Das gefühlte (Pseudo)Evangelium

SentimentalDer Historiker Todd M. Brennemann hat ein Buch über den nordamerikanischen Evangelikalismus geschrieben. In:

beschreibt er die Evangelikalen als regressive Leute mit einem Hang zur Sentimentalität und zum Kitsch. Wie wahr!

Professor Jay Green hat für CT eine gute Rezension verfasst.

Homespun Gospel could very well launch a broad reinterpretation of contemporary evangelicalism. By placing sentimentality at its center, Brenneman challenges some long-standing assumptions about the movement’s contours and priorities. He argues that evangelicals’ “culture of emotionality” and “appeal to tender feelings” subtly shape both their beliefs about God and their manner of engaging the modern world. Sentimentalism elevates personal emotional needs—and their satisfaction through divine help—to evangelicalism’s highest priority.

Brenneman invites us to look closely at a popular yet understudied segment of evangelical discourse and commercial life. He focuses on the contributions of three celebrity pastors: Max Lucado, Rick Warren, and Joel Osteen. During the past 25 years, he says, these profitable “evangelical brands” have produced mountains of books and merchandise that reflect both the emotional and therapeutic appeal of evangelical teaching and the abiding popularity of sentimentalism.

Hier mehr: www.christianitytoday.com.

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17 Comments
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Johannes G.
Johannes G.
6 Jahre zuvor

Das klingt sehr ähnlich wie das bereits etwas ältere Buch „The Scandal of the Evangelical Mind“ von Mark Noll. Bücher scheinen keine Lösung für das Problem zu sein, da diese wohl am wenigsten von jenen gelesen werden, an die sie adressiert sind…

Liebe Grüße
Johannes

Roderich
Roderich
6 Jahre zuvor

,
man müsste „Wellness-Wochenenden“ machen, bei denen das Buch verlesen wird, während man im Whirlpool sitzt… 😉
(Aber ich denke nicht, dass das Buch nichts bringt – es sind ja auch lesende Menschen von dieser modernen Wohlfühlideologie erfasst.

Mal allgemein: Gefühle sind ja nicht unwichtig – aber eher nur eine Folge, nicht das Ziel.
(Als „Ziel“ braucht man Dinge, die aus klarem Denken heraus definiert worden sind, bzw. aus dem klaren Verständnis des Wortes Gottes abgeleitet wurden, und die Handlung muss sich daran ausrichten.)

ConfessorReformatus
ConfessorReformatus
6 Jahre zuvor

Es mag sicherlich einiges wahres dran sein, an dem was Brennemann kritisiert, und auch ich bin kein Freund von Warren, Lucado oder gar Osteen. Dennoch sollte man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten! Dass zuviel Gefühl in gewisser Weise einer evangeliumszentrierten Verkündigung & Theologie entgegensteht, ist ein in bestimmten „konservativ-evangelikalen“ Kreisen häufig zitierter Topos. Dennoch sind für neurologisch/psychosozial so geeicht, dass Gefühle wichtig sind, und auch für andere kognitive Funktionsweisen (zb. lernen) eine Rolle spielen. Wenn man in diesem Falle das Kind mit dem Bade ausschüttet, so wie es Brennemann zu tun scheint – er kritisiert, wie ich im… Weiterlesen »

Jonas
6 Jahre zuvor

Ich möchte noch ein wenig tiefer in die Kerbe von ConfessorReformatus schlagen. Das Problem ist m.E. nicht, dass Predigten an sich gefühlsbetont sind, sondern dass sie es sich zu einfach machen und auf die falschen Gefühle abzielen. Das heutige „Wellness-Evangelium“ führt am Ende zu Gleichgültigkeit, weil es auf Gefühle abzielt, die den Zuhörer um sich selbst drehen lassen. Ich möchte hier auf einen dieser frühen Prediger hinweisen, der sich mit diesen Phänomenen sehr gut befasst hat. Sein Buch „Religious Affections“ ist auch für unsere Zeit äußerst wichtig. Dort schreibt er: „Statt glaubensmäßige Regungen ohne Prüfung zu schätzen und zu bewundern,… Weiterlesen »

rolf eicken
rolf eicken
6 Jahre zuvor

@Roderich – es kommt selten vor, dass ich beim Lesen im Internet so schallend lachen muß, wie bei Ihrem Whirlpoolsatz. Vor langer Zeit hatte ich mir mal eine Predigt eines dieser evengelikalen „Erzähler“ angehört und dieser sagte wörtlich: „Und Gott sagte zu mir“…..! Ich wusste gar nicht, dass Gott außer mit Mose noch persönlich mit einem Menschen gesprochen hat. Es mag sein, dass er auch in dieser Predigt bewußt die Gefühle ansprach, zumal die Menge der Zuhörer keinen hochgeistigen Endruck machten. Die Bildung des Durchschnittamerikaners soll ja nicht so toll sein. Vielleicht ist das auch ein Grund für die „Emotionalisierung“… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

@Rolf … evangelikalen „Erzähler“ … Stimmt. Es kommt eben darauf an, wem man Gehör schenkt. Auf Ravi Zacharias habe ich Sie bereits hingewiesen. Seine Videos sind auf YouTube. Da haben Sie übrigens Bildung und Apologetik in einem 🙂 Was das Sprechen Gottes anbelangt: Wer so spricht (also „Gott sagte zu mir …“) weiß entweder nicht, was er da sagt, plappert oder verwendet eine äußerst abgeschmackte Frömmelsprache. Damit verletzt er sogar so manch denkenden Christen, der meint, ihm entgehe offenbar etwas. Wie wär’s, wenn Sie sich doch noch mal überlegen, dem einen oder anderen Vortrag Ravi Zacharias’ (ja, bei mir gibts… Weiterlesen »

Josef
Josef
6 Jahre zuvor

Die Problematik beim dem „Sprechen“ Gottes liegt m. E. daran, dass man denkt über Gott verfügen zu können. Das wünscht man sich ziemlich oft, weil man will, dass es so und so ist, obwohl der Herr um ein unvergleichliches Maß weiter denken kann als wir. Er erhört Gebet, aber er entscheidet auch wie: „Das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist.“ Wenn wir biblisch beten und dem Herrn gehorsam sind und nicht uns selbst gehorsam sind, dann stimmt auch der Wandel.

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

@Josef Die Problematik beim „Sprechen“ Gottes liegt m. E. daran, dass man sich was einbildet und dann daherfrömmelt, was eigentlich nur ekelhaft ist. Unreflektierte Christen frömmeln gerne. Ich stimme Dir aber inhaltlich zu. Nur: WAS das Gebet des Gerechten im einzelnen vermag, können wir nicht wissen. Biblisch beten? Was soll das sein? Dem Herrn gehorsam – wie denn, wenn ich der Gefangene meines eigenen Wesens bin, dessen sterblicher Leib der Herr Jesus erst erlösen muss? Du machst es Dir m. E. viel zu einfach. Gebetsherhörung bleiben oft aus, aus uns völlig unerfindlichen Gründen. Wir wissen nicht weshalb und können es… Weiterlesen »

Josef
Josef
6 Jahre zuvor

@ Schandor: Paulus erwähnt ja immer wieder in den Briefen zu beten. Ein ernstliches Gebet ist, wenn man vor Gott ein reines Gewissen hat. An der Bibel kann gut prüfen, ob es z. B. kein egoistisches oder gieriges Gebet ist. Jesus sagt ja: Wer mich liebt, der haltet meine Gebote (davon gibt es sehr viele im NT). Das ist Gehorsamkeit. Ich hatte schon oft Gebetserhörungen. Diese Gebete waren aber im entsprechend biblischen Rahmen. Aber nicht jedes Gebet wird erhört oder sofort erhört, weil wir entweder noch nicht so weit sind oder wir in manchen Dingen ungehorsam sind. Es ist immer… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

@Josef Eigentlich nicht. Ein reines Gewissen kann niemand haben. Ein getröstetes oder geängstetes vielleicht. Aber „rein“ – nein, das glaube ich nicht. Jedes Gebet ist von Egoismus begleitet, und wer das nicht sehen kann, kann nicht weit genug in den Abgrund des eigenen Herzens blicken (was nicht unbedingt ein Fehler ist). Du machst das Evangelium zum Gesetz, denn wenn ich wieder nur auf der Bedingung meines Gehorsams erhört werde, bin ich verloren. Ich gehöre übrigens keiner Heiligungsbewegung an, denn dann könnte ich Dich gut verstehen. Auch erhört Gott Gebet, und manchmal eben nicht. Aber wenn Du meinst, er erhöres auf… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

Zusatz: Was es mit jenen seltsamen Zeugnissen auf sich hat, die fest und steif behaupten, tatsächlich Jesus gesehen/gehört zu haben, kann ich nicht sagen. Ich halte das nicht für ausgeschlossen. Das Zeugnis jenes Russlanddeutschen, der 5 Stunden tot war und auch heute ohne lebenswichtige Organe eigenlich gar nicht am Leben sein dürfte, ist schon unheimlich (YT). Also prinzipiell für ausgeschlossen kann ich ein Sprechen Gottes nicht halten, aber dort, wo es stattzuhaben scheint, scheint auch immer eine außergewöhliche Situation vorzuliegen. Ein einfaches auf Gemeindeebene dahergeplappertes „Gott hat mir gesagt“ halte ich einfach nur für überreizte Nerven (früher nannte man die… Weiterlesen »

Josef
Josef
6 Jahre zuvor

@ Schandor: Wie verstehst du dann das Zitat mit dem ernstlichen Gebet? Oder „was ihr in meinem Namen bittet…“? Ich glaube an Jesus aus Überzeugung. Dem Herrn gehorsam sein, ist sehr wichtig. Es gibt Gebete (so sollte auch ein Gebet sein), dass nicht egoistisch ist, z. B. wenn betet, dass Menschen zum Herrn finden.

Beides ist richtig. Gehorsam und Souveränität.

Reichtum ist sehr gefährlich, aber es gibt klare Anweisungen dazu in der Schrift. Man soll sich ja Schätze im Himmel sammeln. Schwärmer gibt es immer noch.

Josef
Josef
6 Jahre zuvor

@ Schandor:

Wenn man sich bekehrt, dann rettet ja der Herr (beides ist richtig). Man wächst immer weiter im Glauben (so sollte es zumindest sein) und das Herz wird immer mehr auf den Herrn ausgerichtet. Und ohne Heiligung kann man den Herrn nicht schauen.

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

@Josef Gut. Von unten nach oben. Ja, ohne Heiligung wird man den Herrn nicht sehen, genauso wenig, wie es keinen einzigen Christen im Himmel geben wird, der den Herrn nicht sehen wird. „Wenn man sich bekehrt“ – psychologischer Ausdruck „Wenn einen Gott bekehrt“ – theologischer Ausdruck. Wir kehren um, nachdem (!) uns der Herr zieht. Denn niemand kommt zu Jesus, den nicht der Vater zieht. Doch wenn der Vater zieht, dann kommen wir. Freiwillig und gerne (das bezeichnen wir dann manchmal mit „meine Bekehrung“, meine „Wiedergeburt“ udgl.). Zum Reichtum habe ich nichts zu sagen. Das kenne ich nur vom Hörensagen.… Weiterlesen »

Josef
Josef
6 Jahre zuvor

@ Schandor: Es liegt aber letztlich in der Verantwortung des Menschen dies und das tun, also „jage aber nach Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Geduld, Sanftmut“. Das ist Heiligung bzw. Gehorsam. Und wenn man das nicht tut, wird man immer fleischlicher. Es ist letztendlich sehr sehr oft (nicht immer) eine Frage der Gesinnung. Denn man kann auch den Glauben an Jesus ja auch endgültig ablehnen (auch wenn das m. M. n. eher selten der Fall ist). Das mit dem Menschen retten ist ja nur ein Beispiel. Ein anderes Beispiel wäre z. B. um Bewahrung bei der Arbeit, also der Herr bewahrt,… Weiterlesen »

Schandor
Schandor
6 Jahre zuvor

@Josef

Ich stimme Dir zu. Wir sind uns einig!

Martin Schweiger
6 Jahre zuvor

Pastor Rick Warren mehrmals täglich mit eigener Weisheit auf Twitter, z.B. hier
https://twitter.com/RickWarrenQT/status/464268819091816448

Schlüsse daraus sind erlaubt.