Praktische Theologie

Gott vertrauen, wenn deine Schmerzen sinnlos erscheinen

Sarah Taylor kämpft seit über zwei Jahrzehnten mit schweren, chronischen Schmerzen und es liegt ihr auf dem Herzen, andere Leidende darin zu ermutigen, trotzdem einem guten und gnädigen Gott zu vertrauen.

Sie schreibt:

Ich sehe auch eine Wahrheit in Sprüche 3,5–6: „Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen.“ Wenn ich mich auf meinen eigenen Verstand verlasse, dann scheint Leiden eine ziemlich armselige Art zu sein, einen Monat zu verbringen (oder ein Jahrzehnt).

Unsere Vorstellung eines ebenen Pfades wäre immer die, dass wir den Job und das Haus bekommen, uns den Traum-Mann angeln, gesunde und schöne Kinder haben, uns großartig fühlen, und glücklich und zufrieden leben bis an unser Lebensende. Unser Plan für uns selbst schließt niemals ein gebrochenes Herz mit ein, Krankheit, Verlust, nicht einmal die Unannehmlichkeiten des täglichen Lebens.

Aber wenn wir wirklich seinem Verstand vertrauen, dann denken wir daran, dass er unser guter Hirte ist (vgl. Joh 10,11), dass er uns mit ewiger und aufopferungsvoller Liebe liebt (vgl. 1Joh 4), dass er uns nur Gutes tut, auch wenn es sich nicht gut anfühlt (vgl. Röm 8,28), dass er Pläne und Absichten verfolgt, die über das hinausgehen, was wir uns vorstellen können (vgl. Eph 3,20), dass wir äußerlich aufgerieben, innerlich aber Tag für Tag erneuert werden (vgl. 2Kor 4,16), dass er unseren Glauben zu purem Gold läutert (vgl. 1Petr 1,7), dass er uns für die ewige Herrlichkeit vorbereitet (vgl. 2Kor 4,17).

Mehr: www.evangelium21.net.

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Ich glaube

Redeemed empfehle ich gern. Ein starkes Bekenntnis. Danke!

Hier der Poetry-Slam-Text „Ich glaube“:

VD: LK

Naomi Wright: Mein Leben in einem pseudochristlichen Kult

Naomi Wright ist in einem pseudochristlichen Kult aufgewachsen, der durch die Sonderlehren des Heilungspredigers William Marrion Branham beeinflusst war. Für das alltägliche Leben bedeutete das: Ärztliche Hilfe wurde in der Regel abgelehnt, bestimmte Personen haben darüber entschieden, wie die Bibel zu verstehen ist, es gab starke Kontrollmechanismen, Frauen wurde eine gute Bildung meist verweigert usw.

Naomi fand mit Gottes Hilfe einen Weg aus diesem Kult, entdeckte das Evangelium und studiert heute Theologie. In einem Interview mit Douglas Groothius spricht sie sehr offen und hilfreich über ihre Erfahrungen (leider nur in engl. Sprache).

Augustinus: Stell dich auf die Menschen ein

Aurelius Augustinus schreibt über „Taufgespräche“ (Vom ersten katechetischen Unterricht, 1985, S. 31–32):

Nachdrücklich muß ich dich aber auf folgende Tatsache hinweisen: Wenn ein in den freien Wissenschaften Gebildeter in deinen Einführungsunterricht kommt, der sich schon fest entschlossen hat, Christ zu werden, der also nur noch kommt, um diesen Schritt zu vollziehen, wird er mit größter Sicherheit große Teile unserer biblischen Bücher und unseres kirchlichen Schrifttums bereits kennen, und – ausgerüstet mit diesen Kenntnissen – nur gerade erscheinen, um an den Aufnahmezeremonien teilzunehmen. Leute dieser Art pflegen nämlich nicht erst in der Stunde, in der sie Christen werden, sondern schon vorher alle Fragen sorgsam zu prüfen und ihre innern Beweggründe mit möglichst vielen Gesprächspartnern gemeinsam zu erörtern. Bei ihnen sollte man sich also kurz fassen, ihnen nicht pedantisch eintrichtern wollen, was sie bereits wissen, sondern dies nur behutsam streifen, etwa mit den Worten, daß sie das und das vermutlich schon wissen. Auf diese Weise zählen wir im Vorbeigehen alles auf, was wir den Ungeschulten und Ungebildeten mühsam einprägen müssen. So bekommt jener Gebildete nicht im Schulmeisterton zu hören, was er bereits weiß; falls er aber etwas noch nicht kennt, kann er es zur Kenntnis nehmen, während wir es ihm als sicher bekannt kurz erwähnen. Gewiß ist es nicht unnütz, auch ihn nach den Beweggründen zu fragen, die in ihm den Willen aufkommen ließen, Christ zu sein. Wenn du den Eindruck gewinnst, daß er von den kanonischen Büchern oder auch von Werken empfehlenswerter kirchlicher Autoren dazu veranlaßt wurde, sprich zuerst kurz von diesen Büchern, lobe sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Vorzüge, einerseits wegen ihrer kanonischen Autorität, andererseits wegen des Scharfsinns und der Sorgfalt ihrer Verfasser. Bei den kanonischen Schriften weise besonders darauf hin, wie hier ein Inhalt von bewundernswerter Tiefe in einen bescheidenen Stil eingekleidet ist, der aber für das Heil sehr förderlich ist; bei jenen anderen Schriften lege das Hauptaugenmerk auf den wohlklingenden, gleichsam gedrechselten Sprachstil, der sich – je nach Fähigkeit des einzelnen Schriftstellers – besonders für Personen eignet, die stolz auf ihre Bildung sind und gerade deswegen dafür eine Schwäche haben.

Einsamkeit, mein treuer Begleiter

„Sünde hat Einsamkeit hervorgerufen, aber wir müssen erkennen, dass Einsamkeit an sich keine Sünde ist“, meint Steve DeWitt. Er schreibt:

Wir müssen Einsamkeit spiegelverkehrt betrachten und richtig auf sie reagieren, wenn wir weise werden wollen. In den paar Jahrzehnten, in denen ich alleine lebte, war mir meine Einsamkeit nicht wie ein Freund, sondern wie ein Feind. Sie diente dazu, mich an meine früheren Beziehungsversagen zu erinnern – Beziehungen, von denen ich mir erhofft hatte, dass sie mir dieses schmerzliche Gefühl wegnehmen würden. Hierin liegt die lauernde Gefahr von Einsamkeit: wenn sie nicht dein Freund ist, ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein vernichtender Gegner in deinem Leben. Wir alle kennen Menschen, deren Bewältigungsmechanismus Selbstisolation ist, welche entweder auf ein Fehlen von Beziehungen oder auf Kummer bezüglich Beziehungen zurückzuführen ist (Spr 18,1). Für diese Menschen wird Einsamkeit eher zu einer Schlucht, in der sie leben, anstatt zu einem Tal, das sie durchqueren.

Mehr: www.evangelium21.net.

Jay E. Adams 1929–2020

Jay Adams ist am 14. November 2020 in die ewige Ruhe bei seinem Herrn eingetreten. Er wurde 91 Jahre alt.

Adams war vor allem als Begründer der modernen biblischen Beratungsbewegung bekannt, die mit der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Buches Competent to Counsel im Jahr 1970 ins Leben gerufen wurde. Er war ein Vorkämpfer für die Sache der biblischen Suffizienz in der Seelsorge und kämpfte gegen das Vordringen der säkularen Psychologie in die Beratungsräume von Pastoren und christlichen Laien an.

In den 80-er Jahren war die Seelsorge nach Adams in Deutschland recht verbreitet, da viele seiner Bücher übersetzt wurden. Seine Seelsorge musste allerdings auch sehr viel Kritik über sich ergehen lassen.

Jay Adams arbeitete zuletzt für das The Institute for Nouthetic Studies. Die Christian Counseling & Educational Foundation (CCEF) hat viele Impulse von Adams aufgenommen und gründlich weiterentwickelt.

Hier ist ein Rückblick auf sein Leben zu finden: nouthetic.blog.

Warum „cooles Christentum“ noch nie eine gute Idee war

Brett McCracken, Autor des Buches Hipster Christianity: When Church And Cool Collide, rechnet mit dem progressiven Christentum ab:

Anfang des 21. Jahrhunderts war „Relevanz“ zum wichtigsten Schlagwort der westlichen evangelikalen Christenheit geworden. Pastoren, Gemeindeleiter und andere christliche Schlüsselpersonen empfanden eine neue Dringlichkeit, das Evangelium für die nächste Generation ansprechender zu gestalten – immerhin zeigten Umfragen, dass sich junge Leute in nennenswerter Zahl vom Glauben abwandten. Also versuchte man, dem Glauben ein neues Image zu verpassen. Das war die Zeit, in der das Magazin Relevant [in den USA] ins Leben gerufen wurde, Donald Millers Buch Blue like Jazz erschien und Rob Bell zu einer Art evangelikalem Steve Jobs aufstieg. Karos, Röhrenjeans, Bart und Tattoos wurden zur inoffiziellen Standarduniform eines Pastors. Es ging darum, den Glauben neu zu vermarkten, einen weniger gesetzlichen, dafür kultur-freundlicheren, „emergenten“ Glauben zu propagieren, der anders war als die angestaubte Religion unserer Großeltern.

In meinem vor zehn Jahren erschienenen Buch Hipster Christianity: When Church and Cool Collide habe ich diese problematische Zeit mit großer Genauigkeit nachgezeichnet. In vieler Hinsicht ist dieses Buch inzwischen nur noch ein nostalgisches Relikt – ein Zeitzeuge eines bestimmten Segments des Evangelikalismus an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. Doch die Tatsache, dass es sich um ein Buch mit Ablaufdatum handelt, bestätigt den springenden Punkt, auf den ich damals hinwies: dass „cooles Christsein“ – wenn kein Oxymoron – zumindest vergebliche Mühe ist. Ein auf Relevanz ausgerichtetes Christentum sät selbst den Samen dafür, eines Tages überholt zu sein. Statt das Christentum zu retten oder wiederzubeleben, wird es durch Hipster-Glauben auf die Ebene eines Konsumguts reduziert – ebenso schnelllebig und vergänglich wie die Mode der neuesten Laufsteg-Kollektion. Wenn man die Relevanz des Christentums an seiner Fähigkeit festmacht, die Gunst der „Coolen“ zu erlangen – die doch nur die derzeitigen sind in einer langen Geschichte der evangelikalen Vorliebe für Prestige –, dann führt das ernsthaft in die Irre.

Mehr: www.evangelium21.net.

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Zehn Gemeindemitglieder, die ich besonders lieben muss

Tim Challies hat einen amüsanten Text für den Gemeindealltag geschrieben. Bestimmte Kategorien von Gemeindegliedern fordern ihn nämlich besonders heraus:

  1. Die Kategorie „Untergang und Finsternis“: Diese Person neigt dazu, sich ständig darüber zu beschweren, was im Gemeindeleben vor sich geht.
  2. Die Kategorie: „Kurz davor, zu gehen“: Dieses Gemeindemitglied droht damit, dass es die Gemeinde wegen der ein oder anderen Angelegenheit verlassen werden müsse.
  3. Die Kategorie „Amateurtheologe“: Diese Person hat entweder ein umfassendes Wissen von Theologie oder glaubt zumindest, es zu haben. Dieses Wissen nutzt sie dann oft, um mit Pastoren zu diskutieren oder sie von ihrer Meinung zu überzeugen.
  4. Die Kategorie „Wusstest du schon?“: Dieses Gemeindemitglied möchte über alles in der Gemeinde „Bescheid wissen“. In Wirklichkeit ist es in jeglichen Klatsch verwickelt und zeigt sich beleidigt, wenn es nicht auf dem neuesten Stand ist.
  5. Die Kategorie „Neuaufmachung“: Diese Person taucht ungefähr alle sechs Monate auf, gibt ihr Leben Jesus ab und verschwindet dann für die nächsten sechs Monate wieder.
  6. Die Kategorie „Anwalt der Gemeindesatzung“: Diese Person kennt die Satzung der Gemeinde in- und auswendig und zitiert sie jedes Mal, wenn ihm etwas nicht gefällt.
  7. Die Kategorie „Onlinepredigten“: Dieses Mitglied schaut sich die Predigten aller anderen online an, um meine dann zu kritisieren.
  8. Die Kategorie „Nostalgie“: Diese Person kennt die Geschichte der Gemeinde in- und auswendig und sieht sich in der Verantwortung, gegen alles Neue anzukämpfen, um die Vergangenheit zu bewahren.
  9. Die Kategorie „Der unversöhnliche Heilige“: Dieser Mensch hat sich vor Jahren über etwas geärgert und weigert sich, es loszulassen. Wenn er darauf angesprochen wird, findet er immer einen geistlich erscheinenden Vorwand, um seinen Groll zu rechtfertigen.
  10. Die Kategorie „Auszeit“: Egal, was man tut, dieses Mitglied weigert sich vehement, in der Gemeinde zu dienen. Es sagt Dinge wie: „Ich habe meine Pflicht bereits in der Vergangenheit erfüllt.“

Mehr hier: www.evangelium21.net.

Glaube und/oder Gefühl?

Nicht wenige Christen sind in der Frage, welche Rolle unsere Gefühle beim Glauben spielen, unsicher. Für die einen scheint der Glaube gar nichts mit Gefühlen zu tun zu haben, andere halten den Glauben hauptsächlich für eine Gefühl der Geborgenheit bei Gott. Die Probleme liegen wohl daran, dass man nicht einfach von einer Ausgewogenheit in dieser Frage sprechen kann, sondern verstehen muss, wie Gott es geordnet hat, dass der Glaube an Christus sich auf unser Leben auswirkt.

Thomas Jeising setzt Wegmarken für einen ausgewogene Sicht:

Wie die Überzeugung, dass wir essen und trinken müssen und das Wissen darüber, was nahrhaft und genießbar ist, kein Hunger und kein Durst sind, so ist der Glaube auch nicht irgendein Gefühl von Wohlsein, Sicherheit oder Geborgenheit. Der Glaube ist das Festhalten und Ergreifen der christlichen Hoffnung, die uns das Evangelium von Jesus Christus schenkt. Er ist eine Überzeugung, dass alle Zusagen des Evangeliums, die uns Gott gemacht hat, wahr und zuverlässig sind (Heb 11,1). Der Glaube baut so auf diese Zusagen, dass aus dem Glauben ein bestimmtes Denken, Wollen, Handeln, Reden und auch Fühlen folgt. Wer der Überzeugung ist, dass Geld Sicherheit und Glück bedeutet, der wird zusehen, dass er mehr davon bekommt, sein Denken und Reden wird davon bestimmt sein. Er wird sich schließlich mit ein paar Tausendern auf dem Bankkonto auch sicherer fühlen und ausgeglichener sein, als wenn ihn nur Nullen oder gar rote Zahlen vom Kontoauszug anstarren. Wer der Überzeugung ist, dass das größte Glück die Kindschaft bei Gott ist, der ist davon erfüllt, will dieses Verhältnis zu Gott pflegen und vertiefen. Und tut das auch, indem er Gottes Wort und Willen verinnerlicht und danach lebt. Er ist traurig über alles, mit dem er Gott und Jesus enttäuscht und fühlt sich dreckig, wenn er sündigt. Er freut sich an der Vergebung und am Gebet. Er fühlt sich sicher, wegen der Zusagen Gottes und findet bei Jesus Frieden. Glaube ist kein Gefühl, kann aber Gefühle machen.

Mehr: bibelbund.de.

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