40. Todestag von Francis A. Schaeffer

Heute vor 40 Jahren erlag Francis A. Schaeffer nach langer Krankheit seinem Krebsleiden im Alter von 72 Jahren. Ich dem Buch Wahrheit und Liebe: Was wir von Francis Schaeffer lernen können (#ad) schrieb ich 2006 im Vorwort:

In seinen letzten Lebensjahren erinnerte Schaeffer an den klagenden Jeremia. Er war erschöpft und besorgt. Die schleichende Entertainisierung der Evangelikalen Bewegung hielt seiner Meinung nach die Christen davon ab, auf ernste Fragen seriöse Antworten zu geben. Die auch an den evangelikalen Ausbildungsstätten fortschreitende Relativierung der Aussagen der Heiligen Schrift hielt er für eine Tragödie mit vorhersehbaren Folgen. Schaeffer sah betroffen, dass die Verkündigung zu oft nicht durch einen heiligen und barmherzigen Lebensstil gedeckt war. Und es quälte ihn, dass so viele Gläubige auf die großen Herausforderungen in den Lebensrechtsfragen mit dem Rückzug in das bequeme Privatleben oder dem Aufbau ‚seliger Inseln‘ reagierten. Betend und sorgenvoll rief er der Gemeinde zu, auf die Heilige Schrift zu hören und den Gehorsam in der Lehre durch ein entsprechendes Leben zu dokumentieren.

Freundlicherweise haben die Schaeffer-Leser anlässlich des 40. Todestages Texte verfasst. Zunächst der Hinweis auf „40 Jahre nach Francis Schaeffer – was bleibt?“ von Jonas Erne. Uwe Brinkmann hat den Beitrag „Zum 40. Todestag von Francis A. Schaeffer (1912–1984) – eine persönliche Reflexion“ geliefert. Seine ehrlichen Erinnerungen sprechen mir aus dem Herzen:

Ich war gerade dabei, mein eigenes gemeindliches Erbe aufzuarbeiten, das von strenger Gesetzlichkeit geprägt war. In Francis Schaeffer fand ich jemand, der an „Bibeltreue“ den Altvorderen meiner kleinen Fraktion in nichts nachstand, aber gleichzeitig eine intellektuelle Weite ausstrahlte, die ich als echte Befreiung begriff.

Im Rückblick war er ein echter Rettungsanker in meinem intellektuellen Dilemma, die Bibel ernst nehmen zu wollen obwohl ich gleichzeitig mit einen Koffer voll ungelöster Fragen unterwegs war. Ohne die Hilfe von Schaeffer wäre ich wahrscheinlich in einer Sackgasse gelandet, oder hätte meinen ererbten Glauben ‚dekonstruiert‘, wie wir es 40 Jahre später, überall erleben.

Das jemand, der die Bibel ernst nahm und das Thema Weltmission und Gemeinde als Herzensanliegen verteidigte, sich gleichzeitig mit philosophischen Fragen beschäftigte und sich „sogar“ mit Fragen der Kunst und des Umweltschutzes auseinandersetzte … –, das war für mich geradezu unerhört. Francis Schaeffer wurde in meinen frühen 20-ern zu einer wahnsinnig starken Ermutigung, die ganze geschöpfliche Wirklichkeit als die eine Welt Gottes zu verstehen und mein Leben nicht in einen religiösen und weltlichen Teil aufzuspalten.

Das in seinem Vermächtnis von 1984 nachgedruckte „Kennzeichen des Christen“ hat mich tatsächlich zu Tränen gerührt, weil hier für mich die Spannung zwischen Einheit und Reinheit der christlichen Kirche – was mein traumatisches Metathema war – aufgearbeitet wurde: „Wer hat aber je von einer Konferenz gehört, die von der Frage bestimmt war, wie wahre Christen durch ihr Handeln Gottes Heiligkeit und gleichzeitig Gottes Liebe vor den Augen der Welt darstellen können? Wer hat je von Predigten oder Schriften gehört, die eingehend darlegen, wie man nach zwei Grundsätzen leben kann, die einander auszuschließen scheinen: 1.) nach dem Grundsatz der Reinheit der sichtbaren Kirche in Bezug auf Lehre und Wandel und 2.) dem Grundsatz der sichtbaren Liebe und Einheit unter allen wahren Christen?“

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5 Kommentare
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Udo
7 Tage zuvor

Im Artikel von Jonas Erne sind die Angaben zur „Triologie“ nicht aktuell. Alle Bücher sind verfügbar via Haus der Bibel Verlag, 2021 bzw. 2011 herausgegeben.
Es ist immer wieder beeindruckend, mit welcher prophetischen Weitsicht Francis Schaeffer die Irrtümer beschrieben hat, in denen sich die christlichen Kirchen gerade auch heute verstrickt haben.

Alex aus Cloppenburg
7 Tage zuvor

Schaeffers große Schwäche war, dass er Nordamerika- und Europa-zentriert gedacht hat. Dass sich vierzig Jahre später hunderte Millionen Menschen in Lateinamerika, Asien und Afrika dem christlichen Glauben (neu) zugewandt haben, widerspricht seinen pessimistischen Thesen. Er hat wirklich viel gerissen in seinem Leben, aber auch sehr viel Blödsinn geschrieben und leider – und das ist die eigentliche Tragik – seinen eigenen Anteil am Niedergang des Christentums im Westen. Denn er war bedauerlicherweise unterm Strich zu destruktiv unterwegs.

Udo
7 Tage zuvor

Man fragt sich, wo die Belege für diese negativen Urteile des A.v.C. sind? Wieso ist es eine Schwäche, wenn man sich bzgl. Fehlentwicklungen kulturell auf bestimmte geographische Bereiche fokussiert? Wo war Schaeffer destruktiv unterwegs? Wo hatte er seinen Anteil am Niedergang des Christentums im Westen? Der Warner, der mit seinen Warnungen überwiegend in Schwarze getroffen hat und durch den viele Menschen lebendige Christen geworden sind, wird hier mit oberflächlichen Anschuldigungen auf die Anklagebank gezerrt. Das ist wenig überzeugend.

Alex aus Cloppenburg
7 Tage zuvor

@Udo:
Ich selber komme aus der ehemaligen Sowjetunion und finde es legitim, jemanden zu kritisieren, der mit einer zu westlichen Brille auf das Christentum schaut.
Destruktiv waren unter anderem seine Kritik an der Lausanner Bewegung oder seine zu einseitige Kritik an der Kultur der Gegenwart. (Aus heutiger Sicht für viele – kulturell und gesellschaftlich gesehen- eine Zeit, die sie sich zurückwünschen)
Seinen Anteil am Niedergang DES CHRISTENTUMS im Westen hat er darin, dass er – wie viele andere auch – gespalten hat. Er hat auf persönlicher Ebene Gemeinschaften gestiftet und Menschen zum Glauben verholfen. Ja. Seine millionenfach verkauften Bücher trugen gleichzeitig dazu bei, dass Christen sich radikalisierten und Gemeinschaft unter Christen schwieriger wurde. Das Bild, dass die US-amerikanischen Christen heute abgeben, hat auch was mit Leuten wie Schaeffer zu tun.
Um vorherzusagen, dass das Christentum im Westen an Einfluss verlieren werde, muss man kein Hellseher sein. Daher werden seine prophetischen Fähigkeiten überschätzt.

ali
6 Tage zuvor

Das Christentum begann in Jerusalem als der gemeinsame Glaube des Leibes Christi.
Dann kam es nach Griechenland, und die Griechen machten daraus eine Philosophie.
Dann kam es nach Rom, und die Römer machten daraus ein Imperium.
Dann kam es nach Amerika, und die Amerikaner machten daraus ein Geschäft.
Wie nennt man das nun, wenn ein Leib zu einem Geschäft geworden ist? – Prostitution!

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