Eine biblische Theologie des geistlichen Ehebruchs
Ray Ortlund schreibt in „God’s Unfaithful Wife: A Biblical Theology of Spiritual Adultery“ (THEMELIOS, 51.1 (2026), S. 65–69, hier S. 69).
Wenn wir einen Schritt zurücktreten und die Bibel in ihrer Gesamtheit betrachten, wobei wir ihre typologische Symmetrie wahrnehmen, tritt diese erstaunliche Aussage deutlich zutage: Gott in Christus liebt Sünder nicht nur, sondern Gott in Christus liebt Sünder mit dem romantischen Herzen eines hingebungsvollen, treuen und verehrenden Ehemanns. Die menschliche Ehe ist gut, aber sie ist nicht die Erfahrung, nach der wir uns am meisten sehnen. Die menschliche Ehe dient als Metapher für die Erfahrung, nach der wir uns am meisten sehnen. Sexualität spricht von Endgültigkeit. Intimität lässt Herrlichkeit erahnen. Sich zu verlieben, veranschaulicht unser Kommen zu Christus und unseren Weg in den Himmel. Das biblische Evangelium spricht mit dieser irdischen und doch himmlischen, emotionalen Kraft. Das Evangelium erzählt die Geschichte von Gottes nachgehender, treuer, verwundeter, zorniger, alles überragender, verwandelnder, triumphierender Liebe. Und es ruft uns dazu auf, ihm mit einer Liebe zu antworten, die unser Leben von aller geistlichen Unzucht reinigt.
In den letzten drei Kapiteln geht es dann konkreter darum, eine Evangeliumskultur konkret zu entwickeln. Warum ist das oft so schwierig? „Eines der größten Hindernisse für das Wirken des Evangeliums in unseren Gemeinden ist Unglaube unter uns Gemeindemitgliedern“ (S. 75). Das Evangelium stellt Christus ins Zentrum; wir hingegen neigen dazu, uns selbst ins Zentrum zu rücken, auch wenn wir theoretisch bekennen, dass Christus im Zentrum ist – diese Neigung macht es so schwierig, eine Evangeliumskultur zu etablieren. Gelingt es durch Gottes Gnade allerdings doch, können wir mit zwei Dingen rechnen: mehr Frucht (Freude, Bekehrungen, Einfluss), aber auch mehr Widerstand. Anhand von 2. Korinther 2,15 zeigt Ortlund, dass das Evangelium immer etwas bewirkt: Es ist entweder ein „Duft zum Tode“ oder ein „Duft zum Leben“. Im letzten Kapitel zeigt Ortlund dann den „Weg nach vorne“: Wir brauchen die Kraft der Gnade Christi (und wem das „zu einfach“ ist, muss wohl einfach gründlich versagen, um das zu erkennen); wir brauchen Mut (den wir bekommen, wenn wir die Herrlichkeit Christi nicht aus dem Blick verlieren); und schließlich Liebe (wenn diese nicht da ist, kann die Welt mit Recht unser Zeugnis Jesu infrage stellen).