2012

Interview mit Kevin Vanhoozer

Kevin Vanhoozer war Blanchard Professor für Theologie am Wheaton College  und geht nun wieder zurück an seine ehemalige Wirkungsstätte Trinity. Justin Taylor hat sich 2009 mit ihm über die evangelikale Theologie und einige Buchprojekte gesprochen. Das Interview ist immer noch interessant.

I have a pet theory: every significant intellectual and cultural trend eventually shows up in the way people read the Bible. Is there an alternative to imposing theoretical frameworks onto the Bible? Do all interpretive frameworks do an equally good job at preserving the integrity of the gospel, and hence the significance of Jesus Christ?

A related issue concerns the conversation between exegetes and systematic theologians about biblical interpretation. We have a long way to go fully to heal the Enlightenment split between biblical studies and dogmatics. No one – neither church nor society nor academy – really benefits from this balkanization of theological studies.

Finally, I’m concerned that the attitude that „no one can really know the truth” has seeped into the evangelical mind. From the (correct, in my opinion) premise that no tradition gives us exclusive access to absolute truth, some infer (incorrectly, in my opinion) that it really doesn’t matter which, if any, tradition we inhabit. For my own part, I’d rather reside in a house with a leaky roof or basement than rough it on the street.

Hier: thegospelcoalition.org.

Metaxas trifft Keller

In einem „Kamingespräch“ der „New Canaan Society“ sprach der bekannte amerikanische Pastor Timothy Keller mit dem Buchautoren Eric Metaxas über seinen Werdegang, brisante theologische Themen und seine geringe Medienpräsenz.

pro meldet:

Timothy Keller erlangte Bekanntheit als Pastor der vielbesuchten „Redeemer Presbyterien Church“ in Manhattan, die er 1989 gegründet hatte. Er ist außerdem Autor des vielverkauften Buches „Warum Gott?“. Das Gespräch fand im Rahmen des jährlichen „Einkehr“-Wochenendes der „New Canaan Society“, einer christlichen Gemeinschaft für Männer, Anfang März in Washington, D. C. statt. Eric Metaxas befragte Timothy Keller zunächst zu seinem Werdegang.

Auf die Frage, wann er seine Berufung zum Predigen erfahren habe, antwortete Keller, dass er sein Talent erst mit etwa 40 Jahren entdeckte, als er nach New York ging. Zuvor sei er fast zehn Jahre in einer kleinen Stadt in Virginia Pastor gewesen. In kleineren Gemeinden gewönne man das Vertrauen der Menschen nicht so sehr durch Predigten, sondern durch die Orientierung, die man als Pastor in praktischen Lebensfragen gebe, erklärte er dazu.

In einer größeren Stadt wie New York sei es umgekehrt: Halte man als Pastor gute Predigten, würden die Leute ihm auch in Lebensfragen vertrauen. „Der öffentliche Auftritt war der Auslöser für alles Weitere.“ So habe er erst dort sein Talent dafür entdeckt, Leute anzusprechen, die dem Glauben distanziert gegenüber stehen. Geplant habe er dies nicht. Als er nach New York gekommen sei, habe er in der neuen Stadt zunächst einfach nur überleben wollen.

Hier: www.pro-medienmagazin.de.

Stalin und die Lust an der Gewalt

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Josef Stalin im Jahre 1902

Eine neue Studie über Stalins Gräueltaten untersucht, warum der Diktator in der Sowjetunion ein System des Terrors einrichtete: aus Freude am Foltern und Morden. DIE WELT hat das Buch Verbrannte Erde von Jörg Baberowski vorgestellt.

Nach Baberowski ähnelt Stalins Herrschaftsverständnis dem Ehrenkodex der Mafia: indem er seine engsten Gefolgsleute – Aufsteiger wie Gromyko, Chruschtschow oder Breschnjew, aber auch Orschonikidse und Molotow oder Mikojan – in Verbrechen verstrickt, zwingt er sie, sich ihm bedingungslos auszuliefern; er macht sie zu Komplizen, die schließlich „Gewalt für eine tägliche Ressource politischen Handelns“ halten.

Baberowski attestiert Stalin alle Kriterien eines typischen Psychopathen: Gefühlskälte, Gewissenlosigkeit, ein manipulatives Verhältnis zur Umwelt und die Unfähigkeit, Reue oder Mitgefühl mit anderen Menschen zu empfinden. Es ist diese psychopathische Grundstruktur, die zur Entfesselung destruktiver Kräfte führt und andere Psychopathen und Sadisten an ihn bindet – Gewaltmenschen, „die den Macholkult des Tötens“ öffentlich inszenieren, sich mit den Insignien militärischer Gewalt, mit Militärstiefeln, Uniformen und Pistolenhalftern umgeben und Mitleid ebenso wie Toleranz verachten.

„Niemand“, schreibt Baberowski, „hatte Stalin je ohne Stiefel und Militärmütze gesehen“, und selbst in ökonomischen Fragen habe der Tyrann sich meist nur „terroristische Lösungen vorstellen können“ – etwa beim Bau des Weißmeer-Ostseekanals, der Petersburg mit der Barents See verbindet und Zehntausende von Todesopfern forderte.

Mehr: www.welt.de.

Gamification

Ist das Leben ein Spiel?

Wenn man Elemente aus der Computerspielewelt in den Alltag überträgt, nennt man das „Gamification“. Gamification ist dort nützlich, wo etwas motivierender, herausfordernder und spaßiger gestaltet werden kann. Beispielsweise bei monotoner Arbeit im Unternehmen. Gamification kann allerdings auch emotional versklaven. Der Computer-Experte Andreas Lange erklärt, wie Gamification unseren Alltag beeinflusst.

Hier eine SWR2 Kontext-Produktion zum Thema. Obwohl sie m.E. viel zu unkritisch ist, kann ich sie empfehlen, da sie auf tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung aufmerksam macht:

[podcast]http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2012/03/14/swr2-kontext-20120314-1905-die-welt-ist-ein-spiel.6444m.mp3[/podcast]

Das iPad als eBook-Reader

Michael Spehr hat sich das neue iPad genauer angeschaut und ausgewogen rezensiert. Für Leute, die viel lesen, könnte dieser Abschnitt Entscheidungshilfe sein:

Wer auf dem iPad seine Bücher liest, sieht sicherlich knackscharfe Buchstaben. Draußen bei hellem Sonnenschein ist die Anzeige jedoch wie gehabt schlecht ablesbar. Ein E-Book-Reader mit elektronischer Tinte ist für Sonne, Urlaub und Strand die bessere Lösung. Und meist auch die leichtere: Denn mit 652 oder 662 Gramm (in der Mobilfunk-Variante) ist das jüngste iPad 50 Gramm schwerer als das iPad 2, und das spürt man schon bei längerem Lesen. Dass das Display nach unseren subjektiven Eindrücken etwas stärker spiegelt als beim iPad 2 und schlechter gegen Fingerfett geschützt ist, sei nur am Rande angemerkt.

Mehr: www.faz.net.

Hinrichtungen im Iran auf Rekordniveau

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) weist am heutigen Dienstag darauf hin, dass die Zahl der Hinrichtungen im Iran so hoch ist wie seit den Massenhinrichtungen in den 80er Jahren nicht mehr. Allein im vergangenen Jahr sind nach Informationen des UN-Sonderberichterstatters für den Iran, Ahmed Shaheed, 670 Hinrichtungen bekannt geworden. Die IGFM geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl bedeutend höher sein könnte. Zahlreiche Hinrichtungen würden nicht offiziell bekannt gegeben und heimlich in Gefängnissen oder Einrichtungen der islamischen Revolutionswächter vollstreckt. Die IGFM kritisierte außerdem, dass die Islamische Republik Menschen hinrichte, die nach internationalem Recht keinerlei Straftat begangen hätten, z.B. wegen Abwendung vom Islam oder „Kampf gegen Gott“.

Anlässlich des derzeit in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrates erklärte der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin: „Die Todesstrafe wird im Iran systematisch eingesetzt, um Andersdenkende mundtot zu machen“. Nach staatlichen iranischen Quellen erfolgen die meisten Hinrichtungen angeblich wegen Drogendelikten. Viele Strafverfahren in der Islamischen Republik seien völlig intransparent seien. Die iranischen Behörden würden den Betroffenen oft kein Urteil, keine Urteilsbegründung und zum Teil nicht einmal die Anklage aushändigen. Anwälten würde systematisch Akteneinsicht verwehrt.

Geht der Ökumenischer Weltkirchenrat unter?

Der Ökumenischer Weltkirchenrat (ÖRK) steckt in einer Krise. Über die Jahre haben sich enorme Schulden angesammelt, besonders wegen der Pensionsfonds. Wenn nicht bald 30 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung gestellt werden, droht die Insolvenz. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) stellt derzeit mehr als ein Drittel der Mittel für den ÖRK zur Verfügung. Allerdings will sie angesichts der Verschuldung nicht einfach einspringen.

Hier ein Bericht der DLF:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/03/12/dlf_20120312_0936_b4829312.mp3[/podcast]

Calvins Abschiedsrede

Matthias Freudenberg schreibt in seinem Aufsatz „Calvins Einfluss auf die Entwicklung des reformierten Verständnisses der Kirche“, (M. Hofheinz; W. Liebmann; M. Salmann: Calvins Erbe, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S.19–20):

Kurz vor seinem Tod sprach Calvin davon, dass man sogar Hunde auf ihn gehetzt und geschrien habe: „Faß, faß!“ Seine Arbeit wurde immer wieder von theologischen Gegnern und vom Genfer Rat in Frage gestellt. Umgekehrt räumte Calvin kurz vor seinem Tod in einer Abschiedsrede an die Pfarrer ein: „Ich habe viele Schwächen gehabt, die Ihr ertragen mußtet.“ Calvin sagte das nicht nur deshalb, weil er um seine persönlichen Grenzen und Schwächen wusste, sondern weil es zu seinem theologischen Verständnis der Kirche gehörte, dass diese in der Spannung von begrenztem Menschenwerk und göttlicher Verheißung existiert.

Mangelnde Wertschätzung alter Menschen

Der Heidelberger Theologe Wolfgang Drechsel hat die mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung alter Menschen kritisiert. epd meldet:

„Nicht-Altsein gilt als schön“, sagte Drechsel am Samstag bei einer Tagung über Altenseelsorge in Pforzheim-Hohenwart. So werde in Medien und Werbung entweder das „Nicht-Alter“ gezeigt mit Rezepten für Anti-Aging oder Bedrohungsszenarien einer überalternden Gesellschaft Gründe für die „Abwertung des Alters“ liegen nach Auffassung des Theologen im gesellschaftlichen Streben nach einem gelingenden Leben. Dieses sei zugeschnitten auf die jungen, dynamischen und fitten Menschen, die meinten, ihr Leben selbst in der Hand zu haben. Der „Mythos des gelingenden Lebens“ übe Druck auf die Menschen aus, die sich dann immer mehr mit sich selbst beschäftigten statt mit anderen.

Die Schwachen, Gebrechlichen, Kranken und Dementen fielen aus dieser Wahrnehmung heraus, kritisierte Drechsel. Wer dagegen das Leben auch mit seinen Schattenseiten wie Schwäche, Krankheit und Tod sehe, begehe eine Art „Tabu-Bruch“. Menschen, die sich als von Gott geliebt und gewürdigt wahrnehmen, könnten eine kritische Distanz zu den gesellschaftlichen Vorurteilen einnehmen.

So ist das. Hier mehr: www.epd.de.

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