Der Murks geht weiter
Hannes Hintermeier findet klare Worte für die deutsche Bildungskatastrophe. Wer in der Schule arbeitet oder selbst schulpflichtige Kinder hat, die eine öffentliche Schule besuchen, wird sich von ihm vielleicht verstanden fühlen.
Die längste Zeit des Tages werden die Kinder also künftig unter staatlicher Aufsicht stehen. Da die Familie in Zeiten des Turbokapitalismus von einer Keimzelle des Staates zu einer Keimzelle des Marktes mutiert, werden in der zwischenzeitlich halbverstaatlichten Wirtschaft erneute Anpassungsleistungen notwendig. Denn ganz intensiv will sich der Staat unter Berufung auf die Chancengleichheit um Kinder aus Zuwandererfamilien kümmern. Diese bedürften der besonderen Obhut des Staates, hat soeben der bayerische Unterrichtsminister Ludwig Spaenle erklärt. Bildungspolitik als Kompensation für versäumte Integrationspolitik?
Und die Allgemeinbildung? Kern- beziehungsweise Methodenkompetenz heißt das Zauberwort. Geschichtsunterricht setzt dann eben in der Römischen Republik ein: Was sich davor ereignet hat, findet fortan Google. Man müsse »nicht besonders schlau sein«, um das Abitur in acht Jahren zu schaffen, so Minister Banzer, die meisten europäischen Schüler schafften das auch. Dem Wähler schwant: Im Angesicht der bildungspolitischen Angebote kann er hü oder hott ankreuzen. Der Murks geht weiter.
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In den 70er-Jahren entwickelte sich unter dem Druck der Frauenbewegung ein Trend, Mädchen in der Schule spezifisch und nachhaltig zu fördern. Eine Lobby, die sich für die Jungen stark macht, gibt es bislang jedoch nicht. Zudem fehlen männliche Lehrkräfte, die den Jungen eine Indentifikationsfläche bieten. 86 Prozent der Lehrerschaft an Grundschulen ist weiblich.
