Januar 2009

Reform oder Anpassung?

51ikM39cjgL._SL160_.jpgDer Crossway Verlag hat im Herbst 2008 ein Buch über die post-konservativen Evangelikalen und die Emerging Church herausgegeben, dass ich empfehlen kann:

Besonders spannend finde ich den Aufsatz »No Easy Task: John R. Franke and the Charakter of Theology« von Paul Helm. Helm zeigt die Defizite der theologische Methode Franke’s deutlich auf und plädiert für das Ideal der Objektivität in der Theologie, auch wenn es derzeit in einigen Kreise populär ist, (objektiv) die Subjektivität aller Erkenntnis zu behaupten.

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Der Murks geht weiter

Hannes Hintermeier findet klare Worte für die deutsche Bildungskatastrophe. Wer in der Schule arbeitet oder selbst schulpflichtige Kinder hat, die eine öffentliche Schule besuchen, wird sich von ihm vielleicht verstanden fühlen.

Die längste Zeit des Tages werden die Kinder also künftig unter staatlicher Aufsicht stehen. Da die Familie in Zeiten des Turbokapitalismus von einer Keimzelle des Staates zu einer Keimzelle des Marktes mutiert, werden in der zwischenzeitlich halbverstaatlichten Wirtschaft erneute Anpassungsleistungen notwendig. Denn ganz intensiv will sich der Staat unter Berufung auf die Chancengleichheit um Kinder aus Zuwandererfamilien kümmern. Diese bedürften der besonderen Obhut des Staates, hat soeben der bayerische Unterrichtsminister Ludwig Spaenle erklärt. Bildungspolitik als Kompensation für versäumte Integrationspolitik?

Und die Allgemeinbildung? Kern- beziehungsweise Methodenkompetenz heißt das Zauberwort. Geschichtsunterricht setzt dann eben in der Römischen Republik ein: Was sich davor ereignet hat, findet fortan Google. Man müsse »nicht besonders schlau sein«, um das Abitur in acht Jahren zu schaffen, so Minister Banzer, die meisten europäischen Schüler schafften das auch. Dem Wähler schwant: Im Angesicht der bildungspolitischen Angebote kann er hü oder hott ankreuzen. Der Murks geht weiter.

Hier der vollständige Beitrag: www.faz.net.

Wie weit ist es doch!

Hier mein Lieblingszitat von Blaise Pascal aus den Pensées, Fragment 280:

Wie weit ist es von der Erkenntnis Gottes bis dahin, dass man ihn liebe.

Die Logik des Herzens – Blaise Pascal als Apologet

200px-Blaise_Pascal.jpgUnter dem umfangreichen apologetischen Schrifttum des 17. Jahrhunderts ist das Werk Blaise Pascals (1623–1662) herauszuheben. Pascal entdeckte als Naturwissenschaftler die Eigenschaften der Zykloide und das Gesetz der kommunizierenden Röhren. Er erweiterte die Wahrscheinlichkeitsrechnung, baute Rechenmaschinen und wies durch Messungen nach, dass mit steigender Höhe der Luftdruck abnimmt.

Sein weltmännisches Gelehrtenleben wurde 1654 überraschend durch ein ›Bekehrungserlebnis‹ durchbrochen. Im Futter eines Rocks fand sein Diener nach seinem Tod ein Mémorial eingenäht, in dem Blaise Pascals mit erregten Worten sein Leben Jesus Christus anvertraute. So lesen wir dort:

… Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.

Jesus Christus!

Jesus Christus!

Ich habe mich von ihm getrennt, ich habe ihn geflohen, mich losgesagt von ihm, ihn gekreuzigt. Möge ich nie von ihm geschieden sein. Nur auf den Wegen, die das Evangelium lehrt, kann man ihn bewahren.

Vollkommene und liebevolle Entsagung. Vollkommene und liebevolle Unterwerfung unter Jesus Christus und meinen geistlichen Führer. Ewige Freude für einen Tag geistiger Übung auf Erden …

Pascal zog sich nach dem Erweckungserlebnis in das Kloster Port Royal zurück und widmete sich vornehmlich geistlich-theologischen Themen. Port Royal in der Nähe von Versailles war damals das Zentrum des Jansenismus, der auf den holländischen Bibelexegeten Cornelius Jansenius (1585–1638) zurückgeht. Obwohl eine katholische Bewegung, teilte der Jansenismus die protetantische Augustinusinterpretation, wonach die Erlösung des Menschen rein göttliches Gnadengeschenk ist. Port Royal wurde 1709 auf Geheiß von Ludwig XIV. zerstört. Der Jansenismus wurde 1719 päpstlich verboten.

In seinem Mémorial finden wir den Satz: »Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs. Nicht der Philosophen und Gelehrten.« Der Mathematiker erkannte bereits den Zwiespalt von Glaube und neuzeitlichem Wissenschaftsideal und fordert in seiner unvollendeten und nur fragmen­tarisch überlieferten Apologie Pensées (Gedanken) die Unterwerfung der Vernunft unter die ›Logik des Herzens‹. Pascal verneint die tra­ditionellen Gottesbeweise und betont, dass persönliche Beziehungs­aspekte eine beachtliche Rolle spielen, wenn jemand zum Glauben an Jesus Christus kommt.

Pascal entwickelte damit als einer der ersten neuzeitlichen Apologeten so etwas wie einen pers­pektivialistischen Zugang zur Apologetik. Es geht bei der Apologetik nicht nur um Methoden und Argumente, sondern um Menschen, die oft sehr verschieden sind. Das Argument, dass den einen Zweifler über­zeugt, kann einen anderen verwirren. Pascal, der jung im Alter von 39 Jahren verstarb, wollte sowohl Rationalismus als auch Irrationalis­mus vermeiden.

Boa und Bowman fassen in ihren Buch Faith has its Reasons: An Integrative Approach to Defending Christianity (2005, S. 22) den Ansatz von Pascal wie folgt zusammen:

Gott hat genug Evidenz für die Wahrheit des Christen­tums gegeben, damit die, welche die Wahrheit kennen möchten, sie sehen können, aber er hat sich nicht in einer Weise gezeigt, dass bei denen Glaube erzwungen wird, die sich nicht dafür interessieren oder nicht glauben wollen.

Eine günstige Ausgabe der Pensées stammt übrigens von Reclam (568 S., € 11,60).

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N.T. Wright’s neues Buch über die Rechtfertigungslehre

wright_justification.jpgViele Theologen warten gespannt auf N.T. Wright’s neues Buch Justification: God’s Plan and Paul’s Vision. Nutzt Wright die Gelegenheit, seine Sicht der Rechtfertigungslehre zu präzisieren?

Das Buch, als Antwort auf John Pipers The Future of Justification konzipiert, soll im Februar (U.K.) bzw. Mai (U.S.A.) erscheinen.

Für alle, die nicht warten können: Trevin Wax hat mit N.T. Wright über sein neues Werk gesprochen. Eine erste Reaktion von Denny Burke liegt auch schon vor.

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Die einfachste Frage der Welt

wenders.jpgWim Wenders (geb. 1945 in Düsseldorf) zählt zu den einflussreichen und erfolgreichen Regisseuren der Gegenwart. Kürzlich wurde er von der Zeitschrift chrismon gefragt: »Welche Liebe macht Sie glücklich?«

Hier seine Antwort:

Das ist bei mir die einfachste Frage der Welt geworden, seit ich mit meiner Frau Donata verheiratet bin, 16 Jahre schon, und wir mit jedem Jahr froher zusammen sind. Einfach alles zu teilen, das Gute und das Schlechte, jeden Frust, jede Angst, jede Freude, aber auch das Beten, das ist tausendmal besser als jeder Sex. Wo doch viele Leute Ehe und Liebe daran messen, ob ein Paar guten Sex hat. Wichtiger ist, dass man ein bedingungsloses Vertrauen zueinander findet, dass man immer noch offener sein kann …

Um Gottes willen!

Wolf Schmidt, Redakteur im Inlands-Ressort der taz, hat die Evangelikalen »auf’s Korn« genommen. Seiner Meinung nach kämpfen sie gegen Emanzipation und Evolutionslehre, Pornografie, Homosexualität und den Islam.

In den USA wird am Ende der Ära Bush ein Viertel der Bevölkerung den Evangelikalen zugerechnet, das wären mehr als 70 Millionen ultrakonservative Protestanten, die auf einer wörtlichen Auslegung der Bibel bestehen. Selbst der neue Präsident Barack Obama kommt offenbar nicht an ihnen vorbei: Bei seiner Amtseinsetzung am 20. Januar wird der evangelikale Pastor Rick Warren – ein erbitterter Gegner von Homoehe und Abtreibung – um Gottes Beistand bitten. In Deutschland dagegen haben sich die evangelikalen Christen lange abgeschottet und öffentlich wenig eingemischt – ganz im Sinne von Luthers Zwei-Reiche-Lehre, die politische Zurückhaltung nahe legt. Sie kuschelten sich in ihren frommen Ghettos ein, kritisierten selbst die Vertreter der Evangelikalen die eigenen Schäfchen immer wieder. Inzwischen ist aber von politischer Zurückhaltung nichts mehr zu spüren. Wenn von diesem Sonntag an rund 350.000 deutsche Evangelikale an ihrer jährlichen Gebetswoche teilnehmen, beten sie auch »für Christen in Schlüsselpositionen von Politik, Kultur, Medien und Wirtschaft«; »für unsere Regierung im Land bei der Beurteilung des Islam«; und dafür, »dass unser Land und die Gesellschaft wieder mehr von christlichen Werten und der christlichen Botschaft geprägt werden«.

Hier der ganze Artikel: www.taz.de, der übrigens auf der Seite der taz kommentiert werden darf.

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