Politik

Glaube ist nicht genug

Was passiert, wenn eine Journalistin in Glaubensfragen überfordert ist und trotzdem darüber schreibt, kann in der FAZ-Ausgabe vom 26. Januar nachgelesen werden (26.01.2021, Nr. 21, S. 3). Frauke Steffens liefert dort in „Der Glaube ist nicht genug“ den ultimativen Nachweis dafür, dass der neue US-Präsident Joe Biden ein überzeugter Christ ist und jene, die daran zweifeln, mehrheitlich dem rechten und vor allem rassistischem Spektrum zuzuschlagen sind.

Was macht Joe Biden zum frommen Mann? Nun, er nutzte in seiner Antrittsrede biblische Metaphern und stellte im Oval Office ein Bild von Papst Franziskus und sich auf. Dies zeige, dass er und die Trump-Anhänger christliche Werte teilten und er für den Dialog mit ihnen offen sei. Doch da ein wesentlicher Teil der republikanischen Machtbasis und der Trump-Anhänger christliche Nationalisten seien, werde es keinen Dialog geben.

Sie zitiert beispielsweise den Trump-Unterstützer Josh Hawley, der 2017 gesagt habe, dass es keinen Zentimeter des Lebens gebe, über den Jesus Christus nicht herrsche. Das deute darauf hin, „dass in diesem Denken in letzter Konsequenz nur Christen Anspruch auf volle Rechte oder etwa auch staatliche Hilfe erheben könnten“. Dass der Spruch auf Abraham Kuyper zurückgeht und dieser von der Souveränität im eigenen Kreise gesprochen hat, kann ein religiös unmusikalischer Mensch nicht wissen. Aber muss er dann darüber schreiben? Kuyper jedenfalls war Verfechter einer pluralistischen Demokratie, betonte scharf, dass alle Menschen und alle Völker vor Gott gleich sind und förderte die Religionsfreiheit.

Auch den Baptismus meint Frauke Steffens bestens zu verstehen. „Viele weiße Baptisten hängen der Vorstellung an“, schreibt sie, „dass es etwa göttliche Belohnungen für Fleiß gibt und Armut durch Sünde entstehe. Das gipfelt in der Vorstellung, durch große Spenden und viel Arbeit Heil erlangen zu können.“ Wirklich?

Dass Biden das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch in Gesetzesform gießen möchte, ist hingegen eine feine Sache. Der kann sich dabei freilich weder auf die Bibel, den Katholischen Katechismus oder Franziskus persönlich berufen. Aber wen interessiert so etwas schon?

Sowohl Trump als auch Biden profitieren von einem verbreiteten Storytelling, das sich für die Wahrheit kaum noch interessiert (Trump mochte alternative Fakten, Biden nimmt die Wahrheit wichtiger als Tatsachen). Bei vielen Leuten kommt gut an, was sich gut anfühlt. Aufgabe der Presse wäre es freilich, eine missbräuchliche Inanspruchnahme des christlichen Narratives zu benennen, wo immer es geschieht.

Das ist Steffens zumindest bei Biden nicht gelungen. Tatsächlich beherrscht dieser (oder sein Redenschreiber) das Instrument der rhetorischen Betörung brillant. Der katholische Dogmatiker C.C. Pecknold hat das an dem in der Antrittsrede verwendeten Augustinuszitat eindrücklich demonstriert. „Vor vielen Jahrhunderten“, so Biden, „schrieb der heilige Augustinus, ein Heiliger meiner Kirche, dass ein Volk eine Menge ist, die durch die gemeinsamen Objekte ihrer Liebe definiert wird. Was sind die gemeinsamen Objekte, die wir lieben, die uns als Amerikaner definieren?“ Die Antwort, die Biden gibt, hat mit den Vorstellungen von Augustinus nichts zu tun. Während der Kirchenvater darauf bestand, dass es objektive moralische Normen gibt und ein funktionierendes Gemeinwesen darauf angewiesen ist, dass Gott durch Gnade eine „Stadt“ regiert und es Gesetze gibt, die mit der Liebe zu Gott und zum Nächsten übereinstimmen, spricht der neue Präsident von „Chancen, Sicherheit, Freiheit, Würde, Respekt, Ehre und ja, die Wahrheit“.

C.C. Pecknold schreibt:

Sind wir uns einig darüber, was eines dieser Worte bedeutet? Stimmt der gewöhnliche amerikanische Arbeiter, der das Gefühl hat, dass alle seine Möglichkeiten nach China ausgelagert wurden, zu, dass wir einen Konsens über unsere gemeinsamen Möglichkeiten haben? Würden die Ungeborenen im Mutterleib oder die Nonnen, die versuchen, im Einklang mit der Tugend zu leben, oder die Studenten, die mit verwirrenden sexuellen und rassistischen Ideologien bombardiert werden, ein Gefühl dafür haben, dass alle Amerikaner eine gemeinsame Vereinbarung über Menschenwürde, Respekt und Ehre haben? Das sind die Arten von Fragen, die Augustins alternative Definition [von Gemeinwohl] hervorrufen sollte. Aber weil er den Zweck der neuen Definition herausgeschnitten hat, gibt Biden uns einen sehr schlaffen Augustinus, der nur vage liberale Pfründe von „Frieden, Frieden“ liefert.

Wer Beiträge der Satire-Seite „Babylon Bee“ teilt, lebt gefährlich

Es gibt Meldungen, die sollten auch Nicht-Christen und politisch Progressive aufschrecken. Einem australischen Arzt, der sehr erfolgreich praktizierte, wurde nach 15 Jahren seine Lizenz auf unbestimmte Zeit entzogen, nachdem ein Gericht zu dem Schluss kam, dass seine Social-Media-Posts „klare konservative Tendenzen“ zeigten. Livesitenews.com meldet:

Im Jahr 2019 leitete das Medical Board of Australia (MBA) eine Untersuchung gegen den evangelikalen Christen Dr. Jereth Kok ein, nachdem es zwei anonyme Beschwerden über Social-Media-Posts erhalten hatte, die er innerhalb der letzten zehn Jahre geteilt hatte. In einem Interview mit Family Voice Australia beschrieb Kok den Moment, in dem er erfuhr, dass eine Untersuchung über sein Verhalten eingeleitet worden war: „An einem Freitagnachmittag im vergangenen Jahr, während ich Patienten beriet, wurde mir plötzlich mitgeteilt, dass ich zum Schutz des ‚öffentlichen Interesses‘ fristlos aus der Praxis entlassen werden würde.“

Die vermeintlich belastenden Daten kommen in Form von Diskussionen, die Kok in Online-Foren geführt hat, Kommentaren auf Facebook „und ‚Memes‘ und Artikeln, die [er] dort [Facebook] geteilt hat; darunter Artikel des amerikanischen politischen Kommentators Matt Walsh und der Satire-Seite Babylon Bee.“

Hier mehr: www.lifesitenews.com.

VD: AW

Der Islamismus ist tief verankert

Der französische Intellektuelle Pascal Bruckner hat sich in der FAZ (27.10.2020, Nr. 250, S. 11) zum im Land tief verankerten Islamismus geäußert und stellt dabei fest, dass der Islam gegenüber dem Judentum und Christentum in der Kritik geschont wird. Hintergrund des Interviews ist das islamistische Attentat auf einen Lehrer in Paris.

Pascal Bruckner sagt:

Ich will damit sagen, dass die Aufklärung über Dschihadismus im Namen des Antirassismus, des Kampfes gegen „Islamophobie“, behindert wird. Sogar das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo wurde von manchen heruntergespielt. Wer sich über den Propheten lustig mache, diskriminiere den Islam, während man Jesus oder Moses ruhig lächerlich machen dürfe. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Der Islam soll die einzige unberührbare Religion sein. Ich verwende das Wort „Islamophobie“ nicht, weil ich nicht weiß, was es bedeuten soll: Wir haben alle das Recht, Religionen nicht zu mögen oder sie zu kritisieren. Das ist ein fundamentaler Bestandteil der Meinungsfreiheit. Verboten ist nur, Gläubige zu verfolgen oder ihre Kultstätten anzugreifen. Es ist auch völlig berechtigt, den westlichen Kolonialismus zu kritisieren, aber soll man darüber den osmanischen Imperialismus vergessen, der so viele Jahrhunderte das östliche Europa und den Mittelmeerraum besetzt hat und heute in Berg-Karabach den Genozid an Christen und Armeniern vollenden will, der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts begangen wurde? Es handelt sich hier um ein expansives Imperium, das Europa für vergangene Verbrechen schuldig spricht und sich gleichzeitig weigert, seine eigenen anzuerkennen, das überall Dschihadisten bewaffnet und antreibt. Ich bedaure, dass Deutschland der Türkei so furchtsam gegenübertritt.

Wie leicht es fällt, die Verantwortung islamistischer Attentäter herunterzuspielen, demonstriert der Leserbrief eines deutschen Professors, der am 28. Oktober ebenfalls in der FAZ erschienen ist (28.10.2020, Nr. 251, S. 6). Er fragt dort nach Ursachen für den islamischen Terrorismus und meint:

Es gibt mittlerweile genügend soziologische Studien, die zeigen, wie die verweigerte Integration dazu beiträgt, dass die Identitätsangebote eines zunehmend militanten Islams bei einem Teil dieser Bevölkerung Widerhall finden – als Gegenidentifikation gegen eine Gesellschaft und eine Politik, die sie ausgrenzen. Und die Schule, der Auslöser der Mordtat, ist der Ort, an dem schon die Jugendlichen aus diesem sozialen Milieu ihre Ausgrenzung erfahren und gegen die sich einige blindwütig und keineswegs nur in diesem Fall zur Wehr setzen. Entgegen den hehren Werten der Republik, die dort gelehrt werden, der Gleichheit und Brüderlichkeit, ist sie eine hoch selektive Institution der Elitebildung und der Ausgrenzung der Benachteiligten. Trotz aller Absichtserklärungen und Programme hat sich an dieser Situation der Benachteiligung in den letzten Jahrzehnten nichts geändert (die spektakulären Aufstände in den Banlieues sind mittlerweile fünfzehn Jahre her!). Ein Kollektiv von Soziologen hat damals die Schule als eine Fortsetzung der kolonialen Situation analysiert, „in der Lehrer aus der weißen Mittelklasse die Ausgrenzung der Armen festschreiben, die aus den Ländern des Südens stammen“ (Autin „Banlieues, lendemains de révolte“, Paris 2006), und diese Analyse ist bis heute gültig. Die radikale Ablehnung der Schule und der von ihr propagierten Werte hat darin ihre Ursache. Dass der terroristische Akt seine gesellschaftlichen Wurzeln hat, rechtfertigt ihn natürlich nicht, macht ihn aber doch besser verständlich als die rituelle Verurteilung im Namen von Werten, die in den Banlieues für viele gerade unter den Jugendlichen ihre Glaubwürdigkeit längst eingebüßt haben. Solange hier keine grundlegenden Reformen in Angriff genommen werden, wird die französische Gesellschaft mit der Attraktionskraft des militanten Islamismus leben müssen.

Ich will gar nicht bestreiten, das misslungene Integration eine Radikalisierung junger Muslime beschleunigt. Insgesamt ist diese Analyse allerdings dann doch eher eindimensional. Denn nicht alle Gruppen mit Ausgrenzungserfahrungen radikalisieren sich. Die Weltanschauung, die Menschen mitbringen, spielt eben doch eine substantielle Rolle bei der Verarbeitung ungünstiger Begleitumstände.

Warum ist es aussichtslos, mit Genderaktivisten zu diskutieren?

Die Gesellschaften triften immer weiter auseinander. Debatten gewinnen jene, die den stärksten Druck ausüben, ob in der Klimapolitik, der Bildung oder der Genderpolitik. Es gibt nicht um Vernunft, Argumente und gemeinsame Lösungsansätze, sondern um Macht. Die Schweizer Journalistin Claudia Wirz hat in der NZZ einen eindrucksvollen Beitrag zur Diskussionskultur geschrieben und dazu aufgefordert, mehr Fragen im sokratischen Sinne zu stellen.

Als ein Beispiel dient ihr eine Journalistin, die einmal angefangen hat, Fragen zur staatlichen Frauenförderung zu stellen:

Und so stellt sie Fragen zu staatlicher Frauenförderung. Sie fragt, ob die Frauen diesen «safe space» überhaupt brauchen. Ob eine zentralistische Frauenförderung die Frauen nicht erst recht entmündigt? Sie fragt, ob die Frauen etwas merken würden, wenn alle Gleichstellungsbüros auf einmal geschlossen würden; ob Frauenquoten zum Geist des Rechtsstaats passen. Ist nicht der Grundsatz, dass vor dem Gesetz alle gleich sind, eine Errungenschaft aufgeklärter Gesellschaften?

Auch will die Journalistin wissen, was es mit der Gendersprache auf sich hat. Kann die Chefin belegen, dass Frauen durch Wörter wie «Fussgängerstreifen» wirklich systematisch diskriminiert werden? Und kann sie belegen, dass «Zebrastreifen» tatsächlich die frauenfreundlichere Variante ist? Verdrängt das Zebra die Frau nicht genauso, wie es der Fussgänger tut, oder sogar noch mehr? Die Chefin erklärt, dass Quotenregelungen notwendig seien und auch keine Diskriminierung darstellten, bis die Frauen endlich «angemessen» vertreten seien.

Wirz erwähnt noch ein zweites Beispiel: Eine Zürcher Gemeinderätin sollte von einem rot-grünen Gremium gezwungen werden, einen Text in gendergerechter Sprache abzufassen. Die Unbeugsame konnte sich der erzwungenen Sprache nur entziehen, in dem sie rechtlichen Beistand in Anspruch nahm:

Das liess die Gemeinderätin nicht auf sich sitzen und rekurrierte beim Bezirksrat. Sie und ihr Anwalt Lukas Rich hatten eine ganze Palette von Argumenten auf ihrer Seite: Der Gemeinderatsbeschluss habe keine rechtliche Grundlage, sei willkürlich. Er verstosse gegen das Verbot des überspitzten Formalismus als besondere Form der Rechtsverweigerung, verletze die politischen Rechte der Gemeinderätin und missachte den Grundsatz der Ver­hältnismässigkeit sowie den Anspruch auf Meinungsfreiheit. Ein Zwang zum Gendern zielt also – zumindest aus der Sicht der Rekurrentin – mitten ins Herz der Demokratie.

Der Bezirksrat hiess den Rekurs gut. Er kam zu dem Schluss, dass es für eine autoritäre Durchsetzung der Gendersprache keine gesetzliche Grundlage gibt.

Kurz: „So betrachtet lässt die Unerbittlichkeit der Gemeinderatsmehrheit tiefe Einblicke in deren Demokratieverständnis zu. Ausgerechnet jene Kreise, die sonst nicht genug von Toleranz, Diversität und Inklusion sprechen können, versuchen auf diese indirekte Weise den politischen Gegner auszubremsen. Toleranz mit den Gleichgesinnten – Intoleranz gegenüber allen anderen.“

Ein uneingeschränkte Leseempfehlung: www.nzz.ch.

VD: PP

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Steven Pinker:„Der Opferstatus dient als Vorwand für Macht“

Der Linguist und Kognitionsforscher Steven Pinker, Unterzeichner eines Offenen Briefes zum Thema Meinungsfreiheit (vgl. hier), hat der Welt am Sonntag ein Interview gegeben und die Kultur der politischen Korrektheit in den USA beklagt (WAS, 19.07.2020, Nr. 29, S. 45). Laut Pinker schafft ein orthodoxer Moralismus eine ideologische Konformität, die der Wissenschaft und dem Fortschritt schadet.

Hier zwei Zitate aus dem Artikel:

Der Trend, Menschen mit Überzeugungen, die sich von der linksliberalen Orthodoxie unterscheiden, zu verleumden oder zu feuern, ist gefährlich, aus drei Gründen. Der erste Grund: Das Leben unschuldiger Menschen wird ruiniert. Zweitens: Eine jüngere Generation von Intellektuellen, Wissenschaftlern und Künstlern wird eingeschüchtert. Sie fürchten, dass ihre Karriere vorbei ist, wenn sie eine Meinung äußern, die sich von den allgemein akzeptierten Dogmen unterscheidet. Drittens: Es lähmt unsere Fähigkeit, kollektiv Probleme zu lösen, überhaupt die Welt zu verstehen. Niemand ist allwissend. Wenn nur bestimmte Ideen diskutiert werden dürfen, bleiben wir unwissend.

Gegenaufklärerische Ideen gab es immer. Heute erleben wir Angriffe aus zwei Richtungen: von der autoritären, nationalistischen, populistischen Rechten und von der postmodernen, identitätspolitischen, politisch korrekten Linken.

Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper

Der TheoBlog beschäftigt sich nur am Rande mit politischen Ideen und Parteien. Trotzdem möchte ich heute auf das neue Grundsatzprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen verweisen und dazu anregen, dieses wenigstens zu überfliegen. Wer nach der Lektüre noch daran zweifelt, dass die Grünen (neben anderen Parteien) vorhaben, eine neue Leitkultur zu etablieren, muss meines Erachtens schon sehr kulturmarxistisch vereinnahmt sein.

Laufend springt einem die neue Moral ins Auge, die durch den Staat, also von oben, für alle Bürger verbindlich gemacht werden soll. Beispielsweise wird mehrfach betont, dass gesellschaftlich vorgegebene Rollenbilder zu Ungleichheit und persönlichem Leid führen und von daher zu überwinden sind. Schaut man genauer hin, soll ein gewachsenes Verständnis von Mann, Frau und Familie (das in der Verfassung noch klar erkennbar ist) durch die Politik umgelenkt und neu formatiert werden. Für diese Umerziehung werden Freiheit suggerierende Begriffe gewählt: Es geht um Vielfalt und vor allem um Selbstbestimmung. Freilich wird dem Selbst vorgeschrieben, wie es sich zu bestimmen hat. (Nebenbei: Hat mal jemand überprüft, wie viel Leid und Kosten die Verflüssigung und Zerstörung von persönlicher Identität, verursacht?)

Besonders betroffen macht mich der Absatz 195. Was ich in diesem Beitrag zur Kultur des Todes noch vermutet hatte, ist hier bereits programmatische Wirklichkeit: Das Bündnis 90 / Die Grünen setzt sich im Entwurf des Grundsatzprogramms für die völlige Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ein. Zitat:

Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben muss für Frauen und Mädchen uneingeschränkt gelten. Dieses Recht zu realisieren ist Teil einer guten Gesundheitsversorgung. Schwangerschaftsabbrüche haben nichts im Strafgesetzbuch verloren. Intergeschlechtliche- und transsexuelle Menschen haben ausschließlich selbst das Recht, ihr Geschlecht zu definieren.

Den ungeborenen Kindern im Mutterleib wird eine Identität und der Wille zum Leben einfach abgesprochen. Kurz: Das Kind darf vernichtet werden, es verdient keinen rechtlichen Schutz. Das ist kulturlos, außerordentlich perfide und barbarisch!

Aber wer interessiert sich heute noch für Grundsatzprogramme? Politischer Wahlkampf läuft über Bilder, Gefühle, Videoclips und Twitter-Einträge. So ist es für Parteien viel einfacher, ihre Interessen durchzusetzen.

Frauenquoten: der Siegeszug eines Denkfehlers

Anna Schneider zeigt für die NZZ Denkfehler der Quotenpolitik auf:

Es gilt auseinanderzuhalten: Gleichberechtigung bedeutet Gleichheit vor dem Gesetz. Tatsächliche Ungleichheiten der Positionen sind hinzunehmen, da Individuen ungleich sind – das macht sie aus. Das Ideal der Gleichstellung geht hingegen davon aus, dass eine absolute Verteilung der Geschlechter, also 50:50, notwendig ist. Hier liegt der erste Denkfehler, denn weder sind alle Frauen noch alle Männer gleich. Was nicht der Tatsache widerspricht, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleich gut und gleich geeignet sind und also gleich repräsentiert sein sollten.

Gleichberechtigung ermöglicht Freiheit, weil Ungleichheiten nicht negiert werden. Gleichstellung ist Gleichmacherei, die den Menschen nicht mehr in seiner Individualität, sondern nur als Vertreter eines Kollektivs wahrnimmt.

Mehr: www.nzz.ch.

Moral statt Wahrheit

Die Philosophin Maria-Sibylla Lotter (Ruhr-Universität Bochum) mahnt in ihrem Essay „Moral statt Wahrheit: Allzu oft wird Wissenschaft als Wiedergutmachungsprojekt betrieben“ vor einem Moralismus an den Universitäten, der die freie Forschung gefährdet. 

Eine besondere Bedrohung für eine funktionierende Wissenschaftskultur stellen daher politische Warnungen vor bestimmten Themen oder Begriffen dar, die mittlerweile in kulturwissenschaftlichen Kontexten nicht selten zu hören sind, wie «Wenn du das ansprichst, dann spielst du der Rechten in die Hände». Äusserungen moralischer Empörung ­– «Wie kannst du nur so etwas sagen?!» ­– gehören in manchen Disziplinen mittlerweile sogar zum guten Ton, indem man sich als eine engagierte Person präsentiert, die nicht nur ein karrierebewusstes Hirn, sondern auch Herz aufweist.

Das ist hochgefährlich für die Meinungsbildung, denn solche Signale zielen auf die Person der Sprecherin und implizieren, dass mit dieser Person etwas moralisch nicht in Ordnung ist. Sie sind äusserst wirksam, um Menschen zum Schweigen zu bringen. Wir alle sind soziale Tiere und reagieren mit hochempfindlichen emotionalen Antennen auf alle Warnzeichen, die uns mit dem Ausschluss aus dem Kreis der anständigen Menschen bedrohen.

Mehr: www.nzz.ch.

Bundesregierung übernimmt Forderungen der Abtreibungslobby

Es ist beschämend. Die Abtreibungslobby zieht inzwischen auch die C-Parteien über den Tisch. Die Regierungsfraktionen von Union und SPD haben im Bundestag im Mai 2020 einen Antrag eingebracht, der die Agenden der Abtreibungsbefürworter enthält. Im Antrag „Engagement für die Globale Gesundheit ausbauen – Deutschlands Verantwortung in allen Politikfeldern wahrnehmen“ heißt es (Drucksache 19/19491):

Die Bundesregierung legt einen besonderen Fokus auf die Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR). Selbstbestimmte Familienplanung ist ein wesentliches Element von Frauenförderung und beeinflusst die Gesundheit, aber auch die soziale und wirtschaftliche Stellung von Frauen weltweit. Die Verbesserung des Zugangs zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit trägt maßgeblich zur Reduktion von Mütter- sowie Senkung der Neugeborenen- und Kindersterblichkeit bei und ermöglicht es Frauen, selbstbestimmt über ihre Familienplanung zu entscheiden. Darüber erhöhen sich die Chancen auf Bildung und eine gleichberechtige Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Möglichkeiten von Frauen, ihre Lebensplanung selbst in die Hand zu nehmen. Gerade in Krisenzeiten ist der Zugang von Frauen zu elementaren Dienstleistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit besonders stark eingeschränkt; zwei Drittel der weltweiten Fälle von Müttersterblichkeit finden in diesen Kontexten statt.

Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die freie Verfügung der Frau über ein ungeborenes Kind, einschließlich seiner Tötung. Und das völlig unabhängig von Fristen und/oder Indikationen – bis zur Geburt. Die Kirchen – es überrascht leider nicht – schweigen bisher.

Was noch hinter dieser Redensart steckt und wer alles sich für diese Anliegen einsetzt, beschreibt der Lebensrechtler Hubert Hüppe in der Tagespost:

Dass ist unfassbar! Allerdings kommt das für mich auch nicht völlig überraschend. Schon im letzten Jahr wurden im Bundeshaushalt mehr Mittel für die International Planned Parenthood Federation (IPPF) eingestellt. Das ist das Flagschiff der internationalen Abtreibungslobby, welches sich allerdings offiziell als Gesundheitsdienstleister ausgibt. Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Abtreibungslobby tatsächlich eine sehr professionelle Lobbyarbeit machen. Sie sind ständig im Bundestag unterwegs. Mit der Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärin Maria Flachsbarth hat die Organisation „She Decides“ (dt.: „Sie entscheidet“) jetzt eine Protagonistin für die Abtreibungslobby gewonnen, von der man das gar nicht vermuten würde. Wer hält schon für möglich, dass die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes, also gewissermaßen die oberste katholische Frau in Deutschland, das deutsche Gesicht einer Organisation ist, die die Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt ganz oben auf ihrer Agenda stehen hat?

Mehr hier: www.die-tagespost.de.

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