Die FAS berichtet in dem ganzseitigen Beitrag „Die Sinnfluencer“ (FAS vom 22.11.2020, Nr. 47, S. 13) über ein Pastorinnenpaar, das vom Kirchenfunk damit beauftragt ist, einer verstaubten Institution frischen Wind einzuhauchen:
Produziert werden die Videos von „Anders Amen“ vom evangelischen Kirchenfunk Niedersachen/Bremen. „Sinnfluencer“ nennt die evangelische Kirche ihre digitalen Helden. Die Kirche hat viel nachzuholen in Sachen digitales Storytelling, in Sachen Nachwuchs und vor allem: in Sachen Diversität …
Die beiden Pastorinnen, so unterschiedlich sie auch sind, eignen sich hervorragend für die positive Vermarktung einer verstaubten Institution. Die evangelische Kirche als eine Heimat für queere Personen, für Regenbogenfamilien, für alle eben.
Mit welchen Themen will denn die Kirche Menschen an sich binden? Siehe hier:
- Hanky Code vs. Kirchenjahr – Wer hat von wem geklaut?
- Mein Outing & unser Kennenlernen
- Sex in der Kirche?! Queere Pastorinnen über Sex vor der Ehe, Pornos & Lecktücher
- My Roots – unsere Coming-out-Storys mit Anders Amen, Jolina Mennen, Kostas Kind und vielen mehr …
- Was ist SÜNDE? Glaubensfragen
- Sexy Barbara Schöneberger & queere Wahrheiten
- Was ist LGBTIQA*?
- Ehe für ALLE?! Die große Trau-Pfarrschule
Hier mal eine nicht jugendfreie Beispielsendung von „Anders Amen“:
Bemerkenswert finde ich, dass die FAS den missionarischen Eifer des evangelischen Kirchenfunks nicht im Ansatz hinterfragt. Kann man nicht wenigstens mal darüber nachdenken, ob ein plansexuelles Bravo-TV das ist, was der Kirche weiterhilft? Ausgeholt wird freilich gegen Leute, die das noch so sehen, wie – sagen wir mal – die meisten Leute in Europa vor 20 Jahren. Denn:
In einem Ethik-Seminar, das sie zusammen im Studium besuchten, gab es etwa den Prof, der es immer wieder fertigbrachte, Homosexualität in die Nähe von Pädophilie zu rücken, wie sie es empfanden. Im Namen des evangelischen Glaubens wurden gerade in Freikirchen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder sogenannte Konversionstherapien vorgenommen, die seit Juni 2020 für unter Achtzehnjährige verboten sind.
Ellen Radtke sagt an einer Stelle (Minute 12:49): „Je mehr man sich damit beschäftigt, desto weniger überfordert das“. Ich gehe fast davon aus, die beiden Pastorinnen beschäftigen sich kaum noch mit etwas anderem.