Ethik

Beiträge aus dem Bereich Ethik.

Hirndoping boomt an Universitäten

Jeder fünfte deutsche Student nutzt künstliche Mittel zur Leistungsförderung. Das zeigt die bisher größte und aussagekräftigste Studie von Mainzer Wissenschaftlern und Medizinern.

Joachim Müller-Jung schreibt für die FAZ:

Hirndoping ist an Universitäten offenbar viel weiter verbreitet als gedacht. Im Schnitt nimmt jeder fünfte Student zumindest phasenweise Pillen, die dafür sorgen sollen, dass er sich besser konzentrieren kann oder beim Lernen nachts länger durchhält. Dazu gehören Koffein-Tabletten zum Aufputschen, aber prinzipiell auch harte verschreibungspflichtige Mittel – beispielsweise Stimmungsaufheller und Arzneien zur Behandlung seelischer Leiden wie Ritalin gegen das ADHS-Hyperaktivitätssyndrom, Modafinil gegen Schläfrigkeit, Alzheimer-Medikamente sowie Amphetamine wie Mephedron oder illegale Drogen.

In der Fachzeitschrift „Pharmacotherapy“ (Bd.33, S.44) präsentieren Mainzer Wissenschaftler die Ergebnisse der bisher umfangreichsten und aussagekräftigsten Hochschulstudie zum Thema Leistungssteigerung durch „Neuro-Enhancement“.

Mehr: www.faz.net.

US-Amerikaner demonstrieren gegen Abtreibung

Die meisten Medien haben das Großereignis komplett ausgeblendet: Am 25. Januar gingen in den USA viele Menschen auf die Straße, um ihren Unmut über die Abtreibungspolitik zum Ausdruck zu bringen. In Deutschland berichtete wenigstens die FAZ kurz (28.01.2012, Nr. 23, S. 6):

Rund 400 000 Demonstranten haben in Washington beim traditionellen „Marsch für das Leben“ gegen das Recht auf Abtreibung protestiert. Die Demonstranten erinnerten daran, dass seit der Legalisierung der Abtreibung durch das Oberste Gericht im Verfahren „Roe gegen Wade“ vom 22. Januar 1973 in den Vereinigten Staaten mehr als 55 Millionen Abtreibungen vorgenommen wurden …

Ob es wirklich 400.000 Teilnehmer waren? Die Thüringer Allgemeine, eine der wenigen deutschen Zeitungen, die überhaupt über die Demonstration berichtet, spricht unter Berufung auf AFP von zehntausenden Menschen. Der Observer nennt 650.000 Leute. Ein kurzer Bericht von FOX News zeigt jedenfalls, das auffällig viele junge Leute dabei gewesen sind.

Was braucht der Pietismus heute?

Klaus Bockmühl schrieb 1977 (Herausforderung des Marxismus, S. 123):

Was der eine soziale Verantwortung empfindende Pietismus heute braucht, ist nicht Anpassung — weder nach rechts noch nach links —, sondern Buße, Umkehr, so daß Gott für ihn wieder zum beherrschenden Faktor in Leben und Gesellschaft wird. Der Pietismus braucht daher — das gilt übrigens für die ganze Christenheit —, um der ideologischen Abhängigkeit zu entgehen, dringend eine an der Heiligen Schrift orientierte Sozialethik.

Das Königreich Gottes und die Transformation der Welt

Dem Neo-Calvinismus wird oft eine triumphalistische Sichtweise im Hinblick auf die Transformation der bestehenden Verhältnisse unterstellt. Herman Bavinck (1854-1921), ein Schüler von Abraham Kuyper (vgl. hier), hat sich jedoch deutlich zu den Prioritäten geäußert.

Hanniel hat sich kürzlich dieser vermeintlichen Spannung angenommen:

Auch wenn sich Bavinck dankbar über all den Fortschritt äussert, erinnert er an die Prioritäten. Das Reich Gottes ist und bleibt das höchste Gut. So beginnt er die Vorlesung über die Offenbarung Gottes und die Zukunft mit der Feststellung, dass, obwohl die christliche Religion nicht prinzipiell mit der Kultur in Feindschaft stehe, die Güter dieser Erde von untergeordnetem Wert seien. Verglichen mit dem Königreich Gottes, der Vergebung der Sünden und dem ewigen in Gemeinschaft mit Gott habe die ganze Welt zweite Priorität. Deshalb stehe die christliche Religion in direktem Widerspruch zur Prioritätensetzung des modernen Menschen. Diese programmatische Aussage steht an einer wichtigen Stelle des Werkes, nämlich am Anfang seiner Aussagen über die Zukunft. So ist das Evangelium der wahre Standard, an denen die Phänomene und Ereignisse gemessen werden müssen. Diese Botschaft ist der Führer “durch das Labyrinth der gegenwärtigen Welt”. Es erhebt uns über diese gegenwärtige Zeit hinaus und zeigt uns die Dinge vom Standpunkt der Ewigkeit her.

Auch an anderen Schlüsselstellen seines Lebens kommt Bavinck auf diese Rangordnung zurück. In seiner Rede vor dem Zentralkomitee der Antirevolutionären Partei (ARP) nach der Wahlniederlage von 1905 merkt er an, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebe. Das Evangelium Christi sei der grösste Schatz. Er verwendet seine Standardmetapher und spricht vom Reich der Himmel als der Perle, die alles Materielle in ihrem Wert weit übersteigt. Im Übrigen, fügt er hinzu, sei die christliche Beteiligung an der Regierung eines Staates eine “heilige Aufgabe”.

Bavinck ist, um ein anderes Beispiel zu nennen, bestürzt über die Entfremdung vom Glauben, die viele reformierte Familien erfasste, welche ihre Söhne an die Hochschulen schickte. „Ganze Familien sind auf die Seite unserer Gegner übergelaufen.“ Deshalb ist er der Überzeugung, dass es dringend reformierte Einrichtungen brauche, um die Bildung mit einer christlichen Weltanschauung zusammen zu bringen.

Mehr: www.hanniel.ch.

Sterbehilfe: Dunkel und noch dunkler

In Belgien gibt es seit 2002 ein Recht zu sterben. Dieses Recht bezieht sich nicht nur auf körperliche Qualen, sondern auch auf seelisches Leiden. Die Entscheidungen des Einzelnen – so die Denkvoraussetzung – muss akzeptiert werden. Es stehe einem Außenstehenden nicht zu, dass subjektiv empfundene Leiden eines Einzelnen zu werten.

Kurz vor Weihnachten ist es nun in Belgien zu einem weiteren Tabubruch gekommen. Die von Universitätsärzten ausgeführte Sterbehilfe an einem taubblinden belgischen Zwillingspaar zeigt die fatale Verlinkung von Sterbehilfe und Behinderung.

Melanie Mühl hat für die FAZ dieses tragischen Fall nachgezeichnet und kommentiert. Mit gefällt, dass sie auf eine traurige Fehlentwicklung aufmerksam macht: Viele behinderte Menschen werden in unserer Gesellschaft alleingelassen:

Zwei Brüder beschließen zu sterben. Die eineiigen Zwillinge aus dem belgischen Dorf Putte heißen Marc und Eddy V., sie sind fünfundvierzig Jahre alt und wurden taub geboren. Als sie erfuhren, dass sie nun auch noch erblinden würden, sahen sie den einzigen Ausweg im Tod. Ihr ganzes Leben haben sie Seite an Seite verbracht, gemeinsam bewohnten sie ein Appartement, gemeinsam absolvierten sie eine Ausbildung zum Schuhmacher und gemeinsam starben sie nun kurz vor Weihnachten 2012. Es waren Ärzte des Brüsseler Universitätsklinikums, die ihnen die tödlichen Injektionen spritzten.

Mehr: www.faz.net.

Die normative Ethik der „Politischen Korrektheit“

Es ist einige Wochen her, da ging die Meldung von der Insolvenz der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Presse. Im Radio – ich meine es war der Deutschlandfunk – hörte ich, wie ein Journalist, der hin und wieder in der FR publiziert hatte, zum Sterben der renommierten Zeitschrift interviewt wurde. Sein Fazit überraschte mich. Es klang ungefähr so: „Eigentlich brauchen wir die FR nicht mehr. Sie hat ihren Zweck erfüllt. Die Autoren, die die Anliegen der 68er verfechten, sitzen heute in den bürgerlich-konservativen Redaktionen.“

Wie kann es sein, dass die Anliegen der anfänglich recht eruptiven 68er-Kulturrevolution heute Mehrheitsmeinung sind? Ja mehr noch: Wie konnte es passieren, dass sich schleichend die Ethik der „Political Correctness“ so fest etablieren konnte, dass sie quasi den Status einer neuen normativen Ethik erhalten hat? Weshalb haben sich „Linke“ wie „Rechte“ so schnell an die Weltanschauung einer Minderheit von postmodernen, postjüdisch-christlichen Intellektuellen gewöhnt?

Natürlich hat das was mit dem intellektuellen Klima an den westlichen Universitäten zu tun. Ob in Deutschland, Frankreich oder in den USA, herausragend waren in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Vertreter kritischer Theorien. Gewiss spielen auch die sogenannten „Pressure-Groups“ eine Rolle. Gemeint sind (oft relativ kleine) Interessengruppen, die Druck auf Parteien, Parlamente oder Regierungen ausüben und auf diese Weise ihre Agenden „durchdrücken“, bis diese letztlich in Beschlüssen und Gesetzestexten kanonisiert werden.

Eine noch größere Bedeutung fällt jedoch der Neubesetzung der Sprache zu. Über große Institutionen wie die UNO oder die EU wurde das Paradigma der „Politischen Korrektheit“ in eine globale Sprache „gegossen“. Durch die Einführung neuer Begriffe wie „sexuelle Vielfalt“, „Gleichstellung“ oder „Nichtdiskriminierung“ und die gleichzeitige Ächtung oder Umdeutung von Begriffen wie „Wahrheit“, „Familie“ oder „Sünde“ ist eine neue Denkweise und Ethik erzwungen worden, die längst nicht mehr im Elfenbeinturm einer Elite diskutiert, sondern in den Schulen als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Durch die Dekonstruktion der abendländischen Sprache fehlt das Handwerkszeug, um diese schleichende Kulturrevolution überhaupt „wahrnehmen“ zu können. Insofern merken viele Menschen gar nicht, dass die eindimensionale Verabsolutierung von Selbstbestimmung und Gleichheit neue Formen der Unfreiheit herbeiführt. Kurz: Es wird schlichtweg versucht, zu verbieten, anders über dies und das zu denken (siehe z.B. hier).

Dankenswerterweise hat sich die belgische Philosophin Marguerite A. Peeters eingehend mit der säkularen Neuinterpretation der Kultur befasst. Was sie herausgefunden hat, ist bemerkenswert. Die neue Ethik der „Politischen Korrektheit“ stößt durch die Einführung einer neuen Terminologie kaum auf Widerstand. Und: Sie verschließt die Menschen gegenüber der Transzendenz:

Genau an dem, was die neue Ethik beiseite schieben möchte, macht sie deutlich, was sie dekonstruieren möchte: Eine Offenheit für die Transzendenz – wobei besonders die jüdisch-christliche Tradition im Visier ist. Die neue Ethik ist säkularistisch, d.h. ausschließlich innerweltlich ausgerichtet. Sie nimmt eine Neuinterpretation universaler menschlicher Werte und gegenwärtiger menschlicher Hoffnungen und Sehnsüchte auf der Basis eines neuen, säkularistischen Rahmens vor. Sie verabsolutiert vor allem Freiheit und Gleichheit und löst diese von ihrer natürlichen Bindung an das Gesetz, das jedem Menschen ins Herz geschrieben ist. Freiheit wird zu einem Prozess der „Befreiung“ von diesem Gesetz. Freiheit wird zum Recht, tun zu können, was man will, selbst wenn es gegen das eigene Gewissen ist und gegen das, was dieses als wahr und gut erkannt hat. Gleichheit wird zu einem Prozess der „Dekonstruktion“ aller Unterschiede, die doch in die Lebenswirklichkeit eingeschrieben sind. Gleichheit ist zu einem Prinzip geworden, das in der Praxis vor allem für Minderheiten gilt, die den Freiheitsbegriff missbrauchen und „gleiche Rechte“ fordern und dabei den Unterschied zu Rechten, die sich an Wahrheit und Wirklichkeit orientieren, missachten. Diese Radikalisierung von Freiheit und Gleichheit geschah nicht über Nacht. Es war ein langer geschichtlicher Prozess, der bis zur Französischen Revolution zurückreicht.

Die Werte der postmodernen Ethik sind eine Reaktion auf missbräuchliche Strukturen und Haltungen der Neuzeit. Sie sind eine Reaktion auf Machismo (Männlichkeitswahn), Autoritarismus (autoritäres Verhalten, autoritäre Systeme), Kolonialismus, Hartherzigkeit, Ausgrenzung, Vernachlässigung der Umwelt, Ungleichheit. Doch die neuen Werte sind durch die radikale Agenda, die dahinter steht, schon beschädigt. Sie haben sich durchgesetzt, ohne auf Widerstand zu stoßen, und sich still und heimlich im kulturellen und politischen Mainstream etabliert.

Wie wahr ist doch, was Marguerite A. Peeters über die passive Mehrheit schreibt:

Wie die französischen Aristokraten zur Zeit der Revolution, die in ihren Schlössern saßen und Tee tranken und dabei Staatsgeschäfte diskutierten, bis sie unter der Guillotine starben, so beobachtete auch die Mehrheit der westlichen Christen die kulturelle Revolution aus der Ferne. Abgrundtief ist ihre Unkenntnis über die historische Entwicklung, die Inhalte, Strategien und Umsetzungs­mechanismen der kulturellen Revolution.

Ich wünsch mir was: Junge, neugierige und intelligente Christen sollten sich verantwortungsvoll und differenziert mit dieser „Neuen Orthodoxie“ auseinandersetzen und mittelfristig – hier passt dieses Wort – progressive Trends einleiten.

Ich bin dankbar, dass das „Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG) den Artikel übersetzt und in der Bulletin-Ausgabe 1/2012 (Nr. 21) veröffentlicht hat. Den Aufsatz von Frau Marguerite A. Peeters gibt es auch hier: www.dijg.de.

„Wir leben in einer Welt der Salami-Ethik“

Frank Ulrich Montgomery gilt als Pragmatiker. Der neue Präsident der Bundesärztekammer will sich in die Gesundheitspolitik „hörbar einmischen“. Im FAZ-Interview spricht er über Selektion durch PID und Wunder in der Medizin.

Ich bin ein Gegner der bewussten Selektion durch den Menschen nach willkürlich aufgestellten Kriterien. Die Gefahr ist, dass man am Ende die Fragen nach dem Designerbaby und dem Retterbaby nicht mehr zurückweisen kann. Das Risiko besteht, dass die PID für immer mehr Fälle angewandt wird. Wir leben in einer Welt der Salami-Ethik, wo Stückchen für Stückchen abgeschnitten wird. Heute werden 95 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben.

Mehr: www.faz.net.

VD: JS

Jede zweite Ehe zerbricht in Deutschland

In Deutschland wird bereits jede zweite Ehe geschieden, sagen die Statistiker. Damit ist die Scheidungsrate höher als je zuvor. Wer heute überhaupt noch heiratet, wird stark von romantischen Motiven zum Altar getrieben und später bitter enttäuscht.

Allerdings:

Die Vorstellung, in der nächsten Ehe werde alles besser, ist übrigens ein Trugschluss. Zwei Drittel aller Geschiedenen fragen sich rückblickend, ob es all das Geld und den Stress wert war, sich zu trennen – das jedenfalls schätzen Paartherapeuten.

Mehr hier: www.welt.de.

Kritik des neuronalen Determinismus

513AKl8WBGL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpgWie viel erklärt uns die Hirnforschung? Aus Sicht von Neurobiologen regiert das neuronale Geschehen im Kopf unser Bewusstsein. Brigitte Falkenburg vertritt in ihrem Buch Mythos Determinismus einen neuen Ansatz bei der Kritik des Determinismus. Als Physikerin und Philosophin hinterfragt sie die Aussagen von Hirnforschern und stellt fest, dass die Neurobiologie an längst überholten mechanistischen Vorstellungen festhält und dadurch zu Fehlschlüssen über den menschlichen Geist und den freien Willen gelangt.

Alexander Soutschek hat für Gehirn und Geist das Buch rezensiert:

Die Frage, ob und inwiefern die Erkenntnisse der Neurowissenschaften unser Menschenbild verändern, ist seit Langem Gegenstand hitziger Debatten. Besonders die These, unser Verhalten sei vollständig durch neuronale Prozesse bestimmt und es gebe für einen freien Willen daher in einem naturwissenschaftlichen Weltbild keinen Platz, wird von vielen Philosophen bestritten. Sie versuchen dagegen aufzuzeigen, weshalb der freie Wille durchaus mit den Erkenntnissen der Hirnforschung vereinbar sei. Doch damit können sie viele Neurowissenschaftler nicht überzeugen. Die Philosophieprofessorin Brigitte Falkenburg von der TU Dortmund fährt eine ganz andere Strategie: Anstatt für eine Vereinbarkeit von Freiheit und neuronalem Determinismus zu argumentieren, hinterfragt sie die Grundannahme, dass die Abläufe im Gehirn deterministisch ablaufen. Nach ihrer Analyse beruhen die Argumente der Neurowissenschaftler gegen den freien Willen auf der Annahme, jedes neuronale Geschehen sei strikt durch das Verhältnis von Ursache und Wirkung festgelegt. Ein solcher Determinismus stehe jedoch im Widerspruch zu zwei weiteren Grundannahmen über den menschlichen Geist, nämlich dass geistige Phänomene von physikalischen zu trennen sind und diese sogar verursachen können.

Mehr: www.gehirn-und-geist.de.

VD: CF

Wenn Kinder die Eltern drangsalieren

Immer häufiger kommen mir Fälle zu Ohren, in denen Kinder ihre Eltern piesacken, unterdrücken oder sogar schlagen. Hier ein aktueller Fall: Ulli Kulke berichtet von einer Mutter, die couragiert ihren 14jährigen Sohn bei der Polizei angezeigt hat, weil der ihren Schmuck stahl, um mit einem Freund ins Bordell gehen zu können:

Alles spricht für das Subsidiaritätsprinzip. Staatliche Intervention als Ultima ratio, ansonsten: Finger weg. Anders verhält es sich, wenn ein ratloser Mensch sich von sich aus an die zuständigen öffentlichen Instanzen wendet, weil er selbst am Ende seines Lateins ist bei der Erziehung. Hut ab also vor der allein erziehenden Mutter aus Karlsruhe, die ihren erst 14jährigen Sohn bei der Polizei angezeigt hat, weil der ihr allen Schmuck gestohlen und ihn für ein Zehntel des Wertes verramscht hat, um mit seinem Kumpel ins Bordell zu gehen. Gemeinsam saßen sie auf dem Revier, und laut Polizeibericht war die Mutter hellauf entsetzt darüber, wie teilnahmslos, ja fast lächelnd, ihr Sohn die Prozedur hatte über sich ergehen lassen. Respekt für das Vorgehen, auch wenn es viele befremdlich finden und nie auf so eine Idee kommen würden. Wir wissen wenig über den Fall, deshalb sind auch nur allgemeine Mutmaßungen und Gedankenspiele möglich, aber auch das ist erlaubt.

So sehr ich auch die Kritik am Autoritätsmissbrauch von Eltern verstehe, hier scheint etwas „aus dem Ruder zu laufen“. Wir brauchen einen ausgewogenen Umgang mit Autorität, also starke Eltern und starke Kinder. Aber eben Kinder, die neben ihren Rechten ihre Pflichten kennen. Also: „Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern lasst sie aufwachsen in der Erziehung und Zurechtweisung des Herrn“ (Eph 6,4; vgl. Eph 6,1–4). Und: „Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung durch deinen Vater, und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter, denn sie sind ein schöner Kranz für dein Haupt und eine Schmuckkette für deinen Hals“ (Spr 1,8–9).

Mehr: donnerunddoria.welt.de.

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