Humor

„Die Schulä fenkt an“

Harald Martenstein hat sich mit dem Erlernen der Rechtschreibung nach Gehör befasst und seine „Erkänntnisse“ in einen wunderbaren Text gepackt:

Manchmal sagen Leute: Ach, wissen Sie, ich würde auch gerne schreiben – kann man das lernen? Natürlich. Ich habe auf die folgende Weise schreiben gelernt. Eine bezaubernde junge Frau, die mir riesengroß vorkam, betrat das Zimmer, in dem ich saß. Sie lächelte mich an, ging zu einer Tafel, sie schrieb das Wort „Hans“ und das Wort „Lotte“ an die Wand. Dann erklärte sie mir, welcher Buchstabe welchem Laut entspricht. So habe ich schreiben gelernt. Buchstabe für Buchstabe, mit Fibel. Ich war überrascht, als ich in der Zeitung las, wie Kinder heutzutage das Schreiben lernen.

Die Kinder kriegen eine „Anlauttabelle“. Man erklärt ihnen, welcher Laut welchem Buchstaben entspricht. Dann sollen sie loslegen. Sie hören einen Satz, gucken in ihrer Tabelle nach und schreiben: „Die Schulä funkt an.“ Schon nach ein paar Wochen können sie halbe Romane schreiben, besser gesagt, halbe Roh Manne. Der Lehrer darf sie nicht korrigieren. Das würde den Kindern, heißt es, seelischen Schaden zufügen und sie demotivieren. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ ist eine Erfindung des Reformpädagogen Jürgen Reichen, sie setzt sich immer mehr durch. In der Zeitung stand auch, dass Eltern verwirrt sind. Ihr Kind schreibt „Di Bollitzei isst da“ und fragt, ob das richtig geschrieben sei. Was sollen die Eltern dem Kind antworten? Beim Elternabend wird ihnen gesagt, dass sie so tun sollen, als sei alles richtig. Falls sie damit ein Problem haben, sollen sie „ausweichend antworten“. Die Eltern können sagen: »Richtig, falsch, das sind relative Begriffe. Alles nur gesellschaftliche Konvention.« Oder: „Was richtig war und was falsch, zeigte sich oft erst nach Jahrzehnten.“

Interessanterweise hat die neue Methode dazu geführt, dass es viel mehr Kinder mit Rechtschreibschwächen gibt als früher …

Mehr: www.zeit.de.

VD: ET

Ab in die Erfolgszone!

Als ich das Video erstmals sah, dachte ich an eine Persiflage. Es ist ernst gemeint. Der Megachurch-Pastor Ed Young will uns in die Erfolgsszone führen. Willst du gesegnet werden und für andere ein Segen sein, leben, auf einem ganz neuen Niveau? Ab in die Mitte! Aber Achtung: es riecht nach Plastik.

The Faith Tones

Das Cover gehört zu den seltsamsten Plattenhüllen der Welt. Warum nur?

Himmlisches TV

Die gestrige ZDF-Sendung »Markus Lanz« drehte sich um Loriot und die »Fliege Essenz«. Da habe ich dann doch mal reingeschaut und ein kurzer Satz des Comedian Ingo Appelt traf tatsächlich meinen Humor (aus dem Gedächtnis zitiert):

Früher wollten die Leute in den Himmel, heute wollen sie ins Fernsehen.

Wer ist gemeint?

Nachfolgend zitiere ich eine anonymisierte und leicht verfremdete Beschreibung des Schreibstils einer Persönlichkeit mit Rang und Namen. Um wen geht es?

… Vorstellungen von der Hölle auf Erden sind untrennbar verbunden mit seinen Vorstellungen vom irdischen Himmel. Beide zeigen letzte Spuren einer theologischen Herkunft, denen er als Theoretiker allerdings nicht gewachsen ist. Er weiß das genau. Jede Theorie wird für ihn zum Gefängnis, noch bevor er sie überhaupt zu Ende studiert hat. Die definierten Begriffe sind die Ziegelsteine, aus denen sich die Gefängnismauern aufbauen. Zwar gibt es für ihn Schlüsselwörter wie Verwandlung oder Leben, ohne die er nicht auskommt. Leben ist sogar seine höchste Vokabel, aber gerade sie entzieht sich der präzisen Definition. Sie bleibt eine leuchtende Denkmasse, stets verbunden mit einer akuten Erfahrung von Vollkommenheit, einem aufstrahlenden Augenblick. Im Gespräch … kommt er einmal unverhofft in die Nähe einer scharfen Bestimmung. Gott, sagt er, »ist die Summe wirklichen Lebens«. Aber er erschrickt sofort und fügt bei: »oder wenigstens scheint es mir manchmal so«. Mit diesem Rückzieher braucht er für die Definition schon nicht mehr einzustehen; er hat das unersetzliche Wort wieder in die Freiheit entlassen. Das Wort, jedes Wort, ist nämlich in Gefahr, zum Gegensatz des Lebendigen zu werden. Nur im Akt des Erzählens, wo das Wort seinen Sinn aus dem bewegten Zusammenhang gewinnt, entgeht es der Erstarrung.

Love Wins 2.0

Da ist doch tatsächlich noch ein zweites Promotionsvideo zum Buch Love Wins im Internet aufgetaucht. Hier:


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