Mai 2010

TV zeigt Werbe-Spot für Abtreibung

Seit 40 Jahren sind Schwangerschaftsabbrüche in England erlaubt. Nun will ein TV-Sender das Thema enttabuisieren. Am Montag strahlte Channel 4 erstmals Werbung für eine Abtreibungsklinik aus.

Hier der Spot:

Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch, einfach so zwischen Spots für Waschpulver oder Kraftfahrzeuge. Kirchenvertreter haben zu Recht protestiert: derstandard.at.

Westminster 2010: Declaration of Christian Concience

Die »Westminster Declaration 2010« macht in Großbritannien Furore. Die Erklärung führender Persönlichkeiten aus der christlichen Welt setzt sich für das Lebensrecht, die Ehe und Religionsfreiheit ein. Bisher wurde sie fast 65.000 Mal unterzeichnet. Das Ethikinstitut hat eine genehmigte Übersetzung der Erklärung angefertigt, die hier herunter geladen werden kann: Westminster_2010.pdf.

Es geht um Liebe

Verunsichert Dich als Christ das Thema Homosexualität? Neben dem Studium der Heiligen Schrift und seriöser Literatur zum Thema (z.B. The Bible and Homosexual Practice von Robert A. J. Gagnon) empfehle ich Dir, einen bewegenden Brief von Michael Glatze zu lesen. Michael schreibt:

In today’s perilous times, people find themselves riled up by the forces of darkness and evil around us. We hear something that makes us sad, which leads to a bit of anger, which leads us into a foolish argument – which we are advised, by the apostle Paul, to avoid. Thus, we „engender strife,“ when we could – simply – love.

Does love mean we agree with everything? God forbid. Does love mean we don’t feel when people are hurting themselves? God forbid. God’s love is as great as His justice, His recognition of right and wrong.

And so, I write this article as a letter of encouragement to the Christian Church to continue trusting in the love of the Saviour, rather than in your own understanding, to continue swallowing your pride and letting Him fight our battles for us. Often, we have a tendency to want to play the hero, or the heroine; this temptation comes from a desire to prove ourselves. In Christ, our souls are already proven.

Hier der Brief: www.onenewsnow.com.

David Hume: Der Metaphysik das Rückgrat brechen

180px-David_Hume.jpgDer Schotte David Hume (1711–1776) führte ein Leben an der Seite vieler hochgestellter Persönlichkeiten und lernte auf seinen ausgedehnten Reisen auch die französischen Enzyklopädisten einschließlich Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) kennen.

Hume konzentriert seine kritischen Arbeiten besonders auf die scholastische Metaphysik, da sie durch Eitelkeit und Aberglaube angestoßen und verdorben sei. Der Mensch ist für ihn ein vernünftiges Wesen und empfängt seine geistige Nahrung nicht von der Moral, sondern von der strengen Philosophie, von der Wissenschaft. Um Wissenschaft in diesem Sinne treiben zu können, sei »eine ernstliche Untersuchung der Natur des menschlichen Verstandes« notwendig. Hume schreibt weiter (Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, S. 10):

Wir müssen uns dieser Mühe unterziehen, um nachher für alle Zeiten in Ruhe leben zu können. Wir müssen die echte Metaphysik mit einer gewissen Sorgfalt pflegen, um die unechte und verfälschte zu zerstören.

Falsche Metaphysik entsteht dort, wo der Verstand in »Gegenstände eindringen will, die entweder dem Verstand unzugänglich oder das Werk eines listigen Aberglaubens sind«. Wenn der Verstand die Grenzen seiner Reichweite achtete, könne ernste Wissenschaft zu verlässlichen Ergebnissen kommen. Hume fordert also eine Vernunftkritik, die über die der deutschen Aufklärung hinausgeht. Das erkennende »Ich« ist für Hume nur imstande, Eindrücke von der Außenwelt aufzunehmen und auszuwerten. Es gibt keine Ideen, die der Erfahrung vorausgehen. Unsere Ideen sind immer das Ergebnis verarbeiteter Erfahrung. Wir können keine Erkenntnis über etwas haben, was über unsere Erfahrung hinaus geht (z.B. Gott).

Auch wenn wir hier nicht tiefer in Humes Wissenschaftsbegriff einsteigen können, seien zwei Konsequenzen aufgezeigt.

Die erste Konsequenz seiner Anschauung ist der sogenannte Psychologismus. Für die Philosophen der Antike und ebenso für große Denker der Neuzeit, wie z. B. Locke, korrespondierte das Denken mit einem Gegenüber, mit »einer Welt da draußen«. Hume versubjektivierte das Denken radikal und verlegte es ganz in die Psyche. Bei Hume bleibt nur der Mensch. Erfahrungssätze, zum Beispiel die der Naturwissenschaften, entstehen im Kopf des Menschen. Naturgesetze sind nicht irgendwelche Regelmäßigkeiten in unserem Sonnensystem, sondern Gedankenverbindungen, die durch Gewohnheit den Eindruck erwecken, Gesetze zu sein.

Das führt zwangsläufig zu einer zweiten Konsequenz, dem Skeptizismus. Gesetzmäßigkeiten wie das Gesetz vom freien Fall sind nur menschliche Erfahrungswerte. Erlebtes, zum Beispiel die Erfahrung, dass ein Apfel nach unten fällt, wenn ich ihn loslasse, weckt in uns einer Erwartungshaltung. Das Problem dabei ist, das diese Erfahrungssätze keine Grundlage für sicheres Wissen sein können (Induktionsproblem). Solange ich lebe, mache ich die Erfahrung, dass die Sonne morgens aufgeht. Aber ich habe keine Gewissheit dafür, dass dies auch morgen so sein wird. Dass die Sonne wieder aufgeht, weiß ich nicht, aber es ist wahrscheinlich. Hume operiert in seiner Erkenntnistheorie mit den Begriffen Wahrscheinlichkeit und Glaube (belief). Wissenschaftlichkeit unterscheidet sich von Unwissenschaftlichkeit durch den Grad des Glaubens. Bewährte Erfahrungssätze finden ihren angemessenen Ausdruck in von Menschen formulierten Gesetzen.

Hume war überzeugt, mit seiner Kritik der alten Metaphysik das Rückgrat gebrochen zu haben. Der Schlusssatz der Untersuchungen über den menschlichen Verstand lautet entsprechend (Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, S. 153):

Wenn man, von solchen Grundsätzen erfüllt, die Bibliotheken durchsieht, welche Verwüstung müsste man darin anrichten? Nimmt man z. B. ein theologisches oder streng metaphysisches Werk in die Hand, so darf man nur fragen: Enthält es eine dem reinen Denken entstammende Untersuchung über Grösse und Zahl? Nein. Enthält es eine auf Erfahrung sich stützende Untersuchung über Thatsachen und Dasein? Nein. Nun, so werfe man es ins Feuer; denn es kann nur Spitzfindigkeiten und Blendwerk enthalten.

Damit kann Hume zu Recht als der Vater des neuzeitlichen Empirismus und Positivismus bezeichnet werden. Sein Ansatz unterbrach nicht nur den dogmatischen Schlummer bei Immanuel Kant (Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, S. 9), sondern hatte auch immense Auswirkungen für die Religionsphilosophie. Im Rahmen seiner Erkenntnistheorie kann es keine metaphysische Grundlage für eine göttliche Offenbarung geben. Jedes »religiöse Apriori« kann für Hume nur ideologische Setzung sein. Alles, was wir haben, sind Erfahrungen. Diese Erfahrungen sind nicht aus einer transzendenten Wirklichkeit abzuleiten, sondern durch und durch menschlich. Religion ist für ihn nichts anderes, als ein Gefühl, das hilft, das menschliche Leben angenehmer zu machen. Religion erfüllt eine Schutzfunktion. Sie entzieht sich dem rationalen Diskurs und ist ein nur psychoanalytisch auszuwertendes Phänomen. Feuerbach, Marx oder Freud konnten an dieser Religionskritik anknüpfen.

Heute gilt dieser Psychologismus als überwunden (vgl. z.B. Hegel, Husserl, Feyerabend o. Quine). Erkenntnis ist zwar an psychische und physiologische Prozesse gebunden, sie ist aber nicht mit diesen identisch (und somit auch nicht auf diese reduzierbar). Die Psychologie des 20 Jahrhunderts hat erkannt, dass die von den Empiristen behaupteten elementaren Sinneseindrücke oder Empfindungen, aus denen sich die Wahrnehmungen zusammensetzen, gar nicht gibt, da unsere sinnliche Aufnahmen bereits durch Erkenntnisinteressen und metaphysischen Voraussetzungen (z.B. der Annahme eines »Ich«) geleitet sind. Wahrnehmung wird im Lichte vorhandener Konzepte oder Fragen interpretiert.
Horkheimer hat mit seiner Positivismuskritik Recht (Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, S. 84):

Die durch quantitative Methoden ermittelten sogenannten Tatsachen, welche die Positivisten als die einzig wissenschaftlichen zu betrachten pflegen, sind oft Oberflächenphänomene, die die zugrundeliegende Realität mehr verdunkeln als enthüllen.

Um so merkwürdiger, dass viele prominente Religionskritiker (ich denke an Richard Dawkins & Co.) in der Tradition des Positivismus stehen und uns von dieser »Oberflächenperspektive« aus den tieferen Sinn unseres Lebens sichtbar machen und uns erklären, wer und was wir sind (oder zu sein haben).

Interview mit Andreas Kostenberger

51pZEBljdrL._SL160_.jpgKevin de Young hat mit dem hervorragenden Exegeten Andreas Kostenberger über sein Buch The Missions of Jesus and the Disciples According to the Fourth Gospel gesprochen.

Kevin: In a couple sentences, what is the mission of Jesus in the gospel of John? Is the mission of the disciples the same as Jesus’ mission?

Kostenberger: Essentially, there are three facets to Jesus’ mission in John’s Gospel: he is (1) the sent Son; (2) the one came into the world and returned to the place from where he came (descent-ascent); and (3) the eschatological Shepherd-teacher. The mission of the disciples is similar to Jesus’ only with regard to his sending, that is, they are to emulate the obedient and faithful relationship Jesus sustained with the Father in their relationship with the exalted Jesus as they go about their mission.

Hier mehr: thegospelcoalition.org.

Blut muss fließen

Mit Gewalt und Sadismus buhlen Kriminalromane und Kinofilme erfolgreich um ihr Publikum. In der herrschenden Ästhetik der Verrohung ist kein Platz mehr für Schönes, Subtiles oder Zwischentöne. Jürgen Bräunlein hat einen bemerkenswerten Kommentar über die »Kultur der Abstumpfung« geschrieben.

Das Problem einer Gesellschaft, die sich schleichend in einer Abstumpfungskultur eingerichtet hat, in der nur mehr die Schläge mit dem Holzhammer zählen, liegt im Verlust aller Differenzierungen. Die Zwischentöne und die Nuancen, der Feinsinn und das bloß Angedeutete gehen verloren. Am Ende wird nur Aufsehenerregendes überhaupt noch registriert. Wie der Philosoph Christoph Türcke in seinem Buch „Erregte Gesellschaft“ feststellt, wird die Wahrnehmung des Spektakulären, die Sensation, zur Wahrnehmung schlechthin. Wo der Extremfall von Wahrnehmung zum Normalfall geworden ist, wird das Subtile in der Kultur ausgelöscht. Es benötigt Zeit, Konzentration und Anstrengung. Genau das ist dem Schock und der Überwältigung fremd.

Hier: www.merkur.de.

Der Herr ist (k)ein Hirte

41HY8jh4grL._SL160_.jpgWährend der Vorbereitungen für den Unterricht musste ich das Buch:

lesen. Das Buch ist – milde gesprochen – eine Anklage. Es macht das Christentum für Intoleranz, Sexismus, Gewalt und viele andere Übel verantwortlich. Hitchens liefert wenige Argumente, sondern glänzt vor allem durch rhetorisch gut verpackte Behauptungen.

Peter Hitchens ist der Bruder von Christopher Hitchens. Er hat nun auch ein Buch geschrieben und erklärt dort, wie ihn der Atheismus seines Bruders zum Glauben geführt hat. In einem kleinen Video stellt er sein Buch vor:

Bestellt werden kann das Buch:

  • Peter Hirchens: The Rage Against God: How Atheism Led Me to Faith, Zondervan 2010

hier:

Was ist das Evangelium?

31FTXQeaiFL._SL160_.jpgGreg Gilbert hat ein kleines Buch über das Evangelium von Jesus Christus geschrieben (Vorwort von D.A. Carsen). Das Kapitel 7 mit dem Titel »Keeping the Cross at the Center« kann hier herunter geladen werden. Gilbert schreibt dort?

And what if that brings on the ridicule of the world? What if people respond better to a gospel tilted toward the renewal of the world instead of toward the death of Christ in the place of sinners? What if people laugh at the gospel because it’s about a man dying on a cross? So be it, Paul said. I’m preaching the cross. They may think it’s ridiculous; they may think it’s foolish. But I know “the foolishness of God is wiser than man’s wisdom” (1 Cor. 1:25 niv).

Paul made sure the cross was the central point of the gospel he preached, and we should do the same. If we let anything else become the center, we might as well be saying, “Here, let me give you a hand jumping over that wall. Trust me. You’ll be fine.”

Beim Crossway Verlag kann sogar durch das Buch geblättert weren: www.crossway.org. Ein Intro-Video gibt es auch.

Bestellt werden kann das Buch hier:

 

 

 

Nachtrag vom 13.03.2011: Das Buch gibt es inzwischen auch auf Deutsch.

Die Predigt: 10 typische Fehler

Eine Gemeinde lebt von der Verkündigung. Deshalb kurz zwei praktische Hinweise:

John Brand hat eine Liste von 10 typischen Fehlern veröffentlicht, die ich gern übersetzt wiedergebe:

  1. Christus wird nicht gepredigt
  2. Langweiligkeit
  3. Predigen für andere, ohne zu sich selbst zu predigen
  4. Gebetsarmut
  5. Dekontextualisierung (den Text aus seinem biblischen Zusammenhang herausnehmen)
  6. Vernachlässigen der praktischen Anwendung
  7. Mangelhafte Vorbereitung
  8. Das unberechtigte Vergeistigen des Predigttextes
  9. Zu häufiger Gebrauch von Illustrationen
  10. Das Nachahmen von anderen

9Marks hat ein Formular für die Predigtvorbereitung erstellt (siehe hier Anleitung und Beispiel). Ich habe das Formular übersetzt und es kann hier herunter geladen werden: predigtvorbereitung.pdf

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner