Politik

Staatlicher Dirigismus bei den GrĂŒnen

Eigentlich will ich mich auf TheoBlog.de nicht in den Wahlkampf einmischen. Indem ich hier aber auf einen sehr guten Beitrag zur fatalen Gesinnungsethik der GrĂŒnen verweise, tut ich es dann eben doch. Na gut, Ausnahmen bestĂ€tigen die Regel.

Rupert Pritzl und Fritz Söllner schreiben in „GrĂŒne Klimapolitik: Moralismus, Ideologie und Dirigismus“:

Die GrĂŒnen verbinden moralischen Anspruch und ideologische Überzeugung mit einem ausgeprĂ€gten Konstruktivismus und einer Tendenz zum Dirigismus. Sie haben ganz konkrete Vorstellungen davon, wie welche gesellschaftlichen Bereiche zu funktionieren haben und welche gesellschaftlichen Ergebnisse erwĂŒnscht sind. Dabei denken die GrĂŒnen vor allem in Verboten und staatlichen Vorgaben, mit denen sie bei zahlreichen Themen und in vielen gesellschaftlichen Bereichen das politisch GewĂŒnschte unmittelbar und schnellstmöglich herbeifĂŒhren möchten. Die Verbots- und Ausstiegsliste der GrĂŒnen ist so lang, dass sich deren Vertreter bemĂŒhen mĂŒssen, diese zu verniedlichen. So spricht Katrin Göring-Eckardt nicht von Verboten, sondern von „radikal-realistischen Forderungen“ und Robert Habeck deutet die GrĂŒnen gleich als „Gestaltungspartei“ um.

Dieses Streben nach „Gestaltung“ wird motiviert durch das GerechtigkeitsverstĂ€ndnis und Menschenbild der GrĂŒnen. Sie kritisieren die Verteilungsergebnisse des Marktes per se als ungerecht und unsozial und lehnen damit Leistungsgerechtigkeit bzw. Regelgerechtigkeit als gesellschaftliche Prinzipien ab. Die GrĂŒnen konzentrieren ihren Blick auf die Ergebnisse und fordern Ergebnisgerechtigkeit oder gleich gesellschaftliche Gleichheit. Damit verlieren sie aber den Prozess der Ergebniserstellung, also den eigentlichen Produktionsprozess aus den Augen, der sie höchstens am Rande noch interessiert. Dass staatliche Eingriffe in den Preismechanismus zwangslĂ€ufig zu einer Verknappung des Angebotes, verbunden mit Warteschlangen und bĂŒrokratischer Zuteilung, fĂŒhrt, blenden sie mit Verweis auf ihre hehren Ziele großzĂŒgig aus.

Ich empfehle die LektĂŒre der ausfĂŒhrlichen und dokumentierten Ausgabe dieses Beitrags: Paper-39-2021.pdf.

Christ­lich-bibli­sche Symbo­lik in den weltanschaulichen Debatten

Peter Gauweiler setzt sich in der FAZ (FAZ, 24.07.2021, Nr. 169, S. 11) mit den symbolischen Reflexen in der heutigen Politik auseinander und findet, dass selbst in einer postchristlichen Gesellschaft die christlich-biblische Symbolik noch in vielen Debatten zu finden ist:

Trotz leerer Kirchen­bĂ€n­ke blei­ben auch in der Hoch­mo­der­ne welt­an­schau­li­che Ausein­an­der­set­zun­gen fest in christ­lich-bibli­scher Symbo­lik veran­kert. Auf diese phĂ€no­me­na­le Kontin­genz macht aktu­ell der briti­sche Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Tom Holland in seiner Kultur­ge­schich­te des Chris­ten­tums aufmerk­sam: „Herr­schaft – Die Entste­hung des Westens“. Eines seiner verblĂŒf­fends­ten Beispie­le ist die Kontro­ver­se zwischen John Lennon und Paul McCart­ney, die zur Auflö­sung der Beat­les fĂŒhrte. Lennon hatte sich ĂŒber die christ­li­che Konno­ta­ti­on von McCart­neys „Let It Be“ aufge­regt, weil es mit der Zeile endete: „when I find myself in times of trou­ble, Mother Mary comes to me“ – „wenn es mir schlecht geht, kommt Mutter Maria zu mir“. Lennon in einem Wutan­fall ĂŒber das Chris­ten­tum: „Es wird verschwin­den und einge­hen. Ich muss mich nicht auf Argu­men­te einlas­sen; ich weiß, dass ich recht habe und dass ich recht behal­ten werde.“ Im Gegen­zug hatte sich Paul ĂŒber Johns „goody goody stuff“ amĂŒsiert, den „Gutmenschenkram“.

GrĂŒnes Genderdeutsch

Das Wahlprogramm der GrĂŒnen ist radikal durchgegendert und ignoriert Rechtschreibregeln. Auch sonst scheint die neue Leitkultur durch. Alleinerziehende heißen nun Ein-Eltern-Familien, dazu gibt es die Mehr-Eltern-Familien und die Zwei-MĂŒtter-Familien. Im Programm heißt es dazu:

Zwei-MĂŒtter-Familien sollen nicht mehr durch das Stiefkindadoptionsverfahren mĂŒssen, darum streben wir an, das Abstammungsrecht zu reformieren, sodass die Co-Mutter analog zu VĂ€tern in Ehen zwischen einem Mann und einer Frau automatisch als zweites rechtliches Elternteil gilt. Das Abstammungsrecht muss zudem die Elternschaft von Menschen mit Geschlechtseintrag „divers“ berĂŒcksichtigen. Bei Kinderwunsch sollen alle Paare und alleinstehende Frauen die Möglichkeit einer Kostenerstattung fĂŒr die kĂŒnstliche Befruchtung erhalten.

Wer wissen will, wie unsere sprachliche Zukunft aussieht, muss das Programm lesen, meint der Linguist Horst Haider Munske in seinem Beitrag fĂŒr Die Welt:

Die GrĂŒnen meinen es ernst mit dem radikalen Gendern. In dem endgĂŒltigen, seit wenigen Tagen „lektorierten“ offiziellen Wahlprogramm bekennen sie Farbe. So und nur so wollen sie in der deutschen Sprache Geschlechtergerechtigkeit einfĂŒhren. Sie scheren sich nicht um die Bedenken des Rats fĂŒr deutsche Rechtschreibung. Sie fragen nicht nach Lesbarkeit, nach Vorlesbarkeit, nach VerstĂ€ndlichkeit, nach den Regeln der Grammatik und nach der Tradition einer Sprache.

Mehr hinter einer Bezahlschranke: www.welt.de.

„An ihren FrĂŒchten sollt ihr sie erkennen“

Theophil Isegrim verdanke ich den Hinweis, dass unter anderem die VizeprĂ€sidentin des EuropĂ€ischen Parlaments, Nicola Beer von der FDP, fĂŒr den Matić-Bericht gestimmt hat, sich also fĂŒr die FrĂŒhsexualisierung der Kinder, gegen die Gewissensfreiheit der Ärzte und fĂŒr ein Recht auf Abtreibung stark macht. Übrigens stimmten 51 der 96 deutschen EU-Abgeordneten fĂŒr den Bericht, 39 dagegen und 2 enthielten sich. Das ist insofern interessant, als wohl besonders sozialdemokratische und grĂŒne Politiker die Europapolitik nutzen, um Druck auf die nationale Rechtssprechung auszuĂŒben (siehe zur Abstimmung hier).

TatsĂ€chlich war Frau Beer kĂŒrzlich Rednerin auf dem Kongress christlicher FĂŒhrungskrĂ€fte und sprach darĂŒber, warum es besonders fĂŒr Politiker wichtig sei, einen klaren Wertekompass zu haben. Ich zitiere aus dem Medienmagazin Pro

Man mĂŒsse Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen und verantwortlich fĂ€llen. Dazu brauche es Orientierung und einen klaren Wertekompass, sagte Beer.

Ihr selbst helfe dabei der christliche Glaube. „Mein Glaube hilft mir, das Beste zu geben“, sagte sie. In stressigen Momenten halte sie inne und besinne sich auf Gott. Der Glaube gebe ihr außerdem die nötige Freiheit, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.

Beer erklĂ€rte zudem, die ethische Basis des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen in Europa basiere auf christlich-jĂŒdischer Tradition, insbesondere auf den Zehn Geboten. „Das sind unsere kulturellen Wurzeln.“ Es sei wichtig, dass sich alle Menschen der pluralen, europĂ€ischen Gesellschaft fĂŒr ein gelingendes Zusammenleben an die Werte, die auf den Zehn Geboten basierten, hielten. „Ich verstehe, wenn Menschen an altbekannten Traditionen und Sprachen festhalten“, sagte Beer im Hinblick auf Migranten. Außerhalb der eigenen vier WĂ€nde funktioniere das Zusammenleben jedoch nur, wenn man sich an gemeinsame Werte halte.

In diesem Zusammenhang verteidigte Beer auch den Gottesbezug in der PrĂ€ambel des Grundgesetzes. Es gebe oft Diskussionen darĂŒber, ob er noch zeitgemĂ€ĂŸ sei. „Der Gottesbezug ist Ausdruck der irdischen Fehlbarkeit“, sagte sie. Er zeige, dass „eine werteorientierte Gesellschaft aus mehr besteht, als aus Buchstaben in Gesetzen“. Beer verwies auf den Bibelvers aus MatthĂ€us 7, 20, in dem es heißt: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“

Anhand solcher Beispiele lĂ€sst sich besser verstehen, dass in den Augen vieler StaatsbĂŒrger die Politik unglaubwĂŒrdig geworden ist. Eine Frau, die sich zur Ethik der Zehn Gebote bekennt, setzt sich zugleich fĂŒr die Legalisierung von Tötungen ungeborener Kinder ein und will jenen Ärzten, die sich nicht an SchwangerschaftsabbrĂŒchen beteiligen möchten, die Gewissensfreiheit stehlen. 

Da möchte ich MatthĂ€us 7,20 im Zusammenhang zitieren: 

Darum, an ihren FrĂŒchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen DĂ€monen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz ĂŒbertretet!

Der „LGBTIQ-Freiheitsraum“

Das Institut fĂŒr Demographie, Allgemeinwohl und Familie informiert ĂŒber eine wenig ĂŒberraschende Neigung im EU-Raum. Der Monat Mai, der traditionell der Familie gewidmet war, wird inzwischen exzessive dafĂŒr genutzt, um die „normale Familie“ infrage zu stellen. Auch die Kommission der Bischofskonferenzen der EU beteiligt sich an der indirekten Förderung der Gender-Community. Sie lud nĂ€mlich zum ökumenischen Gebet fĂŒr die Einheit der Christen und die Zukunft Europas am 21. Mai ausgerechnet die politische VorkĂ€mpferin der LGBT-Abtreibungs-Agenda im EU-Parlament, Roberta Metsola, als Vorbeterin ein.

Hier:

Der Monat Mai ist traditionell der Familie gewidmet. Durch die Entschließung A/RES/47/237 der Vollversammlung der Vereinten Nationen wurde der Internationale Tag der Familie zum offiziellen Gedenk- und Aktionstag weltweit. Familienorganisationen können sich auf dieser Grundlage öffentlich engagieren, ohne als „Hassredner“ von der lauten aber kleinen Minderheit der politisch korrekten Gender-Fanatiker diskreditiert zu werden. Die scheinen nĂ€mlich in internationalen Gremien aus dem Gender-Baukasten ein neues Konzept zu entwickeln: die Hetero-Diskriminierung.

Beispiele aus BrĂŒssel: In diesem Jahr gab es keine institutionellen Veranstaltungen zu Ehren des ganz normalen Lebensmodells „Familie“, welches ja immer noch in allen Mitgliedsstaaten der EU vorherrscht, und das auf der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau aufbaut, die mit ihren eigenen Kindern zusammenleben. Es gab keine Pressemitteilung des PrĂ€sidenten des EU-Parlaments und auch keine Videobotschaft von Kommissions-PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen. Dabei organisierte die CDU-Politikerin als Bundesfamilienministerin 2006 den „Ersten Deutschen Familientag“ als „sichtbares Signal fĂŒr die Wende in der Familienpolitik“. Offenbar vergessen. Wahrscheinlich war die KommissionsprĂ€sidentin intensiv damit beschĂ€ftigt, eine Videobotschaft fĂŒr den Deutschen Frauenrat zum Thema „10 Jahre Istanbul-Konvention: wo stehen wir? wohin gehen wir?“ aufzuzeichnen. Mediales Stillschweigen am Familientag, aber prominente Teilnahme zugunsten der Istanbul-Konvention: das zeigt deutlich die Verschiebung der PrioritĂ€ten in der FĂŒhrungsetage der EU-Institutionen.

Die BrĂŒsseler Gender-Community hingegen feierte selbstsicher die verschiedenen Bausteine einer neuen Agenda zur Diskriminierung der Hetero-Familie. Die sind ja nicht neu. Man denke nur an die Antidiskriminierungsklauseln in Artikel 13 des Amsterdamer Vertrags (1999), die Charta der Grundrechte der EU (2004), und die GrĂŒndung der Agentur fĂŒr die Grundrechte der EU (2007).  Wie bei einer Domino-Kette reihen sich auch seitens des EU-Parlaments die jĂŒngsten Entschließungen Stein fĂŒr Stein aneinander: die Verabschiedung einer Entschließung zur Ausrufung der EU zum LGBTQI Freiheitsraum durch das EU-Parlament am 11. MĂ€rz (P9_TA(2021)0089), die Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie bzw. -feindlichkeit am 17. Mai, die Annahme der Position des EU-Parlaments fĂŒr das neue Mandat der Grundrechte-Agentur im Plenum am 19. Mai, und die Veröffentlichung eines neuen Entschließungsantrags zu Abtreibung durch den Frauenausschuss des EU-Parlaments am 21. Mai. Auch die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (ComECE) beteiligt sich an der indirekten Förderung der Gender-Community. Sie lud zum ökumenischen Gebet fĂŒr die Einheit der Christen und die Zukunft Europas am 21. Mai ausgerechnet die politische VorkĂ€mpferin der LGBT-Abtreibungs-Agenda im EU-Parlament, Roberta Metsola (EVP, Malta), als Vorbeterin ein. PrĂ€sident der ComECE ist der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich. Der teilt mit seinem ComECE-Stellvertreter in BrĂŒssel, dem „Ruhr-Bischof“ Franz-Josef Overbeck, das Privileg, Mitglied mehrerer katholischer Studentenverbindungen im Cartellverband (CV) zu sein.

Der nichtssagende Begriff „LGBTIQ-Freiheitsraum“ erschließt sich erst, wenn man die 27 ErwĂ€gungsgrĂŒnde durchgeht, von denen sich jeder einzelne als Anklage gegen die heterozentrierte Gesellschaftsordnung jedes einzelnen Mitgliedsstaats versteht. FĂŒr das EU-Parlament wird jede nationale Regierung, die das hetero-ehe-basierte Familienmodell fördert, an den Pranger der Geschlechterbeliebigkeit gestellt.

Mehr hier: Brief_aus_Bruessel/iDAF_Brief_aus_Bruessel__Juni_2021.pdf.

Die Schließung der Demokratie

Prof. Peter Graf Kielsmansegg hat in der FAZ den fulminanten Beitrag „Die Schließung der Demokratie“ veröffentlicht (17.05.2021, Nr. 112, S. 6). Darin beklagt er das schwinden der Demokratie durch eine von Minderheiten erzwungene Verengung des Diskursraumes:

Schließung der Demokratie meint: Der Raum freien politischen Diskurses wird Schritt fĂŒr Schritt verengt. Bestimmte Themenfelder werden besetzt und zu Tabuzonen erklĂ€rt, in denen sanktionsbewehrte Sprachregelungen gelten. Sie werden, heißt das, fĂŒr den freien Diskurs gesperrt. Erfolg können die jeweils aktiven Minderheiten damit nur haben, wenn sie MitlĂ€ufer finden, die den Tabuisierungen im öffentlichen Raum Nachdruck und Breitenwirkung verschaffen. Und wenn denen, die anderen Sinnes sind, der Mut zum Widerspruch fehlt. Das SelbstverstĂ€ndnis derer, die Schließungskampagnen betreiben, lĂ€sst sich auf die Formel bringen „Wir sind die Demokratie“. Die NĂ€he der Formel zum populistischen Schlachtruf „Wir sind das Volk“ ist alles andere als zufĂ€llig. Hier wie dort geht es um Exklusion im Namen der Demokratie, Exklusion derer, die anders sind, Exklusion derer, die anders denken. Demokratie als geschlossene Gesellschaft Gleichgesinnter – das ist das Ideal, das hinter der Gewissheit „Wir sind die Demokratie“ steht. Andersdenkenden nicht mehr zuzuhören, nicht mehr mit ihnen zu reden, sie, wenn es möglich ist, aus der Öffentlichkeit zu verbannen ist die Handlungsmaxime, die aus diesem Ideal folgt. Wer nicht so denkt, redet, schreibt, agiert wie wir, gehört nicht dazu.

Er illustriert die Schließungsprozesse anhand von drei Beispielen. Schließung heißt in diesem Kontext, dass ein Themenfeld besetzt wird, „um es fĂŒr die freie Diskussion zu schließen“. Eines der gewĂ€hlten Beispiele betrifft das Thema „Familie“. Graf Kielsmansegg:

Familie nicht von den BedĂŒrfnissen des Kindes, sondern von den LebensplĂ€nen und LebenswĂŒnschen der Erwachsenen her zu denken ist der die Entwicklung beherrschende Zug der Zeit. Familie wird dadurch zu einem fast beliebigen Konstrukt, das sich diesen PlĂ€nen und WĂŒnschen immer wieder neu anzupassen hat. Worauf es hier ankommt: Über diesen Wandel offen, kontrovers zu diskutieren, ihn zum Gegenstand des demokratischen Meinungsstreites zu machen wird immer schwieriger.

Auch hier, heißt das, sind Schließungsprozesse in Gang. Kann man, ohne als homophob geĂ€chtet zu werden, noch öffentlich dafĂŒr eintreten, dass Kinder Vater und Mutter brauchen, und zwar in einer stabilen Familiengemeinschaft fĂŒr die ganze Zeit ihres Heranwachsens? Kann man, ohne als homophob geĂ€chtet zu werden, noch die Ansicht vertreten, dass die Ehe zwischen Mann und Frau eine andere gesellschaftliche Bedeutung hat als andere Partnerschaften, weil nur aus der Gemeinschaft von Mann und Frau Kinder hervorgehen können und weil diese Gemeinschaft die dem Kind in seinem Heranwachsen förderlichste ist?

Botschaften aus einer totalitÀren Gesellschaft

62 Prozent der Amerikaner sagen inzwischen, dass sie eine Schere im Kopf haben. Wer im Netz nicht den richtigen Slogan teilt, dem droht die Rache der Linksaußen-Orthodoxie. Wenn wir die Freiheit erhalten wollen, mĂŒssen wir uns diesem Meinungsdruck widersetzen, meint Bari Weiss einem Artikel, der in deutscher Sprache durch die Zeitschrift Die Welt veröffentlich wurde. 

Bari Weiss ist nicht irgendwer. Sie war eine erfolgreiche Autorin bei der New York Times. Der Chefredaktion hat es aber nicht gefallen, dass sie eigenstĂ€ndig denkt und so hat sie dort gekĂŒndigt (vgl. hier).

In ihrem aktuellen Beitrag schreibt Bari: 

Es fĂŒrchten sich Feministinnen, die finden, dass es biologische Unterschiede zwischen MĂ€nnern und Frauen gibt. Es fĂŒrchten sich Journalisten, die es fĂŒr ihre Aufgabe halten, die Wahrheit ĂŒber die Welt zu sagen, auch wenn es manchen nicht passt. Es fĂŒrchten sich Ärzte, deren einziges Glaubensbekenntnis die Wissenschaft ist; AnwĂ€lte, die beim Grundsatz der Gleichbehandlung vor dem Gesetz keine Kompromisse eingehen, oder Professoren, die in Freiheit schreiben und forschen wollen, ohne befĂŒrchten zu mĂŒssen, dass man sie deshalb verunglimpft.

Es sind AnhĂ€nger der politischen Mitte, LibertĂ€re, Liberale und Progressive, die nicht jede Meinung der neuen Linksaußen-Orthodoxie teilen. Nachdem ich im Sommer die „New York Times“ wegen ihrer Haltung zur Meinungsfreiheit und ungehinderten Recherche verlassen hatte, hörte ich fast tĂ€glich von solchen Menschen. Ihre Mitteilungen wirken wie Botschaften aus einer totalitĂ€ren Gesellschaft.

Mehr gibt es hier – allerdings hinter eine Bezahlschranke: www.welt.de.

Es gibt eine neue pastorale Herausforderung

Carl Truman berichtet in dem Journal First Things ĂŒber neue pastorale Herausforderungen, die sich angesichts der unter dem US-PrĂ€sidenten Biden eingefĂŒhrte Transgender-Politik ergeben:

Letzte Woche erzĂ€hlte mir ein befreundeter Pastor von einem neuen Problem, mit dem er sich in seiner Gemeinde konfrontiert sieht. [Es] ist, ist die Frage, wie man Eltern von MĂ€dchen im Teenageralter berĂ€t, die nichts trinken wollen, bevor sie zur Schule gehen, damit sie nicht die Toiletten benutzen mĂŒssen: Die sind nĂ€mlich dank der Unterschrift von PrĂ€sident Biden nun auch fĂŒr Jungen im Teenageralter offen.

Und zwar fĂŒr Jungen, die glauben – oder behaupten – im falschen Körper geboren worden zu sein. Es scheint, dass die Angst und das körperliche Unbehagen, die durch die neue Toilettenpolitik verursacht werden, nun die neue NormalitĂ€t fĂŒr junge Highschool-MĂ€dchen sein werden.

Trans-Aktivisten benutzen gerne die Sprache der „Sicherheit“, um mit der Ästhetik unserer therapeutischen Kultur zu spielen und ihre Kritiker zu delegitimieren. Nun, diese biologischen Frauen fĂŒhlen sich nicht mehr sicher. Ihre RĂ€ume, wie auch ihr Geschlecht, sind ihnen von MĂ€nnern und fĂŒr MĂ€nner gestohlen worden. Sie fĂŒhlen sich jetzt in einer solchen Gefahr, dass sie nicht einmal vor der Schule Wasser trinken, um nicht tagsĂŒber auf die Toilette zu mĂŒssen.

Amerika hat eine Reihe von PrĂ€sidenten gehabt, deren Appetit fĂŒr viele Frauen, die ihnen ĂŒber den Weg gelaufen sind, eine Gefahr darstellte. Doch der gegenwĂ€rtige PrĂ€sident hat sie alle ĂŒbertroffen. Seine Politik macht ihn zu einer Gefahr fĂŒr alle Frauen, auch denen, die eine Schultoilette benutzen möchten.

Mehr hier: www.firstthings.com.

VD: AW

Glaube ist nicht genug

Was passiert, wenn eine Journalistin in Glaubensfragen ĂŒberfordert ist und trotzdem darĂŒber schreibt, kann in der FAZ-Ausgabe vom 26. Januar nachgelesen werden (26.01.2021, Nr. 21, S. 3). Frauke Steffens liefert dort in „Der Glaube ist nicht genug“ den ultimativen Nachweis dafĂŒr, dass der neue US-PrĂ€sident Joe Biden ein ĂŒberzeugter Christ ist und jene, die daran zweifeln, mehrheitlich dem rechten und vor allem rassistischem Spektrum zuzuschlagen sind.

Was macht Joe Biden zum frommen Mann? Nun, er nutzte in seiner Antrittsrede biblische Metaphern und stellte im Oval Office ein Bild von Papst Franziskus und sich auf. Dies zeige, dass er und die Trump-AnhĂ€nger christliche Werte teilten und er fĂŒr den Dialog mit ihnen offen sei. Doch da ein wesentlicher Teil der republikanischen Machtbasis und der Trump-AnhĂ€nger christliche Nationalisten seien, werde es keinen Dialog geben.

Sie zitiert beispielsweise den Trump-UnterstĂŒtzer Josh Hawley, der 2017 gesagt habe, dass es keinen Zentimeter des Lebens gebe, ĂŒber den Jesus Christus nicht herrsche. Das deute darauf hin, „dass in diesem Denken in letzter Konsequenz nur Christen Anspruch auf volle Rechte oder etwa auch staatliche Hilfe erheben könnten“. Dass der Spruch auf Abraham Kuyper zurĂŒckgeht und dieser von der SouverĂ€nitĂ€t im eigenen Kreise gesprochen hat, kann ein religiös unmusikalischer Mensch nicht wissen. Aber muss er dann darĂŒber schreiben? Kuyper jedenfalls war Verfechter einer pluralistischen Demokratie, betonte scharf, dass alle Menschen und alle Völker vor Gott gleich sind und förderte die Religionsfreiheit.

Auch den Baptismus meint Frauke Steffens bestens zu verstehen. „Viele weiße Baptisten hĂ€ngen der Vorstellung an“, schreibt sie, „dass es etwa göttliche Belohnungen fĂŒr Fleiß gibt und Armut durch SĂŒnde entstehe. Das gipfelt in der Vorstellung, durch große Spenden und viel Arbeit Heil erlangen zu können.“ Wirklich?

Dass Biden das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch in Gesetzesform gießen möchte, ist hingegen eine feine Sache. Der kann sich dabei freilich weder auf die Bibel, den Katholischen Katechismus oder Franziskus persönlich berufen. Aber wen interessiert so etwas schon?

Sowohl Trump als auch Biden profitieren von einem verbreiteten Storytelling, das sich fĂŒr die Wahrheit kaum noch interessiert (Trump mochte alternative Fakten, Biden nimmt die Wahrheit wichtiger als Tatsachen). Bei vielen Leuten kommt gut an, was sich gut anfĂŒhlt. Aufgabe der Presse wĂ€re es freilich, eine missbrĂ€uchliche Inanspruchnahme des christlichen Narratives zu benennen, wo immer es geschieht.

Das ist Steffens zumindest bei Biden nicht gelungen. TatsĂ€chlich beherrscht dieser (oder sein Redenschreiber) das Instrument der rhetorischen Betörung brillant. Der katholische Dogmatiker C.C. Pecknold hat das an dem in der Antrittsrede verwendeten Augustinuszitat eindrĂŒcklich demonstriert. „Vor vielen Jahrhunderten“, so Biden, „schrieb der heilige Augustinus, ein Heiliger meiner Kirche, dass ein Volk eine Menge ist, die durch die gemeinsamen Objekte ihrer Liebe definiert wird. Was sind die gemeinsamen Objekte, die wir lieben, die uns als Amerikaner definieren?“ Die Antwort, die Biden gibt, hat mit den Vorstellungen von Augustinus nichts zu tun. WĂ€hrend der Kirchenvater darauf bestand, dass es objektive moralische Normen gibt und ein funktionierendes Gemeinwesen darauf angewiesen ist, dass Gott durch Gnade eine „Stadt“ regiert und es Gesetze gibt, die mit der Liebe zu Gott und zum NĂ€chsten ĂŒbereinstimmen, spricht der neue PrĂ€sident von „Chancen, Sicherheit, Freiheit, WĂŒrde, Respekt, Ehre und ja, die Wahrheit“.

C.C. Pecknold schreibt:

Sind wir uns einig darĂŒber, was eines dieser Worte bedeutet? Stimmt der gewöhnliche amerikanische Arbeiter, der das GefĂŒhl hat, dass alle seine Möglichkeiten nach China ausgelagert wurden, zu, dass wir einen Konsens ĂŒber unsere gemeinsamen Möglichkeiten haben? WĂŒrden die Ungeborenen im Mutterleib oder die Nonnen, die versuchen, im Einklang mit der Tugend zu leben, oder die Studenten, die mit verwirrenden sexuellen und rassistischen Ideologien bombardiert werden, ein GefĂŒhl dafĂŒr haben, dass alle Amerikaner eine gemeinsame Vereinbarung ĂŒber MenschenwĂŒrde, Respekt und Ehre haben? Das sind die Arten von Fragen, die Augustins alternative Definition [von Gemeinwohl] hervorrufen sollte. Aber weil er den Zweck der neuen Definition herausgeschnitten hat, gibt Biden uns einen sehr schlaffen Augustinus, der nur vage liberale PfrĂŒnde von „Frieden, Frieden“ liefert.

Wer BeitrĂ€ge der Satire-Seite „Babylon Bee“ teilt, lebt gefĂ€hrlich

Es gibt Meldungen, die sollten auch Nicht-Christen und politisch Progressive aufschrecken. Einem australischen Arzt, der sehr erfolgreich praktizierte, wurde nach 15 Jahren seine Lizenz auf unbestimmte Zeit entzogen, nachdem ein Gericht zu dem Schluss kam, dass seine Social-Media-Posts „klare konservative Tendenzen“ zeigten. Livesitenews.com meldet:

Im Jahr 2019 leitete das Medical Board of Australia (MBA) eine Untersuchung gegen den evangelikalen Christen Dr. Jereth Kok ein, nachdem es zwei anonyme Beschwerden ĂŒber Social-Media-Posts erhalten hatte, die er innerhalb der letzten zehn Jahre geteilt hatte. In einem Interview mit Family Voice Australia beschrieb Kok den Moment, in dem er erfuhr, dass eine Untersuchung ĂŒber sein Verhalten eingeleitet worden war: „An einem Freitagnachmittag im vergangenen Jahr, wĂ€hrend ich Patienten beriet, wurde mir plötzlich mitgeteilt, dass ich zum Schutz des ‚öffentlichen Interesses‘ fristlos aus der Praxis entlassen werden wĂŒrde.“




Die vermeintlich belastenden Daten kommen in Form von Diskussionen, die Kok in Online-Foren gefĂŒhrt hat, Kommentaren auf Facebook „und ‚Memes‘ und Artikeln, die [er] dort [Facebook] geteilt hat; darunter Artikel des amerikanischen politischen Kommentators Matt Walsh und der Satire-Seite Babylon Bee.“

Hier mehr: www.lifesitenews.com.

VD: AW

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