2010

Alfred de Quervain (1896–1968)

Alfred de Quervain (1896–1968) war ein Schweizer Theologe mit reformiertem Bekenntnis. Nach seinem Theologie- und Philosophiestudium wurde er Pfarrer in mehreren Kirchengemeinden, unter anderem auch in der Niederländisch-reformierten Kirche von Elberfeld, der Gemeinde, in der Mitte des 19. Jahrhunderts Kohlbrügge wirkte.

Während des Kirchenkampfes stand Quervain klar auf der Seite der Bekennenden Kirche. 1944 wurde er als ausserordentlicher Professor für Ethik an die Universität Bern berufen. Ab 1948 lehrte er dort als ordentlicher Professor Ethik, Soziologie, praktische Exegese sowie französische Theologie.

Das Kirchenlexikon sagt über Quervains Ethik:

Als Ethiker lehnte er mit Karl Barth und anderen gesinnungsethische Entwürfe ab, weil diese unmöglich mit der Botschaft von der in Christus Wirklichkeit gewordenen Gnade zu vereinbaren sei. Ebenfalls der dialekt. Theologie verpflichtet ist seine Betonung der Humanität des Menschen als freie Setzung Gottes im Schöpfer- und Gnadenakt, durch die die menschliche Welt der Sittlichkeit radikal in Frage gestellt werde. Deshalb kann de Q. nicht von einem christlichen Humanismus reden, sondern nur von der Liebe Gottes zum Menschen. – Die wesentlichen Schwerpunke seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die politische Ethik und Grundsatzreflexionen über das menschliche Handeln angesichts des Willens Gottes.

Jan Rohl schreibt über Quervain in seiner Geschichte der Ethik (Tübingen: Mohr Siebeck, 1999, S. 687):

Ganz auf dem Boden ihrer christologischen Begründung bei Barth bewegt sich die Ethik Alfred Quervains, die grundsätzlich die Heiligung zum Gegenstand hat. Die Heiligung bestimmt de Quervain dabei als den Stand der in Christus von Gott Erwählten, die ihren Wandel als Glieder des Volkes Gottes im Dank für diese Gnade führen. Unser Tun ist also nur Dank für den Glauben und Gehorsam Christi, durch die er über die Welt gesiegt und sie geheiligt hat. Die Königsherrschaft Christi erstreckt sich daher über die ganze Welt. Wie nun die alttestamentlichen Gebote bereits Zeugnisse der Gnade Gottes sind, so ist auch Mose für de Quervain nicht der Überbringer eines vom Evangelium getrennten Gesetzes, sondern Verkündiger der Königsherrschaft Christi. Die Kirche hat dann die Aufgabe, der Welt als Zeichen dafür zu dienen, daß diese nicht dem Fürsten dieser Welt, sondern Christus als ihrem König unterstellt ist. Daher muß umgekehrt auch der Staat die Kirche als freie Kirche anerkennen. De Quervain entwickelt seine theologische Ethik so als schriftgebundene Ethik, für die das Tun des Guten ausschließlich das Tun des gnädigen Willens Gottes ist.

Bei Quervain fand ich das Kohlbrügge-Zitat, dass vor einigen Tage einen regen Austausch auslöste (siehe hier). Die nächsten Blog-Beiträge werden einige Zitate aus der Ethik von de Quervain enthalten. Ihr Thema ist »Das Freisein von der Herrschaft der Sünde«. Trotz aller kritischen Einflüsse bei de Quervain beeindruckt der Tiefgang, mit dem er das Thema Heiligung behandelt.

Accordance 9

Zwei gute Nachrichten: Noch heute soll die Version 9 der Accordance Bibel Software freigegeben werden. Die Neuerungen der Version 9 werden hier beschrieben.

Johannes hat außerdem Luthers 95 Thesen (1517) und das Augsburger Bekenntnis (1530) für Accordance aufbereitet, so dass diese Texte als Module in der Software implementiert werden können.

Nachtrag vom 16.09.2010: Die Veröffentlichung von Accordance 9 verzögert sich um einige Tage. Johannes hat unter der oben genannten Adresse weitere Module zur Verfügung gestellt.

Wie Piper das Predigen lernte

Ein guter Prediger fällt nicht vom Himmel. Der Schüler John Piper konnte nicht öffentlich sprechen. Als Student war er ein mittelmäßiger Redner. Heute ist er einer der meist gehörten Prediger in Amerika.

In diese Video erklärt er, wie das gekommen ist:

John Piper: Rechtfertigung und Heiligung

John Piper hat sich für acht Monate aus dem öffentlichen Dienst zurückgezogen. Kurz bevor er seinen Urlaub antrat, produzierte er drei Videoclips. Das erste Video ist der Rechtfertigungslehre gewidmet. Ausgezeichnet!

Hier:

Hotels bibeln

Der ORF hat einen Beitrag über die Gideons mit dem lieben Franz Seiser ausgestrahlt.

Die ist auch in österreichischen Hotels anzutreffen: die Bibel im Hotelzimmer. Nicht nur Hotels, sondern auch Altersheime, Krankenhäuser und das Bundesheer kostenfrei mit Bibeln auszustatten, das ist das Ziel des überkonfessionellen Gideonbundes. Diese Vereinigung vorwiegend evangelischer oder evangelisch-freikirchlicher Geschäftsleute, gegründet 1899 in den USA, ist seit 1957 in Österreich tätig und verteilt laut eigenen Angaben weltweit rund 80 Millionen Bibeln pro Jahr.

Hier: tvthek.orf.at.

Türkei: Festnahme und Anklage des Menschenrechtlers Dogan Akhanli

Im 10. August 2010 wurde der Kölner Schriftsteller und Menschenrechtler Doğan Akhanlı bei der Einreise in die Türkei auf einem Istanbuler Flughafen festgenommen; die Reise galt dem kranken Vater D. Akhanlıs. Nach Auskunft seines Anwaltes Haydar Erol wird Doğan Akhanlı seit dem 20. August in einem Gefängnis in der Provinz Tekirdağ unter dem Vorwand festgehalten, er sei 1989 an einem Raubüberfall auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen. Diese Anklage stütze sich auf Zeugenaussagen, von denen eine unter Folter gemacht worden sei, erklärte Erol. Der vermeintliche zweite Zeuge – der Sohn des Getöteten – habe später bestritten, Akhanli jemals auf einem Foto identifiziert zu haben. „Dieses Szenario hat die Polizei produziert“, meint Rechtsanwalt Erol. Es handele sich um den Versuch einer späten Abrechnung mit der politischen Linken. Trotz der Entlastungsbeweise, die Anwalt Erol bei den bisherigen zwei Haftprüfungsterminen erbringen konnte, hat ein Staatsanwalt gegen Doğan Akhanlı Anklage wegen Raubes und Totschlags erhoben. Drei Haftbeschwerden sind bisher gescheitert.

Zu vermuten ist, dass die Festnahme D. Akhanlıs und die zweifache Ablehnung seiner Freilassung durch die Staatsanwaltschaft auch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Engagement des Autors für die Anerkennung des offiziell noch immer in der Türkei bestrittenen Genozids an Christen steht.

Für Bemühungen um eine Freilassung von Dogan Akhanli werden hier Unterschriften gesammelt: www.aga-online.org.

Wer hat Angst vorm Zündelmann?

Die Erregung über die geplante Koran-Verbrennung zeigt, wie schnell die global vernetzte Medienöffentlichkeit aus Angst vor islamistischem Terror zum Spielball von Extremisten wird (siehe dazu auch hier). Islamisten nutzen diese Vernetzung der Welt dafür aus, um Gesellschaften zu spalten. Dabei muss niemand vor dem obskuren Pastor Terry Jones Angst haben, denn es gibt unter den Fundamentalisten eine Asymmetrie der Gewalt.

Reinhard Mohr hat für den SPIEGEL die Frage gestellt, was wohl passieren würde, wenn ein obskurer Mullah irgendwo eine öffentliche Bibelverbrennung ankündigte:

Wie sähen die weltweiten Reaktionen wohl aus, wenn ein fanatischer Mullah irgendwo in der arabischen Welt ankündigen würde, er wolle einen Haufen Bibeln verbrennen?

Sicher, die Kirchen würden protestieren, der Papst, ein paar zweit- und drittrangige Politiker. Aber gewiss nicht der US-Präsident oder die Bundeskanzlerin. Eher riefe Margot Käßmann zur »interkulturellen Verständigung« und zum »religiösen Dialog« auf, Feuilletonisten würden an den österreichischen Provokationskünstler Hermann Nitsch erinnern, dessen Blutorgien- und Mysterientheater schon viel schlimmere Blasphemien im Angesicht des christlichen Kreuzes hervorgebracht hat, oder Historiker würden das Ganze als späte Reaktion auf die Kreuzzüge des elften und zwölften Jahrhunderts deuten. Motto: So was kommt von so was.

Man könnte sich jedenfalls darauf verlassen, dass keine christlichen Selbstmordkommandos losziehen würden. Es gäbe keine Massendemonstrationen wütender Gläubiger, keine Botschaften würden gestürmt und keine Flaggen verbrannt. Es gäbe auch keine Boykottaufrufe und keine Fatwa. Niemand müsste sich fürchten vor den Gewalttaten radikaler Christen.

Hier der vollständige Artikel: www.spiegel.de.

Lloyd-Jones: Die enge Pforte

Gott hat Martyn Lloyd-Jones zum Predigtdienst berufen (zur Biographie siehe hier). Ich habe seine Predigtlehre Mitte der 80er Jahre gelesen und wollte ihn anschließend unbedingt auch einmal hören. Also habe ich mir in England mühsam MC-Kassetten mit Predigten dieses großen Verkünders besorgt. Seine Predigten haben mich »umgehauen«. Der Doktor soll ein unglaublich liebenswürdiger Mensch gewesen sein. Auf der Kanzel war er ein Löwe.

1969 reiste Lloyd-Jones ein letztes Mal in die Vereinigten Staaten und hat in Pensacola eine Predigtreihe gehalten. Diese neun Predigten wurden nun digitalisiert und können gratis hier heruntergeladen werden. Wer heute den Doktor hören möchte, braucht keine Bestellungen im Ausland aufgeben.

Als ich mir die Predigt »The Narrow Way« über Mt 7,13–14 anhörte, hat es mich wieder »umgehauen«. Da predigt Martyn Lloyd-Jones 1969 (!) in den USA eine dreiviertel Stunde über die weite und die enge Pforte und ich habe den Eindruck, er predigt zur Kirche der Gegenwart und zu mir.

O Herr, schenke deiner Kirche Prediger des Evangeliums!

Die Predigt über Mt 7,13–14 gibt es hier:
[podcast]http://www.mlj.org.uk/mlj.nsf/f/Pensacola%209/$file/MLJ5791.mp3[/podcast]

»Werke des Gesetzes« im Galaterbrief

Joseph B. Tyson hat Anfang der 70er Jahre, also lange vor dem Rummel um die »Neue Paulusperspektive«, einen Aufsatz über die Werke des Gesetzes (griech. erga nomou) im Galaterbrief publiziert. Tyson nimmt die Forschungsarbeiten von Ernst Lohmeyer auf. Rob Bradshaw hat den Beitrag digitalisiert. Also kann:

  • Joseph B. Tyson, »Works of law‘ in Galatians,« Journal of Biblical Literature 92.3 (Sept. 1973): 423–431

hier gratis heruntergeladen werden kann: 1973_tyson.pdf.

VD: RB

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