Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Kultur des Todes (22): Apotheker muss Pille danach vertreiben

Der Inhaber einer Apotheke hatte aus Gewissensgründen die Pille danach nicht vorrätig. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburgurteilte urteilte nun, dass er die Ausgabe des Arzneimittels nicht verweigern dürfe. 

Pharmazeuten dürfen aus Gewissensgründen die Herausgabe zugelassener Arzneimittel nicht verweigern. Das entschied das Berufsobergericht für Heilberufe am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Die Apothekerkammer hatte ein Verfahren gegen den Apotheker eingeleitet, weil dieser die sogenannte Pille danach nicht herausgeben wollte.

Der Apotheker hatte das Arzneimittel nicht vorrätig, weil er sich eigenen Angaben zufolge nicht an einer Tötung bereits entstandenen Lebens beteiligen wollte, wie das Gericht mitteilte. Der Mann habe die Abgabe des Medikaments deswegen wiederholt verweigert. Als selbstständiger Apotheker müsse er aber dem gesetzlichen Versorgungsauftrag mit Arzneimitteln genügen, entschied das Berufsobergericht.

Die Pille danach sei ein apothekenpflichtiges Medikament, dessen Abgabe nicht aus Gewissensgründen verweigert werden dürfe, urteilte das Gericht. Inhaber einer öffentlichen Apotheke müssen demzufolge die umfassende Versorgung gewährleisten. Das Urteil hat nach Angaben einer Gerichtssprecherin keine Konsequenzen für den Mann.

Mehr: www.zeit.de.

Pornhub erfolgreicher als Netflix oder Amazon

Wie die TAGESPOST meldet, müssen in einigen US-Staaten Pornographie-Seiten das Alter ihrer Nutzer ab Juli bald strikt kontrollieren. Anbieter Pornhub stellt den Betrieb dort komplett ein. Das bestätigt, dass es doch hilft, rechtliche Hürden aufzustellen.

In der Meldung heißt es:

Aylo, der Mutterkonzern von Pornhub, begründet das Einstellen seiner Aktivitäten in vereinzelten Staaten damit, dass eine Altersverifizierung in den Händen der Anbieter die Privatsphäre von Konsumenten verletze, die dann „wiederholt ihren Ausweis präsentieren oder sich biometrischer Verarbeitung aussetzen“ müssten …

Das Bewusstsein über die schädliche Wirkung von Pornografie auf Minderjährige und der einfache Zugang über das Smartphone ist in den letzten Jahren stetig angewachsen. Schon 2020 enthüllte Kolumnist Nicholas Kristof in der „New York Times“, dass viele Inhalte auf Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Rachepornografie, rassistischem oder misogynem Verhalten basieren. Mit über 3,5 Milliarden Zugriffen pro Monat, so Kristof, verdient die Seite Geld an fast drei Milliarden Werbe-Impressionen pro Tag – und stellt Netflix, Yahoo oder Amazon in den Schatten.

In ihrem „Spiegel“-Bestseller „Wir verlieren unsere Kinder“ dokumentierte Schulleiterin Silke Müller 2023, wie schnell und unerwartet Minderjährige mit pornografischen Inhalten konfrontiert werden. Die Beweislage ist nicht nur anekdotisch: Laut dem IFS zeigen Studien, dass Kinder im Durchschnitt mit 13 Jahren Pornografie auf ihren Geräten begegnen. Der Register weist darauf hin, dass der „American Academy of Pediatrics“ frühen Pornografie-Konsum mit schlechterer psychischer Gesundheit, niedrigem Selbstbewusstsein und einer verzerrten Darstellung des anderen Geschlechtes verknüpft. 

Mehr: www.die-tagespost.de.

Nancy Pearcey: Love thy Body

Nancy Pearcey hat kürzlich auf der Culture Shift-Konfrenz 2024 in der Schweiz gesprochen. Hier der Mitschnitt eines Vortrags, in dem sie auf klassische, kritische Fragen eingeht:

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Transgender-Diagnosen nehmen stark zu

In Deutschland ist die Diagnose „Störung der Geschlechtsidentität“ in der Altersgruppe der Fünf- bis Vierundzwanzigjährigen innerhalb von zehn Jahren auf das Achtfache angestiegen. Das geht aus eine Studie des Universitätsklinikums Ulm hervor. Sehr bemerkenswert ist, dass die Diagnosen häufig nicht von langer Dauer sind.

Die FAZ schreibt: 

Wo liegen die Ursachen für den enormen Anstieg der Diagnosen in Deutschland? „Anhand der Daten kann man den Anstieg nur abbilden, aber nicht erklären“, sagt Bachmann. Möglich sei, dass Faktoren wie ein erhöhtes Bewusstsein („awareness“) für das Thema sowie eine abnehmende Stigmatisierung von Transsexuellen und der Ausbau von Anlaufstellen mehr Jugendliche dazu bringen, sich mit ihren Identitätszweifeln an Ärzte zu wenden. „Es können aber auch Phänomene wie ‚soziale Ansteckung‘ eine Rolle spielen: Wenn andere Personen ihre Transsexualität vorleben, könnten Jugendliche hier so etwas wie ein Vorbild sehen, dem man nacheifern möchte.“ Zu den sozialen Milieus, aus denen die Jugendlichen überwiegend stammen, sei die Forschungslage noch nicht aussagekräftig genug, erklärt Bachmann. Auf Grundlage von epidemiologischen Daten sei man bislang von einem niedrigeren sozialökonomischen Status ausgegangen.

Dass die Diagnose Transsexualität oft nicht von langer Dauer sei, „ist auch keine neue Erkenntnis“. Es entspreche den bisherigen wissenschaftlichen Befunden und passe zu den spezifischen Entwicklungen im Kindes- und Jugendalter: „In dieser Phase kann die Geschlechtsidentität sehr fluide sein.“ Auch eine aktuelle niederländische Studie über die Diagnosepersistenz kommt demnach zu dem Ergebnis, dass nur bei einem kleineren Teil Jugendlicher, die mit ihrem biologischen Geschlecht unzufrieden sind, der Wunsch nach Geschlechtsänderung auch noch im jungen Erwachsenenalter fortbesteht. „Es ist ein Phänomen, das auch wieder verschwinden kann.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Es gibt kein Recht auf Abtreibung

DIE TAGESPOST berichtet von einer Berliner Fachtagung, zu der die Katholische Akademie, die Forschungsstelle für Katholisches Kirchenrecht des Erzbistums Berlin, die Görres-Gesellschaft und die Juristen-Vereinigung Lebensrecht eingeladen hatten (die EKD unterstützt hingegen die Empfehlungen der Regierungskommission zum Schwangerschaftsabbruch). Die Referenten konnten demonstrieren, warum die Empfehlungen der Regierungskommission zum Schwangerschaftsabbruch keine Lösungen bieten.

Ein Auszug: 

Hinter der Arbeit der Kommission stehen Kräfte, die sich schon seit Jahren bemühen, die Tötung ungeborener Kinder als „normale Gesundheitsdienstleistung“ auszugestalten. Dazu gehören verschiedene Einzelmaßnahmen: der Abbau strafrechtlicher „Hürden“, die verpflichtende Ausbildung aller Mediziner in Abtreibungstechniken, die Kostenübernahme durch die Krankenkassen und die flächendeckende Versorgung mit Abtreibungseinrichtungen. Werden diese Bausteine zusammengefügt, käme es über kurz oder lang zur Schaffung eines „Rechts auf Abtreibung“. Am Ende wäre dies aber kein Fortschritt, sondern Selbstbetrug. Der „Schwangerschaftsabbruch“ verliert seinen Charakter als Tötungshandlung nicht dadurch, dass er straflos bleibt oder von der Krankenkasse bezahlt wird. Der Sache nach wird es sich – von wenigen Fällen der vitalen Indikation abgesehen – niemals um ein „Recht“ handeln, allenfalls um das „Recht des Stärkeren“.

Ein Rechtsstaat sollte natürlich nicht nur auf das Strafrecht setzen, um die Tötung ungeborener Kinder zu verhindern. Ergänzend, oder vielleicht sogar vorrangig, sollten andere Lösungswege gesucht werden. Wo bleibt der Ehrgeiz der Politik, Schwangerschaftskonflikte zu verhindern oder abzumildern? Die Streichung des §218 StGB hilft dabei nicht.

Mehr: www.die-tagespost.de.

Monogamie etwas für die Ewiggestrigen?

Melanie Mühl sucht in der FAZ nach wissenschaftlichen Gründen für die sexuelle Untreue. Gute Quellen sind Portale, die mit Seitensprüngen Geld verdienen. Heraus kommen große Einsichten wie: „Steigt man in die ‚wissenschaftliche‘ Welt des Seitensprungs ein, stößt man unweigerlich auf Kurioses: So fand ein Team einer britischen Dating-App vor einigen Jahren heraus, dass der 18. November ein Tag war, an dem besonders viele Männer das Risiko der Untreue wagten. Warum ausgerechnet der 18. November? Die Verantwortlichen der App vermuten, der nahende Weihnachtsstress habe den Ausschlag für die erhöhte Nachfrage nach einer Affäre gegeben. Das ist insofern interessant, als Fremdgehen ja ebenfalls emotionalen Stress auslöst.“ Oder:

Nicht jede Liebesbeziehung, in der es zu Untreue kommt, ist automatisch eine schlechte Beziehung. Die Idee, man selbst könne über Jahrzehnte die Erwartungen und Bedürfnisse seines Partners erfüllen, ist naiv und eine Überhöhung der eigenen Person. Menschen, so banal das klingen mag, verändern sich. Ihre (sexuellen) Bedürfnisse verändern sich. Im Alltagsstress geschehen diese Veränderungen oft über Jahre unbemerkt. Könnte Untreue nicht auch eine Chance zur kritischen Selbstbefragung für beide sein? Wer will eine exklusive Liebe erzwingen, obwohl sich der Partner nach einem Abenteuer, nach einer anderen Form von Nähe sehnt?

Adam Phillips fragt in seinem Buch „Monogamie . . . aber drei sind ein Paar“: „Warum eigentlich halten wir Monogamie für selbstverständlich? Wie gehen wir mit unseren ‚unerlaubten‘ Wünschen um?“ Jeder wisse, dass man trotz der Liebe zum Partner einen anderen Menschen begehren könne. Wahrhaben wollen das die meisten nicht. Was viele sich selbst zugestehen – der Traum vom sexuellen Rausch –, empfänden sie bei ihrem Partner wohl als Liebesverrat. Dass die Moralvorstellungen unserer Zeit dem erotischen Mehrfachabenteuer im Wege stehen, verstärkt offenbar nicht die Treue zum Partner, sondern nur den Drang zur Heimlichkeit.

Um es kurz zu machen: Es gibt immer gute Gründe dafür, untreu zu sein: die Evolution, der bevorstehende Familieurlaub, Weinachten oder die Tatsache, dass man schon ein paar Jahre verheiratet ist und Abwechslung benötigt. Da möchte man glatt antworten: „Tendit in ardua virtus“ (dt. Tugend strebt Schwieriges an).

Dabei gibt es in „der Wissenschaft“ auch ganz andere Stimmen. Nachfolgend mal ein paar Hinweise (alle aus dem Buch: Thomas Schirrmacher (Hg.), Der Segen von Ehe und Familie – interessante Erkenntnisse aus Forschung und Statistik, Bonn: VKW, 2006):

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Großbritannien verbietet Aufklärung über Transidentität an Schulen

Während Deutschland die Regierung vom Selbstbestimmungsgesetz schwärmt, setzt die britische Regierung ihren strikten Anti-Transgender-Kurs fort. Neue verbindliche Richtlinien sollen das Thema Geschlechtsidentität gänzlich aus den Schulen verbannen. Mandoline Rutkowski berichtet aus London: 

Innerhalb der konservativen Partei wird die Existenz eines Geschlechts jenseits der Mann-Frau-Binarität infrage gestellt. In einer Ankündigung der Regierung heißt es, dass die überarbeiteten Richtlinien für Beziehungs-, Sexual- und Gesundheitserziehung (RSHE) sicherstellen sollen, dass die unterrichteten Inhalte „faktenbasiert“ und „angemessen“ sind.

Den Schulen ist es künftig untersagt, Sexualerziehung vor der fünften Klasse, also vor dem neunten oder zehnten Lebensjahr der Schüler, zu unterrichten. Auch die „umstrittene Theorie der Geschlechtsidentität“ darf nicht mehr behandelt werden.

Bisher heißt es in den Richtlinien für Schulen lediglich, dass Schüler in einem „angemessenen Alter“ über Geschlechtsidentität aufgeklärt werden sollen, ohne dass ein Alter konkretisiert wird. Eltern haben außerdem das Recht, die Unterrichtsmaterialien einzusehen. Die neuen Regeln werden rechtsverbindlich sein, wann sie in Kraft treten, ist noch offen. Auf Nachfrage von WELT, welche Konsequenzen bei Nichteinhaltung drohen, äußerte sich das Bildungsministerium nicht konkret.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

Polyamorie: Kritik von links

Die Begeisterung amerikanischer Magazine für das Thema Polyamorie scheint grenzenlos. Einige Linke sehen diesen Trend sehr skeptisch und erkennen darin den Ausdruck toxischer Selbstbezogenheit. Frauke Steffens schreibt:

Dass die Polyamorie längst von einem alternativen Lebensstil zum leeren Trend der herrschenden Klasse geworden sei, will Harper auch an der neuesten Poly-Autobiographie zeigen. Molly Roden Winter aus Brooklyns Nobel-Ecke Park Slope hat in „More“ viele unbefriedigende sexuelle Begegnungen, weil sie ihrem Mann nicht klar sagen kann, dass sie keine Lust mehr auf den Lifestyle hat.

Was ist mehr „cringe“, als privilegierte Hipster, die ihr Privatleben mitsamt Hochglanzfotos öffentlich ausbreiten? Weniges. Was macht mehr Spaß, als sich über eine mittelalte, mittelreiche, mittelinteressante Mutter aus Park ­Slope zu amüsieren, die nicht merkt, dass sie sich selbst für recht doof verkauft? In diesen Zeiten offenbar: weniges.

Denn, wie Harper düster bemerkt: „Das Klima erwärmt sich, Kriege wüten, und unser Land kriecht auf eine verhängnisvolle Wahl zu – alles Probleme, die wirkliches Handeln verlangen, wirklichen Fortschritt. Und irgendwie ist ‚Mach, was du willst‘ zur Bibel der amerikanischen Oberschicht geworden.“ Polyamorie spiegele eine Mentalität des „Immer mehr“: „Wie das Bruttoinlandsprodukt muss unsere Befriedigung ständig wachsen“, schreibt der Professor am Bates College, der sich selbst als Marxisten bezeichnet.

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.faz.net.

Gibt es psychische Erkrankungen?

Vor einigen Wochen hat Pastor John F. MacArthur öffentlich behauptet, dass es so etwas wie psychische Erkrankungen nicht gibt. Er nannte konkret die „Aufmerksamkeitsdefizit-Störung mit Hyperaktivität“ (ADHS) oder die „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS). Als jemand, der sich gegen die Psychologisierung der Seelsorge gestellt hat und stellt und der sich dafür ausspricht, sich kritisch mit den Ansichten und Einsichten der Psychologie auseinanderzusetzen, widerspreche ich in diesem Punkt. Ein Seelsorger, der die Existenz von psychischen Erkrankungen leugnet, wird die Dynamik von psychischen Erkrankungen nicht verstehen können. Ratsuchenden hilft das nicht.

Ich empfehle dazu einen Videokommentar von Gavin Ortlund:

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