Gesellschaft

Christentum und Demokratie

ChristentumundDemokratie.jpgFür christliche Kirchen wurzelt eine Grundvoraussetzung der Demokratie, die unantastbare Würde des Menschen, in seiner Gottebenbildlichkeit. Daraus erwächst die Verpflichtung, die Demokratie in kritischer Solidarität mitzugestalten.

Die aktuelle Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament widmet sich dem Thema »Christen in der Demokratie«. Der Beitrag »Demokratie und christliche Ethik«, verfasst von meinem Chef, befasst sich auch mit der Frage, wie die Evangelikalen zur demokratischen Ordnung stehen. Das Ergebnis mag den ein oder anderen überraschen.

Die gedruckte Ausgabe der Wochenzeitung Das Parlament erscheint am 30. März. Die digitale Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 14/2009) kann bereits hier frei herunter geladen werden: SMK6HX.pdf.

Sloterdijk: »Uns hilft kein Gott«

21m+xPr6XmL._SL160_.jpgGuru Peter Sloterdijk stellt in einem Interview mit der FAZ sein neues Buch »Du musst dein Leben ändern« vor und erklärt uns, was sich ändern muss, damit die Menschheit überlebt.

Diesmal hat Sloterdijk die Weltrettungsformel gefunden und vermarktet sie unter dem Namen ›Ko-Immunismus‹.

Ich gehe von einer starken ontologischen These aus: Intelligenz gibt es. Aus ihr folgt eine starke ethische These: Intelligenz existiert in positiver Korrelation mit dem Willen zur Selbstbewahrung. Seit Adorno wissen wir, dass diese Korrelation in Frage gestellt werden kann – das war die suggestivste Idee der älteren Kritischen Theorie. Sie ging von der Beobachtung aus, dass die Intelligenz sich in der Richtung irren kann und Selbstzerstörung mit Selbsterhaltung verwechselt. Dies gehört zu den unvergesslichen Lektionen des zwanzigsten Jahrhunderts. Was jetzt auf der Tagesordnung steht, ist eine affirmative Theorie der globalen Ko-Immunität. Sie begründet und orientiert die vielfältigen Praktiken des gemeinsamen Überlebens.

Hier das Interview: www.faz.net.

Die moralische Krise des Westens

mbstexte117.jpgMein Kollege Tom Johnson hat sich Ende der 80er Jahre intensiv mit Helmut Thielicke und Francis Schaeffer beschäftigt. In dieser Zeit entstand eine kleine Studie über die moralische Krise des Westens, die nun als MBS Text 117 veröffentlicht wurde.

Johnson kommt zu dem Ergebnis:

If the analyses of Schaeffer and Thielicke are, in the main, correct, it follows that our culture-wide moral crisis cannot be solved by direct political action alone. Thielicke´s framework would emphasize evangelism and public preaching, for it is through conversion that one is enabled to see Christ in the other. And the preached Word tends to relativize idolatrous worldviews and their effects. Schaeffer´s emphasis on the effects of ideas would emphasize training Christians in a comprehensive biblical worldview and in practicing the truth more consistently. At the same time, it would encourage Christians to challenge secularist worldviews by unveiling their presuppositions, their irrationality, and their incompatibility with normal experience.

Die Arbeit kann hier herunter geladen werden: mbstexte117.pdf.

Was machen eigentlich unsere Kinder?

Nach dem Amoklauf von Winnenden werden in der Politik die üblichen Debatten geführt: Computerspielverbot, Waffengesetzverschärfung, Schützenvereinskritik. Doch die Politik ist in Wahrheit hilflos. Wir als Eltern sind gefragt.

Claus Christian Malzahn hat einen guten Kommentar für SPIEGEL ONLINE geschrieben:

Natürlich ist das uncool: Aber wenn Sohnemann nachts noch im Computerschützengraben liegt – und nicht im Bett – dann sollte man den Stecker ziehen. Erziehung findet nicht immer im Konsensprinzip mit den Kindern statt. Und PC’s sind keine Babysitter, auch wenn es beim Nachwuchs immer so schön ruhig wird, wenn die Geräte flimmern. Wer glaubt, das sei ein Problem von Hartz-IV-Familien, der hat keine Ahnung. In vermeintlich besseren Kreisen wird Sprachlosigkeit nur anders bemäntelt. Es geht nicht um eine neue Diktatur im Kinderzimmer, sondern um lebendiges Interesse. Reden. Spaß haben. Sich ernst nehmen. Füreinander da sein. Man nennt das auch Familie.

Hier der vollständige Kommentar: www.spiegel.de.

Unsere Schulen benachteiligen Jungen

Das Schulsystem produziert haufenweise männliche Verlierer. Schon im Kindergarten werden Mädchen deutlich bevorzugt, auch in der Schule müssen Jungs um Aufmerksamkeit und gute Noten kämpfen. Ursache des Problems: Kitas und Grundschulen sind fest in weiblicher Hand.

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt, ist der Auffassung, dass in der Grundschule und während der Pubertät Jungen und Mädchen in männlichen und weiblichen Lehrkräften positive Rollenvorbilder erleben sollten. Das Verschwinden von Männern aus den Schulen erschwere besonders den Jungen die Auseinandersetzung mit der eigenen Rollenidentität.

Hier der Artikel über eine neue Studie des Aktionsrates Bildung: www.spiegel.de.

Der Calvinismus kehrt zurück

20090323_107.jpgWelche Ideen verändern die Welt von heute? Das Nachrichtenmagazin Time nennt in der aktuellen Ausgabe zehn innovative Ansätze. An dritter Stelle steht der ›Neue Calvinismus‹.

»A lot of young people grew up in a culture of brokenness, divorce, drugs or sexual temptation,« says Collin Hansen, author of Young, Restless, Reformed: A Journalist’s Journey with the New Calvinists. »They have plenty of friends: what they need is a God.« Mohler says, »The moment someone begins to define God’s [being or actions] biblically, that person is drawn to conclusions that are traditionally classified as Calvinist.«

Hier der Beitrag: www.time.com.

VD: MD

Er hatte Tausende Horrorvideos zu Hause

Nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Getöteten werden in den Expertenrunden wieder jene Fachleute auftauchen, die einen Zusammenhang von Gewaltbereitschaft und Medienkonsum bestreiten. Wie oft habe ich es schon gehört: »Bisher fehlen die wissenschaftlichen Belege«. Ich frage mich dann immer: »Warum werden mit der TV-Werbung Milliarden Euro umgesetzt, wenn das, was wir dort hören und sehen, keine Auswirkungen auf unser Denken und Handeln hat?«

Keiner wird so dumm sein und behaupten: Weil Person X Counterstrike spielte, hat X Y getan. Dass aber das, was wir mit unseren Sinnen aufnehmen, auch unser Handeln prägt, liegt sehr nah. Schon in der Bibel wird uns empfohlen, unser Herz zu bewahren (vgl. Sprüche 4,23).

Auch der 17 Jahre alte Tim K., der am Mittwoch acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen getötet hat, liebte den exzessiven Konsum von Horrorfilmen.

Hier mehr: www.faz.net.

Finstere Gedanken

Als ich neulich bei Youtube einen Videomitschnitt zu Alvin Plantinga suchte, stieß ich merkwürdigerweise auf ein skurriles Interview mit Zeena und Nikolas Schreck.

Zeena ist die leibliche Tochter von Anton Szandor LaVay (1930–1997), der 1966 die »Kirche Satans« gründete und wahrscheinlich 1968 die Satanische Bibel verfasste (die allerdings in beträchtlichen Teilen nur Plagiat ist). Nikolas ist ein amerikanischer Autor und Künstler, der schon in den 80ern als Mitglied der Gothic-Band »Radio Werewolf« auf sich aufmerksam machte.

Obwohl sich Zeena und Nikolas zum modernen Satanismus bekennen (und inzwischen in Berlin die Sethian Liberation Movement anführen), haben sie sich 1990 (vermute ich) auf ein Interview mit dem christlichen Pastor Bob Larson eingelassen.

Das Interview kreist um allerlei Themen, für die sich nur Insider und vielleicht auch noch Fans des Heavy Metal oder von Marilyn Monroe interessieren. Insgesamt muss man auch eingestehen, dass Bob Larson dem Ehepaar Schreck nicht gewachsen war und immer wieder mit typisch frommen Floskeln und Argumenten versuchte, Betroffenheit zu erzielen. Doch gibt es da drei Punkte, die ich interessant finde und deshalb kurz benennen (nicht erläutern) möchte.

Die Punkte stehen mit Friedrich Nietzsche in Verbindung. Für Nikolas Schreck ist der deutsche Philosoph ein visionärer Vordenker. (Schreck deutet das immer wieder an, auch in anderen Beiträgen. Sehr deutlich wurde er in einem Interview mit dem tiefbraunen Fernsehprogramm von Tom Metzger.)

Also:

(1) Nikolas kritisiert die Kultur des Christentums im reichen Westen recht treffend (Nietzsche und Kierkegaard hätten ihre Freude gehabt). Während Larson immer wieder versucht, die Güte und Größe des evangelikalen Christentums hervorzuheben, durchschaut Schreck brillant, dass der Evangelikalismus meist ein »Bingo Game« spielt und inzwischen Teil der Entertainmentindustrie geworden ist. Der qualitative Einfluss der Frommen auf des Denken und Handeln der Menschen in Nordamerika nimmt rapide ab. »Es gibt kaum noch ernsthafte Christen.« »Er«, so Nikolas, »habe selbst vielleicht fünf überzeugte Christen getroffen«.

(2) Schrecks lehnen mit Nietzsche entschieden die Vorstellung ab, es gäbe so etwas wie absolute ethische Werte. Moralvorstellungen seien immer vom Willen zur Macht geleitet. Wir Menschen konstruierten uns unsere Wirklichkeit und Wertesysteme selbst. Realität sei immer das, was eine Mehrheit dafür erkläre. »Gut und Böse gibt es nicht.« Sieger schrieben Geschichte und definierten, was als gut zu gelten habe. Der jüdisch-christliche Glaube versklave den Menschen und ermutige ihn, schwach zu bleiben. Dagegen interessierten sich Satanisten für das Starke und benötigten dafür keine Kategorien von »Gut und Böse«. Sie würden die Welt in einer Weise verändern, dass das, was Nationalsozialismus und Faschismus erreicht haben, nur noch an einen Kindergarten erinnere. Die Satanisten würden mit Hilfe der Medien dass Denken der Menschen erobern und ihre eigenen Werte etablieren.

(3) Das bringt uns zum letzten Punkt. Was für Werte sind das denn? Es sind die Werte einer darwinistischen Weltauffassung. Das Christentum mit seiner Menschenliebe und Sympathie für das Schwache stehe der natürlichen Auslese nur im Wege und sorge für eine Verunreinigung des Erbguts. Der Mensch sei ein Tier unter Tieren, ein Wolf. Der Wolf im Menschen werde wieder zum Zuge kommen. Den Stärkeren gehöre die Zukunft.

Schon im ersten Abschnitt seines »Antichrist« erklärt uns Nietzsche, wie er sich eine zukunftsfähige Caritas vorstellt: »Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehn: erster Satz unserer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen. Was ist schädlicher als irgend ein Laster? – Das Mitleiden der That mit allen Missrathnen und Schwachen – das Chrisentum …« Zeena und Nikolas Schreck erklären uns in diesem Interview, wie sie sich so eine dunkle Welt vorstellen.

Hier der Link zum ersten Teil des Interviews (das nur für Leute mit starken Nerven geeignet ist). Die anderen neun Teile erreicht man über die Spalte auf der rechten Seite: www.youtube.de.

OSZE Konferenz zu »Intoleranz gegen Christen«

Erstmals in der Geschichte der 1975 in Helsinki entstandenen Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurde eine eigene Konferenz zum Thema »Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen« veranstaltet.

Mehr als 60 Vertreter von Staaten, NGOs, Universitäten sowie »Think Tanks« nahmen teil. Thomas Schirrmacher hat das Internationale Institut für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz vertreten:

Der deutsche Religionssoziologe Thomas Schirrmacher … betonte, dass das Aufzeigen von Diskriminierung von Gläubigen im Westen zwar prinzipiell eine andere Dimension als das Aufzeigen echter Verfolgung im Osten habe. Dennoch sei das Augenmerk auch auf den Westen für die Glaubwürdigkeit der OSZE wichtig. Würde die OSZE nämlich nur auf die – tatsächlich gravierenden Missstände – in den ehemaligen Sowjetrepubliken hinweisen, wäre schnell der Vorwurf der Einäugigkeit zur Hand.

Schirrmacher kritisierte die Darstellung der Evangelikalen in deutschen Medien und bei einigen deutschen Linkspolitikern. Evangelikale würden zum Teil auf eine Linie mit Islamisten gestellt und mit dem Verdacht der Gefährlichkeit belegt. Es gebe Erfahrungen aus Schulen, wo Schüler aus evangelikalem oder freikirchlichem Elternhaus ausgegrenzt würden.

Hier die vollständige Meldung: www.kathweb.at.

Der amerikanische Evangelikalismus

2134bgyuGXL._SL160_.jpgNicht alle, die sich über den Evangelikalismus Gedanken machen, kleben an den heute so beliebten Schablonen. Hermut Löhr hat für die FAZ das Buch:

gelesen. Er schreibt:

Die Strömung, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten auf etwa ein Viertel geschätzt wird, ist nicht leicht zu überschauen; auch Pallys Buch bietet zu wenig konfessionswissenschaftliche und soziologische Basisinformationen. Schlaglichtartig werden dagegen die geistesgeschichtlichen Voraussetzungen in Europa seit der Reformationszeit benannt. Sebastian Franck, Sebastian Castellio, Hugo Grotius, Dirck Volckertszoon Coornhert und andere waren prägend für eine Einstellung zur Religion (einschließlich der christlichen), die in die Praxis umgesetzt wurde: Gewissensfreiheit und staatliche Neutralität. Die Autorin versucht zu zeigen, dass es heute nicht zuletzt die amerikanischen Muslime sind, die von dieser toleranten Hochachtung von Religion profitieren.

Die insgesamt lesenswerte Rezension gibt es hier: www.faz.net.

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