Die Philosophin Maria-Sibylla Lotter (Ruhr-Universität Bochum) mahnt in ihrem Essay „Moral statt Wahrheit: Allzu oft wird Wissenschaft als Wiedergutmachungsprojekt betrieben“ vor einem Moralismus an den Universitäten, der die freie Forschung gefährdet.
Eine besondere Bedrohung für eine funktionierende Wissenschaftskultur stellen daher politische Warnungen vor bestimmten Themen oder Begriffen dar, die mittlerweile in kulturwissenschaftlichen Kontexten nicht selten zu hören sind, wie «Wenn du das ansprichst, dann spielst du der Rechten in die Hände». Äusserungen moralischer Empörung – «Wie kannst du nur so etwas sagen?!» – gehören in manchen Disziplinen mittlerweile sogar zum guten Ton, indem man sich als eine engagierte Person präsentiert, die nicht nur ein karrierebewusstes Hirn, sondern auch Herz aufweist.
Das ist hochgefährlich für die Meinungsbildung, denn solche Signale zielen auf die Person der Sprecherin und implizieren, dass mit dieser Person etwas moralisch nicht in Ordnung ist. Sie sind äusserst wirksam, um Menschen zum Schweigen zu bringen. Wir alle sind soziale Tiere und reagieren mit hochempfindlichen emotionalen Antennen auf alle Warnzeichen, die uns mit dem Ausschluss aus dem Kreis der anständigen Menschen bedrohen.
Es ist beschämend. Die Abtreibungslobby zieht inzwischen auch die C-Parteien über den Tisch. Die Regierungsfraktionen von Union und SPD haben im Bundestag im Mai 2020 einen Antrag eingebracht, der die Agenden der Abtreibungsbefürworter enthält. Im Antrag „Engagement für die Globale Gesundheit ausbauen – Deutschlands Verantwortung in allen Politikfeldern wahrnehmen“ heißt es (Drucksache 19/19491):
Die Bundesregierung legt einen besonderen Fokus auf die Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR). Selbstbestimmte Familienplanung ist ein wesentliches Element von Frauenförderung und beeinflusst die Gesundheit, aber auch die soziale und wirtschaftliche Stellung von Frauen weltweit. Die Verbesserung des Zugangs zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit trägt maßgeblich zur Reduktion von Mütter- sowie Senkung der Neugeborenen- und Kindersterblichkeit bei und ermöglicht es Frauen, selbstbestimmt über ihre Familienplanung zu entscheiden. Darüber erhöhen sich die Chancen auf Bildung und eine gleichberechtige Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Möglichkeiten von Frauen, ihre Lebensplanung selbst in die Hand zu nehmen. Gerade in Krisenzeiten ist der Zugang von Frauen zu elementaren Dienstleistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit besonders stark eingeschränkt; zwei Drittel der weltweiten Fälle von Müttersterblichkeit finden in diesen Kontexten statt.
Hinter dieser Formulierung verbirgt sich die freie Verfügung der Frau über ein ungeborenes Kind, einschließlich seiner Tötung. Und das völlig unabhängig von Fristen und/oder Indikationen – bis zur Geburt. Die Kirchen – es überrascht leider nicht – schweigen bisher.
Was noch hinter dieser Redensart steckt und wer alles sich für diese Anliegen einsetzt, beschreibt der Lebensrechtler Hubert Hüppe in der Tagespost:
Dass ist unfassbar! Allerdings kommt das für mich auch nicht völlig überraschend. Schon im letzten Jahr wurden im Bundeshaushalt mehr Mittel für die International Planned Parenthood Federation (IPPF) eingestellt. Das ist das Flagschiff der internationalen Abtreibungslobby, welches sich allerdings offiziell als Gesundheitsdienstleister ausgibt. Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Abtreibungslobby tatsächlich eine sehr professionelle Lobbyarbeit machen. Sie sind ständig im Bundestag unterwegs. Mit der Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärin Maria Flachsbarth hat die Organisation „She Decides“ (dt.: „Sie entscheidet“) jetzt eine Protagonistin für die Abtreibungslobby gewonnen, von der man das gar nicht vermuten würde. Wer hält schon für möglich, dass die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes, also gewissermaßen die oberste katholische Frau in Deutschland, das deutsche Gesicht einer Organisation ist, die die Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt ganz oben auf ihrer Agenda stehen hat?
Der DEUTSCHLANDFUNK hat einen Beitrag über Dietrich Bonhoeffer veröffentlicht, indem eine falsche Inanspruchnahme durch die theologisch oder politisch Rechten angemahnt wird. Zitat:
Es brauche dagegen endlich bei den verfassten Kirchen ein Bewusstsein, dass sich auch in Deutschland eine religiöse Rechte bildet, die die Bekennende Kirche, Bonhoeffer und andere Gestalten der deutschen Geschichte für sich benutzt. Arnd Henze:
„Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Bonhoeffer so sinnentleeren, dass die Sprüche zeitlos schön auf Kalenderblätter passen. ‚Man muss dem Rad auch mal in die Speichen greifen‘ auf Kalenderblätter drucken, ohne den konkreten Kontext, was er damit gemeint hat, dann, wenn der Staat versagt, wenn er in jeder Funktion nicht mehr den Menschen Schutz bietet, wofür ein Staat da ist. So genau hat das Bonhoeffer formuliert. Wenn wir diesen Kontext nicht mehr im Bewusstsein haben, dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn andere ihn aus dem Kontext reißen und für sich benutzen.“
Nun kann ich die im Beitrag vorgetragenen Argumente sowie die Kritik an der Bonhoeffer-Biografie von Eric Metaxas teilweise nachvollziehen (obwohl der Verriss von Metaxas insgesamt überzogen ist). Was allerdings völlig unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass Bonhoeffer über Jahrzehnte hinweg gern für den linken Narrativ beansprucht wurde, obwohl das dem „wirklichen Bonhoeffer“ ebensowenig gerecht wird. So hat beispielsweise das linke Establishment, egal ob in Politik oder Kirche, in den letzten Jahren Bonhoeffers Einsatz für das Lebensrecht mehr oder weniger komplett ausgeblendet. Man stelle sich mal vor, ein Heinrich Bedford-Strohm oder eine Margot Käßmann oder Katrin Göring-Eckardt erklärten mit Bonhoeffer öffentlich (Ethik, Werke, Bd. 6, S. 130):
Die Kirche bekennt, an dem Zusammenbruch der elterlichen Autorität schuldig zu sein. Der Verachtung des Alters und der Vergötterung der Jugend ist die Kirche nicht entgegengetreten aus Furcht, die Jugend und damit die Zukunft zu verlieren, als wäre ihre Zukunft die Jugend! Sie hat die göttliche Würde der Eltern gegen eine revolutionierende Jugend nicht zu verkündigen gewagt und hat den sehr irdischen Versuch gemacht „mit der Jugend zu gehen“. So ist sie schuldig an der Zerstörung unzähliger Familien, an dem Verrat der Kinder an ihren Vätern, an der Selbstvergötterung der Jugend und damit an ihrer Preisgabe an den Abfall von Christus.
…
Die Kirche bekennt, kein wegweisendes und helfendes Wort gewußt zu haben zu der Auflösung aller Ordnung im Verhältnis der Geschlechter zueinander. Sie hat der Verhöhnung der Keuschheit und der Proklamation der geschlechtlichen Zügellosigkeit nichts Gültiges und Starkes entgegenzusetzen gewußt. Sie ist über eine gelegentliche moralische Entrüstung nicht hinausgekommen. Sie ist damit schuldig geworden an der Reinheit und Gesundheit der Jugend. Sie hat die Zugehörigkeit unseres Leibes zum Leib Christi nicht stark zu verkündigen gewußt.
…
Die Kirche bekennt sich schuldig aller 10 Gebote, sie bekennt darin ihren Abfall von Christus. Sie hat die Wahrheit Gottes nicht so bezeugt, daß alles Wahrheitsforschen, alle Wissenschaft ihren Ursprung in dieser Wahrheit erkannte; sie hat die Gerechtigkeit Gottes nicht so verkündigt, daß alles menschliche Recht in ihr die Quelle des eigenen Wesens sehen mußte; sie hat die Fürsorge Gottes nicht so glaubhaft zu machen vermocht, daß alles menschliche Wirtschaften von ihr aus seine Aufgabe in Empfang genommen hätte. Durch ihr eigenes Verstummen ist die Kirche schuldig geworden an dem Verlust an verantwortlichem Handeln, an Tapferkeit des Einstehens und Bereitschaft für das als recht Erkannte zu leiden. Sie ist schuldig geworden an dem Abfall der Obrigkeit von Christus.
Um es klar zu sagen: Bonhoeffer gehört weder der Rechten, Linken oder dem Mainstream. Gern verweise ich dazu auf einen Beitrag aus dem Jahr 2011: „Der andere Bonhoeffer“ (vgl. auch „Metaxas Bonhoeffer“). Das von mir mehrfach empfohlene Buch Der andere Bonhoeffer – Die Herausforderung des Modernismus von Georg Huntemann ist übrigens derzeit antiquarische günstig zu haben.
Als ich Heinrich Bedford-Strohms Stellungnahme zum Tod von Manfred Stolpe las, hat es mir fast die Sprache verschlagen. Mit keinem Wort hat der EKD-Ratsvorsitzende den zwielichtigen Machwillen Stolpes erwähnt. Stattdessen ist zu lesen:
Mit großer Dankbarkeit erinnere ich an Manfred Stolpes unermüdlichen Einsatz für die evangelische Kirche in der DDR sowie als Partner und Brückenbauer zwischen der evangelischen Kirche in Ost und West“, erklärte Bedford-Strohm. „In seiner Verantwortung als Funktionsträger einer christlichen Kirche in der DDR ist Stolpe immer wieder auch in zwiespältige Situationen geführt worden, die ihn auch als Christ herausgefordert haben. Wir haben in Manfred Stolpe einen Menschen kennengelernt, der mit schwierigen Entscheidungen gewissenhaft umgegangen ist. Seine Verdienste um die deutsche Einheit und sein Eintreten für die Aussöhnung zwischen Ost- und Westdeutschland bleiben unvergessen. Die Bedeutung des Zuhörens in Zeiten, in denen einfache Antworten Konjunktur haben, hat er mit großem Nachdruck immer wieder betont.“
Was werden wohl diejenigen denken, die in der ehemaligen DDR unter Stolpe gelitten haben, weil er als IM Sekretär ein fleißiger Zuträger des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen ist? Bedford-Strohm solidarisiert sich mit einem Täter, nicht mit den vielen Opfern. Der sächsische Kirchenrat Prof. Karl-Hermann Kandler soll einmal gesagt haben: „Keiner hat so wie Stolpe dazu beigetragen, Ex-Stasileute und SED-Genossen nach 1990 hoffähig zu machen!“ Einzelheiten über Stolpes Strategien können hier nachgelesen werden. Einen Fall möchte ich direkt zitieren:
In einem Schreiben Stolpes an das Mitglied des Politbüros der SED Joachim Herrmann, vom 29.06.1987, kommentierte er die Liebknecht- Luxemburg-Demo vom 17.01.1988. Hier bezeichnete er Bohley, Klier, Krawczyk als: „radikalen Kräfte, die man nicht so schnell ausreisen lassen dürfe, damit kein Beispiel gesetzt werde“ Im Zusammenhang mit Ausreisewilligen und Anhängern der Friedensbewegung erklärt Stolpe, er befürwortete: „hartes staatliches Reagieren“. Stolpe bezeichnete protestierende Ausreisewillige als: „am Rande des Terrorismus stehend“. Er erklärte: „die Notwendigkeit einer staatlichen Abschreckungsmethode gegenüber Ausreisewilligen“
Klar, dass Stolpe in seiner Position zur DDR-Zeit auch mit der Stasi reden musste. Aber er hätte – wie es die Kirche vorschrieb – seine Vorgesetzten informieren müssen. Stattdessen hat er erst 1992 zugegeben, mehr als 20 (!) Jahre lang über 1.000 Mal größtenteils konspirativ mit der Stasi verhandelt zu haben. Dabei informierte er den Geheimdienst, der Christen bespitzeln ließ und manche buchstäblich ans Messer lieferte, sogar über Personalangelegenheiten. Jeder Pfarrer hatte schon bei viel weniger Kontakten ein Disziplinarverfahren am Halse – Stolpe nicht. Noch viel bedenklicher: Er nahm vom SED-Regime wertvolle Geschenke an und erhielt 1978 als „IM Sekretär“ auf allerhöchsten Befehl sogar die Verdienstmedaille der DDR. Bundesminister Jürgen Warnke (CSU), mit dem zusammen ich damals im Rat der EKD saß, forderte deshalb zu Recht, Stolpe sollte sein Amt als Ministerpräsident ruhen lassen. Dem schloss sich sogar die linke Hamburger Bischön Maria Jepsen an.
Eine der vorgeschlagenen gesetzlichen Verschärfungen betrifft E-Mail-Dienste, soziale Netzwerke und Unternehmen, die Angebote im Internet betreiben: Sie sollen künftig die Passwörter ihrer Kunden auf Verlangen an die Sicherheitsbehörden herausgeben müssen. Der Kreis dieser Sicherheitsbehörden ist weit. Er umfasst alle Polizeibehörden, den Verfassungsschutz, den Bundesnachrichtendienst sowie den Zoll. Bisher konnten diese Behörden nur IP-Adressen abfragen – unter Richtervorbehalt. Dieser greift nun wohl auch in diesem Fall, dennoch sind die im Gesetzesentwurf vorgesehenen Voraussetzungen für die Passwortabfrage sehr niederschwellig. Es reicht demnach, wenn der Verdacht irgendeines Delikts im Raum steht.
Nach jahrelanger Diskussion über eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz hat das Bundesjustizministerium einen Gesetzentwurf erarbeitet. Demnach sollen Kinder einen Anspruch auf „Förderung ihrer Grundrechte“ erhalten. Zudem soll eine Pflicht zur Berücksichtigung des Kindeswohls festgeschrieben werden. Ministerin Christine Lambrecht (SPD) hat das entsprechende Papier, das der Süddeutschen Zeitung (SZ) vorliegt, zur Ressortabstimmung an die Bundesregierung überwiesen. Artikel 6 GG soll um einen neuen Absatz 1a erweitert werden mit folgendem Wortlaut:
Jedes Kind hat das Recht auf Achtung, Schutz und Förderung seiner Grundrechte einschließlich seines Rechts auf Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit in der sozialen Gemeinschaft. Das Wohl des Kindes ist bei allem staatlichen Handeln, das es unmittelbar in seinen Rechten betrifft, angemessen zu berücksichtigen. Jedes Kind hat bei staatlichen Entscheidungen, die seine Rechte unmittelbar betreffen, einen Anspruch auf rechtliches Gehör.
Das Bundesjustizministerium hat einen entsprechenden Gesetzentwurf erarbeitet. Danach soll ein neuer Absatz 1a in Artikel 6 eingefügt werden.
Am Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Staat soll damit aber möglichst nichts geändert werden.
Elternrecht und Elternverantwortung sollen nicht beschränkt werden.
Der neugierige Leser fragt sich: Warum brauchen wir, wenn sich im Grunde nichts ändert, überhaupt Kinderrechte im Grundgesetz? Das Aktionsbündnis DEMO FÜR ALLE bewertet denn den Entwurf völlig anders:
Das übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen. Schon der erste Satz macht klar, daß Aufwachsen und Entwicklung des Kindes innerhalb seiner Familie kein Thema mehr sind, sondern daß die Erziehung des Kindes „in der sozialen Gemeinschaft“ zu erfolgen hat. Das ist ein Paradigmenwechsel hin zu Kollektivismus und Sozialismus.
Entsprechend sollen die „Kinderrechte“ in einem Absatz 1a noch vor das Elternrecht in Absatz 2 platziert werden. Damit würden „Kinderrechte“ eindeutig über das natürliche Recht der Eltern auf die Erziehung der eigenen Kinder gestellt. Wie die meisten Rechtsgutachten belegen, hätte dies konkrete verheerende Folgen:
Das Elternrecht würde verdrängt. Politik und Justiz würden den neuen „Kinderrechten“ regelmäßig Vorrang vor dem Elternrecht gewähren und dabei nach Belieben interpretieren, was das angeblich Beste für das Kind sei. Nicht mehr die Eltern, sondern der Staat würde über die vermeintlichen Kindesinteressen entscheiden. Das im Grundgesetz als Abwehrrecht gegen einen übergriffigen Staat festgeschriebene natürliche Recht der Eltern auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder wäre damit faktisch außer Kraft gesetzt!
Dabei besteht überhaupt keine Notwendigkeit, zusätzliche „Kinderrechte“ ins Grundgesetz zu schreiben. Kinder sind bereits Träger aller Grundrechte. Es gibt keine Schutzlücke. Und: Bereits heute muss dem Kindeswohl in allen Gesetzgebungsverfahren Vorrang gewährt werden.
Alice Schwarzer ist die bekannteste Vertreterin des deutschen Feminismus. Man muss sie nicht mögen. Ich habe mich über sie schon oft geärgert. Nicht nur, weil sie aggressiv für die Legalisierung von Abtreibungen eintritt. Aber ich habe auch Respekt, da sie heiße Themen wie Prostitution, Pornographie oder die Unterdrückung von Frauen deutlich anspricht.
Alice Schwarzer sollte kürzlich einen Vortrag an einer Hochschule in Österreich halten. Einige Studentinnen wollten sie daran hindern, da Schwarzer den politischen Islam kritisiert. Sie sprach trotzdem. Es kam zum Eklat. Die WELT berichtet:
Im Gespräch mit der Tageszeitung „Standard“ widersprechen zwei Funktionärinnen der Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH). Schwarzer habe sich mehrfach „sexarbeitsfeindlich, transphob und antimuslimisch-rassistisch geäußert“. Über diese Diskriminierungen dürfe man „nicht hinwegsehen. Diese Kämpfe sind nicht voneinander losgekoppelt.“
…
Es gebe viele andere Feministinnen, aber es werde immer nur die Position eingeladen, die Schwarzer repräsentiere: „Es geht einfach nicht, dass schon wieder eine weiße Frau etwas dazu sagen darf.“ Die Geschichte des Feminismus sei nicht nur weiß. „Wir wünschen uns eine Bühne, auf der mehrere Stimmen gehört werden“, sagten die ÖH-Vertreterinnen. Wenngleich sie auch betonen, dass es ihnen nicht darum gehe, „irgendeine Meinung zu verbieten“.
Posie Parker ist eine (selbstkritische) Feministin. Eine kontroverse Feministin. Umstritten ist sie vor allem, weil sie meint, dass Transfrauen keine Frauen, sondern immer noch Männer sind. Es besorgt sie, dass Transfrauen den Frauen ihre sicheren Räume „stehlen“. Das sagt sie offen.
Dafür musste sie einen Preis bezahlen. Ihr wurde vorgeworfen, transphob und anderes zu sein. Sie wurde bezichtigt, Hassreden zu verbreiten. Ihre Konten bei den Sozialen Medien wurde gesperrt oder gelöscht. Sie schreibt auf ihrer Internetseite:
In den letzten Jahren wurde ich zweimal unter Vorbehalt [von Behörden] befragt, weil ich sagte, dass es sich bei Transkindern um Kindesmissbrauch handelt. Mein Facebook-Hauptaccount wurde deaktiviert, meine IP-Adresse wurde dauerhaft von Twitter gesperrt, nur weil ich gesagt habe, dass Männer keine Frauen sein können.
Mehr Kinderrechte. Das klingt irgendwie gut. Tatsächlich stärken mehr Kinderrechte jedoch die Entmachtung der Eltern. Das ist keine gute Entwicklung. Reinhard Müller kommentiert das Bestreben treffend für die FAZ:
Die altehrwürdige aktuelle Fassung des Grundgesetzes stellt Ehe und Familie, also mit Kindern, unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind demnach „das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft „wacht“. Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten, so fährt die Verfassung fort, „dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen“.
Das heißt also: Die Eltern sind zuständig – und nur im Notfall ist es der Staat. Das kann in einem freiheitlichen Land auch nicht anders sein. Es stimmt bedenklich, wenn vor allem SPD und Grüne, aber auch Menschenrechtsorganisationen den Eindruck erwecken, Deutschland komme seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach oder missachte Kinderrechte gar bewusst. Sollte mit einer Grundgesetzänderung letztlich beabsichtigt sein, die Wächterrolle des Staates zu stärken, dann sollte man von ihr absehen. Denn mehr Rechte für den Staat bedeuten weniger Rechte der Eltern.
Siehe dazu auch das Gutachten des Bundesarbeitskreises Christlich-Demokratischer Juristen (BACDJ): GutachtenBACDJ_201910.pdf.
Ich finde es erfrischend, wenn linke Denker wie Svenja Flaßpöhler feststellen, dass Betroffenheitsgesten die Diskussionskultur in der Gesellschaft und an den Hochschulen nicht nur beschädigen, sondern erdrücken. Das Ende eines Debatten-Diskurses ist ganz schnell erreicht; wenn „an die Stelle von Argumenten Gefühle treten, ist an Diskutieren nicht zu denken. Das würgt alles ab“.
Svenja Flaßpöhler:
Der zentrale Unterschied ist doch der: Der Faschismus wendet sich gegen Minderheiten, gegen Schwache. Wenn aber zum Beispiel Studierende dafür kämpfen, dass ein Eugen-Gomringer-Gedicht von der Wand ihrer Hochschule verschwindet, dann ist der Feind der weiße, erfolgreiche Mann. Dreh- und Angelpunkt ist also das Verhältnis von Privilegierten und Nichtprivilegierten. Oder auch: von Betroffenen und Nichtbetroffenen. Es gibt im Feminismus die sogenannte Standpunkttheorie, die besagt, dass jede Position an einen Standpunkt gebunden ist, aber dass die Unterdrückten einen objektiveren Zugang zur Wahrheit haben, weil sie viel mehr sehen als die privilegierte Gruppe, die gar kein Interesse an einer höheren Erkenntnis hat. Sicher ist es richtig, dass ich nicht weiß, wie es ist, eine schwarze Hautfarbe zu haben. Insofern kann mich die Sicht eines dunkelhäutigen Menschen, der tagtäglich Diskriminierung erfährt, zu neuen, wertvollen Einsichten führen. Problematisch finde ich aber, wenn Menschen, die keiner solch unterdrückten Gruppe angehören, unterstellt wird, dass sie zu bestimmten Themen nichts Wertvolles sagen können. Ich als weiße, heterosexuelle Frau in einer Führungsposition habe in bestimmten Themenkomplexen ganz schlechte Karten.
Ich empfehle die vollständige Lektüre dieses Interviews mit der Chefredakteurin des Philosophie Magazins gern: taz.de.