Slavoj Žižek: Posthumanismus lässt Kapitalismus und Gottesglauben verschwinden

Slavoj Žižek meint, die Bedrohung durch eine erweiterte Künstliche Intelligenz (KI) sei so ernst, dass der Kapitlaismus durch neue Formen des Kommunismus abgelöst werden wird. Sonst drohe ein unkontrollierbares Chaos. Und nebenbei verschwünden auch noch die „Götter“. 

Auch wenn das Ergebnis nicht eindeutig vorhergesagt werden kann, ist doch eines klar: Wenn so etwas wie „Posthumanität“ tatsächlich als massive Tatsache auftritt, dann werden alle drei (sich überschneidenden) Momente unserer spontanen Weltsicht (Mensch, Gott, Natur) verschwinden. Unser Menschsein kann nur vor dem Hintergrund der undurchdringlichen Natur existieren, und wenn – durch biogenetische Wissenschaft und Praktiken – das Leben zu etwas wird, das technologisch vollständig manipuliert werden kann, verlieren menschliches und natürliches Leben ihren „natürlichen“ Charakter.

Und dasselbe gilt für Gott: Was Menschen (immer in historisch spezifizierten Formen) als „Gott“ erleben, ist etwas, das nur vom Standpunkt menschlicher Endlichkeit und Sterblichkeit aus Bedeutung hat – „Gott“ ist das Gegenstück zur irdischen Endlichkeit, und sobald wir zum homo deus werden und Eigenschaften erlangen, die von unserem alten menschlichen Standpunkt aus „übernatürlich“ erscheinen (wie die direkte Kommunikation mit anderen bewussten Wesen oder mit der KI), verschwinden „Götter“, wie wir sie kannten. Die technognostischen Visionen einer posthumanen Welt sind ideologische Fantasien, die den Abgrund dessen, was uns erwartet, verschleiern.

So sehr auch ich Bedrohungen durch den Posthumanismus und Transhumanismus sehe: Gott wird nicht verschwinden. Gott verschwände nur, wenn die Denkvoraussetzungen Žižeks zuträfen, Gott also eine Projektion der Menschen wäre. Gott war aber schon da, bevor der Mensch ihn projizieren könnte. Dieser lebendige Gott möge uns vor neuen transhumanistischen oder kommunistischen Abenteuern bewahren. 

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

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2 Kommentare
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Helge Beck
1 Jahr zuvor

Gott ist doch verschwunden, verborgen. Er muss entdeckt werden.

Regulus Jäger
2 Monate zuvor

Das zeigt die Angst und Ignoranz in der Theologie, der Philosophie auf ehrlicher Augenhöhe zu begegnen.

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