Praktische Theologie

Gemeinden, lasst euch nicht durch das Coronavirus spalten

In manchen Kirchengemeinden gibt es derzeit Meinungsverschiedenheiten und so gar Streit im Blick auf die Herausforderungen, welche die Corona–Pandemie mit sich bringen. Brett McCracken ruft Christen dazu auf, eine friedfertige und nuancierte „Gegenkultur“ sichtbar werden zu lassen, die Spaltungen verhindert. Er fragt: 

Wie können Gemeinden in einem solch heiklen und polarisierenden Umfeld „fein und lieblich in Eintracht beisammen sein“ (Ps 133), anstatt sich spalten zu lassen? Es wird nicht einfach sein. Aber durch die Gnade Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes, die uns auf eine Weise verbindet, wie es das Fleisch niemals könnte, besteht für uns die Möglichkeit, eine „Gegenkultur“ zu bilden und zum Vorbild für den Rest der Welt zu sein.

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Das Schweigen der Bischöfe

Die evangelischen Bischöfe reden gerade so wie alle anderen. Es ist schön, wenn sie Ärzten danken – aber ist die These von der Strafe Gottes theologisch überholt? Hartmut Löwe, ehemaliger Militärbischof, stellt die richtigen Fragen und deutet Antworten an: 

Luther hat, als die Pest 1525 und 1527 zuerst in Breslau und später auch in Wittenberg wütete, in seiner nicht ausschöpfbaren, noch heute unmittelbar zu uns sprechenden Schrift „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“ ganz selbstverständlich und ohne Scheu von einer Strafe Gottes gesprochen. Ist das inzwischen als theologisch überholt zu tadeln?

…

In, mit und unter allem, was geschieht, will Gott gefunden werden, auch wenn wir nur mühsam oder gar nicht verstehen, was er uns sagen will. Wer jedoch nicht vom Zorn Gottes zu sprechen vermag, verdirbt auch die Rede von Gottes Liebe. Sie wird dann zu einer diffusen Gefühlsduselei, einer nicht belastbaren Allerweltsweisheit ohne konkreten Anhalt in der Lebenserfahrung. Der Lauf der Welt ist auch im Blick auf das, was Gott tut, konkret.

…

Kulturprotestantische Belanglosigkeiten versagen in der Krise, die über uns gekommen ist. Hier muss theologisch und geistlich tiefer gegraben werden. Vermögen das unsere Kirchenoberen in ihrer Geschäftigkeit noch? Bislang haben wir öffentlich davon nichts gehört.

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Abendmahl – öffentlich oder privat?

Ist das Abendmahl ein öffentliches oder persönliches Mahl? Heinrich Bullinger schreibt (Schriften V, 2006, S.471):

Da nun das Abendmahl des Herrn öffentlich ist und eine heilige Speise für die ganze versammelte Gemeinde, in der das Brechen und Austeilen des Brotes, das Essen und Trinken geschehen und die Gemeinschaft des Leibes und des Blutes Christi erklärt und besiegelt werden soll, so darf das Abendmahl folglich niemandem, ob er gesund oder krank, bettlägerig oder sterbend sei, gereicht werden, sei es nun zuhause oder in der Kirche, und die Gläubigen dürfen das Abendmahl zu solchen persönlichen Zwecken auch nicht verlangen. Denn man darf die Stiftung Christi des Herrn nicht durch menschlichen Beschluss oder Gewohnheit ändern. Paulus fordert eine öffentliche Versammlung der Gemeinde, und zwar eine allgemeine Zusammenkunft, um das Abendmahl recht zu feiern. Er sagt [1Kor 11,20]: »Wenn ihr nun an einen Ort zusammenkommt, so ist es nicht möglich, ein Mahl des Herrn zu essen«, d.h., so esst ihr nicht das Abendmahl. Der Grund ist [1Kor 11,21]: »Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg.« Daher will er nicht, dass hier etwas im Stillen geschehe. An derselben Stelle sagt er auch, dass diejenigen zu ihrer Verdammnis Zusammenkommen und das Abendmahl essen, die sich mit dem Essen beeilen und nicht warten, bis alle Gemeindeglieder zusammengekommen sind, und erst dann mit allen gemeinsam essen und trinken. Er sagt [1Kor 11,33f.]: »Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, so wartet aufeinander! Hungert jemand, so esse er daheim« – damit er nicht aus Hunger dazu getrieben wird, vor den anderen zu essen —, »damit ihr nicht euch zum Gericht zusammenkommt.« Somit ist das Abendmahl nicht ein persönliches, sondern ein gemeinschaftliches Mahl, das keiner Einzelperson gespendet werden darf.  

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Die Aufer­stehung verändert alles

Matthew Barrett schreibt über den Ostersonntag: 

Losgelöst von Christi Auferstehung haben wir keine Hoffnung für die Zukunft. Wie Paulus klar und deutlich schreibt: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann „sind wir die elendesten unter allen Menschen“, weil unsere Hoffnung in Christus nicht über dieses Leben hinausgeht (1Kor 15,19). Doch da Christus auferstanden ist, können wir dem Tod ins Angesicht blicken und wissen, dass er nicht den letzten Sieg davontragen wird und dass sein Stachel nicht von Dauer ist (1Kor 15,54–55).

Ich liebe das Ende von 1. Korinther 15, wo Paulus abschließend schreibt: „Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!“ (15,58). Weil Christus auferstanden ist, haben wir, wenn wir in Christus sind, alle Gewissheit, dass unsere Arbeit in der Verbreitung des Evangeliums vom auferstandenen Christus nicht sinnlos oder zwecklos ist, sondern für alle Ewigkeit zählt. Denk darum diese Ostern daran: Christi Auferstehung verändert alles! Ohne die Auferstehung haben wir kein Evangelium, keine Errettung, keine rettende Botschaft und definitiv keine Hoffnung für die Zukunft.

Mehr: www.evangelium21.net.

„So musst du doch bald sterben“

Heinrich Bullinger schreibt über den Tod („Unterweisung der Kranken“, Schriften I, 2004 [1535], S. 118–120):

Der Tod ist wie alle anderen menschlichen Gebrechen und Mühseligkeiten eine verdiente, von Gott dem Menschen auferlegte Buße als Strafe für die Sünde. Anfangs wurde Adam von Gott unsterblich, vollkommen und ohne Gebrechen geschaffen, o dass ihm nichts fehlte. Erst nachdem er gesündigt hatte, folgte dies Elend und insbesondere der Tod. Denn Gott spricht im Buch Genesis, Kapitel 3 [Gen 3,17–19]: »Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von lern ich dir gebot, dass du nicht davon essen sollst, so sei auch der Erdboden um deinetwillen verflucht. Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Domen und Disteln soll er dir tragen, und das Kraut des Feldes sollst du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde wirst, von der du genommen bist; denn Staub bist du, und zu Staub musst du wiederum werden.« Da es nun hinlänglich bekannt ist, dass allen Menschen der Tod auferlegt, ja von Gott als Strafe der Sünde auferlegt wurde, so soll der kranke Mensch mit Recht durch diese Tatsache Erleichterung finden und Folgendes bedenken: Wenn niemand dem Tod entrinnen kann, so musst du doch bald sterben, auch wenn du jetzt gesund werden solltest. Und wenn es auch keinen anderen Grund dafür gibt, sollst du dennoch aus der Not eine Tugend machen. Denn da der Tod von Gott zur Buße der Sünde eingesetzt worden ist und du ein armer Sünder bist, der in Sünden geboren und empfangen worden ist, und doch Gott als deinen getreuen Vater hast, sollst du die Buße für die Sünden bereitwillig zahlen und dem gütigen Vater die schuldige Pflicht gehorsam leisten.

Jeder soll bedenken, wie groß und heilig die Gemeinschaft derer ist, die auch gestorben sind. Der Sohn Gottes und Marias, Jesus Christus, unser Herr, der doch selbst keine Sünden begangen hat, der vom Heiligen Geist empfangen und von einer unbefleckten Jungfrau geboren wurde, hat für uns den Tod erlitten, um den ewigen Tod hinwegzunehmen und den zeitlichen für die Gläubigen zu erleichtern. Alle auserwählten Freunde Gottes haben die Buße des Todes bezahlt, etwa der rechtschaffene Abraham, Mose, dem Gott seine Herrlichkeit offenbarte, David, der dem Herrn wohlgefiel, ebenso der Heiligste, der von einer Frau geboren wurde, Johannes der Täufer, die ewig reine Jungfrau Maria, Johannes, der geliebte Jünger Christi, die auserwählten Apostel Petrus, Paulus und Jakobus, kurz: Alle heiligen Propheten und Apostel, alle heiligen Väter, Lehrer und Märtyrer, sie alle sind durch den Tod aus diesem Leben geschieden. Jeder soll also daran denken, welche hohen und heiligen Gefährten er hat und dass er sich nicht vermessen soll, besser als diese sein zu wollen, die doch willig gestorben sind. Es wäre auch eine unerhörte Unfähigkeit zu leiden, wenn jemand nicht erdulden will, was doch alle Menschen, ja alle Gläubigen von je her erduldet haben.

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Ein Rat an junge Männer im geistlichen Dienst

Ehrgeiz ist nicht immer schlecht. Manchmal steht er freilich der Erziehung durch Gott auch im Weg. So mancher junger Christ möchte im geistlichen Dienst schnell vorankommen und Erfolge vorweisen. Ray Ortlund erklärt in diesem Artikel, weshalb göttliche Verwundungen uns dabei helfen können, ein wahrhaftiges geistliches Leben zu führen. 

Er schreibt: 

Irgendwann in deinem Leben wirst du so tief von Gott verletzt, dass dein Selbstvertrauen durch Leid und Verlust zusammenbricht. Bis dahin war dir nicht einmal bewusst, wie konsequent dein Selbstvertrauen dein Leben lenkt, da es sich so normal und harmlos angefühlt hat. Du wirst beginnen zu verstehen: „Das bedeutet es also, dem Herrn ganz zu vertrauen. Ich brauche ihn jetzt in einer nie dagewesenen Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit.“

Erst dann wird Gottes Macht richtig in deinem Leben durchdringen. Dieser Schmerz wird dich zu einem besseren Christen machen. Du wirst ein besserer Prediger, Pastor, Leiter, Seelsorger, Lehrer und Freund sein, weil du ein besserer Mensch sein wirst. So wirst du dem verwundeten Christus ähnlicher.

Wenn du aber sehr schnell „erfolgreich“ bist, sich Menschenmengen um dich sammeln und der uneinsichtige Übermut deiner Jugend nicht gebrochen ist, bist du wahrscheinlich in Gefahr. Ich habe junge und hochtalentierte Männer gesehen, die abstürzten und ausbrannten und viele Jahre des fruchtbaren Dienstes verschwendeten. Manche haben den Dienst sogar ganz verlassen, weil ihr Charakter der öffentlichen Bühne nicht gewachsen war.

Beneide den „Überflieger“ nicht. Möglicherweise ist er unsicherer als du denkst. Unterordne dich dem HERRN. Ertrage Enttäuschungen, Verletzungen und Beleidigungen, die dich treffen, demütig. Ertrage sie „um Christi willen“ (2Kor 12,10). Denn so wird seine Kraft bei dir wohnen (2Kor 12,9).

Mehr: www.evangelium21.net.

Vom praktischen Wert der theologischen Arbeit

Rudolf Bohren schreibt über die Bedeutung der theologischen Arbeit in der Gemeindeleitung (Dem Worte folgen, 1969, S. 103):

Soll der Heilige Geist die Gemeinde leiten und soll das Presbyterium ein Organ des Geistes sein, so hat das Presbyterium in allen Dingen nach dem Worte Gottes zu fragen. In Tat und Wahrheit wird wohl in jedem Presbyterium zu Anfang eine Andacht gehalten. Aber dann fragt man im Verlauf der Sitzung: „Wie machen es die anderen Gemeinden?“ „Was sagt Düsseldorf?“ „Was die großen Steuerzahler?“ Und dabei komplimentiert man den Heiligen Geist, um dessen Kommen man am Anfang vielleicht so schön gebetet hat, wieder aus der Sitzung hinaus! Also geht es nicht um längere Andachten, sondern darum, dass bei den verschiedenen Fragen der Gemeinde immer wieder nach Gottes Wort und Willen gefragt wird. Der Geist der Auslegung will gerade in der praktischen, gerade in den finanziellen Angelegenheiten zu Worte kommen. Wo man ihm aber nicht das Wort erteilt, wird er betrübt. Ein Presbyterium, das nicht über dem Worte Gottes zusammensitzt, sitzt darum daneben. Und das heißt, ein Presbyterium muss theologisch arbeiten. Das erste und vornehmste Lehramt hat der Pastor gegenüber den Presbytern! Wo ein Presbyterium auf das geistliche Gespräch über die Fragen der Gemeinde verzichtet, verzichtet es auf die Leitung des Geistes. Ich habe erfahren, dass die technischen Dinge viel rascher und schneller erledigt werden konnten, als ein Presbyterium sich entschloss, die Fragen der Gemeinde theologisch zu bearbeiten.

Den Kranken muss das Evangelium erklärt werden

Heinrich Bullinger („Unterweisung der Kranken und wie man sich auf das Sterben vorbereiten soll“, Schriften, Bd. 1, Zürich: TVZ, 2006, S. 103–169, hier S. 131–132):

Daher muss den Kranken in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Menschwerdung und das Leiden Christi vor Augen geführt werden, und zwar zuerst mit der Frage, warum Christus Mensch geworden ist: Da nämlich Gott gut, treu und barmherzig ist, hat er dem Menschen seine Güte auf treueste Weise offenbaren wollen. Dies hat er nun auf keine kostbarere Weise tun können als durch die Menschwerdung Christi, seines Sohnes, der seiner Natur und seines Wesens ist. Denn indem er Mensch wurde, vereinigte er in sich die menschliche und die göttliche Natur in einer Person, wie geschrieben steht [Joh 1,14]: „Das Wort ward Fleisch.“ Durch dieses große Geheimnis gab er uns zu verstehen, dass er mit dem Menschen vereinigt sein, ja ich ihm zu eigen geben und ihn erhalten und erhöhen wollte, so wie er den Menschen Jesus Christus zu ewiger Freude und Seligkeit erhalten und erhöht hat. Da also Christus der Mittler ein sollte, musste er des Wesens und der Natur beider Teile, zwischen denen er vermitteln sollte, teilhaftig werden, damit er auch das an sich hätte, was er für unsere Sünden opfern konnte. Denn ohne Blut zu vergießen, geschah keine Verzeihung. Wenn er nun nicht wahres menschliches Wesen und wahre menschliche Natur angenommen hätte, wie hätte er sterben, sein Blut ‚ergießen und sich für unsere Sünden aufopfern können? Und hier offenbart sich uns die Frucht des Leidens und Sterbens Christi: dass wir durch seinen Tod Verzeihung der Sünden und ewiges Leben erlangen.

Christuslose Seelsorge

Rudolf Bohren schreibt über die christuslose und damit ohnmächtige Seelsorge (Dem Worte folgen, 1969, S. 103):

Wenn Christus nicht wirkt, nicht handelt, dann ist unsere Seelsorge eine taube Nuß, ein ausgesogenes Ei. Man braucht sie nicht, wirft sie weg. Hier hegt die Not unserer Seelsorge, daß sie so oft herrenlose, christuslose, geistlose Seelsorge ist Hier hegt die Kraftlosigkeit und Ohnmacht unserer heutigen seelsorgerlichen Bemühung, die durch keine Psychologie und keine Methodik zu beheben ist. Damit stellt sich das Problem, wie unsere Seelsorge wieder Seelsorge Jesu Christi wird. – Ist Christas real präsent in unserer Seelsorge? Oder ist es so, daß unsere Seelsorge zwar noch von Jesus Christas redet, daß er selber aber nichtmehr in ihr redet und wirkt? – Es wird in Pfarrerkreisen oft Klage erhoben, daß der moderne Mensch von der kirchlichen Seelsorge abgewandert ist zum Psychiater, zum Graphologen, zum Briefkastenonkel, zum Pendler und Hellseher. Mit dieser Klage deuten wir einmal an, daß wir Pfarrer uns als die allein legitimen Seelsorger betrachten, verraten damit aber gleichzeitig, daß vorher im geheimen ein ganz anderer aus der kirchlichen Seelsorge abgewandert ist. – Und hier bricht nun die ganze Krisis unserer landeskirchlichen – und wohl auch freikirchlichen – Seelsorge auf. Ist das, was wir mit der Etikette »Seelsorge« überkleben, ist das Seelsorge Jesu Christi selber? Inwiefern ist unsere Seelsorge echt und also Seelsorge Jesu Christi? Ist unser Mund Christi Mund, unsere Hand Christi Hand, unser Fuß Christi Fuß? Hat Christas Gestalt angenommen in uns? Haben wir den Heiligen Geist? Ist das, was wir Gemeinde nennen, ist das Leib Christi? Ist unsere Seelsorge die Seelsorge Jesu Christi selber? Ist in unserer Seelsorge der am Werk und am Sprechen, der gekommen ist, die Mühseligen und Beladenen zu sich zu rufen, und der wiederkommen wird, alle Tränen abzuwischen? Ist unsere Seelsorge vollmächtig oder ohnmächtig?

Was tun, wenn Versammlungen untersagt sind?

In dem Buch Das Spalier und der Weinstock plädieren die Autoren dafür, in der Gemeindearbeit nicht so sehr auf Programme zu setzen. Vielmehr komme es darauf an, eine evangeliumszentrierte Mitarbeiterkultur fördern.

Das Buch schließt mit einem Beispiel, das angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Covid-19 besondere Aktualität erhält (Colin Marshall u. Tony Payne, Das Spalier und der Weinstock, Betanien, 02015, S. 186–188):

Stellen Sie sich vor …

Während wir dieses Buch schreiben, machen die ersten besorgniserregenden Anzeichen einer Schweinegrippe-Pandemie in aller Welt Schlagzeilen. Stellen Sie sich vor, die Pandemie würde in Ihrem Teil der Welt grassieren und die Regierung würde aus Gründen des Gesundheitsschutzes und der öffentlichen Sicherheit alle öffentlichen Versammlungen von mehr als drei Personen verbieten. Und nehmen wir an, dass dieses Verbot aufgrund irgendeiner katastrophalen Kombination lokaler Umstände 18 Monate lang in Kraft bliebe.

Wie würde Ihre Gemeinde von 120 Mitgliedern dann weiter funktionieren – ohne regelmäßige Gemeindeversammlungen jeder Art und ohne Hauskreise (ausgenommen Gruppen bis drei Personen)?

Was würden Sie als Gemeindehirte tun?

Ich schätze, Sie könnten Ihren Gemeindemitgliedern Briefe und E-Mails schicken, Sie könnten Sie anrufen und vielleicht sogar einen Podcast bereitstellen. Wie aber würde die regelmäßige Arbeit des Lehrens, Predigens und der Seelsorge stattfinden? Wie könnte man die Gemeinde weiter anspornen, in Liebe und in guten Werken auszuharren, besonders unter solch widrigen Umständen? Und was wäre mit dem Evangelisieren? Wie könnte man neue Kontakte knüpfen, das Evangelium weitergeben und Neubekehrte im Glauben festigen? Es gäbe kein Männerfrühstück, keinen Morgenkaffee, keine evangelistischen Kurse oder Evangelisationen. Nichts.

Sie könnten natürlich zu der althergebrachten Praxis der Hausbesuche bei Ihren Gemeindegliedern zurückkehren und in der Umgebung Klinkenputzen gehen, um neue Kontakte zu knüpfen. Wie aber sollten Sie als Gemeindehirte jeden der 120 Erwachsenen in Ihrer Gemeinde besuchen und belehren, geschweige denn deren Kinder? Geschweige denn, in der Wohngegend alle Türen abzuklappern? Geschweige denn, allen Kontakten nachzugehen, die dabei entstanden sind?

Nein; in einer solchen Situation bräuchten Sie Hilfe. Sie müssten mit zehn Ihrer geistlich reifsten Männer anfangen und sich während der ersten beiden Monate mit jeweils zwei von ihnen zu einem intensiven Gespräch treffen (dabei blieben Sie mit allen anderen per Telefon und E-Mail in Kontakt). Sie würden diese zehn Männer darin trainieren, wie man die Bibel studiert und wie sie sich mit einem oder zwei weiteren Gläubigen treffen können, um dasselbe zu tun und sie auch zu Familienandachten anzuleiten. Diese Männer hätten dann eine doppelte Aufgabe: ihrer Frau und Familie als »Pastor« zu dienen, indem sie gemeinsam regelmäßig die Bibel lesen und beten, sowie sich mit vier weiteren Männern zu treffen, um sie zu schulen und zu ermutigen, dasselbe zu tun. Wenn 80 % Ihrer Gemeindeglieder verheiratet sind, würden die meisten verheirateten Erwachsenen durch diese ersten zehn Männer und durch die, die sie nachfolgend trainieren, regelmäßig auf biblischer Grundlage ermutigt.

Währenddessen (und während Ihrer zusätzlichen Telefon-und E-Mail-Seelsorge), könnten Sie die nächste Gruppe aussuchen, die Sie persönlich unterweisen – also Leute, die sich mit Singles treffen könnten, oder die fähig sind, von Haus zu Haus zu evangelisieren, oder Leute, die gut darin sind, neuen Kontakten nachzugehen.

Das wären eine Menge persönlicher Kontakte und eine Menge entsprechender persönlicher Treffen. Aber bedenken Sie: Es würden keine Gottesdienste abgehalten, keine Komitees tagen, keine Gemeinderatssitzung, kein Seminar würde stattfinden, ebenso keine Hauskreise, keine Mitarbeiterbesprechungen – ja, in der Tat überhaupt keine Gruppenaktivitäten oder Veranstaltungen welcher Art auch immer, die organisiert, durchgeführt, wofür die Werbetrommel gerührt oder die besucht werden müssten. Einfach nur persönliches Lehren und Jüngermachen und Ihre Gemeindeglieder trainieren, selbst Jüngermacher zu werden.

Da stellt sich die interessante Frage: Wenn das Versammlungsverbot nach 18 Monaten wieder aufgehoben würde und die Sonntagsgottesdienste und alle weiteren Versammlungen und Aktivitäten des Gemeindelebens wieder aufgenommen werden können, was würden Sie dann anders machen?

VD: AW

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