2017

Vom gebotenen Gehorsam

Philipp Melanchthon, (Von Wittenberg nach Europa, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, LOGOS GOLD, Bd. 3, S. 86). 

Denn weil treue Seelsorger von öffentlichen Feinden des Evangeliums Verfolgung erleiden und dieser Dienst ohnehin voller Behinderung, Sorge und Betrübnis ist, so ist es doch einem Pastor ein spürbarer Trost, wenn er Gehorsam bei seiner Gemeinde findet. Daraus folgen Einigkeit, Hilfe und viel gute Frucht. Wenn er aber bei den Seinen Ungehorsam findet, so sind die Hindernisse allzu groß, Lehre und Zucht werden ausgelöscht, und es folgen Zerrüttung, Untugend und Ärgernis. Darum ist zur Erhaltung und Ausbreitung der Kirche Gehorsam geboten in allem, was im Evangelium den Seelsorgern befohlen worden ist, nicht in Sachen, die wider Gottes Gebot oder außerhalb des Evangeliums stehen.

Worthaus

Worthaus ist unter Evangelikalen in den letzten Jahren recht populär geworden. Gerade neugierige und aufgeweckte junge Leute fühlen sich von den Worthaus-Vorträgen angezogen, verstanden und gut informiert. Es werden viele Themen angesprochen, die in ihren Gemeinden oder Hauskreisen unterbelichtet bleiben. Markus Till hat sich viele Vorträge angehört und schreibt in seiner hilfreichen Analyse: „Die evangelikale Bewegung steht vor einer grundlegenden Entscheidung, wenn sie nicht in den Abwärtsstrudel der liberalen Kirchen mit hineingezogen werden möchte.“

Er schreibt weiter:

Worthaus ist kein einheitlicher Block mit einheitlicher Theologie. Jedoch gibt es eine klare gemeinsame Prägung (weshalb in diesem Artikel meist vereinfachend von Worthaus als Ganzem gesprochen wird). Worthaus bekennt sich klar zur historisch-kritischen universitären Theologie, will aber gleichzeitig bibeltreu sein – sogar wesentlich bibeltreuer als konservative Christen. Durch die Berücksichtigung moderner bibelwissenschaftlicher Erkenntnisse soll ein „unverstellter Blick“ auf die Bibel gewonnen werden. Biblische Textgattungen sollen sauber unterschieden werden und das historisch-kulturelle Umfeld sowie die Entstehungsgeschichte der biblischen Texte berücksichtigt werden, um viel fundierter beleuchten zu können, was die biblischen Texte ursprünglich wirklich sagen wollten (z.B. ob die Geschichten historisch gemeint waren oder nicht). Entsprechend lautet die Vision von Worthaus: „Alles auf Null“. Das will sagen: Wir stellen vorurteilsfrei noch einmal alles in Frage, um zu gut begründeten Überzeugungen zu gelangen. Das klingt auch für viele konservative Zuhörer gut, die ja zuallermeist längst nicht so wissenschaftsfeindlich sind, wie das von Worthaus oft behauptet wird.

Auf dem Blog Aufatmen in Gottes Gegenwart kann der Beitrag auch als PDF-Datei heruntergeladen werden: blog.aigg.de.

Jospeh Fitzmyer: Romans

51Sj+E3QXZL SX338 BO1 204 203 200Logos Bible Software bietet im Monat Oktober 2017 einen katholischen Bibelkommentar zum Römerbrief als Buch des Monats gratis an. Der Autor, Jospeh Fitzmyer, gilt als bedeutender Exeget neutestamentlicher Schriften.

  • Fitzmyer, Joseph A., Romans : A New Translation With Introduction and Commentary, Yale University Press, 2007.

Das Buch kann hier angefordert werden: www.logos.com.

Rückzug in die Erfahrung

Kürzlich war ich ein paar Tage bei Hanniel Strebel und seiner Familie. Vielen Dank für die schöne Zeit in Zürich! Hanniel hat mich unter anderem zur Krise der evangelikalen Theologie befragt.

Das Ringen um die theologische Wahrheit ist durch Fragen der Performanz verdrängt worden. Ich will damit nicht behaupten, die praktische Themen seien unwichtig. Ich will zum Ausdruck bringen, dass die praktische Theologie, also etwa Fragen des Gemeindebaus, der Predigtlehre, der Ökumene, der Mission oder der Seelsorge vom Wort Gottes her beantwortet und entfaltet werden müssen. Ich beobachte hingegen einen Rückzug in die Erfahrung, in die Innerlichkeit, in den Stil, in den Pop, in die Beziehung. Das kann nicht lange gut gehen. Wir haben in den zurückliegenden Jahrzehnten eine Verflüssigung theologischer Begriffe und Dogmen erlebt, die unsere Theologie breiig und kraftlos gemacht hat. Sie kann den kritischen Geistern nicht mehr viel entgegensetzen. Das zeigt sich sehr gut an dem Desinteresse an der Systematischen Theologie und am Verfall der christlichen Ethik. Die große Herausforderung für die nächsten Jahre wird das ehrliche Ringen um die theologische Wahrheit sein. Anders formuliert: Hat Gott wirklich gesprochen?

Hier das vollständige Gespräch: hanniel.ch.

Hanniel führt in einer eigenen Buchreihe für Jugendliche in das Leben und Denken christlicher Denker ein. Die Cover stammen stammen von Peter Voth.

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„Ehe als gute Schöpfung Gottes“: vier Glossen

Als ich vergangene Woche gelesen habe, dass die Evangelische Allianz in Deutschland Leitgedanken zu Ehe und Homosexualität verabschiedet hat, war ich zunächst erfreut und dachte, damit würde die Debatte um die Positionen der DEA zur Sexualethik endlich ein Ende finden. Als ich später die Leitgedanken durchsah, kamen mir Zweifel. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, in so einem heterogenen Hauptvorstand einen gemeinsamen Text zu verabschieden. Aber wenn ein Text herauskommt, der sehr unterschiedliche Deutungen zulässt, dann wird er nicht zur Klarheit beitragen, sondern ist nur Zeuge für die Meinungsvielfalt innerhalb der DEA.

Vier Dinge, die mir auf die Schnelle aufgefallen sind, möchte ich erläutern:

In der Einleitung wird davon gesprochen, dass die DEA ihre ethischen Bewertungen an Christus und seiner Verkündigung ausrichtet. Das klingt gut und ist auch gut. Dennoch: Könnte es sein, dass diese Formulierung aufgenommen wurde, weil dahinter etwas steckt, was den „Rote-Buchstaben-Christen“ wichtig ist? Der Name „Rote-Buchstaben-Christen“ bezieht sich auf Bibeln, die die von Jesus gesprochenen Worte in roter Farbe darstellen. Das, was Jesus sagt, gilt als Maßstab für die Bewertung dessen, was sonst noch in der Bibel zu finden ist. Auf diese Weise wird etwa Jesus gegen Paulus ausgespielt. Wichtiger sei das, was Jesus gesagt habe und im Zweifel müssten Paulus, Johannes, Jakobus oder AT-Texte den Worten Jesu weichen. Wie Wikipedia zutreffend schreibt,  betätigen sich „Rote-Buchstaben-Christen“ bei „der Förderung des Friedens, Unterstützung von Familien, die Abschaffung von Armut und die Gleichberechtigung von Randgruppen, da dies die gesellschaftlichen Probleme seien, die für Jesus wichtig waren.“ Andere Dinge werden hingegen zurückgestellt, da sie angeblich Jesus nicht viel bedeutet hätten. So wird dann auch behauptet: Jesus sei die Sexualethik nicht sonderlich wichtig gewesen, er habe beispielsweise selbst gar nichts zur Homosexualität gesagt. Das stimmt natürlich nicht, denn Jesus hat das, was das Alte Testament über die Ehe sagt, vorausgesetzt und bestätigt. Das, was Paulus im Römerbrief über Homosexualität schreibt, ist zudem nicht weniger bedeutsam als das, was Jesus im Matthäusevangelium sagt. Die ganze Schrift ist uns von Gott gegeben – nicht nur jene Abschnitte, in denen Jesus persönlich spricht, kommen von ihm.

Dann ist unter Absatz 2 davon die Rede, dass die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis „mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar (3.Mose 18,22; 20,13; Römer 1,24–27; 1.Korinther 6,9; 1.Timotheus 1,10)“ ist. Ich befürchte, dass einige es so lesen und lesen wollen: Nur die in der Bibel beschriebene Praxis der Homosexualität ist mit dem Willen Gottes nicht vereinbar. Damals sei – so eine progressive Lesart – die homosexuelle Praxis ausbeuterisch und von Gewalt gezeichnet gewesen. Heute sei die homosexuelle Praxis von Liebe und Treue geprägt; sie beruhe auf Freiwilligkeit und habe mit dem, was in der Bibel beschrieben wird, nicht mehr viel zu tun.

Schließlich wird im Absatz 3 ausgesagt, dass Jesus Christus die vorbehaltlose Annahme aller Menschen fordert. Begründet wird das mit Titus 2,11: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen …“ Mir erschließt sich nicht, inwieweit dieser Vers begründen soll, dass Jesus die vorbehaltlose Annahme aller Menschen fordert. Mir ist noch nicht einmal klar, was die „vorbehaltlose Annahme aller Menschen“ bedeuten soll. Interessant ist ja auch, wie der Text ab Vers 12 weitergeht: „… und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ Kurz: Ich vermute, Absatz 3 wird die Grundlage dafür schaffen, dass praktizierende Homosexuelle vorbehaltlos in der Gemeinde mitarbeiten und leiten.

Schlussendlich heißt es dann: „Daraus ziehen wir die Schlussfolgerung, dass homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können.“ Da die rechtliche Gleichstellung ja bereits erfolgt ist, kann hier nur gemeint sein, dass innerhalb der Kirchen und Gemeinden die homosexuellen Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können. Das aber hält die Tür für Segnungen homosexueller Partnerschaften im Raum der Kirche offen.

Es wird, davon gehe ich aus, ein schwer erkämpftes Kompromisspapier sein. Die Leitgedanken sind das Ergebnis eines Prozesses, der über mehrere Jahre intensiv geführt wurde, heißt es in der Einleitung zu „Ehe als gute Stiftung Gottes“. Herausgekommen ist ein Papier, dass so viele Löcher hat wie ein Schweizer Käse. Eindeutigkeit ist nicht gewollt. Mit Unklarheit kann man nicht gut leiten. Ich kann nur hoffen, dass sich echte Klärungen anschließen. Meine Zuversicht schwindet an diesem Punkt allerdings mehr und mehr.

Bob Kauflin in Hamburg

A3828317814 16Vor 9 Jahren habe ich hier auf dem Blog für eine Live-CD von Together for the Gospel geworben.

In vier Wochen wird Bob Kauflin, er für die Aufnahmen mitverantwortlich ist, in Hamburg auf der Eckstein-Konferenz sprechen. Für die Veranstaltung zum Thema „Die Gemeinde – Pfeiler und Bollwerk der Wahrheit“ konnten bekannte Redner gewonnen werden, so etwa C.J. Mahaney, Jeff Purswell oder der Musiker und Komponist Bob Kauflin. Mit dabei sind natürlich auch Christian Wegert, Wolfgang Wegert und Andy Mertin.

Eckstein2017

Mehr Informationen dazu hier: www.evangelium21.net.

„Co-Parenting“, die neue Familienbande

Ein Vater, eine Mutter und gemeinsame Kinder – so sahen Familien lange Zeit aus. Heute werden oft bewusst andere Konstellationen ausprobiert. Im Trend liegt das „Co-Parenting“:

Neu ist ein Begriff, der ganze Internetseiten füllt: Co-Parenting. Manche nutzen ihn, wenn Mann und Frau sich zusammentun, um ein Kind zu bekommen, ohne dass sie sich lieben oder Sex miteinander haben wollen. Andere meinen damit, dass mehr Menschen für die Kinder verantwortlich sind als nur die beiden leiblichen Eltern. Es ist ein Oberbegriff für alle möglichen Arten, Kinder zu haben – jenseits der Kleinfamilie, jenseits von Vater, Mutter, Kind.

In der Wissenschaft wurde Co-Parenting in den Vereinigten Staaten schon in den späten sechziger Jahren verwendet, um die Unabhängigkeit der Elternschaft von der Ehe zu beschreiben. Wikipedia versteht darunter heute eine postmoderne Art, Kinder zu bekommen. Die Postmoderne war auch immer das Versprechen auf die Befreiung von allen Begrenzungen, gesellschaftlich und biologisch. Dass die Menschen den Begriff nun wählen für das, was sie ohnehin schon machen, und das mal Patchwork hieß, mal Regenbogenfamilie, zeigt die neue Lust auf diese Formen. Co-Parenting steht für ein neues Selbstverständnis: Die alternativen Familienmodelle gelten nicht mehr als Notlösung, sondern als selbstbestimmte, aus Überzeugung gewählte und gewünschte Lebensmodelle. Auch die Politik passt sich an: In den Niederlanden, wo sich Menschen mit Kinderwunsch seit ein paar Jahren auf Co-Parenting-Seiten im Internet treffen, sollen bald bis zu vier Menschen für ein Kind juristisch verantwortlich sein können, auch vier Männer etwa.

Mehr: www.faz.net.

Eltern mal zwei

Als erstes Land der Welt öffneten die Niederlande 2001 die Ehe für Lesben und Schwule. Da immer mehr Homosexuelle Familien gründen, diskutiert das Land nun über das modernste Familienrecht der Welt.

Ende 2016 präsentierte eine Expertenkommission ein Gesetzesprojekt, das die Legalisierung der Mehrelternschaft vorsieht. Die Begründung: Immer mehr niederländische Kinder wüchsen mit nur einem Elternteil, in Regenbogenfamilien mit homosexuellen Eltern oder in Patchworkfamilien auf, in denen sich mehrere Erwachsene um die Erziehung kümmerten. Die Mehrelternschaft soll aber nur unter Auflagen erlaubt werden: Vor der Zeugung des Kindes müssten die angehenden Eltern einem Familiengericht einen Vertrag zur Genehmigung vorlegen. Darin müssten sie im Detail darlegen, wie sie die Erziehungsaufgaben und die finanzielle Lastenteilung organisieren wollen, wo das Kind wohnen und welchen Nachnamen es tragen soll.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: PP

Nicht die Zahl

Dietrich Bonhoeffer (Nachfolge, 2013, S. 184):

Die Jünger sind wenige und werden immer wenige sein. Dies Wort Jesu schneidet ihnen jede falsche Hoffnung auf ihre Wirksamkeit ab. Niemals setze ein Nachfolger Jesu sein Vertrauen auf die Zahl. „Wenige sind ihrer …“, der Anderen aber sind viel und werden immer viel sein.

Paulus, einer der größten Denker

51vQRWIl9PL SX350 BO1 204 203 200Theo Lehmann (Theos kleine Kanzel, Logos Editions, 2017, S. 58):

Paulus war immerhin einer der größten Denker der Menschheit. Und da kommt heute jeder Spitzkopf mit seinen paar Jahren Schul- oder Hochschulbildung und wagt es, an der Bibel rumzufummeln und die Weisheit der göttlichen Offenbarung infrage zu stellen! Paulus war der größte Theologe der Kirche, dem das ganze Heer der modernen Meckerer nicht das Wasser reichen kann. Dieser Geistesriese war sich nicht zu schade, vor seinen theologischen Anklägern und weltlichen Richtern den geradezu kindlichen Satz zu sagen: „Ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.“

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