Februar 2011

Biblia Americana

Derzeit werden die Hauptgeschäfte mit theologischer Literatur in den Vereinigten Staaten getätigt. Will die deutsche Theologie überleben, muss sie einen Zugang zu diesem Markt gewinnen. Das gilt nicht nur für Universitätstheologen, sondern auch für Verlage. Das ehrwürdige Haus Mohr Siebeck unternimmt dafür nun einen spektakulären Versuch. Die FAZ schreibt:

Nicht mit marktgängiger Erbauungsliteratur oder pastoraltheologischen »How to«-Fibeln, sondern mit höchster deutscher Editionskunst möchte es amerikanische Kunden finden. So legte der Verlag unlängst den ersten von insgesamt zehn Bänden der »Biblia Americana« von Cotton Mather vor, die er in Kooperation mit einer Reihe amerikanischer Institute sowie dem Verlag Baker Academic erarbeitet hat.

Cotton Mather (1663 bis 1728), hierzulande gänzlich unbekannt, ist eine Gründungsfigur der amerikanischen Religionskultur. Als Prediger in Boston war er der bedeutendste puritanische Theologe der dritten Einwanderergeneration. Berühmt, aber auch berüchtigt wurde er durch sein Engagement im Freiheitskampf der Siedler gegen die englische Krone, aber auch durch seine Beteiligung an den Hexenprozessen von Salem. Seine »Biblia Americana«, die als Manuskript 4500 Folio-Seiten füllt, ist der erste amerikanische Bibelkommentar. Vergeblich hatte Mather versucht, sie zu veröffentlichen. Denn in Neuengland gab es damals keinen Verlag, der solch ein Vorhaben hätte umsetzen können. Es musste erst dreihundert Jahre später ein Tübinger Verlag kommen, damit sein dringlichster Gebetswunsch in Erfüllung geht.

Mather gliedert sein Bibelbuch nach einem alten katechetischen Muster, nämlich dem Wechsel von Fragen und Antworten. Diese beschränken sich nicht auf eine Exegese der Heiligen Schrift, sondern greifen auf den gesamten Bereich des damaligen Wissens aus. So gehen Bibelkunde, Philologie, Dogmatik, Naturwissenschaft, Kulturkunde, philosophisches Grübeln und pietistische Spekulation eine einzigartige Verbindung ein. Dabei schöpft Mather aus den Tiefen der Tradition, zitiert Kirchenväter, Reformatoren, rabbinisches Schrifttum, setzt sich jedoch genauso intensiv mit den wichtigsten Gegenwartsautoren des beginnenden Zeitalters der Kritik auseinander.

Hier mehr: www.faz.net.

Das siebente Siegel

Gerade habe ich gelernt, dass ich etwas mit Woody Allen gemeinsam habe. Das siebente Siegel ist sein liebster Ingmar Bergman-Film (siehe auch). Woody Allen in DIE ZEIT (10.02.2011, Nr. 7, S. 45):

Ich habe alle seine Filme immer wieder gesehen, und es gibt natürlich Dutzende großartiger Szenen. Aber am beeindruckendsten ist die Schlussszene von Das siebente Siegel: der Totentanz auf dem Hügel am Horizont.

Hier meine Lieblingszene aus Das siebente Siegel. Der Ritter Antonius Block beichtet, ohne es zu merken, dem Tod:


Phänomenologie religiöser Erfahrung

201102101504.jpgDas im Jahr 1902 publizierte Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung von William James ist ein epochales Werk. Für eine Generation von Intellektuellen erwies sich die Begegnung mit ihm als prägendes Erlebnis. Spuren lassen sich in Deutschland bei Heidegger, Wittgenstein, Scheler, Simmel, Troeltsch und Weber nachweisen. Bis heute hat das brillant geschriebene Buch nichts von seiner Frische verloren.

Vergangenes Jahr hat der Verlag Mohr Siebeck die Habilitationsschrift Religion im Denken von William James von Christoph Seibert veröffentlicht. Hans Joas schreibt dazu:

In Seiberts Buch wird James‘ enorm reichhaltige und existentiell bewegende Phänomenologie religiöser Erfahrungen keineswegs unkritisch nachgezeichnet. Zum einen distanziert der Autor sich von den pantheistischen Tendenzen des späten James, die sich ja von seiner zuvor dezidiert theistischen Anschauung deutlich unterscheiden. Zum anderen zeigt er auf, dass bei James »die Frage nach den Wahrheitspotentialen weltanschaulich-religiöser Deutungssysteme zwar durchgehend mitläuft«, aber nirgends systematisch behandelt wird. Da Wahrheitsansprüche aber zum Kern religiöser Überzeugungen gehören, würde die Selbstauslegung des religiösen Bewusstseins in der Tat verfehlt, wenn diese nicht berücksichtigt würden.

Hier eine Rezension zum Buch von Hans Joas: www.faz.net.

The Mathematics of Sex

Seit Jahren gibt es den Girls Day, um möglichst vielen Schülerinnen die Arbeitswelt klassischer Männerberufe schmackhaft zu machen. Mit Hilfe entsprechender Förderprogramme (und einem Mensaessen gratis) sollen junge Frauen dazu motiviert werden, Ausbildungsgänge in Technik, Handwerk, Ingenieur- oder Naturwissenschaften zu wählen. Wenn trotzdem wenig Frauen mathematische Fächer wie Physik, Informatik oder Ingenieurwissenschaften wählen, so kann das in den Köpfen vieler Meinungsproduzenten nur an Benachteiligungen liegen, die durch probate staatliche Interventionen aufzubrechen sind.

Also alles eine Frage von Diskriminierungen? Zwei Psychologen haben die Gründe für den Frauenmangel in technischen Fachrichtungen genauer unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Diskriminierung ist passé.

Für ihre Arbeit werteten Wendy Williams und Stephen Ceci von der Cornell University über 400 Studien zum Thema aus. »Statt selbst in Polemik zu verfallen, halten wir uns lieber an die Daten«, sagt Ceci. Das Resultat ihrer Analyse haben sie vergangenes Jahr in einem lesenswerten Buch dargelegt; eine kurze Zusammenfassung ist soeben in den »Proceedings of the National Academy of Sciences« erschienen.

Es gebe tatsächlich mehr mathematisch hochbegabte Männer als Frauen, schreiben Ceci und Williams. Das allein erkläre aber nicht, weshalb Frauen in mathematikintensiven Fächern so deutlich unterrepräsentiert seien. Und auch die Diskriminierung sei – anders als früher – nicht mehr ausschlaggebend. Sie könne heute in Studien nicht oder kaum mehr nachgewiesen werden. Frauen werden also nicht weniger oft an Hochschulen berufen, bekommen nicht weniger Fördergelder, und ihre wissenschaftlichen Artikel werden nicht schlechter bewertet, nur weil sie Frauen sind.

Warum Mädchen eher Berufe mit Menschen in Betracht ziehen, z.B. Medizin, Psychologie oder Pädagogik, und eine Genderforscherin mit Rang und Namen mit den Ergebnisse von Williams und Ceci nicht ganz glücklich ist, kann hier nachgelesen werden: www.nzz.ch.

Die Antwort von Bischof Wilckens

Sollen homosexuelle Geistliche mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen? An dieser Frage hat sich in den vergangenen Wochen eine heftige ethische und theologische Diskussion entzündet. Auslöser war ein offener Brief von acht evangelischen Altbischöfen, die gleichgeschlechtliche Sexualität für bibelwidrig halten. Einer von ihnen ist der pensionierte nordelbische Bischof Ulrich Wilckens. Er hat nun seine Position weiter erläutert:

In der Tat habe ich mich in der Erstauflage von 1978 dagegen ausgesprochen, die scharf verurteilenden Sätze des Apostels Paulus in Röm 1,26f. »heute noch in dem Sinne zu übernehmen, daß Homosexualität ein sittlich verwerfbares Vergehen sei«. Es ist Ebach jedoch entgangen, dass ich diesen Satz in der 3. durchgesehenen Auflage von 1997 getilgt habe. Erst im Zusammenhang meines Bischofsdienstes 1981-1991 nämlich bin ich genötigt worden, nicht nur über die jüdische Herkunft dieses Urteils des Apostels, sondern vor allem zugleich über die theologische Begründetheit seines großen Gewichts im Zusammenhang biblischer Theologie im ganzen neu verantwortlich nachzudenken. Überhaupt hat mein verantwortlicher Dienst in der kirchlichen Praxis meine wissenschaftliche Exegese theologisch vertieft, wie es meine »Theologie des Neuen Testaments«, die ich danach in meinem Ruhestand erarbeitet habe, erweist. Ich wünschte Herrn Ebach in seinem Ruhestand eine entsprechend intensive Neubegegnung mit der Bibel als der Heiligen Schrift der Kirche – so würde ihm seine Art, über ernste Dinge so herablassend »spöttisch« zu denken und zu reden, ganz von selbst vergehen.

Hier sein Beitrag: www.evangelisch.de.

Postmoderne als Abwehrmechanismus

Globalisierung und digitale Technisierung haben einen neuen ich-orientierten Persönlichkeitstypus hervorgebracht. Er entzieht sich verbindlichen Strukturen und will ständig Wirklichkeit neu schaffen. Der »neue Mensch« sucht sein Glück eklektisch bei Spiel, Sport, Lifestyle, Wellness oder in sonstigen Erlebniswelten.

Rainer Funk, von der analytischen Sozialpsychologie Erich Fromms geprägt (sein letzter Assistent), machte als Erster den Versuch, diesen neuen Persönlichkeitstypus psychoanalytisch zu verstehen und zu beschreiben. Dabei kommt er zu interessanten Ergebnissen. Besonders aufschlussreich finde ich, dass er das tiefe Bedürfnis nach Dekonstruktion als psychologischen Abwehrmechanismus beschreibt. Ein postmoderner Mensch empfindet Verbindlichkeit oder Begrenzung als bedrohlich und rationalisiert deshalb möglichst alle auoritären Ansprüche an ihn weg (z.B. den Anspruch eines bindenden Bibeltextes wie in Mt 6,24; das ist mein Beispiel, nicht das von R. Funk). Hinter der Lust an der Dekonstruktion, diesem fast schon demagogischen sich nie festlegen wollen (das kann man natürlich so oder so sehen, ich bin ich und du bist du) oder der notorischen Verweigerung steckt ein Abwehrmechanismus. Funk schreibt (Rainer Funk, Ich und Wir, München: dtv, 2005, S. 219)

Postmoderner Lebensstil zeichnet sich gegenüber den bisherigen Lebensformen vor allem durch die programmatische Befreiung von gesellschaftlichen Mustern des Selbsterlebens und des Umgangs mit der natürlichen und menschlichen Umwelt aus. Die Befreiung wird dabei nicht durch neue Lebensstile und Muster erreicht, die die alten ersetzen, sondern durch die Entgrenzung von allem Vorgegebenen. Dekodierung und Dekonstruktion stehen im Dienste dieser Entgrenzung. Im Hinblick auf das geistige und spirituelle Selbsterleben des Menschen kommt es zu einer Patchwork-Identität und Patchwork-Religiosität; das Lebensskript besteht im je neuen projekthaften »Basteln an der eigenen Biografie« (U. Beck 1997, S. 191). Schließlich geht mit der Entgrenzung der Verlust eines kohärenten Welt-, Geschichts- und Menschenbildes einher, der insofern zu einer dramatischen Orientierungslosigkeit führt, als kein Mensch psychisch überleben kann, ohne das »Bedürfnis nach einem Rahmen der Orientierung und nach einem Objekt der Hingabe« (E. Fromm 1955a, GA IV, S. 48-50) zu befriedigen.

Bestimmte Aspekte des Anspruchs postmodernen Denkens als typische »Zeitgeist-Phänomene« können deshalb »psychoanalytisch demaskiert und dekodiert werden« (S. 199).

Dies betrifft in erster Linie den Anspruch, den die postmoderne Art zu leben erhebt: Jeder habe das Recht, seine Art zu leben frei und selbstbestimmt zu wählen. Begründet wird dieses Recht damit, dass Wirklichkeit immer Konstruktion sei. Psychoanalytisch lassen sich solche Ansprüche als Abwehr unbewusster Befindlichkeiten (etwa des Gefühls der Abhängigkeit oder der Begrenztheit) deuten. Die Begründung (Wirklichkeit sei immer Konstruktion) wird durch eine solche Deutung zu einer Scheinbegründung, zu einer Rationalisierung.
Rationalisierungen haben – das wurde aufgezeigt – die Aufgabe, ein faktisches Verhalten so zu begründen, dass dieses als sinnvoll und ethisch wertvoll deklariert wird. Unterschiedliche Verständnisse von Wirklichkeit und Wirklichkeitserzeugung, aber auch unterschiedliche Menschenbilder lassen sich deshalb als Wandel von Bedeutungsgehalten verstehen, der sich auf Grund der Notwendigkeit ergibt, das veränderte Verhalten mit Hilfe von Rationalisierungen zu legitimieren.

Hat Luther seine 95 Thesen angeschlagen?

Noch ist nicht Sommer, doch die Redaktionen kramen bereits nach verwertbarem Material in ihren Archiven. DIE WELT online meldet:

Der 31. Oktober 1517 gilt als Initialzündung der Reformation. Doch für den Wittenberger Thesenanschlag fehlen die Beweise. Hat Luther also die Thesen an die Domtür geschlagen?

Vieles spricht dafür, dass sie nicht mehr sind als eine schöne Legende. Es kam zwar öfter vor, dass Thesen öffentlich angeschlagen wurden. Wenn ein Professor zu einer Disputation auffordern wollte, schickte er seine Thesen an den Dekan der Universität. Der übergab sie dem Pedell, dieser hängte sie in der Universität auf und nagelte sie an die Kirchentüren Wittenbergs. Luther aber tat dies wahrscheinlich nie. Warum glauben wir trotzdem daran?

Weil wir es wollen. Das wäre die leichteste Antwort. Es passt ins Bild. So wie der Satz „Hier stehe ich und kann nicht anders“, den Luther übrigens auch nie gesagt hat. Ein wortgewaltiger Reformator, getrieben von historischer Notwendigkeit: So sahen ihn schon viele Zeitgenossen. Philipp Melanchthon etwa, der Humanist und Weggefährte Luthers. Als er kurz nach Luthers Tod dessen Werke herausgab, schrieb er im Vorwort von den Ablassthesen, die Luther „öffentlich an der Kirche in der Nähe des Wittenberger Schlosses am Vortage des Festes Allerheiligen angeschlagen“ habe.

DER SPIEGEL berichtete schon im Januar 1966 über den Reformator ohne Hammer:

Im Herbst 1517 hatte Universitätslehrer Luther davon erfahren, daß der Ablaßhandel – Erlaß von Sündenstrafen gegen Geld – auf einer kirchlichen Dienstanweisung beruhte. Luther lehnte solche Sitten ab: Am 31. Oktober 1517 forderte er den Erzbischof Albrecht von Magdeburg-Mainz als verantwortlichen päpstlichen Ablaßkommissar in einem Brief auf, „den Ablaßpredigern eine andere Predigtweise zu befehlen“. Dem Schreiben fügte Luther die kurze Zusatzbemerkung an, der hochwürdigste Bischof möge bitte die beigefügten 95 Thesen zur Kenntnis nehmen. Daß er die Thesen noch am selben Tag an die Tür der Wittenberger Schloßkirche schlagen wollte, schrieb Luther seinem Bischof nicht.

Tatsächlich hat weder Luther noch einer seiner Zeitgenossen diesen demonstrativen Akt, der nach gängiger Meinung das Startsignal zur Reformation war, jemals beschrieben. Auch in den erhalten gebliebenen Nachrufen auf Luther ist nirgends davon die Rede, daß er der Mann gewesen sei, der sich mutig und mit einem Hammer an der Kirchentür zu schaffen gemacht habe.

Über diese Sternstunde der evangelischen Menschheit berichtete vielmehr erst knapp dreißig Jahre danach der Humanist Philipp Melanchthon in seiner Vorrede zum 2. Band der gesammelten Werke des Reformators: „Luther, brennend von Eifer für die rechte Frömmigkeit, gab Ablaßthesen heraus, die im 1. Band dieser Ausgabe gedruckt sind. Diese hat er öffentlich an der Kirche in der Nähe des Wittenberger Schlosses am Vortag des Festes Allerheiligen 1517 angeschlagen.“

Und im November 2008 schrieb der Focus:

Doch ob sich die Szene vom Thesenanschlag im Städtchen Wittenberg tatsächlich so zugetragen hat, wird angezweifelt. 1961 trat ausgerechnet ein katholischer Lutherforscher mit der Erkenntnis an die Öffentlichkeit, in keinem seiner Dokumente habe der Reformator ausdrücklich einen Anschlag der Thesen erwähnt. Erwin Iserloh war der Meinung, dass der Thesenanschlag so nie stattgefunden habe. In der Tat berichtete erst Philipp Melanchthon, ein Weggefährte Luthers, davon – und zwar 1546, in einem Vorwort zum ersten Band der gesammelten Werke Luthers. Der Reformator war zu diesem Zeitpunkt schon tot, konnte also diese Aussage weder bestätigen noch dementieren. Außerdem war Melanchthon 1517 noch nicht in Wittenberg und deshalb kein Augenzeuge des möglichen Thesenanschlags.

Bis 2006 war dieser Stand in der Lutherforschung Gelegenheit zum umfangreichen Austausch bis hin zu Streit unter den Experten … Dann entdeckte der Wissenschaftler Martin Treu von der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena ein Dokument, das die Diskussion um den vermeintlichen Thesenanschlag neu befeuerte: ein handschriftlicher Vermerk von Luthers Sekretär Georg Rörer. Dieser hatte am Ende des Arbeitsexemplars zur Revision des Neuen Testaments von 1540 notiert: „Am Vorabend des Allerheiligenfestes im Jahre des Herren 1517 sind von Doktor Martin Luther Thesen über den Ablass an die Türen der Wittenberger Kirchen angeschlagen worden.“

Hat Luther nun oder hat er nicht? Die Gelehrten mögen weiter darüber streiten. Geschrieben hat Luther die Thesen, das gilt als sicher. Und wir tun gut daran, sie ab und an zu lesen.

Hier: www.luther.de.

Die Quote

Die Frauenquote soll Gleichberechtigung im Beruf bringen. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Frauen und Familie muss stattfinden, doch die Quote berücksichtigt nicht die unterschiedlichen Lebensvorstellungen der Betroffenen.

Reinhard Müller hat einen so guten Kommentar zu Quotendiskussion geschrieben, dass mir vom ersten bist zum letzten Satz das Schmunzeln nicht verging. Beide Absätze:

Es gibt tatsächlich junge Frauen, die nicht verstehen, warum eine Mutter auf den Gedanken kommt, Teilzeit zu arbeiten: Am Tag der Geburt, gewiss, da könne man wohl nicht zur Arbeit erscheinen – danach aber doch sofort. So redet, wer eine gute Ausbildung, aber selbst noch keine Kinder hat. Wer jung, ungebunden, flexibel ist und dazu auch noch gut aussieht, der lebt tatsächlich in einer anderen Welt. In dieser Lebensphase wird in der Regel niemand diskriminiert. Selbst in Branchen, die als frauenfeindlich gelten, werden Männer und Frauen zu gleichen Teilen eingestellt.

Im Übrigen ist es bezeichnend, dass es nicht einmal im Staatsdienst gelingt, wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen – was bei politischen Stellen ein Leichtes wäre. Das gilt nicht zuletzt für das Bundesfamilienministerium, in dem es unter der jungen, jetzt schwangeren Ministerin nur eine weibliche Abteilungsleiterin gibt. Und dann soll der Staat privaten Unternehmen vorschreiben, wie sie ihre Führungsgremien zu besetzen haben? Nein, die Forderung nach einer Quote kann nicht ernst gemeint sein.

Hier: www.faz.net.

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