Gefährdung durch Konsens

Landtagswahlkampfreise  von Bundeskanzler Erhard im Jahr 1966. (Deutsches Bundesarchiv)
Landtagswahlkampfreise von Bundeskanzler Erhard im Jahr 1966 (Quelle: Wikipedia).

Ludwig Erhard, Vater der Sozialen Marktwirtschaft und von 1963 bis 1966 zweiter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, hielt nicht viel von pragmatischer Politik und einem „Mama-Staat“, der Nestwärme simuliert und dem Bürger möglichst viele Entscheidungen abnimmt: „Die schon mit einer Beschränkung der individuellen Freiheit verbundene staatlich manipulierte Ordnung macht in der Regel immer weitere und erweiterte Eingriffe in das sozialökonomische Geschehen erforderlich, die mit neuen Verlusten an Freiheit zu bezahlen sind.“

Auch eine von Statistiken und Prognosen bestimmte Wirtschaftspolitik hat Erhard abgelehnt: „Eine so ausgerichtete Wirtschaftspolitik schafft eine bedenkliche Konfliktsituation, denn da die ‚Prognostiker ohne Haftung‘ ihre Vorhersagen selbstverständlich geglaubt wissen wollen, beeinträchtigen sie mindestens psychologisch die freien Entschlüsse der Unternehmer und vielleicht auch das Verhalten der Verbraucher.

Die FAZ hat freundlicherweise eine Rede veröffentlicht, die Erhard 1968 vor der Mont Pelerine Society gehalten hat. So mancher Hinweis klingt sehr aktuell.

Der Verlockungen, vom Pfad der Tugend abzuweichen, gibt es viele … Die geistige Armut unserer Zeit zeigt sich jedoch vor allem darin, dass der Pragmatismus im politischen Bereich fast allgemein als weise und besonnen gilt, aber niemand danach fragt, ob die sich dahinter oft verbergende Grundsatzlosigkeit überhaupt eine politische Tugend sein kann. Sich harten Realitäten zu beugen entspricht nicht der politischen Vernunft, da es doch fast immer Möglichkeiten gibt, Voraussetzungen zu ändern oder andere Wege einzuschlagen. So gesehen, ist Pragmatismus einer halben Kapitulation gleichzusetzen: Er ist jedenfalls der Weg des geringsten Widerstands.

Das Marktwirtschaft keineswegs mit fehlenden Wertvorstellungen und Diskursarmut in Verbindung stehen muss, zeigt dieser großartige Schlusssatz:

Jede Staatsform – und so auch die Demokratie – die die Gesinnung bestraft und verdammt, muss veröden, und jede Gesellschaft bereitet sich selbst den Untergang, wenn sie die Öffentlichkeit gegenüber Andersdenkenden und Nonkonformisten, aufwiegelt. Im letzten sind in dieser Frage also nicht so sehr Gesetz und Recht, sondern vor allem die Moral, die Gesinnung und Gesittung jeder Gemeinschaft angesprochen.

Ich empfehle die Rede sowie die Einführung von Herbert B. Schmidt: www.faz.net.

VD: JS

Nicht übertreiben

Smartphones haben viele Vorteile. Das „Connecting“ mit Familie und Freunden ist einfacher geworden. Doch diese Spielzeuge verfügen eben auch über ein gewisses Suchtpotential. So mancher, der früher seine Bibel oder ein gutes Buch gelesen hat und das Gespräch von Angesicht zu Angesicht schätzte, surft heut ziellos auf seinem hochauflösenden Bildschirm daher. Simulierte Gemeinschaft kann in die Einsamkeit führen. Also, nicht übertreiben!

Dürfen wir auch zu Jesus beten?

Dürfen wir auch zu Jesus beten? Diese Frage treibt viele Menschen um. Martin Schweiger hat anlässlich einer aktuellen Diskussion über die Frage einige Gedanken dazu niedergeschrieben:

Ein aufmerksamer Leser dieses Blogs hat mich nämlich darauf aufmerksam gemacht, daß ein Gebet zu Jesus selbst vielleicht nicht in Ordnung sei, denn Jesus sei ja ein Mensch. Stimmt, Jesus ist ein Mensch. Aber Jesus ist gleichzeitig auch Gott. Mit diesem scheinbaren Widerspruch tun sich einige Gläubige offenbar unglaublich schwer. Besonders dann, wenn sie versuchen, mit menschlicher Logik an diesen scheinbaren Widerspruch heranzugehen, wie ich nachstehend kurz aufzeigen möchte.

Mehr: kind-in-gottes-reich.com.

Ideologiegeleitetes Wikipedia?

Wikipedia gilt vielen als verlässliche Quelle, zumindest als ausgewogene Anlaufstelle für eine Erstorientierung. Wie interessengeleitet die Online-Enzyklopädie bei etlichen Artikeln ist, zeigt ein Brief, der Arne Hoffmann kürzlich zugestellt wurde. Gemeldet hat sich jemand, der Manipulationsvorwürfe rund um Wikipedia bisher wilden Verschwörungstheorien zugeschrieben hatte.

Ein Auszug:

Man hat in Wikipedia heute nicht mehr die geringste Chance, irgendwelche Inhalte unterzubringen, die nicht ins das Weltbild dieses Fem-Netzwerkes passen. Noch nicht einmal, wenn man sich um maximale Ausgewogenheit bemüht.

Ich habe heute in den Wikpedia-Artikel über „Gendering“ („geschlechtergerechte“ Sprache) eine Pro und Contra-Liste eingefügt mit Argumenten für Gendering und Argumenten, die dagegen sprechen. Das ganze ausführlich bequellt. Es dauerte keine 2 Stunden und ich hatte deswegen eine Vandalismus-Meldung an der Backe von Nutzer JosFritz. Nun ist der Artikel für Bearbeitungen erstmal gesperrt.

Die Vereinsgeschichte des „Gendering“-Artikels lässt sich hier noch nachvollziehen.

Hier der Brief: genderama.blogspot.de.

Workshop mit Francis Schaeffer

Videoaufnahmen mit Francis Schaeffer jenseits der Serie „Wie können wir denn leben?“ sind rar. Kürzlich habe ich darüber informiert,  dass neue Mitschnitte aufgetaucht sind und an ihrer Zugänglichkeit im Internet gearbeitet wird. Inzwischen liegen erste Beiträge vor.

Nachfolgend können Sie einen Workshop zur Apologetik (d.h. Verteidigung des christlichen Glaubens) mit Francis Schaeffer sehen.

Einige Hintergrundinformationen: Der Workshop „Zur Frage der Apologetik“ wurde 1983 auf der L’Abri-Konferenz in Atlanta (USA) gehalten. Schaeffer, der 1984 verstarb, war schwer erkrankt und hatte die vergangenen Jahre unter großen Anstrengungen mit der Herausgabe seiner Werkausgabe verbracht, die schließlich 1982 bei Crossway erschienen ist (The Complete Works of Francis A. Schaeffer).

Im ersten Band der Werkausgabe hat er einen neuen – 1981 entstandenen – Text eingearbeitet, der sich mit seinem Ansatz der Apologetik beschäftigt („The Question of Apologetics“, S. 175–187). Im Workshop liest er aus diesem Aufsatz vor und erläutert ihn. Er betont einerseits, dass es keine Apologetik für alle Menschen gibt. Es komme darauf an, jeden Menschen als Ebenbild Gottes ernst zu nehmen und zu lieben. Andererseits hebt er hervor, dass alle Menschen in der Wirklichkeit Gottes leben und ihr nicht entfliehen können. Dadurch ergibt sich für Schaeffer eine Möglichkeit, den Menschen ihre Verlorenheit zu zeigen und ihnen das Evangelium zu kommunizieren. Denn niemand könne mit nichtchristlichen Denkvoraussetzungen konsistent in der Welt Gottes leben.

(Dieser Aufsatz enthält übrigens auch das bemerkenswerte Bekenntnis: „Ich bin kein professioneller, akademischer Philosoph – das ist nicht meine Berufung, und ich bin dankbar, den Ruf zu haben, den ich habe und ich bin genauso froh, dass andere Leute eine andere Berufung haben. Aber wenn ich sage, dass ich ein Evangelist bin, dann will ich damit nicht sagen, dass meine Philosophie untauglich ist. Ich denke, sie ist tauglich.“)

Nachdem Schaeffer ca. vierzig Minuten über seinen Ansatz gesprochen hat, beginnt eine etwa halbstündige Diskussionsrunde. Die erste Frage dreht sich um den Einfluss Cornelius Van Til’s auf Schaeffer. Schaeffer erklärt, dass Van Til seine Apologetik beeinflusst hat (u.a. seine Barth-Kritik), aber sich gleichzeitig seine Apologetik von der seines ehemaligen Professors unterscheidet (mehr Informationen dazu sind zu finden in: Ron Kubsch (Hg.), Wahrheit und Liebe: Was für von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können, 2007).

Hier nun der Workshop:

Wo bleibt das Wort der Versöhnung?

Kampf gegen die Armut, Krieg oder Ungerechtigkeit – all das mag ein Teil des christlichen Auftrags sein. Doch die Stärke der Kirche liegt woanders, nämlich in der Verkündigung des Wortes. Thomas Schmid trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt:

Es gibt Christen, die … eine neue Evangelisierung im Sinn haben. Viele von ihnen tun das defensiv und nicht ohne Unterwürfigkeit unter das, was als Geist der Zeit gilt. Man kennt diese Haltung des Anschmiegens an die je aktuellen Themen vor allem aus der evangelischen Kirche.

Da versucht man, die verloren gegangene spirituelle Kompetenz sozial-gesellschaftlich zu kompensieren: Kampf gegen die Armut, Kampf für soziale Gerechtigkeit, hier wie vor allem in den Ländern, die den Sprung in die wirtschaftliche Moderne noch nicht geschafft haben. Religion als Reform-, manchmal als Revolutionsersatz. Aber auch an den Katholiken ist diese Versuchung, den Glauben nicht für sich stehen zu lassen, sondern diesseitig auszubuchstabieren, nicht spurlos vorbei gegangen.

Papst Franziskus hat in seinem ersten apostolischen Schreiben einen überaus klaren Ton angeschlagen. Dort macht er zwar Mut und fordert gewissermaßen eine fröhliche Kirche: eine Kirche, deren Botschaft keine Drohbotschaft ist, eine Kirche, die sich nicht einigelt, sondern in die Welt geht und sich mit den Menschen, wie sie sind, ins Benehmen setzt.

Hier der Beitrag: www.welt.de.

Besinnliche Weihnachten

Jochen Klepper:

Die Feier ward zu bunt und heiter,
mit der die Welt dein Fest begeht.
Mach uns doch für die Nacht bereiter,
in der dein Stern am Himmel steht.
Und über deiner Krippe schon
zeig uns dein Kreuz, du Menschensohn.

Glauben und Denken heute 2/2013

Gudh 012 coverDie Winterausgabe von Glauben und Denken heute steht im Internet zum Herunterladen bereit.

Zum Inhalt:

Artikel

  • Johannes Otto: Editorial
  • Johannes Otto: Suche Jesum und sein Licht … (Zum 75. Todestag von Hermann Menge)
  • Dr. Daniel Facius: Ist Gott „selbst-zentriert“?
  • Prof. Dr. Thomas K. Johnson: Religionsfreiheit und das zweifache Werk Gottes in der Welt
  • Titus Vogt: Interview zur Neuerscheinung „Von Ewigkeit erwählt?!“

Rezensionen

  • Johannes Otto: Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus (Martin Kähler)
  • Dr. Daniel Facius: Der Sündenfall des Rechtsstaats (Tilman Jens)
  • Dr. Daniel Facius: „Einst opferte Jerobeam …“ (Andreas Spät)
  • Dr. Daniel Facius: Fundamentalismus contra „Neo-Orthodoxie“ (David Jäggi)
  • Hanniel Strebel: Christliche Bildung im postmodernistischen Umfeld (Nicolas Wolterstorff)
  • Johannes Otto: Sonderausgabe des Heidelberger Katechismus (Evangelische Kirche in Baden und das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg)
  • Johannes Otto: Missionstheologien der Gegenwart (Henning Wrogemann)
  • Ron Kubsch: Krisis und Gnade (Michael Beintker)
  • Ron Kubsch: Martin Heidegger: Briefwechsel mit seinen Eltern und Briefe an seine Schwester (Jörg Heidegger u. Alfred Denker)

Die Ausgabe kann hier heruntergeladen werden: www.bucer.de.

Bettina Röhl: Gesellschaft verliert Konsensfähigkeit

Bettina Röhl kommt bei ihrer Analyse der gesellschaftspolitischen Lage in Deutschland zu dem Ergebnis, dass wir uns vor allem um den persönlichen Frieden und Wohlstand sorgen und die Fragmentarisierung weiter fortschreitet. Das IST unserer Welt programmiert das Bewusstsein auf Beliebigkeit. „Beliebigkeit wirkt allerdings besonders destruktiv, wenn gleichzeitig tradierte Werte gezielt zerstört werden und zwar nach wie vor von einem ganz unsichtbar gewordenen, ehedem kommunistischen, antikapitalistischen Ideologismus.“

Sehr viele Menschen in den großen Volksparteien haben Sorge vor dem Terrorismus, sei es linker, rechter oder islamistischer Provenienz. Tatsächlich aber sind es diese Menschen selbst, die mit ihrer Trägheit und Ignoranz ein großes Wertevakuum in der Gesellschaft entstehen lassen, das Extremisten für sich nutzen. Und manchmal werden sie sogar aus dem System heraus eingeladen, in Deutschland ihre Extremismen zu verankern.

Die vertikale, teils sogar territoriale Zerlegung des Gemeinwesens in Parallelgesellschaften zeitigt irreversible Zerstörungen des Staates, den es zunehmend nicht mehr gibt. Und diese Feststellung ist leider weder Alarmismus noch düstere Ahnung einer fernen Zukunft, sondern die Beschreibung einer Realität, die man noch allzu locker und leicht verkennen kann, wenn man es gern möchte.

Die Zerlegung der Gesellschaft in gendernde Frauen und gegenderte Männer zerstört nicht nur die Familien und Familienverbände, fördert und perpetuiert das ohnehin schon gigantische Singletum in der Gesellschaft, sondern verstört viele Menschen auch in ihrem eigenen Inneren. Die Gender-Politik spaltet auch die deutsche von den migrantischen Gesellschaften innerhalb Deutschlands, wirkt also desintegrativ. Und Genderpolitik schafft auch Konflikte zwischen den Generationen in allen Gesellschaften, in dem die genierenden Kinder von den eigenen Kindern entfernt werden.

Hier die düstere aber lesenswerte Kolumne: www.wiwo.de.

Schulnotstand

Eine Hamburger Lehrerin hat Mut gefasst und sich mit ihren erschreckenden Schulerfahrungen an die Eltern gewandt. Die Schüler in ihrer Klasse seien verzogen und hätten keinen Respekt, schreibt sie. Es handelt sich um Erstklässler.

Die „Hamburger Morgenpost“ berichtete über den Fall und druckte Auszüge aus dem Brief, der den täglichen Kampf um Respekt einer Lehrerin im Alltag einer Grundschule schildert.

„Kinder kommen bereits um 8 Uhr früh gut gefüllt mit einer Stunde Super RTL, gewalttätigen und blutrünstigen Gameboy-Spielen und einem beachtlichen Blutzuckerspiegel in die Schule“, beschreibt die Pädagogin die Situation. „Sie springen mit erhobenen Fäusten wie Ninjakämpfer in die Klasse, semmeln erstmal drei Mitschüler über den Haufen und merken es nicht einmal.“

Besonders die Situation in der Kunsthalle machte die Lehrerin wütend. Und war für sie Anlass zu intervenieren. Die Kinder hätten ihre Sachen überall liegen lassen und die Gästebetreuerin in der Kunsthalle beleidigt. „Die Mitschüler werden angeschrien, geboxt, getreten und Rucksäcke umhergeschleudert. Ein älterer Herr bekommt auch einen ab. Eine Entschuldigung ist nicht zu erwarten.“ Die Kinder sind sechs oder sieben Jahre alt.

Hier mehr: www.welt.de.

Nach oben scrollen
DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner