Die Krise in der Szene

Bethel McGrew hat einen neuen Essayband aus der Schwulenszene rezensiert und stellt etwas überrascht fest, dass es sich um die Dokumentation einer Krise handelt. 

Zitat: 

Schwule Männer befinden sich in einer Krise, so die These der Herausgeber des neuen Essaybands Inversion: Gay Life After the Homosexual. Keine Krise der Unterdrückung, sondern eine für die Autoren weitaus beängstigendere Krise: eine Krise der Langeweile.

Einst waren schwule Männer von ihrer gesellschaftlichen Rolle als Tabubrecher und Abweichler am Rande der feinen Gesellschaft überzeugt; heute haben sie sich das Recht erkämpft, Normalität zu verkörpern. Sie sind die Nutznießer unbegrenzter politischer Privilegien, kultureller Anbiederung und medizinischer Technologien, die darauf ausgelegt sind, sie vor sich selbst zu bewahren. Gleichzeitig finden sie sich in einem neuen Kastensystem sexueller Abweichung wieder, in dem von ihnen erwartet wird, sich gegenüber Identitätsgruppen unterzuordnen, die auf der Privilegienleiter einen höheren Rang haben. Die Queer-Theorie ist zum Mainstream geworden, was dazu führt, dass sich die Regeln dieses Kastensystems sogar gegenseitig widersprechen.

Wo genau bleiben da die Abweichler von gestern? Wie könnte ein innerer Eingriff in ihre Krise aussehen? Sind sie darauf vorbereitet, dass ein solcher Eingriff ausgesprochen unvorteilhafte Ergebnisse hervorbringen könnte? Hat Homosexualität einen nachvollziehbaren Zweck, ein Telos – sei es biologischer, kultureller oder sonstiger Art? Wagen wir es zu fragen, ob sie jemals einen hatte? Wagen wir es zu fragen, ob ihre aktuelle Krise vielleicht sogar „konstitutiv für das Ding an sich“ sein könnte?

Mehr: furtherup.net.

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