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Workshop mit Francis Schaeffer

Videoaufnahmen mit Francis Schaeffer jenseits der Serie „Wie können wir denn leben?“ sind rar. Kürzlich habe ich darüber informiert,  dass neue Mitschnitte aufgetaucht sind und an ihrer Zugänglichkeit im Internet gearbeitet wird. Inzwischen liegen erste Beiträge vor.

Nachfolgend können Sie einen Workshop zur Apologetik (d.h. Verteidigung des christlichen Glaubens) mit Francis Schaeffer sehen.

Einige Hintergrundinformationen: Der Workshop „Zur Frage der Apologetik“ wurde 1983 auf der L’Abri-Konferenz in Atlanta (USA) gehalten. Schaeffer, der 1984 verstarb, war schwer erkrankt und hatte die vergangenen Jahre unter großen Anstrengungen mit der Herausgabe seiner Werkausgabe verbracht, die schließlich 1982 bei Crossway erschienen ist (The Complete Works of Francis A. Schaeffer).

Im ersten Band der Werkausgabe hat er einen neuen – 1981 entstandenen – Text eingearbeitet, der sich mit seinem Ansatz der Apologetik beschäftigt („The Question of Apologetics“, S. 175–187). Im Workshop liest er aus diesem Aufsatz vor und erläutert ihn. Er betont einerseits, dass es keine Apologetik für alle Menschen gibt. Es komme darauf an, jeden Menschen als Ebenbild Gottes ernst zu nehmen und zu lieben. Andererseits hebt er hervor, dass alle Menschen in der Wirklichkeit Gottes leben und ihr nicht entfliehen können. Dadurch ergibt sich für Schaeffer eine Möglichkeit, den Menschen ihre Verlorenheit zu zeigen und ihnen das Evangelium zu kommunizieren. Denn niemand könne mit nichtchristlichen Denkvoraussetzungen konsistent in der Welt Gottes leben.

(Dieser Aufsatz enthält übrigens auch das bemerkenswerte Bekenntnis: „Ich bin kein professioneller, akademischer Philosoph – das ist nicht meine Berufung, und ich bin dankbar, den Ruf zu haben, den ich habe und ich bin genauso froh, dass andere Leute eine andere Berufung haben. Aber wenn ich sage, dass ich ein Evangelist bin, dann will ich damit nicht sagen, dass meine Philosophie untauglich ist. Ich denke, sie ist tauglich.“)

Nachdem Schaeffer ca. vierzig Minuten über seinen Ansatz gesprochen hat, beginnt eine etwa halbstündige Diskussionsrunde. Die erste Frage dreht sich um den Einfluss Cornelius Van Til’s auf Schaeffer. Schaeffer erklärt, dass Van Til seine Apologetik beeinflusst hat (u.a. seine Barth-Kritik), aber sich gleichzeitig seine Apologetik von der seines ehemaligen Professors unterscheidet (mehr Informationen dazu sind zu finden in: Ron Kubsch (Hg.), Wahrheit und Liebe: Was für von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können, 2007).

Hier nun der Workshop:

F. Schaeffer: Gottes Kirche inmitten der Verwirrungen des 20. Jahrhunderts

Am 23. September 1981 war Francis A. Schaeffer der Hauptredner für den Mittwochabend-Gottesdienst der 1. Generalversammlung in der Ward Presbyterian Church in Livonia, Michigan (USA). Der Vortrag wurde mitgeschnitten. Obwohl die Qualität zu wünschen übrig lässt, erlaubt die Aufnahme einen guten Einblick in die Art, wie Schaeffer in den letzten Lebensjahren zu den Gemeinden sprach. Er hatte gerade das Manuskript des Buches A Christian Manifesto abgeschlossen. Schaeffer zeigte in dem Buch, wie Recht, Regierung, Bildungseinrichtungen und die Medien zu einer Abkehr von den jüdisch-christlichen Wurzeln beigetragen haben.

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40. Todestag von Francis A. Schaeffer

Heute vor 40 Jahren erlag Francis A. Schaeffer nach langer Krankheit seinem Krebsleiden im Alter von 72 Jahren. Ich dem Buch Wahrheit und Liebe: Was wir von Francis Schaeffer lernen können (#ad) schrieb ich 2006 im Vorwort:

In seinen letzten Lebensjahren erinnerte Schaeffer an den klagenden Jeremia. Er war erschöpft und besorgt. Die schleichende Entertainisierung der Evangelikalen Bewegung hielt seiner Meinung nach die Christen davon ab, auf ernste Fragen seriöse Antworten zu geben. Die auch an den evangelikalen Ausbildungsstätten fortschreitende Relativierung der Aussagen der Heiligen Schrift hielt er für eine Tragödie mit vorhersehbaren Folgen. Schaeffer sah betroffen, dass die Verkündigung zu oft nicht durch einen heiligen und barmherzigen Lebensstil gedeckt war. Und es quälte ihn, dass so viele Gläubige auf die großen Herausforderungen in den Lebensrechtsfragen mit dem Rückzug in das bequeme Privatleben oder dem Aufbau ‚seliger Inseln‘ reagierten. Betend und sorgenvoll rief er der Gemeinde zu, auf die Heilige Schrift zu hören und den Gehorsam in der Lehre durch ein entsprechendes Leben zu dokumentieren.

Freundlicherweise haben die Schaeffer-Leser anlässlich des 40. Todestages Texte verfasst. Zunächst der Hinweis auf „40 Jahre nach Francis Schaeffer – was bleibt?“ von Jonas Erne. Uwe Brinkmann hat den Beitrag „Zum 40. Todestag von Francis A. Schaeffer (1912–1984) – eine persönliche Reflexion“ geliefert. Seine ehrlichen Erinnerungen sprechen mir aus dem Herzen:

Ich war gerade dabei, mein eigenes gemeindliches Erbe aufzuarbeiten, das von strenger Gesetzlichkeit geprägt war. In Francis Schaeffer fand ich jemand, der an „Bibeltreue“ den Altvorderen meiner kleinen Fraktion in nichts nachstand, aber gleichzeitig eine intellektuelle Weite ausstrahlte, die ich als echte Befreiung begriff.

Im Rückblick war er ein echter Rettungsanker in meinem intellektuellen Dilemma, die Bibel ernst nehmen zu wollen obwohl ich gleichzeitig mit einen Koffer voll ungelöster Fragen unterwegs war. Ohne die Hilfe von Schaeffer wäre ich wahrscheinlich in einer Sackgasse gelandet, oder hätte meinen ererbten Glauben ‚dekonstruiert‘, wie wir es 40 Jahre später, überall erleben.

Das jemand, der die Bibel ernst nahm und das Thema Weltmission und Gemeinde als Herzensanliegen verteidigte, sich gleichzeitig mit philosophischen Fragen beschäftigte und sich „sogar“ mit Fragen der Kunst und des Umweltschutzes auseinandersetzte … –, das war für mich geradezu unerhört. Francis Schaeffer wurde in meinen frühen 20-ern zu einer wahnsinnig starken Ermutigung, die ganze geschöpfliche Wirklichkeit als die eine Welt Gottes zu verstehen und mein Leben nicht in einen religiösen und weltlichen Teil aufzuspalten.

Das in seinem Vermächtnis von 1984 nachgedruckte „Kennzeichen des Christen“ hat mich tatsächlich zu Tränen gerührt, weil hier für mich die Spannung zwischen Einheit und Reinheit der christlichen Kirche – was mein traumatisches Metathema war – aufgearbeitet wurde: „Wer hat aber je von einer Konferenz gehört, die von der Frage bestimmt war, wie wahre Christen durch ihr Handeln Gottes Heiligkeit und gleichzeitig Gottes Liebe vor den Augen der Welt darstellen können? Wer hat je von Predigten oder Schriften gehört, die eingehend darlegen, wie man nach zwei Grundsätzen leben kann, die einander auszuschließen scheinen: 1.) nach dem Grundsatz der Reinheit der sichtbaren Kirche in Bezug auf Lehre und Wandel und 2.) dem Grundsatz der sichtbaren Liebe und Einheit unter allen wahren Christen?“

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Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können

Am Donnerstag, den 25. September 2025, bin ich in Zürich. Es gibt ein Seminar über Francis Schaeffer und seine Apologetik.

Francis August Schaeffer (1912–1984) zählt zu den bedeutendsten christlichen Apologeten des 20. Jahrhunderts. Durch seine Bücher (z. B. Gott ist keine Illusion, Wie sollen wir denn leben? oder Preisgabe der Vernunft), Vorträge und das 1955 gegründete Schweizer Studienzentrum L’Abri (dt. Zufluchtsort) wurden er und seine Frau Edith weltweit bekannt und halfen unzählbar vielen Menschen, ihren Glauben zu festigen sowie intellektuell verantwortbar und kulturrelevant zu bezeugen. In diesem Seminar wird sein Leben sowie seine apologetische Arbeitsweise vorgestellt. Beleuchtet wird jedoch ebenfalls der weniger bekannte Francis Schaeffer, z. B. seine Sicht auf das geistliche Leben, seine Kritik der Mediengläubigkeit oder des Hypercalvinismus.

Gasthörer sind herzlich willkommen.

Mehr Infos hier: 2025-09-25-MBS-Studientag.pdf.

Frank Schaeffer in der NZZ

Die NZZ hat den Artikel „Der Mann, der die amerikanischen Abtreibungsgegner radikalisierte“ veröffentlicht, in dem vor allem die Sichtweise von Frank Schaeffer zu seinen Eltern und der Abtreibungshaltung der Evangelikalen protegiert wird. Es heißt in dem Artikel: 

Etwas mehr als zwanzig Jahre alt war Frank, als er seinen Vater zu einer Sache drängte, die er dann während seines weiteren Lebens bereuen sollte. Im Januar 1973 fällte der amerikanische Supreme Court das wegweisende Urteil «Roe v. Wade». Darin anerkannte das Oberste Gericht ein verfassungsmässiges Recht auf Abtreibung. Francis Schaeffer arbeitete zu diesem Zeitpunkt an seinem Buch und der gleichnamigen Dokumentarfilmserie «How should we then live?». Das Thema Abtreibung spielte darin keine Rolle. Es ging um eine Kulturgeschichte: darum, wie die Renaissance und die Aufklärung mit ihrem säkularen Humanismus angeblich den «christlichen Konsens» und damit auch die Grundlage der Freiheit in den USA zersetzen.

Doch Frank Schaeffer drängte seinen Vater dazu, das Skript umzuschreiben und das Recht auf Abtreibung zu kritisieren: «Wie kannst du sagen, dass du an die Einzigartigkeit jedes menschlichen Wesens glaubst, ohne für diese Sache einzustehen?» Doch Francis Schaeffer antwortete: «Ich will nichts zu tun haben mit dieser katholischen Angelegenheit.»

Francis Schaeffer war zu diesem Zeitpunkt bereits eine bekannte und ungewöhnliche Stimme in der evangelikalen Welt. Für ihn war jedes Wort in der Bibel wahr, aber er sprach nicht nur in Bibelversen. Er verstand sich nicht nur als Pastor, sondern auch als Kunsthistoriker und Philosoph. «Er konnte auch Vorlesungen über Bob Dylans Songtexte oder Woody Allens frühe Filme halten», erzählt Frank Schaeffer. Sein Vater teilte die Kritik der linken Hippiegeneration an der materialistischen Bourgeoise, nicht aber ihre Lösungen. Leute wie Jimmy Page, der Gitarrist von Led Zeppelin, oder Eric Clapton sollen Francis Schaeffers Buch «Escape from Reason» gelesen haben. Auch der LSD-Hohepriester Timothy Leary besuchte L’Abri.

Zu dem Artikel gäbe es viel zu sagen (es gibt übrigens viele ähnliche Beiträge in der englischsprachigen Welt). Nur zwei kleine Hinweise:

(1) Frank erweckt den Eindruck, dass sein Vater sich bis zur Finalisierung des Drehbuchs zum Film Wie sollen wir denn leben? nicht für das Thema Abtreibung interessiert habe. Es sei eine „katholische Angelegenheit“ gewesen. Richtig ist, dass die Evangelikalen sich in den 70er-Jahren in der Frage des Schwangerschaftsabbruchs nicht einig waren. Es stimmt auch, dass Frank seinen Vater davon überzeugt hat, das Thema politisch anzugehen (vgl. dazu: Barry Hankins, Francis Schaeffer an the Shaping of Evangelical America, 2008, S. 175). Freilich hatte Francis Schaeffer schon früher eine ethische Position zum Schwangerschaftsabbruch, wie etwa in seinem Buch Back to Freedom and Dignity (1972) deutlich wird. Er war allerdings skeptisch, was den Aktivismus anbetrifft und ist erst von seinem Sohn dazu überredet worden und dann tatsächlich zu einem Vorreiter der politischen bzw. religiösen Rechten geworden. Randall Balmer schreibt in „The Religious Right and the Abortion Myth“ (Politico):

Als Francis Schaeffer, der intellektuelle Pate der religiösen Rechten, in den späten 1970ern versuchte, Billy Graham für seine Anti-Abtreibungs-Kampanie zu gewinnen, lehnte Graham, der berühmteste Evangelikale des 20. Jahrhunderts, ab. Sogar James Dobson, der Gründer von Focus on the Family, der später zu einem unerbittlichen Gegner der Abtreibung wurde, räumte 1973 ein, dass die Bibel zu diesem Thema schweige und es daher für einen Evangelikalen plausibel sei zu glauben, dass „ein sich entwickelnder Embryo oder Fötus nicht als vollwertiges menschliches Wesen angesehen wird“.

Nun Francis Schaeffer als jemanden hinzustellen, der Trump den Weg geebnet hat, ist meines Erachtens Effekthascherei. Ich vermute, dass die Schaeffers gegenüber dem Trump-Kult genauso kritisch gewesen wären wie gegenüber einer Verehrung Obamas. 

(2) Die Sache mit Frank Schaeffer und seiner Bewertung der Arbeit seiner Eltern und L’Abri ist insgesamt recht kompliziert. Eine nach wie vor hilfreiche Quelle zur Wertung seiner Sichtweise ist eine Rezension, die Os Guinness anlässlich der Veröffentlichung des Buches Crazy for God: How I Grew Up as One of the Elect, Helped Found the Religious Right, and Lived to Take All von Frank Schaffer geschrieben hat. Er verteidigt dort, übrigens ohne zu beschönigen, die Schaeffers mit Haut und Haaren gegen den Vorwurf der Heuchelei:

Ich bestreite diesen zentralen Vorwurf von Frank mit allem, was ich habe. Ich und viele meiner engsten Freunde, die die Schaeffers gut kannten, sind sich sicher, dass sie sie ebenfalls in Frage stellen würden. Francis und Edith Schaeffer waren Verteidiger der Wahrheit für andere und selbst Menschen der Wahrheit.

Sechs Jahre lang stand ich Frank so nahe wie niemand außerhalb seiner eigenen Familie, und wahrscheinlich näher als viele in seiner Familie. Ich war sein Trauzeuge bei seiner Hochzeit. Das Leben hat uns in den letzten dreißig Jahren in unterschiedliche Richtungen geführt. Aber ich betrachtete ihn als meinen lieben Freund und erlebte viele der Eskapaden, von denen er erzählt, und noch viele mehr, die es nicht wert wären, in gedruckter Form wiedergegeben zu werden. Es schmerzt mich daher zu sagen, dass sein Porträt grausam, verzerrt und eigennützig ist. Aber ich kann es nicht unwidersprochen lassen, ohne nachdrücklich auf eine andere Sichtweise der Geschichte zu drängen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Fehlern und Heuchelei. Francis und Edith Schaeffer waren Löwen für die Wahrheit. Niemand könnte weiter von Betrügern entfernt sein, selbst von unwissentlichen Betrügern, als die Francis und Edith Schaeffer, die ich kannte, mit denen ich lebte und die ich liebte.

Hier die gesamte Rezension von Os Guinness in englischer Sprache: banneroftruth.org.

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Neue Biografie über Francis Schaeffer

schaeffer_bio.jpgIn den vergangenen Jahren sind mehrere Biografien über Francis Schaeffer veröffentlicht worden (siehe hier, hier und hier). Nun ist ein weiteres Buch über den amerikanischen Evangelisten und Apologeten erschienen:

  • Mostyn Roberts: Francis Schaeffer, Evangelical Pr, 2012, 144 S., ca. 9 Euro.

Ranald Macaulay, Schwiegersohn und Direktor des „Christian Heritage“ in Cambridge schreibt über das Buch:

When Frances Schaeffer was converted to faith in Christ he at first refused to call himself a Christian because he thought Christianity was the ‚unreal stuff‘ he had experienced at church. What he discovered was a whole new way of life. From then on his great desire and commitment was to tell others about God, that the Bible is true, and that it answers the big questions of life that philosophy can only raise. Schaeffer trained for the ministry and was sent, with his wife Edith, to Europe. They established child evangelism work and he developed a profound understanding of contemporary culture and the state of the church. He experienced a spiritual crisis which made faith and prayer more real to him, and founded the L’Abri Fellowship. Here, thousands of people have heard about the God who is Creator and Saviour. In his last decade Schaeffer became famous for his Christian film series and his anti-abortion stance. As Mostyn Roberts reviews the life of this man of God, variously called a prophet for his prescient analysis of trends in culture that explain where we are today, an apologist, and even a philosopher, he shows us that fundamentally Schaeffer rejoiced, to the end, in being a pastor and evangelist. ‚Francis Schaeffer, who was born exactly a hundred years ago, is arguably one of the five most important Evangelical leaders of the second half of the 20th century. This brief but excellent summary of his life and ideas is a helpful reminder of his importance. As a genuine prophet, Schaffer’s assessment of our times and of what we should be doing about them is, if anything, more relevant today than when he first wrote.

 

W. Edgar über Francis Schaeffer

Hanniel hat das Buch:

besprochen.

41gtzX1KQHL SL110Als Schlüsselbegriff Schaeffers nennt Edgar die „Wirklichkeit“ (reality). Es besteht eine objektive Wahrheit der Welt und ihres Schöpfers. Ebenso ist die Existenz des Bösen Wirklichkeit. Immer wieder greift Schaeffer auf den Vergleich mit den beiden Stühlen zurück. Für den Nichtchristen gibt es nur die sichtbare Wirklichkeit (der eine Stuhl), für den Christen ist jedoch die unsichtbare Wirklichkeit (der zweite Stuhl) ebenso real. Leider verhalten sich manche Christen so, als ob es nur einen Stuhl gäbe. Die Freiheit des Christen ist Ausdruck der Realität, die sich zuerst in seinem Innern abbildet. Sie lässt sich, wie Schaeffer am Anfang von „True Spirituality“ aufzeigt, auf zweifache Art überprüfen: Ob wir eine tiefe Befriedigung in Gott finden und ob wir unsere Nachbarn lieben. Der Tod und die Auferstehung Christi bilden die Basis der Wirklichkeit des christlichen Lebens. Im zweiten Teil des Buches „True Spirituality“ wendet Schaeffer diese Realität auf die durch die Sünde entstellten Beziehung des Menschen zu sich selbst und anderen (Ehe, Kirche) an. Die Realität von Christi Wirken triumphiert über die Sünde. Dies zeigt sich etwa bei körperlichen oder psychischen Problemen nicht in einer vollständigen, sondern einer substanziellen Heilung.

Hier mehr: www.hanniel.ch.

Francis A. Schaeffer-Archiv wird am SBTS aufgebaut

Das Southeastern Baptist Theological Seminary (SBTS) ist von der Francis A. Schaeffer Foundation mit dem Aufbau eines Schaeffer-Archivs betraut worden. Wie Udo Middelmann, Präsident der Francis A. Schaeffer Foundation, bekannt gab, werden Aufsatzsammlungen, Briefe und andere bisher unveröffentlichte Materialien des späten Francis Schaeffer an das »L. Russ Bush Center for Faith and Culture« des SBTS übergeben. Direktor des Instituts ist Professor Bruce Little.

Hier die offizielle Presseerklärung:

Southeastern Baptist Theological Seminary today announced the addition of a voluminous collection of papers and correspondence of the late apologist Francis A. Schaeffer to Southeastern’s libary, thanks to the generosity of the Francis A. Schaeffer Foundation. The collection is given to the L. Russ Bush Center for Faith and Culture for Southeastern Seminary.

The collection includes select unpublished papers and correspondence, source materials, notes, and recorded discussions of Schaeffer, one of evangelical Christianity’s most prominent 20th century voices and the author of 27 books. The collection, of which Southeastern has custody, will be placed under the direction of Bruce Little, professor of Christian philosophy and director of the L. Russ Bush Center for Faith and Culture, a ministry of Southeastern.

The foundation is overseen by its president, Udo Middelmann, who is Schaeffer’s son-in-law. Middelmann said the foundation is pleased to entrust these materials to Southeastern, in the hopes that Schaeffer’s work will continue to be influential for years to come.

“A lifetime spent in the pursuit of truth, and its relationship to society, philosophy and culture, is found in the collected papers and correspondence of Francis Schaeffer,” Middelmann said.

Little said he is grateful for the opportunity to serve as custodian of the collection. “We are thankful to the Francis A. Schaeffer Foundation for entrusting us with this priceless treasure of historical significance,” Little said. “Every now and then, God gives His Church a unique voice for His people. Schaeffer was such a voice. It is our privilege to have a part in preserving and promoting this legacy for the generations to come.”

Schaeffer was born in the United States but spent most of his life in Switzerland with his wife Edith and their four children. In 1955, Francis and Edith Schaeffer opened their chalet/home to those who were seeking answers to life’s many questions and from that the ministry known as L’Abri began. The Schaeffers welcomed thousands of visitors during several decades some who stayed for only a few days while others a much longer time. However long the stay, it was an opportunity to learn from Schaeffer how the inerrant Scriptures gave the only fitting understanding of the real world.

In addition to his more than two dozen books, Schaeffer also recorded the influential series of videos called How Should We Then Live?, revealing the rise and decline of Western thought and culture.

President Daniel Akin said Southeastern was humbled to receive guardianship of the collection. “It is my hope that the spirit of Francis Schaeffer, with his mind for truth and heart of love, will pervade our campus,” Akin said. “I pray that this collection will allow Southeastern to serve the church by extending the legacy of this great man of faith.”

Francis Schaeffer über das Jahr 2020

Elliot Clark hat das Buch Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts von Francis Schaeffer noch einmal hervorgekramt und dabei herausgefunden, dass es sehr aktuell ist:

Wenn wir darüber nachdenken, was Francis Schaeffer in seinen späten Jahren für das Christentum geleistet hat, denken wir oft an L‘Abri in den Schweizer Alpen und seine herausragenden Bücher wie Gott ist keine IllusionPreisgabe der Vernunft und Wie können wir denn leben?. Wahrscheinlich hat gegen Ende des Jahres 2020 allerdings eines seiner weniger bekannten Werke, nämlich Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, die größte Bedeutung für Gemeinden.

Dieses kleine Buch, das vor genau 50 Jahren veröffentlicht wurde, mag zwar sehr veraltet wirken, wenn ich meine Ausgabe aus dem Jahr 1970 betrachte, doch sind die Themen darin überraschend aktuell. Schaeffer spricht den Verlust von Wahrheit und persönlicher Verantwortung, den Zerfall von Autorität und die wachsende Bedrohung durch Gewalt an. Er warnt vor einer bevorstehenden ökologischen Katastrophe, wissenschaftlicher Manipulation und sogar der Möglichkeit, dass Staaten ein tödliches Virus entwickeln und als Waffe benutzen könnten.

Die Tendenz zur Panikmache mag der größte Schwachpunkt dieses Buches sein. Und doch verharrt Schaeffer in seiner Analyse nicht dabei, sondern bietet der damaligen und heutigen Kirche eine sowohl positive, ganzheitliche als auch hoffnungsvolle Antwort.

Hier der vollständige Artikel: www.evangelium21.net.

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Francis Schaeffer Konferenz

Schaeffer01_00.jpgDas Southeastern Baptist Theological Seminary wird vom 6.–8. November 2008 eine Konferenz über Francis Schaeffer veranstalten. Zu den Referenten gehören Udo Middelmann, Jerram Barrs, Ranald Macaulay, Jerram Barrs, Dick Keyes und Os Guinness.

Weiter Informationen gibt es hier: www.sebts.edu.

Erinnerungen an Edith Schaeffer

Ich bezweifle, dass Rachel Marie Stone die Familiengeschichte von Edith und Francis Schaeffer richtig interpretiert. Ihre Sicht der Dinge hinterfragt die Perspektive von Franky leider kaum. Trotzdem will ich auf ihre „Hommage“ an Edith verweisen.

Still, in Sex, Mom, and God, Frank lets us in on a telling conversation with his mother: „Mom, the only reason I’m a writer is because of all those books you read out loud to me. You were a good mother… You opened the doors to everything I love most.“

Edith was from a different time; a time when people didn’t air dirty laundry and where maintaining outward appearances was considered an important part of being a good „witness for Jesus.“ I will not defend her self-abnegating vision of Christian womanhood (to the point that she seems to have tolerated abuse), nor the fact that she presented a picture of family bliss that was not, according to her children, at all accurate.

But acknowledging her shortcomings doesn’t diminish the fact that this creative and thoughtful woman opened doors not just for Frank but for many of us in the evangelical world, helping us to realize that things like literature, music, dance, good food, and beauty aren’t unspiritual or worldly, but pathways to enjoying God and God’s good gifts, a message we might today take as a given, but one that was, in her time, a spirited rejection of the status quo. And for that energetic conviction, I will remember her with gratitude and admiration.

Die Beerdigung findet übrigens am 19. April um 14.00 Uhr in Gryon (Schweiz) statt.

Hier der Artikel von Rachel: www.christianitytoday.com.

Bill Edgar über Schaeffer, Clowny, Van Til und Keller

Bill Edgar begann seine akademische Karriere als Professor für Apologetik am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (USA) im Jahr 1989 und ging 2022 in den Ruhestand. Collin Hansen hat ihn interviewt und wir hören, wir er bei Francis Schaeffer in L’abri zum Glauben kam und wie er die Apologetik und Persönlichkeit von Cornelius Van Til beschreibt. Und wir hören viele andere interessante Dinge.

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Francis Schaeffer in TIME und SPIEGEL

Wer Leben und Werk von Francis und Edith Schaeffer kennenlernen möchte, sollte sich das Buch Wahrheit und Liebe zulegen. Die Dokumentation mit ihren 267 Seiten lädt ein, sich mit dem christlichen Apologeten Francis Schaeffer auseinanderzusetzen und von ihm zu lernen.

Interessant und schneller zu haben sind noch zwei andere Dokumente über das Ehepaar Schaeffer und das Studienzentrum L’Abri.

Am 11. Januar 1960 hat das Nachrichtenmagazin TIME einen Artikel über Pastor Francis Schaeffer publiziert. Der Text kann hier eingesehen werden: http: www.time.com.

Am 16. Mai 1983 hat Peter Brügge für den SPIEGEL einen (ziemlich polemischen) Beitrag über Schaeffer veröffentlicht.

Mit ihr unterm Arm entschlüsselt sich Rev. Schaeffer die Künstler des Abendlandes von Michelangelo bis Antonioni. Zu ihr hin sieht er junge Aussteiger streben in ihrer verzweifelten, auch ihn bewegenden Suche nach Sinn. Er wisse, sagt er, was ihnen fehle: der absolute Maßstab, was gut ist und was böse. Den glaubt er in der Bibel abermals entdeckt zu haben, etwas ausgebleicht von Jahrhunderten abendländischer Skepsis und Ratio. Für Francis A. Schaeffer ist die Schrift wieder Gottes Wort. In fast 1500 auf Tonband abrufbaren Predigten und Vorlesungen, in bislang 22 Büchern, in Filmen und Fernseh-Shows, vor Mächtigen und Schmächtigen, besonders aber vor der studentischen Jugend sendet er in milder Besessenheit aus, was für ihn und Amerika und den Rest der Christenheit daraus folgt: Widerstand gegen die zentrifugale Dynamik der Aufklärung, bevor sie das letzte Quentchen biblischer Orientierung aus allem herausgeschleudert hat. »Die großen glorreichen Freiheiten“, sagt Dr. Schaeffer, »beginnen unsere Gesellschaft in Stücke zu treten.« Es ist sein liebstes Thema, wie eine Infektion des Christenglaubens durch die Verstandeskeime der Antike das alles verursacht habe und wie früh. Seit dem Ausbruch der Renaissance werfe sich der Mensch in prometheischem Do-it-yourself zum Maß aller Dinge auf, und die Folgen davon sehe man ja. In Florenz wurde neben Michelangelos »David« ein Gerüst aufgeschlagen, damit, auf einer Ebene mit ihm, Francis A. Schaeffer Amerika vor einer Filmkamera den hier bereits mustergültig versteinerten Übermut faustdick erklären konnte. Es ist sein Verfahren, ganze Epochen auf ein ihn bestätigendes Bild, ganze Philosophien auf das Format eines Kalenderspruchs zu reduzieren. Dieser David, sagt der Mann mit der Bundhose, sei nicht mehr der David der Schrift, drum sei er auch nicht mal beschnitten. Und was für Hände der habe! Welche übermenschlichen Formate in beinahe jeglicher Hinsicht! »Hier stand der Humanismus“, lehrt Dr. Schaeffer, »in seinem ganzen Stolz.« Dies ist für ihn der herrlichste Beleg der hochfahrenden Illusion, es könne der Mensch, was er nur wolle, auch machen und sich »ganz allein aus der Natur losreißen“.

Der SPIEGEL-Artikel kann hier gelesen und als PDF-Datei herunter geladen werden (links): www.spiegel.de.

Wächst das Interesse an Francis Schaeffer?

Francis Schaeffer scheint im deutschsprachigen Europa wieder mehr Aufmerksamkeit zu empfangen. Kaum zu fassen, wie viel Geld inzwischen für seine Bücher auf dem antiquarischen Markt geboten wird. Genesis in Raum und Zeit mit gerade Mal 127 Seiten wird derzeit für fast 70 Euro angeboten.

Das Buch enthält eine Art Auslegung des biblischen Schöpfungsberichts. Schaeffer geht mit Jean Paul Satre davon aus, dass wir Menschen uns mit dem „Rätsel des Sein“ auseinandersetzen sollten und Gott auf wichtige Fragen dazu in der Heiligen Schrift Stellung genommen hat. Zitat (Francis A. Schaeffer, Genesis in Raum und Zeit, 1976, S. 18):

Wie ich anderswo schon sagte, hat Jean Paul Sartre das grundlegende philosophische Problem, vor dem wir stehen, treffend formuliert: Die Tatsache, daß etwas — anstatt nichts — da ist. Dies ist das unbestreitbare und unreduzierbare Minimum, von dem der Mensch ausgehen muß. Ich kann nicht sagen, es sei nichts da; es ist offensichtlich, daß etwas da ist. Ebenso klar ist, daß dieses Etwas zumindest aus zwei Teilen besteht: Ich bin da und etwas anderes, das sich von mir unterscheidet. Dies alles führt uns selbstverständlich zum modernen Begriff des Seins. Das Sein ist da. Aber damit stellt sich sogleich die Frage: „Ist es immer dagewesen?“” Das ist das grundlegende ungelöste Problem des modernen Menschen.

Francis Schaeffer Center for Worldview and Culture

Nancy und Richard Pearcey sind damit beauftragt worden, an der Houston Baptist University (USA) ein „Francis Schaeffer Zentrum für Weltanschauung und Kultur“ aufzubauen. In einer Presseerklärung vom 21. Dezember heißt es:

The purpose of the Francis Schaeffer Center is to “promote foundational research and out-of-the-box creative thinking based on historic Christianity as a total way of life informed by verifiable truth concerning God, humanity, and the cosmos,” according to the FSC mission statement.

Nancy Pearcey serves as Director of the Francis Schaeffer Center. Formerly an agnostic, Nancy is Professor and Scholar in Residence at HBU. She is the author of seminal works such as Total Truth, The Soul of Science, and Saving Leonardo, and also serves as editor at large of The Pearcey Report. Nancy was heralded in The Economist as „America’s pre-eminent evangelical Protestant female intellectual.“

Courses created by FSC will give students a unique opportunity to work through Nancy’s award-winning books and other foundational resources on worldview and cultural engagement. „Our goal at FSC is to equip students in every major to be critical and creative thinkers,“ Pearcey said. „Under the visionary leadership of President Robert Sloan, Houston Baptist University is moving forward strategically to implement a Christian worldview approach more intentionally and comprehensively across all the disciplines.“

The Center is named for noted author Francis A. Schaeffer, whose work with wife Edith at L’Abri Fellowship in Switzerland won international respect for giving an “honest answer to honest questions.” Time magazine hailed the Schaeffers‘ work as a “Mission to Intellectuals.”

So eine Einrichtung brauchen wir auch im deutschsprachigen Europa.

Hier mehr: www.pearceyreport.com.

William Edgar: Schaeffer und das geistliche Leben

SCL 300x449William Edgar hat Francis Schaeffer in L’Abri kennengelernt und nun ein Buch über ihn geschrieben. Hier ein paar Empfehlungen für Schaeffer on the Christian Life: Countercultural Spirituality:

Os Guinness:

Friendly, passionate, intellectual, and constantly engaged with people as well as ideas and contemporary affairs, Francis Schaeffer comes alive in Edgar’s objective but affectionate portrait. Rescued from the distortions of both lionisers and demonizers, here is ‘FAS’ as so many of us knew him in the great years of L’Abri—and with so much to contribute to our world today.

David F. Wells:

An engaging, fascinating account, seasoned with unusual insight into one of the truly original apologists of our time.

John M. Frame:

For many years I hoped that I could spend some time at L’Abri, but that was not God’s plan for me. Instead, God enabled me to become friends with many L’Abri alumni, of whom Bill Edgar was one. I have been impressed with the intellectual caliber of those men and women, but even more with their godly character. L’Abri evidently had a way of leading people from intellectual atheism, to conversion, to spiritual maturity. Bill’s book focuses, more than other L’Abri books, on theis process of what we now call spiritual formation. The whole church can learn much from it. I commend this excellent book to all hwo seek to draw nearer to God.

Colin Duriez:

Francis Schaeffer was small of stature but a giant in his tenacious concern for truth, for God, for people, and for reality. He became convinced that Christian faith was the radical path for our own day, the realistic answer to the hard questions of a modern, troubled world. William Edgar’s compulsively readable study of Francis Schaeffer’s thought is set in the context of his rough-edged life and his brilliantly-inspired work in the L’Abri community he established with his remarkable wife, Edith. L’Abri, perched high on the slopes of a remote alpine valley, drew a motley procession of mainly young travellers from the ends of the earth. Schaeffer’s own, sometimes anguished, quest to communicate the ancient biblical text in a century of unprecedented historical changes attracted and opened doors for a generation of Christians. It also convinced many outside the faith with honest questions (like Bill Edgar himself) to follow the way of Christ. This engaging book captures the fire of Francis Schaeffer’s thought and concerns, and revisits and reinvigorates the still urgent challenge he presented to the church in the modern world.

Das erste Kapitel des  Buches gibt es hier: schaeffer-on-the-christian-life-download.pdf.

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VD: JT

Francis Schaeffer: Namen & Themen

Im Sommer 1983, ein knappes Jahr vor seinem Tod, sprach Francis Schaeffer auf der L’abri-Konferenz in Atlanta (USA) über Themen, die auch heute noch recht aktuell sind: Fundamentalismus, Religionsfreiheit, Abtreibung, Meinungsfreiheit, die vermeintliche Spannung von Verkündigung und Tat, die Defizite der evangelikalen Theologie.

An den Vortrag schließen sich ca. 60 Minuten Fragen und Antworten an. Ab Minute 50 spricht er darüber, dass wir heutzutage dringend die Semantik von Begriffen klären müssen, wenn wir miteinander diskutieren. Er zeigt, dass der Begriff „Fundamentalist“ gezielt von der Presse benutzt wurde, um ihn zu verleumden. Die Bezeichnung wurde dabei nicht entsprechend ihrer ursprünglichen Bedeutung verwendet, sondern mit neuen Inhalten verknüpft. Es ist deshalb wichtig, über Ideen zu diskutieren, nicht mit Begriffen um sich zu werfen, also z.B. in diesem Fall zu fragen: Was genau meinst Du mit dem Begriff „Fundamentalismus“?

Ab Minute 58 wird Schaeffer sehr deutlich und sagt – meines Erachtens ziemlich entmutigt –, dass die evangelikale Bewegung in Nordamerika in einen großen „Schlamassel“ geraten ist und Jesu Herrschaft verleugnet. Er deutet diese geistliche Krise als göttliches Richterhandeln an der amerikanischen Christenheit und mahnt eindrücklich zur Umkehr.

Francis Schaeffer und die Krise des Evangelikalismus (Teil 1)

fs.jpgAls ich vor einiger Zeit im Rahmen einer Apologetikvorlesung den Namen »Francis Schaeffer« erwähnte, löste das bei den Studenten und bei mir sichtbar Ratlosigkeit aus. Eine Vertrautheit mit Schaeffers Thesen durfte ich bei den jungen Leuten in den Zwanzigern nicht erwarten, da seine Bücher auf Deutsch nur noch antiquarisch oder in guten Bibliotheken zu haben sind. Was mich schockierte, war die Tatsache, dass keiner den Namen »Schaeffer« bisher bewusst wahrgenommen hatte. Stundenlang sprachen wir über typische »L’Abri-Fragen« und thematisierten die Spannung zwischen der Kultur der Christen und der Kultur der Welt. Doch die Studenten, die übrigens großes Interesse signalisierten und bei den Autoren der »Emerging Church« recht gut bewandert waren, hatten, von Schaeffer noch nie etwas gehört.

Wer sich heute am Diskurs über gegenwartsnahes und auf Gemeindeferne ausgerichtetes Christsein beteiligt, sollte das Werk von Francis und Edith Schaeffer und ihrer Mitarbeiter kennen. Schaeffer hat die Krise der Gegenwart auf sehr tiefgründige Weise durchschaut und bedeutsame Impulse für ihre Überwindung vermittelt. Die »L’Abri-Fellowships« haben bei der Entwicklung kulturrelevanter Glaubensstile Pionierarbeit geleistet und vorgelebt, dass Christen gesunde reformatorische Lehre mit einer aufrichtigen Liebe für verlorene Menschen verbinden können.

Schaeffer starb 1984 nach langer Krankheit. In seinen letzten Lebensjahren erinnerte er an den klagenden Jeremia. Er war erschöpft und besorgt. Die schleichende Entertainisierung der Evangelikalen Bewegung hielt seiner Meinung nach die Christen davon ab, auf ernste Fragen seriöse Antworten zu geben. Die an den evangelikalen Ausbildungsstätten fortschreitende Relativierung der Schriftautorität hielt er für eine Tragödie mit vorhersehbaren Folgen. Schaeffer sah betroffen, dass die Verkündigung zu oft nicht durch einen heiligen und barmherzigen Lebensstil gedeckt war. Und es quälte ihn, dass so viele Gläubige auf die großen ethischen Herausforderungen mit dem Rückzug in das bequeme Privatleben oder dem Aufbau »seliger Inseln« reagierten. Betend und sorgenvoll rief er der Gemeinde zu, auf die Heilige Schrift zu hören und den Gehorsam in der Lehre durch ein entsprechendes Leben zu dokumentieren.

Ich werde in den nächsten Tage einige Vortragsmitschnitte von Francis Schaeffer verlinken, die etwas von seiner Sorge vermitteln.

Für Interessierte, die sich gern in deutscher Sprache mit dem Leben und Werk von Francis Schaeffer beschäftigen möchten, könnte das Buch:

  • Ron Kubsch (Hg.), Wahrheit und Liebe: Was für von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können, Bonn: VKW, 2007

ein guter Einstieg sein.

Eine kleine Bibliografie zu Schaeffer kann hier herunter geladen werden: schaeffer_bibliografie.pdf.

Das ist der erste Link auf einen Mitschnitt der Vorlesung »Watershed of the Evangelical World«: www.youtube.com. Ein Outline gibt es hier: E384.pdf.

Lektionen von Francis A. Schaeffer

Douglas Groothius hat vor einigen Monaten sieben Lektionen über Francis Schaeffer zusammegestellt und mir freundlicherweise die Erlaubnis erteilt, diese auf Deutsch zu veröffentlichen.

Lektionen von Francis A. Schaeffer (1912–1984)

Nachdem ich kürzlich einige Werke von Francis A. Schaeffer erneut gelesen hatte, habe ich einige Punkte zusammengetragen, die bibeltreue Christen (und andere) von ihm lernen können. Schaeffer war Pastor, produktiver Autor, prophetischer Universalist, Apologet und vor allem ein Evangelist. Er selbst hat sich üblicherweise als Letzteres beschrieben. Schaeffer hat eine ganze Generation von Evangelisten – mich eingeschlossen – dazu inspiriert, der Herrschaft von Christus im gesamten Leben die Ehre zu geben und sich um des Reiches Gottes willen auf den Verstand und die Kultur zurückzubesinnen.

(1) Schaeffer besaß eine große Leidenschaft für Gott und die Wahrheit. Diese entwickelten sich durch seine verstandesmäßige Bekehrung im Teenageralter, nachdem er sowohl griechische Literatur als auch die Bibel gelesen hatte, aber auch durch seine intellektuelle Krise, die ihn nach über einem Jahrzehnt des geistlichen Dienstes ereilte. Weil er die Wirklichkeit der christlichen Liebe und das Werk des Heiligen Geistes nicht erfahren hatte, stellte er viele Monate lang alles in Zweifel. Geistlich und mental gestärkt kehrte er schließlich zu seinen Aufgaben zurück. Die Früchte dieser Krise zeigten sich in einer echten Spiritualität und einer geistlichen Erneuerung.

(2) Schaeffer war um die Verlorenheit des modernen Menschen sehr besorgt. Nichtchristen waren für diesen Mann Gottes keine »Objekte« sondern Menschen, die das Bild Gottes in sich trugen und die ohne Evangelium von Jesus Christus keine Hoffnung hatten. Schaeffer konzentrierte sich bei seiner Kulturkritik auf Aspekte, die diesen Mangel an Hoffnung und Sinn freilegten. In seinen apologetischen Diskussionen verschonte er seine Gesprächspartner zwar nicht, versuchte aber, sie mit Liebe und Vernunft zur Wahrheit zu führen – nicht ohne Tränen, wie er oft sagte. Schaeffer hat in seinem Buch Das Kennzeichen des Christen (Brockhaus, 1971) den Vorrang der Liebe für ein christliches Leben und dessen Auftrag beschrieben.

(3) Schaeffer war ein kompromissloser Universalist in der Sache Christi. Er studierte die Bereiche, die er im Bezug auf Dienst und Berufung der Kirche seiner Tage für sachdienlich hielt. Während manche seine Aussagen fälschlicherweise für das letzte Wort hielten, waren sie tatsächlich fast immer ein erster entscheidender Hinweis und Aufruf zum Weiterstudium sowie zum prophetischen Einsatz in der Welt unter Christus.

(4) Schaeffer rührte nicht die Werbetrommel in eigener Sache, sondern suchte im Leben und im Dienst vor allem Gott. Die L‘Abri-Arbeit für Apologetik, Evangelisation und Weiterbildung in den Schweizer Alpen entwickelten sich, als Francis und seine Frau Edith auf die Bedürfnisse der fragenden Studenten reagierten. Francis wurde später in seinem Dienst manchmal zu sehr verehrt. Das war wahrscheinlich das Verschulden seines Sohnes Franky, der die Filmserien »Wie können wir den Leben« und »Bitte laß mich leben« produzierte. Schaeffer hatte nie vorgehabt, Bücher zu schreiben. Er schrieb sie, weil seine Vorträge und Diskussionen gut angenommen und Bücher gewünscht wurden.

(5) Schaeffer liebte Kunst, konnte gute Ästhetik auch in nichtchristlicher (oder antichristlicher) Kunst erkennen und hatte christlichen Künstlern den Auftrag und die Vision für künstlerische Betätigung gegeben. Siehe dazu das Buch Kunst und die Bibel (Hänssler, 1981), das in Nordamerika vor kurzem mit einem Vorwort des Musikers und Autors Michael Card neu veröffentlicht wurde. Schaeffer sprach oft davon, »Schönheit« in das christliche Leben zu bringen.

(6) Schaeffer verfügte über gründliche Fachkenntnisse und hatte ein große Liebe zur Heiligen Schrift. Für diesen Mann war die Bibel eine lebendige Realität. In Gott ist keine Illusion (Brockhaus, 2. Taschenbuchaufl. 1991) schrieb er, wir sollten täglich in der Bibel lesen, um Nichtgläubigen von der Wahrheit erzählen zu können. Er selbst las täglich mindestens drei Kapitel aus dem Alten Testament und eins aus dem Neuen. Seine Schriften strahlen biblische Wahrheit und Weisheit aus. Lasst es uns ebenso machen (vgl. Apg 17,11).

(7) Schaeffer war »ein Mann der Reformation«, der nichtsdestotrotz mit seinem Kalvinismus weder schulmeisterlich noch stolz auftrat. Schaeffer erkannte, dass die Reformation nicht nur unumgänglich war, sondern auch, dass wir eine reformierte Kirche sein müssen, »die sich selbst immer wieder reformiert«. Auch wenn die Reformatoren nicht perfekt waren, haben sie es geschafft, die Bibel wieder in den Mittelpunkt zu rücken und dazu viele soziale und kulturelle Wunder im Westen auszulösen. Darauf hatte Schaeffer schon in Wie können wir denn leben? (Brockhaus, 1975) und in A Christian Manifesto (Crossway, 1982) hingewiesen. Während Schaeffer an das Westminster Bekenntnis glaubte und es auch lehrte, reichte seine Anziehungskraft weit über die reformierten und presbyterianischen Kreise hinaus.
In einer Zeit, in der manche emergente Autoren, wie z. B. Brian McLaren, dazu aufrufen, »Post-Protestanten« zu sein, sollte dies gesagt und gehört werden. Die fünf »solas« der Reformation sind keine Optionen für das Christentum, sondern sie sind sein Lebenselixier. Trotzdem sollten diejenigen, die sich wie ich an die fünf Punkte des Kalvinismus (TULIP) halten, das aus Überzeugung und mit Demut tun. Die Fünf-Punkte-Kalvinisten können und sollten mit Christen anderer Glaubensrichtungen zusammenarbeiten, so lange die wesentliche Botschaft des Evangelium erhalten bleibt. (Ich glaube, auf manche Formen der Arminianismus trifft dies zu.)

Lesen Sie deshalb die Werke von Francis A. Schaeffer wieder und wieder. Ich empfehle, The Complete Works (Crossway, 1982) zu kaufen und sie zur Ehre Gottes, zum Gewinn für die Kirche und zur Förderung des Reiches Gottes durcharbeiten. Wenn Sie meinen, für so etwas keine Zeit zu haben, dann nehmen Sie sich bitte Zeit dafür. Vermeiden Sie Ablenkungen und vertiefen Sie sich in diese Bücher.

Prof. Dr. Douglas Groothius

Die Übersetzung und Wiedergabe des Beitrages erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors. Abey Chacko und Tanja Omenzetter haben bei der Übersetzung geholfen. Vielen Dank!

Der Beitrag kann – mit einigen Erklärungen versehenen – auch in einer PDF-Version herunter geladen werden: lektionenfs3.pdf.

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