilt mit:

Thema dieses Seminars ist die alte und stets aktuelle Frage, was der Mensch vor Gott tun kann. Daß Evangelikale und Katholiken in dieser Frage näher beieinander stehen, zeigt die neuerliche Veröffentlichung von Ken Wilson. „War Augustin der erste Calvinist?“, zu dem kein Geringerer als Dr. Roger Liebi ein lobendes Vorwort geschrieben hat.

Die Reformatoren hielten die Frage nach der Willensfreiheit des Menschen für das entscheidende Thema der Reformation, wie Luther in seiner Schrift „Vom unfreien Willen“ (1525) gegen den Humanisten Erasmus von Rotterdam betont.

Wer immer eine Antwort haben möchte auf die Frage, was der Mensch bei Gott vermag, ist herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Aus dem Programm:

  • Der Streit über die Willensfreiheit zwischen Luther und Erasmus (Bernhard Kaiser)
  • Römer 9,6–13: Gottes freie Wahl (Ron Kubsch)
  • Eine Theologie des freien Willens? oder: Was lehrte Pelagius? (Ron Kubsch)
  • Eine Theologie des durch Gnade befreiten Willens (Ron Kubsch)
  • Allgemeine Heilsverheißungen und die Erwählung (Bernhard Kaiser)
  • Der Mythos von der freien Selbstbestimmung des Menschen (Bernhard Kaiser)
  • Römer 8,35–39: Die Gewissheit der Liebe Gottes (Bernhard Kaiser)

Das vollständige Programm mit einer Möglichkeit zur Anmeldung kann hier heruntergeladen werden: FaltblattSeminarOkt21.pdf.

Glauben, lieben, hoffen – aber was?

41beW3kzeML SX359 BO1 204 203 200Das Buch glauben lieben hoffen: Grundfragen des christlichen Glaubens verständlich erklärt erhebt den Anspruch, den christlichen Glauben auf eine solide Grundlage zu stellen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Das Buch, an dem viele freikirchliche Pastoren mitgewirkt haben, dekonstruiert den evangelischen Glauben und führt die Zielgruppe der jugendlichen Leser sanft hinein in die Denkvoraussetzungen liberaler Theologie.

Markus Till schreibt in seiner Buchbesprechung:

Früher ging ich in meine christliche Buchhandlung, weil ich mir sicher war, dort auf inspirierende evangelikale Alternativen zu Leuten wie Sölle und zur universitären Theologie zu treffen. Heute wird in meiner christlichen Buchhandlung ein Buch präsentiert, das Werbung für universitäre Theologie und Dorothee Sölle macht. Aber wenn das jetzt so prominent in meiner Buchhandlung ausliegt: Muss ich dann nicht davon ausgehen, dass dieses Gedankengut, dem ich in keiner Weise folgen kann, jetzt auch überall in der evangelikalen Welt kursiert?

Ich kann im Moment jedenfalls nicht anders als zu schlussfolgern: Damit ist dann wohl die missionarische Erfolgsgeschichte einer evangelikalen Bewegung, die Differenzen in den Randfragen aushalten konnte, weil sie in den wesentlichen Kernfragen übereingestimmt hat, Geschichte. Ich hoffe, ich täusche mich. Ich würde mich riesig freuen. Ja, ich weiß: Jesus hat alles unter Kontrolle. ER wird seine Kirche trotz aller Rückschläge bauen. Ich weiß: Ich soll mir keine Sorgen machen, Hoffnung verbreiten und zuversichtlich in die Zukunft schauen, weil Jesus ganz sicher zu seinem Ziel kommen wird. Morgen werde ich all das wieder tun. Aber heute trauere ich, dass ein weiteres Stück meiner evangelikalen Heimat verloren geht und damit auch eine Segensgeschichte abzubrechen droht, von der ich selbst so sehr profitiert habe.

Hier: glauben-lieben-hoffen-aber-was-210910.pdf.

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