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Die Notwendigkeit des Gerichts

Francis Schaeffer (Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S .53–54):

Aber lassen Sie mich eine Warnung unterstreichen: Gottes Gericht ist nicht nur gerecht, es ist auch notwendig. Dies ist die einzige Botschaft, die in der Mentalität des 20. Jahrhunderts etwas ausrichten kann, weil sie die einzige Botschaft ist, die auf die beiden großen Probleme aller Menschen wirklich eine Antwort gibt — des modernen Menschen und des Menschen in allen Zeiten und an allen Orten. Zunächst einmal braucht der Mensch Absoluta, Universalien, etwas, aufgrund dessen er urteilen kann.

Wenn man keine Basis für seine Urteile hat, dann fällt die Realität auseinander, dann kann man Phantasie und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden, dann wird der einzelne Mensch wertlos, und Recht und Unrecht werden bedeutungslos.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Gottes Gericht über die Menschen als unsinnig abzutun. Zum einen kann man sagen, daß es kein Absolutes gibt. Dann muß man aber die Folgerung in Kauf nehmen: Wenn Gott nicht aufgrund eines hundertprozentigen Maßstabes richtet, dann ist er wahrhaftig jener alte Mann mit langem Bart. Und schlimmer noch — nicht nur der Mensch lebt im Relativismus, sondern Gott selbst ist vom Relativismus gebunden. Gott muß der Richter sein, dessen eigener Charakter das Gesetz des Universums bildet, sonst haben wir keine absoluten Werte. Wir brauchen uns nicht zu scheuen, davon zu sprechen, daß der einzelne vor Gott treten muß, um gerichtet zu werden — und zwar in der vollen historischen Bedeutung des Wortes »Gericht«. Es ist genau umgekehrt. Wenn das nicht zutrifft, dann haben wir nichts Absolutes mehr, und dann haben wir keine Antwort mehr für den Menschen des 20. Jahrhunderts.

Man kann auf eine zweite Art das Gericht Gottes über den einzelnen abstreiten, indem man dem Menschen seine Bedeutsamkeit nimmt und sagt, er sei eine Maschine oder er sei chemisch oder psychologisch determiniert, so daß er seine Handlungen in dieser Welt gar nicht selbst bestimmen könne.

In einem solchen Falle ist er natürlich nicht verantwortlich und kann gerechterweise nicht gerichtet werden. Aber wahre Bedeutsamkeit ist das zweite Bedürfnis des Menschen, und wenn der Mensch nicht wahrhaft bedeutsam ist, dann haben wir ihn im Namen des Christentums wieder in den großen Topf des Denkens des 20. Jahrhunderts zurückgestoßen, wo der Mensch eine Null wird.

Es geht mir um folgendes: Der einzelne ist nicht von der Schöpfung her von Gott getrennt. Er ist vielmehr von seiner Natur her auf eine persönliche Verbindung mit Gott angelegt; wegen seiner Rebellion gegen Gott ist er von Gott getrennt, und deshalb müssen wir die Lösung unterstreichen, die uns die Heilige Schrift nennt.

Nancy Pearcey: Total Truth

51Ei7DTzR5LHanniel Strebel hat freundlicherweise eine Besprechung des Buches:

zur Verfügung gestellt:

Eine Wahrheit für das ganze Leben

Wer ist Nancy Pearcey? Die 1952 geborene US-Amerikanerin zählt gemäss „The New Evangelical Outpost“ zu den wenigen weiblichen evangelikalen Intellektuellen. Ich las das Buch nicht deshalb, weil es 2005 den prestigeträchtigen „ECPA Gold Medallion Award“ gewann, sondern weil es auf mehreren Bücherlisten von mir geschätzter Blogger ganz oben aufzufinden war. Sympathisch wog für mich als Europäer und Heimschulvater die Tatsache, dass Pearcey in Heidelberg Violine studierte und ihre beiden Söhne zu Hause unterrichtete. Pearcey zählt den zu geistlichen Erben von Francis Schaeffer (1912-1984). Der Besuch in schweizerischen L’abri anfangs der 1970er-Jahre hatte die damals agnostische junge Frau nachhaltig aufgerüttelt. Dies schildert sie denn auch in „Total Truth“. Heute leitet Pearcey zusammen mit ihrem Mann das „Francis Schaeffer Center for Worldview and Culture“ der Houston Baptist University.

Um was geht es? Philipp E. Johnson, ein führender Kopf der Intelligent Design-Bewegung in den USA, schreibt im Vorwort: „Weltanschauung zu verstehen gleicht dem Versuch, die Linse des eigenen Auges zu sehen. Normalerweise sehen wir unsere eigene Weltsicht nicht, stattdessen sehen wir alles andere durch diesen Filter. Einfach gesagt ist die Weltanschauung das Fenster, durch das wir die Welt – oft unbewusst – wahrnehmen und (dann) entscheiden, was real und wichtig oder nicht real und unwichtig ist.“ Die Wahrnehmung für dieses „Fenster zur Welt“ zu schärfen, darum geht es Pearcey in diesem Buch. Ausgangspunkt bildet der „tiefe Hunger unter Christen, durch „einen übergeordneten Rahmen“ Einheit in ihr Leben zu bringen und die tiefe Trennung zwischen einem säkularen und einem privat-persönlichen Bereich zu überbrücken. Wir sind es uns gewohnt, zwischen einem „wissenschaftlichen“, „wertefreien“ Bereich der öffentlichen Institutionen und einer privaten Sphäre der persönlichen Überzeugungen und Entscheidungen zu unterscheiden. Genau an dieser Stelle liegt der Hund begraben.

Wie ist das Buch aufgebaut? Pearcey hat ihr Werk in vier Teile aufgeteilt: Im ersten Teil legt Pearcey die Grundlagen für einen biblisch-weltanschaulichen Grundrahmen. Dieser hängt an drei Fragen:

  • Schöpfung: Wie hat alles begonnen?
  • Fall: Was ist schief gegangen?
  • Erlösung: Wie kann es wiederhergestellt werden?

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Schöpfung, dem Startpunkt jeder Weltanschauung. Pearcey entfaltet darin ein engagiertes Plädoyer für den Intelligent Design-Ansatz. Wer sich bereits mit der evolutionistischen Weltanschauung abgefunden hat, reibt sich über diesen Seiten erstaunt die Augen.
Der dritte Teil geht der Frage nach, warum die Evangelikalen keine Tradition der Verteidigung ihrer Weltanschauung entwickelt haben.

Wo bleibt denn die Umsetzung? Das mögen sich einige gegen Schluss des Werkes fragen. Dafür hat sich Pearcey den vierten Teil vorbehalten. Der Rückgriff auf das wichtige Werk von Francis Schaeffer „Geistliches Leben – was ist das?“ hielt ich für angebracht.

Vier Anhänge mit Vertiefungen über die Säkularisierung der US-amerikanischen Politik, den modernen Islam und die New Age-Bewegung, den Materialismus und die Apologetik, wie sie in L’abri betrieben wurde, runden die Lektüre ab. Eine ausführliche, kommentierte Leseliste sowie ein Studienführen beschliessen das über 400 Seiten starke Werk.

Was faszinierte mich? Man mag das Beispiel für gar amerikanisch halten: Da unterhalten sich junge Frauen, die in einem Zentrum für Beratung von abtreibenden schwangeren Frauen arbeiten, in der Pause über die nächste Sonntagschullektion. So weit ist das Beispiel nicht hergeholt. Ich rede mit Studenten, die in der Freizeit eine Jungschararbeit leiten und im Studium mit dem Genderthema in der Literatur ringen. Ich kenne Juristen, die verbindlich in der Gemeinde mitarbeiten und sich täglich für die Interessen von zum Teil skrupellosen Klienten einsetzen. Ausserdem gibt es genügend Christen, die unserer Entscheidung, die Kinder selber zu unterrichten, mit Stirnrunzeln begegnen. Ganz zu schweigen von dem von mir beobachteten Tabu, über die Rolle der Frau im Rahmen der Gemeinde konkret zu werden. Zumindest in meiner Lebensrealität halten wir – trotz Bekenntnis – die zwei Lebensbereiche privat und öffentlich bzw. säkular und geistlich fein säuberlich getrennt. So ging mir denn die Ermahnung Pearceys zu Herzen. Sie sagte: „Der erste Schritt zum bewussten Um- und Aufbau einer christlichen Weltanschauung besteht darin, auf die Suche nach den eigenen Götzen zu gehen.“ Besonders geblieben sind mir einzelne biographische Elemente des Buches, so etwa die Beschreibung ihres engagierten Vaters, der den Familientisch für manche Lektionen und Diskussionen nutzte. Dass sie mit ihren Söhnen frühzeitig weltanschauliche Themen dort bearbeitete, wo sie auftauchten – zum Beispiel in den Kinderbüchern -, fand ich nachahmenswert. Ebenso berührte mich Pearceys Schilderung ihrer Zeit, als sie ehrlich nach der Wahrheit suchte. Ebenso nahe ging mir der Abschnitt im vierten Teil, in dem sie über ihr Ringen um ihre Rolle als Mutter berichtet.

Welche Stellen irritierten? Bisweilen fragte ich mich, ob ich den Ansprüchen „eine versöhnende Kraft in jedem Bereich der Kultur “ sein, verpflichtet bin. Ebenso bezweifle ich, exzellentere Lösungen als jeder Nichtchrist zustande bringen zu müssen. Wird hier nicht eine Erwartung aufgebaut, welche meine tief in mir wurzelnde Neigung zur Selbsterlösung stimuliert?

Ein weiteres Thema, das ich nicht genügend beleuchtet finde, ist der Stellenwert der Gemeinde. Pearcey betont zwar deren Wichtigkeit, wenn sie schreibt, dass die Gemeinde der Plausibilitätstest für das Evangelium sei. Bei mir blieb eher ihr Beispiel hängen, als sie bei einem Probebesuch in einer neuen Gemeinde den Pastor gegen die kopflastigen Bibelschulen uns Seminare wettern hörte.

Den einen oder anderen mag das dritte Kapitel, das die Geschichte der Evangelikalen in den USA beschreibt, dann doch gar amerikanisch anzumuten. Ich blieb dennoch sehr konzentriert, denn die Ausführungen werfen Licht auf den Anti-Intellektualismus, dem ich auch in unseren Gemeinden auf Schritt und Tritt begegne.

Ich legte das Buch mit einem tiefen Seufzer zur Seite. Für mich notierte ich: „Durch dieses Buch bin ich satt geworden.“ Ich empfehle es jedem Leser, welcher der englischen Sprache mächtig ist. Und ich wünsche mir mehr solches Material in der deutschen Sprache.

Hanniel Strebel

„Hat Gott auch die Künstler geschaffen?“

Vicky
Victoria Parsons (Bild: V. Parsons)

Victoria Parsons wird auf der E21-Regionalkonferenz in Bonn einen Workshop zum Thema „Hat Gott auch die Künstler geschaffen?“ anbieten. Ich habe im Vorfeld kurz mit ihr darüber gesprochen. Hier ein Auszug:

E21: Wie bist du selbst zum Thema Kunst gekommen?

Victoria: Bei mir gehörten Musik, Tanzen und Bücher immer zu meinem persönlichen Leben. Es sind wenige professionelle Künstler unter meinen Familienmitgliedern. Wir haben uns jedoch immer auf unterschiedlicher Art und Weise für die Kunst interessiert. Die Bühne z.B. – ob Gesang, Tanz, Laientheater oder den Ablauf hinter den Kulissen – hat irgendwie immer einen Platz in unserem Familienleben gehabt. Meine Oma steht mit 81 selbst ab und zu noch auf den Brettern! Wir haben alle auch immer viel gelesen und uns über verschiedene Geschichten, die Politik und Theologie ausgetauscht. Wir waren also, und sind immer noch, eine Familie, die sehr offen über Dinge in der Welt und der heutigen Kultur reden kann. Ob wir miteinander immer einverstanden sind, ist eine andere Frage (lacht).

Ich musste mich aber zuerst als junge Christin mit dem Thema Kunst und Christsein direkter auseinandersetzen, als ich mit 18 zur Universität ging. Mein Leben änderte sich radikal – dort prasselte eine große Welt von Meinungen und Religionen auf mich ein. Ich hatte keine andere Wahl außer zu versuchen, alles was mir entgegenkam, aus einer christlichen Perspektive zu verstehen und die Kunst gehörte dazu, weil die Literatur auch ein großer Teil meines Fremdsprachenstudiums war. Es ist mir z.B. durch das Studium viel klarer geworden, dass die Menschen (Christen auch) sehr von dem Zeitgeist, d.h. von ihrer Kultur, geprägt sind und dass Kunst eine Art Landwirt für den Ackerboden unseres Denkens und Handelns ist.

Gleichzeitig und besonders später als ich zusammen mit sehr künstlerisch begabten Menschen bei dem Studentenmissionswerk UCCF (so ähnlich wie die SMD in Deutschland) gearbeitet habe, wurde mir noch klarer, wie heikel dieses Thema für viele evangelikalen Christen ist. Meine Mitarbeiter bei UCCF haben mir oft davon erzählt, wie missverstanden sie sich in ihren Gemeinden gefühlt haben. Ob und wie ihre Begabungen mit ihrem Glauben zu versöhnen waren, wussten sie nicht. Aber UCCF hat uns ein tolles theologisches Programm angeboten, wodurch wir uns mit dem Thema mehr auseinandergesetzt haben. Wie du siehst, bin ich dann über die Jahre hinweg auf einer komplexen Art und Weise dem Thema etwas näher gekommen.

E21: Du kommst aus England, hast auch schon in Frankreich gelebt und hast zur Zeit deinen Wohnsitz in Deutschland. Denken Christen über die Kunst überall gleich oder gibt es da Unterschiede z.B. zwischen England und Deutschland?

Victoria: Ich denke, es sind tatsächlich Unterschiede aber ich bin derzeit der Meinung, dass diese vielleicht weniger mit der deutschen, französischen oder englischen Kultur, sondern vielmehr mit einer christlichen Sub-Kultur zu tun haben, oder mit Tendenzen, die wir als Christen oft aufweisen und ausleben. Es gibt sowohl in England als auch in Deutschland eine Tendenz innerhalb konservativeren evangelikalen Gemeinden, die Kunst als eine reine weltliche Sache zu betrachten, die uns mit Versuchung und Sünde bedroht. Wir (ich zähle mich auch dazu!) neigen folglich dazu, uns von der „Welt“ fernzuhalten, uns also monastisch von der heutigen Kultur abzutrennen. Oft wird der Vers „wir sind in aber nicht von der Welt“ zitiert, um diese Einstellung zu begründen. Wir spüren also einerseits die Macht der Zeitgeist unser Handeln und Denken zu beeinflussen, sind aber andererseits nicht komplett von der biblischen Wahrheit überzeugt, dass wir mit allem, was wir tun (Kunst eingeschlossen), Gott verherrlichen können und sollen.

E21: Christliche Künstler haben es nicht immer leicht. Sowohl die säkulare als auch die fromme Szene beäugen sie oft kritisch. Hast du einen Tipp, wie Gemeinden Künstler stärken können?

Victoria: Lies Francis Schaeffer und lade deine Künstler zum Mittagessen ein! OK – das sind zwei Tipps. Aber ernst: zeig Interesse an ihnen. „Kunst und die Bibel“ von Schaeffer ist freundlich, verständlich und bündig genug für jeden Einsteiger geschrieben.

Man muss aber auch kein Experte in Kunst sein, um Fragen zu stellen. Viele künstlerisch begabte Freunde von mir haben sich oft sehr isoliert und verwirrt gefühlt, weil sie einerseits ihr Glauben zusammen mit ihren Gaben nicht in Verbindung setzen konnten; sie hatten dazu keiner, der sich die Zeit mit ihnen dafür genommen hat. Andererseits haben sie sehr viel Missverständnis sowie Entmutigung von Gemeindemitgliedern erlebt. Es ist Teil der Missionsauftrag der Gemeinde, unsere Mitglieder mit der Wahrheit zu bewaffnen, damit sie in ihrem Umfeld mit Integrität für Jesus leben können – wie kann das aber passieren, wo es kein offenes Ohr oder eine Beziehung gibt? Ein cooles Gespräch zusammen mit einem leckeren Essen kann sehr viel lösen.

Hier gibt es mehr: www.evangelium21.net. Zur Anmeldung für die E21-Regionalkonferenz in Bonn vom 1. bis 2. Juli 2016 geht es hier: www.evangelium21.net.

2016_RegioBonn_Web_E21Unterseite

Das programmierte Ende

201209251028.jpgOft laufen die Evangelikalen anderen hinterher und sind dabei spät dran. Einige der Anliegen, die sie gegenwärtig auf ihre Agenda setzen, wurden beispielsweise schon vor 40 Jahren von Jürgen Moltmann formuliert (Moltmann wiederum erhielt zahlreiche Impulse von der Frankfurter Schule und dem Neomarxisten Ernst Bloch).

Es gibt Ausnahmen. Francis A. Schaeffer warnte bereits 1970 vor den unsäglichen Folgen der Umweltverschmutzung. Im stilistisch etwas chaotischen Buch Das programmierte Ende: Umweltschutz aus christlicher Sicht beleuchtete er die Missachtung und Ausbeutung der Natur durch den Menschen. Aus der Sicht Schaeffers bietet der christliche Glaube eine solide Begründung für die Wertschätzung der Schöpfung. Die Natur sollte nicht in platonischer Weise ausgeblendet, sondern respektvoll behandelt werden (S. 55).

Gerade die Christen sollten nicht als Zerstörer auftreten. Wir sollten die Natur mit außerordentlichem Respekt behandeln. Wir mögen einen Baum fällen, um ein Haus zu bauen oder ein Feuer anzufachen, das der Familie Wärme spendet. Aber wir dürfen nicht aus bloßer Willkür einen Baum fällen. Wir dürfen, wenn nötig, die Rinde der Korkeiche loslösen und sie verarbeiten. Aber wir dürfen nicht ohne zwingenden Grund einen Baum entrinden und ihn dann austrocknen und als Skelett im Winde stehen lassen. Damit verletzen wir das »Recht« des Baumes. Wir dürfen unser Haus von Ameisen säubern; aber wir dürfen nicht vergessen, daß wir die Ameise an dem Platz, den Gott ihr zugewiesen hat, als Gottes Werk zu ehren haben. Warum sollten wir mutwillig eine Ameise auf einem Waldpfad zertreten? Sie ist ein Geschöpf wie wir selbst; freilich nicht im Bilde Gottes geschaffen, aber doch dem Menschen gleich, was ihre Geschöpflichkeit betrifft. Ameise und Mensch sind gleichermaßen Geschöpfe Gottes.

Das Buch Das programmierte Ende kann bei GenialeBuecher für 4,95 € erworben werden (Rabattaktion beachten):

 

Im Gespräch mit David Suppiger

NCK 2Der New City Katechismus ist eine moderne Ressource, die Kindern und Erwachsenen mit 52 Fragen und Antworten hilft, die wichtigsten Lehren des christlichen Glaubens zu erlernen. Das Netzwerk Evangelium21 hat den New City Katechismus als Booklet und in zwischen auch als Buch herausgegeben. Familie, junge Leute und sogar einige Gemeinden greifen gern auf diese  Angebote zurück. Waldemar Henschel hat kürzlich beschrieben, wie seine Familie den Katechismus verwendet. Übrigens kann man das Buch auch sehr gut zu Weihnachten verschenken.

Seit kurzem gibt es den Katechismus auch als Webanwendung und als App für iOS und Android. Für den deutschsprachigen Kontext entwickelt wurde wurden die Anwendungen von David Suppiger. Ich habe kurz mit ihm darüber gesprochen:

Im Gespräch mit David Suppiger

Ron: David, kannst du etwas über deinen Beruf als Software-Entwickler erzählen?

David: Es gibt eine gewisse Analogie zwischen der Software Entwicklung und dem biblischen Schöpfungsbericht. Man sagt dem Computer in einer Programmiersprache was man haben will, definiert die Welt und gibt Anweisung wer wann was tun soll. Gott sprach und es war da… Schön wär’s, wenn die Analogie so weit gehen würde. Sobald das Programm etwas komplexer wird, merkt man, dass das gar nicht so einfach ist. Man weiß selber gar nicht so genau was man will; das was man denkt, dass man will ist oft nicht das was man will und dann stellt sich noch heraus, dass es widersprüchlich ist. Dabei kann ich nicht oft genug betonen wie wichtig die Semantik ist – die Bedeutung der Dinge – welche über die funktionale Ebene hinaus geht. Diese entgeht dem zu oft relativistisch/reduktionistisch geprägtem Denken bzw. scheint sie nicht bindend zu sein. Es funktioniert doch? Damit sind Fehler vorprogrammiert.

Ron: Wie kam es, dass du die Apps und die Website für den New City Katechismus entwickelt hast?

David: Ich frage mich immer wie der Glaube weitergegeben wird. In 5. Mose ermahnt uns Gott seine Worte unseren Kindern einzuprägen und davon zu reden bei allem was wir tun, zuhause und unterwegs, wenn wir aufstehen und bevor wir wieder zu Bett gehen. Wir müssen tief von Gottes Wort trinken. Es ist unser Leben. So hatte ich schon länger den Gedanke ein Katechismus als App zu veröffentlichen um ihn möglichst zugänglich zu machen. Als dann Evangelium21 Ende 2017 den New City Katechismus als Booklet herausbrachte, war das die Gelegenheit.

Ron: Hast du das alles allein gemacht?

David: Nein, du hast die Rechte eingeholt, und dich um die Übersetzung der ganzen Kommentare und Gebete gekümmert. Würde mich mal interessieren wer das genau gemacht hat. Ich habe dann die Gefäße dafür implementiert, wobei die Apps den grössten Teil der Arbeit ausgemacht haben. Die Website ist bis auf ein paar wenige Dinge wirklich kopiert, nicht nur nachgebaut. Und natürlich haben die Entwickler des Originals die ganze Vorarbeit für das Design geleistet.

Ron: Werden die Apps noch weiterentwickelt?

David: Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten die man verbessern könnte. Ansonsten steht nur etwas Wartungsarbeit an. Es sei denn, die Kinderlieder können noch übersetzt werden …

Ron: Wo bist du theologisch und gemeindlich verortet?

David: Ich verorte mich klar im reformierten Lager und bin seit ein paar Jahren Mitglied der ERKWB in Winterthur. Dort benutzen wir den Heidelberger Katechismus. Kann ich auch sehr empfehlen.

Ron: Kannst du uns noch etwas über die Bücher erzählen, die dein Leben stark beeinflusst haben?

David: Kein Buch hat mich je so überführt wie die Bibel. Aber eines der ersten Bücher die ich las, nachdem ich zu einem lebendingen Glauben kam war die Francis Schaeffer Trilogie. Der grösste Augenöffner war dabei nicht so sehr der eigentliche Inhalt, als die Weise in der er Argumentierte. Im Römerbrief heißt es, dass alle Menschen Gott erkennen, diese Wahrheit aber unterdrücken. Schaeffer hat mich auf genau solche offenkundigen Wahrheiten gewiesen. Das konnte ich damals noch nicht so benennen, aber es fühlte sich verboten an. Am stärksten beeinflusst haben mich abgesehen von der Bibel wohl John Piper und später Douglas Wilson ohne das jetzt an einem bestimmten Buch festmachen zu können. John Piper ist ein außerordentlich guter Exeget und Prediger. Er hat mich die Herrlichkeit Gottes und seines Evangeliums sehen und schmecken lassen. Durch ihn habe ich auch zur reformierten Theologie gefunden. Douglas Wilson finde ich hervorragend in der Auseinandersetzung mit der säkularen Kultur, der Anwendung von Gottes Wort und alles was Männlichkeit betrifft. Doug ist ein Mann mit Rückgrat oder wie er sagen würde ein Vertebrat. König David hätte ihn wohl zu seinen Helden gezählt. Und er hat ein immenses Vokabular …

Ron: Vielen Dank für das Gespräch!

Loslegen:

Ein Gott, der wirklich da ist

Francis Schaeffer schreibt in Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1971, S. 49–50):

Der Theologe, der sagt, man solle Gott lieben, der aber nicht genau weiß, welche Beziehung zwischen seinem Wort »Gott« und dem Gott, der wirklich da ist, besteht, redet Unsinn. Es ist lächerlich, von der Liebe zu einem Gott zu reden, der gar nicht da ist. Betrachten Sie z. B. den modernen Theologen, der behauptet, das Gebet habe keine reale Grundlage. Das sagt Robinson in seinem Buch Gott ist anders eindeutig, indem er behauptct, es gebe keine wirkliche vertikale Beziehung zu Gott. Ein solches vertikales Verhältnis zu Gott ist einfach deshalb unmöglich, weil Gott — für Robinson — nicht ein solcher Gott ist, der einer vertikalen Beziehung einen Sinn verleihen könnte. Aber Gott ist ein persönlicher Gott, und deshalb ist die Aufforderung, ihn zu lieben, kein Unsinn.

Oder betrachten Sie andererseits den Humanisten, der den Menschen für eine Maschine hält. Wenn ich eine Maschine bin, chemisch oder psychologisch determiniert, dann ist mein Versuch der Liebe zu Gott bedeutungslos. Weiter: wenn Gott jenes große philosophische »Andere«, das unpersönliche All, ein panthcistisches »Etwas« ist, dann ist die Aufforderung, Gott zu lieben, entweder eine Illusion oder ein grausamer Schwindel.

Das gesamte Christentum steht und fällt mit der Existenz und dem Wesen Gottes und der Existenz und der Natur des Menschen — der Existenz und Natur des »Ich«. Aus diesem Grunde ist die einzige hinreichende Basis für das christliche Leben des einzelnen und der Gemeinde eine persönliche Beziehung zu dem Gott, der da ist und der persönlich ist.

Darüber hinaus müssen wir aber durch unser Leben zeigen, daß wir wissen: Gott ist wirklich da. Wir sagen allzu oft, Gott existiere, und bleiben dann in einer scholastischen, theoretischen Orthodoxie stecken. Allzu oft bekommt die Welt den Eindruck, daß wir unser ganzes organisatorisches Programm aufstellen, als existiere Gott gar nicht und als ob wir alles selbst auf der Grundlage moderner Reklametheorien machen müßten.

Stellen wir uns einmal vor, wir wachten morgen früh auf, öffneten die Bibel und stellten fest, daß zwei Dinge herausgenommen worden seien, nicht wie die Liberalen sie herausstreichen, sondern wirklich herausgenommen. Stellen wir uns vor, Gott hätte sie entfernt. Der erste fehlende Punkt sei die wirkliche Kraft des Heiligen Geistes und der zweite Punkt die Realität des Gebets. Folglich würden wir weiter den Befehlen der Schrift gehorchen und auf der Basis dieser neuen Bibel zu leben beginnen, die nichts über die Kraft des Heiligen Geistes und nichts über die Kraft des Gebets aussagte. Ich möchte Ihnen eine Frage stellen: Würde sich dadurch morgen unser Leben wirklich von dem Leben unterscheiden, das wir gestern noch geführt haben? Glauben wir wirklich, daß Gott lebt? Wenn wir es tun, dann leben wir anders.

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Warum ich meine Meinung über Thomas von Aquin geändert habe

Scott Clark erzählt in einem Beitrag für das Journal Credo, dass er durch den Einfluss von Cornelius Van Til und Francis Schaeffer große Vorbehalte gegenüber Thomas von Aquin entwickelt hatte. Bei der Lektüre klassischer reformierter Theologen fiel ihm dann freilich auf, dass sie Thomas durchaus schätzten. Daher änderte auch Clark seine Meinung über den größten Theologen des Mittelalters.

Er schreibt:

Als ich in den Jahren 1980/81 durch Francis Schaffer und Cornelius Van Til damit begann, das reformierte Glaubensbekenntnis für mich zu entdecken, hatte ich eine ziemlich starke Voreingenommenheit gegenüber Thomas, den ich selbst nie gelesen hatte. Ich kannte ihn nur als den römisch-katholischen Theologen par excellence. Von Van Til kannte ich Thomas nur als „den großen Meister der Scholastik“, und ich schloss daraus, dass „Scholastik“ ein Code für Rationalismus war, d.h. dafür, dass man der Vernunft die Position eines Lehrers (magister) statt der eines Dieners (ancilla) zubilligte. Ich hatte den Eindruck, dass Thomas von Aristoteles vereinnahmt worden war. Tatsächlich wurde mir der Eindruck vermittelt, dass Thomas die Quelle für vieles war, was das Christentum krank macht. In einer Tour de Force springt Van Til von Aristoteles über Aquin zu Immanuel Kant (1724–1804). Die beiden wichtigsten Dinge, die ich aus meinen kurzen frühen Begegnungen mit Thomas mitnahm (mea culpa), waren, dass er versuchte, die Existenz Gottes auf „fünf Wegen“ zu beweisen (ST, 1a.2, Art. 3), und dass er einen „Natur-Gnaden-Dualismus“ lehrte.

Als ich begann, die orthodoxen reformierten Autoren selbst zu lesen, war ich jedoch überrascht, wie positiv sie Thomas gegenüber eingestellt waren. Das stellte mich vor die Wahl: entweder die neo-calvinistische Darstellung unseres Verhältnisses zu Thomas (und anderen) oder der klassische reformierte Ansatz. Nachdem ich mich eingehender mit Thomas beschäftigt hatte, entschied ich mich schließlich für Letzteres.

Falls sich jemand fragt, wie ich zu dieser Frage (und vielleicht auch der „Debatte“ zwischen Westminster Philadelphia und California) stehe: Ich kann Scott Clark gut verstehen und ermutige dazu, Thomas mal aus erster Hand zu lesen. Im Bereich der Gotteslehre wünsche ich mir, noch viel von Thomas zu lernen. Ich habe auch nichts gegen sauberes methodisches Vorgehen im Bereich von Theologie und Philosophie. Es ist schade, dass die Protestanten die Teleologie so vernachlässigt haben. Aquin war ein Genie. Zugleich bin und bleibe ich möglicherweise Thomas gegenüber kritischer als Clark, nicht nur im Blick auf einzelne Lehrpunkte wie Eucharistie oder Erwählung, sondern auch in Bezug auf sehr grundsätzliche Fragen wie Offenbarungslehre, Epistemologie und Soteriologie. So genau weiß ich das allerdings nicht, da ich Clark zu diesen Themen weder gelesen noch gehört habe. 

Hier der Artikel: credomag.com.

Planned Parenthood I

Was derzeit in den USA vor sich geht, ist verrückt und erschütternd. Es zeigt sich die Fratze einer nur auf Nutzen und Perfomanz ausgerichteten Ethik (und Gesellschaft). Ich habe keine Zeit, die Einzelheiten zu erläutern. Nur ganz kurz: Die staatlich subventionierte und von Präsident Obama leidenschaftlich unterstützte (und unter den Segen Gottes gestellte) Organisation Planned Parenthood bietet unter anderem „Abtreibungsdienstleistungen“ an.

Eine Mitarbeiterin von Planned Parenthood erzählte nun bei einem Mittagessen (und das wurde verdeckt aufgezeichnet), dass bei Abtreibungen bestimmte Organe von ungeborenen Kindern (z.B. die Leber oder das Herz) „beim Abbruch“ (also bei ihrer Tötung im Mutterleib) gezielt geschützt und konserviert werden, um sie später der medizinischen Forschung zugunsten von Menschen zur Verfügung stellen zu können. Teilweise werden die Organe der Kinder sogar verkauft. Föten werden also abgetrieben, da sie vermeintlich noch keine vollständigen Menschen sind, um dann ihre Einzelteile als menschliche Organe zu vertreiben.

Planned Parenthood hat auf die Vorwürfe reagiert und mitgeteilt, dass sie kein gewinnbringendes Geschäft mit den Organen machen. Die Praxis selbst wurde nicht bestritten.

Wer die englische Sprache ein wenig versteht, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, um die Rede von Senator James Lankford (Oklahoma) anzuhören:

Übrigens hatte Alexandra Linder bereits 2009 in dem Buch Geschäft Abtreibung drauf hingewiesen, dass es eine entsprechende „Verwertungslinie“ für Embryonen gibt.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Francis Schaeffer aus dem Jahr 1979:

Gesellschaftliche Konventionen erscheinen und verschwinden mit nie dagewesener Schnelligkeit. In den achtziger und neunziger Jahren wird mit Sicherheit manches denkbar werden, was die meisten Menschen heute als undenkbar, unmoralisch, unvorstellbar und zu extrem bezeichnen. Wird dies aber in ein paar Jahren denkbar und akzeptiert, so werden sich die meisten Menschen – da sie kein höheres Prinzip kennen, das sie über ihr eigenes relativistisches Denken hinausführt – kaum mehr daran erinnern, daß dieselben Ansichten vor gar nicht langer Zeit tatsächlich undenkbar waren. Ohne große Erschütterung werden sie jede neue Meinung annehmen.

VD: SB

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Arnold E. Loen

Herman Dooyeweerd und Arnold E. Loen sind zwei niederländische Philosophen, die im letzten Jahrhundert versucht haben, eine genuin christliche Philosophie zu entwickeln. Beide Denker sind in Deutschland wenig bekannt. Während Dooyeweerd immerhin in den Namensregistern einiger Werke zu finden ist (siehe z.B.: The Covenant of Redemption: Origins, Development, and Receptionvon John Fesko), in der englischsprachigen Ausgabe von Wikipedia mit einen eigenen Eintrag geführt wird und durch Francis Schaeffer popularisiert worden ist, ist Loen fast völlig von der Bildfläche verschwunden (das Buch Säkularisation: Von der wahren Voraussetzung und angeblichen Gottlosigkeit der Wissenschaft ist allerdings noch antiquarisch zu haben).

Die SMD hat jedoch, wie ich kürzlich entdeckte, 1982 einen Aufsatz zu Arnold E. Loen veröffentlicht (Porta, Heft 30, Frühjahr 1982, S. 33–39). Der Autor Brede Kristensen, ein Soziologe aus den Niederlanden, schreibt dort über Loens Erkenntnistheorie (S. 36–37).

Die Revolution Kants versinkt im Nichts im Vergleich zu der Revolution des philosophischen Denkens, die Loen fordert. Gott ist der feste Grund, auf dem wir leben dürfen, worüber wir aber nicht verfügen können. Und Gott offenbart sich in seinem Wort: Er spricht die Wahrheit. Der Mensch darf die Wahrheit mit Worten und Begriffen, die ihre Bedeutung dem göttlichen Wort entnehmen, nachsprechen. Die menschliche Erkenntnis setzt Wahrheit voraus, und es ist zumindest ihr Bestreben, die Wahrheit zu entdecken und auszusprechen. Diese Voraussetzung impliziert eine zweite Voraussetzung, nämlich die Aussprechbarkeit der Wahrheit. Ist die Wahrheit potentiell erkennbar? Diese Frage kann der Mensch von sich aus nicht beantworten. Descartes, Hume, Kant haben damit gerungen. Kant löst das Problem, indem er das Wissen auf menschliche Kategorien gründet. Das »Ding an sich« ist nicht erkennbar. Die letzten Fragen bleiben unbeantwortet. Auch Gott ist für ihn unerkennbar. Kant: »Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.« Mit anderen Worten, die in der Vernunft festgelegten Möglichkeiten des Wissens bestimmen, welcher Platz dem Glauben übrigbleibt. Dieser Platz ist bekanntlich immer kleiner geworden, und, wie ebenfalls bekannt ist, hat Kant keinen festen Grund für das Wissen finden können. Loen kehrt daher diese Beziehung um: Der Glaube weist der Vernunft ihren Platz. Dieser Glaube kann christlich oder nicht-christlich, prononziert oder bloß ein vages religiöses Existenzwissen sein, aber ohne Glauben wird es keine Philosophie, ohne Glauben auch keine Erkenntnis geben.

Umgekehrt enthält auch der Glaube an Gott ein Erkennen. Ohne irgendeine Form von Wissen um Gott und sein Handeln wäre der Glaube absurd. Der Glaube kommt aus dem Hören; er ist Antwort auf das Wort Gottes, das zu dem Menschen gesprochen wird. Wissen und Glauben gehen Hand in Hand. Beide sind Gaben Gottes. Der Glaube ist das Fundamentalere der beiden.

Der vergessene Wegbereiter der „Neuen Calvinisten“

Wenn du Kenner der Evangelikalen danach fragst, wer in den 70er und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts den reformierten Flügel dieser großen Bewegung geprägt hat, wirst du Namen wie J.I. Packer, Martyn Lloyd-Jones, John Stott, Francis Schaeffer, R.C. Sproul oder James Montgomery Boice hören. Ihre Predigten, Vorträge und Bücher konnten eine beachtliche Wirkung entfalten und werden heute noch gern gelesen. Von David F. Wells haben – besonders in Europa – nur sehr wenige etwas gehört. Es wird also Zeit, dass Sarah Eekhoff Zylstras Artikel über diesen beeindrucken Mann in der deutschen Sprache erscheint. Vielen Dank an die Mitarbeiter von Evangelium21 für die Übertragungsarbeit!

Wells Buch No Place for Truth kann ich herzlich empfehlen. Wells beschreibt dort ein sich wandelndes Wahrheitsverständnis der Frommen in den Vereinigten Staaten. Dazu schreibt Sarah Eekhoff Zylstra:

Amerikaner begannen damit, Medikamente, Selbsthilfebücher und Therapeuten zu suchen, um mit dieser Scham fertig zu werden. Und Christen, die dieselben öffentlichen Schulen besuchten und dieselben Fernsehprogramme sahen, waren dieser Veränderung gegenüber nicht immun.

Anstatt das Leben an der Bibel auszurichten, begannen Christen, sich an ihren Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen zu orientieren, wofür sie dann entsprechende Bibelstellen heraussuchten. Pastoren fokussierten sich nicht mehr darauf, biblische Lehre zu studieren und zu erklären, sondern begannen, den Menschen zu helfen, sich in ihrem Leben zurechtzufinden. Die Gemeinden gaben schwierigere Lehren zugunsten von besucherfreundlichem Marketing auf. Die Emerging Church interpretierte Anbetung, Evangelisation und was es bedeutet, Pastor zu sein, um.

Zunehmend verlagerte sich auch der Unterricht in den theologischen Seminaren von systematischer Theologie oder hebräischer Exegese zu Kursen wie „Geistliches Wachstum“ oder zu Themen wie Theologie und die Künste. Christliche Buchläden, die einst vor Theologiebüchern strotzten, tauschten diese langsam gegen weniger ernsthafte Bücher aus, bevor sie selbst diese gegen Poster und Potpourri eintauschten, bemerkte der Präsident des Southern Baptist Theological Seminary, Al Mohler.

„Wenn man seinen geistlichen Dienst beginnt, sind diese Einsichten, wie das Evangelium auf die Gemeinschaft und die Kultur einwirkt, sehr wichtig“, sagt Pastor Chris Castaldo, der kurz nach dem Erscheinen von No Place am Moody Bible Institute und anschließend bei Wells am Gordon-Conwell studierte. „Wells war eine der Stimmen, die das auf eine Art und Weise angesprochen haben, die durchdacht und klar war. Er hatte keine Angst, Dinge zu benennen und zu sagen: ‚Das ist so nicht richtig‘“.

Wells geht in No Place nicht so sehr auf die Lösung ein, was bei einigen Lesern Kritik hervorgerufen hat. Der Grund hierfür war aber schlicht, dass er noch nicht fertig war (No Place wurde zu einer Reihe ausgebaut) und weil er dachte, die Antwort sei selbstverständlich: Kehre zurück zum Evangelium. Lebe ein gottzentriertes, durch die Gnade und das Opfer Christi bestimmtes Leben.

Mehr: www.evangelium21.net.

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100 Jahre John Cage

John Cage wäre heute 100 Jahre alt geworden. Er brachte die Philosophie des Zufalls in die Musik und prägte damit die U-Musik und das Kunstverständnis des 20. Jahrhunderts. In den Feuilletons wimmelt es heute nur so von Würdigungen. Die FR stellt in ihrer Printausgabe sogar Cage als Pilzexperten vor.

Im Andenken an die Zufallsmystiker hier zwei Zitate von Francis Schaeffer:

Wie können wir den leben, 2000, S. 194:

Cage glaubte, dass das Universum ein zufälliges Universum sei, und um dies klar zum Ausdruck zu bringen, produzierte er seine Musik durch Zufall. Er versuchte, dies mit totaler Konsequenz zu betreiben. Manchmal komponierte er mit Hilfe des „Münzenwerfens“. Ein anderes Mal stellte er eine Maschine auf, die ein Orchester durch zufällige Bewegung dirigierte, damit die Musiker nicht wußten, was als nächstes kommen sollte. Oder er stellte zwei Dirigenten, jeder für den anderen unsichtbar, vor dasselbe Orchester, um eine völlige Verwirrung zu erreichen. Auch hier besteht wieder eine enge Verbindung zur Malerei. Cage nannte eine Komposition aus dem Jahre 1947 Musik für Marcel Duchamp. Aber Cage erreicht durch seine Zufallsmusik nichts als Lärm. Einige seiner „Musikstücke“ bestehen aus bloßem Schweigen (unterbrochen lediglich von gelegentlichen Geräuschfetzen, die aus der Umwelt aufgenommen sind), aber sobald er anfing, seine Zufallsmethode anzuwenden, entstand nichts als Lärm. Aber auch bei Cage zeigte sich, daß man auf dieser Basis nicht leben kann, weil die Zufallsvorstellung in bezug auf das Universum mit dem tatsächlichen Universum nicht übereinstimmt. Cage ist ein Experte auf dem Gebiet der Mykologie, der Pilzkunde. Er selbst war es, der sagte: „Mir wurde klar, daß ich sehr bald ein toter Mann wäre, wenn ich nach meiner Zufallsmethode Pilze sammeln würde.“ Bei der Pilzsuche muß sehr sorgfältige Unterscheidung angewandt werden. Cages Theorie vom Universum stimmt eben mit der Realität des Universums nicht überein.

Kirche am Ende des 20. Jahrhunderts, 1973, S. 24:

Leonard Bernstein bot ihm einmal für einen Abend die Leitung des New Yorker Philharmonischen Orchesters an. Cage dirigierte ein Stück seiner eigenen Zufallsmusik, und als es zu Ende war und er sich vor dem Publikum verbeugen wollte, glaubte er Dampf aus der Dampfheizung entweichen zu hören. Dann merkte er, daß die Orchestermitglieder zischten. Aus John Cages Kommentaren geht hervor, daß es ein traumatisches Erlebnis gewesen sein muß. Aber ich habe oft darüber nachgedacht, was ich an diesem Abend den Musikern gerne gesagt hätte. Ich bin überzeugt, hätte man sich eine Stunde mit ihnen unterhalten, dann hätte man festgestellt, daß die meisten von ihnen in Wirklichkeit dieselbe Philosophie vertreten, die auch John Cage vertritt — daß das Universum mit dem Unpersönlichen plus Zeit plus Zufall begonnen hat. Aber warum haben sie dann gezischt? Sie zischten, weil ihnen das Resultat ihrer eigenen Lehre nicht gefiel, als es ihnen in dem Medium vorgeführt wurde, für das sie ein feines Empfinden hatten. Sie zischten sich in Wirklichkeit selbst aus.

Eine große Zahl von Eltern und Professoren zischt sich selbst aus. Was die Studenten tun, passt ihnen nicht. Sie sind nicht damit einverstanden, was diese ganze Generation tut. Aber genau wie die Musiker haben sie sich eines nicht klargemacht: dass sie im Grunde dasselbe glauben und unaufrichtig — oder zumindest inkonsequent — sind, indem sie nicht das tun, was ihre Kinder tun. Ihre Söhne und Töchter haben einfach das angenommen, was die Eltern sie gelehrt haben, und haben es zum logischen Schluss geführt.

Cornelius Van Til: Der reformierte Pastor

cornelius_van_tilDer reformierte Theologe Cornelius Van Til (1895–1987) gilt als Begründer der sogenannten voraussetzungsbewussten Apologetik (im englischen Sprachraum spricht man von „Presuppositionalism“, ein Begriff, der gelegentlich auch mit „Präsuppositionalismus“ oder „präsuppositionaler Apologetik“ übersetzt wird). Er studierte am Calvin College, dem Princeton Theological Seminary und promovierte 1927 an der Universität Princeton. Da sich das Princeton Theological Seminary nach dem segensreichen Wirken von Charles Hodge (1797–1878) und Benjamin Warfield (1851–1921) Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts für den theologischen Liberalismus öffnete, gründete der Presbyterianer John Gresham Machen (1881–1931) im Jahr 1929 das konservative Westminster Theological Seminary. Dort wurde Cornelius Van Til 1930 als Professor für Apologetik berufen und erst nach über 40-jähriger erfolgreicher Lehrtätigkeit im Jahre 1972 emeritiert.

Van Til verbrachte sein erstes Lebensjahrzent in den Niederlanden. In diese Zeit fällt das erfolgreiche Wirken des Theologen und Politikers Abraham Kuyper (1837–1920). (A. Kuyper gilt als Begründer des Neo-Calvinismus, gründetet 1880 die Freie Universität in Amsterdam und lehrte dort als Professor Theologie. Von 1901 bis 1905 war er niederländischer Ministerpräsident, siehe dazu auch hier). Nachdem seine Familie nach Nordamerika ausgewandert war, knüpfte Van Til an die akademischen Leistungen der Niederländer A. Kuyper, D. H. Th. Vollenhoven (1892–1978) und H. Dooyeweerd (1894–1977) sowie H. Bavinck (1854–1921) an und entwickelte seine eigene apologetische Vorgehensweise.

Van Til beeinflusste besonders die nordamerikanische Apologetik. Unter den vielen Theologen, die den Ansatz der voraussetzungsbewussten Apologetik übernahmen, sind Greg L. Bahnsen (1948–1995) und John M. Frame (*1939) herauszuheben. Beide haben im Sinne ihres Lehrers apologetisch gearbeitet und eigene Interpretationen seiner Methodologie vorgelegt. Da Frame signifikante Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Van Til offenlegte, ist er bei einigen engen „Van Tilianern“ umstritten. Dagegen gilt Bahnsen in diesen Kreisen als treuer Gefolgsmann seines Westminster Lehrers. Auch der Theologe Jay Adams studierte bei Van Til und hat die voraussetzungsbewusste Apologetik in den Bereich der Seelsorgelehre übertragen. Mehrere von Van Tils Studenten sind heute zudem renommierte Apologeten, obwohl sie die Vorgehensweise ihres Lehrers modifizierten oder sogar ablehnten. So avancierte beispielsweise Edward John Carnell (1919–1967) zum Professor für Apologetik am Fuller Seminary in Pasadena (USA). Francis Schaeffer reifte in den evangelikalen Kreisen zum einflussreichsten apologetischen Denker des vergangenen Jahrhunderts. (Van Til war über die Verfremdung und Entschärfung seiner voraussetzungsbewussten Apologetik alles andere als erfreut und verfasste entsprechende Kritiken, die auf der CD-ROM Werkausgabe enthalten sind. Vor Francis Schaeffer hatte Van Til großen Respekt und die Schrift „The Apologetic Methodology Of Francis A. Schaeffer“ wurde zu Lebzeiten des Verfassers nicht publiziert, sondern nur unter den Studenten verteilt. Für weitere Informationen siehe: C. Van Til, The Works of Cornelius Van Til, 1997.)

Schauen wir uns an, was den Ansatz von Van Til gegenüber der klassischen Apologetik auszeichnet:

Van Til war vom traditionellen Ansatz der Apologetik enttäuscht, gelegentlich wird ihm sogar vorgeworfen, die evidentialistische Methode scharf bekämpft zu haben. Dies trifft nur eingeschränkt zu, da für ihn die evidentialistische Apologetik nicht durchweg verwerflich war, sondern lediglich kurz griff. In seinem Buch Common Grace and the Gospel schreibt er:

„Soweit zwischen den beiden Positionen entschieden werden musste, wählte ich die Position von Kuyper anstelle der von Hodge und Warfield. Aber zwei Überlegungen nötigten mich, letztlich die Kombination einiger Elemente aus beiden Positionen zu suchen.“ (C. V. Til, Common Grace and the Gospel, 1995, S. 184.)

Von der so genannten Old Princeton-Schule, für die Charles Hodge und Benjamin Warfield stehen, übernahm Van Til die Auffassung, der christliche Glaube sei vernünftig zu rechtfertigen. Noch fester als sie war er davon überzeugt, dass allein christlicher Glaube intellektuell verantwortbar sei. Van Til nahm auch die von der Old Princeton-Schule behauptete Antithese zwischen christlichem und nicht-christlichem Denken auf, allerdings meinte er, dass diese Antithese von der Old Princeton-Schule im theologischen Denken zwar gut begründet und berücksichtigt, aber nicht konsequent auf die apologetische Arbeitsweise übertragen wurde.

Wie Hodge oder Warfield glaubte Van Til, dass wir Christen uns auf unsere Sinnesorgane, auf die Logik und auf Erfahrungssätze verlassen können, da wir wissen, dass Gott diese Welt schuf und die Sinnesorgane dafür da sind, Orientierung in dieser Welt zu ermöglichen. Aber er kombinierte diesen sogenannten Common Sense-Realismus mit der schärferen „Kuyperianischen Form“ der Antithese (die so genannte Amsterdamer-Schule).

Der Common Sense-Realismus behauptet, dass Nicht-Christen in einer von Gott geschaffenen Welt leben und deshalb auf der Grundlage christlicher Denkvoraussetzungen operieren, ob sie diese nun anerkennen oder nicht. Für die Old Princeton-Schule heißt das, dass Christen viele Denkvoraussetzungen mit den Nicht-Christen teilen. Christen wie Nicht-Christen sind Geschöpfe Gottes und in eine gemeinsame Welt hineingestellt. Auf diesem gemeinsamen Fundament stehend, können nun Argumente für oder gegen die Existenz Gottes vorgetragen werden. Warfield, Hodge oder auch Montgomery sind der Auffassung, dass die Summe der Argumente deutlich dafür spricht, dass Gott da ist.

Van Til war dagegen wie Kuyper überzeugt, dass Nicht-Christen die christlichen Denkvoraussetzungen besonders in den Glaubensfragen unterdrücken und damit die klassischen Argumente für das Dasein Gottes ins Leere laufen. Er behauptete wiederholt, dass es diese gemeinsamen Denkvoraussetzungen oder diesen „neutralen Boden“ nicht gäbe. Der natürliche Mensch revoltiere als Sünder gegen die Wahrheit Gottes und interpretiere deshalb die Wirklichkeit anders als ein Christ. Van Til schreibt:

„Der reformierte Apologet stimmt nicht überein mit der Interpretation des natürlichen Menschen, er selbst [also der natürliche Mensch] sei der letztgültige Bezugspunkt. Er muss daher seinen Anknüpfungspunkt mit dem natürlichen Menschen in dem suchen, was unterhalb der Schwelle seines Bewusstseins liegt, nämlich in dem Sinn für das Göttliche, den er zu unterdrücken sucht. Und um das zu tun, muss der reformierte Apologet auch einen Anknüpfungspunkt suchen mit den Systemen, die vom natürlichen Menschen errichtet wurden. Aber dieser Anknüpfungspunkt muss zu einer Art Frontalzusammenstoß führen. Wenn es keinen Frontalzusammenstoß mit den Systemen des natürlichen Menschen gibt, dann wird es keinen Anknüpfungspunkt an den Sinn für das Göttliche im natürlichen Menschen geben. Das heißt also: Wenn der reformierte Apologet mit dem natürlichen Menschen nicht über das Objekt des Wissens übereinstimmt, darf er mit ihm auch nicht über die Methode übereinstimmen, die angewandt wird, um Wissen zu erlangen. Gemäß der Lehre des reformierten Glaubens sind alle Tatsachen der Natur und der Geschichte das, was sie sind, und tun das, was sie tun, in Übereinstimmung mit dem einen umfassenden Ratschluss Gottes. Alles, was vom Menschen gewusst werden mag, weiß Gott schon. Es wird von Gott bereits gewusst, weil es von ihm kontrolliert wird.“ (C. V. Til, Common Grace and the Gospel, 1995, S. 98–99)

Unsere Denkvoraussetzungen fungieren wie ein Rahmen für unsere Beobachtungen und Überlegungen. Nur wenn die Selbstoffenbarung Gottes unser letzter Bezugsrahmen ist, kann die richtige Interpretation unserer Welt und der geistlichen Wirklichkeiten gelingen.

51rq3fWIYsL SX306 BO1 204 203 200In der deutschen Sprache ist bisher so gut wie nichts von Cornelius Van Til erschienen. Christian Beese hat allerdings nun das Buch Der reformierte Pastor und die Verteidigung des christlichen Glaubens (ein Kapitel aus dem Buch The Reformed Pastor and Modern Thought) herausgegeben. Der Text, der sich mit der katholischen Dogmatik, dem Ökumenismus und dem Protestantismus (einschließlich Kant) befasst, wird durch die berühmte Schrift „Mein Credo“ ergänzt. „Mein Credo“ erschien zuerst im Band Jerusalem and Athens. Der Herausgeber der deutschen Ausgabe schreibt dazu:

„Mein Credo“ ist eine einführende, grundlegende Zusammenstellung seiner Gedanken, erschienen in Jerusalem and Athens, Critical Discussions on the Philosophy and Apologetics of Cornelius Van Til. Dieser 500 Seiten starke Band, herausgegeben von E. R. Geehan, ist Dr. Van Til aus Anlass seines 75. Geburtstages und seines 40-jährigen Dienstjubiläums als Professor für Apologetik am Westminster Theological Seminary gewidmet. Zusätzlich zu zwei größeren Essays von Herman Dooyeweerd und Hendrik G. Stoker sind in Jerusalem and Athens Beiträge folgender Autoren enthalten: Berkouwer, Trimp, Packer, Rogers, Zuidema, Jewett, Hughes, Gaffin, Ridderbos, Mekkes, Weaver, Rushdoony, Singer, Lewis, Home, Lane, Knudsen, Montgomery, Pinnock, Reid, Howe und Holmes. Ein Merkmal dieser Festschrift ist, dass Dr. Van Til in den meisten Fällen auf die Beiträge antwortet.

Meine Hoffnung ist, dass diese beiden vergleichsweise kurzen Auszüge sich als eine gute Einführung in das Denken von Cornelius Van Til erweisen werden.

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Der Christ und der Antisemitismus

Francis Schaeffer, geboren 1912, hat als Pastor und Lehrer immer wieder gegen Rassismus, Identitarismus und Nationalismus Stellung bezogen. Auch vor Antisemitismus hat er gewarnt. Im Jahr 1943 hat er eine Stellungnahme verfasst, die angesichts einiger Entwicklungen in unseren Tagen recht aktuell klingt. Ich habe sie im Archiv zur Geschichte der Presbyterianer in Amerika gefunden. Erschienen ist sie ursprünglich im The Independent Board Bulletin, Oktober 1943, S. 16–19.

Hier eine Übersetzung:

Der fundamentalistische Christ und der Antisemitismus
Pfarrer Francis A. Schaeffer

„Ich will dich zu einem großen Volk machen.“ Genesis 12,2.

Wir stimmen dem Standpunkt dieses Artikels voll und ganz zu. Wenn seine Haltung die Haltung aller Christen wäre, würde die Angst, in der sogar amerikanische Juden leben,verschwinden und viele würden sich sofort Christus zuwenden. – Die Herausgeber

Wir leben in einer Zeit, in der Antisemitismus eine mächtige Kraft ist. In vielen Ländern hat er zum Tod unzähliger Juden geführt. Selbst in unserem eigenen Land zeigt er sich von Zeit zu Zeit in verschiedenen Formen. Selbst unter denen, die sich als fundamentalistische Christen bezeichnen, finden wir gelegentlich Personen, die einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen, die Juden anzugreifen.

Wenn ich über Antisemitismus nachdenke, kommt mir als Erstes die Tatsache in den Sinn, dass Christus Jude war. Wenn wir das Neue Testament bei Matthäus 1,1 aufschlagen, finden wir als allererste Aussage über Christus, dass er von Abraham abstammt und ein Nachkomme Davids ist. Die Bibel sagt nicht, dass Jesus zufällig Jude war, sondern das Wort betont immer wieder, dass er Jude war.

Als er acht Tage alt war, wurde er wie jeder jüdische Mann zum Tempel gebracht und beschnitten. Deshalb müssen wir uns daran erinnern, dass Jesus das körperliche Zeichen des jüdischen Volkes trug. Als er zwölf Jahre alt war, wurde er im Tempel geweiht, was erneut betont, dass seine jüdische Abstammung und sein jüdischer Glaube für ihn keine Nebensache waren, sondern dass sie von seiner frühen Erziehung an seinen wesentlichen menschlichen Hintergrund bildeten. Die Bibel lehrt uns, dass er während seines öffentlichen Wirkens als erwachsener Mann zwar rein menschliche jüdische Traditionen ablehnte, sein Leben jedoch sorgfältig den Maßstäben des Alten Testaments entsprach. Tatsächlich lebte er so, dass sich sogar die Prophezeiungen des Alten Testaments über den Messias vollständig in ihm erfüllten. Er war der Jude aller Juden.

In seinem öffentlichen Wirken finden wir ihn fast ausschließlich im Umgang mit Juden. Kaum jemals berührte er das Leben eines Nichtjuden. Die zwölf Jünger waren alle Juden. Die früheste Kirche bestand ausschließlich aus Juden. Es war Petrus, der Jude, der zu dem Proselyten Cornelius sprach. Es waren die gläubigen Juden, die durch die Verfolgung nach dem Tod des Stephanus in alle Welt zerstreut worden waren, die die Frohe Botschaft nach Antiochia in Syrien brachten, wo die erste nichtjüdische christliche Kirchengemeinde gegründet wurde. Der Missionar, der das heidnische Römische Reich für die Verkündigung des Evangeliums öffnete, war der Jude Paulus.

Und wenn wir uns fragen, warum die Juden einen so wichtigen Platz in der frühen christlichen Kirche einnahmen, müssen wir uns bewusst machen, dass dies kein nachträglicher Einfall in Gottes Plan war, sondern dass Gott zweitausend Jahre lang in der Geschichte gewirkt hatte, um genau diese Tatsache herbeizuführen. Gott berief Abraham aus Ur in Chaldäa als ersten Juden, als die Erde sich vollständig vom lebendigen Gott abgewandt hatte. Er versprach ihm, dass das Land ihm gehören sollte, dass er zahlreiche Nachkommen haben sollte, aber vor allem, dass die ganze Welt durch ihn gesegnet werden sollte. Gott berief Abraham zu diesem bestimmten Zweck, dass durch ihn der Messias kommen sollte. Die Juden waren zweitausend Jahre lang in der Vorsehung Gottes die Wiege des kommenden Erlösers.

Wenn wir die Geschichte dieser zweitausend Jahre betrachten, stellen wir fest, dass Gott den Juden immer wieder die Verheißung des kommenden Messias bekräftigte, sodass die Verheißung nicht nur Abraham, sondern auch Isaak und Jakob gegeben wurde, und dann auf den Stamm Juda und schließlich auf die königliche Familie – die Familie Davids – eingegrenzt wurde. Im Laufe der Jahre wurde auch versprochen, dass er in Bethlehem geboren werden sollte, dass er ein leidender Messias sein sollte, aber auch, dass er in Palästina im Namen seines Volkes, der Juden, regieren sollte.

In diesen zweitausend Jahren, in denen der Weg für das Kommen des Messias bereitet wurde, lag die ganze Erde in Finsternis, bis auf das Licht, das in Israel leuchtete. Während unsere Vorfahren etwas verehrten, von dem wir nicht wissen, was es war, aber sicherlich nicht den lebendigen Gott, wurden die Juden als Gottes auserwähltes Volk bezeichnet. Sie waren von allen anderen Völkern der Erde getrennt. Sie wurden von Gott geliebt, ein Königreich von Priestern. Und selbst in Zeiten ihrer Sünde hielt Gott seine Hand über sie, damit ein Überrest sein sein sollte, aus dem der Gesalbte kommen würde. Nein, Jesus war nicht zufällig Jude, noch war dies eine Nebensächlichkeit im Plan Gottes; wäre Jesus nicht als Jude geboren worden, hätte er gemäß dem Alten und dem Neuen Testament nicht unser Erlöser sein können.

Was die Gegenwart betrifft, in der wir leben, lehrt uns Römer 11,17–24, dass wir als gläubige Heiden uns nicht gegenüber den Juden, den natürlichen Zweigen, rühmen sollen, denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, sollen wir aufpassen, dass er uns nicht verschont. Wie deutlich wird betont, dass, wenn wir, die wir von Natur aus wilde Zweige waren, entgegen der Natur in den guten Olivenbaum eingepfropft wurden, umso mehr die natürlichen Zweige in ihren eigenen Olivenbaum eingepfropft werden. Und was betont Epheser 2,14 uns gegenüber, wenn nicht, dass durch den Tod Jesu die trennende Wand zwischen Juden und Heiden niedergerissen wurde – nicht, dass die Juden verworfen werden sollten, sondern dass wir durch den Glauben einen Platz unter den Juden haben sollten. Abraham ist nun unser Vater, und da wir unseren Glauben an Christus gesetzt haben, sind wir nun geistliche Juden.

Für die Zukunft ist das Wort Gottes nach wie vor eindeutig. In Römer 11,25 wird deutlich gemacht, dass die Verblendung, die jetzt teilweise über Israel gekommen ist, nicht für immer sein wird, sondern nur bis die Vollzahl der Heiden eingegangen ist. Und was wird dann geschehen? Der 26. Vers sagt uns, dass dann ganz Israel gerettet werden wird, wenn der Erlöser alle Gottlosigkeit von Jakob abwendet. Der 29. Vers ist ein Vers, den wir lieben und für uns selbst verwenden: „Denn die Gaben und die Berufung Gottes sind ohne Reue.“

Wir können ihn auf uns selbst beziehen, weil Gott niemals ein Versprechen bricht, aber beachten wir, dass er sich in erster Linie auf die Juden bezieht. Gott hat Israel als Nation Großes versprochen, und dieses Wort sagt uns, dass er es auch erfüllen wird. Wenn er sie nicht erfüllt, dann sind die Gaben und die Berufung Gottes nicht unwiderruflich. In Sacharja 12,10 wird erneut deutlich gesagt, dass der Tag kommen wird, an dem die Juden „auf den blicken werden, den sie durchbohrt haben, und um ihn trauern werden, wie man um den einzigen Sohn trauert“. An dem Tag, an dem Israel gerettet wird, werden sie auf Jesus schauen und erkennen, dass er bei seinem ersten Kommen ihr wahrer Messias war. Nicht nur das Alte Testament verspricht, dass das Land Palästina wieder den Juden gehören wird, sondern auch im Neuen Testament, in Lukas 21,24, wird uns gesagt, dass Jerusalem von den Heiden nur so lange zertreten werden wird, bis die Zeit der Heiden erfüllt ist. Daher sagt uns das Wort Gottes, dass der Tag kommen wird, an dem ganz Israel gerettet wird und die Juden Jesus als ihren wahren Messias erkennen werden und dass auch das verheißene Land wieder ihnen gehören wird. Nicht nur für die Vergangenheit, nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft sollten wir, die wir jetzt zu Christus gehören, die Juden lieben.

Wir können nicht erwarten, dass die Heiden, die den Begriff „Christ” lediglich verwenden, um den Unterschied zwischen Heiden und Juden zu bezeichnen, die Juden lieben, aber wir, die wir in der Tat Christen sind, da wir durch den Glauben an Christus gerettet worden sind, sollten sein altes Volk lieben. Vor allem sollten wir in diesem Zusammenhang stets bedenken, dass unser Herr selbst Jude war – als Jude geboren, als Jude gelebt, als Jude gestorben. Auch die große Mehrheit der Helden des Glaubens, die ich persönlich sehen möchte, wenn ich zu meinem Herrn gehe, sind Juden. Ich möchte Abraham sehen, und er ist ein Jude. Und ich möchte Isaak sehen, und er ist ein Jude. Ich möchte Jakob sehen, und er ist ein Jude. Ich möchte Josef sehen, und er ist ein Jude. Ich möchte Mose sehen, und er ist ein Jude. Ich möchte Josua sehen, und er ist ein Jude. Ich möchte Gideon und die anderen Richter sehen, und sie sind Juden. Ich möchte die Propheten sehen – Jesaja, Elia, Elisa und alle anderen, und sie sind Juden. Ich möchte Daniel und Esra und Nehemia sehen, und sie sind Juden. Ich möchte Johannes sehen, und er ist Jude. Ich möchte Jakobus sehen, und er ist Jude. Ich möchte Petrus sehen, und er ist Jude. Ich möchte Paulus sehen, und er ist Jude. Dies sind nur einige von denen, die ich gerne treffen würde und die den Namen „Jude” tragen. Wie könnte ich die Juden hassen?

Und wenn dies für uns, die wir bibelgläubige Christen sind, nicht ausreicht, dann beachten wir das Gebot Gottes in Römer 11,31. Es sagt uns ganz klar, wie unsere Haltung in dieser Zeit gegenüber dem natürlichen Israel sein sollte. Wir sollten ihnen Barmherzigkeit erweisen. Und, meine Freunde, Barmherzigkeit und Antisemitismus in jeglicher Form passen nicht zusammen. Wir können nicht versuchen, sie einzeln für den Herrn Jesus Christus als ihren persönlichen Erlöser zu gewinnen, wenn wir sie in unseren Herzen als Volk verachten.

Vor nicht allzu langer Zeit zitierte mir ein einflussreicher Jude in New York City, Redakteur einer der New Yorker Zeitungen, ein kleines Gedicht, das, wie er sagte, unter den Juden dieser Stadt weit verbreitet sei. Als ich über diesen Reim nachdachte, fand ich ihn mehr als nur einen interessanten Spruch. Er spricht Weisheit über den Menschen aus, der den Namen Christ trägt und dennoch in seinem Denken antisemitisch ist.

„Wie seltsam von Gott, die Juden auszuwählen,
aber nicht so seltsam wie diejenigen,
die den jüdischen Gott wählen und die Juden hassen.“

Bücher

Der neue Paulus

  • Ron Kubsch: Der neue Paulus: Handreichung zur „Neuen Paulusperspektive“ , Independently published, 2017, 74 S.

Die neutestamentliche Wissenschaft diskutiert seit vielen Jahren über die sogenannte „Neue Paulusperspektive“ (engl. „New Perspective on Paul“, abgekürzt meist als „NPP“, siehe dazu auch hier und hier). Die Bezeichnung, die auf einen Aufsatz von James D. G. Dunn aus dem Jahr 1983 zurückgeht, steht für eine theologische Strömung, die die Paulusexegese heute durchdringend prägt und der von manchen Bibelauslegern eine epochale Bedeutung zugeschrieben wird. Die „Neue Paulusperspektive“ tritt mit dem Anspruch auf: Die Paulusauslegung hat bisher versäumt, die Paulustexte innerhalb ihres historischen Kontextes zu deuten. Wenn wir die Brillen der theologischen Traditionen ablegen und zum Verstehen des Neuen Testaments das frührabbinische Judentum heranziehen, begegnen wir dem wahren Apostel Paulus. Der Apostel, den wir bisher zu kennen glaubten, ist nicht viel mehr als eine Fiktion gewesen.

Bei der neuen Sichtweise geht es nicht allein um einen akademischen Diskurs. Neben strittigen Themen wie etwa Antijudaismus, Bundestheologie, Gesetzesfunktion oder Reich Gottes werden auch Kernaspekte der Rechtfertigungslehre verhandelt. Im Raum steht nicht weniger als die große Frage: „Haben wir zentrale Gesichtspunkte des Evangeliums bisher falsch verstanden?“

So manche Entwicklungen in der Praktischen Theologie und Missionswissenschaft, denken wir nur an den missionalen Ansatz, die Transformationstheologie oder die aktuelle Faszination für die politische Theologie, haben mehr mit der NPP zu tun als das auf den ersten Blick erkennbar ist. Die Befürworter der neuen Sicht betonen die Inklusivität des Evangeliums und das Herabkommen des Himmelreiches auf die Erde. Wir hören Sätze wie: „In der Bibel bedeutet Erlösung nicht: Gott errettet die Menschen aus der Welt heraus, sondern Erlösung ist die Errettung der Welt an sich.“

Die Abhandlung will nicht mehr als eine Handreichung sein. Der beibehaltende Vortragsstil nötigt, sich auf die „groben Linien“ zu konzentrieren. Gleichwohl hoffe ich, dass die Ausführungen Interessenten, Theologiestudenten und lehrenden Mitarbeitern in den Gemeinden dienlich sind und zur eigenen Auseinandersetzung mit der Strömung der „Neuen Paulusperspektive“ anregen.

Bestellt werden kann die Handreichung als Paperback- und als Kindle-Buch.#


Das komponierte „Ich“

  • 41Il9gIBcQL SX311 BO1 204 203 200Ron Kubsch: Das komponierte „Ich“: Identitätsfindung in der Postmoderne und das christliche Menschenbil, Independently published, 2017, 50 S.

Die klassische Annahme einer stabilen und „naturgegebenen“ menschlichen Identität wird in unserer Kultur nachhaltig hinterfragt. Prozesse wie Fragmentierung, Relativierung und Durchmischung haben zur „Entbettung“ des Menschen geführt und lassen einheitliche Identitätserfahrungen kaum mehr zu. Angesagt sind kurzweilige identitätsstiftende Erlebnisse. Leute versuchen, durch den Konsum vorgefertigter Angebote, das Andocken an eine oder mehrere Subkulturen oder durch kreative Akte sich selbst einen Sinn zu geben. Allerdings erzeugt das „Regime der Kurzfristigkeit“ Bindungsarmut und Gefühle von Wurzellosigkeit, Zerrissenheit und Angst.

Diese Verlusterfahrung kann ein Anstoß dafür sein, (noch einmal) über Aspekte des christlichen Menschenbildes nachzudenken. Das bewährt sich nämlich auch unter den Herausforderungen, die die Identitätsfindung in der Spätmoderne mit sich bringt. Die christliche Lehre von Schöpfung und Erlösung hält Antworten auf Fragen bereit, die rastlose Vagabunden umtreiben.

Einige Anregungen zum weiteren Nachdenken sind in dem kleinen Taschenbuch zu finden, dass hier bestellt werden kann.


Sollte Gott gesagt haben?

  • R Kubsch Sollte Gott gesagt haben 1Ron Kubsch: Sollte Gott gesagt haben?: Was steckt hinter der Bibelkritik?, Waldems: 3L Verlag, 2016.

Der niederländische Theologe Herman Bavinck sagte vor rund 100 Jahren über seine Kollegen Folgendes:

„Oft haben sie nichts mehr zu predigen, weil die [Kritik] ihnen Kraft und die Herrlichkeit des Evangeliums geraubt hat … Unzufrieden mit ihrer Lage, suchen viele einen Ausweg, indem sie sich in die Politik, in die Diakonie oder in humanitäre Projekte einbringen und in genau diesem Maße aufhören, Diener des Wortes und Verwalter der Geheimnisse Gottes zu sein.“

Viele Prediger glauben auch heute nicht an die Kraft des göttlichen Wortes und verkündigen deshalb ihre eigenen Ideen und zielen auf Weltverbesserung, Lebenshilfe, Unterhaltung und billigen Trost ab.

In einem Booklet, das auf einen während der E21-Konferenz 2017 in Hamburg gehaltenes Seminar zurückgeht, skizziere ich die Entwicklung der neuzeitlichen Bibelkritik von den Anfängen bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Ich gehe dabei auf aktuelle Versuche ein, zwischen Vertretern und Gegnern der Bibelkritik zu vermitteln.

Das E21-Booklet kann hier bezogen werden: www.evangelium21.net.


Schätze der Gnade

51nkOLENz4L._.jpgRon Kubsch u. Matthias Lohmann (Hrsg.): Schätze der Gnade – Reformatorische Theologie im 21. Jahrhundert, Bonn: VKW, 2014, 260 S.

Folgende Beiträge enthält der Band:

  • Thomas Schirrmacher: Johannes Calvin Warum wir mehr über den Reformator wissen sollten
  • Ron Kubsch: Neuer Calvinismus – Einblicke in eine junge reformierte Bewegung
  • Matthias Lohmann: Zurück zu alten Ufern – Die reformierten Wurzeln der Baptisten und Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland
  • Richard D. Phillips: Können wir die Wahrheit erkennen?
  • Bryan Chapell: Was heißt „Evangelium“?
  • Philip Graham Ryken: Die Rechtfertigungslehre
  • Matthias Lohmann: Das Evangelium gehört in jede Predigt! Auslegungspredigt und das Evangelium
  • Christian Wegert: Grund zur Freude (Phil 1,1-16)
  • Titus Vogt: Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne! Gedanken zum Verhältnis von Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung
  • Ron Kubsch „Liebe und tue, was du willst“ – Der Christ und das Gesetz

Das Buch kann hier heruntergeladen werden: JB_2013_Schaetze_g_2.Aufl..pdf.


Das Evangelium für die nächste Generation

Ron Kubsch: Das Evangelium für die nächste Generation: Ausbildung und Mentoring, 3L-Verlag, 978-3-943440-63-82012, 28 S.

Beschreibung:

Säkularisationsbewegungen innerhalb und außerhalb der Kirche haben die Christenheit Europas tief verunsichert. Viele achtsam lebende Christen fragen sich, wie es angesichts des „geistlichen Notstands“ weitergehen kann. Die Antwort auf die Frage nach der Zukunft der Gemeinde ist vor allem eine Herausforderung für Menschen mit pastoraler Verantwortung. Die Heilige Schrift lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass Leiter eine besondere Fürsorgepflicht tragen. Sie sind von Gott berufen, über die Seelen zu wachen und werden eines Tages dafür vor Gott Rechenschaft ablegen müssen (vgl. Hebr 13,17).

Ron Kubsch beschäftigt sich in diesem Band aus der Schriftenreihe von Evangelium21 mit der Ausbildung zukünftiger Leiter. Dabei konzentriert er sich weniger auf praktische oder strategische Überlegungen, sondern regt in grundsätzlicher Weise an, bei der theologischen Bildung die Ehre Gottes und die aufrichtige Liebe zu den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Das „Soli Deo gloria“ sollte für die Zurüstung von Missionaren, Pastoren und gemeindlichen Mitarbeitern der alles bestimmende Moment sein. Es geht nicht um uns, es geht um unseren Herrn Jesus Christus.


Im Zweifel für den Zweifel?

Ron Kubsch (Hg.): Im Zweifel für den Zweifel?: Beiträge zur christlichen Apologetik, Bonn: VKW, 2010, 215 S.

Beschreibung:

Eine Apologetik, die sich auf eigene Gefühle beruft, ist heute sehr verbreitet. Ein »das habe ich erlebt« mag für ein persönliches Zeugnis hilfreich sein, für die denkerische Verteidigung des christlichen Glaubens ist das allerdings zu wenig. Für die Verkündigung des Evangeliums im öffentlichen Raum braucht es auch die Kenntnis objektiver Gründe für den eigenen Glauben. Der Apostel Petrus erwartet nach 1Petr 3,15–16 von den Christen, dass sie den Grund für ihre Hoffnung vernünftig kommunizieren können. Ein apologetisch denkender Christ glaubt nicht nur, er kann auch erklären und begründen, warum und woran er glaubt …

Die in diesem Band gesammelten Aufsätze wollen Christen dabei helfen, in den Glaubensdingen sprachfähig zu werden. Sie gehen auf die Studienwoche »Im Zweifel für den Zweifel?« zurück, die das Martin Bucer Seminar im Sommer 2010 zusammen mit Mitarbeitern von »L’Abri« in Berlin veranstaltet hat oder sind im Rahmen anderer apologetischer Dienste entstanden.

Hier die Titelei mit dem Inhaltsverzeichnis: MBSJB2010.pdf.

Das Buch kann hier bestellt werden: www.amazon.de.


Die Postmoderne: Abschied von der Eindeutigkeit

Ron Kubsch. Die Postmoderne: Abschied von der Eindeutigkeit. Holzgerlingen: Hänssler Verlag, 2007, 93 S. ISBN 978-3-7751-4608-1.

Beschreibung:

Die PostmoderneWir leben in einer Zeit des Umbruchs – gesellschaftlich wie privat. Die postmoderne Lebenskultur ersetzt zunehmend traditionelle Formen und Werte. Statt klarer Orientierungen regieren Misstrauen, radikale Vielfalt und Entgrenzung mit tief greifenden Folgen für Politik, Medien, Kunst und Religion.

Das Buch skizziert verständlich den Übergang von der Moderne zur Postmoderne. Sie lernen postmoderne Denkfiguren sowie ihre Protagonisten kennen (z. B. Friedrich Nietzsche, Ludwig Wittgenstein und François Lyotard). Sie erfahren auch, wie die Postmoderne unsere Kultur, z.B. Architektur, Bildende Kunst, Literatur, Film und Sexualität, beeinflusst. Ein Schwerpunkt der Analyse ist das Verhältnis von Postmoderne und christlichem Glauben. Der Autor zeigt, dass der Zeitgeist gestalterische und missionarische Freiräume eröffnet, aber auch zur Uneindeutigkeit verführt.

Aus dem Inhalt: Die Postmoderne: Epoche, Ideologie, Projektionsfläche, Phantom …? • Die Moderne: Auf der Suche nach einem sicheren Fundament • Die Postmoderne: Der Verlust eines sicheren Fundaments • Elf Merkmale der Postmoderne • Die postmoderne Kultur: Architektur, Bildende Kunst, Literatur, Film, Sexualität und Geschlechtlichkeit, Christentum • Die Postmoderne in der Kritik • Rettet die Postmoderne den christlichen Glauben? • Das Beispiel der Emerging Church-Bewegung.

Professor Peter Zöller-Greer schreibt zum Buch (Professorenforum-Jorunal 2008, Vol. 9, No. 1, S. 39):

Ich habe für das Lesen des Buches ca. 3 Stunden gebraucht und bin begeistert. Das ultimative Buch für alle, die sich schnell einen fundierten Überblick über dieses komplexe Thema verschaffen wollen.

Eine Buchbesprechung des Evangeliumsrundfunk kann bei Glaube24.de als Stream angehört oder als mp3-Datei [1,6 MB] heruntergeladen werden.

Das Buch kann hier bestellt werden: www.amazon.de.


Wahrheit und Liebe: Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können

Ron Kubsch (Hg.). Wahrheit und Liebe. VKW: Bonn, 2007, 267 S. ISBN 3-938116-23-4, ISSN 1610-7241.

Beschreibung:

Francis August Schaeffer (1912–1984) zählt zu den bedeutendsten christlichen Apologeten des 20. Jahrhunderts. Durch seine Bücher (z. B. Gott ist keine Illusion, Wie sollen wir denn leben? und Preisgabe der Vernunft), Vorträge und das 1955 gegründete Schweizer Studienzentrum L’Abri (‚Zuflucht‘) wurden er und seine Frau Edith weltweit bekannt und halfen unzählbar vielen Menschen, ihren Glauben zu festigen sowie intellektuell verantwortbar und kulturrelevant zu bezeugen. Die so genannten „L’Abri-Fellowships” haben bei der Entwicklung gegenwartsnaher Glaubensstile Pionierarbeit geleistet und gezeigt, dass Christen gesunde reformatorische Lehre mit einer aufrichtigen Liebe für die Menschen verbinden können. Die idea-Dokumentation „Wahrheit und Liebe“ lädt ein, sich mit dem Leben und Werk von Francis Schaeffer (erneut) auseinanderzusetzen und von ihm zu lernen.

Dr. Helge Stadelmann schreibt über den Band: »Es ist zu wünschen, dass sich manche evangelikale Theologen durch diesen Band zur intensiven und theologisch reflektierten Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur anregen lassen. In der Praktischen Theologie wird es gerade modem, die eigene Disziplin als Kulturhermeneutik zu betreiben. Bevor es da zu einer unkritischen Einfärbung der Praktischen Theologie von der umgebenden Kultur her kommt, könnten verantwortliche apologetische Vorarbeiten dazu helfen, dass es zu einer christlichen denkerischen Durchdringung der Kultur, statt zu einer kulturbestimmten Überfremdung von Theologie und Gemeindepraxis kommt« (JETh 2007, 411).

Mit Beiträgen von Dick Keyes, Gordon R. Lewis, Udo W. Middelmann, Wim Rietkerk, Thomas Schirrmacher, Stephen J. Wellum, Rüdiger Sumann sowie Ruth und Christian Weißenborn.

Das Inhaltsverzeichnis können Sie hier herunterladen: mbsjb2007inhalt.pdf

Das Buch kann hier bestellt werden: www.amazon.de.


Die Wiederentdeckung des Glaubens in der Seelsorge

Ron Kubsch (Hg.). Die Wiederentdeckung des Glaubens in der Seelsorge: Von der Weisheit der Väter lernen, Pb. 16.00 €, – ISBN 3-932829-60-3, ISSN 1610-7241.

Beschreibung:

Der dritte Band des Martin Bucer Seminar-Jahrbuches ist im Dezember 2003 erschienen. Das Buch, herausgegeben von Ron Kubsch, widmet sich einem seit vielen Jahren kontrovers diskutierten Thema: der evangelischen Seelsorgelehre. In einer Zeit, in der sich Seelsorger mit einem schier unüberschaubaren Markt an säkularen Forschungszweigen und Therapieformen sowie einem beständig wachsenden Angebot heterogener christlicher Seelsorgemodelle auseinandersetzen müssen, plädieren die Autoren dafür, moderne Seelsorgekonzepte vor dem Forum der alten Quellen neu zu ordnen.

Das Buch kann hier bestellt werden: www.amazon.de.

Dick Keyes: Fünf Ideen aus L’Abri

Vor einigen Tagen habe ich auf einen Vortrag von Dick Keyes über L’Abri hingewiesen. Freundlicherweise hat Ivo C. den Vortrag transkribiert und übersetzt. Herzlichen Dank!

Hier also der Hauptteil des Vortrag in deutscher Sprache:

Fünf Ideen aus L’Abri

Ich kann unmöglich auf die gesamte Bandbreite des Gedankenspektrums und der Philosophie von L’Abri eingehen – das wäre für heute Abend viel zu viel. Ich werde daher die nächsten Minuten darauf verwenden, fünf Bereiche, fünf Leitgedanken zu erwähnen, die in keiner Weise von uns selbst stammen, so als hätte L’Abri diese Gedanken erfunden, erdacht oder hätte sonst irgend ein besonderes Recht darauf. Vielmehr sind diese Gedanken das Eigentum der gesamten christlichen Kirche.

Allerdings sind wir der Ansicht, dass sie heute auf eigentümliche Weise unterbetont werden. Vielleicht pochen wir gerade deshalb wieder und wieder auf eine erneute Betonung dieser Überzeugungen, egal ob wir auf Reisen mit Leuten sprechen oder ob wir Vorträge für unsere Gäste halten.

Lassen Sie mich zunächst diese fünf Gedanken formulieren. Danach werde ich zu jedem der Punkte etwas sagen. Die Gedanken sind:

  1. Der christliche Glaube als Wahrheit.
  2. Die Wirklichkeit des Übernatürlichen.
  3. Die Menschlichkeit des Geistlichen.
  4. Das Leben im Schatten des Sündenfalls.
  5. Die Herrschaft Christi über das gesamte Leben.

Ich habe jetzt nur diese fünf erwähnt, denn es gibt freilich viele weitere Punkte, über die wir gesprochen haben und für die wir uns interessieren. Aber mit diesen fünf Punkten sehen wir uns immer wieder konfrontiert.

1. Der christliche Glaube als Wahrheit

Lassen Sie mich mit Punkt 1 beginnen: Der christliche Glaube als Wahrheit.

Was ich grundsätzlich damit meine: Der christliche Glaube ist wahr, ob Sie das glauben oder nicht, unabhängig davon, ob Sie das glauben oder irgendjemand das glaubt. Er ist wahr, und – seltsam genug – diese Sache wird nicht oft betont. Immer wieder kommen Leute zu uns, die sagen: Wir waren bisher nirgendwo, wo Menschen über das Christentum als Wahrheit sprechen, als etwas, das in Übereinstimmung mit der Sachlage steht. Stattdessen wird das Christentum immer wieder als etwas vorgestellt, das etwas „für dich tun kann“, als etwas, das dir eine besondere Erfahrung vermittelt, welche Kraft dir Christus im Leben schenken kann in Fragen von Sinn, Lebensziel, Freundschaften oder was auch immer. Wenn wir aber nicht wirklich verstanden haben, dass Christus die Wahrheit ist, dann tendiert das Ganze, wie ich vermute, zu folgendem:

Zunächst und zuerst wird man dazu neigen, Gott vor den eigenen Karren zu spannen, um ihn zum Erfüllungsgehilfen eigener Wünsche zu machen. Plötzlich bist du der Weinstock und er wird zur Rebe. Doch ein solcher Glaube hat nur sehr wenig Ermutigendes oder Lebendigkeit an sich. Ich halte viele Vorlesungen auf Universitäten und Colleges, und der vorrangigste Eindruck, den ich von Christen auf säkularen Universitäten und Colleges bekomme, ist dieser: Sie befinden sich auf dem Rückzug, sie rechtfertigen sich [für ihren Glauben], sie verteidigen sich und wehren Schläge ab. Die ganze Haltung ist viel zu oft eine Rückzugshaltung, insbesondere dort, wo sie es mit der akademischen Welt zu tun bekommen, in der sie leben. Ich finde sogar, Christen, die sich in der besten Lage befinden, sich mit einer nichtchristlichen Welt zu verständigen, scheuen das offene Gespräch über ihren Glauben, wenn sie mit Nichtchristen sprechen. Es könnten Fragen auftauchen, die ihren Glauben erschüttern. Das halte ich für ein ernstes und niederschmetterndes Trauerspiel! Die Haltung eines Paulus war dagegen völlig anders. Seine Einstellung war: Wenn das Ganze nicht wahr ist, dann vergiss es! Wenn  es wirklich nicht stimmt und nicht im wahrsten Sinn des Wortes wahr ist, dann kann ich es gar nicht schnell genug loswerden. Diese Einstellung müssen wir unbedingt kultivieren. Wir müssen die schwierigen Fragen anpacken, die zwischen uns und einer festen Gewissheit der Wahrheit des christlichen Glaubens stehen.

2. Die Wirklichkeit des Übernatürlichen

Nun zu Punkt zwei, der Wirklichkeit des Übernatürlichen. Wir leben in einer wahrhaft übernatürlichen Welt. Was meine ich damit? Was wir sehen können, ist längst nicht alles, was existiert. Gott ist, er lebt und es gibt sie, diese „Schlacht im Himmel“. Dazu könnte man viel sagen, aber ich möchte hier nur zwei Punkte erwähnen. Zunächst und zuerst: Die Bibel ist ein inspiriertes Buch, ein Buch, das auf übernatürliche und einzigartige Weise inspiriert ist. Das bedeutet nicht, dass Gott irgendwie in unsere Dimension hereinbricht; nicht auf diese Weise will ich den Begriff des „Übernatürlichen“ verstanden wissen. Nicht dass Gott auf eine Art mechanistische Weise die Geschichte des Menschen einbricht oder so, nein, was ich sagen will, ist einfach dies: Die Wirklichkeit ist viel mehr als nur das, was wir mit den Augen sehen können. Die Wirklichkeit Gottes im unsichtbaren Kampf bewegt sich fort, und zwar in unmittelbarem Kontakt und in der Wechselwirkung mit dieser Welt. Gott sorgte dafür, dass Menschen exakt und genau das aufschrieben, was er sie sagen lassen wollte, aber ohne ihren jeweils persönlichen Charakter oder ihre Individualität zu verletzen.

Das zweite, was ich hier erwähnen will, ist das Gebet. L’Abris Ursprung geht ja auf die Schaeffers zurück. Das ist nun Jahre her. Sie versuchten, ihre Arbeit auf sehr greifbare Weise auf das Gebet zu gründen. Das ist auch der Grund, weshalb wir auf Spendensammlungen oder Werbung verzichten. Einfach darum zu beten, das nötige Geld möge zusammenkommen, ist ein wirklich sehr echter und greifbarer Weg für uns. Da sind Rechnungen zu bezahlen, und wir müssen sehen, wie wir den nächsten Monat oder die nächste Woche über die Runden kommen. Das ist dermaßen erfahrbar und konkret, dass wir ganz aufrichtig sagen müssen: Wir hängen von der Erfüllung unserer Gebete regelrecht ab, eine wirklich gewaltige Sache für uns alle! Wir sind bestrebt, nicht nur davon zu sprechen, dass das Übernatürliche existiert und nicht nur zu betonen, wie notwendig Gebet ist, sonder wir wollen die Wichtigkeit hervorheben, in dieser Wirklichkeit auch zu leben.

3. Die Menschlichkeit des Geistlichen

Das führt uns zu Punkt drei: der Menschlichkeit des Spirituellen. Geistlich sein heißt nicht, das Menschliche zu überspringen, es heißt nicht, dreißig oder vierzig Zentimeter über dem Boden zu schweben. Es heißt nicht, nie wirklich mit menschlichen Dingen, mit körperlichen Tatsachen zu tun zu bekommen. Geistlich sein heißt vielmehr, das Menschsein wieder zurückzuerhalten, zu heilen. Jesus war der „zweite Adam“, er war die „Wiederherstellung“ des ersten Adam. Ich möchte dies am Beispiel „Führung“ erläutern. Es ist nicht „geistlicher“, eine Stimme aus dem Himmel zu hören, als seinen Verstand und seine Denkkraft zu gebrauchen, um die Heilige Schrift zu verstehen, wenn es darum geht, ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Es ist nicht so, dass das Denken an sich ungeistlich wäre! Ich kenne eine christliche Gruppe, die hatte eine große Lostrommel, worin sich tausende Bibelverse fanden. Jeden Tag drehten sie diese Lostrommel. In der Trommel war ein Loch, und jeder griff sich täglich einen Bibelvers heraus. Aus dem, was darin stand, leiteten sie konkrete Anweisungen ab für das, was sie an diesem Tage gerade tun wollten, und sie trafen allerlei Arten von Entscheidungen auf der Grundlage dessen, was sie da jeweils lasen. Ich sage, eine solche Vorgehensweise gründet in der Annahme: Je mehr du deinen Verstand unterdrückst, desto geistlicher wirst du. Verstehen Sie, was ich meine? Je mehr Sie das eigene, verstandesgemäße Nachdenken ausschalten und verdrängen, desto stärker können Sie sich darauf verlassen, „geistlich“ zu sein. Aber so etwas hat keinerlei Grundlage in der Heiligen Schrift. Unser Denken soll erneuert werden, soll erfrischt, soll wiederhergestellt werden usf. Ein weiteres wohlbekanntes Zitat eines christlichen Lehrers spiegelt dieselbe Geisteshaltung wider mit der Folge, dass Harvard und Yale gute Lehrstätten waren, bis sie sich mit der Qualitätsfrage [ca. ab Min 10:41] beschäftigten. Denken Sie dabei an die Voraussetzung, die einem solchen Denken zugrunde liegt. Ich glaube, ich weiß, was dieser Lehrer sagen wollte (es waren beide wirklich wunderbare christliche Lehrstätten, keine Frage, und heute sind sie es mit Sicherheit nicht mehr). Nun, die Grundannahme hinter dieser Aussage ist: Qualität, die sich um Qualität kümmert, ist nicht geistlich; geistlich sein heißt, sich mit Qualitätsfragen überhaupt nicht zu befassen. Sie sehen selbst, dass die Bibel mit solchem Denken nichts zu schaffen hat. Die ganze Blickrichtung der Bibel geht in eine andere Richtung; geistlich sein heißt Qualität zu bejahen, Ausbildung zu bejahen, Schönheit zu bejahen, heißt die Bejahung all dessen, was zutiefst menschlich ist. Es bedeutet, fürsorglich und einfühlsam auf Menschen zuzugehen, Mitgefühl zu haben mit den Mitmenschen.

4. Das Leben im Schatten des Sündenfalls

Viertens: Das Leben im Schatten des Sündenfalls. Wir leben in einer gefallenen Welt. Darüber sprechen wir so viel, dass sich Studenten bei L’Abri geradezu geflügelte Worte daraus hergeleitet haben. Aber wir finden, Christen, die „technisch“ gesehen zwar in dieser gefallenen Welt leben, haben in Wahrheit gar nicht begriffen, was dieser Fall überhaupt bedeutet. Die Welt ist unvollkommen, sie seufzt, die ganze Schöpfung ächzt, und das wird so bleiben, bis der Herr wiederkommt. Gottes vollkommener Wille geschieht hier und jetzt gerade nicht. Im Vaterunser heißt es: Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Gerade weil er jetzt auf Erden nicht geschieht, wie dies im Himmel der Fall ist, sollen wir darum bitten und uns dafür auch einsetzen. Aber der Wille Gottes erfüllt sich hier auf Erden nicht vollkommen, egal wie viele schöne Dinge hier auch geschehen mögen. Frau Schaeffer sagt in ihrem Buch über die Familie einmal: Wenn du darauf bestehst: Entweder Vollkommenheit oder nichts, dann wirst du immer leer ausgehen. Das ist wahr, nicht nur in der Ehe, sondern auch in der Kirche, im Staat, in jeder Beziehung zu Menschen und auch in der Beziehung zu uns selbst. Weil also die ganze Schöpfung wie unter Geburtswehen seufzt, werden wir mit Enttäuschungen leben müssen. Auch das Leben des geistlichsten Christen hat seine Enttäuschungen. Sie glauben es nicht? Dann lesen Sie den zweiten Korintherbrief. Leuten, die Schwierigkeiten haben mit Enttäuschungen, verordne ich die Lektüre des 2. Korintherbriefes. Darin schildert Paulus seine zahlreichen und schwerwiegenden Enttäuschungen in allen möglichen Lebenslagen. Es ist leichter, Schmerz und Leid zu verleugnen und sich das typisch-christliche „Plastiklächeln“ aufzusetzen und zu sagen: „Alles in Ordnung, alles läuft gut, alles wunderbar, preist den Herrn, und das angesichts all der entsetzlichen Dinge, die geschehen, oder?“ Es ist auch einfacher, sich vor den schlimmen Dingen in dieser Welt zurückzuziehen und zu sagen: „Jaja, wir leben in einer gefallenen Welt, im Grunde ist’s ein Desaster, es gibt kaum etwas, das nicht geschehen kann, es hat wohl kaum Sinn, sich da große Mühe zu geben.“ Aber keine dieser Möglichkeiten steht dem Christen offen, obschon Christen oft zu diesen Alternativen Zuflucht nehmen. Wir müssen in dieser Spannung leben; die Welt wird uns Enttäuschung bringen, wir werden in unserem Leben enttäuscht werden, selbst in Dingen, für die wir beten oder in Dingen, für die wir hart gearbeitet haben. Aber wir sollen dranbleiben, sollen weitermachen und der himmlischen Berufung folgen. Wir werden Gott am Werk sehen, wenn auch nicht in vollkommener Weise. Das wird erst geschehen, wenn der Herr wiederkommt.

5. Die Herrschaft Christi über das gesamte Leben

Zuletzt zur Herrschaft Christi über das Leben. Ich glaube, ich werde gleich morgen in der Früh ein Seminar dazu geben, daher halte ich mich hier sehr kurz. Ich erinnere an die Worte des Paulus in 2. Korinther 10: Jeden Gedanken sollen wir Christus gehorsam unterordnen! Das heißt nicht, wir sollen Christus alle Glaubensfragen unterordnen, sondern alles Denken sollen wir ihm unterordnen, buchstäblich alles und jedes! Dazu gehört, wie du über deine Freizeit denkst, dazu gehören auch deine Gedanken zur Politik, zu Ausbildungsfragen, zur Ehe, ja einfach alle Gedanken, die man sich über was auch immer machen kann – alles soll Christus untergeordnet werden, denn er sorgt für all dies. Es gibt da keine Spannung zwischen „sakral“ und „säkular“, denn das ganze Leben untersteht der Herrschaft Christi. Das ganze Leben, wie Dr. Schaeffer oft gesagt hat, das ganze Leben ist „geistlich“, mit Ausnahme freilich der Sünde.

Ich habe diese fünf Gedanken erwähnt, Dinge, über die ihr kommendes Wochenende immer wieder stolpern werdet und die wir immer wieder betonen werden, gerade weil sie dermaßen vernachlässigt werden. Es sind dies keine Dinge, von denen wir „besessen“ sind oder so, sondern das sind Dinge, die mit aller Kraft geglaubt werden und mit denen wir heute in der Kirche umgehen müssen. Will die Kirche wirklich neues Leben haben, will sie neue Kraft erhalten, dann muss sie von der Grundlage der genannten Vorstellungen ausgehen.

Richtig gendern: Von (un)gerechter Sprache

Heike Schmoll hat kürzlich für die FAZ erklärt, dass der Duden als dritte orthographische Instanz während der insgesamt gescheiterten Rechtschreibreform alles unternommen habe, um seine Autorität zu verspielen. Der Verlag kompensiere seinen Autoritätsverlust, indem er krampfhaft nach anderen Alleinstellungsmerkmalen suche.

Was dabei herauskommt ist, sind Broschüren wie Richtig gendern. Daniel Vullriede hat das Büchlein für GLAUBEN UND DENKEN HEUTE gelesen. Ich darf die Rezension mit freundlicher Genehmigung hier wiedergeben:

  • Diewald, Gabriele/ Steinhauer, Anja, Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlich schreiben, Berlin: Verlag Bibliographisches Institut GmbH (Duden), 2017. ISBN: 978-3-411-74357-5, Paperback, 128 Seiten, 12,00 Euro.

Von (un)gerechter Sprache

Buch genderViele Menschen im Saarland werden den Namen Marlies Krämer nicht mehr so schnell vergessen. Die 80-jährige Seniorin geriet Anfang 2018 in die Schlagzeilen, weil sie eine juristische Auseinandersetzung mit der Sparkasse Saarbrücken führte. Frau Krämer hatte Klage eingereicht, weil in den Vordrucken ihrer Bank die weibliche Anrede fehlte und sie als selbstständige Frau somit praktisch totgeschwiegen wurde. Das Argument bankenrechtlicher Vorgaben oder der Hinweis auf den normalen Sprachgebrauch überzeugte die Rentnerin nicht. Sie ging durch alle Instanzen, bis hin zum Bundesgerichtshof.

Sprache ist für das menschliche Leben unverzichtbar und meist gebrauchen wir sie wie selbstverständlich. Schwierig wird es natürlich, wenn Menschen durch Worte abgewertet und ausgegrenzt werden, oder gar Schaden erleiden. Wer will schon eine ‚ungerechte‘ Sprache?

Der Wunsch nach Gerechtigkeit

Die Autorinnen Gabriele Diewald (Professorin für Germanistische Linguistik an der Leibniz Universität Hannover) und Anja Steinhauer (Lektorin und promovierte Germanistin) bieten mit dem vorliegenden Duden-Büchlein den ersten umfassenden Ratgeber zum Gendern. Einerseits gehen sie damit auf zahlreiche Anfragen an die Dudenredaktion ein, andererseits spiegelt sich hier eine gewichtige, gesellschaftliche Entwicklung wider. Menschen in Institutionen, Verwaltungen und Firmen sollen nun eine praktische Hilfestellung zum gendergerechten Schreiben erhalten.

In der Einleitung werden zunächst konzeptionelle Grundlagen erläutert: Die Bedeutung des Wortes Gendern als die Anwendung geschlechtergerechter Sprache; die gesetzlichen Grundlagen zur Gleichberechtigung; die Funktion menschlicher Sprache und ihr Einsatz als ein Mittel für mehr Gendergerechtigkeit in der Gesellschaft.

Die Autorinnen beleuchten v.a. die schriftliche Kommunikation und folgen in ihrem Buch einer pragmatischen Grundhaltung: Weil die Menschen im deutschen Sprachraum aktuell in Männer und Frauen unterteilt werden, gehen sie vom „Prototyp der Zweigeschlechtlichkeit“ (S. 8) aus. Dennoch möchten sie die Möglichkeit oder die Legitimität anderer Geschlechteridentitäten nicht in Abrede stellen. Ihr Anliegen ist zunächst deskriptiv: ‚Richtig gendern‘ bedeutet für sie, situations- und sachangemessen, verständlich und gemäß der eigenen Absichten geschlechtergerecht zu kommunizieren.

Im Kapitel ‚Sprachliche Grundlagen‘ werden vier Ebenen von Worten und Personenbezeichnungen unterschieden: Das grammatische Geschlecht (Genus), das semantische Geschlecht (auf der Bedeutungsebene), das soziale Geschlecht (als kulturelle Kategorie) und das biologische Geschlecht. In einem Unterabschnitt erklären die Autorinnen das generische Maskulinum, das sie schließlich als sexistisch, sachlich unzutreffend und irreführend ablehnen. In einem Exkurs beleuchten sie anhand von Gegensatzpaaren eine sprachliche Alternative und sprechen sich u.a. für die Verwendung von neutralen Oberbegriffen aus (Person: Frau – Mann; Studierende: Studentin – Student).

Das Kapitel ‚Richtig gendern auf der Wortebene‘ präsentiert weitere Möglichkeiten gendergerechter Formulierungen: ausführliche Doppelnennungen von weiblichen und männlichen Personen (Kolleginnen und Kollegen), Sparschreibungen wie Schrägstrich mit Bindestrich, das große Binnen-I, Klammern, der Genderstern oder der Gendergap. Insgesamt sprechen sich die Germanistinnen dafür aus, Texte gut lesbar zu halten und Ersatzformen bzw. Neutralisierungen zu nutzen, wie z.B. Substantivierungen, Kurzwörter, direkte Anrede, das Passiv und Adjektiv-Formulierungen (Rat des Arztes – ärztlicher Rat).

Im Abschnitt ‚Richtig gendern in Satz und Text‘ beleuchten die Autorinnen sprachtheoretische Grundlagen von Sätzen und Texten. Sie definieren dazu vier Ebenen, die einzeln eine mäßige, eine hohe oder die höchste Genderrelevanz haben können. Dazu gehören Referenztypen (Klassen, Gruppen und Personen, auf die man Bezug nimmt), syntaktische Funktionen im Satz (Verhältnis von Subjekt und Prädikat), textuelle Funktionen (Ersterwähnung und Wiederaufnahme von Personen und Gruppen im Text) und der Wortstatus (je direkter der Personenbezug eines Wortes, desto höher seine Genderrelevanz). Zahlreiche Beispiele unterstreichen dabei den Gedankengang der Autorinnen.

Ein eigenes Kapitel machen die ‚Beispielanalysen‘ aus. Hier besprechen und revidieren die Germanistinnen unterschiedliche Texte, die sie als gut oder ungünstig gegendert ansehen. Im letzten Kapitel liefern sie noch einen knappen, historischen Abriss über moderne feministische Strömungen und deren Sprachkritik. Maßgebliche Personen, Buchtitel und Hauptargumente werden kurz genannt, ebenso die Ansätze und Absichten der heutigen Gender Studies. Ein weiterführendes Literaturverzeichnis und ein Register runden das Duden-Büchlein ab.

Kompetente Antworten, aber noch mehr Fragen

Zunächst einmal ist den Autorinnen eine kompetente Einführung gelungen – sowohl in die Möglichkeiten und Nuancen der deutschen Sprache, als auch in das grundsätzliche Anliegen einer nichtdiskriminierenden Sprache. Dabei ging es ihnen nicht um einen kanonischen Leitfaden, sondern um einen Ratgeber und um Impulse zur reflektierten Anwendung des Gelesenen. Ihre Argumente stellen sie nachvollziehbar dar, und trotz des heiklen Themas wird ein polemischer Tonfall fast durchweg vermieden. Beim Lesen kann man den Autorinnen ein persönliches Anliegen für die Gleichberechtigung aller Menschen abspüren.

Trotz der Fachkenntnis und einer gewissen Ausgewogenheit wirft das Duden-Büchlein Fragen auf. Bei der Lektüre wird ersichtlich, dass auch die Autorinnen nicht ‚neutral‘ sind. Stattdessen vertreten sie ein klares Weltbild und haben konkrete gesellschaftspolitische Absichten, die sich im Sprachgebrauch niederschlagen sollten. Viele ihrer Schlagwörter (z.B. geschlechtergerechte Gesellschaft, systematische Ungleichbehandlung aufgrund des biologischen Geschlechts) sind bereits ideologisch gefüllt, was eine offene Debatte zum Thema nicht unbedingt erleichtert. Auch der historische Abriss am Ende des Buches hat einen klar apologetischen Charakter und verschweigt die markanten Unterschiede bzw. Reibungspunkte zwischen den LGBT-, Queer- und feministischen Communitys.

Ein Schlüsselargument betrifft den Unterschied zwischen dem grammatischen und dem semantischen Geschlecht eines Wortes, der sich höchst unterschiedlich interpretieren lässt. Während manche im generischen Maskulinum eine grobe Diskriminierung sehen, sprechen sich andere mit derselben Argumentation für sein Inklusionspotenzial aus – gerade weil das semantische Geschlecht nicht automatisch das grammatische, soziale oder biologische Geschlecht bezeichnen muss.

So hat auch der Bundesgerichtshof die Klage von Frau Krämer (siehe oben) am Ende abgewiesen, weil die grammatikalisch ‚männliche‘ Formularsprache weder gegen das Gleichbehandlungsgesetz noch gegen Artikel 3 des Grundgesetzes verstoße, d.h. auf der Bedeutungsebene keine Geringschätzung des anderen Geschlechtes ausdrücke. Was ist nun Diskriminierung und wo beginnt sie? Reicht bereits eine ungeschickte Formulierung oder muss eine konkrete Absicht bestehen? Wie weit darf man anderen ihre Sprache vorschreiben?

Symptome für ein größeres Problem

So wichtig diese und ähnliche Fragen für das gesellschaftliche Miteinander auch sein mögen, sie wirken letztlich symptomatisch. Bereits vor über 50 Jahren wiesen christliche Denker wie Carl F. H. Henry oder Francis Schaeffer auf ein größeres Problem hin, nämlich dass unserer westlichen Welt die Verstehens- und Lebensgrundlage abhandengekommen sei.

Trotz alter und neuer Ideologien umgibt uns heute eine immense Ratlosigkeit: Was genau ist die Realität? Worauf gründet sie sich und wie kann man sie erkennen? Was macht den Menschen aus und wie sollte man letztlich leben? So ist es verständlich, wenn Gesellschaften die Frage nach der Realität, nach der eigenen Identität und nach der Ethik psychologisieren und individualisieren. Man komponiert sich selbst und muss alle störenden Hürden auf dem Weg dahin überwinden.

Christen werden gut daran tun, diese Anfragen ernst zu nehmen und sie auf der Grundlage der Bibel zu beantworten. Sie sollten erklären, was Mann und Frau wertvoll macht und zugleich voneinander unterscheidet. Sie sollten Diskriminierung und Missbrauch aufdecken und angehen, ohne jedoch unüberlegt die Methoden oder Denkkategorien einer nichtchristlichen Gesellschaft zu kopieren. Zugleich sollten Christen keine Angst vor Gegenwind haben und geduldig aufzeigen: Unsere Sehnsucht nach einer gerechten Gesellschaft werden auch eine gendergerechte Sprache und ähnliche Ansätze nicht stillen können. Umso mehr dürfen Christen Gott mit ihren Worten ehren, bescheiden die Wahrheit sagen und andere Menschen mutig auf Jesus Christus hinweisen. Denn ihn ihm, dem inkarnierten und verherrlichten Gottessohn höchstpersönlich, hat sich uns die wahre, umfassende Gerechtigkeit offenbart.

Abraham Kuyper (Schluß)

 

Abraham Kuyper: Der reformierte Denker 

Denkerischer Ausgangspunkt für Kuyper ist das Bekenntnis zur absoluten Souveränität Gottes. Dieser Glaube an die allumfassende Königsherrschaft von Jesus Christus (engl. Lordship Principle) bedeutete ihm, dass der Calvinismus als eine Lebensanschauung (engl. Life-System) anzusehen ist, die jeden Bereich der Wirklichkeit berührt. Die Herrschaft von Jesus Christus über die gesamte Wirklichkeit konkretisiert sich in drei Ordnungen, die jeweils unmittelbar Gott unterstellt sind, nämlich Staat, Gesellschaft und Kirche (Abraham Kuyper, Lectures on Calvinism, Grand Rapids, MI: Erdmans, Reprint 2002, S. 79). 
 
Einerseits verteidigte Kuyper große (Wieder-)Entdeckungen der Reformatoren wie die tiefe Sündhaftigkeit aller Menschen, die Glaubensgerechtigkeit oder die Erwählung, andererseits gab er dem Calvinismus ein aufgeschlossenes und der Welt zugewandtes Gesicht. Gelingen konnte ihm das durch die gleichzeitige Betonung von Antithese und allgemeiner Gnade.
 
Mit der Antithese hebt Kuyper den Gegensatz von Kirche und Welt heraus. Die Kinder Gottes leben versöhnt nach dem Glauben zur Ehre Gottes. Die Kinder der Welt richten sich nach ihrem eigenen verdorbenen Herzen und rebellieren gegen Gott. Diese vorausgesetzte Antithese führt allerdings nicht in den Kulturpessimismus, dem Kuyper die „allgemeine Gnade“ gegenüberstellt. 
 
Während die spezielle Gnade die erwählten Menschen erleuchtet und mit Gott versöhnt, schenkt uns die allgemeine Gnade, was wir zum Leben benötigen und begrenzt die sündhaften und destruktiven Mächte dieser gefallenen Welt. Von der allgemeinen Gnade profitieren also alle Menschen. Gott versprach im Noahbund, die Erde trotz der Bosheit der Menschen zu erhalten (vgl. Gen 8,21). „Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ Gen 8,22). Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Mt 5,45). Die allgemeine Gnade gibt den Ebenbildern Gottes das Mandat für die Erforschung und Gestaltung dieser Welt. Für die Christen heißt das, dass sie zusammen mit den Heiden kulturschaffend tätig sind. Sie arbeiten, sie engagieren sich für Gerechtigkeit und Wohlfahrt, sie sind künstlerisch tätig oder treiben Sport. All das verbindet sie nicht nur mit den Christen, sondern auch mit ihren ungläubigen Freunden und Nachbarn, deren Leistungen sie wertschätzen. Eine besondere Stellung räumte Kuyper übrigens der Wissenschaft ein, indem er sie in der Schöpfung ansiedelte. „Ohne Sünde“, schrieb Kuyper, „gäbe es weder einen Staat noch die christliche Kirche, aber die Wissenschaft“ (Wisdom & Wonder, Grand Rapids, Michigan, 2011, S. 35). 
 
Im niederländischen Protestantismus erntete der Neo-Calvinismus mitunter scharfe Kritik. Kuyper wurde und wird vorgeworfen, er habe das reformierte Christentum von der überlieferten reformierten Theologie entfremdet. Tatsächlich veränderte sich unter ihm das „reformierte Selbstverständnis“. 
 
Kuyper verlor beispielsweise vertraute Mitstreiter, als er eine Korrektur des Niederländischen Glaubensbekenntnisses (lat. Confessio Belgica) einforderte. Er störte sich am Artikel 36, wo zur Bestimmung des Staates gesagt wird, dass dieser nicht nur für die bürgerliche Verfassung zu sorgen hat, sondern auch darum bemüht sein soll, „dass der Gottesdienst erhalten werde, aller Götzendienst und falscher Gottesdienst entfernt werde, das Reich des Antichrists zerstört, Christi Reich aber ausgebreitet werde. Endlich ist es ihres Amtes zu bewirken, dass das heilige Wort des Evangeliums überall gepredigt werde und dass jeder Gott auf reine Weise nach Vorschrift seines Wortes frei verehren und anbeten könne“. Kuyper sah hier eine unzulässige Verknüpfung von Staat und Kirche und deshalb eine Verletzung der „Souveränität im eigenen Kreis“. Er war überzeugt, dass Familie, Staat und Kirche jeweils eigene Domänen sind, die sich gegenseitig nicht „hineinregieren“ sollten. R. S. de Bruïne (1869–1941) hat diese kuypersche „Sphärensouveränität“ einmal markant formuliert: „Es ist unsere Überzeugung, dass es nicht zur Berufung des Staates gehört, das soziale Leben von oben zu kontrollieren und es in vorgefertigte Bahnen zu pressen … Wir unterscheiden mehrere Kreise: den Staat, die Gesellschaft, die Kirche und die Familie, um nur einige zu nennen. Diese haben alle ihre eigene Natur, ihre eigene Autorität und Verantwortung. (zitiert nach: Joop M. Roebroek, The Imprisoned State, 1993, S. 55). Für Kuyper war es unerträglich, wenn der Staat kirchliche Aufgaben übernahm oder die Institution Kirche versuchte, Politik zu machen. Seine Bemühungen, die Korrektur des Artikels durchzusetzen, traf auf harten Widerstand (vgl. dazu: Peter Heslam, Creating a Christian Worldview: Abraham Kuyper‘s Lectures on Calvanism, 1998, S. 162–164). Schlussendlich wurde die Passage 1905 von den Reformierten Kirchen aber aus dem Bekenntnis gestrichen (Dirk van Keulen, „Der niederländische Neucalvinismus Abraham Kuypers“, S. 356). 
 
Noch ein Beispiel: Vor Kuyper bestritten die Reformierten zwar nicht, dass Christen den Auftrag haben, Gesellschaft zu gestalten. Betont wurde aber vor allem die Erlösung von Sündern. Die Predigten befasste sich meist mit den großen biblischen Themen wie Buße, Glaube, Wiedergeburt, Rechtfertigung, Heiligung usw. Durch Kuyper verschob sich der Schwerpunkt hin zur Weltverantwortung. Die Frage, was der Heilige Geist in den Herzen der Sünder durch das Wort wirkt, wurde zwar nicht ausgeblendet, aber oft von dem überlagert, was Christen tun sollten, um Gesellschaft und Kultur zu prägen (vgl. Cornelius Pronk, „Neo-Calvinism“, S. 49). 
 
Gern wird Kuyper deshalb heute für die sogenannte „transformative Kulturauffassung“ oder „Gesellschaftstransformation“ in Anspruch genommen. Demnach sind Christen dazu beauftragt, sich in gesellschaftliche Prozesse einzumischen und diese auf Mikro-, Meso- und Makroebene zu verändern. Ist diese Vereinnahmung von Kuyper berechtigt? Ja und nein. Tatsächlich wollte Kuyper den Protestantismus entprivatisieren und entwickelte eine „öffentliche Theologie“, die viele neue Anstöße für die parteiische Einmischung und Weltverantwortung lieferte. 
 
Damit überwand er die von Immanuel Kant (1724–1804) angestoßene und noch heute gefragte Aufspaltung der Vernunft in einen öffentlichen und einen privaten Gebrauch. Es bedürfe der Freiheit, „von seiner eigenen Vernunft in allen Stücken öffentlich Gebrauch zu machen“, sagte Kant (Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“, 1974, S. 11). Er kontrastiert den öffentlichen Gebrauch der Vernunft mit dem privaten. Unter öffentlichem Gebrauch versteht er „denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht“ (Ibid., S. 9). Der Privatgebrauch der Vernunft könne dagegen eingeschränkt sein (Ibid., S. 11). Kuyper holte den Glauben, der sich auf Offenbarung berief, wieder
in den öffentlichen Diskurs zurück. Sein Ansatz hob dabei entschieden vom liberalen Kulturprotestantismus ab, der Evangelium und Kultur durchmischte. Zugleich unterschied er – wie oben bereits angesprochen –, scharf zwischen allgemeiner und rettender Gnade. Um es anders auszudrücken: Kuyper verwechselte die Erhaltungsethik nicht mit dem Aufbau von Gottes Reich. Darum wissend, dass das geistliche Reich nicht von dieser Welt ist (vgl. Joh 18,36), schrieb er (A. Kuyper, „Common Crace“ zitiert aus: David VanDrunen, Natural Law and The Two Kingdoms, 2010, S. 295):
 
Wir müssen zwischen zwei Dimensionen dieser Manifestation der Gnade unterscheiden. 1.a. eine rettende Gnade, die am Ende Sünde abschafft und ihre Folgen vollständig rückgängig macht; und 2. eine zeitliche zurückhaltende Gnade, die die Wirkung der Sünde abmildert und aufhält. Die erste … ist ihrer Natur nach eine besondere und auf die Auserwählten Gottes begrenzt. Die zweite … erstreckt sich auf das gesamte menschliche Leben.
 
Die Frucht der besonderen Gnade, die Menschen mit Gott durch Jesus Christus versöhnt, war eindeutig das Herzensanliegen von Kuyper (vgl. S.U. Zuidema, Common Grace und Christian Action in Abraham Kuyper, S. 6). Die Kirche als Institution sollte deshalb treu das Evangelium verkündigen. Kulturpräsenz wird erreicht, da die Kirche als Organismus in der Welt wohnt.
 
Kuypers Wirkung ist ambivalent. Er stärkte das nachmoderne Christentum auf dem Weg zu einem kulturpräsenten Christsein und inspirierte herausragene christliche Vordenker, unter ihnen Herman Bavinck (1854–1921), Hermann Dooyeweerd (1894–1977), Hans Rookmaaker (1922–1977) oder Francis Schaeffer (1912–1984). Doch auch Bewegungen wie der „Christian Reconstructionism“ von Rousas J. Rushdoony (1916–2001) und Greg L. Bahnsen (1948–1995) oder der „shalom-Neo-Calvinismus“, wie er von Alvin Plantinga (* 1932) und Nicholas Wolterstorff (* 1932) vertreten wird, sind von Kuyper inspiriert. Interessanterweise ist der „Christian Reconstructionism“ anti-sozialistisch ausgerichtet und hebt die „Antithese“ zwischen christlichem und weltlichem Denken heraus (vgl. dazu: Thomas Schirrmacher, Anfang und Ende von Christian Reconstruction (1959–1995), 2001). Der „shalom-Neo-Calvinismus“ ist demgegenüber sozialistischen Idealen aufgeschlossen und neigt dazu, die Immanenz Gottes und die Kontinuität zwischen der jetzigen und der zukünftigen Welt zu idealisieren (vgl. dazu: Williams Dennison, „Dutch Neo-Calvinism and the Roots for Transformation“, JETS 42 (1999), Nr. 2, S. 271–291). Gelegentlich wird von den „Transformisten“ deshalb eingestanden, dass sie sich mehr mit dem Beispiel als mit den inhaltlichen Anliegen des niederländischen Theologen identifizieren (z.B. Phillip Morgen, „Abraham Kuyper: Christ Transforming Culture, Helwys Society Forum, URL: http://www.helwyssocietyforum.com).
 
Alles in allem leitete Kuyper vor ungefähr einhundert Jahren eine notwendige und begrüßenswerte Renaissance des reformierten Denkens ein. Wir dürfen dankbar sein, dass er die christliche Weltdeutung aus der Defensivhaltung herausführte und zahlreiche Christen ermutigte, den ideologischen Götzendienst des Modernismus zu dekonstruieren und christliches Denken einzuüben. Wer Jesus Christus nachfolgt, sieht die ganze Welt mit anderen Augen. Wir können und sollten viel von ihm lernen.
 

Aufsätze

Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft: Vor 300 Jahren wurde Immanuel Kant geboren

Erschienen: MBS Texte, Philosophische Anstöße, 21. Jg., Ausgabe 198, 2024

Abstract: Wie verhalten sich Glaube und Vernunft zueinander? Während vor der sogenannten „Aufklärung“ selten ein Widerspruch zwischen beiden empfunden wurde, wird seit dem Einsetzen dieser Bewegung im 17. Jahrhundert der Glaube durch die Vernunft in seine Schranken gewiesen. Zurück geht diese Entwicklung maßgeblich auf den Königsberger Philosophen Immanuel Kant, der vor 300 Jahren geboren wurde. Seine Transzendentalphilosophie hatte umwälzende Auswirkungen für den Weg der neuzeitlichen Theologie. Das Jubiläum bietet Gelegenheit, Kants Sichtweise auf Religion innerhalb der Grenzen bloßer Vernunft zu erörtern.

Download: mbstexte198_phil_anstoesse_deu.pdf

Die „Kommunikation des Evangeliums“

Erschienen: Glauben und denken heute, Nr. 31, 2023, S. 7–35 (zusammen mit Thomas Jeising).

Abstract: In der gegenwärtigen Theologie hat sich unter dem Titel „Kommunikation des Evangeliums“ ein Konzept etabliert, in dem sich die Botschaft des Evangeliums erst aus der Übereinstimmung von Sender und Empfänger bildet. Eine Festlegung auf eine offenbarte Botschaft, die unverändert verkündigt und so geglaubt werden soll – so meint man – sei eine Fehlentwicklung. Das Nachdenken darüber gibt Anlass, die verschiedenen Aspekte der Verkündigung genauer zu betrachten.

Download: KdE_2023.pdf


Neuer Calvinismus: Einblicke in eine junge reformierte Bewegung

Erschienen: Freikirchen Forschung, Nr. 20, 2011, S. 217–234.

Abstract: Aber was steckt hinter dem Namen „Neuer Calvinismus“? Der Beitrag verweist auf die historischen Wurzeln des NC und zeichnet ein Profil der jungen Bewegung. Der Erörterung kritischer Anfragen folgt abschließend ein kurzer Ausblick.


Lady Gaga: Die Meisterin der Provokation

Erschienen: factum 2/2011, S. 24–26.

Abstract: Lady Gaga ist Mitte Zwanzig und schon ein Mythos. Gängige Superlative verblassen inzwischen bei ihr. Sie ist das größte Pop-Phänomen, die berühmteste Frau, eine so begnadete „Performerin“, dass sie erfolgreiche Selbstdarsteller wie David Bowie oder Madonna mühelos übertrumpft. Die Künstlerin aus Manhattan hat über 15 Millionen Alben und 40 Millionen Singles verkauft. Ihre Videos wurden mehr als eine Milliarde Mal im Internet angeklickt, ihre Seite bei Facebook zählt zehn Millionen Fans. Es gibt keinen anderen Musiker, der in so kurzer Zeit aus dem Nichts auftauchte und die Massen in seinen Bann zog.


„Die Strafe liegt auf ihm“

Erschienen: BWL Regionale Informationen Nr. 151 (Jan–Feb 2011), S. 10–21.

Abstract: Dass Gott sich in der Person seines Sohnes stelltvertretend für die gefallenene Menschheit hingibt und Tod und Fluch als Strafe für die Sünden der Menschen trug und sie so mit Gott dem Vater versöhnte, ist ein schon sehr früh beschriebenes Verständnis des Kreuzestodes. Christen haben zu allen Zeiten ihr Vertrauen auf dieses Sühne op fer gesetzt und es als biblisch verteidigt. Heute allerdings erweckt die Rede vom Stellvertretenden Sühneopfer Anstoß. Wir können uns dieser Debatte nicht entziehen. Dieser Artikel geht auf einen Vortrag zurück, den ich bei der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« gehalten habe.


Die Mystik oder das Wort

Erschienen: Bibel und Gemeinde , Ausgabe 3/2010, S. 51–55.

Abstract: Der wohl bedeutendste deutschsprachige katholische Theologe des 20. Jahrhunderts, Karl Rahner (1904–1984), hat am Ende seiner Schaffenszeit die Vermu tung geäußert, dass »der Christ der Zukunft ein Mystiker sei oder nicht mehr sei«. Tatsächlich sind es erfahrungsstheologische Entwürfe, die sich im Anschluss an die unterkühlte Wort-Theologie eines Karl Barth oder Emil Brunner konfessionelle Grenzen sprengender Popularität erfreuen. Im katholischen, evangelischen und freikirchlichen Raum erleben wir seit Jahrzehnten Aufbrüche in eine mystische Frömmigkeit. Was ist davon zu halten?

Download einer Vorversion: MystikoderdasWort.pdf


Apologetik: Den christlichen Glauben denkerisch bezeugen

Erschienen: Bibel und Gemeinde , Ausgabe 2/2010, S. 5–18.

Abstract: Auszug eines zusammen mit Thomas Schirrmacher geschriebenen Aufsatzes aus dem Buch Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können (idea Dokumentation und Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2007).


Kierkegaards Sprung

Erschienen: MBS Texte: Philosophische Anstöße, Ausgabe 144, 2010

Abstract: Schon früh lässt sich im Werk Kierkegaards das alles durchdringende Leitmotiv seines Lebens erkennen. Nicht „Theorie und bloßes Wissen, sondern Tun und Leben, nicht teilnahmslose, neutrale Objektivität, sondern Einsatz und Entscheidung“, sind seine Themen. Kierkegaard vertritt einen strengen Fideismus und hat damit die Bahnen für den europäischen Existentialismus vorgezeichnet.

Download: mbstexte144.pdf


Brauchen wir eine weitherzige Orthodoxy?

Erschienen: MBS Texte: Theologische Akzente, Ausgabe 126, 2009

Abstract: Eine Rezension zum Buch „A Generous Orthodoxy“ von Brian McLaren. A Generous Orthodoxy (dt. etwa »Eine weitherzige Orthodoxie«) ist McLarens bisher gehaltvollstes Werk. Phyllis Tickle rückt es in seinem Geleitwort in die Nähe der 95 Thesen von Martin Luther. So wie der deutsche Reformator dem Europa des 16. Jahrhunderts einen Spiegel vorgehalten habe, so übernehme McLaren diese Aufgabe im 21. Jahrhundert. Die Emerging Church könne das nordamerikanische Christentum ähnlich verändern, wie der Protestantismus das europäische Christentum reformiert habe. Der Artikel versucht den Botschaften des Buches nachzuspüren.

Download: mbstexte126_a.pdf


Christsein zwischen Weltflucht und Anpassung

Erschienen: Chrischona Panorama 04/2008, S. 8–10.

Abstract: Wir dürfen uns also über das neue evangelikale Engagement zum Beispiel in den Bereichen Politik, Armutsbekämpfung, Ökologie oder Kunst freuen. Ebenso ermutigen die aufkommende gesunde Selbstkritik, die Offenheit für den Einsatz kreativer Verkündigungsstile oder die Verknüpfung von Evangelisation und Diakonie. Trotzdem kann die neuerliche Umgestaltung des Glaubens (sie wird von ihren Befürwortern ›Transformation‹ oder ›zweite Reformation‹ genannt) insgesamt nicht überzeugen.

Download: www.panorama.chrischona.org


Eine neue Unübersichtlichkeit

„Emerging Church“ – Was ist das denn?

Erschienen: Perspektive 05/2008, S. 18–20.

Abstract: Aufmerksam lebenden Christen begegnet heute im Gespräch oder bei der Lektüre vermehrt die rätselhaften Rede von der »Emerging Church«. Gute Englischkenntnisse oder ein Wörterbuch helfen beim Entschlüsseln dieses Namens kaum weiter. Das Substantiv »church« steht für »Kirche« oder »Gemeinde« und das Verb »emerge« kann mit »auftauchen« oder »zum Vorschein kommen« übersetzt werden. »Emerging Church« heißt deshalb wörtlich so viel wie »auftauchende, neu entstehende« oder »sichtbar werdende Kirche«. Aber was ist damit gemeint?

Download: theoblog.de


Eine fatale Sehnsucht

Wenn Menschen sich eine Behinderung wünschen

Erschienen: ideaSpektrum Nr. 31/32, 2. August 2006, S. 19.

Abstract: Menschen mit »Body Integrity Identity Disorder« (BIID; deutsch: Störung der körperlichen Integrität und Identität) empfinden eine tiefe Sehnsucht nach Selbstverstümmelung. Mit der Ausbreitung dieser Krankheit treten Fragen auf, die Christen nicht gleichgültig sein dürfen.


Müssen wir das „sola scriptura“-Prinzip aufgeben?

Müssen wir das »sola scriptura«-Prinzip aufgeben. Anmerkungen zu

Klaus Bergers Kritik an der reformatorischen Hermeneutik

Erschienen: Bibel und Gemeinde, Nr. 2/2005 (105. Jg.), S. 36–48 (auch erschienen als MBS Text 058).

Abstract: Eine Auseinandersetzung mit der Hermeutik des Heidelberger Neutestamentlers Klaus Berger. Der Text geht auch auf seine streitbare Position bzgl. Homosexualität ein.

Download: klausbergerbug20052.pdf


Vom Ende der großen Erzählungen

Vom Ende der großen Erzählungen: JEAN FRANÇOIS LYOTARD und das »Das postmoderne Wissen«

Abstract: Kurze Darstellung und Kritik eines Hauptwerkes der Postmoderne.

Erschienen: Als Prizme-Beilage in Litauisch: Didžiuju pasakojimu pabaiga: Jeanas Francois Lyotard’as ir »Postmodernus buvis«, Prizmes Paskaita 1999. Erschienen außerdem als MBS-Text (3) 2004.

Download: mbstexte003_02.pdf


Wort und Tat

Erschienen: Impulse, Nr. 1/2003. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.

Download: impulse103.pdf


Über belehrte Unwissenheit

Über belehrte Unwissenheit: Nikolaus von Kues – Mitbegründer der modernen Wissenschaft

Abstract: Man pflegt mit dem Philosophen René Descartes (1596–1650) den Beginn der Neuzeit anzusetzen. Während »Gott« das Denken der mittelalterlichen academia beherrschte, rückte durch den Skeptizismus Descartes der »Mensch« in das Zentrum der wissenschaftlichen Bemühungen. Der Mann, der zwischen dem spekulativen Mittelalter und der neuzeitlichen Wissenschaft eine Brücke baute, war Nikolaus von Kues, der wohl bedeutendste christliche Philosoph des 15. Jahrhunderts.

Erschienen: Professorenforum-Journal 2003, Vol. 4, No. 2. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.

Download: nikolausvkues1.0.pdf


Die Entwertung des Menschlichen

Anmerkungen zur postmodernen Humanismuskritik

Erschienen: Professorenforum-Journal 2002, Vol. 3, No. 2. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.

Abstract: Nach dem Verschwinden Gottes in der Aufklärung verschwindet in der Postmoderne auch der Mensch – mit verheerenden Folgen.

Download: professorenforum20023.pdf


Die Philadelphia-Bewegung

Versuch einer Beurteilung

Erschienen: Bibel und Gemeinde, Nr. 3/1991. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.

Abstract: Eine knappe Darstellung und Beurteilung von Christian Röckler und der von ihm gegründeten Philadelphia-Bewegung. Es handelt sich um eine gescannte Version. Kleine Fehler im Layout und Text bitten wir zu entschuldigen.

Download: philadelph.pdf

10 Jahre TheoBlog und die Weihnachtsaktion 2017

Wir sind in der Adventszeit angekommen. Bald feiern wir wieder Weihnachten, erinnern uns gegenseitig daran, dass Gott in dem Menschen Jesus Christus zu uns gekommen ist. In meiner Kindheit und Jugend war die Weihnachtszeit keine ersehnte Zeit. Weihnachten war nichts los, in der Familie gab es oft Stress und Freunde waren nicht erreichbar. Erst als ich verstand, worum es zu Weihnachten wirklich geht, konnte ich mich diesen Feiertagen innerlich nähern. Heute freue ich mich sogar auf die Tage im Kreis der Familie. Weihnachten erinnert mich daran, wie gut es Gott mit seiner Welt meint, wie sehr er uns liebt. Obwohl wir als Sünder nichts von ihm wissen wollten, ist er zu uns gekommen, hat uns gesucht. Dass er mich gefunden und mit seinem Evangelium beschenkt hat, überwältigt mich immer wieder neu.

Der TheoBlog ist 2017 übrigens 10 Jahre alt geworden. Ich habe mir in den letzten Tagen angeschaut, worüber ich vor 10 Jahren an dieser Stelle berichtet und geschrieben habe. Viel Aufmerksamkeit absorbierte damals die Emergente Bewegung. Etliche Beiträge drehten sich um die Postmoderne oder die Kontextualisierung des Evangeliums. Obwohl die Emergente Bewegung als Bewegung inzwischen keine große Rolle mehr spielt, muss ich feststellen, dass viele ihrer Ideen und Ansätze inzwischen Mainstream geworden sind. Ich zitiere mal aus einem Vortrag, den ich ziemlich genau vor 10 Jahren an der FTH in Gießen anläßlich einer Deutschlandtournee des emergenten Brian McLaren gehalten hatte:

Doch unter der scheinbar so beschaulich ruhigen Oberfläche brodelt es. Ich sehe an Bibelschulen und theologischen Seminaren eine wachsende Zahl von Studierenden, die der evangelikalen Theologie innerlich bereits aufgekündigt haben und mit Begeisterung Bücher von Brian McLaren, Dan Kimball, Frost & Herbst oder Rob Bell durcharbeiten. So manch junger Christ, der sich auf geistliche Leitungsaufgaben vorbereitet, scheint davon überzeugt zu ein, ein neues kirchengeschichtliches Kapitel sei angebrochen und die Versöhnung von liberalem und evangelikalem Christentum stünde bevor.

Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, mit evangelikalen Freunden z.B. über folgende Fragen zu diskutieren:

  • Können wir wirklich behaupten: alle Menschen sind böse von Jugend auf?
  • Unterscheidet die Bibel zwischen einem DRIN und einem DRAUSSEN? Schafft dieses Denken nicht trennende und diskriminierende Barrieren?
  • Gibt es so etwas wie eine verbindliche biblische Sexualethik?
  • Ist nicht der Zweifel höchste Form des Glaubens und sind Wissen und Gewissheiten nicht Symptome für Selbstüberschätzung und Arroganz?
  • Ist Gott wirklich personal? Selbst wenn er es ist, müssten wir nicht unsere Gottesvorstellungen von Konzepten wie „Allwissenheit“ oder „Allmacht“ reinigen? Lernt nicht auch Gott aus seinen Fehlern?

Mein damaliges Unbehagen hat sich bestätigt. Diese und ähnliche Fragen prägen inzwischen nicht mehr nur die Diskussionen auf emergenten Foren, sondern sind in der Mitte der evangelikalen Bewegung angekommen und in gewisser Weise sogar schon zugunsten einer postmodernen Methodologie und Kultur entschieden worden. Ich sage das nicht nur, weil ich allerlei Blogs oder Zeitschriften studiere. Gespräche und ein intensiver brieflicher Austausch haben meine Wahrnehmung oft bestätigt. Die Botschaft der Kirche ist heute die eigene Relevanz. Wir wollen uns selbst als für die Welt bedeutsam und attraktiv darstellen. Und wir merken dabei nicht, dass das, was wir der Welt bieten können, ziemlich überschaubar ist. Und: Das einzige, was die Welt sich nicht selbst geben und sagen kann, wird längst unscharf oder überhaupt nicht mehr verkündigt.

Der Geist der Wahrheit redet aber nicht von sich und verherrlich auch nicht die Träume und Taten der Frommen. Der Heilige Geist leitet uns in alle Wahrheit, redet, was er vom Vater empfängt und verherrlicht Christus (vgl. Joh 16). Es geht um den Retter der Welt angesichts eines drohenden Gerichts. Paulus wusste genau, warum er den Korinthern schrieb (2Kor 4,6–6): „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Was können wir angesichts dieser geistlichen Armut in Europa noch tun? Ich stehe zu dem, was ich vor 10 Jahren in dem oben erwähnten Vortrag gesagt habe:

Lernen wir von den Reformatoren und den klugen geistlichen Leitern der lebendigen Kirche! Was haben Luther, Bucer, Calvin, Jonathan Edwards oder Francis Schaeffer gemacht? Der Segen kam nicht dadurch, dass sie sich gegenüber dem Geist der Zeit geöffnet haben. Die erwecklichen Bewegungen, die wir natürlich nie produzieren können, sondern immer Gnadenakt Gottes sind, wurden durch etwas entfacht, was John Stott das „doppelte Hören“ genannt hat. Das Hören auf das, was Gott in seinem Wort sagt, und das Hören auf das, was in dieser Welt passiert. Wenn wir mit beiden Ohren hören, können wir den Menschen Gottes Interessen kommunizieren. Die Erweckungen kamen durch eine neue Hinwendung zur Selbstoffenbarung Gottes in der Heiligen Schrift und durch eine tiefe Liebe für die Not der Menschen in dieser Welt.

Was mich bei aller berechtigen Sorge und Klage fröhlicher stimmt als vor 10 Jahren, ist die Tatsache, dass immer mehr junge Christen genau die Sackgasse, in die wir uns hineingefahren haben, durchschauen. Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich Menschen getroffen, die längt bemerkt haben, dass das Japsen nach Relevanz, Transformation oder Unterhaltung nicht in den Aufbruch, sondern in die Bedeutungslosigkeit und in eine – ich formuliere bewusst dialektisch – „betörende Funkstille“ geführt hat. Die Welt wird nicht besser, indem wir uns ihr verschenken. Die Welt braucht etwas, was nicht von der Welt ist. Wenn wir nicht von der Quelle her leben und verkündigen, fehlen Würz- und Leuchtkraft. Genau deshalb ist es ja unser Auftrag, das Wort des Christus, das schriftgemäße Evangelium von der freien Rechtfertigung des Sünders, weiterzugeben (vgl. Röm 10,17). So entsteht Glaube. So werden Menschen gerettet. So werden Menschen verändert. So ziehen Menschen mit einer Botschaft in die Welt.

Es gibt also kleine Zeichen geistlichen Aufbruchs. Auch das neue Interesse an textauslegenden Predigten deutet darauf hin, dass dem Wort Gottes etwas zugetraut wird. Der Umfang ist zwar bescheiden, aber es zeigt, dass die Gemeinde lebt.

So sehr ich mich darüber freue, so sehr bin ich allerdings davon überzeugt, dass es weiter gehen muss. Ich habe in dem Beitrag „Wie Weltanschauungen Christen heute beeinflussen“ einige Anregungen dazu formuliert. Wir brauchen:

  • eine vertiefte Beschäftigung mit der (heute so unbeliebten) biblisch-christlichen Dogmatik;
  • eine apologetisch-konfrontative Auseinandersetzung mit nicht-christlichen Weltanschauungen, zu der auch die Schulung im philosophischen Denken und die Kulturapologetik gehören (z.B. Medienkritik);
  • eine Kampfansage an das Wohlfühlchristentum, welches meint, mit Entertainment, versöhnter Verschiedenheit, populistischem Lobpreis und Lebenshilfepredigten erfülle Gemeinde ihre Berufung;
  • eine Wiederbelebung der Katechese unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Familien- und Gemeindeumfeld;
  • radikale und greifbare Modelle einer schöpferischen Gegenkultur, die die Wahrheit und Schönheit des evangelischen Glaubens gerade auch für junge Menschen greifbar werden lässt;
  • ein Jüngerschaftstraining, welches Nachfolge nicht auf Fragen persönlicher Frömmigkeit reduziert.

In diese Richtung sollten wir betend und mutig gehen!

10 Jahre TheoBlog. Tatsächlich kenne ich Freunde, die seit 10 Jahren immer mal wieder hier vorbeischauen, kommentieren oder mir Empfehlungen zusenden. Bei Vorträgen oder nach Predigten werde ich hin und wieder von Leuten angesprochen, die mir sagen, dass sie durch Beiträge des TheoBlogs inspiriert, korrigiert oder ermutigt worden sind. Das stimmt mich sehr dankbar!

Ich möchte mich auch diesmal bei allen TheoBlog-Lesern herzlich für das Interesse und die Diskussionsbeiträge bedanken.

Etliche Besucher haben in diesem Jahr wieder Bücher, DVD’s oder Elektroartikel über TheoBlog bei Amazon bestellt (mehr dazu hier) oder über den Buchladen geordert. Mehrere Spenden zur Unterstützung des Blogs habe ich ebenfalls erhalten. Vielen herzlichen Dank dafür! Das ist eine großartige Unterstützung!

Falls jemand mit einer Weihnachtsspende über Paypal oder die angegebene Bankverbindung TheoBlog.de unter die Arme greifen möchte, kann er das über das Formular hier tun.

Wie üblich will ich mich durch eine kleine Aufmerksamkeit erkenntlich zeigen. Anläßlich des Jubiläums wird die Aktion diesmal etwas umfangreicher ausfallen. Wieder hat jeder Blog-Leser die Chance, in der Weihnachtszeit ein Päckchen zu empfangen. Allerdings verlose ich diesmal drei Bücher. Und zwar: 

Erster Preis: Johannes Calvin, Unterricht in der Christlichen Religion – Institutio Christianae Religionis, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 3. Aufl., 2008, 860 S.

Die Institutio christianae religionis ist das theologische Hauptwerk Johannes Calvins. Sie ist 1536 zum ersten Mal in Basel erschienen. In der endgültigen Fassung liegt der „Unterricht in der christlichen Religion” seit 1559 in vier Teilbüchern mit insgesamt 80 Kapiteln vor.

Calvins Hauptwerk gehört zu den zehn wichtigsten Schriften der Christenheit. Durch das aufmerksame Studieren biblischer Aussagen gelangt Calvin zu einer umfassenden theologischen Gesamtsicht des christlichen Glaubens und seiner praktischen Verantwortung.

Übrigens treffe ich immer wieder auf sendungsbewusste Calvin-Kritiker, die nicht eine Seite der Institutio gelesen haben und imprägniert sind von einem Calvin-Bild, wie es etwa der Schriftsteller Stefan Zweig vermittelt hat.

Die zu gewinnende Ausgabe gibt die hervorragende Übersetzung von Otto Weber sprachlich leicht modernisiert in lateinischer Schrift wieder.

Zweiter Preis: Berthold Schwarz (Hg.), Martin Luther – Aus Liebe zur Wahrheit, Christliche Verlagsgesellschaft, 2016, 499 S.

Martin Luther hat bereits zu seinen Lebzeiten polarisiert. Die einen waren fasziniert von ihm und von der Wiederentdeckung des biblischen Evangeliums von der Gnade. Sie ließen sich von ihm zu neuer Christus- und Glaubenstreue einladen. Die Entdeckung der Bibel als Lebens- und Glaubensbuch sowie die anbetende Anschauung des Gekreuzigten faszinierte viele. Andere waren ihm weniger wohlgesonnen. Sie wünschten ihm die Pest an den Hals, weil er mit seinen an der Bibel orientierten „Reformen“ ganz Europa in Aufruhr versetzte und die gewohnten Ordnungen von Kirche und Obrigkeit zu gefährden drohte.

Luther selbst blieb zeitlebens der „Liebe zur Wahrheit“ verpflichtet, so wie er sie verstand. Was diese Liebe zur Wahrheit bei ihm bedeutete, das will dieses Buch 500 Jahre nach dem Bekanntwerden der 95 Thesen gegen den Ablasshandel im Jahre 1517 in Erinnerung rufen und auf die eine und die andere Weise neu zur Sprache bringen.

22 Autoren haben in unterschiedlich gewichteten Beiträgen die Vielfalt der Gedanken Luthers zur Reform der Kirche „an Haupt und Gliedern“ oder Aspekte ihrer Wirkungsgeschichte ausformuliert. Dadurch können auch heute wieder interessierte Christen Luthers Bemühungen um ein an Christus (solus Christus), an der Bibel (Sola scriptura), an der Gnade (sola gratia) und am Glauben (sola fide) orientiertes Christenleben erstmals oder vertieft kennen lernen, und dabei auch wahrnehmen, was es in der Konsequenz heißen kann, zur Ehre Gottes zu leben (soli Deo gloria). Deshalb ist das Buch auch in diese fünf Kategorien nach den „sola-Begriffen“ unterteilt, die klassisch das reformatorische Erbe zusammenfassen. Diesen Oberbegriffen sind die Einzelbeiträge thematisch zugeordnet.

Dritter Preis: James I. Packer, Gott erkennen, Heroldverlag, 2014, 375 S.

James I. Packers Buch ‚Gott erkennen‘ wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Klassiker des christlichen Glaubens. Erstanden ist es aus eine Reihe von Artikeln, die der Theologe geschrieben hatte. Der Grund für den Erfolg des Buches liegt darin, dass es eine Fülle von Informationen über Gott und Sein Wesen vermittelt – und das mit großer Klarheit, Tiefe und Verständlichkeit. Aber es kann noch mehr. Es hilft uns dabei, Gott wirklich zu erkennen, indem es unsere Beziehung zu ihm fördert, indem es uns in Liebe und Anbetung ihm näher bringt.

Diese Neuauflage, herausgegeben vom Herold Verlag, enthält einen Studienführer mit Fragen zu jedem Kapitel.

Um Empfänger eines dieser Bücher werden zu können, sind folgende drei Punkte zu beachten:

  • Sie müssen TheoBlog regelmäßig lesen (Vertrauenssache).
  • Sie müssen mir über das Kontaktformular Ihre E-Mail-Adresse mitteilen (und dabei unbedingt das Stichwort: „Weihnachtspäckchen 2017“ erwähnen).
  • Am 20. Dezember werde ich von meiner jüngsten Tochter unter allen übersandten Adressen die drei Empfänger über ein Losverfahren auswählen lassen und die gewählten Personen kontaktieren (Vertrauenssache). Dabei gewinnt das erste gezogene Los den ersten, das zweite den zweiten und das dritte Los den dritten Preis. Nach Übersendung der Postanschrift schicke ich das Päckchen an den Gewinner.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Ich wünsche eine besinnliche Adventszeit.

– – –

Hier noch die 8 Beiträge, die in den 10 Jahren am häufigsten gelesen wurden:

  1. Das Leben in zwei Reichen
  2. Die Radikalisierung der »Wort+Geist«-Bewegung
  3. Cindy Sherman – Meisterin der Verfremdung und Irritation
  4. Das Sühneopfer von Jesus Christus
  5. Die Liebe siegt? Eine Buchbesprechung über »Love Wins« von Rob Bell
  6. Drei Tipps für das Hörende Gebet
  7. Die Lutherstube auf der Wartburg
  8. Verwinkelte (kostspielige) Postmoderne

Vishal Mangalwadi: Wie wir wurden, was wir sind

Nachfolgend eine Rezension des Buches:

von Hanniel Strebel.

41SyBdCn0uL SX315 BO1 204 203 200Ich beginne zunächst mit der Wirkung, die dieses Buch in meinem direkten Umfeld hinterlassen hat: Es rief auf breiter Front Interesse hervor. Freunde haben das Erscheinen auf Facebook angekündigt und bejubelt. Der fontis-Verlag (ehemals Brunnen-Verlag) hat die Übersetzung des rund 600 Seiten starken Buches von Vishar Mangalwadi in die deutsche Sprache bewerkstelligt. (Da ich viele Bücher in englischer Sprache lese, bin ich Übersetzungen gegenüber skeptisch geworden. So viel kann ich jedoch vorausschicken: Die Übersetzung ist insgesamt ordentlich gelungen. Bei einigen Zitaten stockte ich beim Lesen und erkannte das Ringen des Übersetzers um eine angemessene deutsche Wiedergabe.) Ich kann so viel sagen: Das Buch wurde nicht alt auf meinem Nachttisch. Trotz anderweitiger Verpflichtungen hatte ich es innerhalb von vier Tagen gelesen. Und nicht nur das. Schon nach dem ersten Teil drängte es mich, meiner Frau und meinen Söhnen davon zu erzählen. Fasziniert hörte ich einige Tage später meinem Ältesten zu, wie er einer anderen Person vom Gehörten weiter erzählte. Wie gewohnt las ich einzelne Passagen unterwegs. Es dauerte nicht lange, um mit einer Dame ins Gespräch zu kommen. „Das Buch der Mitte“ zieht nur schon mit der Überschrift, der Größe und der Aufmachung bestimmte Menschen an. Die Gesprächspartnerin hat sich den Titel jedenfalls gemerkt und beabsichtigte das Buch zu erwerben. Sie wird bestimmt nicht durch interessante Thesen enttäuscht werden wie beispielsweise: „Heute ist die Bibel der wesentliche Faktor, der dazu beiträgt, den afrikanischen Intellekt zu wecken, genau wie sie das einst im Westen tat“ (484).

Diese Beschreibung ruft die nächste Frage hervor: Wie ist die Faszination zu erklären? Erstens stammt das Buch von einem Inder. Wir Europäer sind durch den Verlust unserer eigenen westlichen Kultur sehr offen gegenüber den Ideen des Ostens. Zweitens arbeitete der Autor mehrere Jahrzehnte in einer Region Indiens, die kein Mensch mit Interesse an der eigenen Sicherheit aufgesucht hätte. Nicht nur erlebte er bittere Armut, sondern auch den Widerstand der lokalen und regionalen Behörden. Er wurde bedroht und mit Gefängnis bestraft. Verwandte und Freunde wurden brutal misshandelt und sogar ermordet. Das verstärkt die Glaubwürdigkeit seiner Worte. Drittens bleibt Mangalwadi trotz seiner überdeutlichen Sozial- und Gesellschaftskritik zuversichtlich. Die Sonne darf und kann auch über dem Westen wieder aufgehen. Viertens fehlt es uns heute sehr an einer Gesamtschau der westlichen Geistesgeschichte. Die Sozialwissenschaften haben eine Unmenge an fragmentierten, einander widersprechenden Theorien und (Teil-)Erklärungen hervorgebracht. Wir werden mit Informationen überflutet. Uns fehlt jedoch der Rahmen, um die Informationen einzusortieren. Hier füllt das Buch eine Lücke! Kein Wunder also, dass eine Empfehlung auf der Rückseite des Buches bereits die Verbindung zu Francis Schaeffers Werk „Wie können wir denn leben?“ herstellt. Und sicher, auch Mangalwadi ist – wie viele andere bedeutende evangelikale Denker des 20. Jahrhunderts – von Schaeffer geprägt worden. Fünftens glaube ich, dass das Interesse von „Phantomschmerzen“ herrührt, die auf das bewusste Zurückweisen der Bibel in unserer Kultur zurückzuführen sind. Wir haben dadurch unsere Mitte verloren. Gehe ich zu weit, wenn ich behaupte, dass wir diesen Verlust spüren und uns nach Gottes Wort zurücksehnen? Sechstens verknüpft Mangalwadi die Botschaft dieses Buches mit Bereichen, die wir auf den ersten Blick nicht miteinander zusammenbringen würden, zum Beispiel mit Vernunft, Technik, Heldentum, Literatur oder Wissenschaft.

Jetzt müssen wir uns jedoch der Hauptthese des Buches zuwenden. Der Prolog ist mit „Reise in die Seele der modernen Welt“ überschrieben. Woraus bestand denn diese Seele? Der deutsche Untertitel liefert die Antwort: „Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur“. Das trifft den Inhalt sehr gut. Diese Seele ist nämlich amputiert worden. „Heute lehnen viele Menschen die Bibel ab, sie halten sie für irrational und nicht mehr zeitgemäß. Andere sind der Ansicht, dass die Bibel für Rassendiskriminierung, sektiererischen Fanatismus, Sklaverei, Unterdrückung der Frau, Hexenverfolgung, Wissenschaftsfeindlichkeit, Umweltzerstörung, Diskriminierung der Homosexuellen und Religionskriege verantwortlich sei“ (S. 48). In seinem eigenen Land, Indien, übte der indische Journalist, Autor und Politiker Arun Shourie herbe Kritik an der christlichen Mission in Indien. Das Buch von Mangalwadi ist eine umfassende Antwort auf diese Kritik. Sie ist verbunden mit seiner persönlichen Lebensreise. „Ich entdeckte die Bibel während meines Studiums in Indien. Dies veränderte mich als Person, und schon bald begriff ich, dass im Gegensatz zu dem, was an der Universität gelehrt wurde, die Bibel die Kraft war, die das moderne Indien hatte entstehen lassen“ (50). Vielleicht hilft es ergänzend, einen kleinen Abstecher ins erste Kapitel „Der Westen ohne seine Seele“ zu machen. Mangalwadi startet mit einer Gegenüberstellung des Lead-Sängers von Nirwana, Curt Cobain (1967–1994), mit dem Musiker Johann Sebastian Bach (1685–1750). Der Name der Band ist Programm: Es geht um die Auflösung der illusionären Persönlichkeit. Die Leugnung des göttlichen Seins führt zur Leugnung des menschlichen Seins (28). Cobains früher Suizid wertet Mangalwadi als Folge des „Nichtseins ultimativer Wahrheit“ (32). Er steht stellvertretend für den Westen, der dabei sei, seine „Tonalität zu verlieren – seine ‚Grundtonart‘, seine Seele, seine Mitte, seinen Bezugspunkt für Spannung und Auflösung“ (46). Das Leben Bachs wurde, obwohl äußerlich durch ähnliche Lebensumstände wie Cobain (früher Verlust der Eltern), ganz anders geprägt, nämlich durch Luthers Bibelauslegung (44). Bach glaubte, die Musik sei „eine ‚harmonische Euphonia, ein Wohlklang zur Ehre Gottes‘“ (zit. ebd.).

Jetzt sind wir definitiv inhaltlich in das Buch eingestiegen. Ich habe schon einige Bruchstücke aus Mangalwadis Leben aufgegriffen. Eine wichtige Ergänzung dazu stellt der Rückblick auf seine eigenen Zweifel am Erkennen einer objektiven Wahrheit dar. In einem einsamen Moment mit seinem Hund in einer stockfinsteren Nacht ging ihm die Wahrheit auf: „Jackie (sein Hund) akzeptierte die Dinge vorbehaltlos, selbst die Dunkelheit. Ich dagegen hatte klare Vorstellungen von dem, was sein kann oder sein sollte, und ich versuchte, die Fakten zu ändern. Das ist Kreativität: Ich bin ein Teil der Natur, aber ich bin nicht ausschließlich und nicht vollständig Teil der Natur“ (82). „Wir können Metalllegierung erfinden, die nicht in der Natur vorhanden sind, und Blumen und Früchte züchten, die normalerweise nicht existieren. Das beweist, dass sich etwas in uns befindet – nennen wir es kreative Vorstellungskraft –, das Natur, Kultur und Geschichte übersteigt“ (83). „Wie gelingt es dem menschlichen Gehirn, die unsichtbaren Gesetze in Erfahrung zu bringen, die das Universum beherrschen, und anschließend in Worte zu fassen? Worte, die nachprüfbar sind und bei denen der Nachweis erbracht werden kann, ob sie richtig oder falsch sind? Indiens nichtrationale, nonverbale Mystik produzierte Mantras und Magie. Um Atomkraft zu entwickeln, brauchten wir jedoch Gleichungen und Atomwissenschaft“ (86).

Die Überschrift der nächsten drei Kapitel lautet „Der Same der westlichen Zivilisation“. Mangalwadi nennt drei Kennzeichen: Mitmenschlichkeit, Vernunft und Technik. Die Würde des Menschen leiteten die Humanisten der Renaissance nicht etwa von griechischen und römischen Denkern, sondern aus der Bibel her (108). Das biblische Denken brach mit dem vorchristlich-heidnischen Denken, dem griechisch-römischen kosmischen Weltbild und dem islamischen Fatalismus (106). Durch die Entwicklung der Vernunft, nämlich durch die Investition von „Fertigkeit, Geschicklichkeit und Urteilsvermögen“ in die Arbeit entstand Reichtum (137). Diese Arbeit des Verstandes wurde wiederum zum Wegbereiter für neue Ideen der Technik. Die Zuversicht stammte aus der Einsicht, dass Gott als Architekt des Kosmos eine gewisse Ordnung und Struktur ins Geschaffene gebracht hatte.

Der vierte Teil „Die Revolution des Jahrtausends“ beschäftigt sich mit der Neudefinition des Heldenbegriffs und mit der umwälzenden Auswirkung der Bibelübersetzungen. Selbsthingabe gilt bis heute als angesehener als Welteroberung oder ritterlicher Heldenmut. „Die Bibel verdrängte das klassische Verständnis vom Helden als Welteroberer und die mittelalterliche Sicht vom Helden als tapferem Ritter. An ihrer Stelle trat nun ein Held, der sich selbst zum Wohl anderer opfert“ (181). Die neu entstehenden Übersetzungen der Bibel in die Sprache des Volkes brachte die Frage nach der obersten Autorität auf. „Hier stand die grundsätzliche Frage im Raum, wer die letzte Autorität besaß – der Papst oder die Schrift“ (211).

Teil fünf, „Die intellektuelle Revolution“, knüpft direkt an diese Gedanken an. „Ohne die Bibel haben die Universitäten […] keine Grundlage mehr für das Festhalten an der ursprünglichen Idee der Nationalstaaten“ (244). Durch das Nationalbewusstsein der Juden des Alten Testaments bekam „der biblische Patriotismus eine ganz besondere Färbung: Die Liebe, die der Einzelne für sein eigenes Volk und sein Land empfand, galt als Widerschein der Liebe Gottes zu seinem Volk“ (246). Auch das moderne Schreiben ist tief geprägt durch die der Bibel wichtigen Themen der Charakterveränderung und –entwicklung (257). Was bleibt übrig ohne diese Seele des Schreibens? „Ohne die Existenz eines trinitarischen Gottes bleibt den postmodernen Schriftstellern nichts anderes übrig, als sich voll und ganz auf den Augenblick zu konzentrieren in dem Versuch, ihr reales Bedürfnis nach Transzendenz zu vergessen. In ihrem ständigen Suchen nach einer persönlichen Seele verschärfen sie den Verlust der kollektiven Seele des Westens“ (272).

Das nächste Kapitel über die universitäre Bildung ist ein gutes Beispiel, um den Einfluss der Bibel auf die indische Nationalgeschichte zu illustrieren. Mangalwadi kommt zum Schluss: „Die Geschichte der indischen Bildungsrevolution ist vorbildlich. Im 19. und 20. Jh. orientierten sich viele westliche Missionen in den Ländern der Dritten Welt an diesem Muster. Sie gründeten, finanzierten und unterhielten Hunderte von Universitäten, Tausende von Colleges und zehntausende Schulen. Sie unterrichteten Millionen von Menschen und bewirkten in den Völkern Veränderung. Dieser gigantische weltweite Auftrag wurde inspiriert und getragen von einem Buch – der Bibel“ (291). Der durch die Bibel getragene Bildungsauftrag für alle Schichten trat dem Klassendenken maßgeblich entgegen (303).

Erstaunlich, doch auf den zweiten Blick nachvollziehbar, ist die Wirkung der Bibel auf die Entwicklung der Wissenschaft. „Die Wissenschaft beruht auf einem Paradox und muss darauf vertrauen, dass Menschen in der Lage sind, die Natur zu transzendieren […] Dennoch erfordert Wissenschaft Demut – das Akzeptieren der Tatsache, dass Menschen nicht göttlich, sondern endlich und gefallen sind und damit anfällig für Sünde, Irrtum und Selbstüberschätzung“ (310). Die Bibel veranlasste die Pioniere der Wissenschaft, aktiv zu werden und die Gesetze der Natur zu entdecken (313).

Nicht mehr überraschend ist die Überschrift des sechsten Teils: „Was brachte den Westen an die Spitze?“ Wohlgemerkt schreibt hier kein westlicher, sondern ein indischer Denker. Er befasst sich mit fünf Bereichen: Ethik und Werten, der Familie, Mitgefühl und Barmherzigkeit, Reichtum und Freiheit. Die Statistiken besagen, dass die Staaten, „die am stärksten von der Bibel geprägt sind, die niedrigste Korruptionsrate haben“ (353). Persönliche Errettung und soziale Erneuerung gehören eben zusammen. „Nicht nur im Herzen, sondern auch im Denken und Handeln vieler Menschen fand eine Veränderung statt, die wiederum Auswirkungen auf die Gesellschaft und das öffentliche Leben hatte“ (374). Die biblische Sexualethik brachte unbeschreibliche Erleichterungen für die Frau, indem sie etwa nicht nur die Keuschheit der Frauen, sondern „auch vom Mann Selbstdisziplin und Reinheit der Gedanken“ forderte (385). Die biblischen Gebote beeinflussten die Einstellung zu Ehebruch, Vergewaltigung, Mord, Scheidung, Liebe zur Ehefrau und Fürsorge für die Witwen (389). Hinwendung zu den Kranken und das Engagement in Lehre und Forschung spielen eine große Rolle in der Entwicklung der Medizin (420). Vermehrung von Reichtum durch schwere und kreative Arbeit sowie Sparsamkeit wurden zum Hauptmerkmal des Kapitalismus (442). „Wenn ein Schuhmacher beschließt, seine Schuhe zur Ehre Gottes herzustellen, dann verwendet er kein schlechtes Material und er schlampt auch nicht bei der Verarbeitung, sondern strebt bei seiner Arbeit eine hohe Qualität an“ (452). Die Bibel steuerte auch wesentliche Impulse zu einer gerechten Regierungsform bei, z. B. gegenseitige Kontrolle und Gewaltenteilung (467).

Der siebte und letzte Teil trägt den Titel „Die Moderne erobert die Welt“. Nicht von ungefähr widmet sich das 19. und vorletzte Kapitel der Weltmission. Am Beispiel von Rochunga Pudaite (* 1927), der in die USA aufbrach, in Wheaton studierte, seinem Volk die Bibel übersetzte und für seinen Stamm einen gewaltigen Umbruch initiierte, erläutert Mangalwadi die positive gesellschaftliche Veränderung durch die befreiende Botschaft des Evangeliums. Dieses Kapitel brachte mich zum Weinen. Haben wir verstanden, was wir den Menschen im Westen vorenthalten, wenn wir denken, wir dürften sie nicht mehr mit einer objektiven Wahrheit konfrontieren? Doch: Die Sonne muss nicht über dem Westen untergehen. „Relativismus ist der einzige Wert, den eine Gesellschaft, die keine endgültigen Wahrheiten akzeptiert, noch vorschreiben kann“ (505). Geht der Westen seinen Weg über die Aufklärung in die Umnachtung weiter? Es wird sich daran, entscheiden, ob der Westen die Demut hat, „sich wieder der offenbarten Wahrheit zuzuwenden“ (507). Die Sehnsucht bleibt, ob – vielleicht durch einen „grassroots intellectualism“ (517) – eine Erweckung durch Gott bewirkt werden könnte.

Womöglich fragen Sie sich immer noch: Kann Gott seine Gedanken in diesem Buch (der Bibel) formuliert haben? Das Argument Mangalwadis möchte ich deshalb nicht vorenthalten: „Meine Professoren schienen davon auszugehen, dass es nur ihnen allein möglich war zu reden, ihrem Schöpfer hingegen nicht. Während sie Bücher schreiben konnten, trauten sie es ihrem Schöpfer nicht zu, seine Gedanken auf dieselbe Weise darzulegen“ (77). Die umgekehrte Schlussfolgerung vermittelt Dan Browns viel gelesene Novelle „Sakrileg“: „Weil der Schöpfer sich nicht mitteilen könne, sei es dem Menschen unmöglich, die Wahrheit zu erkennen“ (533). Deshalb bleibt die Bibel „eine Bedrohung für alle, die wollen, dass der Mensch mehr Macht hat als Gott. Sie bleibt auch eine Bedrohung für jene, die an einer Kultur der Unterdrückung auf der Grundlage von Lüge und Sünde festhalten“ (228). Was hält Sie davon ab, das Buch zu lesen – das Buch, das, als die Europäer lesen und schreiben lernten, oft das einzige Buch im Haus war (235)?

Mangalwadi hält uns in diesem Buch wirklich einen Spiegel vor, um die Wahrheit wiederzugewinnen (18). Diese über Strecken unangenehme Beschäftigung ist von unerschütterlicher Hoffnung an einen persönlich-unendlichen Schöpfer gebunden. Soll man dieses Buch lesen? „Die Menschen der Postmoderne sehen meist wenig Sinn darin, Bücher zu lesen, die nicht direkt ihrer Karriere oder ihrem Vergnügen dienen. Dies ist ein logisches Resultat des Atheismus, der verstanden hat, dass der menschliche Geist von sich aus unmöglich wissen kann, was richtig und wahr ist“ (18). Ich hoffe, dass die Besprechung dieses Buches Mut macht, sich auf unvertrautes Gelände vorzuwagen. Die Botschaft ist zu wichtig, als dass sie beiseite gelassen werden könnte. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das Lesen die gleiche Wirkung hinterlässt, die Mangalwadi beschreibt: „Die Bibel forderte mich auf, sie zu lesen, weil sie geschrieben wurde, um mich und mein Volk zu segnen“ (93). Die Alternative dazu ist nicht verlockend: „Jedes Volk, das es ablehnt, unter der Wahrheit zu leben, verdammt sich selbst dazu, unter der Herrschaft sündiger Menschen zu leben“ (536).

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Die Buchbesprechung erschien in: Glauben & Denken heute 1/2015, Nr. 15, S. 48–51.

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