Martin Bucer: Kein Bibelwort steht für sich allein

Johannes Müller schreibt über die Einheitlichkeit der Heiligen Schrift in Bucers Hermeneutik (Martin Bucers Hermeneutik, Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte, 1965, S. 114–115):

Der Heiligen Schrift eignet infolge ihrer Inspiration eine untrügliche Zuverlässigkeit und zugleich eine unbedingte Eindeutigkeit, mit der sie Gottes Offenbarung vermittelt. Ja, mehr noch, die Inspiration durch den einen Heiligen Geist läßt zugleich auch auf die Einheitlichkeit und Widerspruchslosigkeit der biblischen Aussagen schließen. Gewiß war Bucer philologisch und historisch geschult genug, um bei seiner Exegese allenthalben auf stilistische Eigentümlichkeiten sowie auf historisch bedingte Eigenarten einzelner biblischer Bücher aufmerksam machen zu können; aber die innere Einheit stand ihm über der historischen Vielfalt nirgends im Zweifel. Keine biblische Schrift noch auch ein einzelnes Bibelwort steht für sich allein, sondern beiden wird Sinn und Grenze zuteil von der sie umfassenden Botschaft des Evangeliums, als dessen Bestandteil sie auf gef aßt werden wollen. Für dieses Denken vom Ganzen her mag es bezeichnend sein, daß Bucer in seinen Kommentaren immer wieder darauf aufmerksam macht, daß die Exegese auf den Skopus der Heiligen Schrift achten und die »analogia fidei« im Auge behalten muß. Diese hermeneutische Grundregel gilt natürlich auch für die Beurteilung der christlichen Predigt und Lehre. Denn mit der apostolischen Mahnung, alles zu prüfen und nur das Gute zu behalten (1. Thess. 5, 21) ist ja nicht an einen subjektiven Maßstab gedacht, sondern daran, eine Lehre auf ihre Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Glaubens zu überprüfen (medicare ad analogiam fidei).

Kommentare

  1. Die Bibel ist nicht unmittelbar „Wort GOttes“

    (1) Wie oft hört man auch selbst noch heute,
    Die Bibel schlösse ein und deute
    Das Wort, das GOtt zu Menschen spricht:
    Gehorsam sei drum strenge Pflicht.
    Die Bibel halte in Verwahrung
    Allein und ganz die Offenbarung.
    ..
    (a) Gerade das ist Bibel nicht!
    Tatsächlich ist sie ein Bericht,
    Wie Menschen glaubten durch die Zeiten,
    Von GOttes Hand sich liessen leiten.
    Was GOtt mit Welt und Menschheit tat,
    Wie ER durch JEsum uns sich naht,
    Ein menschliches Gedächtnis-Buch,
    Gedenken, Protokoll-Versuch,
    Annalen, eine Rückschau-Fibel:
    Allein doch so zeigt sich die Bibel!
    ..
    (b) Es kann und darf nicht Schrift allein
    Der Massstab unsres Glaubens sein:
    Erkenntnis über GOtt kann schenken
    Sehr wohl auch folgerechtes Denken!
    Dass Einheit, Ordnung8 Eigenschaften,
    Die tief in GOttes Wesen haften,
    Tut deutlich sich für Menschen da
    Aus Informatik, Algebra,
    Mechanik und Astronomie
    Atomphysik, Biochemie.
    Ja, selbst Musik und Malerei,
    Die Sprachkunst – auch die Reimerei! –
    Vermögen manches uns zu lehren:
    Vom Sosein GOttes viel erklären.
    …………………………………………………………………………………………………….
    Quelle:
    http://www.wiwi.uni-siegen.de/merk/stilling/downloads/nachtod_theo_jst/bibelchristen.pdf

  2. Tim-Christian meint:

    „Um diesen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, das Evangelium und die Sakramente gegeben, durch die er als durch Mittel den Heiligen Geist gibt, der den Glauben, wo und wann er will, in denen, die das Evangelium hören, wirkt, das da lehrt, daß wir durch Christi Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, wenn wir das glauben. Und es werden die verdammt, die lehren, daß wir den Heiligen Geist ohne das leibhafte Wort des Evangeliums durch eigene Vorbereitung, Gedanken und Werke erlangen.“
    (CA, 5)

    „Und in diesen Stücken, die das mündliche, äußerliche Wort betreffen, ist
    fest dabei zu bleiben, daß Gott niemandem seinen Geist oder Gnade gibt
    außer durch oder mit dem vorhergehenden äußerlichen Wort, damit wir uns
    bewahren vor den Enthusiasten, das ist Geistern, die sich rühmen, ohne und
    vor dem Wort den Geist zu haben, und danach die Schrift oder mündliches
    Wort richten, deuten und dehnen nach ihrem Gefallen, wie es der Münzer
    tat und heutigen Tages noch viele tun, die zwischen dem Geist und Buch-
    staben scharfe Richter sein wollen und wissen nicht, was sie sagen oder
    setzen.“
    (AS, III,8)

  3. Schlotti meint:

    O Not einer Kirche die sowas glaubt,
    die Gottes Wort seiner Göttlichkeit beraubt.
    Übrig bleibt ein rein menschliches Wort,
    und Kirchen, verwaist zu einem traurigen Ort.

  4. @Paul Vogt
    Stellen Sie ein holpriges Gedicht über die Bibel, die dem Inhalt des Gedichts direkt widerspricht?
    Die Bibel ist das Wort Gottes, da sie von Gott eingegeben ist (2Tim 3,16); im Englischen heißt es an dieser Stelle sogar „All Scripture is breathed out by God“ (ESV). Das heißt, die Schrift wird mit dem Atem Gottes in unmittelbaren Zusammenhang gebracht, eigentlich sogar gleichgesetzt.

    Im Evangelium nach Matthäus wird im 22. Kapitel eine Auseinandersetzung Jesu mit den Sadduzäern über die Auferstehung der Toten beschrieben. Im 31. Vers macht Jesus eine bemerkenswerte Aussage in Frageform:
    […] Habt ihr nicht gelesen, was zu euch geredet ist von Gott, der da spricht […] (Mt 22,31 (ELB))
    An dieser Stelle bezeugt Christus ganz klar die Autorität und die Inspiration der Heiligen Schrift. Wieviel deutlicher kann es zum Ausdruck gebracht werden? Die Schrift („gelesen“) wird gleichgesetzt mit Gottes verbalen Äußerungen und mit seinem Sprechen („geredet“, „spricht“).

    Die Bibel ist also keine Aneinanderreihung hübscher Anektdoten und kein Gedächtnisbuch der Erfahrungen, von denen die Menschen glaubten, sie mit Gott gemacht zu haben. Einer solchen Schrift dürfte man nicht vertrauen, da sie definitiv fehlerhaft wäre. Die Bibel ist vielmehr die Selbstoffenbarungsschrift Gottes.

  5. Paul Vogt meint:

    @WoNe

    Ihre Sicht der Bibel bleibe Ihnen völlig unbenommen.
    Aber gestatten Sie anderen Christen, daß diese es nicht so sehen.
    In den Anmerkungen der zitierten Veröffentlichung ist dazu eine ausführliche Stellungnahme der theologischen Kommission eines reformierten Kirchenkreises wiedergegeben.
    .
    Ein berichtigender Hinweis, da Sie von „holprigen Reimen“ sprechen.
    Es sind paarig gereimte vierfüßige Jamben.

  6. @Peter Vogt

    Ob Jamben, Alexandriner, Trochäen oder Freestyle, ist egal.

    Für die objektive Wahrheit ist es auch egal, was ich glaube oder Sie oder ein ‚reformierter Kirchenkreis‘. Durch unseren Glauben verändern wir nicht die unumstößliche Wahrheit, denn Gott selbst ist die Wahrheit; wir hingegen sind diesbezüglich unwichtig!
    Es geht um die grundsätzliche Frage, ob die Heilige Schrift Autorität besitzt oder nicht. Das Selbstzeugnis der Bibel geht dahin, dass sie für sich beansprucht, eine unfehlbare und ausreichende Richtschnur für Glauben und Praxis zu sein. Sie reklamiert, dass ihre Autorität nicht auf Grundlage von Menschen, sondern allein auf Gott als Autor (Urheber) zurückgeht. Daher meine Verwunderung über diese häretischen Verse, die Sie oben zitiert haben.

    Eins liegt mir noch am Herzen; Sie schrieben:
    //Aber gestatten Sie anderen Christen, daß diese es nicht so sehen.//
    Dies suggeriert, dass ich irgendwem irgendetwas verboten hätte. Dem ist nicht so! Ich könnte das nicht nur nicht, ich wollte dies auch nicht. Daher sehe ich diesen Satz als Strohmann.

  7. Stephan meint:

    //Aber gestatten Sie anderen Christen, daß diese es nicht so sehen.//
    Das würde aber voraussetzen, dass ich Sie als Christ bezeichnen würde. Das fällt mir nach den Jamben aber schwer.

  8. Stephan meint:

    …Aber gestatten Sie anderen Christen, daß diese es nicht so sehen…
    Das würde aber voraussetzen, dass ich Sie als Christ bezeichnen würde. Das fällt mir nach den Jamben aber schwer.

  9. Theophil Isegrim meint:

    „‚Wenn jemand mich liebt‘, gab Jesus ihm zur Antwort, ‚wird er sich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, wird sich nicht nach meinem Wort richten – und dabei kommt das Wort, das ihr hört, nicht einmal von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat'“ (Johannes 14,23-24)

    Diese Worte stehen in der Bibel. Stammen sie wirklich von Jesus? Oder hat sich Johannes, oder wer auch immer das Johannes Evangelium geschrieben hat, sich das einfach nur ausgedacht und es Jesus zugeschrieben? Wer kann das herausfinden, wie es sich verhält? Die historisch-kritische Bibelwissenschaft? Wieviele einheitliche Ergebnisse bringt denn die historisch-kritische Bibelwissenschaft hervor? Das ist doch oft ein Dschungel aus vermeintlichen Erkenntnissen. Der eine sieht es so, der andere anders und in zwei Jahren gibt es dann wieder ganz neue Erkenntnisse. So sicher scheint mir diese Methodik nicht zu sein.

    Warum also sollten diese Worte nicht von Jesus stammen? Was hätte Johannes davon gehabt Jesus diese Worte in den Mund zu legen? Wir Menschen schreiben Millionen von Büchern. Und Gott könnte noch nichtmal eins hervorbringen? Was soll das für ein Gott sein, der so etwas nicht könnte?

    Nein, Gott hat ein Buch hervorgebracht, um sich uns Menschen mitzuteilen. Damit wir ihn kennenlernen können. In seinem Wort hat er sich offenbart und festgelegt. Und wer Gott liebt, der richtet sich danach. Gott selbst gibt seinem Wort so einen hohen Stellenwert. Ohne sein Wort, woher will ich denn Gott kennen, wer er ist? Stelle ich mir dann etwas vor, was mir recht ist? Dann habe ich einen Götzen, aber nicht den lebendigen Gott.

  10. Rolf Eicken meint:

    Ich bin kein religiöser Gelehrter, mir ist nur aufgefallen, dass @WoNe aus dem
    Matthäus-Evangelium bezgl. einer Auseinandersetzung zw. Jesus und den Sadduzäern berichtet, um dann im nächsten Absatz von der Bibel (insgesamt) zu sprechen.
    Zur Zeit Jesu gab es nur den Pentateuch/die Torah und einige anerkannte Schriften.
    Die Bibel, wie wir sie heute kennen, existierte da noch gar nicht.
    Liege ich falsch, wenn ich annehme, dass das was in der heutigen Bibel steht, von Menschen, in der Annahme, dass sie von GOTT inspiriert sein könnten, ganz bestimmte Schriften ausgesucht wurden? (die Evangelien einmal ausgenommen)
    Andere dagegen verworfen wurden, aus Gründen, die anscheinend unbekannt sind.
    (z.B. das Jakob-Evangelium)
    LG
    Rolf

  11. Rolf Eicken meint:

    Für die, die es ganz genau nehmen : das Jakobusevangelium !

  12. PeterG meint:

    @Rolf Eicken

    Zur Zeit Jesu gab es nur den Pentateuch/die Torah und einige anerkannte Schriften.

    Nein, das Alte Testament in der uns bekannten Form lag schon Jahrhunderte vor.

    Die Bibel, wie wir sie heute kennen, existierte da noch gar nicht.

    Das Neue Testament wurde erst nach Christus verfasst (oder Teile – wie z. B. Reden – schon zu Lebzeiten Jesu aufgeschrieben).

    Liege ich falsch, wenn ich annehme, dass das was in der heutigen Bibel steht, von Menschen, in der Annahme, dass sie von GOTT inspiriert sein könnten, ganz bestimmte Schriften ausgesucht wurden?

    Ja, Sie liegen falsch. Schriften wurden nicht aufgenommen, weil die Verfasser für inspiriert gehalten wurden, sondern weil die Schriften inspiriert sind.

    z.B. das Jakob-Evangelium

    Das stammte nicht von Zeitzeugen Jesu, sondern aus der Zeit über 100 Jahre danach, wie auch andere apokryphe Schriften des Neuen Testaments (z. B. das Thomasevangelium).
    In den Konzilien des vierten Jahrhunderts wurde im Wesentlichen nur der bereits allgemein anerkannte Kanon bestätigt.

  13. Rolf Eicken meint:

    @PeterG
    Mit Ihren Antworten 1 u. 2 bestätigen Sie meine Anfragen, wenn auch in anderer Form
    Die Antwort 3 erscheint mir etwas spitzfindig, wenn auch korrekt.
    Die Antwort 4 besagt nur, dass sog. „Fachleute“ das bestätigen, was Menschen vorher bereits als gut und richtig angesehen haben. Das Johannesevangelium ist nach meiner Information auch erst ca. 85 n. Chr. geschrieben worden oder haben Sie da andere Informationen?

  14. PeterG meint:

    @Rolf Eicken
    Dann reden wir aneinander vorbei (bez. Antworten 1 und 2).
    Antwort 3 ist nicht spitzfindig, sondern ein wesentlicher Unterschied – nicht nur in der Formulierung. Wenn Sie die Paulus-Briefe aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass es Hinweise gibt auf Briefe, die nicht im Kanon sind. Die ‚Inspiriertheit‘ hängt also nicht (nur) am Verfasser.

    Das Johannesevangelium ist nach meiner Information auch erst ca. 85 n. Chr. geschrieben worden …

    Nach Ihrer Meinung wurde Joh 85 n. Chr. geschrieben, also zu einer Zeit, zu der noch Zeitzeugen Jesu gelebt haben können. Das Jakobusevangelium – von dem Sie vorher schrieben – stammt von 130 bis 150 n. Chr., wo es definitiv keinerlei Zeugen mehr gab. Aber ja, es gibt auch andere Datierungen für Joh. Sie legte der Anglikaner (kein Evangelikaler!) J. A. T. Robinson das Verfassungsjahr auf die Zeit vor 70 n. Ch. Klaus Berger schrieb sogar ein Buch darüber, dass er Joh als das erste Evangelium annimmt. Damit liegt es noch viel früher.

  15. Im Frühjudentum (zu dem die Jesus-Bewegung des 1. Jhdts mitsamt ihren Schriften noch gehörte, sodass das Matthäusevangelium keinen geringeren Zeugniswert hat als zB Qumrantexte) ist seit Beginn der schriftlichen Überlieferung ein Kanon heiliger Schriften, gegliedert in die Hauptteile Thora/Gesetz, Propheten und Sonstige, bezeugt und von anderen, späteren, Schriften geschieden. Keiner dieser Quellentexte wurde mit der Intention verfasst, (den Nachgeborenen) eine Kanonliste zu hinterlassen bzw. zu präsentieren, sondern es wird in intuitiver Weise (die theologischen SChulen mit ihren Systematisierungen entstanden erst später) bisweilen expliziert, was damals zu den KOmmunikationsvoraussetzungen (PRäsuppositionen) gehörte: in diesen X Schriften redet JHWH (nicht nur die menschlichen Verfasser) verbindlich zu seinem Volk.
    Auch wenn aus den genannten Gründen (noch) nicht für jedes einzelne AT-Buch eine Entstehung vor der Zeitenwende epigraphisch (Handschriften, LXX) nachweisbar ist, spricht die Zusammenschau der Befunde dafür.

    Qumran 150 v. Chr. (4QMMT): „Sicherlich ist es in eurem Interesse, dass wir euch dieses sagen und schreiben: Ihr sollt das Buch des Mose
    beachten und die Worte der Propheten sowie von David und die tägliche Chronik durch die Zeiten.“

    Jesus Sirach 5:1-7 (Griechisch 132 v. Chr., Hebräisches Original um 200 v. Chr.):„Da für das Viele und Bedeutende, was uns durch das Gesetz, die Propheten und die anderen, die ihnen nachgefolgt sind, überliefert worden ist…, nicht nur die, die es lesen, Verständnis gewinnen sollen…, so sah sich mein Großvater Jesus, der sich mehr (als andere) dem Lesen des Gesetzes, der Propheten und der anderen Bücher der Vorfahren gewidmet [200 v. Chr. war also ein entsprechender hebräischer Kanon schon fest etabliert!] und sich durch die Beschäftigung mit ihnen eine ausreichende Fertigkeit angeeignet hatte, dazu veranlasst, auch selbst ein solches auf Bildung und Weisheit bezügliches Werk zu
    verfassen… Ihr seid nun gebeten, mit wohlwollender Aufmerksamkeit das Lesen vorzunehmen… Denn nicht hat es ganz den gleichen Sinn, wenn etwas ursprünglich hebräisch ausgedrückt ist und dieses dann in eine andere Sprache übertragen wurde. Aber nicht nur dieses (Buch), sondern auch [die 132 v. Chr. schon vorliegenden LXX-Übersetzungen aus den Teilen:] das Gesetz selbst, die Weissagungen und
    die übrigen Schriften lauten ganz anders in ihrer ursprünglichen Fassung…“.

    Jesus Sirach bietet übrigens auch erste (narrative) Ansätze einer Kanonliste, er nennt zB in der REihenfolge heutigen Kanons die Schriftpropheten: Jesaja (48:25), Jeremia (49:8), Hesekiel (49:10) und das 12-Prophetenbuch (49:12).

    Die Makkabäer (1. Jhdt v. Chr) vergleichen ihre Sammlertätigkeit von zeitgenössischen Büchern mit der von Nehemia um 400

    2. Mak 2:13-15 :
    Nicht nur das alles war in den Schriften, nämlich den Denkwürdigkeiten Nehemias, berichtet, sondern auch, wie er als Stifter einer Bibliothek die Bücher über die Könige und Propheten sammelte, auch die Davids, und Briefe von Königen über Weihegeschenke. (14) Ebenso hat auch Judas alle Bücher gesammelt, die während
    des Krieges, den wir hatten, zerstreut worden waren, und sie befinden sich bei uns. (15) Solltet ihr etwas davon brauchen, so lasst es euch holen.“

    Josephus, Contra Apionem 1,7-8 (ca. 90 n.Chr.), spricht von 22 Büchern, bestätigt die Dreiteilung und sagt, dass alle Schriften vor Artaxerxes I. (464-423 v.Chr.) verfasst wurden:
    „Es folgt daher natürlich, oder vielmehr notwendig – da es nicht jedem zusteht, zu schreiben, und das Geschriebene keine Diskrepanzen enthält, vielmehr allein die Propheten (dazu befugt waren), die ihre Kenntnis der entlegensten und ältesten Gegenstände durch Inspiration von Gott lernten, die Dinge ihrer Zeit aber, wie sie sich zutrugen, in klarer Weise niederschrieben – (8) dass es bei uns nicht Myriaden von Büchern gibt, die nicht übereinstimmen und (gegeneinander) streiten, sondern nur 22 Bücher, die die ganze Zeit umfassen und denen zu recht vertraut wird. Von diesen sind 5 von Mose, die die Gesetze enthalten und die Überlieferung von der Entstehung des Menschen bis zu seinem (Moses) Tod. Dieser Zeitraum umfasst nahezu 3000 Jahre. Vom Tod des Mose bis zu Artaxerxes, der nach Xerxes Perserkönig wurde, schrieben die nach Mose kommenden Propheten, was zu ihrer Zeit geschah, in 13 Bücher [wohl: l. Jos, 2. Ri/Ru, 3. Sam, 4. Kö, 5. Jes, 6. Jer/KIgl, 7.Hes, 8.Dodeka, 9. Hiob, 10. Dan, II. Est, 12. Esr/Neh, 13. Chron]. Die übrigen 4 (Bücher) enthalten Hymnen zu Gott und für die Menschen Anweisungen für das Leben. Von Artaxerxes bis in unsere Zeit wurde zwar alles niedergeschrieben, wurde aber nicht als gleichermaßen zuverlässig angesehen wie die früheren (Berichte), da es keine genaue Folge von Propheten gab.“

    Die Dreiteilung (Gesetz, Propheten, Psalmen [pars pro toto, wie in Mt 5 „Gesetz und Propheten“ bzw. „Gesetz“]) findet sich auch in Lk 24:44. Und in Mt 23:35 (Märtyrer der Weltgeschichte) geht Jesus nicht chronologisch vor, sondern endet im 9. Jhdt v. Chr (König Joasch) – aber eben im letzten Buch des Kanons, in 2Chr (24:21)! Für interne Argumente (Intertextuelle Bezüge zum Restkanon) für Chronik als bewusst verfassten Abschluss des Kanons (dessen LXX-Übersetzung aber schon im 2. Jhdt v. Chr. nachweisbar ist!) siehe Hendrik Koorevaar (https://www.academia.edu/10072530/_Die_Chronik_als_intendierter_Abschlu%C3%9F_des_alttestamentlichen_Kanons._Jahrbuch_f%C3%BCr_Evangelikale_Theologie_11_Wuppertal_e.a._R._Brockhaus_Verlag_1997_p._42-76)

  16. Im Frühjudentum (zu dem die Jesus-Bewegung des 1. Jhdts mitsamt ihren Schriften noch gehörte, sodass das Matthäusevangelium keinen geringeren Zeugniswert hat als zB Qumrantexte) ist seit Beginn der schriftlichen Überlieferung ein Kanon heiliger Schriften, gegliedert in die Hauptteile Thora/Gesetz, Propheten und Sonstige, bezeugt und von anderen, späteren, Schriften geschieden. Keiner dieser Quellentexte wurde mit der Intention verfasst, (den Nachgeborenen) eine Kanonliste zu hinterlassen bzw. zu präsentieren, sondern es wird in intuitiver Weise (die theologischen SChulen mit ihren Systematisierungen entstanden erst später) bisweilen expliziert, was damals zu den KOmmunikationsvoraussetzungen (PRäsuppositionen) gehörte: in diesen X Schriften redet JHWH (nicht nur die menschlichen Verfasser) verbindlich zu seinem Volk.
    Auch wenn aus den genannten Gründen (noch) nicht für jedes einzelne AT-Buch eine Entstehung vor der Zeitenwende epigraphisch (Handschriften, LXX) nachweisbar ist, spricht die Zusammenschau der Befunde dafür.

    Qumran 150 v. Chr. (4QMMT): „Sicherlich ist es in eurem Interesse, dass wir euch dieses sagen und schreiben: Ihr sollt das Buch des Mose
    beachten und die Worte der Propheten sowie von David und die tägliche Chronik durch die Zeiten.“

    Jesus Sirach 5:1-7 (Griechisch 132 v. Chr., Hebräisches Original um 200 v. Chr.):„Da für das Viele und Bedeutende, was uns durch das Gesetz, die Propheten und die anderen, die ihnen nachgefolgt sind, überliefert worden ist…, nicht nur die, die es lesen, Verständnis gewinnen sollen…, so sah sich mein Großvater Jesus, der sich mehr (als andere) dem Lesen des Gesetzes, der Propheten und der anderen Bücher der Vorfahren gewidmet [200 v. Chr. war also ein entsprechender hebräischer Kanon schon fest etabliert!] und sich durch die Beschäftigung mit ihnen eine ausreichende Fertigkeit angeeignet hatte, dazu veranlasst, auch selbst ein solches auf Bildung und Weisheit bezügliches Werk zu
    verfassen… Ihr seid nun gebeten, mit wohlwollender Aufmerksamkeit das Lesen vorzunehmen… Denn nicht hat es ganz den gleichen Sinn, wenn etwas ursprünglich hebräisch ausgedrückt ist und dieses dann in eine andere Sprache übertragen wurde. Aber nicht nur dieses (Buch), sondern auch [die 132 v. Chr. schon vorliegenden LXX-Übersetzungen aus den Teilen:] das Gesetz selbst, die Weissagungen und
    die übrigen Schriften lauten ganz anders in ihrer ursprünglichen Fassung…“.

    Jesus Sirach bietet übrigens auch erste (narrative) Ansätze einer Kanonliste, er nennt zB in der REihenfolge heutigen Kanons die Schriftpropheten: Jesaja (48:25), Jeremia (49:8), Hesekiel (49:10) und das 12-Prophetenbuch (49:12).

    Die Makkabäer (1. Jhdt v. Chr) vergleichen ihre Sammlertätigkeit von zeitgenössischen Büchern mit der von Nehemia um 400

    2. Mak 2:13-15 :
    Nicht nur das alles war in den Schriften, nämlich den Denkwürdigkeiten Nehemias, berichtet, sondern auch, wie er als Stifter einer Bibliothek die Bücher über die Könige und Propheten sammelte, auch die Davids, und Briefe von Königen über Weihegeschenke. (14) Ebenso hat auch Judas alle Bücher gesammelt, die während
    des Krieges, den wir hatten, zerstreut worden waren, und sie befinden sich bei uns. (15) Solltet ihr etwas davon brauchen, so lasst es euch holen.“

    Josephus, Contra Apionem 1,7-8 (ca. 90 n.Chr.), spricht von 22 Büchern, bestätigt die Dreiteilung und sagt, dass alle Schriften vor Artaxerxes I. (464-423 v.Chr.) verfasst wurden:
    „Es folgt daher natürlich, oder vielmehr notwendig – da es nicht jedem zusteht, zu schreiben, und das Geschriebene keine Diskrepanzen enthält, vielmehr allein die Propheten (dazu befugt waren), die ihre Kenntnis der entlegensten und ältesten Gegenstände durch Inspiration von Gott lernten, die Dinge ihrer Zeit aber, wie sie sich zutrugen, in klarer Weise niederschrieben – (8) dass es bei uns nicht Myriaden von Büchern gibt, die nicht übereinstimmen und (gegeneinander) streiten, sondern nur 22 Bücher, die die ganze Zeit umfassen und denen zu recht vertraut wird. Von diesen sind 5 von Mose, die die Gesetze enthalten und die Überlieferung von der Entstehung des Menschen bis zu seinem (Moses) Tod. Dieser Zeitraum umfasst nahezu 3000 Jahre. Vom Tod des Mose bis zu Artaxerxes, der nach Xerxes Perserkönig wurde, schrieben die nach Mose kommenden Propheten, was zu ihrer Zeit geschah, in 13 Bücher [wohl: l. Jos, 2. Ri/Ru, 3. Sam, 4. Kö, 5. Jes, 6. Jer/KIgl, 7.Hes, 8.Dodeka, 9. Hiob, 10. Dan, II. Est, 12. Esr/Neh, 13. Chron]. Die übrigen 4 (Bücher) enthalten Hymnen zu Gott und für die Menschen Anweisungen für das Leben. Von Artaxerxes bis in unsere Zeit wurde zwar alles niedergeschrieben, wurde aber nicht als gleichermaßen zuverlässig angesehen wie die früheren (Berichte), da es keine genaue Folge von Propheten gab.“

    Die Dreiteilung (Gesetz, Propheten, Psalmen [pars pro toto, wie in Mt 5 „Gesetz und Propheten“ bzw. „Gesetz“]) findet sich auch in Lk 24:44. Und in Mt 23:35 (Märtyrer der Weltgeschichte) geht Jesus nicht chronologisch vor, sondern endet im 9. Jhdt v. Chr (König Joasch) – aber eben im letzten Buch des Kanons, in 2Chr (24:21)! Für interne Argumente (Intertextuelle Bezüge zum Restkanon) für Chronik als bewusst verfassten Abschluss des Kanons (dessen LXX-Übersetzung aber schon im 2. Jhdt v. Chr. nachweisbar ist!) siehe Hendrik Koorevaar (https://www.academia.edu/10072530/_Die_Chronik_als_intendierter_Abschlu%C3%9F_des_alttestamentlichen_Kanons._Jahrbuch_f%C3%BCr_Evangelikale_Theologie_11_Wuppertal_e.a._R._Brockhaus_Verlag_1997_p._42-76)

  17. Rolf Eicken meint:

    @PeterG
    Herzlichen Dank für die aufklärenden Erläuterungen. Ich sehe keine Differenzen mehr.
    Ich habe noch eine Frage: ist der von ihnen genannte – Klaus Berger – der, der auch über die Schriftrollen von Qumran ein Reclam Sachbuch verfasst hat?
    MfG
    Rolf

  18. Roderich meint:

    @PeterG,
    das mit Klaus Berger würde mich auch interessieren. Laut Wikipedia hat Klaus Berger (Heidelberg) jedenfalls im Jahre 2011 das Johannesevangelium sehr früh angesetzt, aber nicht früher als alle anderen Evangelien:

    In seinem Kommentar zum Neuen Testament (2011) datiert Berger die einzelnen neutestamentlichen Schriften folgendermaßen:

    „Matthäus zwischen 50 und 60 entstanden, Markus spätestens 45, Lukas spätestens 66, Johannes um 68/69, Apostelgeschichte etwa 66/67.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Berger_(Theologe)#Datierung_der_Schriften_des_NT

  19. Rolf Eicken meint:

    @Jörg
    herzlichen Dank für die umfangreiche Dokumentation, die für mich sehr informativ ist, da ich selbst die Inhalte der Torah und der daraus sich weiter entwickelten Bibel
    in der Form noch nie dargestellt bekommen habe.
    LG
    Rolf

  20. PeterG meint:

    Klaus Berger hat eine Monografie über das Johannes-Evangelium geschrieben. Ich habe das Buch allerdings nicht mehr.

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