Der Vatikan und die Freimaurer

Der Orden der Jesuiten pflegt traditionell gute Beziehungen zu den Freimaurern. Wird es unter dem neuen Papst eine Annäherung zwischen dem Vatikan und den Freimaurer-Logen geben? Diese Frage wird derzeit in Italien leidenschaftlich diskutiert, wie der nachfolgende DLF-Beitrag zeigt. Verbindliche Antworten gibt es freilich keine.

Die Überforderung der Kindheit

Kinder sind zum Projekt permanenter Optimierung geworden, es muss einfach alles perfekt sein: beste Noten, wertvolle Spiele. So wird die Kindheit zum Krampf. Und das schreckt potentielle Eltern ab. Was Nils Minkmar da für die FAZ geschrieben hat, verführt zum Schmunzeln:

Das Blühen der elterlichen Neurosen ist bereits im Sandkasten zu bestaunen. Gut, dass man bei einem Aufenthalt auf den Spielplätzen der Republik in der Regel schon Kinder hat, man würde sonst von dem Projekt leichten Herzens Abstand nehmen. Derart entfesselte Ambitionen würde man sich an manchem deutschen Arbeitsplatz wünschen. Der Spielplatz wird zum Assessmentcenter mit Plastikspielzeug ohne Weichmacher. Die Kleinen werden von ihren eigenen Eltern als künftige Player der globalisierten Ökonomie bewertet, es geht um Sozialkompetenz, Problemlösungskapazität, emotionale Intelligenz und allseitige Optimierung.

Deshalb: Mut zur Lücke!

Hier: www.faz.net.

Genderforschung – ein Riesenerfolg

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat eine Broschüre veröffentlicht, in der vor Leuten gewarnt wird, die im Streit um Geschlechtergerechtigkeit diffamieren. Gewarnt wird etwa vor Gabriele Kuby und Gerhard Amendt. Ungefähr so: Wie kann eine Gesellschaft es zulassen, dass Kritiker der Gender-Politik ihre verleumderischen Argumente auch noch in den öffentlichen Medien präsentieren (vgl. z.B. Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie, S. 62)?

Jan Fleischhauer wehrt sich:

Es scheint im Augenblick Mode zu sein, Listen von Leuten zu erstellen, von denen man sich als aufgeklärter Zeitgenosse besser fernhält, weil sie dem Fortschritt im Wege stehen. Vor ein paar Wochen hat das Umweltbundesamt die Namen bekannter „Klimawandelskeptiker“ veröffentlicht, deren Argumenten man nicht trauen darf. Jetzt sind die Gender-Leugner dran. Man mag solche Aufklärungsarbeit für einen eigenartigen Einsatz von Steuergeldern halten: Auch die Böll-Stiftung lebt fast ausschließlich von öffentlichen Mitteln, 45 Millionen Euro sind es im Jahr. Anderseits finden so eine Reihe von Menschen Beschäftigung, die es mit ihrer Qualifikation nicht leicht haben.

An den deutschen Universitäten gehören die Gender Studies zu den am schnellsten wachsenden Wissenschaftszweigen. Wie ich bei Harald Martenstein von der „Zeit“ gelesen habe, der dafür auch in der Böll-Studie steht, hat die Zahl der Gender-Professoren inzwischen locker die der Slawisten überflügelt: 173 Professuren hat Martenstein gezählt versus 100 bei den Philologen.

Universitär gesehen ist die Genderforschung also ein Riesenerfolg.

Mehr: www.spiegel.de.

Hellmut Flashar: Aristoteles

AristotelesChristof Rapp stellt für die FAZ ein neues substantielles Buch über Aristoteles vor:

Hellmut Flashar, emeritierter Gräzist und langjähriger Herausgeber der deutschen Aristoteles-Gesamtausgabe, hat eine gut vierhundert Seiten starke Monographie zu Aristoteles vorgelegt. Sie verdient schon wegen der Person des Autors Beachtung, der mit seinen Schriften zu Aristoteles, zur griechischen Tragödie und zur modernen Inszenierung antiker Dramen sowie durch seine Leistungen als Herausgeber das Erscheinungsbild der Klassischen Philologie in Deutschland für viele Jahrzehnte mit geprägt hat.

Das Buch verdient auch deshalb Beachtung, weil das Format der umfassenden monographischen Darstellungen des griechischen Philosophen weitgehend verschwunden ist. Werner Jaegers epochemachende Studie „Aristoteles. Grundlegung einer Geschichte seiner Entwicklung“ von 1923 war noch dem Gedanken verpflichtet, man könne die losen Enden im Denken des Aristoteles durch den Nachweis einer kontinuierlichen philosophischen Entwicklung zu einem einheitlichen Ganzen zusammenführen. Auch die monumentale Studie des schwedischen Gelehrten Ingemar Düring, in deutscher Sprache 1966 unter dem Titel „Aristoteles. Darstellung und Interpretation seines Denkens“ erschienen, war noch von der Bemühung um eine Chronologie der Aristotelischen Schriften geprägt.

Mehr: www.faz.net.

Die reaktiven Schraubenbewegungen der Kirche

Hubert Windisch schreibt in seiner Minima Pastoralia (Würzburg: 2001, S. 11):

Wir leben … im Zeitalter des »atmosphärischen Nietzsche« (Johann B. Metz): Weil alles gilt, gilt nichts. Die popularphilosophische Praxis dieser Wahrheit führt vor allem in den unter quantitativem Quoten- bzw. Profitdruck stehenden Medien leicht »von Nietzsche zu Naddel«: »Pompös inszenierte Leere – ist das die Botschaft der Kultur nach dem Tod Gottes und dem Verenden linker wie rechter Utopien?«

Läßt sich die Kirche vor diesem Hintergrund vom Hase-und-Igel-Wettlauf-Fieber anstecken, gerät sie in die reaktive Schraubenbewegung, um des Eigenstandes willen Zeitläufte kopieren zu müssen.

Glauben und Denken heute 1/2013 erschienen

Gudh011g 01 8514f333c3Die 11. Ausgabe der Online-Zeitschrift Glauben und Denken heute (1/2013) ist erschienen und enthält neben zahlreichen Rezensionen u.a. das erste Kapitel aus der deutschen Übersetzung des Buches Christianity and Liberalism von John Gresham Machen. Das Buch Christentum und Liberalismus erscheint im Juli 2013 im 3L Verlag. Übersetzt wurde es von dem GuDh-Redaktionsmitglied Dr. Daniel Facius.

Hier die Beiträge in Glauben und Denken heute:

Artikel

  • Johannes Otto: Editorial
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher: „Alle Menschen sind Sünder“
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher: Ganz so überraschend kam der Papst-Rücktritt nicht
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher: Der neue Papst
  • Prof. Dr. John Gresham Machen: Christentum und Liberalismus

Rezensionen

  • Ron Kubsch: Das Philosophie-Buch: Große Ideen und ihre Denker (Hrsg. v. Will Buckingham, John Marenbon, Douglas Burnham)
  • Dr. Daniel Facius: Gott im Fadenkreuz (John Lennox)
  • Titus Vogt: Biblische Dogmatik (Wayne A. Grudem)
  • Johannes Otto: Die neue Welt und der neue Pietismus (Frank Lüdke, Norbert Schmidt u. a.)
  • Dr. Daniel Facius: Hölle – Der Blick in den Abgrund (Carsten Schmelzer)
  • Johannes Otto: Bibelsoftware Accordance 10
  • Johannes Otto: Der Kanon des Neuen Testaments (Bruce M. Metzger)
  • Peter Neudorf: Das Neue Testament und das Volk Gottes (N. T. Wright)

Hier die Ausgabe: gudh011f.pdf.

Die Entmännlichung der Gesellschaft

An der Universität Leipzig wird seit kurzem ein (männlicher) Professor mit Herr Professorin angesprochen. Die Gender-Ideologen blasen zum Angriff auf die Sprache und leiten damit eine „Umbuchstabierung“ der Gesellschaft ein.

Bettina Röhl setzt sich mit den Phantasien staatlich reichlich subventionierter Gender-Ideologinnen auseinander:

Die Gender-Forschung kann man getrost als eine außerordentlich ineffiziente Arbeitsbeschaffungsmaßnahme betrachten oder einen verbeamteten Feminismus. Die Ergebnisse der Gender-Forschung sind hochgestochen präsentierte Null-Nummern. Es ist wirklich armselig, was sich da Forschung nennt und was aus dieser Forschung heraus kommt. Die Dreistigkeit, mit der die Gender-Forschung die Naturwissenschaften als Ausgeburt männlicher Herrschaft über die Frau und als dem männlichen Kapitalismus dienend ablehnen, sucht Ihresgleichen. Da geniert sich frau für das, womit Geschlechtsgenossinnen heutzutage so Furore machen. Und natürlich ist es peinlich, dass sich die tatsächlich historisch gesehen dominierenden Männer von einem derartigen Unsinn so gründlich ins Bockshorn jagen lassen.

Die Macht der Gender-Frauen, die Macht der Gender-Mafia, ist inzwischen auch für Männer karriereentscheidend. Die Quotenregelungen zu Gunsten der Frau, gefüttert mit dem „Argument“ der grundsätzlichen Diskriminierung der Frau durch den Mann, sind nur ein strategischer Anfang. 100% Frauenherrschaft, testosterongereinigte Männer in die Kindergärten oder in die Altenpflege, das sind real existierende Gender-Visionen. Nicht wissenschaftlich, aber mit der Kraft von Allmachtsphantasien aufgeladen.

Die Gender-Königinnen sind ihren Geschlechtsgenossinnen keineswegs wohl gesonnen. Die werden nur instrumentalisiert. Mutterglück? Das Glück einer Partnerschaft? Die sexuelle Lust mit einem Mann? Das müssen sich die Frauen, die Gender noch nicht verstanden haben, schon auch noch abgewöhnen. So wie die Männer in Wahrheit als die technisch-handwerklich durchaus brauchbaren Arbeitsdrohnen der Zukunft durch die Köpfe schwirren.

Hier: www.wiwo.de.

McDermott zum Status der evangelikalen Theologie

Gerald McDermott, Experte für Jonathan Edwards und das Verhältnis des christlichen Glaubens zu anderen Religionen, blickt in der aktuellen Ausgabe des Journals of the Evangelical Society sorgenvoll auf erkennbare Aufspaltungstendenzen innerhalb der evangelikalen Theologie („The Emerging Divide in Evangelical Theology“, JETS, Vo. 56, Nr. 2, S. 355–377). Der Streit zwischen Traditionalisten und Progressiven könne laut McDermott zu einer enormen Belastung werden. Die Empfehlungen, die McDermott ausspricht, zeigen, dass eine mächtige Strömung innerhalb des Evangelikalismus den Spuren folgt, die Schleiermacher vorgezeichnet hat.

Drittens, evangelikale Theologen müssen das eigentümliche akademische Bestreben ablegen, nach Akzeptanz und Anerkennung bei unseren liberalen Kollegen zu streben. Wir wollen ihre Anerkennung und deshalb sind wir versucht, das zu schreiben und zu lehren, was mit den Idealen der Hochschulen und den theologischen Empfindsamkeiten übereinstimmt.

Oder wir suchen nach dem Nervenkitzel jener intellektuellen Perfektion, die nicht mit traditionellen Formulierungen belastet ist. Aber wie Donald MacKinnon einmal beobachtet und William Abraham uns zudem erinnert hat, schützen die großen orthodoxen Glaubensbekenntnisse die Christen üblicherweise vor der Genialität der Klugen und den intellektuell Überlegenen.

Die geläufigste Versuchung besteht heute darin, die Moraltheologie von der Dogmatik zu trennen, was in neupietistischer Mode bedeutet, dass Lehre und Moral letztendlich unwichtig sind, solange es warme, flauschige Gefühle über Jesus gibt.

Oder wir reduzieren die Schrift auf den menschlichen Ausdruck jener religiösen Erfahrung, die selbst außerhalb des biblischen Textes zu finden ist. Dabei übergehen wir jedoch rücksichtslos den Anspruch der Schrift an sich selbst, nämlich nicht Weisheit zu sein, wie Menschen sie lehren, „sondern Worte, wie der Geist sie lehrt“ (1Kor 2,13).

Eine gekürzte Version seines Aufsatzes ist bei First Things erschienen: www.firstthings.com.

VD: NK

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