Der Kirchentag der Betroffenen

Der Philosoph Alexander Grau hat für das Magazin Cicero eine gallige Polemik zum Hamburger Kirchentag verfasst:

Doch gerade darum ist das tiefe Bedürfnis nach einfachen Wahrheiten, das der Kirchentag offenbart, so erschütternd: Einfach mal gegen Krieg sein, gegen Ungleichheit und gegen Umweltzerstörung. Das tut so gut. Nicht Denken ist gefragt, sondern Bekenntnis und eine klare Richtungsanzeige – am besten nach links.

Einen Konsens anzustreben, bedeutet hier, die eigene Weltsicht durchzusetzen, also die Uneinsichtigen und Widerstrebenden zu bekehren und all jene zu missionieren, die nicht geneigt und nicht willens sind, die heilige Dreifaltigkeit aus Antikapitalismus, Pazifismus und Ökologismus anzubeten. Dass hier das Politische in einer nicht zu akzeptierenden Art und Weise religiös überhöht wird, fällt dabei schon gar nicht mehr auf.

Schroff, aber leider in mancherlei Hinsicht zutreffend.

Hier: www.cicero.de.

Zunehmenden Verfolgung von Christen in der islamischen Welt

Die Christenverfolgung in islamischen Ländern nimmt zu. Dies hängt nach Ansicht der Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Schirrmacher eng mit den Re-Islamisierungsbewegungen seit den 1970er Jahren zusammen, insbesondere mit dem weltweiten Export islamistischer Ideologie wie des saudischen Wahhabismus. So rief beispielsweise am 12. März 2012 der saudische Großmufti Scheich Abdul-Aziz bin Abdullah, die höchste religiöse Autorität des Landes, in einem Rechtsgutachten (einer so genannten Fatwa) zur Zerstörung aller Kirchen auf der Arabischen Halbinsel auf.

Je mehr der islamische Charakter des Staates betont und die umfassende Durchsetzung von Scharia-Bestimmungen in allen Bereichen der Gesellschaft eingefordert werden, desto stärker werden zwangsläufig Christen ausgegrenzt und diskriminiert. Hinzu kommt, dass die Christen vor Ort häufig mit dem „Westen“ gleichgesetzt und zum Beispiel für die amerikanische Politik im Mittleren Osten verantwortlich gemacht werden. Fernsehprediger warnen vor einer christlichen Invasion und dem Einfluss christlicher Minderheiten als „fünfter Kolonne des Westens“.

In vielen islamischen Ländern mit zunehmender Christenverfolgung ist nach Schirrmachers Beobachtung in den letzten Jahren ein gesellschaftliches Klima entstanden, in dem christliches Leben zunehmend aus der Öffentlichkeit verdrängt und bereits die bloße Präsenz von Kirchen oder Kreuzen als Angriff auf die Gefühle der Muslime gewertet wird und zu gesetzlichen oder behördlichen Gegenmaßnahmen führt. Sogar militante Aktionen einzelner Gruppen wie die Zerstörung von Kirchen im Irak oder in Pakistan oder die Zwangsverheiratung koptischer Mädchen in Ägypten werden stillschweigend geduldet. Ob Anhänger einer bestimmten Religion oder Weltanschauung wirklich für Menschenrechte wie die Glaubens- und Meinungsfreiheit und ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander eintreten, muss sich in erster Linie dort zeigen, wo die Anhänger die Mehrheit – nicht die Minderheit – stellen, so Schirrmacher.

Eine ausführliche Stellungnahme zur zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung von Christen in der islamischen Welt hat das Institut für Islamfragen veröffentlicht. Ich kann die IFI-Pressemitteilung sehr empfehlen: PM070.pdf.

Masha Gessen: Ehe abschaffen

Die russische Journalistin Masha Gessen bloggt für die New York Times und ist populäre Putin-Kritikerin. Als Lesbin setzt sie sich seit vielen Jahren kraftvoll für die Rechte der LGBT-Gemeinschaft ein. Kürzlich sprach sie auf dem Sydney Writers Festival über die gleichgeschlechtliche Ehe und bezeichnete den Einsatz für diese als [taktische] Lüge. Warum? Es werde vorgetäuscht, die LGBT-Gemeinschaft suche nur den rechtlichen Zugang zur Institution Ehe. Das allerdings sei nicht der Fall. Tatsächliches Ziel sei – so  Gessen unter unter tösendem Beifall –, die  Neudefinition und letztendliche Abschaffung der Ehe.

Ich bin dankbar für ihre aufrichtige Argumentation. Hier ein Mitschnitt:

Themelios 38.1

Themelios38 1Die neue Ausgabe des internationalen Journals für Studenten der Theologie ist erschienen. Zum Inhalt von Themelios 38.1 gehören:

  • EDITORIAL: As If Not (D.A. Carson)
  • OFF THE RECORD: Colonial Atheism: A Very British Vice (Michael J. Ovey)
  • The Pastoral Implications of Wise and Foolish Speech in the Book of Proverbs (Eric Ortlund)
  • Telling the Story from the Bible (Part 2): Reviewing 18 The Big Picture Story Bible and The Jesus Storybook Bible (David A. Shaw Book)
  • Book Reviews

Hier: thegospelcoalition.org.

Sören Kierkegaard vor 200 Jahren geboren

SKierkegaard
Sören Kierkegaard

Gestern wäre der dänische Schriftsteller und Philosoph Sören Kierkegaard 200 Jahre alt geworden. Anbei der Link zu einem kurzen ERF-Interview, das ich heute anlässlich des Jahrestages gegeben habe (beim Gespräch ist leicht zu „erhören“, dass ich gerade mit einer Erkältung und einer Pollenallergie kämpfe).

Zur Vertiefung empfehle ich den Aufsatz „Schaeffers Kierkegaard: Können wir mit ihm leben“ aus dem Buch Wahrheit und Liebe (Bonn: 2006, S. 127–180) oder die gekürzte Version: Ron Kubsch: „Kierkegaards Sprung“, MBS Texte 144 (2010). Der MBS Text kann hier unentgeltlich heruntergeladen werden: mbstexte144.pdf.

Mark Dever kommt nach München

MDeverGute Nachrichten. Dr. Mark Dever kommt Ende Juni nach München. Am 29. Juni hält er am MBS Studienzentrum eine Vorlesung über den Ersten Korintherbrief. Am 30. Juni leitet er nachmittags im Rahmen einer E21-Regionalkonferenz ein Seminar zur Ekklesiologie (Gemeindelehre) mit dem Titel: Gemeinsam Leben zur Ehre Gottes.

Mark Dever ist Hauptpastor der Capitol Hill Baptist Kirche in Washington (USA) und Präsident von 9Marks Ministries. Mark promovierte an der Universität Cambridge (UK) im Fach Kirchengeschichte. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel veröffentlicht. In deutscher Sprache sind erschienen: Neun Merkmale einer gesunden Gemeinde (2009), Was ist eine gesunde Gemeinde? (2008) und Persönliche Evangelisation: Motivation, Inhalt, Praxis (2008). Mark und seine Frau Connie haben zwei erwachsene Kinder.

Die Vorlesung am Samstag wird in Englisch gehalten. Das Seminar am Sonntag wird in Zusammenarbeit mit Evangelium21 veranstaltet und in die deutsche Sprache übersetzt. Die Teilnehmerzahl ist pro Veranstaltung auf gute 200 Leute beschränkt. Hier gibt es einen Folder und eine Möglichkeit zur Anmeldung: www.bucer.de.

Calvin und die Gotteserkenntnis

Der Reformator Johannes Calvin eröffnet seine Institutio bekanntlich mit einer Erörterung der Gotteserkenntnis.

All unsere Weisheit, sofern sie wirklich den Namen Weisheit verdient und wahr und zuverlässig ist, umfaßt im Grunde eigentlich zweierlei: die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis. Diese beiden aber hängen vielfältig zusammen, und darum ist es nun doch nicht so einfach zu sagen, welche denn an erster Stelle steht und die andere aus sich heraus bewirkt. Es kann nämlich erstens kein Mensch sich selbst betrachten, ohne sogleich seine Sinne darauf zu richten, Gott anzuschauen, in dem er doch „lebt und webt“ (Apg. 17,28). Denn all die Gaben, die unseren Besitz ausmachen, haben wir ja offenkundig gar nicht von uns selber. Ja, selbst unser Dasein als Menschen besteht doch nur darin, daß wir unser Wesen in dem einigen Gott haben (nihil aliud … quam in uno Deo subsistentia)! Und zweitens kommen ja diese Gaben wie Regentropfen vom Himmel zu uns hernieder, und sie leiten uns wie Bächlein zur Quelle hin.

Calvin spricht nicht nur zum Eingang der Institutio darüber. Die Frage der Erkenntnis Gottes ist eine für seine gesamte Theologie zentrale. Warum? Hier eine Antwort von John Frame (The Doctrine of The Knowledge of God, 1987, S. 2):

Woher hatte Calvin diesen bemerkenswerten Gedanken? Zweifellos gewann er ihn durch sein eigenes Studium der Heiligen Schrift. Wir neigen dazu zu vergessen, wie oft in der Bibel Gott seine großen Taten so ausführt, dass Menschen „erkennen“ werden, dass er HERR ist (vgl. Ex 6,7; 7,5.17; 8,10.22; 9,14.29f; 10,2; 14.4.18; 16,12; Jes 49,23.26; 60,16 etc.). Die Schrift betont oft, dass, obwohl in gewissem Sinne alle Menschen um Gott wissen (vgl. Röm. 1,21), in einem anderen Sinne das Erkennen ausschließliches Privileg der erlösten Menschen ist und in der Tat das ultimative Ziel des Lebens eines Gläubigen. Was könnte mehr „zentral“ sein als das? Aber in unserer modernen Theologensprache, ob orthodox, liberal, akademischen oder populärwissenschaftlich, kommen diese Worte nicht leicht über unsere Lippen. Wir sprechen viel lieber über gerettet sein, wiedergeboren sein, gerechtfertigt sein, angenommen sein, geheiligt sein, Geistestaufe, den Eintritt in das Reich Gottes, dem Sterben und Auferstehen mit Christus, den Glauben oder die Buße als über die Erkenntnis des HERRN. Für Calvin gab es diese Zurückhaltung nicht. Er war ganz zu Hause in der biblischen Sprache, er machte sie wirklich zu seiner eigenen. Damit hob er einen reichen Schatz der biblischen Lehre, gegenüber dem wir heute weitgehend ignorant sind.

Geburtenrate: Das Ende des Machbarkeitsglaubens

Mit großem Aufwand werden seit 2009 die Hilfen für Familien auf ihre Wirkung überprüft. Es stellt sich Ernüchterung ein. Es geht eben nicht nur um Geld. Uta Rasche kommentiert:

„Eine rein ökonomische Betrachtung von familienbezogenen Leistungen greift zu kurz“, sagte Schröder gegenüber der F.A.Z. In der Tat gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass kulturelle und religiöse Werte, Erfahrungen aus der Herkunftsfamilie und die Qualität der Paarbeziehung wichtiger sind für die Realisierung von Kinderwünschen als monetäre Leistungen. Ein gewisser Machbarkeitsglaube, der in die Familienpolitik Einzug gehalten hatte, scheint an seine Grenzen gekommen zu sein.

Nun, für diese Einsicht hätte wohl das Studium der Geschichte ausreichen können. 

Mehr: www.faz.net.

Wenn Kinder Steuereinnahmen untergraben

Das ifo-Institut warnt vor einer Erhöhung des Kindergelds. Denn das könnte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stören. Es haben gefälligst beide Eltern zu arbeiten. Sind mit dieser Logik Kinder noch vereinbar?, fragt Jasper von Altenbockum: 

Die Formel „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ verhüllt, was gemeint ist: die Anpassung der Familie an die Bedürfnisse des Erwerbslebens. Jeder Familienpolitiker wird das bestreiten. Doch wenn Arbeitgeber, Gewerkschaften und ihr jeweiliger parteipolitischer Dunstkreis ein- und dasselbe wollen, darf man unterstellen, dass es ihnen um vieles, aber nicht um Familien geht. Sie wollen den Doppelverdienerhaushalt, möglichst ohne Teilzeit. Das bremst Lohnzuwachs, schafft Fachkräfte und bringt mehr Steuereinnahmen.

Eine Studie des Ifo-Instituts hat jetzt festgestellt, dass auch eine Erhöhung des Kindergelds gegen die „Vereinbarkeit“ verstoße, weil es ein Anreiz dafür sei, dass einer der beiden Eltern (vulgo: die Mutter) zuhause bleibe. Sie empfehlen, das Geld stattdessen in die „Infrastruktur“ zu stecken, womit Betreuungsplätze gemeint sind.

Hier: www.faz.net.

VD: JS

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