2012

Das gute Recht jeder Religion

Andreas Püttmann hat vor einiger Zeit in der FAS zur Kritik der Religionsfreiheit Stellung bezogen:

Paulus ermahnt die Christen, „freundlich und gütig zu allen Menschen“ zu sein. Er bekennt: „Auch wir waren früher unverständig, lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander. Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien“, seien die Jünger Jesu durch „das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist“ befähigt worden, „das Gute zu tun und für alle Menschen nützlich“ zu sein (Tit 3).

Es muss Christen daher ins Mark treffen, wenn sie als anfällig für „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet werden. Unter der Überschrift „Studie einer Psychologieprofessorin: Mit der Religion kommen die Vorurteile“ („Die Welt“, 14. November 2011) verbreitete Beate Küpper ihre bereits vor Jahren publizierte These, sehr religiöse Menschen seien anfällig für abwertende Haltungen gegenüber Minderheiten; dies zeige sich besonders in den Bereichen Sexismus, Homophobie und Rassismus. Letzterem neigten vor allem Protestanten zu, speziell solche aus den östlichen Bundesländern.

Wer Küppers Befund bereits aus Wilhelm Heitmeyers Sammelband „Deutsche Zustände. Folge 4“ (2006) kennt, ist allerdings durch einige ideologisch gefärbte Indikatoraussagen gewarnt: Als „rassistisch“ gilt hier bereits die Meinung „Aussiedler sollten bessergestellt werden als Ausländer, da sie deutscher Abstammung sind“, als „sexistisch“ die Auffassung „Frauen sollen sich wieder mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen“ – was auch bloß als Plädoyer für ein Gleichgewicht von beruflicher und familiärer Rolle gemeint sein kann. Sind da schon „Abwertung“ und „Menschenfeindlichkeit“ am Werk? Die Redakteure hievten die aufgewärmte Neuigkeit aber auf ihre Seite eins und gaben Küppers Rat gleich mit: „Die Kirche muss sich endlich fragen, was da schiefläuft.“

Mehr: http://de.dwg-radio.net.

China und die Religionsfreiheit

Forum 18 hat einen interessanten Bericht zum Status der Religionsfreiheit in China veröffentlicht. Da der Arbeitskreis ÖEA freundlicherweise eine Übersetzung besorgt hat, kann ich die Meldung hier in deutscher Sprache wiedergeben:

China: Ein post-kommunistischer Obrigkeitsstaat und die Religionsfreiheit

Verletzungen der Religionsfreiheit haben in China eine lange und grausame Geschichte. Berichte über Zwischenfälle, die in der jüngsten Vergangenheit um die Welt gegangen sind, haben dieses Bild von der mangelnden Freiheit verstärkt.  Dennoch  wachsen die verschiedensten Religionsgemeinschaften mit ungebrochener Geschwindigkeit. Eine Antwort auf dieses scheinbare Rätsel liegt in der Tatsache, dass die Einstellung der Kommunistischen Partei Chinas zur Religion – und damit auch gegenüber dem grundlegenden Menschenrecht auf Religions- bzw. Glaubensfreiheit – weitgehend die Ansicht der modernen chinesischen Eliten und bereits der Vorgänger der kommunistischen Machthaber reflektiert, dass religiöse Überzeugungen ein Hindernis auf dem Weg zur Modernisierung sind. Dies hat zu einer politischen Einstellung geführt, die man so charakterisieren könnte, dass sich die Politiker als Manager des Staates sehen und der Staat somit den Willen und die Macht zur Kontrolle der Religionsgemeinschaften behält.

Dieser Managementansatz, den man in China beobachten kann, ist pragmatischer und flexibler als ein ideologisch orientierter Ansatz in dem Sinn, dass der Staat die Ausrottung der Religion nicht mehr als letztes politisches Ziel betrachtet. Das lässt den Religionsgemeinschaften eine gewisse Bewegungsfreiheit und sogar Raum zum Wachstum. In dieser Hinsicht ist die Zukunft der Religionsfreiheit nicht nur pessimistisch zu sehen.

Ein Bild der Kontraste

Am 9. Februar 2012 wurden in der Provinz Sichuan zwei tibetische buddhistische Mönche wegen ihrer Teilnahme an einem Protest gegen die chinesische Herrschaft über Tibet von chinesischen Sicherheitskräften getötet. Dies berichtete Radio Free Asia. Hunderte Tibeter wurden im Januar bei ihrer Rückkehr von einer religiösen Veranstaltung in Indien in Lhasa verhaftet und festgehalten. Im Januar hat laut Berichten von Human Rights Watch die chinesische Regierung ihre Führungspolitik gegenüber den buddhistischen Klöstern in Tibet geändert. Anstatt „loyale“ tibetische Mönche mit der Führung der Klöster zu betrauen, ist der Staat dazu übergegangen, Beamte als Leiter dieser Klöster einzusetzen.

Zur gleichen Zeit, als die tibetischen Buddhisten mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, sahen sich chinesische Protestanten mit ihren eigenen Herausforderungen konfrontiert. Aufgrund des Eingreifens der Regierung hat die Shouwang Gemeinde in Beijing weiterhin keinen Zugang zu einer permanenten Versammlungsstätte. Mitglieder der Gemeinde wurden verhaftet und waren anderen Formen der Belästigung ausgesetzt, als sie versuchten, sich im Freien zum Gottesdienst zu versammeln. Selbst ausländische Christen konnten den Unterdrückungsmaßnahmen der Regierung nicht entgehen. Wie die China Aid Association berichtet, wurde eine chinesische Christin im Januar 2012 von chinesischen Sicherheitskräften entführt und musste zwei Tage ohne Nahrung und Wasser verbringen, nachdem sie den Leiter der Shouwang Gemeinde und eine Hauskirche in der Provinz Shanxi besucht hatte.

Den meisten Berichten zufolge hat sich die Haltung der kommunistischen Partei zur Religionsfreiheit in den letzten Jahren nicht geändert. Neben anderen Menschenrechtsverletzungen ist es immer wieder zu Verletzungen der Religionsfreiheit gekommen. Amnesty International schrieb z.B. in ihrem Jahresbericht 2011: „Die chinesische Regierung reagierte auf eine zunehmend wachsende Zivilgesellschaft mit der Inhaftierung und Strafverfolgung von Menschen, die in friedlicher Weise ihre Meinung zum Ausdruck brachten, vom Staat nicht zugelassenen Religionsgemeinschaften angehörten, für demokratische Reformen und Menschenrechte eintraten oder die Rechte ihrer Mitbürger verteidigen wollten.“ In ähnlicher Weise äußerte sich Human Rights Watch in ihrem Jahresbericht 2011: „China ist nach wie vor ein autoritärer Einparteienstaat, der die Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit massiv einschränkt.“

Während die chinesische Regierung und ihre Vertreter diese Verletzungen der Religionsfreiheit begehen, erleben die Religionsgemeinschaften in China ein Wachstum und eine Vitalität, wie man sie seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Abgesehen von dem außergewöhnlichen zahlenmäßigen Wachstum der Gläubigen sind religiöse Stätten und Aktivitäten äußerst sichtbar.

Protestantische Kirchen in ganz China sind regelmäßig überfüllt. Die riesige staatlich zugelassene christliche Kirche in Beijing Haidian ist jeden Sonntag zum Bersten voll. Mitarbeiter des Nachrichtendienstes Forum 18 haben selbst gesehen, wie ein Mitglied der Kirche Flugzettel über die Gottesdienste an die Fußgänger in einer belebten Einkaufsstraße in der Nähe der Kirche verteilte. Die unter Ausländern als Community Church bekannte Kirche in Schanghai zieht Sonntag für Sonntag große Zahlen an Gläubigen an. Viele müssen im Hof sitzen, da  keine Sitzplätze im inneren des Kirchengebäudes frei sind. Auch die inoffiziellen Kirchen und Hausgemeinden sind voll.

Doch die Christen sind nicht die einzige Religionsgemeinschaft, die ein spektakuläres Wachstum zu verzeichnen hat. Auch buddhistische Tempel ziehen große Menschenmassen an, die dort beten und den Rat von Mönchen suchen.

Die Selbstverbrennungen tibetischer Mönche und anderer Tibeter und die Schwierigkeiten der christlichen Shouwang Gemeinde zeigen die nach wie vor bestehenden Grenzen der Religionsfreiheit in China auf, bei gleichzeitigem Wachstum lebendiger Religionsgemeinschaften. Da der Großteil der Verletzungen der Religionsfreiheit in China vom Staat und seinen Organen ausgeht, verlangt diese widersprüchliche Situation nach einem tieferen Verständnis des kommunistischen Staates und seiner Haltung gegenüber der Religion.

Ein Staat geführt von Managern

Wenn man die Entwicklung der Religionspolitik des kommunistischen China verstehen will muss man erkennen, dass seine Haltung zur Religion weitgehend die Ansichten der modernen chinesischen Elite und bereits die der Vorgänger der kommunistischen Machthaber reflektiert. Einfach gesagt, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Haltung chinesischer Denker und Mitglieder der politischen Elite geprägt von Geringschätzung für  Religion und religiöse Menschen. Die Elite sieht Religion bzw. „Aberglauben“, wie sie religiöse Überzeugungen nennt, schon lange als Hindernis für die Modernisierung Chinas. Die ersten kommunistischen Führer Chinas waren direkte ideologische Nachfahren der nicht kommunistischen Verfechter der Modernisierung Chinas im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Für die kommunistischen Eliten Chinas, einschließlich Mao Tse-Tungs, war die Modernisierung Chinas oberste Priorität, um China zu einem fortgeschrittenen Staat zu machen, der im Konkurrenzkampf mit dem Westen erfolgreich bestehen kann. Auch die politische Unabhängigkeit vom Ausland, insbesondere von westlichen Staaten, wurde als hohe Priorität gesehen. Alles, was diesen Zielen im Weg stand, galt es zu eliminieren.

Diese Perspektive führte zu einem – nach dem Verständnis der Elite – pragmatischen Verhalten gegenüber Religionsgemeinschaften und Gläubigen. Man praktizierte eine systematische Unterdrückung der Religion und der Gläubigen. Bald nach der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 begann der Staat eine systematische Ausrottungspolitik gegenüber einheimischen spirituellen Überzeugungen, die man als Teil der lokalen Traditionen sah, die bisher Fortschritt und Entwicklung behindert hatten. Gleichermaßen unterdrückte der Staat ausländische Religionen und insbesondere das Christentum systematisch in dem Versuch, alle Kanäle zu eliminieren, durch die feindliche ausländische Mächte das neu errichtete kommunistische Regime und das von diesem angestrebte Sozial- und Wirtschaftssystem beseitigen könnten. Die Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 bildete den Höhepunkt des ideologischen Wütens im kommunistischen China. Während dieser Phase wurden die Religionsgemeinschaften und ihre Anhänger in den Untergrund gedrängt. Doch die Kulturrevolution war nur ein zeitlich beschränktes Kapitel in der Geschichte des Kommunismus in China.

Mit der Reformära kehrte der Pragmatismus zurück, als die politischen Führer Chinas sich bewusst dafür entschieden, ideologische Überlegungen hintan zu stellen und zur Aufgabe der Modernisierung des Landes zurückzukehren. Seit dem Beginn des 21. Jahrhundert ist  „soziales Management“ zu einem wesentlichen politischen Ziel geworden. Die politische Führung betont die Bedeutung der sozialen Stabilität, selbst wenn dies auf Kosten der Modernisierung gehen könnte.

Ideologische Rhetorik ist jedoch nicht vollkommen verschwunden und wird auch nicht verschwinden. So erklärte Vizeminister Zhu Weiqun im Dezember 2011, dass Kommunismus und Religion unvereinbar sind und dass Mitglieder der Kommunistischen Partei religiöse Überzeugungen ablehnen müssen. Solche Aussagen sind aus vielen Gründen interessant, unter anderem weil daraus hervorgeht, dass es Parteimitglieder mit religiösen Überzeugungen gibt. Es dringen immer wieder Berichte nach außen, dass protestantische Christen in hohen Positionen der Regierung zu finden sind, hochrangige Mitglieder des Militärs waren angeblich Anhänger der inzwischen verbotenen aber im Untergrund weiterbestehenden Falun Gong Bewegung. Der Gründer von Falun Gong hatte ursprünglich sogar staatliche Unterstützung erhalten und auch vergleichbare philosophische und Gesundheitsbewegungen („Qigong“) wurden durch den kommunistischen Staat gefördert. Es bleibt abzuwarten, wie sich religiöse Überzeugungen in den Reihen von Funktionären und Beamten auf die Ansicht der politischen Eliten Chinas auswirkt, dass Religion „Aberglaube“ und ein Hindernis für die Modernisierung sei. Eine Änderung dieser Ansicht der Elite könnte eine sehr positive Auswirkung auf die Religionsfreiheit in China haben.

Ganz im Gegensatz zu den Aussagen von Zhu Weiqun wurden kürzlich religiöse Gruppen ermutigt, sich für die Notleidenden im Land zu engagieren, Stiftungen und Organisationen zu gründen, um den Nöten der Menschen zu begegnen. Andrerseits wurden die Religionsgemeinschaften davor gewarnt, ihr karitatives Engagement zu nützen, um ihre religiösen Überzeugungen zu verbreiten.

Der kommunistische Staat hat eine wesentliche Rolle bei der wirtschaftlichen Transformation Chinas gespielt und sich dabei nicht von der offiziell proklamierten kommunistischen Ideologie leiten lassen. „Niemand glaubt mehr an den Kommunismus“, diese Aussage hörten die Mitarbeiter von Forum 18 immer wieder bei ihren Gesprächen in China, auch von Regierungsbeamten. Seit der Kulturrevolution hat sich der Staat eines Großteils seines marxistischen ideologischen Gepäcks entledigt. Hauptanliegen ist die Modernisierung des Landes, und vielleicht noch mehr, der Machterhalt. Daher wird es den Religionsgemeinschaften gestattet, zu existieren und sogar zu wachsen, so lang sie das Ziel der Modernisierung des Staates und den Fortbestand der Herrschaft der Kommunistischen Partei nicht gefährden.

Die Leichtfertigkeit der Sterbehelfer

27 Menschen wurden 2011 von der Organisation Sterbehilfe Deutschland bei der Selbsttötung unterstützt. Zahlreiche Betroffene waren nur psychisch krank, andere sogar kerngesund.

Dieser Kult um die Selbstbestimmung dürfte auch dafür verantwortlich sein, dass es unter den 27 Fällen nur fünf gibt, bei denen eine zweifellos unheilbare und in absehbarer Zeit zum Tode führende Krankheit vorlag, ALS oder ein rasch voranschreitender Krebs. Daneben finden sich sieben Fälle mit tatsächlich schlechter Prognose und großen Beschwerden, mit denen die Personen aber in der Zeit der Begutachtung noch recht gut leben konnten.

In der Mehrheit der Fälle jedoch, insgesamt 15, lagen entweder keine Beschwerden vor, oder es handelte sich um psychische Störungen, bei denen eine an Lebensverbesserung orientierte Medizinethik von einer Beihilfe zum Suizid völlig absehen muss.

Mehr: www.welt.de.

Grudem: Systematische Theologie in deutscher Sprache

Da ich immer wieder gefragt werde, auf diesem Weg der Hinweis, dass die Übersetzungsarbeiten an der Systematischen Theologie von W. Grudem in die letzte Phase eingetreten sind. Der Text steckt im Lektorat und der bearbeitende Lektor hofft, dass das Buch im Sommer (oder  einige Wochen früher) in die Buchläden kommt.

Die Johannesoffenbarung

eva_cover_978-3-374-02879-5.jpgIn der Evangelischen Verlagsanstalt ist gerade ein neues Buch über die Johannesoffenbarung erschienen:

  • Martin Karrer, Michael Labahn (Hrsg.): Die Johannesoffenbarung: Ihr Text und ihre Auslegung, Evangelische Verlagsanstalt, 2012, 496 S., 64 Euro.

Der Verlag schreibt über das Buch:

In der aktuellen Forschung finden die Johannesoffenbarung, ihre Text- und Auslegungsgeschichte wieder stärkere Beachtung. Der Sammelband nimmt diese Entwicklung auf und legt Vorträge einer Tagung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, ergänzt durch weitere richtungsweisende Beiträge, vor. Die Schwerpunkte Textgeschichte und Auslegung ermöglichen, mit Hilfe unterschiedlicher methodischer Zugänge wesentliche Forschungsfel­der abzuschreiten: Textüberlieferung und Schriftrezeption, religionsgeschichtliche Problematik, Bilderwelt, Aspekte der Hermeneutik sowie der Auslegungs- und Wirkungsgeschichte, der literarischen Struktur und ihrer sprachlich-theologischen Konzeption sowie das Wechselspiel von Text und Rezipient unter tiefenpsychologischer Perspektive. Die Beiträge belegen, dass die beständige Überprüfung bisheriger Annahmen der Exegese notwendig und lohnenswert ist, und vertiefen das Verständnis der Johannes­offenbarung.

Das Buch enthält zahlreiche Aufsätze zur Textkritik und -geschichte. Am Schluss gibt es einen Beitrag mit dem Titel „Die Johannesoffenbarung in den grossen Bibelkodizes“, der Übersetzungen unterschiedlicher Manuskripte (Sinaiticus, Alexandrinus etc.) sowie eine Einführung von Martin Karrer anbietet.

Generation „Maybe“

Oliver Jeges, 29 und Volontär an der Axel-Springer-Akademie, beschreibt sich und seine Generation als verunsichert: „Wir 20- bis 30-Jährigen sind eine Generation ohne Eigenschaften. Gut ausgebildet, aber ohne Plan, ohne Mut, ohne Biss. Weil alles möglich ist, sind alle heillos überfordert.“

Weiter heißt es in dem Die WELT-Beitrag:

Was früher der Inbegriff von Biederkeit war, gilt mittlerweile wieder als erstrebenswert. Bei Licht betrachtet kommt eine Generation zum Vorschein, die sich lieber für spießige Fernsehserien wie „Desperate Housewives“ oder „How I Met Your Mother“ interessiert als für Ideen.
…
Eine Umfrage hat vor Kurzem ergeben, dass jeder Fünfte unter 30 Auschwitz nicht kennt. Man darf vermuten, dass es sich dabei nicht nur um Bildungsverlierer handelt. Aber nicht nur ein scharfes Bewusstsein, auch der Mut scheint auf der Strecke zu bleiben. Weder im Beruf („Irgendwas mit Medien“) noch im Privaten („Irgendwann möchte ich auch Kinder haben“) wollen wir uns festnageln lassen. Wir wollen nicht planen, sondern in den Tag hinein leben. Den Eigenschaftslosen fehlt der Kompass.

Wir schlafwandeln durch eine vernetzte Welt voller Möglichkeiten und fühlen uns verunsichert angesichts der Fülle von Optionen. Wir wollen Lebenskünstler sein und denken wie Beamte. Wir verwalten das Erbe unserer Eltern und Großeltern. Ein postmodernes „Anything goes!“ hat uns überrumpelt, und jetzt wissen wir nicht mehr weiter. Wir haben uns in eine Mentalität des Entweder-oder verrannt, die uns zum Verhängnis wurde; wollen überall dabei sein und nichts verpassen. Ein Irrweg. Der Mut zur Entscheidung ist wieder gefragt. Auch wenn das manchmal unangenehm ist.

Harvard-Studie bezweifelt Keynes‘ Theorie

Die Theorie, der Staat solle in Krisen mit Mehrausgaben die Privatwirtschaft stimulieren, erlebt seit 2008 eine Renaissance. Doch eine neue Studie negiert diese von John Maynard Keynes prognostizierte Wirkung. DIE ZEIT schreibt über die Studie:

„Höhere staatliche Ausgaben scheinen Aktivitäten in der Privatwirtschaft zu verdrängen“, lautet das Fazit. „Das Ausmaß dieses Effekts ist alles andere als trivial.“ So würden die Mittelzuflüsse aus Washington im Schnitt um 452 Millionen Dollar pro Jahr steigen die Investitions- und Forschungsausgaben sänken im Gegenzug um 92 Millionen Dollar.

Die Forscher hatten das so nicht erwartet. Sie wollten mit ihrer Studie nicht Keynes infrage stellen, sondern zeigen, wie politische Protektion aus Washington der lokalen Wirtschaft hilft. „Dass das durchschnittliche Unternehmen nicht profitiert, war für uns eine enorme Überraschung“, sagt Mitautor Joshua Coval.

Mehr: keynes-oekonomie-theorie.pdf.

Abwehrmechanismen

Hans Asmussen (1898–1968) schrieb 1935:

Ich wage nicht zu sagen, welcher Rettungsversuch der Gefährlichere ist: Gott umzustimmen oder sich selbst vorzumachen, dass man sich irrt, also sich selbst umzustimmen.

Martin Luther als Komponist und Lieddichter

Die Evangelische Kirche stellt das Jahr 2012 unter das Motto: „Reformation und Musik“. Damit soll auch an die besondere Bedeutung erinnert werden, die das Kirchenlied in der Reformationszeit bekommen hat. Der DLF hat einen hervorragenden Beitrag über Luther als Komponist und Lieddichter publiziert.

Hier:

[podcast]http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2012/03/19/dlf_20120319_0943_53ff956b.mp3[/podcast]

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