Bibelwissenschaft

Paulus und die Hölle

In den meisten Bibelübersetzungen fehlt das Wort »Hölle« in den paulinischen Briefen. Der Apostel hat die griechischen Begriffe »geena« oder »hadēs« in seinen neutestamentlichen Schreiben nicht benutzt. Sagt Paulus dennoch etwas über ein ewiges Strafgericht für diejenigen, die Gottes befreiendes Evangelium ablehnen? Und wenn ja, wie stellt er sich so eine Strafe vor?

Der Neutestamentler Douglas J. Moo (Wheaton College, USA) geht in seinem Beitrag »Paul on Hell« für das Buch Hell Under Fire: Modern Scholarship Reinvents Eternal Punishment genau diesen Fragen nach.

Der Aufsatz kann gratis hier heruntergeladen werden: paulonhell.pdf.

Der ESV Bible Atlas ist da

atlas-300x389.jpgHeute war ich in Koblenz, um beim Zoll eine Postsendung aus den U.S.A. abzuholen (und um bei Ikea einzukaufen). Der vor einigen Wochen bei Amazon bestellte ESV-Atlas ist endlich eingetroffen. Ich musste keine Zollgebühren bezahlen. Die Mehrwertsteuer wurde mir erlassen, da der Betrag unter 5 Euro gelegen hätte.

Der 349-Seiten Atlas wurde von John Currid (RTS, Charlotte) verfasst. Das Kartenmaterial stammt von David Barrett, der auch die Karten für die ESV Study Bibel gestaltet hat. Die Qualität des Materials ist entsprechend hoch.

Der Atlas enthält konkret:

  • 175 farbige Karten;
  • 70 Farbfotos;
  • etliche 3-D-Abbildungen (z.B. Jerusalem oder den Tempel);
  • Indizes;
  • Zeittafeln;
  • viele gute Hintergrundinformationen zu den Karten;
  • eine CD-ROM mit Kartenmaterial und einem Suchindex;
  • und ein Poster mit der Karte von Palästina.

Hier kann der interessierte Leser sich einige Karten anschauen.

Ich bin mit dieser Ausgabe sehr zufrieden und werde wohl im Urlaub öfters mal drin stöbern. Jetzt müsste noch ein Verlag die ESV-Studienbibel und den Atlas in Deutscher Sprache herausgeben. Welche Bibelübersetzung würde der Verlag wohl wählen?

Deutsche Bibeln vor Luther

Dass Luther für die große deutschsprachige Bibelübersetzung verantwortlich ist, wissen auch Gelegenheitsleser. Weniger bekannt ist, dass bereits vor Luther mehr als 70 verschiedene Bibelverdeutscher tätig waren und 18 Drucke vollständiger deutscher Bibeln existierten.

Hier mehr: books.google.de.

Zweierlei Diaspora

31rmBvqnF8L._SL160_.jpgUnd wieder eine neue Perspektive:

Ein schmales Büchlein mit einer These, die unser Bild des antiken Judentums grundlegend verändert. Denn innerhalb der jüdischen Geschichtsschreibung hatte man bisher weithin angenommen, dass sich in der Antike das religiöse und kulturelle Leben im östlichen wie im westlichen Judentum unter dem Einfluss der Rabbinen des Landes Israel, der Tannaim (1. und 2. Jahrhundert nach Christus) und der Amoraim (etwa 220 bis 360/70), entwickelt habe.

Demgegenüber behaupten der Althistoriker Doron Mendels von der Hebräischen Universität in Jerusalem und der in Tel Aviv lehrende Rechtshistoriker Arye Edrei jetzt, die jüdische Diaspora, also die Welt der Juden, die außerhalb Palästinas lebten, sei in dieser Zeit zweigeteilt gewesen: Es habe zwei Sprachen, Griechisch (und in geringerem Maße auch Lateinisch) im Westen und Hebräisch/Aramäisch im Osten, gegeben und, damit eng verknüpft, auch zwei »Wissenskulturen«, ja »zweierlei Judentum«.

Ich gestehe, ich habe das Buch bisher nicht gelesen (und bin zurückhaltend). Allerdings vermute ich, dass sich die These, das europäische Judentum sei in der ausgehenden Antike eine bunte Ansammlung von Gruppen mit unterschiedlicher Homogenitäts- und Organisationsdichte gewesen, recht gut belegen lässt.

Hier die Rezension von Wolfram Kinzig: www.faz.net. Das Buch:

  • Doron Mendels und Arye Edrei: »Zweierlei Diaspora«: Zur Spaltung der antiken jüdischen Welt, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010. 159 S., 24,90 Euro

gibt es auch:

BestCommentaries.com

»Kennst Du einen guten Kommentar zu …?« ist eine Frage, die ich immer wieder zu hören bekomme. Die Zahl der empfehlenswerten Kommentare in deutscher Sprache ist überschaubar (und manchmal sind sie so teuer, dass ich gleich auf eine Bibliothek verweise). Im angelsächsischen Sprachraum werden dagegen so viele Werke und Reihen angeboten, dass der Bibelleser schnell den Überblick verlieren kann.

John Dyer hat www.BestCommentaries.com entwickelt. Die sehr übersichtlich gestaltete Internetseite kann auf der Suche nach guten Angeboten im Kommentardschungel hilfreich sein.

Hier ein Blick auf den tabellarischen Vergleich:

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VD: HB

Gottes Fußsohle im Jordan-Tal?

40 Jahre lang soll die Wanderschaft der Juden gedauert haben, als sie nach der Sklaverei in Ägypten ins Heilige Land Israel gelangten und sich dort im Jordan-Tal niederließen. Ist diese biblische Geschichte wirklich wahr oder ein Mythos? Der Archäologe Adam Zertal will darauf nun eine Antwort gefunden haben.

Richard C. Schneider berichtet aus dem ARD-Studio Tel Aviv über den Professor von der Universität Haifa: www.tagesschau.de.

VD: J

Die Entfremdung von der Bibel

Das schrieb Gerhard Ebeling vor 30 Jahren:

Der Bibelgebrauch ist weithin auf den kirchlich institutionalisierten Umgang mit ihr reduziert. Ihre Rolle als Hausbuch und als privates Andachtsmittel ist stark geschrumpft. Die Zahl derer, die keine oder nur eine ganz verzerrte Vorstellung von ihr haben, ist weiter im Wachsen. Die Bibelkenntnis ist bis in kirchentreue Kreise hinein, sogar bei Theologiestudenten, erschreckend gering. Und selbst bei gutem Willen fühlt man sich dem Dickicht dieses Buches gegenüber hilflos. Auch unter politisch denkbar freiheitlichen Verhältnissen, die den Kirchen sogar noch gewisse Privilegien wie den schulischen Religionsunterricht einräumen, ist diese Entfremdungstendenz anscheinend kaum aufzuhalten. Sie wird vom Sog des Zivilisationsgefälles und seiner vorherrschenden kulturellen Erscheinungen vorangetrieben und zum Teil noch gefördert durch fragwürdige religionsdidaktische Theorien oder auch einfach durch einen desolaten Zustand pädagogischer Praxis.

Was für Worte würde er heute finden?

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